(19)
(11) EP 0 049 757 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
21.04.1982  Patentblatt  1982/16

(21) Anmeldenummer: 81106896.4

(22) Anmeldetag:  03.09.1981
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)3F42B 23/04
(84) Benannte Vertragsstaaten:
BE CH DE FR GB IT LI NL SE

(30) Priorität: 04.10.1980 DE 3037607

(71) Anmelder: HÜLS TROISDORF AKTIENGESELLSCHAFT
D-53839 Troisdorf (DE)

(72) Erfinder:
  • Dorn, Wolfgang
    D-5216 Niederkassel-Lülsdorf (DE)
  • Elsner, Fritz
    D-5210 Troisdorf-Sieglar (DE)
  • Fischer, Klaus
    D-5210 Troisdorf (DE)
  • Kroschel, Heinz
    D-5210 Troisdorf-Sieglar (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Mine, insbesondere zur Panzerbekämpfung


    (57) Mine, insbesondere zur Panzerbekämpfung, die durch Abwurf aus der Luft oberflächenverlegbar ist und in einer bevorzugten Aufschlagrichtung auf den Boden auftrifft. Das Minengehäuse ist in ein den Zünder (3) enthaltendes Funktionsteil (1) und ein den Sprengstoff (4) enthaltendes Wirkteil (2) unterteilt. Beide Teile sind formschlüssig miteinander verbunden. Diese Formschlußverbindung wird bei Überschreiten einer vorgegebenen Aufschlagbelastung gelöst. Durch den Aufschlagstoß werden dann Funktions- und Wirkteil räumlich voneinander getrennt, so daß die Mine bei einem unzulässig starken Bodenaufschlag außer Funktion gesetzt ist.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft eine Mine der im Oberbegriff des Anspruchs 1 angegebenen Art.

    [0002] Es ist bekannt, Minen zur Bekämpfung von insbesondere Panzern aus der Luft zu verlegen, indem sie als Submunition aus den verschiedensten Verlegesystemen, beispielsweise Raketengefechtsköpfen, über dem Zielgebiet ausgestoßen werden. Durch diese Verlegeart ergeben sich "oberflächenverlegte" Minenfelder.

    [0003] Die Verteilung der Minen am Boden ist dabei abhängig von den Funktionsabläufen der verschiedenen Verlegesysteme, den primär- und sekundärballistischen Daten sowie den jeweiligen Umweltbedingungen. Die Koordinaten der einzelnen Minen im Gelände sind somit nicht bekannt. Obwohl die Minen oberflächenverlegt sind, ist ihre Erkennbarkeit durch Tarnmaßnahmen wie Tarnfarben, rauhe Oberfläche usw. und Geländebewuchs sehr gering.

    [0004] Ein Aufnehmen der Minen oder gezieltes Räumen, um den Weg für die eigenen Truppenbewegungen frei zu machen, ist daher praktisch nicht möglich. Das gelingt nur über definierte Liegezeiten mit anschließender Selbstzerlegung der Minen, auf welche diese z.B. bei oder vor der Verlegung eingestellt werden. An die Funktionszuverlässigkeit dieser Selbstzerlegung müssen jedoch hohe Anforderungen gestellt werden, damit eigene Truppenverbände nach Ablauf der Liege zeit gefahrlos das Gelände durchqueren können.

    [0005] Die auf die Mine einwirkenden Belastungen bei der Verlegung können bis auf die Aufschlagbelastung auf den Boden relativ genau definiert werden. So können die Belastungen auf die Mine und damit auch auf den Minenzünder durch den Abschuß, Flugschwingungen, Ausstoß aus dem Verlegesystem usw. aber auch durch Umweltbedingungen wie Temperatur, Stoß, Transport und Lagerung weitgehend durch entsprechende Versuche simuliert und die Mine dementsprechend ausgelegt werden, so daß sie diesen Belastungen einwandfrei standhält.

    [0006] Demgegenüber sind die Belastungen beim Bodenaufschlag von vielen Parametern abhängig, die in Art und Größe nicht alle erfaßbar sind. Sie sind u.a. abhängig von der Auftreffgeschwindigkeit und dem Aufschlagwinkel, der Bodenart und Bodenbeschaffenheit bzw. dem Dämpfungsverhalten des Bodens der Mine. Während die Auftreffgeschwindigkeit und der Aufschlagwinkel über Stabilisierungseinrichtungen wie z.B. einem Fallschirm so definiert werden können, daß selbst unter ungünstigen Umweltbedingungen eine optimale Sinkgeschwindigkeit und Verteilung der Minen erreicht wird, werden sich durch unterschiedliche Bodenarten immer Aufschlasbelastungen ergeben können, die zu Beschädigungen des Minenzünders führen. So kann z.B. bei einem Aufschlag der Mine auf Beton (Straße) oder gewachsenen Fels eine Störung im Programmablauf des Minenzünders eintreten und die Selbstzerlegung der Mine auf eine undefinierte Zeit verändert werden.

    [0007] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Mine der im Oberbegriff des Anspruchs 1 angegebenen Art so auszubilden, daß ein Fehlverhalten der Mine wie beispielsweise eine Liegezeitüberschreitung infolge einer zu starken Belastung beim Bodenaufschlag sicher vermieden wird.

    [0008] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch eine Ausbildung entsprechend dem.Kennzeichen des Anspruchs 1. Die Trennstelle zwischen den beiden Gehäuseteilen liegt vorzugsweise in einer Fläche senkrecht zur bevorzugten Aufschlagrichtung der Mine, da dann die Aufschlagkräfte voll auf die Formschlußverbindung einwirken, während bei einer Ausbildung der Trennfläche schräg zur Aufschlagrichtung nur eine entsprechende Kraftkomponente wirksam wird. Die Aufschlagrichtung der Mine, d.h. ihre Orientierung im Raum bei Bodenaufschlag, wird bevorzugt durch eine besondere Stabilisierungseinrichtung wie z.B. einem Fallschirm festgelegt. Es ist aber auch möglich, daß die Mine ohne eine zusätzliche Stabilisierungseinrichtung aufgrund ihrer Geometrie, Schwerpunktslage usw. bereits hinreichend stabil fliegt, so daß auch dann davon ausgegangen werden kann, daß die Mine praktisch immer mit der gleichen Fläche und auch in mehr oder weniger vorgegebener Richtung auf den Geländeboden aufschlägt.

    [0009] Wie überraschend gefunden wurde, gewährleistet die erfindungsgemäße Ausbildung bei einem Bodenaufschlag mit unzulässig hoher Belastung nicht nur eine Zerstörung der Formschlußverbindung und damit eine mechanische Trennung des Wirkteiles vom Funktionsteil, sondern darüber hinaus auch deren räumliche Trennung voneinander, indem das vom Geländeboden abgewandte Teil von anderen beim Aufschlag weggeschleudert wird. Damit ist in sehr einfacher Weise gewährleistet, daß die Mine bei einem unzulässig starken Bodenaufschlag außer Funktion gesetzt wird.

    [0010] Durch die erfindungsgemäße Trennung des Gehäuses wird die Zündkette der Mine unterbrochen. Die Trennung kann sowohl zwischen dem Zündmittel und der Übertragungsladung als auch zwischen dieser undder nachgeordneten Sekundärsprengstoffladung erfolgen. Der im Funktionsteil anzuordnende Zünder umfaßt daher neben anderen Komponenten wenigstens auch das Zündmittel der Zündkette, gegebenenfalls aber auch noch die Übertragungsladung. Damit ist in jedem Falle sichergestellt, daß nach der räumlichen Trennung von Funktions- und Wirkteil die Sprengladung des Wirkteiles nicht mehr zur Detonation gebracht werden kann.

    [0011] Die beiden Gehäuseteile können dadurch formschlüssig miteinander verbunden sein, daß z.B. das eine Teil mittels eines entsprechenden Gewindes in das andere Teil eingeschraubt ist oder beide Teile nach Art einer Bajonettverbindung miteinander verbunden sind. Die Festigkeit sowohl der Schraub- als auch Bajonettverbindung ist dabei so festgelegt, daß diese Verbindungen nach Überschreiten einer vorgegebenen Belastung sicher durchtrennt werden. Bevorzugt wird statt dessen die Formschlußverbindung der beiden Gehäuseteile jedoch nach Anspruch 2 ausgebildet. Besonders bevorzugt werden wiederum die radialen Verbindungsstifte.

    [0012] Die Erfindung ist in der Zeichnung in einem Ausführungsbeispiel gezeigt und wird anhand dieses nachstehend noch näher erläutert.

    [0013] Die im Längsschnitt schematisch dargestellte Mine weist die beiden Gehäuseteile 1 und 2 auf. Das Gehäuseteil 1 bildet das Funktionsteil und enthält den Zünder 3, während das Gehäuseteil 2 das Wirkteil bildet und den Sekundärsprengstoff 4 umschließt. Die Teile 1 und 2 sind im Bereich der Verbindungsstelle so formschlüssig miteinander verbunden, daß bei Überschreiten einer vorgegebenen Kraft-F beim Bodenaufschlag die Formschlußverbindung durchtrennt das Wirkteil 2 weggeschleudert und damit vom Funktionsteil 1 räumlich getrennt wird. Diese Trennung der Formschlußverbindung durch eine in der Aufschlagrichtung A wirkende Kraft erfolgt auch dann einwandfrei, wenn zwischen den Gehäuseteilen 1 und 2 praktisch kein Spiel in axialer Richtung, d.h. in der Aufschlagrichtung A vorhanden ist. Die Trennfläche zwischen den beiden Gehäuseteilen 1 und 2 erstreckt sich senkrecht zur bevorzugten Aufschlagrichtung A, welche mittels eines am oberen Ende der Mine angebrachten Stabilisierungsfallschirmes, von dem gestrichelt nur die Befestigungsleinen 6 angedeutet sind, erreicht wird.

    [0014] Die Schockbelastungen werden in allen diesen Fällen über die Strukturteile 1 und 2 der Mine auf den Zünder 3 übertragen. Zwangsläufig werden so die Strukturteile beim Bodenaufschlag stärker belastet als beispielsweise der Minenzünder. In einzelnen Fällen, bei denen die Mine mit dem Teil 1 exakt unter 90° auf einer ebenen starren Unterlage aufschlägt, kann eine angenähert gleiche Schockbelastung an dem Minenzünder 3 auftreten.

    [0015] Die Strukturteile, über welche beim Bodenaufschlag die Aufschlagbelastung F eingeleitet wird, sind so dimensioniert, daß bleibende Verformungen erst oberhalb derjenigen Belastung möglich sind, welche eine Trennung der Verbindungsstelle 5 hervorruft. Damit werden Deformationen an Baugruppen im Inneren der Mine, wie z.B. am Minenzünder 3, unterhalb dieser Belastungsgrenze vermieden.

    [0016] Bevorzugt ist die Verbindungsstelle 5 in Form von zwei zylindrischen, ineinander steckbaren Gehäuseteilen 1 und 2 ausgebildet, die über die radial angeordneten Stifte 7 gegeneinander fixiert sind. Dabei ist die Verbindungsstelle 5 konstruktiv so angepaßt, daß nach dem Verstiften eine kraftschlüssige Verbindung bis zur vorbestimmten Belastungsgrenze gegeben ist. Die Gehäuseteile 1 und 2 sind an der Verbindungsstelle 5 mit Schiebesitz ineinander gesteckt und in Steckrichtung durch die Stifte 7 gesichert Die Abmessung, Bauart und Anzahl der Stifte bestimmen die Belastungsgrenze beim Bodenaufschlag. Die Festigkeitseigenschaften der Teile 1 und 2 sind so festgelegt, daß bei allen Belastungsfällen oberhalb der festgesetzten Belastungsgrenze die Trennung in der Verbindungsstelle 5 durch Abscheren, Umformen, Ziehen, Brechen od. dgl. der Stifte 7 erfolgt. Die Stiftbohrungen sind im Gehäuseteil 1 zweckmäßig als Sacklöcher ausgeführt. Der Bund des Gehäuseteiles 1 oberhalb der Stifte 7 ist mit einer Abdichtung 8, die zweckmäßig als 0-Ring-Dichtung ausgebildet ist, versehen. Damit wird die notwendige Abdichtung gegen Feuchtigkeit sichergestellt. Haftfähige oder aushärtende Dichtungsmittel, welche die Festigkeitseigenschaften der Verbindungsstelle 5 beeinträchtigen können, sind zu vermeiden.


    Ansprüche

    1. Mine, insbesondere zur Panzerbekämpfung, die durch Abwurf aus der Luft oberflächenverlegbar ist und in einer bevorzugten Aufschlagrichtung auf den Boden auftrifft und die in einem Gehäuse einen Zünder und eine Sprengstoffladung enthält, dadurch gekennzeichnet , daß das Gehäuse in ein den Zünder (3) enthaltendes Funktionsteil (1) und ein den Sprengstoff (4) enthaltendes Wirkteil (2) unterteilt ist und beide Teile (1, 2) formschlüssig miteinander verbunden sind, wobei die Formschlußverbindung bei Überschreiten einer vorgegebenen Aufschlagbelastung lösbar und daraufhin das Wirkteil (2) vom Funktionsteil (1) durch den AufschlagstoB trennbar ist.
     
    2. Mine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Wirkteil (2) und das Funktionsteil (1) als zylindrische über einen Teil ihrer Länge mit Schiebesitz ineinander gesteckte Gehäuseteile ausgebildet und mittels radialer Stifte, Schrauben, Nieten od. dgl. (7) formschlüssig aber lösbar miteinander verbunden sind.
     




    Zeichnung







    Recherchenbericht