[0001] Die Erfindung betrifft Intumeszenzmassen auf Basis von geschäumten oder ungeschäumten
Polyurethanen, die als Rezepturanteil aromatische Hydroxycarbonsäuren enthalten.
[0002] Als Intumeszenzmassen werden solche Massen verstanden, die bei Einwirkung von Feuer
und Hitze aufschäumen und dabei einen isolierenden und feuerabweisenden Schaum ausbilden,
der die rückwärtigen Bezirke vor der Feuereinwirkung schützt.
[0003] Solche Intumeszenzmassen sind in Form von Lacken, Beschichtungen und Mörteln oder
Kitten bekannt.
[0004] Um eine brauchbare Wirkung zu entfalten, muss eine Intumeszenzmasse verschiedene
Eigenschaften in sich vereinen:
1. Aufschäumen über 100 °C und unter 300 °C, zweckmässigerweise zwischen 200 und 300
°C.
2. Das Aufschäumen soll sowohl bei direkter Berührung mit der Flamme, also bei schnellem
Erhitzen, erfolgen als auch dann, wenn die Aufschäumtemperatur sehr langsam, z.B.
erst im Laufe einer Stunde (Schwelbrand), erreicht wird.
3. Die sehr langsam auf Schäumtemperatur erhitzte Intumeszenzmasse sollte dann immer
noch schäumaktiv sein, wenn sie mit einer Flamme in Berührung kommt.
4. Bei langsamem oder schnellem Erhitzen sollte möglichst kein Schrumpf auftreten,
bzw. sollte dieser Schrumpf oberhalb der Schäumtemperatur wieder überkompensiert werden.
5. Als besonders vorteilhaft sollten solche Intumeszenzmassen gelten, die in ihrer
Wirksamkeit durch Wasserzutritt nicht beeinträchtigt werden.
6. Als vorteilhaft ist auch anzusehen, wenn die Intumeszenzmasse auch in unbeanspruchtem
Zustand eine möglichst gute thermische Isolierung besitzt.
7. Intumeszenzmassen sollten halogenfrei sein (Korrosionsgefahr).
[0005] Die dem Stand der Technik entsprechenden Intumeszenzmassen erfüllen zwar einen Teil
der genannten Anforderungen, es ist jedoch keine Intumeszenzmasse bekannt, die alle
diese Forderungen erfüllt.
[0006] Es besteht daher ein Bedarf nach derartigen verbesserten Intumeszenzmassen. Die vorliegende
Erfindung stellt derartige Intumeszenzmassen zur Verfügung.
[0007] Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind somit gegebenenfalls geschäumte Intumeszenzmassen,
erhalten durch Umsetzung von
1. Polyisocyanaten mit
2. mindestens zwei Hydroxylgruppen aufweisenden phosphorhaltigen Kondensationsprodukten,
erhältlich durch Kondensation von gegebenenfalls OH-Gruppen enthaltenden primären
oder sekundären aliphatischen, cycloaliphatischen, aromatischen, araliphatischen oder
heterocyclischen Mono- und/oder Polyaminen, Carbonylverbindungen und Dialkylphosphiten,
gegebenenfalls unter anschliessendem Oxalkylieren, und
3. aromatischen Hydroxycarbonsäuren oder deren Salzen und
4. gegebenenfalls Wasser und/oder weiteren organischen Verbindungen mit gegenüber
Isocyanaten reaktionsfähigen Wasserstoffatomen.
[0008] Bevorzugt sind Intumeszenzmassen, erhalten durch Umsetzung von
[0009] 50 bis 180 Gew.-Teilen eines Polyisocyanats mit 100 Gew.-Teilen eines Gemisches bestehend
aus 25 bis 80 Gew.-% an mindestens zwei Hydroxylgruppen aufweisenden phosphorhaltigen
Kondensationsprodukten und 10 bis 65 Gew.-% an Hydroxycarbonsäuren oder deren Salze
und 0 bis 8,5 Gew.-% Wasser und/oder 0 bis 50 Gew.-% an weiteren organischen Verbindungen
mit gegenüber Isocyanaten reaktionsfähigen Wasserstoffatomen.
[0010] Die Herstellung von Polyurethanen aus Polyisocyanaten und den genannten, mindestens
zwei Hydroxylgruppen aufweisenden phosphorhaltigen Kondensationsprodukten, ist in
der DP-PS 1 143 022, insbesondere von Schaumstoffen mit Schwerentflammbarkeit, bereits
beschrieben. Das verhalten so hergestellter Polyurethane beim Erhitzen ist dadurch
charakterisiert, dass sie nach Entfernung einer auf sie gerichteten Flamme sofort
erlöschen.
[0011] Bei der Überprüfung dieser Schaumstofftypen im Hinblick auf ihre Eignung als Intumeszenzwerkstoffe
bzw. Intumeszenzmassen zeigte sich, dass sie zweifellos den Anforderungen nach Schwerentflammbarkeit
genügen, nicht aber der eingangs unter den Punkten 2, 3 und 4 als wesentlich dargestellten
Charakteristik des Verhaltens bei langsamem Erhitzen auf Temperaturen zwischen 200
und 300 °C:
[0012] Erhitzt man solche Schäume im Laufe von 60 Minuten auf 260 °C, so verändern sie ihr
Volumen kaum, bzw. im allgemeinen erfolgt ein erheblicher Schrumpf. Die in dieser
Weise vorerhitzten Muster lassen sich anschliessend auch bei Einwirkung von höheren
Temperaturen nicht über das ursprüngliche Volumen hinaus aufschäumen: Eine Eignung
zur Verwendung als Intumeszenzmaterialien kann nicht empfohlen werden.
[0013] Umfangreiche Versuche, die Schwerentflammbarkeit dieser bekannten Polyurethane mit
einem brauchbaren Intumeszenzverhalten zu kombinieren, führten zu dem unerwarteten
Befund, dass die erfindungsgemässe Verwendung von aromatischen Hydroxycarbonsäuren
oder ihren Salzen zum Erfolg führt.
[0014] Überraschenderweise schäumen nicht nur massive derartig hergestellte Polyurethane
beim geschilderten Erhitzungstest und in der Flamme kräftig auf, sondern auch Schaumstoffe
mit niedrigen Raumgewichten z.B. zwischen 40 und 400 kg/m
3. Weiterhin ist es überraschend, dass die z.B. auf 260 °C vorerhitzten Polyurethanprodukte
bei anschliessendem Beaufschlagen mit erhöhten Temperaturen z.B. mit einer Flamme
nochmals weiter aufhzuschäumen in der Lage sind.
[0015] Es ist fernerhin überraschend, dass der Zusatz von aromatischen Hydroxycarbonsäuren
und/ oder deren Salzen die Herstellung eines Schaumstoffes nicht beeinträchtigt, sondern
es sogar oft erlaubt, auf die üblicherweise in der Polyurethan-Schaumstofftechnik
gebräuchlichen Katalysatoren, Schaumstabilisatoren und Emulgatoren zu verzichten.
[0016] Ausserdem zeigte sich, dass die erfindungsgemäss zugänglichen Polyurethane, selbst
wenn sie als Schaumstoffe mit hoher Oberfläche vorliegen, durch Wasserlagerung in
Bezug auf ihre Verwendung als Intumeszenzmassen nicht unwirksam werden.
[0017] Weiterhin ist es durch die vorliegende Erfindung möglich, nunmehr Intumeszenzmaterialien
in Form von Schaumstoffen einzusetzen, wodurch nicht nur das Intumeszenzmaterial selbst
bereits als thermisches Isoliermaterial auch ohne Hitzebeanspruchung fungieren kann,
sondern auch völlig neuartige konstruktive Möglichkeiten für Intumeszenzstoffe eröffnet
werden.
[0018] Schliesslich werden erfindungsgemäss elastische, weiche, harte geschäumte oder ungeschäumte
Intumeszenzmassen zugänglich, die halogenfrei sind, so dass im Brandfall keine durch
die Intumeszenzmasse bewirkte Halogenwasserstoff-Korrosion zu befürchten ist.
[0019] Die erfindungsgemäss erhältlichen Produkte, wobei von besonderem Interesse die harten,
z.B. als Schaumstoffe vorliegenden Typen sind, lassen sich ohne Verlust ihrer Intumeszenzwirkung
thermoplastisch bei Temperaturen unterhalb ihres Zersetzungspunktes, d.h. bei Temperaturen
zwischen 180 und 200 °C verformen. Dieses überraschende Verhalten gestattet z.B. die
Verpressung zu Formteilen oder die Umformung von Schaumstoff-Vorfabrikaten zu neuartigen
Formteilen.
[0020] Bei der Herstellung der neuen Intumeszenzmaterialien kann kontinuierlich oder diskontinuierlich
gearbeitet werden. Die Herstellung kann durch Vermischen der Komponenten bzw. bereits
vorgemischter Komponentengemische vor Ort geschehen und die Reaktionsmischung maschinell
oder per Hand in z.B. zu verschliessende Öffnungen bzw. beheizte oder unbeheizte Formen
eingegossen werden, wo sie dann aufschäumt bzw. aushärtet. Sie kann bei entsprechender
technischer Ausrüstung auf die zu schützenden Substrate und Untergründe aufgesprüht,
aufgestrichen oder aufgegossen werden. Es ist auch in Betracht zu ziehen, dass man
mit den erfindungsgemässen Reaktionsgemischen zunächst Halbzeuge, z.B. Schaumstoffe
oder Beschichtungen herstellt und diese dann in technisch erforderlicher Weise weiterverarbeitet,
z.B. durch Schneiden, durch Warmverformen, Granulieren, Mahlen oder Mischen.
[0021] Durch Kombination der Reaktionsgemische mit geschäumten oder massiven anorganischen
oder organischen Zuschlagstoffen, wie z.B. Polystyrolschaum, Polyurethanschaum oder
Kies oder Blähton, Harnstoff- oder Phenolharzschäumen, Schaumglas, Holz, Mineralwolle,
Bims usw., können auch Betone mit speziellen Intumeszenzeigenschaften erhalten werden.
Die Anwendung der erfindungsgemässen Intumeszenzmassen zur Herstellung von mit Fasern
oder Drähten bzw. Geweben oder Vliesen aus organischen oder anorganischen Materialien
verstärkten Formteilen oder ihre Verwendung als Bestandteil in Mehrschicht- bzw. Sandwichaufbauten
sind ebenfalls in Betracht zu ziehen.
[0022] Ausgangskomponenten für die Herstellung der erfindungsgemässen Intumeszenzmassen
sind:
1. Aliphatische, cycloaliphatische, araliphatische, aromatische und heterocyclische
Polyisocyanate, wie sie z.B. von W. Siefken in Justus Liebigs Annalen der Chemie,
562, Seiten 75 bis 136, beschrieben werden, beispielsweise solche der Formel

in der
n = 2-4, vorzugsweise 2, und
Q einen aliphatischen Kohlenwasserstoffrest mit 2-18, vorzugsweise 6-10 C-Atomen,
einen cycloaliphatischen Kohlenwasserstoffrest mit 4-15, vorzugsweise 5-10 C-Atomen,
einen aromatischen Kohlenwasserstoffrest mit 6-15, vorzugsweise 6-13 C-Atomen,
oder einen araliphatischen Kohlenwasserstoffrest mit 8-15, vorzugsweise 8-13 C-Atomen,
bedeuten, z.B. Äthylen-diisocyanat, 1,4-Tetramethylendiisocyanat, 1,6-Hexamethylendiisocyanat,
1,12-Dodecandiisocyanat, Cyclobutan-1,3-diisocyanat, Cyclohexan-1,3- und -1,4-diisocyanat
sowie beliebige Gemische dieser Isomeren, 1-Isocyanato- 3,3,5-trimethyl- 5-isocyanatomethyl-cyclohexan
(DE-Auslegeschrift 1 202785, US-Patentschrift 3401 190), 2,4- und 2,6-Hexahydrotoluylendiisocyanat
sowie beliebige Gemische dieser Isomeren, Hexahydro-1,3- und/ oder -1,4-phenylendiisocyanat,
Perhydro-2,4'-und/oder -4,4'-diphenylmethan-diisocyanat, 1,3-und 1,4-Phenylendiisocyanat,
2,4- und 2,6-Toluylendiisocyanat sowie beliebige Gemische dieser Isomeren, Diphenylmethan-2,4'-
und/oder -4,4'-diioscyanat, Naphthylen-1 ,5-diisocyanat.
[0023] Ferner kommen beispielsweise erfindungsgemäss in Frage: Triphenylmethan-4,4',4"-triisocyanat,
Polyphenyl-polymethylenpolyisocyanate, wie sie durch Anilin-Formaldehyd-Kondensation
und anschliessende Phosgenierung erhalten und z.B. in den GB-Patentschriften 874430
und 848671 beschrieben werden, m- und p-Isocyanatophenylsulfonyl-isocyanate gemäss
der US-Patentschrift 3 454 606, perchlorierte Arylpolyisocyanate, wie sie z.B. in
der DE-Auslegeschrift 1 157 601 (US-Patentschrift 3277138) beschrieben werden, Carbodiimidgruppen
aufweisende Polyisocyanate, wie sie in der DE-Patentschrift 1 092 007 (US-Patentschrift
3152162) sowie in den DE-Offenlegungsschriften 2 504 400, 2 537 685 und 2 552 350
beschrieben werden, Norbornan-Diisocyanate gemäss US-Patentschrift 3 492 330, Allophanatgruppen
aufweisende Polyisocyanate, wie sie z.B. in der GB-Patentschrift 994890, der BE-Patentschrift
761 626 und der NL-Patentanmeldung 7102524 beschrieben werden, Isocyanuratgruppen
aufweisende Polyisocyanate, wie sie z.B. in der US-Patentschrift 3 001 973, in den
DE-Patentschriften 1 022 789, 1 222 067 und 1 027 394 sowie in den DE-Offenlegungsschriften
1 929 034 und 2 004 048 beschrieben werden, Urethangruppen aufweisende Polyisocyanate,
wie sie z.B. in der BE-Patentschrift 752261 oder in den US-Patentschriften 3394164
und 3644457 beschrieben werden, acylierte Harnstoffgruppen aufweisende Polyisocyanate
gemäss der DE-Patentschrift 1 230 778, Biuretgruppen aufweisende Polyisocyanate, wie
sie z.B. in den US-Patentschriften 3124605, 3201 372 und 3124605 sowie in der GB-Patentschrift
889 050 beschrieben werden, durch Telomerisationsreaktionen hergestellte Polyisocyanate,
wie sie z.B. in der US-Patentschrift 3 654106 beschrieben werden, Estergruppen aufweisende
Polyisocyanate, wie sie z.B. in den GB-Patentschriften 965 474 und 1 072 956, in der
US-Patentschrift 3 567 763 und in der DE-Patentschrift 1 231 688 genannt werden, Umsetzungsprodukte
der obengenannten Jsocyanate mit Acetalen gemäss der DE-Patentschrift 1 072 385 und
polymere Fettsäureester enthaltende Polyisocyanate gemäss der US-Patentschrift 3 455
883.
[0024] Es ist auch möglich, die bei der technischen Isocyanatherstellung anfallenden, Isocyanatgruppen
aufweisenden Destillationsrückstände, gegebenenfalls gelöst in einem oder mehreren
oder vorgenannten Polyisocyanate, einzusetzen. Ferner ist es möglich, beliebige Mischungen
der vorgenannten Polyisocyanate zu verwenden.
[0025] Besonders bevorzugt werden in der Regel die technisch leicht zugänglichen Polyisocyanate,
z.B. das 2,4- und 2,6-Toluylendiisocyanat sowie beliebige Gemische dieser Isomeren
(«TDI»), insbesondere aber Polyphenylpolymethylen-polyisocyanate, wie sie durch Anilin-Formaldehyd-Kondensation
und anschliessende Phosgenierung hergestellt werden («rohes MDI»), ferner Carbodiimidgruppen,
Urethangruppen, Allophanatgruppen, Isocyanaturat gruppen, Harnstoffgruppen oder Biuretgruppen
aufweisenden Polyisocyanate («modifizierte Polyisocyanate»), insbesondere solche modifizierten
Polyisocyanate, die sich vom 2,4- und/oder 2,6-Toluylendiisocyanat bzw. vom 4,4'-
und/oder 2,4'-Diphenylmethandiisocyanat ableiten.
[0026] 2. Mindestens zwei Hydroxylgruppen aufweisende phosphorhaltige Kondensationsprodukte,
wie sie z.B. durch Kondensation von gegebenenfalls OH-Gruppen enthaltenden primären
oder sekundären aliphatischen, cycloaliphatischen, aromatischen, araliphatischen oder
heterocyclischen Mono- und/oder Polyaminen, Carbonylverbindungen und Dialkylphosphiten,
gegebenenfalls unter anschliessendem Oxalkylieren, erhalten werden können. Derartige
Kondensationsprodukte sind an sich bekannt, z.B. aus der DE-PS 1143022, US-PS 3076010,
DE-AS 1 803 747 und DE-AS 1 928 265.
[0027] Erfindungsgemäss bevorzugt sind als mindestens zwei Hydroxylgruppen aufweisende phosphorhaltige
Kondensationsprodukte solche der Formel

in der
R = C1-C8-Alkyl oder C1-C8-Hydroxyalkyl, vorzugsweise Ethyl oder Hydroxyethyl, und
X = H oder Methyl, vorzugsweise H, bedeuten.
[0028] 3. Aromatische Hydroxycarbonsäuren oder deren Salze, z.B. Hydroxy-naphthalin-carbonsäuren,
Salicylsäure, m-Hydroxybenzoesäure und/ oder p-Hydroxybenzoesäure. Kern-substituierte,
z.B. alkylierte Hydroxybenzolcarbonsäuren oder Acetylierungsprodukte oder Anhydride
der Hydroxycarbonsäuren kommen ebenfalls in Betracht. Erfindungsgemäss sind Hydroxybenzoesäuren
und/oder ihre Salze bevorzugt.
[0029] Da sich diese Säuren gut in der Komponente 2 auflösenlassen, ist es nicht notwendig,
die bei Raumtemperatur pulverförmig vorliegenden Hydroxycarbonsäuren als Pulver in
die Rezeptur einzusetzen.
[0030] Als Salze der aromatischen Hydroxycarbonsäuren kommen z.B. die Alkali-, Erdalkalisalze,
insbesondere aber die Aminsalze in Betracht. Unter den zur Salzbildung heranzuziehenden
Aminen sind ausser NH
3 wiederum solche mit niedrigem Dampfdruck bevorzugt, z.B. Alkoxylierungsprodukte von
Ammoniak mit Propylenoxid, insbesondere aber Ethylenoxid, wie z.B. Ethanolamin, Diethanolamin
und Triethanolamin. Es kommen als Salzbildner ebenfalls in Betracht die Alkoxylierungsprodukte
anderer Amine, z.B. N-Methyldiethanolamin, N-Ethyldiethanolamin, N-Phenyldiethanolamin
oder die Alkali- bzw. Erdalkalihydroxide.
[0031] Der Neutralisationsgrad der aromatischen Hydroxycarbonsäuren liegt in Bezug auf die
Verwendung der eben genannten Salzbildner im allgemeinen unter 100%, vorzugsweise
zwischen 0 und 75%.
[0032] 4. Gegebenenfalls Wasser und/öder weitere organische Verbindungen mit gegenüber Isocyanaten
reaktionsfähigen Wasserstoffatomen. Hierzu zählen
a) Verbindungen mit mindestens zwei gegenüber Isocyanaten reaktionsfähigen Wasserstoffatomen
von einem Molekulargewicht in der Regel von 400-10000. Hierunter versteht man neben
Aminogruppen, Thiolgruppen oder Carboxylgruppen aufweisendem Verbindungen vorzugsweise
Hydroxylgruppen aufweisende Verbindungen, insbesondere zwei bis acht Hydroxylgruppen
aufweisende Verbindungen, speziell solche vom Molekulargewicht 1000 bis 6000, vorzugsweise
1000 bis 3000, z.B. mindestens zwei, in der Regel 2 bis 8, vorzugsweise aber 2 bis
4, Hydroxylgruppen aufweisende Polyester, Polyether, Polythioether, Polyacetale, Polycarbonate
und Polyesteramide, wie sie für die Herstellung von homogenen und von zellförmigen
Polyurethanen an sich bekannt sind. Erfindungsgemäss sind Polyester bevorzugt.
[0033] Die in Frage kommenden Hydroxylgruppen aufweisenden Polyester sind z.B. Umsetzungsprodukte
von mehrwertigen, vorzugsweise zweiwertigen und gegebenenfalls zusätzlich dreiwertigen
Alkoholen mit mehrwertigen, vorzugsweise zweiwertigen, Carbonsäuren. Anstelle der
freien Polycarbonsäuren können auch die entsprechenden Polycarbonsäureanhydride oder
entsprechende Polycarbonsäureester von niedrigen Alkoholen oder deren Gemische zur
Herstellung der Polyester verwendet werden. Die Polycarbonsäuren können aliphatischer,
cycloaliphatischer, aromatischer und/oder heterocyclischer Natur sein und gegebenenfalls,
z.B. durch Halogenatome, substituiert und/oder ungesättigt sein.
[0034] Als Beispiele für solche Carbonsäuren und deren Derivate seien genannt:
Bernsteinsäure, Adipinsäure, Korksäure, Azelainsäure, Sebacinsäure, Phthalsäure, Isophthalsäure,
Trimellithsäure, Phthalsäureanhydrid, Tetrahydrophthalsäureanhydrid, Hexahydrophthalsäureanhydrid,
Tetrachlorphthalsäureanhydrid, Endomethylentetrahydrophthalsäureanhydrid, Glutarsäureanhydrid,
Maleinsäure, Maleinsäurenhydrid, Fumarsäure, dimerisierte und trimerisierte ungesättigte
Fettsäuren, gegebenenfalls in Mischung mit monomeren ungesättigten Fettsäuren, wie
Ölsäure; Terephthalsäuredimethylester und Terephthalsäure-bis-glykolester. Als mehrwertige
Alkohole kommen z.B. Ethylenglykol, Propylemglykol-(1,2) und -(1,3), Butylenglykol-(1,4)
und -(2,3), Hexandiol-(1,6), Octandiol-(1,8), Neopentylglykol, 1,4-Bis-hydroxymethylcyclohexan,
2-Methy)-1,3-propandio), Glycerin, Trimethylolpropan, Hexantriol-(1,2,6), Butantriol-(1,2,4),
Trimethylolethan, Pentaerythrit, Chinit, Mannit und Sorbit, Formit, Methylglykosid,
ferner Diethylenglykol, Triethylenglykol, Tetraethylenglykol und höhere Polyethylenglykole,
Dipropylenglykol und höhere Polypropylenglykole sowie Dibutylenglykol und höhere Polybutylenglykole
in Frage. Die Polyester können anteilig endständige Carboxylgruppen aufweisen. Auch
Polyester aus Lactonen, z.B. s-Caprolacton, oder aus Hydroxycarbonsäuren, z.B. ω-Hydroxycapronsäure,
sind einsetzbar.
[0035] Auch die erfindungsgemäss in Frage kommenden, mindestens zwei, inder Regel zwei bis
acht, vorzugsweise zwei bis drei, Hydroxylgruppen aufweisenden Polyether sind solche
der an sich bekannten Art und werden z.B. durch Polymerisation von Epoxiden wie Ethylenoxid,
Propylenoxid, Butylenoxid, Tetrahydrofuran, Styroloxid oder Epichlorhydrin mit sich
selbst, z.B. in Gegenwart von Lewis-Katalysatoren wie BF
3, oder durch Anlagerung dieser Epoxide, vorzugsweise von Ethylenoxid und Propylenoxid,
gegebenenfalls im Gemisch oder nacheinander, an Startkomponenten mit reaktionsfähigen
Wasserstoffatomen wie Wasser, Alkohole, Ammoniak oder Amine, hergestellt. Auch Sucrosepolyether,
wie sie z.B. in den DE-Auslegeschriften 1 176 358 und 1 064 938 beschrieben werden,
sowie auf Formit oder Formose gestartete Polyether (DE-Offenlegungsschriften 2 639
083 bzw. 2 737 951), kommen erfindungsgemäss in Frage.
[0036] Vertreter der genannten Verbindungen sind z.B. in High Polymers, Vol. XVI, «Polyurethanes,
Chemistry and Technology», verfasst von Saunders-Frisch, Interscience Publishers,
New York, London, Band I, 1962, Seiten 32-42 und Seiten 44-54 und Band 11, 1964, Seiten
5-6 und 198-199, sowie im Kunststoff-Handbuch, Band VII, Vieweg-Höchtlen, Carl-Hanser-Verlag,
München, 1966, z.B. auf den Seiten 45-71, beschrieben. Selbstverständlich können Mischungen
der obengenannten Verbindungen mit mindestens zwei gegenüber Isocyanaten reaktionsfähigen
Wasserstoffatomen mit einem Molekulargewicht von 400-10000, z.B. Mischungen von Polyethern
und Polyestern, eingesetzt werden.
[0037] b) Verbindungen mit mindestens zwei gegenüber Isocyanaten reaktionsfähigen Wasserstoffatomen
und einem Molekulargewicht von 32 bis 400. Auch in diesem Fall versteht man hierunter
Hydroxylgruppen und/oder Aminogruppen und/ oder Thiolgruppen und/oder Carboxylgruppen
aufweisende Verbindungen, vorzugsweise Hydroxylgruppen und/oder Aminogruppen aufweisende
Verbindungen, die als Kettenverlängerungsmittel oder Vernetzungsmittel dienen. Diese
Verbindungen weisen in der Regel 2 bis 8, vorzugsweise 2 bis 4, gegenüber Isocyanaten
reaktionsfähige Wasserstoffatome auf.
[0038] Auch in diesem Fall können Mischungen von verschiedenen Verbindungen mit mindestens
zwei gegenüber Isocyanaten reaktionsfähigen Wasserstoffatomen mit einem Molekulargewicht
von 32 bis 400 verwendet werden.
[0039] Als Beispiele für derartige Verbindungen seien genannt:
Ethylenglykol, Propylenglykol-(1,2) und -(1,3), Butylenglykol-(1,4), und -(2,3), Pentandiol-(1,5),
Hexandiol-(1,6), Octandiol-(1,8), Neopentylglykol, 1,4-Bis-hydroxymethyl-cyclohexan,
2-Methyl-1,3-propandiol, Glycerin, Trimethylolpropan, Hexantriol-(1,2,6), Sorbit,
Ricinusöl, Diethylenglykol, Triethylenglykol, Tetraethylenglykol, höhere Polyethylenglykole
mit einem Molekulargewicht bis 400, Dipropylenglykol, höhere Polypropylenglykole mit
einem Molekulargewicht bis 400, Dibutylenglykol, höhere Polybutylenglykole mit einem
Molekulargewicht bis 400, 4,4'-Dihydroxy-diphenylpropan, Di-hydroxymethyl-hydrochinon,
Ethanolamin, Diethanolamin, N-Methyldiethanolamin, Triethanolamin und 3-Aminopropanol.
[0040] Als niedermolekulare Polyole kommen erfindungsgemäss auch die Gemische von Hydroxyaldehyden
und Hydroxyketonen («Formose») bzw. die hieraus durch Reduktion erhaltenen mehrwertigen
Alkohole («Formit») in Frage, wie sie bei der Selbstkondensation von Formaldehydhydrat
in gegenwart von Metallverbindungen als Katalysator und von zur Endiolbildung befähigten
Verbindungen als Co-Katalysator entstehen (DE-Offenlegungsschriften 2 639 084, 2 714
084, 2714104, 2721 186, 2738154 und 2738512). Um Kunststoffe mit verbesserter Flammwidrigkeit
zu erhalten, setzt man diese Formosen mit Vorteil in Kombination mit Aminoplastbildnern
und/oder Phosphiten ein (DE-Offenlegungsschriften 2738513 und 2 738 532). Auch Lösungen
von Polyisocyanatpolyadditionsprodukten, insbesondere von ionische Gruppen aufweisenden
Polyurethanharnstoffen und/oder von Polyhdrazodicarbonamiden, in niedermolekularen,
mehrwertigen Alkoholen kommen erfindungsgemäss als Polyolkomponente in Betracht (D
E-Offenlegungschrift 2 638 759).
[0041] Erfindungsgemäss geeignete aliphatische Diamine sind beispielsweise Ethylendiamin,
1,4-Tetramethylendiamin, 1,11 -Undecamethylendiamin, 1,12-Dodecamethylendiamin sowie
deren Gemische, 1-Amino-3,3,5-trimethyl-5-aminomethylcyclohexan («Isophorondiamin»),
2,4- und 2,6-Hexahydrotoluylendiamin sowie deren Gemische, Perhydro-2,4'- und 4,4'-diaminodiphenylmethan,
p-Xylylendiamin, Bis-(3-aminopropyl) -methylamin, Diamino-perhydroanthrazene (DE-Offenlegungsschrift
2638731) und cycloaliphatische Triamine gemäss DE-Offenlegungsschrift 2 614 244. Auch
Hydrazin und substituierte Hydrazine, z.B. Methylhydrazin, N,N'-Dimethylhydrazin deren
Homologe sowie Säuredihydrazide kommen erfindungsgemäss in Betracht. Als Beispiele
für aromatische Diamine seien Bisanthranilsäureester gemäss den DE-Offenlegungsschriften
2 040 644 und 2160 590, 3,5- und 2,4-Diaminobenzoesäureester gemäss DE-Offenlegungsschrift
2025900, die in den DE-Offenlegungsschriften 1 803635 (US-Patentschriften 3 681 290
und 3 736 350), 2 040 650 und 2 160 589 beschriebenen estergruppenhaltigen Diamine,
die Ethergruppen aufweisenden Diamine gemäss DE-Offenlegungsschriften 1 770 525 und
1 809172 (US-Patentschriften 3 654 364 und 3 736 295), gegebenenfalls in 5-Stellung
substituierte 2-Halogen- 1,3-phenylendiamine (DE-Offenlegungsschriften 2001 772, 2
025 896 und 2 065 869), 3,3'-Dichlor- 4,4'-diamino-diphenylmethan, Toluylendiamin,
4,4'-Diaminodiphenylmethan.
[0042] Ein erfindungsgemäss besonders gut geeigneter Polyoltyp sind die Ester aus 1,5-2
Mol Ethylenglykol und 1 Mol Benzoldicarbonsäure, z.B. Phthalsäure, durchschnittliches
Molgewicht ca. 250-600. Es wurde gefunden, dass für die vorteilhaften Eigenschaften
der neuen Intumeszenzmassen, insbesondere der Intumeszenzschäumen, nicht die für die
konventionelle Polyurethanchemie üblichen stöchiometrischen Verhältnisse charakteristisch
sind. Vielmehr werden die Komponenten 2, 3 und gegebenenfalls 4 ungeachtet der in
Bezug auf die Isocyanatchemie zu fordernden Stöchiometrie zusammengestellt und die
so erhältliche Mischung in einfachen Vorversuchen mit verschiedenen innerhalb eines
erfindungsgemäss gegebenen Mengenspielraums liegenden Mengen des Polyisocyanats umgesetzt,
um die gewünschte optimale Wirksamkeit empirisch zu ermitteln.
[0043] Die so gefundenen Richtmengen für die einzelnen Komponenten 2, 3 und gegebenenfalls
4 in dem mit dem Polyisocyanat umzusetzenden Reaktionsgemisch ergänzen sich zu 100%
und betragen:
- für die mindestens zwei Hydroxylgruppen aufweisenden phosphohaltigen Kondensationsprodukte:
25 bis 80, vorzugsweise 40 bis 75 Gew.-%
- für die aromatische Hydroxycarbonsäure bzw. deren Salz: 10 bis 65, vorzugsweise
15 bis 40%
- für Wasser: 0 bis 8,5, vorzugsweise 0-5,5 Gew.-%;
- für die weitere organische Verbindung mit gegenüber Isocyanaten aktiven H-Atomen:
0 bis 50, vorzugsweise 0 bis 35 Gew.-%.
[0044] 100Gew.-Teile dieses Reaktionsgemisches werden in der Regel mit 50 bis 180, vorzugsweise
65 bis 150 Gew.-Teilen des Polyisocyanats umgesetzt.
[0045] Die Herstellung der Intumeszenzmassen kann in einem Lösungsmittel, vorzugsweise jedoch
lösungsmittelfrei, erfolgen. Die bevorzugten Produkte sind Schaumstoffe; diese können
Raumgewichte von ca. 15 bis 800 kg/m
3, bevorzugt zwischen 60 und 300 kg/m
3, aufweisen. Eine besonders ausgewogene Kombination zwischen aus Gründen der Isolierfähigkeit
angestrebtem niedrigem Raumgewicht und für die Aufschäumwirkung bei Flammenzutritt
in der Raumeinheit notwendiger Masse stellen erfindungsgemäss zugängliche Schaumstoffe
mit Raumgewichten von ca. 80 bis 200 kg/m
3 dar.
[0046] Man kann die verschiedenen Reaktionskomponenten einzeln zusammenführen; zweckmässigerweise
jedoch macht man eine Vormischung aus den mit den Polyisocyanaten (Komponente 1 )
reaktionsfähigen Komponenten 2, 3 und gegebenenfalls 4 und erhält so gegebenenfalls
nach kurzem Erwärmen eine flüssige, zumeist als Lösung vorliegende Reaktionskomponente,
in der alle notwendigen Bestandteile bis auf das Polyisocyanat enthalten sind. Auf
diese Weise lassen sich die erfindungsgemässen Intumeszenzmassen als Zweikomponentengemisch
formulieren bzw. aus diesem herstellen. Hierzu sind die üblichen Einrichtungen der
Polyurethantechnologie einsetzbar.
[0047] Es ist durchaus möglich, der Komponentenvormischung, gegebenenfalls auch dem Isocyanat,
noch weitere Rezepturbestandteile zuzusetzen, z.B. Melamin, Melaminkondensate, Harnstoff-Formaldehydkondensate,
Melaminphosphate, Aminpolyphosphate, Phosphorsäureester z.B. Trikresylphosphat oder
Dibutylkresylphosphat, AI-Oxidhydrate, Glaspulver, massive oder hohle Glas- oder sonstige
Silikatperlchen und sonstige das Brandverhalten modifizierende Zusatzstoffe.
Beispiele
[0048] Im folgenden wird die Erfindung beispielhaft erläutert. Die angegebenen Teile sind
Gewichtsteile, sofern nicht anders vermerkt.
[0049] Es wurden folgende Komponenten eingesetzt:
[0051] Es wurden folgende Tests und Beurteilungen vorgenommen:
Aufschäumen einer Materialprobe:

[0052] Klassifizierung des Nachbrennens nach Beflammung einer 2 g-Materialprobe mit einer
Bunsenbrennerflamme:

Wasserlagerungstest:
[0054] Eine Materialprobe (8 x 4 x 2 cm) wurde drei Tage unter Leitungswasser gelagert,
dann wurde das Wasser abgegossen und durch neues Wasser ersetzt. Nach weiteren drei
Tagen wurde das Wasser abgegossen, der Probekörper abgeschleudert und bei 75 °C zurückgetrocknet.
Vor und nach dem Trocknen wurde geprüft, ob eine deutliche Volumenveränderung (Kantenlänge)
oder eine stärkere Festigkeitsveränderung mit Zentimetermass bzw. durch manuelle Prüfung
war. Die rückgetrockneten Proben wurden den Tests I, II und 111 unterzogen.
[0055] Die folgenden Beispiele sollen die Intumeszenzwirkung der erfindungsgemässen Zusätze
von aromatischen Hydroxycarbonsäuren erläutern:
Vergleichsbeispiel 1
[0056] 98 Teile Komponente A und 2 Teile Wasser werden mit 75 Teilen eines handelsüblichen
technischen Polyisocyanats auf Basis von Anilin-Formaldehyd-Kondensaten gut verrührt.
Es bildet sich ein Schaum mit Raumgewicht ca. 150 kg
/m3.

[0057] Da weder ein deutliches Aufschäumen noch ein Nachschäumen im für die Sicherheit von
Intumeszenzmassen wesentlichen Test II gefunden wird, ist eine derartige Rezeptur
nicht für Intumeszenzmassen empfehlenswert.
Beispiel 1
[0058] In 98 Teilen Komponente A werden 2 Teile Wasser und 40 Teile Hydroxybenzoesäure aufgelöst.
100 Teile dieser Lösung werden mit 75 Teilen des im Vergleich 1 verwendeten Isocyanats
gut verrührt. Die entstehenden Intumeszenzschäume werden wiederum im Test II geprüft:

[0059] Das Ergebnis zeigt, dass alle drei Hydroxybenzoesäuren zu einem brauchbaren Intumeszenzverhalten
der Schäume führen. Selbstverständlich sind die Schäume gemäss Beispiel 1 in gleicher
Weise schwer entflammbar wie das Muster aus dem Vergleich 1, d.h., im Nachbrennversuch
erhalten sie die Klassifizierung: Nachbrennen kurz, d.h., sie verlöschen innerhalb
von 3 Sekunden nach Entfernung der Flamme.
Beispiel 2
[0060] Von besonderer Wichtigkeit ist das Verhalten eines über längere Zeit gemäss Test
11 erhitzten Schaumes in Bezug auf das Nachschäumen bei letztendlicher Beaufschlagung
mit einer Flamme. Ein guter Intumeszenzschaum sollte mindestens dann, falls er nicht
ohnehin schon aufgeschäumt ist, noch aufschäumen können.
[0061] Löst man in 98 Teilen Komponente A 2 Teile Wasser, 25 Teile Salicylsäure und 20 Teile
Triethanolamin (Salzbildner) auf und verschäumt diese Lösung durch Vermischen mit
216 Teilen des in Vergleich 1 beschriebenen Isocyanats, so erhält man einen Schaum,
der gemäss Test 11 im Nachschäumen ausgezeichnet wirksam ist. Wenn man aus der sonst
gleichartigen Rezeptur die Salicylsäure fortlässt, so erfolgt kein Nachschäumen mehr.
In beiden Fällen lag das Raumgewicht der Schäume um 150 kg/m
3.
Beispiel 3
[0062] Eine Lösung aus
94 Teilen Komponente A
6 Teilen Komponente B1
40 Teilen Komponente C1
20 Teilen Komponente B3
wird in einer Maschine mit Rührwerksmischkopf mit 120 Teilen des in Beispiel 2 verwendeten
Isocyanats in kontinuierlicher Betriebsweise vermischt. Das auslaufende Reaktionsgemisch
schäumt nach 40 Sekunden auf.
[0063] Der gleiche Versuch wird gemacht, nur werden 60 Teile Komponente B3 und 160 Teile
Isocyanat eingesetzt.
[0064] Zum Vergleich werden die beiden Versuche ohne Zusatz der Hydroxybenzoesäure gefahren:

[0065] Es zeigt sich, dass die unter Mitverwendung der Hydroxycarbonsäuren hergestellten
Schäume, wenn in der Rezeptur noch Polyester-Hydroxylverbindungen mitverwendet werden,
den ohne solche Säurezusätze hergestellten Schäumen deutlich überlegen sind. Bemerkenswert
ist auch das durch den Zusatz der erfindungsgemässen Komponenten C nicht verschlechterte,
sondern eher verbessere Nachbrennverhalten.
[0066] Lässt man die Schäume gemäss Beispiel 3 a) und 3 c) auf einer Bandschäumanlage herstellen,
so erhält man Schaumstoffplatten. Diese Platten können als solche als Dämmplatten
mit Intumeszenzcharakter verwendet oder thermoplastisch verformt werden. Hierzu werden
2 cm dicke Platten des Intumeszenzschaumstoffes auf ca. 150 °C im Wärmeschrank erhitzt
(auch eine Hochfrequenz-, Mikrowellen- oder Infrarot-Beheizung ist möglich) und dann
z.B. auf einer Lehre zu Rohren, Halbschalen gebogen, die nach dem Erkalten ihre Form
beibehalten. Es ist auch möglich, die Platten auf einer geheizten Presse bei ca. 130
°C zu verdichten.
[0067] Wenn man die Komponente C1 durch die Komponenten C2 oder C3 ersetzt, ändern sich
zwar die Raumgewichte der erhältlichen Schäume, nicht aber deren Intumeszeneigenschaften.
Beispiel 4
[0068]
100 Teile Komponente A
20 Teile para-Hydroxybenzoesäure
20 Teile ortho-Hydroxybenzoesäure
2,5 Teile Wasser
werden vereinigt und bei ca. 60 °C gelöst. Dann rührt man bei Raumtemperatur in 40
Teile dieser Lösung 30 Teile eines mittelviskosen handelsüblichen Polyisocyanats auf
Basis von Anilin-Formaldehyd-Kondensaten ein und erhält einen Hartschaum mit dem Raumgewicht
140 kg/m
3: Volumensteigerung bei

[0069] Nach dem Wasserlagerungsversuch werden die gleichen Klassifizierungen erreicht.
Beispiel 5
[0070] Es wird wie in Beispiel 4 gearbeitet, es werden jedoch der Vormischung noch 10 Teile
eines Polyesters aus Adipinsäure und Ethylenglykol (Molekulargewicht ca. 2000) sowie
40 Teile Komponente C1 zugesetzt. Der entstandene Hartschaum hat ein Raumgewicht von
145 kg/m
3.

[0071] Nach Wasserlagerung werden die gleichen Klassifizierungen erreicht.
Beispiel 6
[0072]
100 Teile Komponente A
40 Teile 4-Hydroxybenzoesäure
werden durch Erwärmen in eine Lösung überführt, dann setzt man noch 20 Teile Dibutylkresylphosphat
hinzu. Dann verrührt man mit 100 Teilen des im Vergleich 1 benutzten Polyisocyanats.
Die gut verrührte Lösung wird nunmehr auf eine Stahlplatte aufgesprüht. Dort erhärtet
sie und bildet einen blasigen Film.
[0073] Löst man einen Teil des Filmes ab, ergeben sich vor und nach dem Wasserlagerungsversuch
nach Test 111 die Klassifizierungen.

[0074] Die gleichen Klassifizierungen werden erreicht, wenn man den Phosphatweichmacher
fortlässt, lediglich der Beschichtungsfilm ist dann etwas spröder. Bei Beflammen der
Stahlplatte erfolgt die Intumeszenzreaktion, d.h. Bildung eines isolierenden Schaumes.
Beispiel 7
[0075] 100 Teile Komponente A werden mit 20 Teilen Salicylsäure, 30 Teilen 4-Hydroxybenzoesäure
und 25 Teilen Isopropanol (B2) in eine Lösung überführt. 40 Teile dieser Lösung werden
mit 30 Teilen des in Vergleich 1 beschriebenen Isocyanats umgesetzt. Es bildet sich
ein hochviskoses Material, das in Wasser unlöslich, wohl aber in Isopropanol löslich
ist.
[0076] Man stellt eine 50%ige isopropanolische Lösung des Reaktionsproduktes her. Mit dieser
Lösung wird eine Stahlplatte bestrichen und die gebildete Beschichtung bei 150 °C
in 30 Min. zu einem harten unlöslichen Film aufgetrocknet. Bei Beflammen der Stahlplatte
entwickelt sich aufgrund der Intumeszenzreaktion ein isolierender, feuerabweisender
Schaum.
[0077] Das gleiche wird beobachtet, wenn man mit der Lösung einen Holzbalken satt anstreicht.
Nach dem Trocknen bildet sich bei Beflammung ein isolierender Schaum, der das Holz
vor dem Zugriff der Flamme schützt.
[0078] In einem mechanischen Emulgiergerät kann die Isopropanollösung auch mit Wasser in
eine Emulsion überführt werden, aus der gegebenenfalls das Isopropanol durch Dünnschichtung
entfernt werden kann. Derartige Emulsionen sind für Anstrichzwecke gut geeignet.
Beispiel 8
[0079]

werden gemischt und durch Erwärmen in Lösung gebracht. 40 Teile dieser Lösung werden
bei Raumtemperatur mit 30 Teilen des in Vergleich 1 beschriebenen Isocyanats gut verrührt
und sofort auf einen gesandstrahlten Stahlträger aufgetragen. Dort erhärtet das Material
in wenigen Minuten zu einem harten Film. Bei Beflammung des Stahlträgers bildet der
Film einen voluminösen isolierenden Schaum. Löst man einen Teil des Filmes von der
Unterlage, so ergeben sich in den beschriebenen Tests vor und nach der Wasserlagerung
die folgenden gleichartigen Klassifizierungen:

[0080] Wiederholt man den gleichen Versuch, setzt der Vormischung jedoch noch 3 Teile Wasser
hinzu, entsteht auf dem Stahlträger ein Schaumstoff, der die gleichen Klassifizierungen
erreicht.
Beispiel 9
[0081] In einer Brandmauer von 15 cm Stärke befindet sich ein Durchbruch der Masse 15 x
30 x 15 cm. Durch diesen Durchbruch auf einer Kabeltrasse von 20 cm Breite liegend,
sind mehrere Elektrokabel verschiedenen Durchmessers und verschiedener Isolationsart
hindurchgeführt. Diese Öffnung ist einseitig provisorisch mit einem Pappdeckel verschlossen.
Von der offenen Seite her wird nun ein frisch hergestelltes Zwei-Komponenten-Gemisch
eingegossen (ca. 1000 g):

[0082] In der Höhlung schäumt das Reaktionsgemisch auf und füllt alle Zwickel zwischen Kabeln,
Trasse und Mauerwerk. Aus der Öffnung heraustretender Schaum wird nach Erhärtung abgeschnitten.
Im Test erreicht der Schaum vor und nach Wasserlagerung gleiche Klassifizierung:

[0083] Raumgewicht ca. 149 kg/m
3.
[0084] Bei Beflammung mit einem Ölbrenner in einem Kleinbrennofen zur Testung von Mauerdurchbrüchen
werden auch nach 30 Min. Versuchsdauer noch keine Brandgase oder Flammen durch die
verfahrensgemäss ausgeschäumte Maueröffnung hindurchgelassen. Anschliessend lassen
sich die unbeansprucht gebliebenen Teile der Schaumfüllung leicht aus der Öffnung
herausarbeiten, so dass eine Neuinstallation ohne Aufwand möglich ist.
Beispiel 10
[0085]

wird durch Erwärmen in Lösung gebracht und bei Raumtemperatur mit einer Polyurethan-Zweikomponenten-Sprühpistole
im Verhältnis von 40 Teilen Mischung zu 60 Teilen Isocyanat gemäss Vergleich 1 gemischt
und auf Stahlrohre und Aluminiumplatten sowie Holzbretter aufgesprüht. In allen Fällen
bildet sich auf dem Substrat ein gut haftender Schaumfilm. Bei Beflammung mit einem
entleuchteten Erdgasgebläse (Flammentemperatur 800 bis 1100 °C) bildet sich sofort
aus der Schaumschicht ein sich stark aufblähender Intumeszenzschaum, der die rückwärtigen
Teile vor weiterem Flammenzutritt schützt.
[0086] Hebt man von der unbeanspruchten Schaumbeschichtung Schaumproben ab, so haben diese
bei einem Raumgewicht um 190 kg/m
3 in den beschriebenen Test folgende Eigenschaften, die vor und nach dem Wasserlagerungsversuch
erreicht werden:

Beispiel 11
[0087] Die gemäss Beispiel 7 erhaltene 60%ige Isopropanollösung wird mit 50% (bezogen auf
Feststoffanteil) Melaminpulver versetzt und die so erhaltene viskose Mischung auf
eine Asbestzementplatte aufgetragen. Nach dem Austrocknen (30 Tage im Laborraum) wird
der Test 111 an der trockenen Beschichtung vorgenommen:
