[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Oberflächenbehandlung von Werkstücken mithilfe
abreibender Teilchen, in einem nach oben offenen Arbeitsbehälter, der wenigstens teilweise
mit einem stückigen, abrasiven Behandlungsmittel gefüllt ist, in dem die Werkstücke
eingebettet liegen und bei dem mithilfe eines Strahlmittelstrahls die an der Oberfläche
der Arbeitsbehälter-Füllung zu liegen kommenden Werkstücke gestrahlt werden. Die Erfindung
betrifft weiterhin eine zur Durchführung des Verfahrens geeignete Vorrichtung.
[0002] Das sogenannte Gleitschleif-Verfahren hat einen breiten Eingang in die Technik der
Oberflächenbehandlung gefunden. Es beruht auf der Tatsache, daß die in einer Bettung
aus Behandlungsmittel "schwimmenden" Werkstücke durch das Gleiten und Reiben nach
und nach an ihrer Oberfläche entgratet, gerundet, geschliffen, gereinigt, entzundert
oder entrostet werden. Auf der anderen Seite ist es bekannt, Werkstücke mithilfe eines
Strahlmittel-Strahls zu bearbeiten, wobei wegen der wesentlich höheren Energie der
Teilchen eine kürzere Bearbeitungszeit erforderlich ist. Während das Gleitschleif-Verfahren
den Nachteil hat, daß die Werkstücke relativ lange in dem Arbeitsbehälter verbleiben
müssen, bis die erwünschte Oberflächenbehandlung beendet ist, ergibt sich bei dem
zweitgenannten Strahlverfahren der Nachteil, daß außer den gestrahlten Werkstücken
auch die Unterlage, d. h. das Tragerost, das Förderband und dergleichen, vom Strahlmittel
getroffen werden, so daß sich diese Teile sehr stark mit abnutzen und relativ . oft
erneuert werden müssen.
[0003] Aus der DE-OS 2 758 281 ist bekannt, eine Oberflächenbehandlung von Werkstücken dadurch
durchzuführen, daß eine Schüttung von Werkstücken allein oder zusammen mit Hilfskörpern
durch Impulse in ständiger Vibrations-und Umwälzbewegung gehalten wird, wobei der
Strahlmittel-Strahl gegen die Oberfläche der in quaisi-flüssigem Zustand befindlichen
Schüttung gerichtet wird. Diese Verfahrensweise hat den Nachteil, daß dann,
1. wenn die Werkstücke allein sich in Vibration befinden, ein unerwünscht hoher gegenseitiger
Abrieb und eine hohe Lärmentwicklung eintreten, oder
2. wenn Hilfskörper eingesetzt werden, auch die Hilfskörper verschleißen, wobei sowohl
der Abrieb als auch das Strahlmittel wieder von den Hilfskörpern getrennt werden müssen.
[0004] Es stellt sich demnach die Aufgabe, das aus der DE-OS 2 758 281 bekannte Verfahren
so zu verbessern, daß bei optimalem Schutz des Arbeitsbehälters und minimaler Lärmentwicklung
bei kurzer Bearbeitungszeit eine gleichmäßige Bearbeitung der Werkstücke möglich ist,
wobei die dazu verwendete Vorrichtung einfach herstellbar und die Werkstücke sowohl
aus Kunststoff als auch aus Metall bestehen können sollen.
[0005] Diese Aufgabe wird gelöst bei dem Verfahren zur Oberflächenbehandlung von Werkstücken
wie eingangs zitiert, bei dem das Strahlmittel gleichzeitig einziges Behandlungsmittel
ist, wobei das-Volumen der Werkstücke nicht mehr als 50 % der sich im Arbeitsbehältnis
befindlichen Schüttung beträgt.
[0006] Im Gegensatz zum Verfahren gemäß Stand der Technik werden keine Füllkörper, Flüssigkeiten
oder Hilfskörper verwendet, sondern der gesamte Kreislauf des Verfahrens vollzieht
sich ausschließlich mit einem einzigen Behandlungsmittel, das gleichzeitig Strahlmittel
ist. Für dieses Verfahren eignen sich daher nicht alle möglichen Behandlungsmittel
oder als Füllkörper bekannte Mittel, nämlich keine Flüssigkeiten, keine splitternden
oder zerplatzenden Teilchen, wie Glasteilchen, oder stark in sich abreibende Teilchen.
[0007] Geeignet dagegen sind die aus der Oberflächen-Strahltechnik bekannten Strahlmittel,wie
Stahl- oder Aluminium-Strahlschrot. Für Kunststoff-Teile können auch Walnuß-Granulate
oder Kunststoffperlen, beispielsweise aus Hart-Polyvinylchlorid, verwendet werden.
[0008] Vorzugsweise liegt die Korngröße des Strahl- bzw. Behandlungsmittels in seiner mittleren
Größe zwischen 0,3 und 2,5 mm. Das Strahlmittel muß geeignet sein, mithilfe von Schleuderstrahlwerken
bekannter Bauart verarbeitet zu werden.
[0009] Die Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens besitzt
- als Arbeitsbehälter einen sogenannten Vibrotrog;
- wobei der Strahl mithilfe eines Schleuderstrahlwerkes erzeugt wird,
- und am Ende des Vibrotroges eine Strahlmittel-Entnahmestation mit einer nachgeschalteten
Reinigungsvorrichtung vorgesehen ist.
[0010] Der Strahlmittel-Strahl des Schleuderstrahlwerkes ist auf die Oberfläche des Arbeitsbehälter-Inhaltes
gerichtet. Die Strahlenergie ist so groß, daß eine dünne Schicht von Strahlmittel,
die oberhalb der eingebetteten Werkstücke liegt, fortgeblasen wird. Die freiliegende,
exponierte Fläche des Werkstückes wird dann gereinigt. Entsprechend der Umwälzgeschwindigkeit
der Werkstücke erscheinen diese dann regelmäßig wieder an der Bettungsoberfläche und
werden vom Strahl erfaßt. Es ist auch möglich, das Strahlwerk relativ zur Länge des
Arbeitsbehälters beweglich zu machen, so daß jeweils die ganze Reihe der obenliegenden
Werkstücke erfaßt wird.
[0011] Am Ende des Arbeitsbehälters ist eine Strahlmittel-Entnahmestation angenordnet, die
mit einer Strahlmittel-Rückführung und Reinigungsvorrichtung verbunden ist, wie sie
an sich aus der Oberflächentechnik bekannt sind. Die Entnahmestation ermöglicht auch,
daß das Niveau der Schüttung exakt konstant gehalten werden kann. Weitere Eigenschaften
des Verfahrens und einer zur Durchführung des Verfahrens verwendbaren Vorrichtung
werden anhand der Zeichnung dargestellt, deren Figuren zeigen:
Figur 1 schematisch eine Ausführungsform der Vorrichtung in Seitenansicht;
Figur 2 einen Schnitt A - A gemäß Figur 1.
[0012] In den beiden Figuren ist als Hauptteil einer zur Durchführung des Verfahrens geeigneten
Vorrichtung ein sogenannter Vibrotrog 1 dargestellt, der in der Praxis eine teilweise
geschlossene Rinne ist, die mithilfe eines Schwingmotors (nicht dargestellt) in Schwingungen
mit kleiner Amplitude versetzt wird. Der Vibrotrog ist beispielsweise 3 m lang und
hat einen Durchmesser von 65 cm. Die Schwingungsamplitude liegt beispielsweise zwischen
1 und 5 mm, wobei die Frequenz beispielsweise 16 - 30 Hz betragen kann. Diese Maßangaben
sind jedoch nicht einschränkend zu verstehen, sondern sollen lediglich andeuten, daß
es sich um ein längliches, rinnenartiges Gebilde mit bestimmten Schwingungseigenschaften
handelt. Abweichend von dieser Ausführungsform kann auch ein kreisringförmiger (torusförmiger)
Arbeitsbehälter verwendet werden oder ein solcher, der mehr quadratische Abmessungen
hat.
[0013] An seiner Eingangsseite 2 ist auf den Vibrotrog 1 ein Trichter 3 aufgesetzt, durch
den Werkstücke 4 und/oder eine Anfangsbeschickung einer Strahlmittelbettung 5 eingegeben
werden können. Als Strahlmittel werden die aus der Oberflächen-Strahltechnik bekannten
Strahlmittel, wie Stahl- oder Aluminium-Strahlschrot verwendet. Ebenfalls geeignet
sind für Kunststoff-Teile Walnuß-Granulate oder Kunststoff-Perlen aus Hart-Kunststoffen,
beispielsweise PVC, mit der genannten Körnung. Der mittlere Durchmesser dieser an
sich bekannten Strahlmittel beträgt zwischen 0,3 bis 2,5, auch bis zu 3 mm, wobei
auch diese Angaben nicht einschränkend verstanden werden sollen. Größe und Auswahl
der Strahlmittel richtet sich nach der Größe des Vibrotroges, der Werkstücke und der
weiteren, für die Durchführung des Verfahrens verwendeten Aggregate. Nicht geeignet
sind jedoch Teile, die bei Auftreffen zerplatzen, also beispielsweise Glasperlen.
[0014] Am Ende 6 des.Vibrotroges 1 ist eine Werkstückentnahme angebracht, beispielsweise
ein mit Rechen bestücktes Hebewerk (nicht dargestellt). Das Strahlmittel wird über
einen Muschelschieber 7 nach unten abgezogen und mit einer Transportschnecke 8 in
den Bereich eines Becherwerkes 9 gebracht, mit dem es in die Höhe gefördert werden
kann. Das Strahlmittel gelangt dann - gegebenenfalls unterbrochen durch einen Reinigungsschritt
- über eine Rutsche 10 in einen Vorratsbehälter 11, aus dem es mithilfe eines weiteren
Muschelschiebers 12 dosiert einem Schleuderstrahlwerk 14 aufgegeben wird. Das Strahlwerk
14 besteht aus einer Antriebsturbine 15 und einem nach unten strahlenden Schleuderrad
16, das einen Schleuderstrahl 17 durch eine öffnung 18 richtet, welche in eine Abdeckung
des Vibrotroges 1 geschnitten ist. Der Schleuderstrahl 17 trifft mit großer Energie
bzw. großem Einzelimpuls der Teilchen auf die Oberfläche des Arbeitsbehälter-Inhaltes.
[0015] Die an der Oberfläche der Strahlmittelbettung 5 liegenden Werkstücke werden zunächst
von einer dünnen Strahlmittelschicht freigeblasen und dann an ihrer exponierten Seite
unmittelbar gestrahlt. Der Strahl kommt nicht mehr mit der Wandung des Vibrotroges
selbst in Berührung. Außerdem wird praktisch vermieden, daß die Werkstücke während
des "Schwimmens" innerhalb des Arbeitsbehälters aneinander stoßen und dabei großen
Lärm verursachen und sich gegenseitig beschädigen.
[0016] Durch ein ausgewogenes Verhältnis der Volumina von Behandlungsmittel und Werkstücken
läßt sich weitgehend das gegenseitige Anstoßen und Beschädigen der Werkstücke untereinander
verhindern. Trotzdem gelangt das Werkstück durch Vibration an die Oberfläche -mit
stets wechselnder exponierter Seite -, so daß die Oberflächenbehandlung gewährleistet
ist. Diese Vorteile kompensieren den möglichen Nachteil, daß nicht die gesamte Strahlenergie
auf die Werkstücke gerichtet ist, sondern ein Teil durch das Auftreffen auf das dem
Werkstück benachbarte Behandlungsmittel verloren geht. Es zeigt sich aber, daß durch
Wahl des Bettungsmaterials und der Korngröße die Werkstücke eine verstärkte Tendenz
erhalten können, mehr an der Oberfläche der Bettung "zu schwimmen", so daß sie dort
vermehrt erreicht werden. Im übrigen werden die Werkstücke zusätzlich durch das Gleitschleifen
oberflächenbearbeitet. Durch die verkürzte Arbeitszeit wird jedoch vermieden, daß
es bei den Werkstücken zu einer zu großen Abrundung an den Kanten kommt, was in vielen
Fällen nicht erwünscht ist.
[0017] Durch die Rückführung und mögliche Reinigung des Strahlmittels ist außerdem eine
kontinuierliche Arbeitsweise möglich, da über das Schleuderrad jeweils frisches, unverbrauchtes
Strahlmittel zugeführt wird und die Bettung kontinuierlich gereinigt wird.
[0018] Die Innenseite des Arbeitsbehälters, d. h. des Vibrotroges, ist mit verschleißarmen
Kunststoff- oder Gummischichten ausgekleidet. Diese Beschichtung ist vor dem direkten
Auftreffen der Strahlmittel durch die Bettung 5 geschützt.
[0019] Anstelle eines einzigen Strahlwerkes 14 können auch mehrere über die Länge des Vibrotroges
angebracht werden. Ferner ist möglich, den Vibrotrog oder das Strahlwerk in Längsrichtung
beweglich zu machen, so daß jeweils eine größere Arbeitsfläche während einer bestimmten
Zeiteinheit bearbeitet werden kann.
[0020] Weitere Einzelheiten des Verfahrens werden anhand zweier Ausführungsbeispiele erläutert:
Beispiel 1
[0021] Kreisrunde Abdeckplatten aus Gußstahl von 1,5 cm Dicke und 15 cm Durchmesser sollen
entgratet und entzundert werden. Sie werden mit Stahlschrot, mittlerer Durchmesser
0,5 - 1 mm, im Volumenverhältnis
Volumen (Schüttung) : Volumen (Werkstücke)= 3 : 1 in einer mit 23 Hz schwingenden
Vibrorinne (Amplitude 2 mm) gegeben und von oberhalb mit einem längs der Rinne beweglichem
Schleuderstrahlwerk (Typ Schlick ) mit dem gleichen Stahlschrot gestrahlt. Nach ca.
10 Minuten Arbeitszeit war die Entgratung und die Befreiung von Oberflächen-Oxiden
beendet.
Beispiel 2:
[0022] Kunststoff-Befestigungsteile für die Bauindustrie in Form von Rosetten mit 10 cm
Durchmesser und einem Gewicht von je 15 g wurden im Verhältnis
Volumen (Schüttung) : Volumen (Werkstücke) .= 1 : 1 in Walnußschalen-Granulat der
Stückelung 1 - 3 mm eingesetzt. Mit demselben Granulat erfolgte die Strahlbehandlung.
Die Teile waren bei einer Vibration von 28 Hz bei einer Amplitude von 1,5 mm nach
7 Minuten Behandlungszeit völlig entgratet und leicht mattiert.
1. Verfahren zur Oberflächenbehandlung von Werkstücken mithilfe abreibender Teilchen,
in einem nach oben offenen Arbeitsbehälter, der wenigstens teilweise mit einem stückigen,
abrasiven Behandlungsmaterial gefüllt ist, in dem die Werkstücke eingebettet liegen,
und bei dem mithilfe eines Strahlmittel-Strahls die an der Oberfläche der Arbeitsbehälter-Füllung
zu liegen kommenden Werkstücke gestrahlt werden, dadurch gekennzeichnet,
daß das Strahlmittel gleichzeitig einziges Behandlungsmittel ist,
und daß das Volumen der Werkstücke nicht mehr als 50 % der sich im Arbeitsbehälter
befindlichen Schüttung beträgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Strahl- bzw. Behandlungsmittel
eine mittlere Korngröße zwischen 0,3 und 3 mm aufweist und geeignet ist, mithilfe
von Schleuderstrahlwerken bekannter Bauart verarbeitet zu werden.
3. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
daß
- als Arbeitsbehälter ein sogenannter Vibrotrog verwendet wird,
-'daß der Strahl mithilfe eines Schleuderstrahlwerkes erzeugt ist,
- und daß am Vibrotrog eine Strahlmittel-Entnahmestation mit nachgeschalteter Reinigungsvorrichtung
vorgesehen ist.