[0001] Die Erfindung betrifft fluorhaltige Alkylsulfobetaine, ein Verfahren zu deren Herstellung
sowie deren Verwendung.
[0002] Die neuen Verbindungen haben die allgemeine Formel

worin R
f einen Perfluoralkylrest mit 3 bis 16 C-Atomen, R
1 und R
2, die gleich oder verschieden sein können, Alkylreste oder Hydroxyalkylreste mit 1
bis 4 C-Atomen bedeuten, a Null oder 1 ist, b den Wert 1 für a = 1 und die Werte 1
bis 4 für a = 0 annimmt, sowie c 3 oder 4 ist.
[0003] Vorzugsweise bedeutet R
1 und R
2, gleich oder verschieden,in diesen Verbindungen einen Alkylrest oder einen Hydroxyalkylrest
mit 1 bis 2 C-Atomen und a den Wert 1.
[0004] Die vorliegende Erfindung umfaßt auch ein Verfahren zur Herstellung der oben definierten
fluorhaltigen Alkylsulfobetaine, das dadurch gekennzeichnet ist, daß man ein fluorhaltiges
Amin der allgemeinen Formel

[0005] worin R
f, R
1, R
z, a und b die oben definierte Bedeutung haben, mit einem Sulton der allgemeinen Formel

worin c die oben definierte Bedeutung hat, in einem -organischen Lösungsmittel zur
Reaktion bringt.
[0006] Die als Ausgangsverbindung eingesetzten fluorierten Amine sind bekannt, sie können
beispielsweise nach Methoden hergestellt werden, wie sie in der US-PS 3 257 407, der
US-PS 3 535 381, der DE-AS 16 68 794, der DE-OS 17 68 939 oder der DE-OS 21 41 542
beschrieben sind. Als Sulfoalkylierungsmittel dienen Propansulton oder Butansulton.
Die Reaktion wird in einem organischen Lösungsmittel vorgenommen, das gegenüber -
den Reaktionspartnern inert sein muß. Geeignete Lösungmittel für die Umsetzung sind
beispielsweise Methanol, Ethanol, Butylglykol, Butyldiglykol oder Aceton. Die zweckmäßige
Reaktionstemperatur liegt im Bereich von 50 bis 100 °C, die Reaktion erfolgt unter
im wesentlichen drucklosen Bedingungen. Bei diesen Temperaturen dauert die Sulfoalkylierung
zwischen 1 und 10 Stunden. Die Sultone sollten zweckmäßig nicht über den stöchiometrisch
erforderlichen Anteil hinaus eingesetzt werden, da sie toxisch sind. Nach Beendigung
der Sulfoalkylierung können die fluorierten Alkylsulfobetaine durch Abdestillieren
des Lösungsmittels in fester Form gewonnen werden. Für viele Anwendungszwecke kann
jedoch auch die aus der Sulfoalkylierung anfallende Lösung der Produkte im organischen
Lösungsmittel eingesetzt werden.
[0007] Die Sulfoalkylierung kann auch mit Gemischen von fluorierten Aminen (a = Null und
1) durchgeführt werden.
[0008] Die erfindungsgemäßen fluorhaltigen Alkylsulfobetaine der oben definierten Formel
zeichnen sich durch eine beträchtliche Erniedrigung der Oberflächenspannung (Wasser/
Luft) und insbesondere durch eine hohe grenzflächenaktive Wirksamkeit an der Grenzfläche
von Wasser zu nicht-mischbaren organischen Flüssigkeiten, insbesondere Kohlenwasserstoffen,
aus. Die aus der DE-OS 27 49 329 bekannten fluorierten Alkylsulfatobetaine ergeben
eine solche Erniedrigung der Grenzflächenspannung Wasser/nicht-mischbare organische
Flüssigkeit bei den in der Praxis vorkommenden niedrigen Anwendungskonzentrationen
nur dann, wenn eine synergistisch wirkende Zweitkomponente, wie beispielsweise ein
fluoriertes Alkylammoniummonoalkylsulfat, beschrieben in der DE-OS 27 49 330, zugegen
ist. Solche quaternären Ammoniumsalze sind jedoch mit anionischen Tensiden, wie sie
beispielsweise in Feuerlöschmitteln vorkommen, nicht verträglich, hingegen sind die
erfindungsgemäßen fluorierten Alkylsulfobetaine absolut verträglich mit kationischen,
nicht-ionischen und anionischen Tensiden. Schließlich sind die erfindungsgemäßen fluorhaltigen
Alkylsulfobetaine den bekannten fluorhaltigen Alkylsulfatobetainen auch in ihrer Hydrolysestabilität
weit überlegen.
[0009] Die erfindungsgemäßen fluorhaltigen Alkylsulfobetaine eignen sich wegen ihrer guten
Verträglichkeit mit anderen nicht-ionischen Tensiden, wie beispielsweise oxalkylierten
Phenolen, als Nachstabilisierungsmittel bei der Herstellung von Polytetrafluorethylen-Dispersionen
und Dispersionen anderer Fluorpolymerer oder -copolymerer, ferner als Verlaufmittel
für Wachse, als Reinigungsverstärker in der chemischen Reinigung sowie insbesondere
wegen ihrer guten grenzflächenaktiven Wirksamkeit als Mischungskomponenten in Feuerlöschmitteln.
[0010] Nachfolgende Beispiele sollen die Erfindung näher erläutern
Beispiel 1 .
[0011] 245 g (N-1,1,2-Trihydroperfluoralkenyl-2)-N-methylethanolamin, dessen perfluorierter
Alkylrest R
f aus einem Gemisch verschiedener perfluorierter Alkyle folgender Zusammensetzung besteht:
41 Gew.-% C5F11-
40 Gew.-% C7F15-
14 Gew.-% C9F19-
5 Gew.-% C11F23-,
werden in 300 ml Ethanol gelöst,und unter Rühren wird bei 70 °C 60 g Propansulton
zugetropft. Dann wird 3 Stunden unter Rückfluß gekocht und anschließend das Lösungsmittel
abdestilliert. Man schlämmt das Produkt mit Aceton auf und filtriert den ausgefallenen
Feststoff ab. Hierbei werden 210 g Produkt der Formel

isoliert, was einer Ausbeute von 69 % der Theorie entspricht. Die Aminzahlbestimmung
ergibt den Wert 0.
Beispiel 2
[0012] Es wird gearbeitet wie in Beispiel 1, jedoch wird anstelle des Ethanols Aceton verwendet.
Nach Filtration und Trocknung werden 298 g, entsprechend einer Ausbeute von 97 % der
Theorie, der Verbindung des Beispiels 1 erhalten. Die Bestimmung der Aminzahl ergibt,
daß das Produkt noch 0,5 % freies Amin enthält.
Beispiel 3
[0013] Es wird gearbeitet wie in Beispiel 1, jedoch wird anstelle von Ethanol Butylglykol
als Lösungsmittel verwendet. 1715 g des in Beispiel 1 bezeichneten fluorhaltigen Amins
und 2100 g Butylglykol werden auf 60 °C erwärmt und bei dieser Temperatur wird 425
g Propansulton zugetropft. Anschließ-end wird 3 Stunden bei 80 °C nachgerührt. Um
eine 40 %ige Lösung zu erhalten, werden 1000 g Wasser zugesetzt. Die Aminzahlbestimmung
ergibt, daß noch 0,4 % freies Amin vorhanden ist.
Beispiel 4
[0014] Es werden gemäß der Arbeitsweise des Beispiels 3 40 g eines (N-1,1,2-Trihydroperfluoroctenyl-2)-N-methylethanol-
amins, 12 g Propansulton und 52 ml Butylglykol umgesetzt. Das erhaltene Sulfobetain
der Formel

enthält laut Aminzahl noch 1,0 % freies Amin.
Beispiel 5
[0015] Gemäß der Arbeitsweise des Beispiels 3 werden 51 g (N-1,1,2-Trihydroperfluordecenyl-2)-N-methylethanolamin,
12 g Propansulton und 63 ml Butylglykol umgesetzt. Das erhaltene Sulfobetain der Formel

enthält laut Aminzahl noch 0,7 % freies Amin.
Beispiel 6
[0016] Gemäß der Arbeitsweise des Beispiels 3 werden 60,5 g (N-1,1,2-Trihydroperfluordodecenyl-2)-N-methylethanolamin,
12 g Propansulton und 73 ml Butylglykol umgesetzt. Das erhaltene Sulfobetain der Formel

enthält laut Aminzahl noch 1,5 % freies Amin.
Beispiel 7
[0017] Gemäß der Arbeitsweise des Beispiels 3 werden 64 g (N-1,1,2-Trihydroperfluoralkenyl-2)-N-dimethylamin
(worin der R
f-Rest die in Beispiel 1 genannte Bedeutung hat), 18,2 g Propansulton und 83 ml Butylglykol
umgesetzt. Das erhaltene Sulfobetain der Formel

enthält laut Aminzahl noch 1,0 % freies Amin.
Beispiel 8
[0018] 239,5 g (N-1,1,2-Trihydroperfluoralkenyl-2)-N-methylethanolamin (worin der R
f-Rest die in Beispiel 1 genannte Bedeutung hat) werden zusammen mit 68 g 1,4-Butansulton
und 200 ml Methanol 4 Stunden zum Sieden erhitzt. Nach Abziehen des Lösungsmittels
verbleibt als fester Rückstand ein Sulfobetain der Formel

mit einer Aminzahl von 2,8. Dies entspricht einem Gehalt an 4 % freiem Amin.
Beispiel 9
[0019] Gemäß der Arbeitsweise von Beispiel 3 werden 66 g N-1,1,2,2-Tetrahydroperfluoralkyl-N,N-dimethylamin
der Formel

worin der Rest R
f folgende Zusammensetzung aufweist:
41 Gew.-% C6F13-
40 Gew.-% C8F17-
14 Gew.-% C10F21-
5 Gew.-% C12F25-,
und 18,2 g Propansulton in 83 ml Butylglykol umgesetzt. Das erhaltene Sulfobetain
der Formel

enthält laut Aminzahl noch 1,5 % freies Amin.
[0020] Die Konstitution der erhaltenen Sulfobetaine wurde durch deren
1H-NMR-Spektren und IR-Spektren gesichert.
[0021] Die folgende Tabelle zeigt die überlegenen Eigenschaften von wäßrigen Lösungen der
erfindungsgemäßen Sulfobetaine hinsichtlich der Oberflächenspannung und der
Grenz- flächenspannung gegen Cyclohexan im Vergleich zu fluorhaltigen Sulfatobetainen
und zwei anerkannt guten Handelsprodukten, die gleichfalls Fluortenside sind und quaternäre
Ammoniumgruppen enthalten:

1. Fluorhaltige Alkylsulfobetaine der allgemeinen Formel

worin R
f einen Perfluoralkylrest mit 3 bis 16 C-Atomen, R
1 und R
2, die gleich oder verschieden sein können, Alkylreste oder Hydroxyalkylreste mit 1
bis 4 C-Atomen, bedeuten, a Null oder 1 ist, b den Wert 1 für a = 1 und die Werte
1 bis 4 für a = 0 annimmt, sowie c 3 oder 4 ist.
2. Verfahren zur Herstellung von fluorhaltigen Alkylsulfobetainen gemäß Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß man ein fluorhaltiges Amin der allgemeinen Formel

worin R
f, R
1, R
2, a und b die in Anspruch 1 definierte Bedeutung haben, mit einem Sulton der allgemeinen
Formel

worin c die in Anspruch 1 definierte Bedeutung hat, in einem organischen Lösungsmittel
zur Reaktion bringt.
3. Verwendung der fluorhaltigen Alkylsulfobetaine gemäß Anspruch 1 als Komponente
in Feuerlöschmitteln.