[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Erkennen unzulässig erwärmter Bauteile
an fahrenden Eisenbahnwagen, insbesondere zum Erkennen heissgelaufener Lager und/oder
Radkränzen bzw. Bremsen.
[0002] Es ist bekannt, nahe den Gleisen einer Eisenbahnstrecke infrarotempfindliche Detektoren
anzuordnen, und mittels einer geeigneten Optik einen Teil der von den Lagern vorbeilaufender
Eisenbahnwagen ausgehenden Wärmestrahlung (= Infrarotstrahlung) auf den Detektor zu
projizieren. Die Detektoren liefern dabei ein der Lagerwärme proportionales elekrisches
Signal, an dessen Intensität sich erkennen lässt, wenn eines der vorbeilaufenden Lager
sich unzulässig erwärmt hat, d.h. heissgelaufen ist. Zu diesem Zweck sind dem Detektor
elektrische Verstärker und elektronische Schaltmittel nachgeschaltet, die eine Reihe
von Schwellwertschaltern enthalten. Die Schwellwertschalter sprechen auf bestimmte
Signalstärken an und melden so heissgelaufene Lager.
[0003] Ausserdem sind am Gleis noch Gleisschaltmittel vorhanden, die von den vorbeifahrenden
Rädern geschaltet werden und die gesamte Erkennungsschaltung nur dann aktivieren,
wenn ein Rad vorbeifährt.
[0004] Eine derartige Vorrichtung ist z.B. aus der ÜS-A-3 119 017 bekannt. Dabei sind zwei
Detektoren in einem Gehäuse vereint, die verschiedene Teile des Lagergehäuses anmessen.
Diese Detektoren dienen jedoch der Kompensation der Umgebungstemperatur bzw. der Elimination
des Einflusses der Sonnenstrahlung auf die Messung. Ferner ist es bekannt, derartige
Erkennungs-Vorrichtungen in gleicher Weise zum Erkennen heissgelaufener Bremsen bzw.
Radkränze zu verwenden. Es ist jedoch ein Nachteil der bisher bekannten Vorrichtungen
dieser Art, dass für das Erkennen von heissgelaufenen Lagern und von heissgelaufenen
Bremsen bzw. Radkränzen meist zwei getrennte Vorrichtungen vorgesehen sind, die auch
räumlich an der Gleisstrecke an völlig getrennten Plätzen stehen. Der Nachteil besteht
darin, dass dabei weitestgehend die Detektoren und die nachgeschaltete Elektronik
doppelt benötigt werden, und vor allem auch darin, dass die Messung von Lager einerseits
und Bremse bzw. Radkranz andererseits niemals am gleichen Rad erfolgt, sondern wegen
der getrennten räumlichen Anordnung immer an getrennten Rädern.
[0005] In der US-PS 3 253 140 ist zwar bereits eine Vorrichtung gemäss dem Oberbegriff des
Anspruchs bekanntgeworden, bei der die Messung der Lagertemperatur einerseits und
der Radkranz-und Bremstemperatur andererseits am gleichen Ort erfolgt, nämlich mit
dem gleichen Detektor. Dies hat jedoch den Nachteil, dass für die Messrichtung eine
schräge Richtung gewählt werden muss, um die verschiedenen Messstellen (Lager, Bremse,
Radkranz) zu erfassen, und die Praxis hat gezeigt, dass eine solche «gemittelte» Messrichtung
zu keinen zuverlässigen Ergebnissen führt.
[0006] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, diese Nachteile zu beseitigen und
eine Vorrichtung der angegebenen Art zu schaffen, die sowohl eine unzulässige Temperaturerhöhung
des Achslagers als auch eine Temperaturerhöhung der Bremsklötze bzw. des Radkranzes
zuverlässig erkennt, und zwar am gleichen Rad, und bei der der Aufwand an elektronischen
Bauelementen wesentlich vermindert ist.
[0007] Gemäss der Erfindung ist diese Aufgabe dadurch gelöst, dass die Vorrichtung zur Detektierung
der Lagertemperatur und der Radkranztemperatur zwei getrennte Detektoren mit zugehöriger
Optik besitzt, die baulich in einem gemeinsamen Gehäuse vereinigt sind, und dass für
die getrennten Detektoren nur ein Gleisschaltmittel vorgesehen ist.
[0008] Der allgemeine Lösungsgedanke besteht demnach darin, für die Lagertemperatur und
für die Bremsklotz- bzw. Radkranztemperatur je einen Detektor vorzusehen und diese
Detektoren baulich in einem gemeinsamen Gehäuse derart zu vereinigen, dass beide stets
das gleiche Rad anmessen, und die erforderliche Auswertelektronik zweimal zu verwenden,
wobei in diese Elektronik getrennte Schwellwertschalter für die Lagertemperatur und
für die Bremsklotz- bzw. Radkranztemperatur eingebaut sind.
[0009] Letzteres ist deshalb möglich, weil diese beiden Temperaturen stark unterschiedlich
sind. Die Lagertemperatur ist z.B. bereits dann unzulässig erhöht, wenn ihre Differenz
zur Umgebungstemperatur etwa 100 °C beträgt, während dies bei der Bremsklotz- bzw.
Radkranztemperatur erst bei einer Differenz von etwa 250 °C der Fall ist. Die genannten
Gradzahlen stellen aber keine exakten Werte dar sondern sind nur genannt, um die Grössenordnung
der Temperaturunterschiede aufzuzeigen.
[0010] Es sei auch noch darauf hingewiesen, dass bei der Messung der Bremsklotz- bzw. Radkranztemperatur
die letztgenannte Radkranztemperatur die eigentlich interessante Temperatur ist.
[0011] Eine solche erhöhte Radkranztemperatur kann einmal daher rühren, dass die Bremsklötze
auf dem Rad schleifen, sie kann aber auch daher rühren, dass bei durch die Bremsklötze
blockiertem Rad das letztere auf der Schiene schleift. Die dabei auftretende Erwärmung
ist die weitaus stärkere, die schon nach wenigen Kilometern zum Lösen des abgeschrumpften
Radkranzes und damit zum Entgleisen des Zuges führen kann.
[0012] Der oben genannte allgemeine Lösungsgedanke kann in zwei unterschiedlichen konkreten
Lösungen verwirklicht werden. Diese Lösungen unterscheiden sich danach, wie die Achse
des Messstrahls relativ zur Ebene des vorbeilaufenden Rades verläuft, nämlich entweder
schräg oder parallel. Mit anderen Worten heisst dies, ob der Detektor senkrecht unter
dem über ihm vorbeilaufenden Lager angeordnet ist (paralleler Messachsenverlauf),
oder ob der Detektor soweit seitlich neben der Schiene angeordnet ist, dass die Messachse
schräg zum Rad verläuft.
[0013] Im letzteren Falle ist die Messachse auf die Radmitte ausgerichtet, und wenn ein
Rad vorbeiläuft, so laufen immer zeitlich nacheinander zunächst ein Bremsklotz, dann
das Achslager und dann der zweite Bremsklotz durch die Messachse. Es ist daher möglich
zur Messung sowohl der Bremsklotz- als auch der Lagertemperatur stets den gleichen
Detektor zu verwenden. Dieser Detektor mit seiner nachgeschalteten Elektronik muss
jedoch zeitlich nacheinander zweimal aktiviert werden; zunächst für den vorderen Bremsklotz
und danach für das Achslager. (Der zweite Bremsklotz braucht nicht angemessen zu werden,
weil seine Temperatur im wesentlichen immer gleich derjenigen des ersten Bremsklotzes
sein wird.) Für diese zweimalige Aktivierung sind getrennte Gleisschaltmittel, z.B.
Magnetschalter, erforderlich, die versetzt zueinander am Gleis angeordnet sind und
vom vorbeilaufenden Rad nacheinander geschaltet werden.
[0014] Im ersteren Falle ist die Messachse senkrecht nach oben gerichtet und erfasst nur
das über dem Detektor hinweglaufende Lager. Von den Bremsklötzen und dem Radkranz
«sieht» dieser Detektor nichts. Es ist daher für die Messung der Radkranztemperatur
ein gesonderter Detektor erforderlich, der mit dem Achs-Detektor im bzw. am gleichen
Gehäuse untergebracht sein kann, dessen Messachse jedoch speziell auf den Radkranz
gerichtet ist, und zwar auf diejenige Stelle, die senkrecht unterhalb des Achslagers
auf dem Gleis aufliegt.
[0015] Die Messung der Lagertemperatur und der Radkranztemperatur erfolgt daher bei dieser
konkreten Lösung zeitlich im gleichen Moment. Daher können bei dieser Lösung die gleichen
Gleisschaltmittel verwendet werden, die zum gleichen Zeitpunkt beide Detektoren aktivieren.
Während somit bei der erstbeschriebenen Lösung der gleiche Detektor, aber verschiedene
Gleisschaltmittel benutzt werden, werden bei der letztbeschriebenen Lösung die gleichen
Gleisschaltmittel aber unterschiedliche Detektoren verwendet.
[0016] In der Zeichnung ist die Erfindung in zwei Ausführungsbeispielen dargestellt. Es
zeigen:
Fig. 1 schematisch eine Vorrichtung gemäss der Erfindung mit Abtastung der Achslager
senkrecht von unten, mit zwei Detektoren und einem Gleisschalter,
Fig. 2 schematisch eine Vorrichtung gemäss der Erfindung mit schräger Abtastung der
Achslager, mit einem Detektor und zwei Gleisschaltern, und
Fig. 3 die Vorrichtung der Fig. 2 in einer Ansicht in Pfeilrichtung A der Fig. 2.
[0017] In Fig. 1 ist mit 1 das Rad eines Eisenbahnwagens bezeichnet das auf einer Schiene
2 läuft. Das Rad sitzt auf einer Achse 3, die in einem Lager 4 gelagert ist, das von
einem Rahmen 5 getragen wird.
[0018] Seitlich der Schiene 2 sitzt eine Vorrichtung zum Erkennen von unzulässigen Erwärmungen
des Lagers 4 und des Radkranzes des Rades 1. Diese Vorrichtung besteht aus infrarotempfindlichen
Detektoren 6 und 7; und zwar ist für die Detektierung des Lagers 4 der Detektor 6
vorqesehen und für die Detektierung des Radkranzes 1 der Detektor 7. Beide Detektoren
sind jedoch in einem gemeinsamen Gehäuse 8 untergebracht. Die Detektierung des Lagers
4 erfolgt senkrecht von unten. Zu diesem Zweck ist in der Messachse 6a ausser den
üblichen optischen Bauelementen ein Umlenkspiegel 10 angeordnet, der die Messachse
bzw. die einfallenden IR-Strahlen um etwa 90° umlenkt. Der Detektor 7 misst demgegenüber
in waagerechter Richtung 6b direkt auf den Radkranz.
[0019] Den beiden Detektoren 6 und 7 sind elektronische Bauelemente nachgeordnet, die für
beide Schaltkreise gemeinsam benutzt werden. Sie sind in dem schematisch dargestellten
Gehäuse 11 untergebracht. In ihnen sind jedoch die Schwellwertschalter für die Lagertemperatur
SSL und für die Radtemperatur SSR getrennt vorhanden. Die übrigen elektronischen Bauelemente
bestehen in bekannter Weise z.B. aus Verstärkern, Mitteln zur Analogsignalverarbeitung,
Achszähler usw., die nicht gesondert dargestellt sind. Es sind allerdings auch getrennte
Meldungsspeicher mit Anzeigemitteln 12,13 vorhanden.
[0020] Die Messung der Lagertemperatur und der Radtemperatur erfolgt zeitlich im gleichen
Moment, und zwar in dem Augenblick, in dem die Achse senkrecht über der Vorrichtung
steht, wobei dann am Rad diejenige Zone gemessen wird, die sich gerade in Auflage
auf der Schiene befindet. Zur Aktivierung der beiden Detektoren-Schaltkreise ist daher
nur ein Gleisschalter 14 erforderlich, der beide Schaltkreise einschaltet, wenn sich
das Rad in der beschriebenen Position befindet. Allerdings kann der Schalter auch
an anderer als der gezeigten Stelle angeordnet sein, z.B. auf derselben Seite wie
die Messvorrichtung. Ausserdem kann er am gegenüberliegenden Gleis sitzen und von
dem gegenüberliegenden Rad geschaltet werden, oder auch um einen Achsabstand versetzt.
[0021] Die Figuren 2 und 3 zeigen eine Vorrichtung mit schräger Abtastung. Die Messachse
15 ist hierbei zur Radebene geneigt. Es ist leicht verständlich, dass bei einer solchen
Anordnung der Messachse bei einem Raddurchlauf zunächst der Radkranz durch die Messachse
läuft, dann das Lager und danach wiederum der Radkranz. Die Messung der Temperaturen
von Lager und Rad erfolgt daher nicht im gleichen Augenblick, wie im Beispiel der
Fig. 1, sondern zeitlich nacheinander. Für diese zeitlich nacheinander liegenden Messungen
ist lediglich ein Detektor 16 erforderlich, dem über eine entsprechende Optik 17 die
IR-Strahlen zugeleitet werden. Allerdings muss dieser Detektor mit seinen nachgeschalteten
elektronischen Schaltkreisen zweimal aktiviert werden, und zwar im Abstand des halben
Raddurchmessers. Im Gegensatz zum Ausführungsbeispiel der Fig. 1 sind zwei getrennte
Gleisschalter 18 und 19 erforderlich. In Fig. 3 sind dieselben aus zeichnerischen
Gründen als am gegenüberliegenden Gleis liegend dargestellt. Sie werden von dem mit
dem Rad 1 auf einer gemeinsamen Achse sitzenden Rad 1 a geschaltet, und schalten ihrerseits
die elektronischen Bauelemente in dem Schrank 20.
[0022] Da die Durchmesser der Eisenbahnwagen unterschiedlich sind, müssen die Gleisschalter
18 und 19 entsprechend breit sein, um zu gewährleisten, dass bei allen praktisch vorkommenden
Raddurchmessern der Schaltkreis jeweils im richtigen Moment aktiv ist.