[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Steuerung der Qualität von Koks aus Kohleeinsatzmischungen,
die im Koksofen durch indirekte Beheizung unter Luftabschluss verkokt werden, wobei
die Kohleeinsatzmischung während des Verkokungsvorganges beim Durchlaufen des Temperaturbereiches
von 320-550°C eine Plastifizierung erfährt, die sich mit zunehmender Garungszeit von
der Ofenwandung zur Ofenmitte verlagert.
[0002] Üblicherweise werden Einsatzmischungen bei der Verkokung eingesetzt. D.h. die Kokskohlen
werden zunächst aufgemahlen, um bestimmte, unterschiedliche Korngrössen zu erreichen.
Die unterschiedlichen Korngrössen geben in Mischung ein Kornspektrum, das die Schüttdichte
der Kokskohlen im Koksofen massgeblich beeinflusst. Dabei hat sich gezeigt, dass optimale
Kornspektren zumeist nur durch Mischung verschiedener aufgemahlener Korngrössen erreicht
werden können.
[0003] Noch grösseren Einfluss als die Schüttdichte hat die Beschaffenheit der für die Einsatzmischungen
verwendeten Kokskohle auf die Koksqualität. Daher sind verschiedene Prüfmethoden mit
dem Ziel entwickelt worden, das Verkokungsverhalten der Kohlen im voraus zu beurteilen.
Wesentliche Eigenschaften ergeben sich aus dem petrografischen Aufbau der Kohle (Kohlenarten,
Streifenarten) ihrer chemischen Zusammensetzung (Elementarzusammensetzung, Aschegehalt,
Gehalt an flüchtigen Bestandteilen, Bitumengehalt, Oxydationszustand) und ihren physikalischen/chemischen
Eigenschaften (Erweichungsverhalten, Blähen, Schwinden, Treiben, Entgasungsverhalten).
[0004] Wesentliche Bedeutung wird ferner dem Backvermögen beigemessen. Unter der Backfähigkeit
wird die Fähigkeit der Kohle verstanden, beim Erhitzen in einem Gefäss, das eine freie
Ausdehnung der Kohle zulässt, in einen plastischen Zustand überzugehen und beim weiteren
Erwärmen einen gebackenen, stückigen Koks zu bilden. Eine Kohle mit gutem Backvermögen
liefert einen nicht nur gebackenen, sondern sogar geschmolzenen Koks. Das so definierte
Backvermögen wird wahlweise gemessen durch die Blähzahl (Swelling-Index) oder durch
die Backzahl nach Roga.
[0005] Eine Kohle mit gutem Backvermögen kann unter den betrieblich gegebenen Verkokungsbedingungen
dennoch einen weniger hochwertigen Koks ergeben als eine schlechter backende Kohle.
Deshalb ist das Kokungsvermögen in besonderer Weise zu berücksichtigen. Das Kokungsvermögen
einer Kohle wird wahlweise durch den Dilatometertest oder durch Bestimmen des Grayking-Kokstyps
beurteilt. Zur Bestimmung des Dilatationsverlaufes wird die Längenänderung eines konischen
Kohlepresslings bei einer Erhitzungsgeschwindigkeit von 0,05°C/sec gemessen.
[0006] Schliesslich besitzt die Messung des plastischen Verhaltens bisher noch eine gewisse
Bedeutung. Unter dem plastischen Verhalten wird die Fähigkeit der Einsatzkohle verstanden,
innerhalb des Temperaturbereiches zwischen etwa 350 und 550°C in einen plastischen
Zustand überzugehen.
[0007] Bei den gebräuchlichen Methoden zur Mesung der Plastizität werden modifizierte Rotationsviskosimeter
benutzt. Als Messergebnis erhält man hier jedoch nicht Viskositäten der erweichten
Kohlemasse im physikalischen Sinne, sondern apparativ beeinflusste Grössen, die sich
aus der inneren Reibung der festen, flüssigen und gasförmigen Phase und den Elastizitätsgrössen
dieser drei Phasen zusammensetzen. Derartige Messungen sind in der Regel Labormessungen.
Das gilt auch für Messungen des Entgasungsverhaltens, des Treibdrucks und des Schwindens,
die gleichfalls zur Bestimmung der Einsatzkohlenqualität herangezogen werden. Die
Vielzahl der hier teilweise aufgeführten, in der Praxis gebräuchlichen Prüfmethoden
zur Bestimmung der Einsatzkohle bzw. zur Vorbestimmung der Koksqualität zeigt, dass
bisher eine gezielte Steuerung der Kokskohlenqualität als Basis für einen hochwertigen
Koks nur unter Vielfachmessung und besonderen Erschwernissen möglich war.
[0008] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, die Steuerung der erforderlichen
Qualität des Einsatzgutes zu vereinfachen. Dabei geht die Erfindung von der Überlegung
aus, dass wesentliche Bestimmungsgrössen für die Koksqualität in einem Teilbereich
des Verkokungsvorganges eine gemeinsame Wirkung entfalten. Das ist in weitergehender
Erkenntnis der plastische Bereich, was bei einer Betrachtung des Verkokungsvorganges
von Steinkohle in indirekt beheizten Horizontalkammer-Öfen deutlich wird.
[0009] Bei der Verkokung entstehen Heizgase, die in den den Öfen benachbarten Heizzügen
verbrannt werden. Von den benachbarten Heizzügen aus wird die Wärme durch die Ofenwände
auf den Ofenbesatz, d.h. die Einsatzkohlenmischung, übertragen. Bedingt durch die
zweiseitig indirekte Beheizung entstehen Temperaturfelder mit zur Besatzmitte hin
abnehmendem Temperatur-Niveau. Die Temperaturfelder verlaufen in der Regel symmetrisch
zur Ofenmitte, wo die jeweils niedrigste Temperatur herrscht. Mit zunehmender Garungszeit
schreitet die Temperaturfront von den Wänden zur Ofenmitte hin fort, begleitet von
einem steilen Temperaturgradienten beim Übergang von der bereits verkokten zur unveränderten
Einsatzkohle. Dieser Übergangsbereich, in dem alle Temperaturen von 100-1000°C durchlaufen
werden, ist lokal eng begrenzt und erstreckt sich zum Beginn des Verkokungsvorganges
(Pyrolyse) nur über wenige mm in der insgesamt vorwiegend 450 mm breiten Ofenkammer.
[0010] In dem kritischen Übergangsbereich erfolgt die schrittweise Verkokung der Heimkohle,
wobei zwei wesentliche Temperaturbereiche zu unterscheiden sind. Der eine Temperaturbereich
erstreckt sich von etwa 320-480°C. In dem Temperaturbereich erweicht die Kohle und
bildet sich ein quasi plastischer Zustand aus. Bei Durchschreiten des Temperaturbereiches
laufen eine Vielzahl von Zersetzungs- und PolymerisationsReaktionen ab, wobei die
Voraussetzungen für die Einbindung inerter Bestandteile geschaffen werden und die
Koksqualität vorgeprägt wird.
[0011] Der andere Bereich liegt oberhalb der Wiederverfestigung des Ofenbesatzes mit einem
Kontraktionsmaximum um 600°C. In diesem Bereich bildet sich die Koksstruktur unter
weiterer Aromatisierung des Besatzes aus.
[0012] Die in beiden Bereichen ablaufenden Reaktionen sind zwar von der eingesetzten Kohlenart
und der Körnung der Einsatzkomponenten abhängig, die Erfindung geht jedoch davon aus,
dass Kohlenart und Körnung bei üblichem Kokereibetrieb weitgehend vorbestimmt sind
und für die jeweilige Koksqualität vielmehr der Abhängigkeit der Verkokung von den
Betriebsbedingungen und der Vorbehandlung des Einsatzgutes bzw. der Verwendung verkokungsaktiver
Hilfsstoffe im Vordergrund steht. D.h. nach der Erfindung wird dem Ausmass und der
Gleichmässigkeit der in diesen kritischen Übergangsbereichen ablaufenden Reaktionen
entscheidende Bedeutung beigemessen.
[0013] Massgebend für den Ablauf dieser Reaktionen ist der Temperaturgradient. Ein hoher
Temperaturgradient bedeutet eine hohe lokale Aufheizungsgeschwindigkeit, bei der sich
die ablaufenden Reaktionen nur unzureichend ausbilden können oder je nach ihrer Kinetik
sogar überlaufen werden. Das führt zu grosser Inhomogenität im Reaktionsgeschehen
und hat ein inhomogenes Koksgefüge zur Folge. Ausserdem besteht unter derartigen Bedingungen
nicht genügend Zeit, plastische Masse in ausreichender Menge für die Einbindung der
inerten Partikel freizusetzen und für den Massentransport mit dem Ziel der Einhüllung
dieser Partikel zu sorgen. Die Dauer der Plastizität, die deutlich mit der Aufheizrate
korreliert d.h. mit steigender Aufheizrate abnimmt, ist zu kurz.
[0014] Im nachplastischen Bereich treten durch einen hohen Temperaturgradienten verstärkt
mechanische Spannungen auf, die zu erhöhter Rissbildung führen und dadurch den unerwünschten
Kleinkoksanteil erhöhen.
[0015] Eine Verminderung des Temperaturgradienten führt dagegen zu einer breiteren plastischen
Zone mit lokal geringerer Aufheizgeschwindigkeit. Das verlängert die Dauer der Plastizität,
wodurch vor allem auch die für die Kokserzeugung wichtige Verkittung der einzelnen
Partikel gefördert wird. Die in der Kohle vorgeprägten Reaktionen haben mehr Zeit
wirksam zu werden und quasi Gleichgewichtszustände entsprechend ihrer Reaktionskinetik
auszubilden.
[0016] Mit zunehmender Breite der plastischen Zone und dadurch verstärktem Ablauf der Reaktionen
wird die Gasmenge in der Blase den plastischen Zone grösser; der Gasdruck steigt an.
Zwischen der Gasblasengrösse und dem Druck wird bei gleicher Körnung der Einsatzkohle
in erster Näherung ein etwa umgekehrt proportionaler Zusammenhang gesehen. Zunehmender
Druck bewirkt kleinere Gasblasen, was einen kleineren Porendurchmesser zur Folge haben
kann. Dieses Verhalten der gasförmigen Zersetzungsprodukte überlagert den Einfluss
der Korngrösse auf das Blähverhalten der Körper und das daraus resultierende Verschweissen
der umgebenden Partikel entscheidend.
[0017] Ausserdem steigen mit zunehmender Breite der plastischen Zone die Diffusionswege
für die freigesetzten Gase. Infolgedessen wird der Gasdruck über eine längere Zeit
aufrechterhalten, was zu einer grösseren Homogenität in der Gasblasenverteilung wie
in der vorangegangenen Entstehung und weiteren Reaktionen gasförmiger Zersetzungsprodukte
führen kann.
[0018] In der FR-A 752 468 wird zwar auf die plastische Zone hingewiesen, dort ist jedoch
auf den Temperaturbereich von 650-750°C abgestellt worden. Das ist der Bereich der
Wiederverfestigung mit einem Kontraktionsmaximum um 600°C. In diesem Bereich bildet
sich die Koksstruktur unter weiterer Aromatisierung des Besatzes aus. Die in der plastischen
Zone und im nachplastischen Bereich ablaufenden Reaktionen sind zwar von der eingesetzten
Kohlenart und der Körnung der Einsatzkomponenten abhängig, die Erfindung geht jedoch
davon aus, dass Kohlenart und Körnung bei üblichem Kokereibetrieb weitgehend vorbestimmt
sind und für die jeweilige Koksqualität vielmehr die Abhängigkeit der Verkokung von
den Betriebsbedingungen und der Vorbehandlung des Einsatzgutes bzw. der Verwendung
verkokungsaktiver Hilfsstoffe im Fordergrund steht. Zugleich geht die Erfindung davon
aus, dass die Reaktionen in der plastischen Zone massgeblich die Phase der Wiederverfestigung
vorbestimmen, dies jedoch umgekehrt nicht gesichert ist.
[0019] Nach der Erfindung wird deshalb die Qualität des Kokses dadurch gesteuert, dass in
vorgegebenen Zeitabständen der Abstand der plastischen Zone von der Ofenwand gemessen,
mit einem Sollwert verglichen und die Abweichung vom Sollwert durch Zugabe von vorerhitzter
Kohle und/oder carbo- und/oder petrostämmiger Kohlebinder ausgeglichen wird.
[0020] Erfindungsgemäss ist die Breite der plastischen Zone die entscheidende Einflussgrösse
auf die Koksqualität. Ihre Messung ermöglicht eine genaue Voraussage der sich einstellenden
Koksqualität und ist daher als zentrale Steuergrösse für die Bereitstellung der Einsatzkomponenten,
den Ablauf des Verkokungsprozesses und für die daraus resultierende Koksqualität als
Zielgrösse einzusetzen.
[0021] Durch die erfindungsgemässe Beimengung carbo- und/oder petrostämmiger Binder wird
die Erweichungstemperatur des Ofenbesatzes vermindert, dessen Wiederverfestigungstemperatur
jedoch kaum verändert. Es entsteht für die plastische Zone ein grösserer Temperaturbereich.
Das hat eine räumliche Ausdehnung der plastischen Zone zur Folge, so dass die oben
erläuterten wesentlichen Effekte in der Dauer der Plastizität, im Ablauf der Reaktionen,
in der Gasblasengrösse und der Homogenität der Gasblasenverteilunq wirksam werden.
[0022] Die erfindungsgemässe Beimengung vorerhitzter Kohle hat gleichfalls eine Verringerung
des Temperaturgradienten zur Folge. Wie bereits ausgeführt, bewirkt das eine Verbreiterung
des plastischen Bereiches in Abhängigkeit vom Abstand von der Kammerwand, wobei dieser
Effekt mit zunehmender Garungszeit an Grösse und Bedeutung gewinnt. Auch für den nachplastischen
Bereich (Kontraktionsmaximum bei etwa 600°C) ist die mit dem niedrigeren Temperaturgradienten
verbundene geringere Aufheizgeschwindigkeit von grosser Bedeutung. Die mechanischen
Spannungen werden verringert. Damit nimmt die Tendenz zur Rissbildung ab. Als Erfolg
steigt das Ausbringen an Hochofenkoks. Ferner steigen die Abriebfestigkeit (MIO) und
die Stückfestigkeit (M
4o) nach ISO. Der mittlere Porendurchmesser der Kokse verringert sich deutlich. Gleichzeitig
steigt die mittlere Wandstärke der Zellwände des Koksgerüstes an, die Strukturfestigkeit
der Kokse nimmt somit zu.
[0023] In weiterer Ausbildung der Erfindung wird die Breite des plastischen Bereiches anhand
der Temperaturverteilung im Ofenbesatz gemessen. D.h. in dicht aufeinanderfolgenden
Abständen von der Kammerwand bis zur Kammermitte werden Temperaturmessungen durchgeführt.
Die sich dabei ergebenden Temperaturwerte werden mit den Temperatursollwerten verglichen,
die die Mindestbreite des plastischen Bereiches festlegen. Bei Unterschreiten der
vorgegebenen Soll- temperatur wird bei nachfolgenden Ofenchargen solange Kohlebinder
und/oder vorerhitzte Kohle der Einsatzmischung beigemengt, bis sich im Ofen die gewünschten
Solltemperaturen (Mindestemperaturen) einstellen. Entsprechend des sich während des
Verkokungsvorganges verändernden plastischen Bereiches sind die den Grenzwerten des
plastischen Bereiches entsprechenden Solltemperaturen in jeder Verkokungsphase an
anderen Stellen des Ofenbesatzquerschnittes einzuhalten. Die Solltemperatur kann dabei
konstant bleiben und einen der Werte zwischen 320 und 480°C annehmen. Vorzugsweise
wird ein Wert an der unteren Temperaturgrenze gewählt.
[0024] Den räumlichen Abständen kann durch eine Anzahl über der Ofenkammerbreite verteilt
angeordneter Temperaturmessgeräte oder durch ein einziges, über der Ofenkammerbreite
hin-und herbewegbares Temperaturmessgerät Rechnung getragen werden. Als Temperaturmessgeräte
können Thermoelemente eingesetzt werden, die vorzugsweise mit Schutzrohren versehen
vor Beginn der Verkokung in den Ofenbesatz eingeführt werden. Bei geeigneter Materialauswahl
der Schutzrohre können längere Standzeiten erzielt werden.
[0025] Die Thermoelemente lassen sich in eine elektrische Vergleichsschaltung mit Sollwertgebern,
z.B. Potentiometer, bringen. Die Differenzspannung kann dann als Mass für die notwendige
Zugabe vorerhitzter Kohle und/oder vorteilhafter Kohlebinder genommen werden.
[0026] Ein Überschreiten der nach der Erfindung vorgegebenen Sollwerte ist unschädlich,
da mit der Beimischung vorerhitzter Kohle und vorteilhaften Kohlebindern nur eine
begrenzte Vergrösserung der plastischen Zone erreichbar ist. Die Begrenzung bei der
Beimischung vorerhitzter Kohle ergibt sich aus der maximalen Vorerhitzungstemperatur
von 250°C, die Begrenzung bei den Kohlebindern aus der maximal beimischbaren Menge,
die unter Berücksichtigung der Koksqualität ein bestimmtes Verhältnis Kohlesubstanz
zur Menge plastifizierender Hilfsstoffe nicht überschreiten sollte.
Ausführungsbeispiel
[0027] Üblicherweise wird jede neue Einsatzmischung vor dem grosstechnischen Einsatz in
Versuchs- öfen erprobt. Im Ausführungsbeispiel werden mit einer Einsatzmischung bestehend
aus 67% Gasflammkohle (36% FB waf) und 33% Esskohle (16% FB waf) vor Einsatz in den
Betriebsöfen der Kokereien Verkokungsexperimente in 350 kg Versuchs- öfen durchgeführt
(FB = flüchtige Betandteile).
[0028] Während des Verkokungsvorganges verlaufen die Temperaturänderungen in der Ofencharge
symmetrisch zur Koksofenkammermitte hin. Es ist daher ausreichend, den Bereich zwischen
einer Kammerwand und der Ofenmitte zu messen. Im Ausführungsbeispiel sind in Abständen
von 20 mm Schutzrohre im Ofen angebracht, die bei gefülltem Ofen von oben in die Ofenschüttung
hineinragen und während des Verkokungsvorganges das Einführen von Thermoelementen
und Temperaturmessungen im Ofenbesatz bis zur Hälfte der Ofencharge erlauben.
[0029] Innerhalb der ersten zehn Stunden des Verkokungsvorganges wird in stündlichem Abstand
die Temperatur an den vorbereiteten Messstellen gemessen. Die sich dabei ergebenden
Ist-Werte werden mit den zu stündlicher Messung gehörenden Soll-Werten verglichen.
Es ist möglich, auch andere Zeitintervalle für die Temperaturmessung zu wählen. Bei
Zeitintervallen, die zwischen den vorgegebenen halbstündlichen und stündlichen Messungen
liegen, wird zwischen den vorgegebenen Sollwerten der benachbarten halbstündlichen
bzw. stündlichen Temperaturmessungen linearextrapoliert.
[0030] Die Soll-Temperatur ist eine Temperatur zwischen 320 und 480°C. D.h., abhängig vom
Fortgang des Verkokungsprozesses ergibt sich nach ein, zwei, vier usw. Stunden eine
Stelle in der von der Temperaturmessung erfassten Ofenhälfte, an der die Temperatur
der Einsatzcharge im Minimum 320°C betragen soll. Ein Überschreiten dieser Temperatur
ist unschädlich. Dagegen ist bei einem Unterschreiten der Solltemperatur nicht gewährleistet,
dass ein qualitätsgerechter Hochofenkoks erzeugt wird.
[0031] Es wird von der Vorstellung ausgegangen, dass mit Beginn des Verkokungsvorganges
zwei plastische Zonen entstehen, die an den Ofenwänden ihren Ausgang nehmen und sich
mit fortschreitender Verkokung aufeinander zubewegen und zum Ende der Garungszeit
sich in der Kammermitte vereinigen. Im Ausführungsbeispiel kennzeichnet die Solltemperatur
immer die Sollage an der der Kammermitte zugewandten Grenze der plastischen Zone.
An der der Kammerwand zugewandten Grenze der plastischen Zone herrscht infolge der
indirekten Beheizung und des Temperaturabfalls zur Kammermitte hin naturgemäss eine
höhere Temperatur. Steuergrösse ist nach der Erfindung im Ausführungsbeispiel die
der Kammermitte zugewandte Grenze der plastischen Zone. Teilweise kann auch die andere
Grenze der plastischen Zone als Steuergrösse gewählt werden. Dann ist die Solltemperatur
480°C und der Mindestabstand von der Kammerwand gleich dem Mindestabstand für eine
Soll- temperatur von 320°C minus der nach der Erfindung vorgegebenen Mindestbreite
für die plastische Zone.
[0032] Im Ausführungsbeispiel ergeben sich nach vier, sechs, acht und zehn Stunden Garungszeit
für die Soll-Temperatur 320°C folgende Mindestabstände von der Kammerwand:

[0033] Im Ausführungsbeispiel weichen die gemessenen Abstände bei Verwendung feuchter Einsatzmischung
von den Mindestabständen obiger Tabelle wie folgt ab:
Statt 84mm nach vier Stunden nur 60mm, statt 130 mm nach sechs Stunden nur 104 mm,
statt 167 mm nach acht Stunden nur 145 mm und statt 206 mm nach 10 Stunden nur 184
mm.
[0034] Nach der Erfindung wird die Differenz zwischen den Mindestabständen und den Sollabständen
beispielhaft durch Zugabe von Carbopech und/oder vorerhitzter Kohle verringert. Die
Zugabe von Carbopech bringt maximal 0,5-0,8 mm Verringerung der Differenz pro Prozent
Carbopech-Beimengung. Dabei kann von einer Obergrenze von etwa 15% Carbopech ausgegangen
werden. Oberhalb von 15% verändert sich die Koksqualität wieder zum Negativen hin,
weil die Menge plastischer Komponenten im Verhältnis zum Rest-Kohlenstoffgerüst zu
gross wird (abhängig von der Kohlenart).
[0035] Im Ausführungsbeispiel konnten bei den hier ausgewählten Garungsintervallen von vier,
sechs, acht und zehn Stunden folgende Annäherungen an die vorgegebenen Mindestabstände
des 320°C-Grenzwertes durch Zusatz von 15% Carbopech gemessen werden: statt 60 mm
nach vier Stunden 69mm, statt 104mm nach sechs Stunden 114mm, statt 145 mm nach acht
Stunden 156 mm und statt 184 mm nach zehn Stunden 190 mm.
[0036] Die zum Erreichen der vorgegebenen Sollwerte nach Beimengung des Carbopechs noch
fehlenden Differenzen zum Mindestabstand könnten durch Beimengung vorerhitzter Kohle
zum feuchten Einsatzgut aufgehoben werden. Im Ausführungsbeispiel wird aus wirtschaftlichen
Überlegungen anstelle von Carbopech ausschliesslich auf die Beimengung vorerhitzter
Kohle abgestellt. Dabei bringt die Beimengung vorerhitzter Kohle im Mittel etwa 4
mm Annäherung pro 10% Beimengung vorerhitzter Kohle von 220°C Vorerhitzungs-Temperatur.
Das gilt generell für alle Vorerhitzungs-Temperaturen oberhalb 200°C.
[0037] Unter 200°C ergeben sich geringfügige Abweichungen, bedingt durch die dann stärkere
Abhängigkeit der Schüttdichte von der Vorerhitzungstemperatur.
[0038] Die erfindungsgemäss vorgegebenen SollWerte gelten nicht nur für die im Ausführungsbeispiel
gewählte Einsatzkohle sondern auch für andere Einsatzkohlen bzw. Einsatzmischungen,
da der Einfluss der Wärmeleitfähigkeit des Einsatzgutes auf den Verlauf der Temperaturfelder
gering ist.
1. Verfahren zur Steuerung der Qualität von Koks aus Kohleeinsatzmischungen, die im
Koksofen durch indirekte Beheizung unter Luftabschluss verkokt werden, wobei die Kohleeinsatzmischung
während des Verkokungsvorganges am Durchlaufen des Temperaturbereiches von 320-550°C
eine Plastifizierung erfährt, die sich mit zunehmender Garungszeit von der Ofenwandung
zur Ofenmitte verlagert, dadurch gekennzeichnet, dass in vorgegebenen Zeitabständen
der Abstand der plastischen Zone von der Ofenwand gemessen, mit einem Sollwert verglichen
und die Abweichung vom Sollwert durch Zugabe von vorerhitzter Kohle und/oder carbo-
und/oder petrostämmiger Kohlebinder ausgeglichen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch mindestens zwei Messungen im zeitlichen
Abstand von mindestens 1 Stunde.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass in räumlichem Abstand
verteilt über der Breite der Koksofenkammer (Ofenbesatz) Messpunkte liegen.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1-3, dadurch gekennzeichnet, dass der Temperaturbereich
der Plastifizierung, der der Messung der plastischen Zone zugrunde liegt, zwischen
350 und 480°C liegt.
1. A process for controlling the quality of coke from coal mixtures which are coked
in a coke oven by indirect heating in the absence of air, in which the coal mixtures
undergo plastification during the coking process in passing through the temperature
range of 320-550°C, which changes with increasing coking time from the oven wall to
the centre of the oven, characterised in that the distance of the plastic zone from
the oven wall in predetermined time intervals is measured, compared with a theoretical
value, and the variation from the theoretical value is compensated by the addition
of pre-heated coal and/or carbo- and/or petro-derived coal binders.
2. A process according to claim 1, characterised by at least two measurements separated
in time by at least one hour.
3. A process according to claim 1 or 2, characterised in that points of measurement
lie divided in spatial relationship over the breadth of the coke oven chamber (oven
border).
4. A process according to one of claims 1-3, characterised in that the temperature
range of plastification, on which the measurement of the plastic zone is based, is
between 350 and 480°C.
1. Procédé de réglage de la qualité du coke provenant de mélanges de charges de charbon,
qui sont cokéfiés dans un four à coke par chauffage indirect et en l'absence d'air,
dans lequel les mélanges de charges de charbon subissent pendant le processus de cokéfaction,
au passage de la plage de températures de 320 à 550°C, une plastification qui se déplace,
au fur et à mesure de l'augmentation de la durée de cuisson, de la paroi du four vers
le milieu du four, caractérisé en ce qu'à des intervalles de temps prédéterminés la
distance entre la zone plastique et la paroi du four est mesurée et comparée avec
une valeur de seuil et en ce que la déviation par rapport à la valeur de seuil est
compensée par une addition de charbon préchauffé et/ou de liant carboné d'origine
carbonifère et/ou pétrologique.
2. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé par au moins deux mesures dans
un intervalle de temps d'au moins une heure.
3. Procédé suivant l'une des revendications 1 ou 2, caractérisé en ce que les points
de mesure sont répartis, à une certaine distance dans l'espace, sur la largeur de
la chambre du four à coke (charge du four).
4. Procédé suivant l'une des revendications 1 à 3, caractérisé en ce que la plage
de températures de la plastification, qui sert de base à la mesure de la zone plastique,
est comprise entre 350 et 480°C.