[0001] Die Erfindung betrifft eine Blutgruppenidentitätskarte, die insbesondere ihre Anwendung
im Bed side-Test findet.
[0002] Unter Bed side-Test versteht man die Kontrolle der Identität der Blutgruppen des
Empfängers und des Spenders, die direkt beim Patienten unmittelbar vor einer Bluttransfusion,
was am häufigsten am Bett des Patienten geschieht, durchgeführt wird, um Verwechselungen
jeglicher Art auszuschließen.
[0003] Gemäß den Richtlinien zur Blutgruppenbestimmung und Bluttransfusion der Bundesärztekammer
vom 1.2.1979 (Deutsches Ärzteblatt, Heft 5 vom 1. Februar 1979) ist vor Transfusionen
der ABO-Identitätstest am Krankenbett (Bed side-Test) vom Arzt oder unter seiner unmittelbaren
Aufsicht durchzuführen (Deutsches Ärzteblatt, Heft 5, 1. Februar 1979, Seite 288,
Absatzt 3.5.2).
[0004] Mit Blutidentitätskarten, auch Bed side-Karten genannt, lassen sich diese ABO-Identitätstests
am Krankenbett auf einfache Weise durchführen.
[0005] So ist beispielsweise die sogenannte Eldon-Karte bekannt, die aus einer mit einer
Zelluloseschicht überzogenen Pappe besteht, auf die ein Gemisch aus Dextran und den
entsprechenden Antiseren auf Testfelder bzw. Versuchsabschnitte aufgetrocknet ist
(Knud Eldon, Kopenhagen (1955) «Gleichzeitige ABO- und Rh-Blutgruppenbestimmung auf
Karten im Laboratorium oder am Krankenbett », Broschüre der Nordisk Insulinlaboratorium,
Gentoffe, Dänemark, 1-23 = Eldon, K. (1955), Simultaneous ABO and Rh groupings on
cards in the laboratory or at the bed side. Danish Med. Bull. 2, 33-40 ;
[0006] Dissertationsarbeit von Anneliese Bär (1967) « Die Beeinflussung der Reaktionen inkompletter
Rhesus-Antikörper durch Koiioide', Frankfurt). Die Zumischung von Dextran ist dort
deshalb erforderlich, weil getrocknetes reines Serum nicht auf der dort verwendeten
Unterlage haftet, sondern sich abschält, während Dextran zusammen mit den Serum auf
der Unterlage fest haftet.
[0007] Ferner war bei den dort verwendeten Anti-D (Rh
o) Seren eine Verdünnung mit dem Konglutininsubstitut Dextran erforderlich, um beim
teilweisen Trocknen einer Mischung aus Serum und Blutkörperchen die sogenannte Geldrollenbildung
zu vermeiden, die in vielen Fällen Agglutinaten ähnlich sieht (Pseudoagglutination).
Eine Verdünnung mit Dextran diente dabei außerdem der Förderung und Beschleunigung
von Agglutinationsprozessen.
[0008] Dieses Dextran-Antiserum-Gemisch kann jedoch nicht direkt mit dem zu testenden Blut
vermischt werden, sondern muß erst mit Wasser angelöst werden. Es ist deshalb bei
jedem Test erforderlich, zunächst auf die Testfelder einen Tropfen Wasser aufzubringen.
Dieser Tropfen Wasser muß sehr genau dosiert sein, wofür außer einer Pipette auch
besondere Geschicklichkeit desjenigen erforderlich ist, der den Test durchführt. Das
Erfordernis von Pipette, Wasser (was beispielsweise an einem Unfallort häufig nicht
zur Verfügung steht), Geschicklichkeit des Ausführenden und der Zeitverlust durch
das Auflösen stellen einen Nachteil dieser Testkarte dar.
[0009] Aus GM 79 04 755 ist eine Blutgruppenidentitätskarte bekannt, die aus einer Plastikplatte
besteht, in die Vertiefungen eingepreßt sind, die mit Antiseren in flüssiger Form
gefüllt und mit einer Plastikfolie verschlossen sind. Zur Durchführung der Tests mit
dieser Karte muß die Plastikfolie mittels einer Kanüle oder Injektionsnadel, die das
zu testende Blut enthält, durchstochen werden.
[0010] Damit erspart man sich zwar das Anlösen des Testserums. Da die Plastikfolie jedoch
nur mit einer Spritze oder Kanüle durchstochen werden kann, besitzt diese Karte den
Nachteil, daß zur Durchführung des Tests prinzipiell beim Patienten Venenblut entnommen
werden muß, weil man mit einer Spritze kein Kapillarblut aus Fingerbeere oder Ohrläppchen
entnehmen kann. Dies ist wesentlich aufwendiger als mit einer sterilen Lanzette Blut
aus Fingerbeere oder Ohrläppchen zu entnehmen und aufzubringen, wie es bei der Eldon-Karte
möglich ist.
[0011] Die beschriebene Karte besitzt ferner den Nachteil, daß flüssiges Antiserum im Gegensatz
zu angetrocknetem Serum sich zum Zwecke der Dokumentation nicht fixieren läßt. Dies
ist insofern besonders nachteilig, als die Richtlinien zur Blutgruppenbestimmung vorschreiben,
daß eine Dokumentation möglich sein muß.
[0012] Aufgabe der Erfindung war es somit, eine Blutgruppenidentitätskarte, insbesondere
für den Bed side-Test, zu entwickeln, auf deren Antiseren-Bereiche Kapillarblut aufgebracht
werden kann und deren Reaktionsbild sich fixieren und konservieren läßt, also eine
Karte, die mit angetrockneten Antiseren arbeitet, bei der jedoch auf das Auflösen
der angetrockneten Antiseren mit Wasser verzichtet werden kann, d. h. bei der nach
dem Aufbringen von Patienten- bzw. Transfusionsblut und Verrühren gleichzeitig ein
rasches Auflösen der Antiseren erfolgt,
[0013] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß die Blutgruppenidentitätskarte
aus einer Polyesterfolie besteht, die mindestens auf einer Seite mit einer gleichmäßigen,
gegenüber Antiseren haftfähigen Pigmentlackmattierungsschicht versehen ist, die auf
ihrere Oberfläche auf räumlich voneinander getrennten Feldern festhaftende trockene
Schichten aus im wesentlichen reinen Antiseren aufweist.
[0014] Es wurde überraschenderweise gefunden, daß auf einer mit Pigmentlackmattierung beschichteten
Polyesterfolie, wie sie als Zeichenfolie auf dem Markt ist, Antiseren ohne jegliche
haftvermittelnden Zusätze ausgezeichnet haften. Dadurch entfällt ein Haftmittel, wie
es bei der Eldon-Karte erforderlich ist, und zugebebenes Blut löst beim Verrühren
die angetrockneten Antiseren auf, so daß auf das Auflösen mit Wasser verzichtet werden
kann und der Test sehr leicht und schnell durchführbar ist. Das Reaktionsbild kann
durch Übersprühen mit einem Lack, beispielsweise Zytolack zum Zwecke der Dokumentation
leicht fixiert werden.
[0015] Durch den Einsatz von IgG der Spezifität Anti-D anstelle des bisher von Eldon verwendeten
Anti-D-Serums ist es außerdem möglich, auch bei der angetrockneten Anti-D-Schicht
auf den Zusatz von Dextran zu verzichten.
[0016] Chemisch modifizierte IgG-Moleküle, bei denen Disulfidbrücken in der Hinge-Region
teilweise reduktiv aufgespalten und alkyliert worden sind, zeichnen sich durch hohe
Flexibilität aus, weshalb bei Antiseren auf der Basis der modifizierten Moleküle auf
den üblichen Zusatz von Supplement (z. B. Albumin, Dextran, Gelatine, AB-Serum u.
a.) verzichtet werden kann. Die chemische Modifizierung überführt inkomplette Antikörper
in Agglutinine, die ähnliche Eigenschaften wie ABO-Testseren haben. So werden mit
modifiziertem IgG der Spezifität Anti-D D(Rh
o)-positive Erythrozyten in Kochsalzlösung oder in verträglichem Serum bzw. Plasma
agglutiniert. In Pirofsky B. und Cordova M.S. « Bivalent nature of incomplete anti-D
(Rho) » Nature 197, S. 392-393 (1963) ; Roman D., Tilley C. A., Crookstone N. C.,
Falk R. E. and Dorington K.J. « Conversion of incomplete antibodies to direct agglutinins
by mild reduction. Evidence for segmental flexibility within the F
" fragment of immunoglobuline G » Proc. Natl. Akad. Sci. USA, 74, S. 2531-2535, (1977)
wird dieses Anti-D-Reagens beschrieben. Bisher wurden der Objektträger-Schnelltest,
der Objektträger-Inkubationstest und der Röhrchenzentrifugiertest als Anwendungsmöglichkeiten
vorgeschlagen.
[0017] Überraschenderweise wurde gefunden, daß das Anti-D-Reagens, auf Polyesterfolie angetrocknet
und ohne vorher mit Wasser aufgelöst werden zu müssen, beim Verrühren mit D(Rh
o)-positivem Blut nach kurzer Reaktionszeit (ca. 1 Minute) in ihrer Stärke dem ABO-System
vergleichbare Agglutinationsbilder liefert. Weil weder das Reagens selbst Supplemente
enthält, noch für das Antrocknen auf der ausgewählten Polyesterfolie hochpolymere,
eine Haftung vermittelnde Zusätze erforderlich sind, kann anders als bei der Eldon-Karte
auf eine Kontrolle verzichtet werden. Es ist nicht zu erwarten und wurde bisher auch
nicht beschrieben, daß das Anti-D-Reagens mit seiner niedriger Proteinkonzentration,
die der Konzentration von normalem humanen Serum entspricht, zu falsch positiven Reaktionen
mit lgG- und/oder komplementbeladenen Erythrozyten bei Autoimmunerkrankungen oder
der Erythroblastose des Neugeborenen führt, die aber häufig mit inkompletten Anti-Rh-Seren,
die Rinderalbumin oder andere hochmolekulare Substanzen als Verstärkermedium enthalten,
beobachtet werden.
[0018] Ein besonders geeignetes Folienmaterial ist eine Polyesterfolie, die im Extrudierverfahren
hergestellt und durch biaxiale Streckung und Hitzestabilisierung dimensionsstabil
gemach wurde und auf beiden Seiten mit einer gleichmäßigen Pigmentlackmattierung beschichtet
ist.
[0019] Eine besonders zweckmäßige Folie besitzt folgende mechanische und physikalische Eigenschaften
:
Zugfestigkeit 1 800 kg/cm2, Streckgrenze 980 kg/cm2, thermische Ausdehnung 0,027 mm/m/°C, Feuchtigkeitsausdehnung 0,01 mm/m/% RF, Wärmefestigkeit
150 °C
[0020] Eine derart besonders zweckmäßige Folie ist unter der Bezeichnung Zeichenfolie Safir
PL Opak-weiß im Handel erhältlich.
[0021] Für Zwecke, wo im Bed side-Test nur die ABO-Identität zu prüfen ist, besitzt eine
Ausführungsform der erfindungsgemäßen Karte, wie sie in Fig. 1 wiedergegeben ist,
vier räumlich voneinander getrennte Felder, von denen je zwei mit Antiserum A und
Antiserum B beschichtet sind.
[0022] Die Felder sind mit Anti-A bzw. Anti-B gekennzeichnet, und die Antiseren-Schichten
können zusätzlich, um Verwechselungen zu vermeiden, unterschiedlich eingefärbt sein.
[0023] Für Zwecke, wo im Bed side-Test auch der Rh-Faktor bestimmt werden soll, besitzt
eine Ausführungsform der erfindungsgemäßen Karte, wie sie in Fig. 2 wiedergegeben
ist, sechs räumlich voneinander getrennte Felder, von denen je zwei mit Antiserum
A, Antiserum B und Anti-D beschichtet sind.
[0024] Die einzelnen Felder sind so angeordnet, daß noch genügend Raum für eine Beschriftung
der Folie vorhanden ist. Bei der bevorzugten beidseitigen pigmentlackmattierten Folie
kann auch auf der Rückseite der Folie eine Beschriftung durchgeführt werden.
1. Blutgruppenidentitätskarte, insbesondere für den Bed side-Test, dadurch gekennzeichnet,
daß sie aus einer Polyesterfolie besteht, die mindestens auf einer Seite mit einer
gleichmäßigen, gegenüber Antiseren haftfähigen Pigmentlackmattierungsschicht versehen
ist, die auf ihrer Oberfläche auf räumlich voneinander getrennten Feldern festhaftende
trockene Schichten aus im wesentlichen reinen Antiseren aufweist.
2. Karte nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Schichten aus Antiserum
A und Antiserum B bestehen.
3. Karte nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß eine weitere Schicht aus IgG
der Spezifität Anti-D besteht.
4. Karte nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Karte sechs Felder aufweist,
von denen je zwei mit Antiserum A, zwei mit Antiserum B und zwei mit Antiserum D beschichtet
sind.
5. Karte nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Schichten
unterschiedlicher Antiseren mit unterschiedlicher Färbung versehen sind.
6. Karte nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Polyesterfolie
auf beiden Seiten mit einer Pigmentlackmattierungsschicht versehen ist.
1. Blood group identification card, particularly for the bed side test, characterized
in that, it consists of a sheet of polyester which has at least on one side a uniform
pigment-lacquer dulling layer that has the capacity to adhere to antisera, which layer
has on its surface in separated fields tightly adhering dry layers of essentially
pure antisera.
2. Card according to claim 1, characterized in that the layers consist of antisera
A and antisera B.
3. Card according to claim 2, characterized in that a further layer consists of IgG
of the specificity anti-D.
4. Card according to claim 3, characterized in that the card has six fields, two of
each being coated with antiserum A, two with antiserum B and two with antiserum D.
5. Card according to one of the precedent claims, characterized in that the layers
of different antisera are provided with different colouring.
6. Card according to one of the precedent claims, characterized in that the sheet
of polyester has on both sides a pigment-lacquer dulling layer.
1. Carte d'identité de groupes sanguins, en particulier pour le Bed side-test, caractérisée
en ce qu'elle est constituée d'une feuille de polyester qui est munie sur au moins
une de ses faces d'une couche régulière d'enduit à base de pigment matant favorisant
l'adhérence d'antisé- rums, qui, sur sa surface supérieur présente des plages séparées
l'une de l'autre de couches sèches adhérant solidement, constituées pour l'essentiel
d'antisérums purs.
2. Carte selon la revendication 1, caractérisée en ce que les couches sont constituées
d'antisérum A et d'antisérum B.
3. Carte selon la revendication 2, caractérisée en ce qu'une autre couche est constituée
de IgG de spécificité anti-D.
4. Carte selon la revendication 3, caractérisée en ce que la carte présente six plages,
dont chaque fois deux sont enduites avec l'antisérum A, deux avec l'antisérum B et
deux avec l'antisé- rum D.
5. Carte selon l'une des revendications précédentes, caractérisée en ce que les plages
de différents sérums sont colorées différemment.
6. Carte selon l'une des revendications précédentes, caractérisée en ce que la feuille
de polyester est munie sur ses deux faces d'une couche d'enduit à base de pigment
matant.