[0001] Die Erfindung betrifft ein Schienenfahrzeug, insbesondere einen Stadtbahnwagen, welches
im wesentlichen ein mit einem Antriebsmotor und einem Achsgetriebe ausgerüstetes,
im Bereich einer Kopfpartie des Fahrzeuges angeordnetes Triebdrehgestell, ein Laufdrehgestell
mit Rädern beträchtlich kleineren Durchmessers und einen Fußboden aufweist, der aus
einem auf den Bereich des Triebdrehgestelles begrenzten Fußbodenabschnitt und einem
daran anschließenden, um die Höhe einer Trittstufe abgesenkten Fußbodenteil gebildet
und über im Bereich des abgesenkten Fußbodenteils befindliche Seitentüren einstufig
zugänglich ist, wobei im Bereich des Triebdrehgestelles die für das Adhäsionsgewicht
des Fahrzeuges erheblichen Teile der elektrischen Ausrüstung angeordnet sind.
[0002] Ein Schienenfahrzeug mit den vorgenannten Merkmalen ist durch die schweizerische
Patentschrift Nr. 247 907 bekannt und wird als Stand der Technik zugrundegelegt.
[0003] Die Aufgabe der Erfindung besteht darin, ein Schienenfahrzeug zu schaffen, das unter
weitestgehendem Ausschöpfen der Fahrzeugabmessungen einen wesentlich größeren, für
die Unterbringung von Fahrgästen und fahrzeugtechnischen Einrichtungen nutzbaren Raum
aufweist und zugleich zum Befahren auch kleinerer Gleisradien geeignet ist; außerdem
sollen für eine bequeme, schnelle und sichere Benutzung günstige Ein- und Ausstiegsverhältnisse-und
Bewegungsmöglichkeiten innerhalb des Fahrzeuges sowie hohen Anforderungen entsprechende
Laufeigenschaften erzielt werden.
[0004] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß das Triebdrehgestell und ein
im Bereich der anderen Kopfpartie des Fahrzeuges vorgesehenes zweites Triebdrehgestell
mit größtmöglichem Abstand zueinander angeordnet sind, der abgesenkte Fußbodenteil
sich von dem Fußbodenabschnitt des einen Triebdrehgestelles in konstanter Höhenlage
bis zu einem im Bereich des zweiten Triebdrehgestelles entsprechend dem Fußbodenabschnitt
ausgebildeten und gewichtsbelasteten zweiten Fußbodenabschnitt erstreckt und in seiner
Quermitte ein Gelenk zum Verbinden von Fahrzeughälften aufweist, wobei das Laufdrehgestell
neben dem Gelenk unter einer Fahrzeughälfte angeordnet ist.
[0005] Dabei liegt es im Wesen der Erfindung, daß die beiden Kopfpartien des Fahrzeuges
und damit auch die im Bereich der Triebdrehgestelle angeordneten Fußbodenabschnitte
im Grundriß rechteckförmig ausgebildet sind. Duch diese Maßnahme ergeben sich vorteilhaft
eine einfachere Fertigung, ein Mehr an Fläche für eine geräumigere Ausgestaltung des
Fahrerstandes und für die Anordnung von Sitz- oder Stehplätzen; außerdem wird die
Außenreinigung des Fahrzeuges in Waschanlagen erleichtert.
[0006] Im Sinne einer rationellen, auf die Ausführung gleicher Bauteile gerichteten Fertigung
sieht eine Ausgestaltung der Erfindung vor, daß die beiden Köpfpartien des Fahrzeuges
und damit auch die im Bereich der Triebdrehgestelle angeordneten Fußbodenabschnitte
zumindest in ihrer Längserstreckung gleich ausgebildet sind.
[0007] Für das bequeme und schnelle Ein- und Aussteigen besteht eine weitere Ausführungsform
der Erfindung darin, daß auf mindestens einer Fahrzeugseitenwand an den beiden Enden
des abgesenkten Fußbodenteils jeweils eine Doppel-Seitentür und an dem zum Gelenk
hin gelegenen Ende der von dem Laufdrehgestell freien Fahrzeughälfte eine weitere
Doppel-Seitentür vorgesehen sind.
[0008] Bei einem Schienenfahrzeug, das insbesondere als Stadtbahnwagen für einen Fahrbetrieb
in einer Richtung ausgeführt ist, wird eine Vergrößerung des Adhäsionsgewichtes für
das heckseitige Triebdrehgestell unter Weiterbildung der Erfindung dadurch erreicht,
daß der Fußbodenabschnitt im Heck zur Aufnahme von drei mindestens Drei-Personensitzen
eingerichtet ist, wobei zwei dieser Sitze in Längsrichtung des Fahrzeuges seitenwandseitig
gegenüberliegend, der dritte Sitz in Querrichtung des Fahrzeuges heckwandseitig unter
Ausbildung einer davorliegenden Stufe in diesem Fußbodenabschnitt angeordnet sind.
Aus dieser Anordnung ergibt sich, neben dem Gewichtsaufkommen von neun sitzenden Fahrgästen,
zwischen den seitenwandseitig gegenüberliegenden Sitzen eine im obigen Sinne wirksame
Stehplatzfläche; außerdem erbringt diese Anordnung unter dem heckwandseitig, in Querrichtung
des Fahrzeuges und höher gelegenen Sitz einen vergrößerten, für den Einbau von Teilen
der elektrischen Ausrüstung nutzbaren Raum, was sich gleichfalls günstig auf eine
Vergrößerung des Adhäsionsgewichtes auswirkt.
[0009] Bei einem ebenso als Stadtbahnwagen für einen Fahrbetrieb in einer Richtung ausgeführten
Schienenfahrzeug ist eine Vergrößerung des Adhäsionsgewichtes für das bugseitige Triebdrehgestell
in weiterer Ausgestaltung der Erfindung dadurch gegeben, daß der Fußbodenabschnitt
im Bug zwei seitenwandseitig angeordnete, einander gegenüberliegende, durch einen
Zugang zum Fahrerstand getrennte, abschließbare Räume zur Unterbringung von Teilen
der elektrischen Ausrüstung aufweist.
[0010] Die mit der Erfindung erzielbaren Vorteile bestehen insbesondere in folgendem:
Durch die Anordnung der Triebdrehgestelle mit größtmöglichem Abstand zueinander ergeben
sich Kopfpartien mit äußerst kurzen Überhängen, wodurch zum einen die Seitenbewegungen
des Fahrzeuges verringert werden, was sich als vergrößerte Laufruhe auf in diesen
Kopfpartien befindliche Personen, insbesondere den Fahrer, auswirkt; zum anderen folgt
aus dieser Anordnung die Möglichkeit, die Kopfpartien ohne die sonst erforderliche
Einschränkung auszubilden, wodurch sich die Nutzflächen in diesen Partien vergrößern.
Die übrige, durch den abgesenkten Fußbodenteil gebildete Nutzfläche des Fahrzeuges
erstreckt sich in einer einstufig zugänglichen, auch im Bereich des Gelenkes gleichbleibenden
Höhe durchgehend über mehr als 2/3 der Fahrzeuglänge; in Verbindung mit der so ermöglichten
mehrfachen Anordnung von Seitentüren mit jeweils einstufigem Ein- und Ausstieg ist
das Fahrzeug für die Fahrgäste insgesamt bequem, schnell und sicher zugänglich und
begehbar.
[0011] Aus der Anordnung der gewichtserheblichen Teile der elektrischen Ausrüstung im Bereich
der beiden Triebdrehgestelle folgt weiter die Möglichkeit, den zwischen den Kopfpartien
gelegenen mittleren Teil des Fahrzeugaufbaues leichter auszubilden, so daß sich eine
Ersparnis zumindest bei den Materialkosten und eine Verringerung des Leergewichtes
ergeben, wobei durch die außerhalb der Fahrzeugquermitte getroffene Anordnung des
Laufdrehgestelles ein für die konstruktive Auslegung des Gelenkes frei nutzbarer Einbauraum
zur Verfügung steht.
[0012] Schließlich werden durch die vorgenannte, kompakte Anordnung der elektrischen Ausrüstung
und den tiefliegenden Fußbodenteil, der eine wesentlich geringere Höhe des Fahrzeugschwerpunktes
ergibt, optimale Laufeigenschaften, insbesondere hinsichtlich der Laufruhe des Fahrzeuges,
bewirkt.
[0013] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der Zeichnung an einem Stadtbahn-Gelenkwagen,
der für einen Fahrbetrieb in einer Richtung ausgeführt ist, dargestellt und wird im
folgenden näher beschrieben. Es zeigen
Fig. la die bugseitige, sich bis zur Mittelachse eines Gelenkes 7 erstreckende Hälfte
2b eines Fahrzeuges 2,
Fig. lb die heckseitige, sich bis zur Mittelachse des Gelenkes 7 erstreckende andere
Hälfte 2c des Fahrzeuges 2, jeweils im Aufriß;
Fig. 2a den Grundriß zu Fig. la,
Fig. 2b den Grundriß zu Fig. lb, jeweils unter Weglassung des Fahrzeugdaches.
[0014] Das Fahrzeug 2 weist im Bereich seiner Kopfpartien 2a jeweils ein Triebdrehgestell
1 auf, die mit größtmöglichem Abstand zueinander angeordnet sind. Oberhalb der Triebdrehgestelle
1 liegt in üblicher Höhe zur Schienenoberkante 11 jeweils ein Fußbodenabschnitt 3a,
die - wie auch die Kopfpartien 2a - in ihrer Längserstreckung gleich ausgebildet sind.
Durch die eingangs beschriebene Anordnung der Triebdrehgestelle 1 ergeben sich äußerst
kurze Überhänge, so daß die Kopfpartien 2a - wie in den Figuren 2a und 2b gezeigt
- und die Fußbodenabschnitte 3a rechteckförmig ausgebildet sind.
[0015] Auf dem bugseitigen Fußbodenabschnitt 3a, über dem einen Triebdrehgestell 1, sind
anschließend an einen Fahrerstand 9 zwei jeweils seitenwandseitig gelegene Räume 10
zur Aufnahme von Teilen der elektrischen Ausrüstung 4 gebildet, wobei die Räume 10
einen Zugang zum Fahrerstand 9 begrenzen.
[0016] Der heckseitige Fußbodenabschnitt 3a nimmt über dem anderen Triebdrehgestell 1 zwei
seitenwandseitig und einander gegenüberliegende Drei-Personensitze 6, zwischen denen
eine Stehplatzfläche gebildet ist, sowie einen dritten, heckwandseitig und quergelegenen
Drei-Personensitz 6 auf. Letzterer liegt höher als die beiden anderen Drei-Personensitze
6, wobei als Auftritt für den heckwandseitigen Drei-Personensitz 6 eine quergerichtete,
sich an die beiden seitenwandseitigen Drei-Personensitze 6 anschließende Stufe 3b
dient. Der Raum unter dem heckwandseitigen Drei-Personensitz 6 und der Stufe 3b ist
für den Einbau von Teilen der elektrischen Ausrüstung 4 nutzbar.
[0017] Die beiden strichpunktierten Linien in Fig. 2b sollen den gegenüber einer früheren
notwendigen Einschränkung erzielten Raumzuwachs verdeutlichen.
[0018] Zwischen den beiden Fußbodenabschnitten 3a und damit zwischen den Kopfpartien 2a
liegt ein Fußbodenteil 3, der eine über mehr als 2/3 der Fahrzeuglänge durchgehend
um die Höhe einer Trittstufe niedrigere Lage als bei den Fußbodenabschnitten 3a aufweist
und einstufig über drei Doppel-Seitentüren 5 zugänglich ist. Zwei dieser Doppel-Seitentüren
5 schließen sich an dem jeweiligen Fußbodenabschnitt 3a an. Die dritte Doppel-Seitentür
5 ist im Anschluß an das in Quermitte des abgesenkten Fußbodenteils 3 angeordnete,
die beiden Hälften 2b und 2c des Fahrzeuges 2 verbindende Gelenk 7 plaziert, dem ein
unter der bugseitigen Hälfte 2b des Fahrzeuges 2 angebrachtes Laufdrehgestell 8 mit
Rädern kleinen Durchmessers vorangeht.
1. Schienenfahrzeug, insbesondere Stadtbahnwagen, welches im wesentlichen ein mit
einem Antriebsmotor und einem Achsgetriebe ausgerüstetes, im Bereich einer Kopfpartie
(2a) des Fahrzeuges (2) angeordnetes Triebdrehgestell (1), ein Laufdrehgestell (8)
mit Rädern beträchtlich kleineren Durchmessers und einen Fußboden aufweist, der aus
einem auf den Bereich des Triebdrehgestelles (1) begrenzten Fußbodenabschnitt (3a)
und einem daran anschließenden, um die Höhe einer Trittstufe abgesenkten Fußbodenteil
(3) gebildet und über im Bereich des abgesenkten Fußbodenteils (3) befindliche Seitentüren
(5) einstufig zugänglich ist, wobei im Bereich des Triebdrehgestelles (1) die für
das Adhäsionsgewicht des Fahrzeuges (2) erheblichen Teile der elektrischen Ausrüstung
(4) angeordnet sind, dadurch gekennzeichnet, daß das Triebdrehgestell (1) und ein
im Bereich der anderen Kopfpartie (2a) des Fahrzeuges (2) vorgesehenes zweites Triebdrehgestell
(1) mit größtmöglichem Abstand zueinander angeordnet sind, der abgesenkte Fußbodenteil
(3) sich von dem Fußbodenabschnitt (3a) des einen Triebdrehgestelles (1) in konstanter
Höhenlage bis zu einem im Bereich des zweiten Triebdrehgestelles (1) entsprechend
dem Fußbodenabschnitt (3a) ausgebildeten und gewichtsbelasteten zweiten Fußbodenabschnitt
(3a) erstreckt und in seiner Quermitte ein Gelenk (7) zum Verbinden von Fahrzeughälften
(2b, 2c) aufweist, wobei das Laufdrehgestell (8) neben dem Gelenk (7) unter einer
Fahrzeughälfte (2b) angeordnet ist.
2. Schienenfahrzeug nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die beiden Kopfpartien
(2a) des Fahrzeuges (2) und damit auch die im Bereich der Triebdrehgestelle (1) angeordneten
Fußbodenabschnitte (3a) im Grundriß rechteckförmig ausgebildet sind.
3. Schienenfahrzeug nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die beiden
Kopfpartien (2a) des Fahrzeuges (2) und damit auch die im Bereich der Triebdrehgestelle
(1) angeordneten Fußbodenabschnitte (3a) zumindest in ihrer Längserstreckung gleich
ausgebildet sind.
4. Schienenfahrzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß
auf mindestens einer Fahrzeugseitenwand an den beiden Enden des abgesenkten Fußbodenteils
(3) jeweils eine Doppel-Seitentür (5) und an dem zum Gelenk (7) hin gelegenen Ende
der von dem Laufdrehgestell (8) freien Fahrzeughälfte (2c) eine weitere Doppel-Seitentür
(5) vorgesehen sind.
5. Schienenfahrzeug, ausgeführt insbesondere als Stadtbahnwagen für einen Fahrbetrieb
in einer Richtung, nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß der
Fußbodenabschnitt (3a) im Heck zur Aufnahme von drei mindestens Drei-Personensitzen
(6) eingerichtet ist, wobei zwei dieser Sitze (6) in Längsrichtung des Fahrzeuges
(2) seitenwandseitig gegenüberliegend, der dritte Sitz (6) in Querrichtung des Fahrzeuges
(2) heckwandseitig unter Ausbildung einer davorliegenden Stufe (3b) in diesem Fußbodenabschnitt
(3a) angeordnet sind.
6. Schienenfahrzeug, ausgeführt insbesondere als Stadtbahnwagen für einen Fahrbetrieb
in einer Richtung, nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß der
Fußbodenabschnitt (3a) im Bug zwei seitenwandseitig angeordnete, einander gegenüberliegende,
durch einen Zugang zum Fahrerstand (9) getrennte, abschließbare Räume (10) zur Unterbringung
von Teilen der elektrischen Ausrüstung (4) aufweist.