[0001] Die Erfindung betrifft einen Überspannungsableiter mit einem gasdichten Gehäuse,
in dem kegelstumpfförmige Elektroden einen Spalt bildend einander gegenüberstehen,
die in die Enden eines rohrförmigen Isolierkörpers eingesetzt sind, auf dessen Innenseite
sich mindestens ein Strich aus elektrisch leitfähigem Material als Zündstrich über
einen Teil der Rohrlänge in Richtung von der einen zur anderen Elektrode erstreckt.
[0002] Ein derartiger Überspannungsableiter ist aus der DE-AS 23 46 174 bekannt. Bei diesem
Überspannungsableiter soll die Ansprechspannung vom Abstand des Zündstriches zur Gegenelektrode
unbeeinflußt sein. Hierzu ist vorgesehen, daß der an der einen Elektrode angebundene
Zündstrich sich über die Höhe des Spaltes hinaus erstreckt und der Abstand des Zündstriches
zur Gegenelektrode größer als der Spalt zwischen den beiden Elektroden ist.
[0003] Es besteht seit langem der Wunsch, Üboerspannungsableiter einzusetzen, deren Zündspannung
im Hellen wie im Dunkeln gleiche Werte hat. Ableiter, die keine radioaktiven Stoffe
enthalten, haben jedoch folgende Eigenschaft: Bringt man die Ableiter vom hellen Raum
ins Dunkle, so liegt ihre Zündspannung etwa 2 % oberhalb der bei Raumhelligkeit. Liegen
die Ableiter mehrere Stunden oder'Tage im Dunkeln, so steigt ihre Zündspannung bis
auf den doppelten Wert, wobei das Kollektiv streut zwischen 2 % und 100 % Drift.
[0004] Um Überspannungsableiter im Dunkeln einsetzen zu können, wurden bisher radioaktive
Stoffe im Ableiter verwendet. Gasentladungsröhren, insbesondere Überspannungsableiter,
dieser Art gehen beispielsweise aus der DE-AS 1 188 708 als bekannt hervor. Zur Vorionisation
der Gasfüllung, die z.B. aus Argon oder Helium besteht, ist auf der Innenseite eines
rohrförmigen Isolierkörpers im Bereich zwischen den Elektroden ein ringförmiges Band
aus Nikkel 63 aufgebracht. Auch Krypton hat sich zur Vorionisation bewährt.
[0005] Zur Vorionisation der Gasfüllung sind praktisch alle festen oder gasförmigen radioaktiven
Präparate geeignet, deren Halbwertszeit in der Größenordnung der Bauelementslebensdauer
liegt. Als Gase werden neben Krypton 85 auch Tritium und als feste Stoffe Promethium
147 oder Radium 226 verwendet. Der schwerwiegende Nachteil der Verwendung radioaktiver
Präparate besteht darin, daß wegen deren pulver- oder gasförmiger Beschaffenheit immer
die Möglichkeit einer Kontamination der Umgebung besteht. Radioaktive Stoffe erfordern
daher umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen beim Hersteller von Ableitern wie bei dessen
Abnehmern. Außerdem ist die Entsorgung von defekten Ableitern problematisch.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Gasentladungs-Überspannungsableiter
zu schaffen, bei dem keine radioaktiven Stoffe verwendet werden und der im Dunkeln
nur die 2 % Drift der Zündspannung hat, die durch die Abhängigkeit des Auslösekoeffizienten
vom Licht verursacht wird. Zur Lösung dieser Aufgabe ist bei einem Überspannungsableiter
der eingangs genannten Art erfindungsgemäß vorgesehen, daß der Zündstrich 3 an eine
Elektrode 1, 2 angebunden ist und in einem Abstand a gegenüber der Seitenwand und
einem Abstand b vor der zweiten Elektrode (1, 2) endet, wobei mindestens einer der
beiden Abstände a oder b kleiner ist als die Spaltlänge c.
[0007] Gemäß einer Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, daß der Zündstrich 3 an beide
Elektroden nicht angebunden ist, jedoch mindestens eine der beiden Summen der Zündstrichabstände
a
1 + a
2 oder b
1 + b
2 kleiner ist als die Spaltlänge c.
[0008] Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, daß
der Zündstrich 3 an beiden Enden mit der jeweiligen Elektrode (1, 2) elektrisch leitend
verbunden ist und eine Unterbrechung vorzugsweise außerhalb des Spaltraumes aufweist,
deren Länge 1 kleiner als die Spaltlänge c ist.
[0009] Die Elektroden sind dabei auf ihren aktiven Oberflächen mit einer Aktivierungsmasse
versehen, deren Auslösekoeffizient größer ist als der Auslösekoeffizient des Materials
des Zündstriches, für das Bleistiftgraphit besonders geeignet ist.
[0010] Vorzugsweise endet der Zündstrich in einem Abstand a vor der jeweiligen Elektrode,
der kleiner ist als die halbe Spaltlänge c.
[0011] Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist der Abstand a
bzw. a
1 + a
2 der Enden des Zündstriches zur jeweiligen Seitenwand der Elektroden kleiner als der
Abstand b bzw. b
1 + b
2 zum Boden der Elektroden.
[0012] Sofern der rohrförmige Isolierkörper aus Glas besteht, ist es vorteilhaft zum Aufbringen
des Zündstriches den Isolierkörper zumindest auf seiner Innenseite durch Ätzen aufzurauhen.
[0013] Bei einem bevorzugten Verfahren zum Herstellen eines Überspannungsableiters mit einer
Unterbrechung des Zündstriches werden die Zündstrichabstände zunächst zu klein gemacht
und nach gasdichtem Verschließen des Ableiters durch Anlegen einer Spannung und Zündung
des Ableiters auf Sollmaß abgebrannt. Dabei ist es zweckmäßig, der Gasatmosphäre des
Ableiters beim Einschmelzen der Elektroden 0,1 % bis 10 % Sauerstoff hinzuzufügen,
so daß die Verbrennung des als Material für den Zündstrich verwendeten Grafits beschleunigt
wird.
[0014] Bei der vorliegenden Erfindung wird von folgenden Erkenntnissen ausgegangen:
In jedem Ableiter-Kollektiv sind Exemplare vorhanden, die auch ohne radioaktive Stoffe
gute Zündeigenschaften im Dunkeln haben.
Die Berechnung der Laufzeit von Elektronen und Ionen im Ableiter zeigt, daß beim Anlegen
einer Spannung von z.B. 15 Volt alle Elektronen in 1 ns und alle Ionen in wenigen
/us aus dem Gasraum an die Elektroden gelangen und neutralisiert werden. Ableiter ohne
radioaktive Stoffe müßten daher unmittelbar nach Einbringen ins Dunkle bei Anlegen
der sägezahnförmig ansteigenden Zündspannung ihre hohen Zündverzögerungen haben und
nicht erst Stunden:oder Tage später.
Außerdem reicht ein freies Elektron, um den Ableiter durchzuzünden, und dies muß nicht
unbedingt von einer radioaktiven Substanz kommen, sondern kann.infolge der Höhenstrahlung
oder der Aktivierungsmasse oder auch der Feldemission auf den Ableiterelektroden oder
der Feldemission längs der Zündstrichunterbrechung generiert worden sein.
[0015] An Hand in den Figuren der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispielen soll die
Erfindung weiter erläutert werden.
[0016] Sowohl der in Fig. 1 als auch der in Fig. 2 und Fig. 3 . schematisch im Schnitt dargestellte
Überspannungsableiter besteht aus einem gasdichten Gehäuse, in dem kegelstumpfförmig
Elektroden 1, 2 einen Spalt c bildend einander gegenüberstehen, die in die Enden eines
rohrförmigen Isolierkörpers 4 eingesetzt sind. Auf der Innenseite des Isolierkörpers
4 erstreckt sich mindestens ein Strich aus elektrisch leitfähigem Material als Zündstrich
3 über einen Teil der Rohrlänge in Richtung von der einen Elektrode zur Anderen Elektrode.
Bei dem Ausführungsbeispiel nach Fig. 1 endet der Zündstrich 3 in einem Abstand b
vor der jeweiligen-Elektrode 1 bzw. 2, wobei mindestens einer der beiden Abstände
a oder b kleiner ist als die Spaltlänge c. Der Abstand a der Enden des Zündstriches'3
zur jeweiligen Seitenwand der Elektroden 1, 2 ist dabei vorzugsweise kleiner als der
Abstand b zum Boden der Elektroden 1, 2, weil dies eine gute Isolation zwischen den
Elektroden bedingt. Bei dem Ausführungsbeispiel nach Fig. 2 ist der Zündstrich 3 mit
keiner der beiden Elektroden 1, 2 elektrisch leitend verbunden. Daher ist hier mindestens
eine der beiden Zündstrichabstandssummen a
1 + a
2 oder b
1 + b
2 kleiner als der Elektrodenabstand c.
[0017] Bei dem Ausführungsbeispiel nach Fig. 3 ist der Zündstrich 3 mit beiden Elektroden
1, 2 verbunden. Hier ist der Zündstrich 3 außerhalb des Brennraumes über die Länge
1 unterbrochen, wobei 1 kleiner als der Elektrodenabstand ist.
1. Überspannungsableiter mit einem gasdichten Gehäuse, in dem kegelstumpfförmige Elektroden
einen Spalt bildend einander gegenüberstehen, die in die Enden eines rohrförmigen
Isolierkörpers'eingesetzt sind, auf dessen Innenseite sich mindestens ein Strich aus
elektrisch leitfähigem Material als Zündstrich über einen Teil der Rohrlänge in Richtung
von der einen zur anderen Elektrode erstreckt, dadurch gekennzeichnet , daß der Zündstrich
(3) an eine Elektrode (1, 2) angebunden ist und in einem Abstand (a) gegenüber der
Seitenwand und einem Abstand .(b) vor der zweiten Elektrode (1, 2) endet, wobei mindestens
einer der beiden Abstände (a) oder (b) kleiner ist als die Spaltlänge (c).
.Überspannungsableiter nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet , daß der Zündstrich
(3) an beide Elektroden nicht angebunden ist, jedoch mindestens eine der beiden Summen
der Zündstrichabstände (a1 + a2)oder(b1 + b2)kleiner ist als die Spaltlänge (c).
3. Überspannungsableiter nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet , daß der Zündstrich
(3) an beiden Enden mit der jeweiligen Elektrode (1, 2) elektrisch leitend verbunden
ist und eine Unterbrechung. vorzugsweise außerhalb des Spaltraumes aufweist, deren
Länge (1) kleiner als die Spaltlänge (c) ist.
4. Überspannungsableiter nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet , daß der
Abstand (a)bzw.(a1 + a2) der Enden des Zündstriches (3) zur jeweiligen Seitenwand der Elektroden (1, 2) kleiner
ist als der Abstand (b)bzw.(b1 + b2) zum Boden der Elektroden (1, 2)
5. Überspannungsableiter nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet
, daß die Elektroden (1, 2) auf ihren aktiven Oberflächen mit einer Aktivierungsmasse
versehen sind, deren Auslösekoeffizient größer ist als der Auslösekoeffeizient des
Materials des Zündstriches (3).
6. Überspannungsableiter nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet
, daß der Zündstrich (3) aus Bleistiftgraphit besteht.
7. Überspannungsableiter nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet
, daß der rohrförmige Isolierkörper (4) aus Glas besteht und zumindest auf seiner
Innenseite durch Ätzen aufgerauht ist.
8. Verfahren zum Herstellen eines Überspannungsableiters mit einer Unterbrechung des
Zündstriches nach einem der Ansprüche 1 bis 39. dadurch gekennzeichnet , daß die Zündstrichabstände zunächst zu klein gemacht werden
und nach gasdichtem Verschließen des Ableiters durch Anlegen einer Spannung und Zündung
des Ableiters auf Sollmaß abgebrannt werden.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet , daß der Gasatmosphäre des Ableiters
beim Einschmelzen der Elektroden (1, 2) 0,1 % bis 10 % Sauerstoff hinzugefügt werden,
so daß die Verbrennung des als Material für den Zündstrich (3) verwendeten Graphits
beschleunigt wird.