[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens
nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Rohrstücke dieser Art dienen als Kanülen oder Hohlnadeln dem Verbinden von Hohlräumen.
In der Medizin werden Kanülen in das menschliche oder tierische Gewebe und Blutgefäße
eingeführt und es werden dabei zunächst Schichten der Haut durchstoßen. Die hier verwendeten
Kanülen sind Röhrchen kleinsten Durchmessers mit angeformter Spitze, die den direkten
Durchgang von beispielsweise fließfähigem Injektionsmedium in Durchstoßrichtung gestatten.
Zur Verbesserung der Wirkung der Spitze beim Einführen der Kanüle in das Gewebe ist
diese in aufwendigen und teuren Verfahrensschritten mit mehreren Ebenen und gegebenenfalls
hohlschliffartigen Flächen versehen, die unter verschiedenen Winkeln zur Durchstoßrichtung
verlaufen.
[0003] Beim Durchstoßen von Verschlüssen von Infusionsflaschen unter Verwendung mit derartigen
Flächenschliffen angespitzter Kanülen kommt es zum Abbröckeln von Material aus dem
Flaschenverschluß heraus. Das Abbröckeln wird im wesentlichen hervorgerufen durch
scharfkantige, spitzwinklige und stumpfwinklige Übergänge zwischen Schliffläche und
Schliffläche und Schlifffläche und Innen- bzw. Außenmantelfläche der Kanüle.
[0004] Beim Anschluß eines mit einer Tinte gefüllten Beutels an ein Tintenschreibwerk muß
eine Membran oder ein in seiner Dicke verstärkter Verschlußstopfen aus beispielsweise
einem Silikongummi durchstoßen werden. Auch hier hat sich bei Verwendung von Kanülen
mit Flächenschliff ein Abbröckeln von Verschlußmaterial gezeigt, das in der Tinte
zum diese auf einen Druckträger übertragenen Schreibkopf mitgeführt wird. Durch die
Schneidwirkung der Kanülenspitze wird das Verschlußmaterial zerstört. Es tritt während
des Betriebes Tinte aus. Der Verschluß ist nicht mehr zu verwenden, da die Öffnung
selbst bei Verwendung stark elastischer Materialien für das Abdichtpolster nicht mehr
vollständig schließt.
[0005] In der Tintenumwälzeinrichtung des Tintenstrahldruckers nach der DE-OS 25 52 513
werden Hohlnadeln verwendet, deren Längshohlraum durch Abdichten der Austrittsöffnung
verschlossen ist. Die Abdichtstelle ist zu einer Spitze angeformt zum Durchdringen
einer eine Tintenpatrone verschließenden Scheidewand. Der Tintenfluß durch die Hohlnadel
wird durch in die Umfangsfläche der Hohlnadel eingelassene Öffnungen erreicht, die
bis in den Längshohlraum geführt sind.
[0006] Zur Herstellung der Spitze ist es bekannt, auf die zunächst noch offene Stirnseite
der Hohlnadel eine vorgeformte Spitze zu setzen mit einem in die Längsbohrung um wenige
Zehntel Millimeter eintauchenden Ansatz. Die Spitze wird in einem Hartlötverfahren
an der Hohlnadel festgesetzt. Die Verwendung solcher Hohlnadeln zum Verbinden mit
Tinte gefüllter Hohlräume hat im Dauerbetrieb den Nachteil der Korrosion zwischen
dem Material von Spitze und Röhrchen und dem Lot.
[0007] Aufgabe der Erfindung ist die Herstellung korrosionsfreier Rohrstücke, Hohlnadeln,
Kanülen und dergleichen der im Oberbegriff des Anspruchs 1 angegebenen Art für den
Einsatz als Verbindungselemente mit chemisch aktiver Flüssigkeit gefüllter Räume.
[0008] Der Aufgabenteil der Erfindung wird gelöst durch das im Anspruch 1 angegebene Verfahren.
Neben dem Ersparnis eines Zusatzwerkstoffes und dessen Handhabung ist von Vorteil,
daß die Anformung zur Bildung der Spitze aus dem Rohrwerkstoff besteht. Der der Schmelze
aus dem erwärmten Rohrmaterial zugeführte artgleiche Werkstoff entsprechend Anspruch
2 bildet mit dem Rohrmaterial ein homogenes Gefüge, das spanend oder in vorteilhafter
Weise durch spanlose Formgebung zu einer Spitze ausgebildet werden kann. Bei der spanlosen
Formgebung kann die zugeführte Menge an Zusatzwerkstoff gering gehalten werden, da
im Vergleich zur spanenden Formung Material nicht verloren geht.
[0009] Neben dem Ausschluß der Sauerstoffatmosphäre während des Erwärm- und des Schweißvorganges
zeigt Anspruch 3 den besonderen Vorteil, daß Wärme gezielt zugeführt werden kann.
[0010] Zur Durchführung des Verfahrens kann entsprechend Anspruch 4 eine allgemeine Spannvorrichtung
verwendet werden, deren Aufnahmeteil für das Rohrstück beispielsweise gegeneinander
verstellbare Backen aus einem wärmeleitfähigen Werkstoff sind, wodurch die durch den
Erwärmungsvorgang gegebene Oxydationszone in kleinsten Grenzen gehalten werden kann
und daß sich aus dem Strukturunterschied von erwärmter Zone und nicht erwärmter Zone
ergebende elektrische Spannungspotential gering ist.
[0011] Im folgenden wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen in der Zeichnung
beschrieben.
[0012] Es zeigen:
Figur 1 ein zwischen Spannbacken einer Aufnahmevorrichtung eingesetztes Rohrstück,
Figur 2 das Rohrstück als Folge der Erwärmung,
Figur 3 ein Rohrstück nach der Materialzufuhr,
Figuren 4 und 5 je eine fertige Kanüle und
. Figur 6 eine vergrößerte Darstellung des Ausbruches Z in Figur 4.
[0013] Figur 1 zeigt den Bereich einer Vorrichtung, in dem ein Rohrstück 1 eingespannt ist.
Es versteht sich, daß für eine Massenfertigung die Vorrichtung mit einer großen Anzahl
an Aufnahmebereichen versehen ist. Es ist eine von zwei Spannbacken 10 dargestellt
worden, die gegeneinander zum Verspannen des Rohrstückes bewegbar sind. Das Einsetzen
des Rohrstückes 1 erfolgt in der Weise, daß dessen zunächst in die Vorrichtung zwischen
die Spannbacken 10 eingeführtes Rohrende gegen eine Anlage 16 geführt wird, so daß
ein vorbestimmter Bereich 15 aus der Spannvorrichtung herausragt.
[0014] Der herausragende Bereich 15 wird erwärmt. Zur Vermeidung eines stärkeren Oxydationsgeschehens
erfolgt dieses unter Sauerstoffabschluß mit beispielsweise einem Argongas. Der in
Schmelze 6 übergehende Endbereich 5 des Rohrstückes 1 verläuft in etwa in der in Figur
2 dargestellten Weise. Als Folge der hohen Wärmeleitfähigkeit der beispielsweise Kupferbacken
10 wird von der Einspannstelle und im wesentlichen aus dem Bereich des erwärmten Rohrendes
5 entsprechend der mit 11 gekennzeichneten Pfeile Wärme abgeführt, so daß aufgrund
der höheren Masse der Spannbacken 10 trotz niederen Schmelzpunktes diese nicht schmelzen
und es auch zu keinem Schmelzfluß zwischen den Spannbacken untereinander und zwischen
den Spannbacken und dem Rohrstück 1 kommt.
[0015] In einer weiteren Erwärmungsstufe unter gleichfalls Ausschluß von Sauerstoffatmosphäre
wird ein Zusatzwerkstoff aus gleichartigem Material wie das Rohrstück, beispielsweise
einem Chrom-Nickel-Stahl zugeführt, der über dem Rohrende die mit 7 angedeutete Form
einnimmt, die im wesentlichen eine kugelige oder ballige Form ist. Der Zusatzwerkstoff
7 verbindet sich mit dem Werkstoff des Rohrstückes und mit dem in dem ersten Wärmeprozeß
gebildeten Endbereich 5.
[0016] In den Figuren 4 und 5 sind zwei Hohlnadeln 1 dargestellt worden, wobei entsprechend
Figur 5 der aufgebrachte Zusatzwerkstoff 7 durch spanende oder in vorteilhafterweise
durch spanlose formgebung zu einer Kegelform 8 ausgebildet wurde. Figur 6 zeigt eine
vorteilhafte Ausführungsform für die Ausbildung der so gestalteten Spitze 8 mit konvexer
Kegelmantelfläche. In die Endbereiche 5 sind öffnungen 3 eingelassen, beispielsweise
durch einen Errodiervorgang, die in den Längshohlraum 2 hineinreichen und auf der
Mantelfläche 17 jedes Rohrstückes 1 austreten.
[0017] Die vergrößerte Darstellung in Figur 6 entspricht dem strichpunktierten Bereich Z
aus Figur 4. Hierbei ist das Rohrstück 1 mit einer Bohrung 3 und der kegeligen Anformung
8 versehen worden. Der übergang der Innenmantelfläche der Bohrung 3 in die Außenmantelfläche
17 des Rohrstückes 1 ist als Folge des Errodier-Prozesses in vorteilhafter Weise abgerundet
(bei Pfeil 12). Die sich als Folge der beiden Wärmeprozesse ergebenden Strukturen
bzw. die nach dem Erkalten sich ergebenden Gefügezonen sind mit jeweils einer dünnen
Strichpunktlinie 19 gekennzeichnet. Entsprechend einem vorgenommenen Schliffbild ergeben
sich drei von der Struktur her unterschiedliche Gefügezonen mit groberem Gefüge im
weniger erwärmten Teil des Rohrstückes 1, mit feinem Gefüge in der durch Auftragsschweißen
und anfolgende Bearbeitung hergestellten Spitze und mittlerem Gefüge zwischen den
Linien 19.
[0018] In der Weiterbildung des Erfindungsgedankens hat sich gezeigt, daß dann ohne einen
Zusatzwerkstoff die über dem Rohrende 5 . gebildete Form 7 erzielbar ist, wenn der
aus den Kupferbacken 10 herausragende Bereich 15 in Figur 1 um ein Mehrfaches, also
um ein für die Anformung der Kegelform 8 notwendiges Maß verlängert wird. Der aus
den Kupferbacken 10 überstehende Bereich 5 des Rohrendes 5 wird ohne Zusatzwerkstoff
eingeschmolzen und ergibt dann eine Anformung, wie sie in Figur 3 mit 7 bezeichnet
worden ist. Die weiteren Bearbeitungsstufen entsprechend der Figuren 4 bis 6 werden
beibehalten.
1. Fertigungsverfahren für Rohrstücke mit verschlossenem, jedoch angeformtem Endbereich
zum Durchstoßen einer Schicht und zumindest einer im wesentlichen quer zur Durchstoßrichtung
liegenden, in den Längshohlraum geführten Öffnung auf der Umfangsfläche, dadurch gekennzeichnet,
daß das Rohrstück (1) in seinem einen Endbereich (5) bis zum Schmelzen erwärmt und
nach dem Erstarren der Schmelze in einer für das Durchstoßen erforderlichen Anformung
(8) angespitzt wird.
2. Fertigungsverfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet , daß das Rohrstück
(1) in seinem einen Endbereich (5) bis zum Schmelzen erwärmt wird, daß der verlaufenden
Schmelze (6) Schmelzgut (7) eines artgleichen Werkstoffes zugeführt wird in einer
für die Anformung (8) ausreichenden Menge und daß der Endbereich (5) nach dem Erstarren
der Schmelze in einer für das Durchstoßen erforderlichen Anformung (8) angespitzt
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch ge kennzeichnet , daß das in seiner Länge
bestimmte Rohrstück (1) in einer Haltevorrichtung (10) aufgenommen wird, wobei der
Endbereich (5) des Rohrstückes (1) um ein für das Schmelzen bestimmtes Maß (15) aus
der Haltevorrichtung (10) frei herausragt und daß Schmelzen und ggf. Auftragsschweißen
unter einem inerten Gas und im besonderen einem Argongas erfolgt.
4. Vorrichtung zur Aufnahme von Rohrstücken der Art nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet
, daß zumindest der mit dem Rohrstück (1) und nahe dessen Erwärmungszone in Berührung
befindliche Aufnahmeteil (10) der Vorrichtung aus einem besonders wärmeleitenden Material
besteht.