[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Regelung der Betriebsspannung eines
elektrostatischen Abscheiders durch wiederholtes Abtasten der Überschlagsgrenze, wobei
die Betriebsspannung von einem Ausgangswert bis zur Auslösung eines Überschlags gesteigert,
die Überschlagsspannung erfaßt und zur Bildung eines neuen, unter der Überschlagsgrenze
liegenden Ausgangswertes herangezogen wird.
[0002] Zur Optimierung der Abscheideleistung werden elektrostatische Abscheider mit möglichst
hoher Spannung betrieben. Diese kann maximal bis zur Überschlagsgrenze gesteigert
werden. Ldztere ändert sich im Betrieb laufend in Abhängigkeit verschiedener Einflußgrößen.
Für die Regelung auf optimalen Wirkungsgrad ist es daher er forderlich, die momentane
Überschlagsspannung zu ermitteln und die Steuerung der Betriebsspannung danach auszurichten.
Die Überschlagsspannung kann nur in der Weise ermittelt werden, daß die Betriebsspannung
bis zur Auslösung eines Überschlags erhöht wird. Dabei tritt zwangsläufig ein starker
Spannungsabfall bzw, ein Zusammenbruch der Spannung ein, wodurch selbstverständlich
die Abscheideleistung beeinträchtigt wird. Die Regelung eines Abscheiders hat demnach
von dem prinzipiellen Widerspruch auszugehen, daß einerseits eine Optimierung ohne
das Auslösen von Überschlägen nicht möglich ist, daß andererseits die Überschläge
selbst aber die Abscheideleistung verschlechtern und deswegen eigentlich zu vermeiden
sind.
[0003] In der Praxis geht man im allgemeinen so vor, daß die Betriebsspannung mit bestimmter
Geschwindigkeit bis zum Überschlag erhöht, die Überschlagsspannung ermittelt und nach
dem Überschlag die Betriebsspannung - beginnend bei einer um d U unter der Überschlagsspannung
liegenden Spannung - erneut erhöht wird und sofort. Im Spannungs-Zeit-Diagramm verläuft
die Betriebsspannung in einer Sägezahnkurve unterhalb der Überschlagsspannung und
die Fläche zwischen den Spannungskurven ist ein Maß für die Unvollkommenheit der Ausnutzung
des Abscheiders.
[0004] Selbstverständlich ist man bemüht, diese "Verlustfläche" möglichst klein zu halten.
Gewisse Erfolge wurden erzielt, wenn man für die Anstiegsgeschwindigkeit der Betriebsspannung
und das Δ U keine Festwerte vorgibt, sondern versucht, diese Werte in sinnvoller Weise
an die jeweiligen Umstände anzupassen. Ein Teil der Bemühungen läuft darauf hinaus,
aus mehr als einem vorangegangenen Wert der Überschlagsspannung die tendenzielle Veränderung
der Überschlagsspannung regeltechnisch auszunutzen. In jedem Fall ist eine möglichst
exakte Erfassung der Überschlagsspannung erforderlich.
[0005] Dabei ergeben sich aber erhebliche Schwierigkeiten. Die Betriebsspannung verläuft
nämlich nicht wie z.B. eine Batterie-Gleichspannung zeitlich unverändert, sondern
als eine zwischen oberem und unterem Wert mit doppelter Netzfrequenz schwankende Gleichspannung.
Diese "Welligkeit" der Spannung ist unvermeidbar und bedingt durch die Art der Spannungsumsetzung.
Sie ist umso stärker ausgeprägt, je kleiner die elektrische Kapazität des Abscheiders
ist. Eine geringe Kapazität haben insbesondere Naßabscheider mit Niederschlagselektroden
aus Kunststoff, wobei außerdem die Kapazität mit der Säurekonzentration der abzuscheidenden
Flüssigkeit absinkt. Für die Ermittlung der Überschlagsspannung ist. es daher erforderlich,
zwischen einem Spannungsabfall bei normaler oder - infolge betrieblicher Änderungen
- verstärkter Welligkeit und einem Spannungsabfall infolge Überschlag zu unterscheiden.
Dies ist zum einen deshalb schwierig, weil die Extremwerte der Spannung infolge Welligkeit
bis zu 50 % über oder unter dem Mittelwert der Spannung liegen können, wodurch auch
ohne Überschlag erhebliche Spannungsänderungen auftreten, und zum anderen deswegen,
weil der Spannungsabfall infolge eines Überschlags unterschiedlich stark ausgeprägt
sein kann, im ungünstigsten Fall auch kleiner als die Spannungsänderung infolge Welligkeit
ist.
[0006] Bei modernen Regeleinrichtungen, vergl. z.B. DE-OS 25 40 084, wird daher nicht mehr
auf den Betrag der Spannungsänderung abgestellt, sondern versucht, aus dem Vergleich
der Spannungsgradienten aufeinderfolgender Halbwellen auf einen Überschlag zu schließen.
Derartige Einrichtungen sind verhältnismäßig aufwendig und können nur erfolgreich
sein, wenn sich bei einem Überschlag tatsächlich eine meßbare Änderung im Gradienten
des Spannungsverlaufs einstellt.
[0007] Bisher war es auch mit einer Einrichtung gemäß DE-OS 25 40 084 nicht immer möglich,
Überschläge aufgrund von Änderungen der Betriebsspannung sicher zu identifizieren.
Bei einer sehr empfindlich eingestellten Meßeinrichtung wird ein im Rahmen der Welligkeit
und der Änderung betrieblicher Einflußgrößen liegender Spannungsabfall unzutreffend
als Überschlag angezeigt, während eine unempfindlich eingestellte Meßeinrichtung nicht
alle Überschläge anzeigen wird, weil die Spannungsänderungen unterhalb der gewählten
Empfindlichkeit liegen.
[0008] Es besteht somit die Aufgabe, ein Verfahren zur Regelung der Betriebsspannung eines
elektrostatischen Abscheiders der eingangs genannten Gattung vorzuschlagen, mit dem
Überschläge mit Sicherheit erfaßt und für die Regelung ausgenutzt werden können.
[0009] Zur Lösung dieser Aufgabe wird erfindungsgemäß vorgeschlagen, die Lichtwirkung der
Überschläge optisch zu erfassen und zur Ermittlung der Überschlagsspannung auszunutzen.
In weiterer Ausbildung des Erfindungsgedankens ist vorgesehen, daß die Anzahl der
Überschläge je Zeiteinheit erfaßt wird. Andererseits ist es auch möglich, die Überschlagsdauer
zu erfassen. Besonders vorteilhaft ist es, wenn sowohl die Anzahl der Überschläge
je Zeiteinheit als auch die Überschlagsdauer erfaßt und zur Regelung ausgenutzt werden.
[0010] Der wesentliche Vorteil des erfindungsgemäßen Regelverfahrens besteht darin, daß
die'Erfassung eines Überschlags anhand eines Phänomens erfolgt, das unmittelbarer
als eine Spannungsänderung und vor allem unzweideutig einen Überschlag anzeigt. Da
es in einem Abscheider bei normalem Betrieb völlig dunkel ist, kann jeder Überschlag
unabhängig von der Stärke der Lichtentwicklung und unabhängig von der Entfernung vom
Aufstellungsort des Meßgerätes registriert und für die Weiterverarbeitung zu einem
Regelsignal ausgenutzt werden. Im allgemeinen wird es aber zweckmäßiger sein, die
"Empfindlichkeit" der Regeleinrichtung auf die praktischen Bedürfnisse einzustellen.
Dies läßt sich dadurch realisieren, daß die Einrichtung derartig eingestellt wird,
daß erst eine Mindestzahl von Überschlägen pro Zeiteinheit oder aber eine Mindestdauer
eines Lichtbogens zur Auslösung eines Regelimpulses wirksam ist. Weitere Einzelheiten
der Erfindung werden anhand des in Figur 1 dargestellten Ausführungsbeispiels eines
stark vereinfachten Regelschemas näher erläutert.
[0011] Ein Elektrofilter 1 wird über einen Hochspannungstransformator 2 und einen Hochspannungsgleichrichter
3 aus einem Wechselstromnetz 4 gespeist. Zur Spannungsregelung ist im Primärkreis
z.B. ein Thyristorstellglied 5 vorgesehen, das von einem Regler 6 angesteuert wird.
Dieser Regler bildet aus den über die lichtempfindliche -Erfassung gewonnenen Werten
die notwendigen Steuersignale für das Thyristorstellglied 5. Die lichtempfindliche
Erfassung besteht aus einem am Elektrofilter 1 angeordneten lichtempfindlichen elektronischen
Bauteil 7, welches durch ein von Spülluft oder Spülgas 8 durchströmtes und/oder beheiztes
Schutzrohr 9 gegen Verschmutzung geschützt werden kann.
[0012] Für den Fall, daß stehende Lichtbögen erfaßt werden sollen, ist ein Zeitüberwachungsglied
10 in den Steuerkreis geschaltet. Der Wert für die Zeitüberwachung ist mit Hilfe eines
angeschlossenen Reglers 101 z.B. zwischen 0,1 und 5 sec. frei wählbar bzw. von einer
übergeordneten Steuereinheit her vorzugeben. Wenn das vom lichtempfindlichen elektronischen
Bauteil 7 ausgehende Signal, das durch einen Lichtbogen im Elektrofilter hervorgerufen
wird, den an der Zeitüberwachung 10, 101 voreingestellten Zeitwert überschreitet,
wird dieses Signal weitergeleitet.
[0013] Für den Fall, daß normale Überschläge erfaßt werden sollen, ist ein Integrierglied
11 in den Steuerkreis geschaltet. Der Wert für die Zahl der zu überwachenden Impulse
ist mit Hilfe eines angeschlossenen Reglers 111 z.B. zwischen 1 und 20 frei wählbar
bzw. von einer übergeordneten Steuereinheit her vorzugeben. Wenn die vom lichtempfindlichen
elektronischen Bauteil 7 ausgehenden Signale, die durch Überschläge im Elektrofilter
hervorgerufen werden, den an dem Integrierglied 11, 111 voreingestellten Zeitwert
überschreiten, wird ein Impuls weitergeleitet. Die von den beiden Meßgliedern 10 und
11 ausgehenden Impulse werden dem Regler 6 zugeleitet.
[0014] Zweckmäßigerweise sind die lichtempfindlichen elektronischen Bauteile 7
' so anzuordnen, daß der gesamte Filterinnenraum einwandfrei überwacht werden kann.
Gegebenenfalls sind mehrere dieser Bauteile räumlich verteilt am Filter anzuordnen.
1. Verfahren zur Regelung der Betriebsspannung eines elektrostatischen Abscheiders
durch wiederholtes Abtasten der Überschlagsgrenze, wobei die Betriebsspannung von
einem Ausgangswert bis zur Auslösung eines Überschlags gesteigert, die Überschlagsspannung
erfaßt und züp Bildung eines neuen, unter der Überschlagsgrenze liegenden Ausgangswertes
herangezogen wird, dadurch gekennzeichnet, daß die Lichtwirkung der'Überschläge optisch
erfaßt und zur Ermittlung der Überschlagsspannung ausgenutzt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Anzahl der Überschläge
je Zeiteinheit erfaßt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Überschlagsdauer erfaßt
wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß sowohl die Anzahl der Überschläge
je Zeiteinheit als auch die Überschlagsdauer erfaßt und zur Regelung der Betriebsspannung
ausgenutzt wird.