[0001] Die Erfindung betrifft ein kippbares Gefäß zur Behandlung von Gußeisenschmelzen mit
die Kugelgraphitbildung induzierenden Stoffen.
[0002] Kippbare Gefäße zur Behandlung von Gußeisenschmelzen mit. die Kugelgraphitbildung
induzierenden Stoffen sind im Stand der Technik bekannt. Bei einem aus DE-AS 22 16
796 bekannten, als um eine Querachse kippbarer Konverter ausgebildeten Gefäß der genannten
Art, ist an der Bodenfläche eine Kammer angebracht. Diese Kammer dient der Aufnahme
von Behandlungszusätzen und wird von außen beschickt und verschlossen. Die Kammerwände
weisen Öffnungen für den Durchtritt der Metallschmelze und der verdampfenden Zusatzmittel
auf. Die als Einfüll- und Abstichöffnung dienende Konverteröffnung ist mit einem Deckel
verschließbar. In der Horizontalstellung des Konverters erfolgt die Einfüllung der
Schmelze, wobei diese nicht mit dem Kammerinhalt in Berührung kommt.
[0003] Zur Behandlung der Schmelze mit dem Zusatz wird der Konverter in die Vertikalstellung
geschwenkt. Bei der bekannten Vorrichtung hat sich der Arbeitsaufwand für Beschickung,
Pflege und Wartung der Kammer als nachteilig herausgestallt. Ferner muß die behandelte
Schmelze in ein Zwischentransportgefäß eingefüllt und aus diesem in die Formen vergossen
werden.
[0004] Des weiteren ist aus DE-OS 25 14 490 ein zylindrisches Gefäß zur Behandlung von Metallschmelzen
bekannt, das um die Zylinderachse horizontal drehbar ist, eine Einfüll-und Abstichöffnung
besitzt, sowie einen durch einen Rost abgeteilten und von außen mit Behandlungsmittel
zu beschickenden und verschließbaren Innenraum aufweist. Derartige Behandlungsgefäße
haben in der technischen Praxis nicht in allen Fällen genügen können, da als Gießpfannen
geeignete und unter der Trommelpfanne anzuordnende Zwischengefäße zusätzlich erforderlich
sind. Weiterhin ist der Arbeitsaufwand für Material und Pflege des Rostes und Verschlusses
unwirtschaftlich.
[0005] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die genannten und weitere
Nachteile vorbekannter Verfahren und Vorrichtungen der beschriebenen Art zu vermeiden.
[0006] Zur Lösung dieser Aufgabe geht die Erfindung aus von einem feuerfest ausgekleideten,
kippbaren Gefäß zur Behandlung von Gußeisenschmelzen mit die Kugelgraphitbildung induzierenden
Stoffen, mit einer im Innenraum am Gefäßboden angeordneten Kammer zur Aufnahme des
Behandlungsmittels sowie einer mit Deckel verschließbaren Gefäßöffnung für Beschickung
und Entleerung. Bei einem Behandlungsgefäß der genannten Art ist die Erfindung gekennzeichnet
durch ein im wesentlichen zylindrisches Gefäß mit im Innenraum an einem Zylinderboden
angeordneter und mit der Gefäßwand eine, in Richtung Gefäßöffnung, oben offene Kammer
bildender Trennwand, wobei das Gefäß um eine Längsachse horizontal drehbar und um
eine Querachse in Vertikal- bzw. Horizontalstellung kippbar ist.
[0007] Das Behandlungsgefäß gemäß der Erfindung ist im allgemeinen von zylindrischer Form.
Beispielsweise ist ein Zylindermantel aus Stahl beidseitig mit vernieteten Böden verschlossen
und bildet auf diese Weise eine Trommel.
[0008] Die Längsachse des zylindrischen Behandlungsgefäßes gemäß vorliegender Erfindung,
um welche das Gefäß in horizontaler Lage gedreht wird, kann mittig verlaufen. In diesem
Fall ist die Zylinderachse die Drehachse. Zweckmäßig verläuft die Achse jedoch außermittig.
[0009] Die Querachse des erfindungsgemäßen zylindrischen Gefäßes verläuft in der Halbierungsebene
des Gefäßes. Hierbei verläuft die Achsrichtung vorzugsweise radial. Die Querachse
kann aber auch in Richtung einer Sekante verlaufen.
[0010] Für die Lagerung des Gefäßes in den jeweiligen Achsrichtungen sind achsiale Zapfen
bzw. Drehzapfen am Zylindermantel bzw. den Zylinderböden angebracht.
[0011] Bei einer besonderen Ausführungsform des Behandlungsgefäßes gemäß der Erfindung kann
die Längsachse auch außerhalb des zylindrischen Gefäßes verlaufen. Beispielsweise
ist bei Behandlungsgefäßen kleineren Füllvolumens an den beiden Zylinderböden ein
den Drehzapfen tragender Lagerbock angebracht, wobei die Drehzapfen außerhalb der
Projektion der Mantellinie liegen. Mit diesen Drehzapfen kann das Behandlungsgefäß
horizontal in ein geeignetes Kranhakengerüst oder Transportvorrichtung eingehängt
und um diese Längsachse gedreht werden. In diesem Fall wird die Drehung in einfacher
Weise z. B. mit einem Kettenzug bewirkt, der an der unteren Mantellinie vorzugsweise
mittig angreift.
[0012] Das erfindungsgemäße Behandlungsgefäß besitzt im Zylindermantel im Bereich des oberen
Zylinderbodens, auf Vertikalstellung bezogen, eine Öffnung. Diese dient der Einfüllung
des Behandlungsmittels in die Kammer und der Einfüllung der Gußeisenschmelze. Wenn
diese Öffnung auch als Abstichöffnung für die behandelte Gußeisenschmelze dienen kann,
so ist es doch vorteilhafter, das Gefäß im Bereich der Öffnung mit einem Gießsiphon
auszurüsten. Der Gießsiphon ermöglicht ein leichtes und schlackenfreies Vergießen
der behandelten Gußeisenschmelze direkt in die Formen. Der Siphon dient des weiteren
auch zum Ausgleich des bei der z. B. Magnesiumbehandlung entstehenden Überdrucks bei
geschlossenem Deckel. Der Gefäßdeckel wird mit an sich bekannten Mitteln, wie Schwenkverschlüssen,
geschlossen gehalten.
[0013] Die Gefäßöffnung weist im Bereich des - in Vertikalstellung - oberen Zylinderbodens
in dessen Randzone ein Schlackenwehr auf. Über dieses Schlackenwehr kann die behandelte
Gußeisenschmelze bei geöffnetem bzw. abgenommenem Deckel durch leichtes Neigen oder
Kippen des Gefäßes um die Querachse unter die Horizontallinie in einfachster Weise
entschlackt werden.
[0014] Am unteren Gefäßboden, auf Vertikalstellung bezogen, ist eine Trennwand außermittig
eingezogen. Die Trennwand besteht wie die Auskleidung des Gefäßes aus Feuerfestmaterial.
Zweckmäßig ist diese Trennwand eine ebene oder gewölbte Platte. Vorteilhaft hat die
Platte eine leichte Neigung zur Gefäßwand hin und bildet mit dem Gefäßboden in der
Kammer einen Winkel von 45 bis 90, vorzugsweise 60 bis 85 Winkelgraden. Diese leichte
Neigung verhindert das Herausrutschen des Behandlungsmittels während des Einschwenkvorgangs
aus der vertikalen Füllstellung in die Horizontalstellung, bei welcher die Schmelzeneinfüllung
erfolgt.
[0015] Das zylindrische Behandlungsgefäß gemäß der Erfindung wird anhand der Zeichnungen
näher und beispielhaft erläutert und eine Gußeischenbehandlung mit einem Magnesiumträger
beschrieben.
[0016] Fig. 1 zeigt in perspektivischer Sicht ein zylinderförmiges Gefäß 1 mit einem Stahlmantel
2. Die Böden 3 und 4 verschließen den Stahlzylinder 2, wobei der untere Zylinderboden
4 über den Stahlmantel hinaus verbreitert ist, um eine bessere Standfestigkeit beim
Absetzen des Gefäßes zu gewährleisten. Mit "L" ist eine Längsachse des Gefäßes bezeichnet,
die im dargestellten Fall mit der Zylinderachse zusammenfällt. Die Querachse ist mit
"Q" bezeichnet. An den Achsen sind geeignete, nicht näher gezeichnete Antriebseinrichtungen
angebracht. Beispielsweise kann der Achszapfen der Längsachse "L" mit einem Zahnrad
versehen und über ein Motorgetriebe das Gefäß in die Horizontale gedreht werden. Es
können aber auch am Gefäßmantel halbkreisförmige Zahnkränze vorgesehen werden. In
ähnlicher Weise können die Achszapfen der Querachse "Q" mit geeignet dimensionierten
Zahnrädern ausgerüstet sein. Eine besonders zweckmäßige Antriebseinrichtung besteht
darin, daß die Achszapfen der Querachse "Q" in den zu Achslagern ausgebildeten Enden
eines, den Gefäßmantel halbkreisförmig umgebenden Zahnkranzes gelagert sind. Über
den Zahnkranz erfolgt der Drehvorgang um die horizontale Längsachse, während der Kippvorgang
des Gefäßes in die Horizontal- bzw. Vertikalstellung über Zahnradantrieb bewirkt wird.
An der Gefäßöffnung 7 ist ein Gießsiphon angebracht. Mit 6 ist ein Schlackenwehr bezeichnet,
das in der Randzone des oberen Zylinderbodens 3 ausgespart ist. Die Gefäßöffnung 7
kann durch einen passend gestalteten, in der Figur nicht dargestellten Deckel verschlossen
werden. Am unteren Zylinderboden 4 bildet die plattenförmige Trennwand 9 mit der Gefäßwand
eine oben offene Kammer 10, die mit Behandlungsmittel 11 gefüllt ist.
[0017] Zur Behandlung einer Gußeisenschmelze mit die Kugelgraphitbildung induzierenden Stoffen,
wie Magnesiumträger, wird das Gefäß bei abgenommenem Deckel im allgemeinen in die
Vertikalstellung gebracht. Über die Gefäßöffnung 7 wird sodann der Magnesiumträger
in die unter der Öffnung befindliche Kammer 9, die nach oben offen ist, eingefüllt.
Dabei wird zweckmäßig ein trichterartiges Gerät verwendet, um eine sichere Plazierung
des Behandlungsmittels in die Kammer zu gewährleisten. In manchen Fällen kann es zweckmäßig
sein, den Magnesiumträger mit Eisenschrottmaterial abzudecken oder mit Materialien,
die eine Reaktion des Behandlungsmittels verzögern wie beispielsweise Gußspäne, Graphit,
Koksgrus, Calciumcarbid, Quarzsand, Tonminerale. Sodann wird das Gefäß aus der Vertikalstellung
in die Horizontalstellung geschwenkt. Hierdurch gelangt die Kammer in eine Position
etwa im oberen Drittel des waagerecht liegenden Zylinders. Gegebenenfalls kann das
Behandlungsmittel mittels z.B. eines lanzenförmigen Injektors in die offene Kammer
eingebracht werden, wobei das Gefäß in seiner horizontalen Lage nicht verändert zu
werden braucht. Bei diesem Füllvorgang kann ein Bewegungsvorgang des Behandlungsgefäßes
eingespart werden. Über die Öffnung 7 wird sodann die Gußeisenschmelze eingegeben
und das Gefäß etwa zu zwei Dritteln seines Volumens gefüllt. Dabei tritt der Badspiegel
in keinen direkten Kontakt mit dem Magnesiumträger. Bei geschlossenem Deckel wird
nunmehr das Gefäß rasch innerhalb etwa 2 bis 5 sec in die Vertikalstellung geschwenkt
und der Magnesiumträger mit dem gesamten Schmelzvolumen in Kontakt gebracht. Die Reaktion
ist innerhalb weniger Minuten beendet. Sodann wird das Gefäß in die Horizontalstellung
geschwenkt, der Deckel abgenommen und bei leicht unter die Horizontale geneigtem Gefäß
die Schmelze über das Wehr 6 abgeschlackt. Aus dem sodann wieder in die Horizontale
gebrachten Gefäß wird über den Gießsiphon 5 die behandelte und entschlackte Gußeisenschmelze,
gegebenenfalls nach vorheriger Impfung, direkt in Gießformen zu Gußwerkstoffen aus
Gußeisen mit Kugelgraphit abgegossen. Das entleerte Gefäß steht anschließend sofort
für einen neuen Behandlungsvorgang zur Verfügung.
[0018] In Fig. 2 ist das Gefäß gemäß der Erfindung im Längsschnitt vereinfacht dargestellt.
In die Auskleidung 8 des Gefäßbodens ist eine Trennwand 9 mit leichter Neigung zur
Gefäßwand eingezogen. Die hierdurch gebildete einseitig offene Kammer 10 ist mit Behandlungsmittel
11 gefüllt. Der Badspiegel 12 der eingefüllten Gußeisenschmelze hat keinen direkten
Kontakt mit dem Behandlungsmittel.
[0019] In Fig. 3 ist eine Ausführungsform des erfindungsgemäßen Behandlungsgefäßes dargestellt,
das für zu behandelnde kleinere Schmelzenvolumina besonders geeignet ist. Hierzu weist
das Gefäß zur Ermöglichung der Kippbewegung in die Horizontal/Vertikal-Stellung am
Zylindermantel befestigte Hohlprofile, z.B. Rohre oder U-Profile 13 auf. In diese
Profile können die Greifarme einer Drehvorrichtung eingreifen und den Zylinder um
die Querachse drehen. Im allgemeinen genügen für die Halterung des Zylinders zwei
Profile auf der einen, der-Gefäßöffnung abgewandten Mantelfläche. Eine größere Greifsicherheit
wird jedoch mit zwei oder vier, jeweils auf den Mantelflächen sich gegenüberliegenden
Profilen erzielt. Das zylindrische Behandlungsgefäß der Fig. 3 besitzt eine außerhalb
des Zylinders verlaufende Drehachse. Für die Drehung um die Horizontalachse sind beispielsweise
an den Zylinderböden Achsböcke 14 angebracht, an denen die achsialen Zapfen 15 sitzen,
mit welchen das Gefäß in eine Transportvorrichtung, wie Kranzug, eingehängt werden
kann. An der unteren Mantellinie greift an der Befestigungsvorrichtung, wie Öse, ein
z. B. Kettenzug an, dargestellt durch Kette 16.
[0020] Es wurde ferner ein Verfahren zum Behandeln von Gußeisenschmelzen mit die Kugelgraphitbildung
induzierenden Stoffen unter Verwendung des Behandlungsgefäßes gemäß der Erfindung
gefunden.
[0021] Bei einem Verfahren zur Herstellung von Gußeisen mit Kugelgraphit durch Behandeln
von, in einem mit Einfüll- bzw. Abstichöffnung versehenen kippbaren Gefäß befindlicher
Gußeisenschmelze mit einem Kugelgraphitbildner, der in eine am Gefäßboden befindliche
Reaktionskammer eingebracht und nach Kippen des Gefäßes in die Behandlungsstellung
mit der Gußeisenschmelze in Reaktionskontakt gebracht wird, besteht die Erfindung
darin, daß
a) bei Vertikal- oder Horizontalstellung des zylinderförmigen Gefäßes der Kugelgraphitbildner
durch die Einfüllöffnung in die oben offene Kammer eingefüllt wird,
b) Gußeisenschmelze in das in Horizontallage eingeschwenkte bzw. befindliche Gefäß
mit der Maßgabe eingefüllt wird, daß kein direkter Kontakt des Badspiegels mit dem
Kugelgraphitbildner stattfindet,
c) die Gußeisenschmelze mit dem Kugelgraphitbildner durch rasches Kippen des Gefäßes
in die Vertikalstellung zur Reaktion gebracht wird,
d) die behandelte Gußeisenschmelze durch Kippen des Gefäßes in eine um die Horizontallage
wenig geneigte Lage abgeschlackt wird, und
e) die abgeschlackte, behandelte Gußeisenschmelze durch Drehen des, in die Horizontallage
gebrachten, zylindrischen Gefäßes um eine Längsachse über einen Gießsiphon vergossen
wird.
[0022] Als Kugelgraphitbildner eignen sich beispielsweise Mag--nesium enthaltende Legierungen
auf Basis von Nickel oder Ferrosilicium mit Magnesiumanteilen zwischen 1 und 50 %
oder auch Reinmagnesium. Ferner Magnesium enthaltende Preßkörper oder mit Magnesium
imprägnierte poröse Körper.
[0023] Magnesiumvorlegierungen enthalten zweckmäßig noch Metalle der Seltenen Erden wie
Cer oder Cermischmetall. Letztere können auch als solche getrennt neben der Magnesiumvorlegierung
vorliegen.
[0024] Die Vorteile des erfindungsgemäßen Gefäßes sind darin zu sehen, daß Verschlackungsprobleme
der Behandlungskammer und damit Reinigungsbehandlungen mit z. B. Flußmittel vermieden
werden. Es werden kurze Behandlungszeiten mit hoher Ausbeute erzielt. Ferner ist eine
Vorwärmung des Gefäßes nicht erforderlich. Des weiteren wird für das erfindungsgemäße
Gefäß kein Zwischengefäß zwischen Schmelzofen und Behandlungsgefäß und zwischen Behandlungs-
und Gießgefäß benötigt. Das Gefäß gemäß der Erfindung ermöglicht vorteilhaft eine
Schmelzenbehandlung, die zeitlich erheblich nach dem Füllvorgang und auch räumlich
an anderer Stelle des Betriebes erfolgen kann.
[0025] Zusammenfassend bietet die Erfindung die Vorteile eines quasi Einpfannensystems für'Behandeln,
Impfen, Transport und Gießen der Eisenschmelze, eine höhere Mg-Ausbeute, kein Erfordernis
der Abdeckung der Mg-Träger, praktisch rauch- und lichtfreie Reaktion, geringer Temperaturverlust,
kein Schmelzenauswurf, sowie kein Anfall von Resteisen.
[0026] In den folgenden Beispielen wird die Behandlung einer Gußeisenschmelze mit einem
Magnesiumträger zur Herstellung von Gußeisen mit Kugelgraphit näher und beispielhaft
beschrieben, wobei ein, mit neutralem Pfannenfutter ausgekleidetes Behandlungsgefäß
gemäß Figur3 zum Einsatz gelangte.
Beispiel 1
[0027] In die am Gefäßboden befindliche Kammer des Behandlungsgefäßes wurde bei Vertikalstellung
des Gefäßes eine Magnesiumlegierung einer Körnung von 1 bis 3 mm und in einer Menge
von 1,5 Gew.-% (auf Gußeisenmenge bezogen) mittels einer trichterförmigen Vorrichtung
durch die Gefäßöffnung eingefüllt. Die Legierung hatte die Zusammensetzung

[0028] Nach Einschwenken des Behandlungsgefäßes in die Horizontalstellung wurden 1.500 kg
einer Eisenschmelze einer Temperatur von 1 460 °C durch die Einfüllöffnung eingegossen
und die Öffnung anschließend mit einem Deckel verschlossen. Die Eisenschmelze hatte
folgende Zusammensetzung:

[0029] Das Behandlungsgefäß wurde sodann innerhalb von 3 Sekunden aus der Horizontalstellung
in die Vertikalstellung gedreht. Die Reaktion verlief ruhig, gleichmäßig, ohne Auswurf,
praktisch rauch- und lichtfrei und war in 65 Sekunden beendet. Hierauf wurde das Gefäß
in die Horizontalstellung eingeschwenkt und nach Abnahme des Deckels und leichter
Neigung des Gefäßes unter die Horizontallinie die Schmelze abgeschlackt. Bei wiederum
in die
[0030] Horizontalstellung gebrachtem Gefäß wurde eine Impfbehandlung mit 0,2 Gew.-% Ferrosilicium
(FeSi 75) vorgenommen. Die Gußeisenschmelze hatte nunmehr eine Temperatur von 1 405
°C und wurde durch Drehen des Gefäßes um die Längsachse aus dem Gießsiphon in Formen
vergossen. Die Analyse für den Magnesiumgehalt ergab 0,070 %.
[0031] Dies entspricht einer Magnesiumausbeute von ca. 88 %.
[0032] In den Gußstücken war der Graphit zu 90 % als Kugelgraphit ausgebildet. Die Anzahl
der Kugeln betrug 250 pro mm
2. Das Gefüge war zementitfrei und enthielt 90 % Ferrit und 10 % Perlit.
[0033] In Vergleichsversuchen wurde unter gleichen Versuchsbedingungen, jedoch unter Verwendung
einer üblichen, offenen schlanken Behandlungspfanne eine Magnesiumausbeute von unter
60 %, in aller Regel von etwa 50 % erzielt.
Beispiel 2
[0034] In die Kammer des in Horizontalstellung befindlichen Behandlungsgefäßes wurden durch
die Einfüllöffnung mittels eines lanzenförmigen Injektors 1,0 Gew.-% (auf Eisenschmelze
bezogen) einer Magnesiumlegierung der Korngröße 1 bis 5 mm eingebracht. Die Magnesiumlegierung
hatte die Zusammensetzung

[0035] Sodann wurden in Horizontalstellung des Gefäßes 750 kg einer Eisenschmelze von 1
455 °C und folgender Zusammensetzung eingegossen:

[0036] Bei geschlossenem Deckel wurde das Gefäß sodann in knapp 3 Sekunden in die Vertikalstellung
geschwenkt und eine ruhig und ohne Auswurf erfolgende Schmelzenbehandlung in etwa
55 Sekunden erzielt. Die Schwenk- und Drehbewegung des Gefäßes für Abschlackung und
Impfung (0,1 % FeSi 75) sowie Abguß erfolgte entsprechend der Arbeitsweise in Beispiel
1. Die Gießtemperatur beim Abguß in die Formen betrug 1 395 °C. Der Restmagnesiumgehalt
im Gußstück wurde zu 0,068 % ermittelt, was einer Mg-Ausbeute von ca. 70 % entspricht.
Die Kugelgraphitausbildung betrug 90 %. Die Anzahl der Graphitkugeln wurde zu 300
pro mm
2 festgestellt. Das Gefüge wies zu 88 % Ferrit und zu 12 % Perlit auf und war zementitfrei.
[0037] Bei einem Vergleichsversuch einer Behandlung der Gußeisenschmelze in einer üblichen
schlanken und offenen Pfanne wurde unter sonst gleichgehaltenen Versuchsbedingungen
eine Magnesiumausbeute von 45 % erzielt.
1. Feuerfest ausgekleidetes kippbares Gefäß zur Behandlung von Gußeisenschmelzen mit
die Kugelgraphitbildung induzierenden Stoffen, mit einer im Innenraum am Gefäßboden
angeordneten Kammer zur Aufnahme des Behandlungsmittels sowie einer mit Deckel verschließbaren
Gefäßöffnung für Beschickung und Entleerung, gekennzeichnet durch ein im wesentlichen
zylindrisches Gefäß mit im Innenraum an einem Zylinderboden angeordneter und mit der
Gefäßwand eine, in Richtung Gefäßöffnung, oben offene Kammer bildender Trennwand,
wobei das Gefäß um eine Längsachse horizontal drehbar und um eine Querachse in Vertikal-
bzw. Horizontalstellung kippbar ist.
2. Behandlungsgefäß nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Trennwand als
ebene oder gewölbte Platte ausgebildet ist.
3. Behandlungsgefäß nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Trennwand
mit dem Gefäßboden in der Kammer einen Winkel von 45 bis 90°, vorzugsweise 60 bis
850, bildet.
4. Behandlungsgefäß nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Längsachse
mittig oder außermittig verläuft.
5. Behandlungsgefäß nach den Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Querachse
radial oder in Richtung einer Sekante verläuft.
6. Behandlungsgefäß nach den Ansprüchen 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Gefäßöffnung,
auf Vertikalstellung bezogen, im Bereich des oberen Zylinderbodens im Zylindermantel
und verschließbar angeordnet ist.
7. Behandlungsgefäß nach den Ansprüchen 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Kammer,
auf Vertikalstellung bezogen, unter der Gefäßöffnung am unteren Zylinderboden angebracht
ist.
8. Behandlungsgefäß nach den Ansprüchen 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß an der
Gefäßöffnung in der Randzone des oberen Zylinderbodens ein Schlackenwehr angebracht
ist.
9. Behandlungsgefäß nach den Ansprüchen 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß an der
Gefäßöffnung ein Gießsiphon angebracht ist.
10. Verfahren zum Herstellen von Gußeisen mit Kugelgraphit durch Behandeln von - in
einem mit Einfüll- bzw. Abstichöffnung versehenen kippbaren Gefäß befindlicher - Gußeisenschmelze
mit einem Kugelgraphitbildner, der in eine am Gefäßboden befindliche Kammer eingebracht
und nach Kippen des Gefäßes in Behandlungsstellung, mit der Gußeisenschmelze in Reaktionskontakt
gebracht wird, dadurch gekennzeichnet, daß
a) bei Vertikal- oder Horizontalstellung des zylinderförmigen Gefäßes der Kugelgraphitbildner
durch die Einfüllöffnung in die oben offene Kammer eingefüllt wird,
b) Gußeisenschmelze in das in Horizontallage eingeschwenkte bzw. befindliche Gefäß
mit der Maßgabe eingefüllt wird, daß kein direkter Kontakt des Badspiegels mit-dem
Kugelgraphitbildner stattfindet,
c) die Gußeisenschmelze mit dem Kugelgraphitbildner durch rasches Kippen des Gefäßes
in die Vertikalstellung zur Reaktion gebracht wird,
d) die behandelte Gußeisenschmelze durch Kippen des Gefäßes in eine um die Horizontallage
wenig geneigte Lage abgeschlackt wird, und
e) die abgeschlackte, behandelte sowie gegebenenfalls geimpfte Gußeisenschmelze durch
Drehen des, in die Horizontallage gebrachten, zylindrischen Gefäßes um eine Längsachse
über einen Gießsiphon vergossen wird.