[0001] Die Erfindung betrifft eine Erhöhung des Wirkungsgrades der kontinuierlichen Waschbehandlung
von Textilmaterialien durch geeignete Flottenführung.
[0002] Bei der kontinuierlichen Waschbehandlung von Textilien nach dem Gegenstromprinzip
wird die Waschflotte der Textilbahn entgegengeführt und für wiederholten Flottenaustausch
am und im Textilgut gesorgt. Wenn man aus der Sicht der Wechselwirkung mit der Flotte
jeden Flottenaustausch in der Textilbahn als Einzelwaschvorgang definiert, besteht
die kontinuierliche Wäsche aus einer Folge von Einzelwaschvorgängen, bei denen die
Beladung des Textilgutes und die der Waschflotte mit den auszuwaschenden Substanzen
ständig abnimmt, bis der gewünschte Waschwirkungsgrad erreicht ist. Die Effizienz
des Gesamtkontinuewaschvorgangs hängt bei gegebenem Wasser- und Energieverbrauch davon
ab, wie rasch sich dieser Waschwirkungsgrad einstellt.
[0003] Jeder Einzelwaschvorgang besteht also aus einem Imprägnieren und anschließenden (selbstverständlich
unvollständigen) Abtrennen der Waschflotte vom Textilgut. Das Imprägnieren erfolgt
in aller Regel (im Prinzip auch durch Aufspritzen und Pflatschen möglich) durch Eintauchen
der Textilbahn in die Waschflotte, wobei Umlenkwalzen sowie die Zugspannung bei der
Warenführung und ggf. die üblichen Intensivierungseinrichtungen eine Rolle spielen,
und das Abtrennen in der Regel (im Prinzip auch durch Absaugen möglich) durch Abquetschen
zwischen zwei Walzen.
[0004] Zur Vermeidung von Durchmischungen und somit zur besseren Aufrechterhaltung des Konzentrationsgefälles
iw Gegenstrom bemüht man sich, die Kontinuewaschanlage durch Zwischen- ßR/BL wände
(Schotten) mit Durchlaßöffnungen oder Überlaufmöglichkeiten in Kammern für je einen
Einzelwaschvorgang zu unterteilen. Bei vertikaler Warenführung ist das in aller Regel
auf die eine oder andere Art realisiert. Bei horizontaler Warenführung, bei der die
Ware von unten nach oben läuft und der Flottenstrom von oben nach unten, bei der also
die Schwerkraft der Durchmischung der Flotte entgegenwirkt, verwendet man statt der
Schotten innerhalb eines derartigen Waschabteils Flottenabstreifer und/oder Leitbleche.
[0005] Es müssen meist mehrere solcher Waschabteile im Rahmen der gesamten Kontinuewaschanlage
hintereinander geschaltet betrieben werden, wobei die Abteilwände als Schotten fungieren.
[0006] Für nähere Informationen über die Probleme der textilen Kontinuewaschbehandlung sei
auf folgende Literaturstellen hingewiesen:
A. Kretschmer, Melliand-Textilberichte 1/53 (1972), Seiten 67 bis 79; Arbeitskreis
Waschwirkung bei Breitwaschverfahren der Textilforschung Krefeld, textil praxis international
1974, Heft 1, Seiten 90 bis 93; W. Rüttiger, textil praxis international 1979, Heft
10, Seiten 1380 bis 1387, Heft 11, Seiten 1544 bis 1551 und Heft 12, Seiten 1629 bis
1643.
[0007] Der Erfindung lag die Aufgabe zugrunde, die Effizienz der Kontinuewaschbehandlung
zu erhöhen und die Abwasseraufbereitung oder die Produktrückgewinnung zu erleichtern.
[0008] Bei den bisher üblichen Kontinuewaschanlagen nach dem Gegenstromprinzip läuft die
jeweils abgetrennte Flotte entweder in das in Warenlaufrichtung unmittelbar davor
liegende oder sogar je nach Konstruktion teilweise in das nachfolgende Imprägnierbad.
Dadurch wird die abgetrennte Flotte mit derjenigen Waschflotte vermischt, die im vor
(bzw. sogar hinter) der Abtrennung liegenden Imprägnierbad zuerst mit der Ware in
Berührung kommt. Also wird mit einer Flotte gewaschen, die stärker mit den auszuwaschenden
Substanzen beladen ist als diejenige Flotte, die aus dem in Warenrichtung nachfolgenden
Imprägnierabschnitt kommt.
[0009] Es zeigte sich, daß das verfahrenstechnisch ungünstig ist. Hier setzt die Erfindung
an.
[0010] Erfindungsgemäß wird die Flotte jeweils so abgetrennt (abgequetscht), daß sie möglichst
vollständig aufgefangen werden kann. Die aufgefangene Flotte wird dann unter überspringen
eines Teils des Gegenstroms in Richtung Wareneinlauf an möglichst konzentrationsgleicher
Stelle in den Gegenstrom eingespeist.
[0011] Dadurch wird ohne wesentlichen apparativen und ohne jeglichen sonstigen Mehraufwand
ein wesentlich höherer Konzentrationsgradient für die auszuwaschenden Substanzen in
der Waschflotte und damit auch auf dem Textilgut erzielt, mit anderen Worten: eine
erfindungsgemäße Waschvorrichtung hat gegenüber einer sonst gleichen, jedoch nicht
erfindungsgemäß ausgestatteten Anlage eine wesentlich erhöhte Kapazität, außerdem
werden, bezogen auf gleiche Mengen Waschgut, erhebliche Waschwassermengen sowie die
Energie zu deren Aufheizen eingespart, und schließlich wird die Abwasseraufbereitung
bzw. die Rückgewinnung der ausgewaschenen Substanz (z.B. Natronlauge oder Schlichte)
dadurch erleichtert, daß das Abwasservolumen vermindert bzw. die Konzentration der
wiederzugewinnenden Substanz erhöht ist.
[0012] Der größte Effekt wird selbstverständlich erzielt, wenn der Erfindungsgedanke bei
sämtlichen Flottenabtrennstellen (Quetschwerken) einer Waschanlage verwirklicht wird.
Man kann aber auch - etwa beim nachträglichen erfindungsgemäßen Umrüsten einer bereits
vorhandenen Anlage - den Erfindungsgedanken nur an einer oder einigen Flottenabtrennstellen
verwirklichen, an denen die nachträgliche Umrüstung sich technisch besonders einfach
gestaltet, und auf die erfindungsgemäße Flottenrückführung an den übrigen Flottenabtrennstellen
der Einfachheit halber verzichten.
[0013] Die zugrundeliegende Aufgabe, die Erhöhung der Effizienz von Kontinuewaschanlagen,
ist so alt wie das Kontinuewaschen selbst. Trotzdem ist bisher niemand auf diese -
nachträglich einfach erscheinende und in der technischen Realisierung tatsächlich
erstaunlich einfache - Möglichkeit zur Kostenersparnis gekommen.
[0014] Die Erfindung kommt umsomehr zum Tragen, je schneller die Maschine läuft, mit anderen
Worten, je weniger sich in der Beladung zwischen Textilgut und Waschflotte bei den
Einzelwaschvorgängen bereits durch Diffusion ein Gleichgewicht einstellt. Bei (erst
nach unendlich langer Zeit erreichter) vollständiger Gleichgewichtseinstellung, wenn
also die Konzentration der auszuwaschenden Substanzen auf dem Textilgut und in der
gesamten damit in Berührung stehenden Waschflotte des Imprägnierbades gleich wären,
wäre die Erfindung gegenstandslos. Anlagen zur Kontinuewaschbehandlung laufen normalerweise
aus ökonomischen Gründen so schnell, daß eine Gleichgewichtseinstellung beim Einzelwaschvorgang
nicht, meist nicht einmal annähernd, erreicht wird. Das erfindungsgemäße Verfahren
zeigt besonders dann seine Vorteile, wenn man eine so hohe Laufgeschwindigkeit einstellt,
daß das genannte Gleichgewicht zu nicht mehr als 75 oder gar nur zu 6
0 % oder noch weniger (unter Umständen wesentlich weniger) erreicht wird. 75 % des
Gleichgewichtszustandes sind dann erreicht, wenn die Konzentration an auszuwaschender
Substanz im Imprägnierbad 75 % der Konzentration beträgt, die sich im Bad nach sehr
langer (theoretisch unendlich langer) Zeit allmählich durch völligen Konzentrationsausgleich
zwischen dem (quasi stillstehenden) in das Bad eingetauchten Stück Textilbahn und
der Badflüssigkeit einstellen würde.
[0015] Für das Abtrennen der Flotte sind einige Aspekte zu beachten: nach dem Imprägnieren
mit der Wachflotte wird bei einer Waschbehandlung das Textilmaterial der Flottenabtrennvorrichtung
zugeführt. Dabei ist es je nach Konstruktion der Anlage, der Art des Textilgutes,
der Viskosität der Flotte, der Länge der Rücklaufstrecke (das Textilgut steigt auf,
die oberflächlich anhaftende Imprägnierflüssigkeit läuft teilweise zurück) und deren
Steigungswinkel sowie der Laufgeschwindigkeit unterschiedlich mit Flotte beladen.
Hat es eine geringe Beladung mit Waschflotte, dann kann nur wenig Flotte abgetrennt
werden. Dies ist für das erfindungsgemäße Verfahren meist günstig, da dann eine höher
konzentrierte Abtrennflotte anfällt. Bei einer hohen Beladung des Textilgutes kann
zwar die Waschwirkung des Quetschwerkes oder der Flottenabtrennstelle auch noch genutzt
werden, aber es fällt dann eine unnötig stark verdünnte Abtrennflotte an. Für das
erfindungsgemäße Verfahren arbeitet man daher zweckmäßig mit einer solchen Einstellung
der Anlage, daß die Beladung des Textilgutes mit Waschflotte so hoch liegt, daß noch
mindestens 10 %, bezogen auf das Trockengewicht des Textilgutes, an Flotte abgetrennt
werden, und man sollte die Beladung möglichst nicht höher einstellen als bis zu einer
Abtrennung von 200 %. Vorzugsweise arbeitet man im Abtrennbereich von 20 bis 130 %.
In diesem Bereich liegt dann auch in den meisten Fällen das Textilgut- und Substanz-bedingte
Optimum bezüglich des Verhältnisses der Konzentration der Abtrennflotte zu der der
Imprägnierflotte und des Verhältnisses der Menge an abgetrennter zu der an abzutrennender
Substanz.
[0016] Die abgetrennte Flotte "möglichst vollständig auffangen" soll nicht unbedingt heißen,
so viel auffangen wie technisch möglich, sondern nur, wie unter den gegebenen Umständen
bei Berücksichtigung aller technischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkte sinnvoll.
[0017] Für ein möglichst vollständiges Auffangen der abgetrennten Flotte ist im Fall des
Abquetschens (nicht oder weniger im Fall des Absaugens) die örtliche Anordnung der
Abtrennvorrichtung wichtig: das Abquetschen kann (jedoch weniger günstig) an der aufsteigenden
Textilbahn wie bisher üblich erfolgen, obwohl dann die abgequetschte Flotte überwiegend
an der Textilbahn (bzw. am Strang oder Garn) zurückläuft und ihr Auffangen zusätzliche
Installationen (z.B. Abstreiflippen, Leitbleche, Schaufelräder, vgl. Fig. 1 - 3) erfordert.
Abgesehen davon findet hier auf der Strecke zwischen Quetschwerk und der Quetschflotten-Auffangvorrichtung
ein verfahrenstechnisch ungünstiges, weil den Wirkungsgrad verminderndes Vermischen
der am Textilgut herablaufenden Quetschflotte mit der vom Textilgut mitgenommenen
Imprägnierflotte statt.
[0018] In dieser Hinsicht günstiger, außerdem einfacher und für das Textilgut schonender
sowie weniger anfällig gegen Flusenabsatz ist das Abtrennen von der horizontalen Warenbahn,
bei der sich durch eine davor befindliche Umlenk- ' walze, ggf. mit Auflagewalze,
auch gut die Vorbeladung einstellen läßt (Fig. 4). Eine im wesentlichen horizontale,
aber durch eine zusätzliche untere Umlenkwalze vorteilhaft modifizierte Warenführung
zeigt Fig. 5. '
[0019] Ebenfalls sicher und vollständig erfolgt das Auffangen beim Abquetschen der absteigenden
Textilbahn (Fig. 6), wo sich die aufzufangende Flotte im oberen Zwickel des Quetschwerkes
sammelt und von dort aus abgeführt (erforderlichenfalls abgesaugt) werden kann.
[0020] Als besonders günstig erwies es sich, die Abtrennvorrichtung dicht vor der nächstfolgenden
Wiederbeladungsstelle anzuordnen (Fig. 7). Fig. 8 veranschaulicht das Erfindungsprinzip.
[0021] Erläuterungen zu den Fig. 1 bis 8:
(1) Textilgut
'(2) Walzen des Quetschwerkes
(3) QUetschflotten-Auffangbehälter
(4) Abstreiflippen
(5) Leitbleche
(6) Schaufelräder
(7) Umlenkwalzen
(8) Auflagewalzen
(9) Oberer Zwickel
(10) Saugstutzen
(11) Imprägnierbad
(12) abgequetschte Flotte
(13) Leitung zum Rückführen der Quetschflotte
(14) Anschlußstutzen zum Einspeisen der Quetschflotte an möglichst konzentrationsgleicher
Stelle
(15) Einlauf der Gegenstromflotte
(16) Auslauf der Gegenstromflotte
Fig. 1 bis 3 Warenführung von unten
Fig. 1
[0022] Die am Textilgut (1) durch das Quetschwerk (2) abgequetschte Flotte läuft am Textilgut
nach unten und wird durch weiche, auf der textilen Warenbahn schleifende Lippen (4)
aus Elastikmaterial in die Auffangbehälter (3) abgeführt.
Fig. 2
[0023] Die Quetschflotte läuft am Textilgut (1) nach unten und wird von gerundeten, gegen
das Textilgut drückenden Leitflächen (5) abgelenkt und in die Auffangbehälter (3)
geleitet. Gleichzeitig schaben die angepreßten Leitbleche je nach dem eingestellten
Anpreßdruck mehr oder weniger überschüssige, am Textilgut haftende Waschflotte ab,
welche in das Imprägnierbad zurückfließt oder tropft.
Fig. 3
[0024] Die am Textilgut (1) abgequetschte Flotte läuft an der Ware entlang nach unten und
wird von den an der Ware anliegenden Schaufelrädern (6) abgeführt. Bei genügend starkem
Andruck werden die Räder von der Ware mitgenommen. Sie können auch angetrieben werden.
Von den Schaufelrädern gelangt dann die Waschflotte durch Schwerkraft oder Zentrifugalkraft
in die Auffangbehälter (3).
[0025] Bei allen Varianten der Fig. 1 bis 3 wird die auf dem Textilgut befindliche, von
unten nach oben mitgenommene Waschflotte teilweise bereits vor dem Erreichen der Quetschfuge
mit der herabfließenden Quetschflotte vermischt und abgetrennt, wodurch die Mischwirkung
der Quetschanordnung nicht alle von der Ware mitgenommenen Flottenelemente erfaßt,
so daß nicht der optimale Wir-kungsgrad erreicht wird. Man wird daher die Rücklaufstrecke
für die Quetschflotte am Textilgut und damit' die Mischzeit möglichst kurz halten,
indem man die Abstreiforgane möglichst dicht unter dem Quetschwerk anordnet.
Fig. 4 Horizontale Warenführung
[0026] Die vom Textilgut (1) am Quetschwerk (2) abgequetschte Waschflotte läuft teils direkt
entlang der unteren Quetschwalze in den Auffangbehälter (3) und zum andern Teil durch
das Textilgut oder seitlich daran vorbei in den Auffangbehälter. Vorher läuft das
Textilgut über eine Umlenkwalze (7), zweckmäßig mit einer Auflagewalze (8), über deren
Andruck man in gewissen Grenzen die vom Textilgut mitgenommene Flottenlänge einstellen
kann.
Fig. 5
[0027] Die Quetschflotte tropft teils von der unteren Quetschwalze (2), teils vom Textilgut
zu der unteren Umlenkwalze (7) ab. Das vollständige Auffangen der Quetschflotte bedarf
daher neben dem Auffangbehälter (3) keiner weiteren Installationen. Der Abstand zwischen
unterer Umlenkwalze und Quetschwerk sollte im Hinblick auf die auf dieser Strecke
erfolgende unerwünschte Vermischung von Quetschflotte und der vom Textilgut mitgenommenen
Imprägnierflotte möglichst kurz sein.
Fig. 6 Warenführung von oben
[0028] Das aus dem Imprägnierbad kommende Textilgut (1) wird von einer Umlenkwalze (7),
die höher angeordnet ist als das Quetschwerk (2), umgelenkt und von oben in das Quetschwerk
geführt, wobei man auch, wie in Fig. 6 dar- gestellt, eine zweite Umlenkwalze benutzen
kann, um das Textilgut symmetrisch (vertikal) einzuführen. Die erste Umlenkwalze kann
wiederum (wie bei Fig. 4) mit einer Auflagewalze (8) versehen sein.
[0029] Bei dieser Anordnung und Warenführung ist die verfügbare Zeit für eine Vermischung
der Beladungsflotte und der Quetschflotte extrem kurz, also für das Verfahren günstig.
Das Abführen der sich im oberen Zwickel (9) sammelnden Quetschflotte kann nach bekannten
Prinzipien erfolgen, z.B. durch Überlauf an beiden seitlichen Zwickelenden. Diese
können ganz offen sein, so daß die Quetschflotte in ein unter den Walzenenden befindliches
Auffanggefäß fließt. Sie können auch durch angepreßte Dichtungsplatten mit Abflußöffnung
und ggf. angeschlossener Rohrleitung verschlossen sein. Zusätzlich oder auch ausschließlich
kann die Quetschflotte durch Saugstutzen (10), die in den Zwickel von oben hineintauchen,
abgesaugt werden.
Fig. 7 Abtrennvorrichtung (hier Quetschwerk (2)) dicht vor der nächstfolgenden Wiederbeladungsstelle
(Imprägnierbad (11))
[0030] Das Textilgut läuft in einer klassischen Rollenkufe über die oberen Umlenkwalzen
(7) in möglichst dicht über der Oberfläche der Imprägnierbäder (11) angeordnete Quetschwerke
(2), aus deren oberem Zwickel (9) die Quetschflotte abgeführt, ggf. abgesaugt wird
(Saugstutzen (10». Dadurch wird für den Stoffaustausch Textilgut-Waschflotte auf der
Ware eine maximale Verweilzeit erreicht, während die weitgehend waschunwirksame Verweilzeit
der abgequetschten Ware minimiert wird.
[0031] Es ist prinzipiell auch möglich, die waschunwirksame Verweilzeit der abgequetschten
Ware in der Anlage praktisch auf Null zu bringen, wenn man die Ware vertikal von unten
durch das Quetscherk laufen läßt, z.B. gemäß einer der Fig. 1 bis 3 oder einer entsprechenden
Variante von Fig. 5, und jeweils den oberen Zwickel eines jeden Quetschwerkes anstelle
der normalen Imprägnierbäder als in Warenlaufrichtung nächstfolgendes Imprägnierbad
benutzt, indem man ihn mit Waschflotte (mehr oder weniger) füllt. Man muß dann die
Quetschflotte erfindungsgemäß in einen möglichst konzentrationsegleichen oberen Zwickel
pumpen, und der Flottengegenstrom wird ebenfalls von Zwickel zu Zwickel gepumpt. Die
Quetschwalzen werden dann zweckmäßig am obersten Punkt mit Flottenabstreifern versehen.
Fig. 8
[0032] Hier ist das Erfindungsprinzi
D mit seinen beiden wesentlichen Kennzeichen dargestellt:
1. das Auffangen der vom Textilgut (1) abgetrennten (hier abgeauetschten) Flotte und
2. das Einspeisen der Quetschflotte an möglichst konzentrationsgleicher Stelle des
Gegenstroms unter Übersoringen eines Teils desselben.
[0033] In Fig. 8 wurde wegen der leichteren Darstellbarkeit in der Skizze die horizontale
Warenführung am Quetschwerk (gem. Fig. 4) gewählt. Bevorzugt wird jedoch, wie erwähnt,
die Warenführung von oben (gem. Fig. 6), wobei die Quetschwerke besonders vorteilhaft
(gem. Fig. 7) dicht über der Oberfläche der Imprägnierbäder angeordnet sind.
[0034] Durch die miteinander verbundenen Im
prä
gnierbäder fließt die Waschflotte dem Textilgut entgegen. Der Warenlauf (Ware = Textilgut)
ist in Fig. 8 aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht vollständig dargestellt. Im
einfachsten Fall läuft die Ware von Imprägnierbad zu Imprägnierbad (= Sektion zu Sektion
des Waschabteils; Waschabteil = Gruppe von
[0035] ''Imprägnierbädern) über Umlenkwalzen, ggf. mit Auflagewalzen, und ein Quetschwerk
befindet sich nur am Ende des Waschabteils. Je größer die Zahl der Quetschwerke oder
allgemeiner der Flottenabtrennstellen mit erfindungsgemäßem Auffangen und Einspeisen
der Quetschflotte, desto effektiver arbeitet die Anlage. Im Idealfall gehört also
zu jeder (in der Praxis aus Platzgründen zu jeder zweiten) Sektion des Waschabteils
eine Flottenabtrennstelle mit erfindungsgemäßem "Zubehör" (3), (13), (14). Die Quetschflotte
des Quetschwerkes, das zu der in Warenlaufrichtung ersten Sektion (Imprägnierbad)
gehört, kann natürlich nicht "unter überspringen eines Teils des Gegenstroms in Richtung
Wareneinlauf an möglichst konzentrationsgleicher Stelle in den Gegenstrom eingespeist"
werden, sondern stellt als höchstkonzentrierte Flotte des Gesamtprozesses dessen "Endprodukt"
dar und wird - gegebenenfalls neben dem (etwas weniger konzentrierten) überlauf (16)
der in Warenlaufrichtung ersten Sektion - der weiteren Verwertung (z.B. Wiederverwendung)
oder Aufarbeitung zugeführt.
[0036] Es ist wie erwähnt ein Teilziel der Erfindung, den Wasserverbrauch und damit den
Abwasseranfall oder das Volumen der Lösung von ausgewaschener und wieder zu gewinnender
Substanz zu vermindern. Es kann daher vorkommen, daß die Textilbahn mehr Flottenvolumen
mitführt, als (in Laufrichtung) am Ende Frischwasser eingespeist wird. In diesem Fall
laufen die (ggf. anfangs gefüllten) Imprägnierbäder mehr oder weniger rasch praktisch
leer. Der Gegenstrom besteht dann nur noch in der erfindungsgemäß aufgefangenen und
eingespeisten Abtrennflotte. Maßgeblich für die Konzentrationsleichheit der Einsoeisstelle
ist dann die Konzentration der am Textilgut haftenden Flotte, wie sie dort z.3. abtropfen
würde oder durch loses Abstreifen ohne jeden Anpredruck und ohne jeden Quetscheffekt
gewonnen werden kann. Man speist dann die abgetrennte Flotte in ein Imprägnierbad
ein, das diesem Punkt benachbart ist.
[0037] Das erfindungsgemäße Verfahren und die erfindungsgemäße Vorrichtung können an praktisch
alle vorkommenden Aufgaben zur kontinuierlichen Waschbehandlung von Textilmaterialien
angepaßt werden. So spielt es im Prinzip keine Rolle, ob das Textilgut als Bahn, als
Strang oder als Garn geführt wird, ob Waschmittel (Detergentien, Komplexbildner, sogen.
"Builder") oder sonstige Hilfsmittel (z.B. Korrosions- und Schauminhibitoren, Stabilisatoren,
Enzyme) eingesetzt werden oder nicht, ob geheizt wird oder nicht, ob die vom Textilgut
abzuwaschenden Substanzen wieder eingesetzt werden sollen oder nicht. Auch die chemische
Natur des Textilmaterials (natürliche und/oder synthetische Fasern, z.B. Wolle, Baumwolle,
Polyester-, Polyacrylnitril-, Polyamid-, Celluloseacetat-, Cellulosetriacetatfasern
und Fasermischungen) sowie der herunterzuwaschenden Substanzen (z.B. Schlichten, Faser-
und Garnpräparationen, Verdickungsmittel, nicht fixierte Farbstoffe und Ausrüstungsmittel,
Natronlauge, Reduktions- oder Oxidationsmittel oder andere Chemikalien oder einfach
"Schmutz") spielt keine Rolle, sofern eine erfolgreiche Waschbehandlung im wäßrigen
Medium überhaupt möglich ist, und im Fall einer Textilbahn ist es im Prinzip gleichgültig,
ob es sich um ein Gewebe, ein Gewirke oder ein Vlies handelt.
[0038] Das erfindungsgemäße Verfahren eignet sich außer für reine Waschprozesse (Lösungswäsche,
Dispergierwäsche) auch für Waschbehandlungen, bei denen chemische Umsetzungen und/oder
physikalisch chemische Vorgänge ablaufen, z.B. Neutralisations-, Reduktions-, Quellungsvor
gänge (Texturierentwicklung, Bauschen), thermische Behandlungen, Farbstoffixier-und
Echtheitsverbesserungsprozesse, Verstreckungs- und J Faserfixierbehandlungen, also
für alle Veredlungsvorgänge, die mit einem Waschvorgang, d.h. einem Abtrennen bestimmter
Substanzen vom Textilgut, gekoppelt sind.
[0039] Eine universell verwendbare erfindungsgemäße Waschvorrichtung wird zahlreiche Anschlußstutzen
für die Rückführung der Abquetschflotte in den Gegenstrom an möglichst kcnzentrationsgleicher
Stelle haben, damit je nach dem, wo bei dem gerade ausgeübten Waschprozess die konzentrationsgleiche
Stelle ist, die Verbindungsleitung entsprechend angeschlossen werden kann. Andererseits
braucht eine für ein ganz spezielles Waschverfahren vorgesehene erfindungsgemäße Vorrichtung
nur wenige oder auch nur einen einzigen Anschlußstutzen für je eine (gegebenenfalls
fest installierte) Verbindungsleitung. Man kann auch eine Ventilkaskade in Verbindung
mit einer Konzentrationsmeßeinrichtung einbauen und so dafür sorgen, daß sich bei
örtlich/zeitlichen Konzentrationsschwankungen im Gegenstrom automatisch nur das Ventil
an konzentrationsähnlichster Stelle öffnet.
[0040] Die Flottenabtrennvorrichtung kann aus einem Absaugschlitz, einer Absaugtrommel und
vorzugsweise einem Quetschwerk bestehen. Die Flottensammelvorrichtung kann z.B. eine
Auffangrinne in Verbindung mit einem Sammelbehälter sein, sie kann aber auch wie erwähnt
der obere Zwickel im horizontalen Quetschwerk an der absteigenden Textilbahn sein,
ebenfalls natürlich in Verbindung mit einem Sammelbehälter und gegebenenfalls mit
Installationen zum Absaugen der Quetschflotte aus dem Zwickel in den Sammelbehälter
hinein. Die Verbindungsleitung zur konzentrationsgleichen Stelle im Gegenstrom kann
ein Rohr, eine Rinne oder ein Schlauch sein, mit oder ohne Pumpenaggregat.
[0041] Die in den Beispielen genannten Teile und Prozente beziehen sich auf das Gewicht.
Beispiel 1
[0042] Eine Frottee-Ware von knapp 300 g/m
2 wurde für eine dunkle Blaufärbung mit Küpenfarbstoffen mit einer Chemikalienflotte,
enthaltend 40 g Natriumhydroxid und 45 g Hydrosulfit (Natriumdithionit) pro Liter,
beladen und zur Fixierung des Farbstoffes gedämpft. Nach dem Verlassen des Wasserschlosses
befanden sich auf der Ware noch 24 g/kg an Natriumhydroxid (bestimmt durch Titration).
[0043] Verfolgt wurde nun das Auswaschen des Alkalis bis zur Oxidation einmal nach dem Stand
der Technik und zum andern erfindungsgemäß. Die Laufgeschwindigkeit betrug jeweils
25 m/min.
[0044] Bei dem Versuch gemäß dem Stand der Technik wurde mit 15 1 Wasser pro kg Textilgut
in 2 Abteilen, jeweils bestehend aus 5 durch Schotten voneinander getrennten Sektionen
und einem Quetschwerk hinter der 5. Sektion, das Alkali ausgewaschen. Die Restbeladung
der Ware lag bei 1,3 bis 1,4 g Natriumhydroxid pro kg Textilgut. Es wurde im Gegenstrom
gearbeitet. Der Waschflottenstrom vom (in Warenlaufrichtung) hinteren zum vorderen
Waschabteil hatte meist eine Konzentration von 0,5 g NaOH pro Liter. Das Abwasser
hatte eine Alkalikonzentration von 1,5 g/l. Die als Frischwasser eingespeisten 15
l/kg Textilgut fanden sich vollständig wieder. Der Waschwirkungsgrad lag bei 95 %,
was eine sichere Produktion für den Artikel ergab.
[0045] Für das erfindungsgemäße Verfahren wurden in die bestehende Nachbehandlungsanlage
an den beiden Quetschwerken Auffangschalen aus Polyvinylchlorid eingezogen. Seitlich
wurde i ein Schlauchstutzen eingelassen und angeklebt, der durch eine zusätzlich angebrachte
Bohrung in der Wandung der bestehenden Anlage ragte. Hieran wurde ein PVC-Schlauch
mit Gewebeverstärkungseinlage angeschlossen. Bei der gleichen Färbung und Beladung
mit Chemikalienflotte war wieder die Eingangsbeladung 24 g/kg Ware hinter dem Wasserschloß.
[0046] Bei gleicher Laufgeschwindigkeit wurde nun nur noch die halbe Menge an Frischwasser
eingespeist (etwa 8 l/kg). Am letzten Quetschwerk (am Ende des 2. Waschabteiles) wurden
ca. 1,2 1 Flotte pro kg durchlaufenden Textilgutes abgetrennt, die mit 1,5 g NaOH/1
beladen waren. Diese Flotte wurde über den Schlauch, der an der Auffangvorrichtung
angeschlossen war, in die 3. Sektion des geschotteten 1. Abteils (Mäandergegenstrom)
eingeleitet. Es wurden dabei 7 Sektionen des Gegenstroms übersprungen.
[0047] Die aus dem letzten Abteil ablaufende Waschflotte enthielt 0,7 bis 0,8 g NaOH pro
Liter. Diese Flotte gelangte auf die Frotteeware im letzten Sektor vor der Quetsche
des ersten Waschabteils. Die an dieser Quetsche abgetrennte Waschflotte hatte eine
Konzentration von 9 g NaOH pro Liter. Sie wurde gesondert behandelt. Das Abwasser
(das der in Warenlaufrichtung 1. Sektion des ersten Waschabteils entnommen wurde)
fiel in einer Menge von 7 l/kg Textilgut an und hatte eine Beladung von 2 g NaOH pro
Liter.
[0048] Auch hier lag die Endbeladung der Ware mit Natriumhydroxid bei 1,3 bis 1,4 g/kg.
Dies erscheint verständlich, wenn man bedenkt, daß trotz der Wassereinsparung die
Konzentrationen der Waschflotte in den einzelnen Sektionen der Waschabteile dank der
erfindungsgemäßen Technik kaum höher lagen als beim Stand der Technik.
[0049] Die vom ersten Quetschwerk abgetrennte Waschflotte mit ' 9 g/1 an NaOH enthielt bei
dem hohen Fixiergrad der ver
- wendeten Küpenfarbstoffe nur so geringe Mengen an Farbstoff, daß sie zum Ansetzen
der Chemikalienflotte wieder verwendet werden konnte. Anstelle von 1000 1 Chemikalienflotte
wurden 928 1 der abgetrennten Quetschflotte wieder verwendet, die mit 72 1 Natronlauge
von 38°Be aufgestärkt wurden, bevor das Hydrosulfit zugegeben wurde.
[0050] Berücksichtigt man, daß der Auftrag an Chemikalienflotte meist in der Größenordnung
von 80 % liegt, daß Hydrosulfit bei seiner Oxidation zusätzlich Alkali bindet, und
daß im Wasserschloß des Küpendämpfers, Wasser durchgesetzt werden muß, um die Temperatur
niedrig zu halten, dann kann man davon ausgehen, daß die experimentell gefundene Beladung
von 24 g NaOH pro kg Textilgut abzüglich des auf der Ware verbleibenden Restalkalis
von 1,4 g/kg, also 22,6 g/kg für diesen Fall den theoretischen oberen Grenzwert für
eine Rückgewinnung darstellt. Davon sind mit 9 g/kg immerhin 40 % nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren rückgewonnen worden. Der Vorteil liegt hier nicht nur im verminderten Alkaliverbrauch,
sondern vor allem auch in der erheblich verringerten Abwasserbelastung mit freiem
Alkali.
Beispiel 2
[0051] Eine Baumwoll/Polyesterware (50 : 50) wurde nach dem enzymatischen Entschlichten
zum Abkochen na3-in-naß mit NaOH und den üblichen Hilfsmitteln zur Komplexbildung
und Dispergierung beladen und gedämpft. Am Ausgang des Dämpfers wurde auf Warenproben
eine durchschnittliche Beladung an NaOH von 52 g/kg gefunden.
[0052] Zum Auswaschen des Alkalis und der aufgeschlossenen Begleitsubstanzen stand eine
Waschanlage mit 4 Abteilen zur
[0053] Verfügung, die jeweils 26 m Einzugslänge aufwiesen. An jedem Warenauslauf der Abteile
befand sich ein Vertikalquetschwerk mit einem Wareneinlauf schräg von unten über eine
Umlenkrolle. Mit dieser Anordnung wurde nach dem Stand der Technik gearbeitet.
[0054] Für das erfindungsgemäße Verfahren wurden die Umlenkwalzen vor dem Quetschwerk hochgesetzt,
so daß ein um etwa 10° zur horizontalen geneigter Textilguteinlauf von oben nach schräg
unten entstand. Das ursprünglich vorhandene Ableitblech, das beim Stand der Technik
die Flotte in das Waschabteil zurückführte, wurde jeweils durch eine Auffangschale
aus nichtrostendem Blech ersetzt, an der sich ein 2-Zoll-Gewindestutzen für den Flottenablauf
befand. An diesen wurde ein Metallschlauch mit Tefloninnenauskleidun angeschlossen,
um die am Quetschwerk abgetrennte Flotte von den hochliegenden Quetschwerken aus mit
Schwerkraft abzuführen, hin zu den Einspeisstellen.
[0055] Gemeinsame Daten für die beiden Versuche:
Warenlaufgeschwindigkeit: 100 m/min;
schwere, dichte Ware mit 350 g/lfm (lfm = laufender Meter);
durchschnittlicher Textilgutdurchsatz: 35 kg/min;
Hauptflottenstrom: verlustfreier Gegenstrom in Mäanderführung;
Flottentemperatur: meist etwas über 95°C;
Füllvolumen der Bäder: etwa 800 1;
[0056] Textilgutdurchsatz bis zum Beginn der Messungen:
etwa 5000 m.
[0057] Beim Auswaschen nach dem Abkochen entsprechend dem Stand der Technik wurde die zugeführte
Flottenmenge soweit herabgesetzt, daß für den betreffenden Artikel die Restbeladung
der auslaufenden Ware für die nachfolgende Peroxidbleiche unter 1,2 g NaOH/kg Textilgut
lag. Dies wurde mit 12,6 m
3/h erreicht. Das Abwasser war dunkelbraun und enthielt 8,3 g NaOH pro Liter. Es wurde
vollständig in die betriebliche Wasseraufbereitungsanlage eingeleitet.
[0058] Beim erfindungsgemäßen Verfahren wurden nur 6,3 m
3/h an Frischwasser eingeleitet, also die Hälfte gegenüber dem Stand der Technik. In
Warenlaufrichtung von vorne nach hinten wurden folgende Konzentrationen in den Quetschflotten
und in der jeweiligen Einspeisflotte in das Abteil gefunden, wobei der Quetschwasseranfall
im Durchschnitt
2,1 m
3/h betrug:

[0059] Die Einspeisung der abgetrennten Waschflotte erfolgte an jeweils konzentrationsgleicher
Stelle in den Gegenstrom. Dazu befanden sich an allen 5 Sektionen eines jeden Waschabteils
Sicherheits-Koppelstutzen zum Anstecken der oben erwähnten Metallschläuche. Das Einsneisen
der einzelnen abgetrennten Flotten unter Überspringen eines Teiles des Gegenstroms
erfolgte nach folgendem Schema:

[0060] Die von der Ware an das Quetschwerk mitgeschleppte Flotte lag jeweils bei ungefähr
170 %. Der Ablauf aus den einzelnen Waschabteilen lag im Durchschnitt bei 4,2 m
3/h. Das Abwasser der Anlage hatte eine Alkalibeladung zwischen 12 und 15 g NaOH pro
Liter. Es wurde mit den anderen Betriebsabwässern vereinigt, da die Konzentration
für eine gezielte Einzelbehandlung zu niedrig und die'Menge zu hoch lag. Dagegen lohnte
sich für die.stark alkalische, im ersten Quetschwerk abgetrennte Flotte (20,8 g NaOH
pro Liter, 2,1 m
3/h) eine gesonderte Aufbereitung.
[0061] Versuchsweise wurde von der in Quetsche Nr. 2 abgetrennten Waschflotte der erforderliche
Anteil für den naß-in-naß--Produktauftrag bei der Abkochung verwendet. Dort wurde
je einer Dosierpumpe eingespeist und ursprünglich, also nach dem Stand der Technik,
Wasser zugesetzt, um das Niveau im Imprägniertrog aufrecht zu erhalten. Im Verbund
mit dem erfindungsgemäßen Verfahren wurde nun anstelle des Wassers die obengenannte
abgetrennte Flotte eingespeist. Dabei konnte gleichzeitig die Menge der zudosierten
Natronlauge um etwa 5 % reduziert werden, wodurch die Umweltbelastung durch den Gesamtprozeß
entsprechend vermindert wurde. Das Imprägnierbad verfärbte sich zwar
[0062] . im Laufe der Zeit, der Abkocheffekt der Ware wurde jedoch nicht beeinträchtigt.
Nach diesen Beobachtungen ist sogar damit zu rechnen, daß die wesentlich stärker verfärbte
Flotte, die am Quetschwerk Nr. 1 abgetrennt wurde, ebenfalls für die Wiederverwendung
in obiger Form geeignet ist, eventuell unter geringfügiger Erhöhung der Hilfs- mittelzugabe.
[0063] Durch das erfindungsgemäße Verfahren gelang es somit, nicht nur den an sich schon
geringen Wasserverbrauch von ca. 6 1/kg Textilgut auf die Hälfte zu vermindern, sondern
auch die auszuwaschende Substanz soweit anzureichern, daß Wiederverwendung und/oder
Sonderaufbereitung lohnend wurden.
Beispiel 3
[0064] In einer Technikumsanlage mit 0,5 m Arbeitsbreite wurde eine Rohware entschlichtet,
die eine Schlichteauflage von 50 g des Ammoniumsalzes eines Acrylsäurepolymerisates
pro kg Textilgut aufwies. Die Anlage bestand aus zwei Waschabteilen mit je 6 m Gesamteinzugslänge,
verteilt auf 4 Sektionen, und 2 Quetschwerken, die separat direkt hinter den zugehörigen
Waschabteilen standen. Die Warenlaufgeschwindigkeit lag bei 10 m/min.
[0065] Nach dem Stand der Technik wurde die naß und vorgequollen einlaufende Ware nach dem
Gegenstrorwerfahren bei 60°C Flottentemperatur mit 2 l/kg an Frischwasserzusatz entschlichtet,
um die Schlichte wiederzuverwenden. Die Waschabteile waren, um das Ballastvolumen
und den Materialverbrauch beim Anfahren niedrig zu halten, nur bis zum Bedecken der
Unterwalzen mit Wasser gefüllt worden. Es wurden 2,2 1 Regeneratflotte pro kg durchgesetzten
Textilgutes erhalten. Die Schlichtekonzentration betrug im L Durchschnitt 16 g/1 an
Polyacrylat (Festsubstanz). Die Waschwirkung, die hier der Rückgewinnungsausbeute
entspricht, lag um 70 % als Dauerwert.
[0066] Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren wurde auf der gleichen Anlage in gleicher Weise
gearbeitet, jedoch wurden die abgetrennten Schlichtewaschflotten in Schlauchleitungen
von 2 Zoll Weite über Gefälle in die jeweils konzentrationsgleiche Sektion geleitet.
Außerdem wurde nur 1 1 Frischwasser pro kg Textilgut, also die Hälfte gegenüber vorher,
eingespeist, um ein möglichst hoch angereichertes Konzentrat zu erhalten. Schließlich
wurde auf der Umlenkrolle vor jedem Quetschwerk, in das die Ware jeweils waagrecht
einlief, eine Auflagewalze benutzt, um die mitgenommene Flottenmenge auf ca. 170 bis
180 % zu begrenzen, damit sich noch ein deutlicher Gegenstrom in den Abteilen - insbesondere
im letzten - ausbilden konnte.
[0067] Die Analysen ergaben:

[0068] Die von der ersten Quetsche abgetrennte Schlichtewaschflotte mit 17 g Festgehalt
pro Liter wurde in die 3. Sektion des ersten Waschabteils eingespeist, weil deren
Konzentration am nächsten lag:

[0069] Die vom 2. Quetschwerk abgetrennte Schlichtewaschf
lott
e mit 7 g/l wurde in die 1. Sektion des 2. Waschabteils eingespeist, und zwar an der
Eingangsseite des Mäander--Flottengegenstroms.
[0070] Der Regeneratanfall betrug 1,2 1 pro kg durchlaufender Ware und hatte im Mittel eine
Konzentration von 29 g Schlichte pro Liter, so daß pro kg Ware ca. 35 g Schlichte
zurückgewonnen wurden, d.h. die Rückgewinnungsausbeute hat sich nicht verringert,
obwohl, bedingt durch die auf die Hälfte verminderte Waschwassermenge, die Konzentration
an Schlichte in der Regeneratflotte wesentlich höher angefallen ist (29 g/1 statt
16 g/l).
[0071] Zum Wiedereinsatz mußte die Schlichteregeneratflotte in beiden Fällen eingeengt werden,
und zwar jeweils auf 58 g/l. Erst bei dieser Schlichtekonzentration kann man mit handelsüblicher
frischer Acrylatschlichtelösuna auf die erforderliche Schlichtekonzentration von 75
bis 80 g/1 aufstocken, ohne daß ein Flottenüberschuß entstünde.
[0072] Das erfindungsgemäße Verfahren erspart also erhebliche Energiemengen beim Aufkonzentrieren
der Regeneratflotte.