[0001] Entschwefelungsmittel für die Eisen- und Stahlindustrie auf Basis von Calciumcarbid
und Diamidkalk sind seit einigen Jahren bekannt (vgl. DE-AS 1 758 250), und es hat
nicht an Versuchen gefehlt, diese Mittel durch Variation des Verhältnisses von Calciumcarbid/Diamidkalk
(DE-AS 2 500 497) oder durch Zusätze (DE-OS 2 741 588) in ihrer Effektivität zu verbessern.
[0002] Trotz aller Verbesserungen hinsichtlich der Wirksamkeit dieser Entschwefelungsmittel
wurden aber immer wieder Fehlchargen erhalten, d.h. Roheisenschmelzen, die trotz gleicher
Gemischzusammensetzung des Entschwefelungsmittels und unveränderter Einblasbedingungen
nach der Behandlung viel zu hohe Endschwefelgehalte aufwiesen.
[0003] Es wurde beobachtet, daß mit den bisher bekanntgewordenen technischen Vorrichtungen
die bisher bekannten Entschwefelungsgemische nicht immer mit befriedigender Gleichmäßigkeit
in die Roheisenschmelze eingetragen werden. Bei solch stoßweiser Förderung des Entschwefelungsmittels
wird das Flüssigeisen schubweise mit Entschwefelungsmittel in Berührung gebracht.
Dadurch gelangen bestimmte Bereiche der Schmelze mit überschüssigem Entschwefelungsmittel
in Kontakt, so daß es, ohne seine Wirkung zu entfalten, ledig-
[0004] lich den Schlackenanteil vermehrt. Für den Erfolg der Entschwefelungsbehandlung ist
es daher von entscheidender Bedeutung, daß die Roheisenschmelze während der gesamten
Behandlungsdauer gleichmäßig mit dem Entschwefelungsmittel in Berührung gebracht-wird.
Dieses Problem kann durch apparative Vorrichtungen allein nicht gelöst werden, sondern
erfordert vor allem auch eine gute und gleichmäßige Fließfähigkeit des Entschwefelungsmittels.
Darüber hinaus war es das Bestreben, die Wirtschaftlichkeit bei Einsatz der Entschwefelungsmittel
zu verbessern, d.h. die Einsatzmenge bei gleich gutem Resultat zu verringern.
[0005] Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es deshalb, ein Entschwefelungsmittel auf
der Basis von Calciumcarbid und Diamidkalk bereitzustellen, mit dem die geschilderten
Nachteile behoben und eine verbesserte Wirtschaftlichkeit erreicht werden kann.
[0006] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe gelöst durch ein Entschwefelungsmittel auf der
Basis von Calciumcarbid und. Diamidkalk, dadurch gekennzeichnet, daß es als Diamidkalk
einen durch Flotation oder Windsichten nachbehandelten Diamidkalk enthält.
[0007] Diamidkalk ist ein im wesentlichen,aus Calciumcarbonat und Kohlenstoff bestehendes
Gemisch. Solche Gemische fallen beispielsweise bei der Dicyandiamidprodukten an, in
deren Verlauf wässrige Kalkstickstoffsuspenionen mit Kohlendioxid behandelt werden,
und enthalten dann etwa 70 bis 85 % Calciumcarbonat und etwa 8 bis 12 % Kohlenstoff
neben Verunreinigungen, insbesondere Eisenoxid, Aluminiumoxid und Siliziumdioxid.
Zur Nachbehandlung wird der ausgefällte Diamidkalk entweder einer Flotation unterworfen
oder aber zunächst getrocknet und dann einem Windsichtvorgang unterworfen. Die Flotation
und die Windsichtung können dabei auf bekannte Weise und mit den dafür üblichen Apparaturen
erfolgen (vgl. z.B. Ullmanns Encyklopädie der Technischen Chemie, Verlag Chemie, Weinheim,
4. Auflage, Band 2, Seiten 110 bis 142 und 57 bis 69).
[0008] Je nach Art und Dauer der Nachbehandlung enthält der nachbehandelte Diamidkalk etwa
17 bis 36 % C0
2 entsprechend 38 bis 82 % Calciumcarbonat, 18 bis 55 % freien Kohlenstoff und ca.
5 bis 10 % restliche Verunreinigungen wie Calciumoxid, Calciumhydroxid, Eisenoxid,
Aluminiumoxid und Siliziumdioxid. Es kann aber auch ein nachbehandelter Diamidkalk
mit einem unbehandelten Diamidkalk gemischt werden, z.B. im Gewichtsverhältnis 50/50,
und dieser "Verschnitt" zur Herstellung des erfindungsgemäßen Gemisches verwendet
werden. Vorzugsweise wird ein Diamidkalk mit 18 bis 40 %, insbesondere 25 bis 30 %
freiem Kohlenstoff eingesetzt. Ein solcher Diamidkalk weist z.B. die folgenden Analysenwerte
auf: 25 bis 30 % freien Kohlenstoff, 28 bis 30 % C0
2 entsprechend 64 bis 68 % Calciumcarbonat, sowie 5 bis 10 % an Calciumoxid, Calciumhydroxid
und Verunreinigungen, wie Eisenoxid, Aluminiumoxid und Siliziumdioxid.
[0009] Durch die Nachbehandlung werden besonders der Kohlenstoffanteil, die am Kohlenstoff
haftenden Calciumcarbonat-Teilchen und der Feinstanteil des Diamidkalkes angereichert.
Während der unbehandelte Diamidkalk eine mittlere Teilchengröße von etwa 35 µm aufweist,
wobei 10 % > ca. 75 µm und 10 % < ca. 10 µm sind, sind diese Daten beim nachbehandelten
Diamidkalk zu wesentlich kleineren Teilchengrößen verschoben: die mittlere Teilchengröße
eines nachbehandelten Diamidkalkes mit etwa 40 % Kohlenstoff beträgt nur 5 µm, wobei
10 % über ca. 15 µm und 10 % unter ca. 2 µm liegen. Je nach Intensität der Nachbehandlung
können diese Werte nach oben oder unten verschoben sein.
[0010] Die erfindungsgemäßen Entschwefelungsgemische werden hergestellt, indem man Calciumcarbid
mit dem getrockneten nachbehandelten Diamidkalk zusammen in einer Mühle, z.B. in einer
Rohrmühle, vermahlt.
[0011] Die durch Vermahlen von Calciumcarbid mit nachbehandeltem Diamidkalk hergestellten
erfindungsgemäßen Gemische weichen in ihrer Feinheit auch wesentlich von dem mit unbehandeltem
Diamidkalk hergestellten Entschwefelungsmittel ab:
Der mittlere Teilchendurchmesser eines fertig-gemahlenen Gemisches aus 60 % Calciumcarbid
und 40 % nachbehandeltem Diamidkalk liegt bei etwa 20 bis 35 µm, während er beim entsprechenden,
mit unbehandeltem Diamidkalk hergestellten Gemisch etwa 45 bis 50 µm beträgt. 10 %
der Teilchen sind beim erfindungsgemäßen Gemisch größer als etwa 70 µm und 10 % kleiner
als etwa 3 µm. Beim bisher bekannten Entschwefelungsmittel aus Calciumcarbid und nicht
nachbehandeltem Diamidkalk liegen 80 % der Teilchen zwischen etwa 100 und etwa 5 µm
(10 % > 100 µm und 10 % < 5 µm).
[0012] Für die Herstellung eines hinsichtlich Fließfähigkeit und Entschwefelungswirkung
optimalen Gemisches ist selbstverständlich auch der Mahlvorgang, insbesondere die
Dauer-der Mahlung, von großer Bedeutung. Die Mindestmahldauer beträgt dabei normalerweise
etwa 5 min, und die zur Erzielung optimaler Ergebnisse erforderliche Dauer liegt meist
zwischen 10 und 30 min.
[0013] Das erfindungsgemäßeGemisch kann auch noch weitere übliche Zusätze enthalten, wie
z.B. feinverteiltes Siliziumdioxid zur weiteren Verbesserung der Fließfähigkeit, oder
aber auch Zusätze an Kohlenstoff, z.B. in Form von Fett-, Stein-oder Flammkohle, Anthrazit,
und insbesondere in Form von Graphit.
[0014] Es hat sich nun gezeigt, daß die erfindungsgemäßen Gemische überraschenderweise wesentlich
wirksamer sind als die mit unbehandeltem Diamidkalk hergestellten Gemische (bei gleicher
Menge von als Calciumcarbonat gebundenem Kohlendioxid), und, auch dank der gleichmäßig
guten Fließfähigkeit, zu gut reproduzierbaren Ergebnissen führen.
[0015] Besonders bewährt haben sich für die Behandlung von Roheisenschmelzen Mittel folgender
Zusammensetzung:
a) wenn sie in Torpedopfannen erfolgt: 30 bis 70 Gew.-% Calciumcarbid, Rest Diamidkalk,
b) wenn sie in offenen Pfannen erfolgt: 70 bis 90 Gew.-% Calciumcarbid, Rest Diamidkalk.
[0016] Gegenstand der Anmeldung ist deshalb auch die Verwendung der erfindungsgemäßen Mittel
zum Entschwefeln von Eisenschmelzen, wie Roheisen-, Gußeisen- und Stahlschmelzen.
[0017] Das erfindungsgemäße Gemisch enthält mehr Kohlenstoff aus dem Diamidkalk und - bei
gleicher Menge von als Calciumcarbonat gebundenem Kohlendioxid - weniger Calciumcarbid
als das entsprechende, mit unbehandeltem Diamidkalk hergestellte Gemisch. Calciumcarbid
ist die aktive Substanz, die die Entschwefelung bewirkt. Es ist deshalb überraschend,
daß 1 kg erfindungsgemäßes Entschwefelungsgemisch trotz seines verringerten Gehaltes
an Calciumcarbid besser entschwefelt als 1 kg Gemisch aus Calciumcarbid und unbehandeltem
Diamidkalk.
[0018] Die wesentlich bessere Wirkung beruht aber nicht allein auf dem höheren Gehalt an
Kohlenstoff im Gemisch (vgl. DE-OS 27 41 588). Denn Versuche mit zum Vergleich herangezogenen
Gemischen aus Calciumcarbid und unbehandeltem Diamidkalk mit Zusätzen von Kohlenstoff
in Form von Graphit, Petrolkoks oder Flammkohle haben überraschenderweise ergeben,
daß die verbessernde Wirkung des nachbehandelten Diamidkalkes auf das
Entschwefelungsgemisch die anderen Zusätze übertrifft. Diese Befunde werden im nachfolgenden
Beispiel erläutert:
Beispiel:
[0019] Es wurden Gemische aus
1. 55 % Calciumcarbid, 40 % unbehandeltem Diamidkalk und 5 % getrockneter Flammkohle,
2. 55 % Calciumcarbid, 40 % unbehandeltem Diamidkalk und 5 % calciniertem Petrolkoks,
3. 55 % Calciumcarbid, 40 % unbehandeltem Diamidkalk und 5 % Graphit und
4. 55 % Calciumcarbid und 45 % nachbehandeltem Diamidkalk
hergestellt und jeweils 2 bis 4 Wochen lang an einer Entschwefelungsanlage eingesetzt
und in ihrer Entschwefelungswirkung verglichen. Das Entschwefelungsmittel wurde mit
getrockneter Luft in einem Staubgutverteiler aufgelockert und mit etwa 4 bis 10 N1
Luft pro kg Entschwefelungsmittel durch eine Tauchlanze in eine mit ca. 150 t flüssigem
Roheisen (Ausgangsschwefelgehalt ca. 0,050 %) gefüllte Torpedopfanne eingeblasen.
[0020] Der im Gemisch 4) verwendete nachbehandelte Diamidkalk besitzt die folgenden Analysenwerte:
25 % freier Kohlenstoff, 30 % C0
2 entsprechend 68 % Calciumcarbonat und 7 % Calciumoxid, Calciumhydroxid und Verunreinigungen
wie Eisenoxid, Aluminiumoxid und Siliziumdioxid. Mittlere Teilchengröße 15 µm, 10
% > 35 µm, 10 % < 5 µm.,
[0021] Der Vergleich wurde in der Weise durchgeführt, daß die für die Behandlung erforderliche
Menge an Entschwefelungsmittel jeweils nach der gleichen Formel errechnet wurde, wie
sie für das übliche Entschwefelungsmittel verwendet wird. Es wurden also in allen
Versuchsreihen die gleichen Mengen an Entschwefelungsmittel eingesetzt und danach
aus dem Ergebnis der Entschwefelungsbehandlung auf die Wirksamkeit des geprüften Mittels
geschlossen. Dabei zeigte sich, daß das erfindungsgemäße Gemisch 4) allen übrigen
Gemischen deutlich überlegen ist:
Mit den Gemischen 1) bis 3) wurden Endgehalte von 0,015 bis 0,013 % Schwefel erzielt,
mit dem erfindungsgemäßen Gemisch 4) dagegen ein Endgehalt von 0,011 % Schwefel.
1. Entschwefelungsmittel auf der Basis von Calciumcarbid und Diamidkalk, dadurch gekennzeichnet,
daß es einen durch Flotation oder Windsichten nachbehandelten Diamidkalk enthält.
2. Entschwefelungsmittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß es als Diamidkalk
nur einen nachbehandelten Diamidkalk enthält.
3. Entschwefelungsmittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß es ein Gemisch
aus Diamidkalk und einem nachbehandelten Diamidkalk enthält.
4. Entschwefelungsmittel nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
daß der nachbehandelte Diamidkalk 18 bis 40 % freien Kohlenstoff enthält.
5. Entschwefelungsmittel nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
daß der nachbehandelte Diamidkalk 25 bis 30 % freien Kohlenstoff enthält.
6. Entschwefelungsmittel nach einem der Ansprüche 1 bis 5 für die Behandlung von Roheisen
in Torpedopfannen, dadurch gekennzeichnet, daß es 30 bis 70 Gew.-% Calciumcarbid enthält
und der Rest aus dem Diamidkalk besteht.
7. Entschwefelungsmittel nach einem der Ansprüche 1 bis 5 für die Behandlung von Roheisen
in offenen Pfannen, dadurch gekennzeichnet, daß es 70 bis 90 Gew.-% Calciumcarbid
enthält und der Rest aus Diamidkalk besteht.
8. Verwendung eines Entschwefelungsmittelsnach einem der Ansprüche 1 bis 5 zur Entschwefelung
von Eisenschmelzen.