[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Reinigung von Gasen
und Flüssigkeiten und/oder zur Wiedergewinnung von darin enthaltenen Partikeln oder
gelösten Stoffen oder zur Durchführung anderer verfahrenstechnischer Prozesse.
[0002] Normalerweise durchläuft bei verfahrenstechnischen Prozessen ein gasförmiges oder
flüssiges Medium eine Reihe von Prozeßstufen, in welchen verschiedene chemische und/
oder physikalische Reaktionen solange ablaufen bzw. stattfinden, bis ein angestrebter
Zustand des Mediums erreicht ist. Dies gilt für Produktionsprozesse ebenso wie für
Prozesse zur Abwasser- oder Abluftbehandlung bzw. deren Aufbereitung (z.B. Trinkwasser)
und für die Kreislaufführung von verschiedenen Stoffen.
[0003] Aus der Praxis sind aus zahlreichen Behältern aufbauende und mittels Rohrleitungen
miteinander verbundene Ionenaustauscheranlagen bekannt. Diese Ionenaustauscherbehälter
haben u.a. den Nachteil, dass die einzelnen Behälter nicht bis zur vollen Kapazität
nutzbar sind, weil das dazu verwendete Ionenaustauscherharz zur Sicherstellung gegen
Ionendurchbruch teilweise unbeladen bleiben muß.
[0004] Aus der DE-PS 2 602 232 ist eine Einrichtung zur Wiedergewinnung von in Spülwassern
von Galvanisieranlagen befindlichen Metallen mit mindestens zwei hintereinander geschalteten
transportablen Ionenaustauscherbehältern und einem vorgeschaltetem Filter bekannt,
bei der die von unten nach oben durchströmten, oben und unten mit einem Sieb abgedeckten
und an den Rändern mit umlaufenden Dichtungen versehen, ebenfalls mit Ionenaustauscherharz
gefüllten Ionenaustauscherbehälter vertikal übereinander angeordnet sind.
[0005] Nachteilig ist bei den verfahrenstechnischen Prozeßstufen (z.B. Mischen, Trennen,
Ausfällen, Abscheiden u.ä.) und den dazu verwendeten Vorrichtungen, dass die hierfür
notwendigen Prozeßstufen in nur dazu speziell dafür ausgelegten getrennten ortsfesten
Anlagen durchführbar sind. Das heisst, dass damit ein relativ hoher Aufwand an Gerätetechnik,
dazu benötigtem Platz und Bedienung verbunden ist.
[0006] Davon ausgehend ist es Aufgabe der Erfindung, diese bekannten und an sich bewährten
Verfahrenstechnologien in unterschiedlich oder gleich gefüllte als Module ausgebildete
transportable Behälter zu einer Reaktionssäule zusammenfassen, um dadurch mehrere
Prozeßstufen platz- und kostensparend in einer Reaktionssäule durchzuführen und einzelne
Behälter bzw. Module erforderlichenfalls auszuwechseln oder extern zu regenerieren.
[0007] Erfindungsgemäss sind zur Lösung der gestellten Aufgabe die kennzeichnenden Merkmale
von Anspruch 1 und die der ihm folgenden Unteransprüche vorgesehen.
[0008] Der Vorteil der Erfindung besteht darin, dass durch den modularen Aufbau der einzelnen
mit voneinander unterschiedlichen oder gleichen Substanzen gefüllten und zu einer
Geräteeinheit bzw. Reaktionssäule zusammengefassten Behälter, eine für die Prozessführungen
äusserst kompakte Bauweise erzielt wird und die Anlage problemlos sich ändernden Mengenströmen
oder Aufgabenstellungen anpassbar ist. In Verbindung mit einem Dienstleistungssystem,
in welchem die Regenerierung bzw. Reaktivierung der einzelnen Module zentral abläuft,
wie es beispielsweise für die Ionenaustauschertechnik in der Galvanik bekannt ist,
ergeben sich für die einzelnen ein System bildenden Module Anwendungen, welche bisher
für den Einsatz einiger der bekannten Verfahrensstufen zumindest teilweise verschlossen
waren.
[0009] Bei den Verfahrensstufen handelt es sich z.B. um Filterung, Ionenaustausch, elektrochemische
Prozesse, Mischen, katalytische Prozesse, Trennen, Anreichern, Regenerieren, Ausfällen,
Abscheiden. Als aktive Substanzen bzw. Baugruppen kommen vorzugsweise Ionenaustauscherharze,
Adsorberharze, Aktivkohle, Kieselgur, Aluminiumoxid, gebrannter Kalk, granulierter
Torf, sowie Molekularsiebe, mechanische Filter, Membranen, Elektrolysezellen, Katalysatoren
u.a. zum Einsatz.
[0010] Die einzelnen Module sind beim Gegenstand der Erfindung zwar ähnlich der bekannten
Einrichtungen in einer Säule übereinander angeordnet, unterscheiden sich aber davon
im wesentlichen dadurch, dass hierbei ein Verfahren verwandt wird, bei dem die Behälter
mit unterschiedlichen aktiven Substanzen bzw. Baugruppen befüllt sind und/oder bei
dem die Durchströmung nicht nur in einem einzigen Strom in einer Richtung von unten
nach oben oder umgekehrt und von einem Modul in den anderen, also vom Boden zum Deckel
erfolgt, sondern auch innerhalb der einzelnen Module von mehreren Strömen in bzw.
aus verschiedenen Richtungen. Dazu sind einzelne Module mit seitlichen Anschlüssen
und/ oder einem zentralen Durchgang (z.B. Rohr) zur Beaufschlagung benachbarter Module
versehen.
[0011] Sollen z.B. nach Vorbehandlung eines Teilstromes zwei Teilströme miteinander vermischt
werden, so strömt ein Teilstrom durch ein oder zwei erste Reaktionsmodule, um anschliessend
zusammen mit dem anderen Teilstrom als Gemisch durch weitere nachgeschaltete Reaktionsmodule
zu strömen.
[0012] Bei einer getrennten Strömungsführung kann z.B. ein Modul als Hochdruckbauteil und
die diesem nachgeschaltete Module als Niederdruckbauteile ausgelegt sein. Dabei können
die
Reaktionsmodule in voneinander unterschiedlichen Baulängen und Bauweisen ausgeführt
sein. Die Baulänge bzw. Bauhöhe der einzelnen Behälter bzw. Module ist, um einen Austausch
oder eine Möglichkeit zu ihrer freien Kombination untereinander zu gewährleisten,
ein ganzzahliges Vielfaches oder ein Teil ihrer Standardhöhe bzw. -länge.
[0013] Zur Behandlung von beispielsweise zwei getrennten Stoffströmen werden die Ströme
entweder über freies Gefälle oder extern angeordnete Pumpen gefördert.
[0014] Ausführungsbeispiele sind folgend beschrieben und durch Skizzen erläutert.
[0015] Es zeigen:
Fig. 1 eine Vorrichtung zum Mischen nach Vorbehandlung eines Teilstromes und zurweiterbehandlung
eines Mischstromes,
Fig. 2a, 2b Vorrichtung gemäss Fig. 1 in schematisierter Darstellung mit Reaktionsmodulen
unterschiedlicher Baulängen und Bauweisen,
Fig. 3 eine Vorrichtung zur getrennten Behandlung von zwei getrennten Stoffströmen.
[0016] Aus Fig. 1 ist eine aus vier übereinander angeordneten Behältern bzw. Modulen 1,
2, 3, 4 bestehende, über eine Bodenwanne 5 angeordnete und in einer käfigartig ausgestalteten
Schnellspannvorrichtung 6 gehaltene Reaktionssäule 7 ersichtlich, in welcher zwei
Teilströme X und Y von zu behandelnden Medien miteinander vermischt und verfahrenstechnischen
Prozessen unterzogen werden.
[0017] Von den vier in der Schnellspannvorrichtung 6 übereinander angeordneten Behältern
bzw. Modulen 1, 2, 3, 4, ist der untere z.B. als Elektrolysemodul bzw. -zelle 1' ausgebildet,
auf welchen die z.B. mit einem Ionenaustauscherharz Ja (siehe Modul 2 im Schnitt)
beschichteten Behälter bzw. Module 2, 3, 4 übereinander angeordnet sind. Der Elektrolysemodul
1 ist als Kathodenwanne 1" mit Aussenwand 8 und einem damit fest verbundenen und mit
einer zentralen Bohrung 9 versehenen Boden 10 ausgebildet. Von oben ist der Elektrolysemodul
1' bzw. die
Kathodenwanne 1" von einem, gleichfalls mit einer zentralen Bohrung 11 versehenen und
gegen die Kathodenwanne 1" elektrisch isolierten e
is Deckel 12 abgedeckt. Boden 10 und Deckel 12 bzw. deren Bohrungen 9 und 11 verbindet
ein im Elektrolysemodul 1' zentral angeordnetes Durchströmungsrohr 13. Am Deckel 12
sind Anodenstäbe 14, 15 angeordnet, welche in die Kathodenwanne 1" ragen. Die Behälter
bzw. Module 1, 2, 3, 4 sind an ihren Enden mit an sich bekannten Filterelementen 16
(z.B. Siebe, Membranen, Diaphragmen u.ä.) versehen.
[0018] Während der eine Teilstrom X in die unterhalb der Reaktionssäule 7 angeordnete Bodenwanne
5 durch ein Zuflussrohr 17 einströmt, wird der andere Teilstrom Y zunächst durch ein
die Aussenwand 8 durchstossendes Zuflussrohr 18 in die Kathodenwanne 1" zugeführt.
Nach hierin erfolgter Elektrolyse strömt der behandelte Teilstrom Y durch ein die
Aussenwand 8 durchstossendes Abflussrohr 19 in die Bodenwannde 5 und wird hierin mit
dem darin befindlichen Teilstrom X vermischt. Die nunmehr hier miteinander vermischten
Teilströme X und Y werden, z.B. mittels einer in der Bodenwanne 5 vorgesehenen Pumpe
20, durch das im Elektrolysemodul 1' bzw. in der Kathodenwanne 1" eingesetzte zentrale
Durchströmungsrohr 13 in die darüber angeordneten Behälter bzw. Ionenaustauschermodule
2, 3, 4 und von dort in eine daran angeschlossene Leitung 21 gedrückt. Die einzelnen
Behälter bzw. Module 1', 2', 3', 4' sind an ihren Verbindungsflächen (Deckel-Boden)
mit Dichtungen 22 versehen, um Leckverluste der zu behandelnden Medien zu vermeiden.
Selbstverständlich ist die Anordnung der einzelnen Behälter bzw. Module 1', 2', 3',
4' kombinierbar. Das heisst, dass die Teilströme verschiedene Kombinationen durchströmen
können. Zum Beispiel, dass, wie vorher beschrieben, das Modul 1 als Elektrolysezelle
1', die Module 2, 3, 4 als Ionenaustauscher Ja oder das Modul 1' als mechanischer
Filter, die Module 2', 3', 4' als Molekularsiebe oder in einer davon abgewandelten
und mit anderen an sich bekannten Filter- und/oder Reaktionselementen ausgebildet
und durchströmt sind.
[0019] Die Fig. 2a und 2b stellen schematisierte Vorrichtungen dar, bei welchen die Reaktionsmodule
1', 2', 3', 4' voneinander unterschiedliche Baulängen l, 1
1, 1
2, 1
3 und Bauweisen für den Einsatz als Reaktionssäulen 7 aufweisen. Die Baulängen l, 11,
1
2, 1
3 sind dabei so gewählt, dass z.B. die über das Modul 1' nachgeordnete Module 2', 3',
4' jeweils um die Hälfte kleiner bzw. kürzer sind, als das vorgeordnete Modul; also
Modul 2' z.B. gleich 0,5. Modul 1', Modul 3' gleich 0,5. Modul 2' und so fort.
[0020] Dazu können, wie in Fig. 2a dargestellt, in der Bodenwanne 5 zwei Teilströme X und
Y, wie schon in Fig. 1 beschrieben, miteinander vermischt (X + Y) werden.
[0021] Zum Beispiel ist dabei Modul 1' eine Elektrolysezelle, Modul 2' ein Anionenaustauscher,
Modul 3' ein Kationenaustauscher und Modul 4' eine weitere Art eines Filters. Eine
derartige Anordnung ist zweckmässig bei getrennter Strömungsführung von zwei oder
mehreren Teilströmen. Das Modul 1' kann auch in Hochdruckausführung als Membranstufe
und die Module 2', 3', 4' in Niederdruckausführung ausgebildet sein. In Fig. 2b unterbleibt
eine Vermischung, da nur ein Medienstrom der Prozessführung unterliegt. Ein in die
Bodenwanne 5 einströmender Teilstrom 23 wird, z.B. durch Pumpleistung 20', in das
als Kerzenfilter ausgebildete Modul 1' über weiter durch die z.B. mit Aktivkohle befüllten
Module 2' und 3' in die Leitung 24 gedrückt.
[0022] Aus Fig. 3 ist eine Vorrichtung zur Behandlung zweier voneinander getrennter Medien-
bzw. Stoffströme X und Y ersichtlich. Wie schon in Fig. 1 und 2a beschrieben, strömt
der in die Bodenwanne 5 einströmende und von dieser durch Pumpleistung 20' in das
durch die z.B. als Elektrolysezellen 1' ausgelegten Module 1' und 2' führende Durchströmungsrohr
13 in die nachgeordneten und z.B. als Ionenaustauscher wirkenden Module 3' und 4'
gedrückte Teilstrom X in die Leitung 24. Der Teilstrom Y strömt dagegen zunächst in
das Modul 2', um von dort über freies Gefälle (siehe Richtungspfeil) oder eine externe
Pumpe (in der Fig. nicht näher gezeigt) in das Modul 1' und daraus in die Leitung
23 zu gelangen. Zum Beispiel kann damit eine Behandlung der Stoffströme von fotografischen
Bädern, wie verbrauchter Entwickler (X) und verbrauchtes Fixierbad (Y) vorgenommen
werden oder ein Frischwasserstrom (X) wird über die mit einem Ionenaustauscherharz
a beschickten Module 3' und 4' und ein Abwasser (Y) über mit einem Ionenaustauscherharz
b beschickten Module 1' und 2' geleitet.
1. Verfahren zur Reinigung von Gasen und Flüssigkeiten und/oder zur Wiedergewinnung
von darin enthaltenen Partikeln oder gelösten Stoffen, oder zur Durchführung.anderer
verfahrenstechnischer Prozesse, dadurch gekennzeichnet, dass inaustauschbaren, transportablen
einzelnen mit an sich bekannten aktiven Substanzen (z.B. Ionenaustauscherharze a,
b u.a.) befüllbaren und/oder mit an sich bekannten verfahrenstechnischen Baugruppen
(z.B. mechanische Filter u.a.) bestückten und miteinander verbundenen, eine Reaktionssäule
(7) bildenden Behältern (1, 2, 3, 4) verfahrenstechnische Prozesse ablaufen, bei welchen
die Behälter (1, 2, 3, 4) die mit gleichen oder unterschiedlichen Substanzen oder
Baugruppen befüllt sind, von einem Medium oder mehreren voneinander getrennten Medien-Teilströmen
(X, Y) durchströmt werden, wobei im Falle mehrerer Teilströme die Medien-Teilströme
(X, Y) jeweils einen Teil der Behälter (1, 2, 3, 4) durchströmen oder nach Vermischung
der daraus resultierende Medien-Mischstrom (X + Y) den anderen Teil der Behälter (1,
2, 3, 4) durchströmt und dass wenigstens zwei Medien-Teilströme (X, Y) mit voneinander
unterschiedlichem Druck- und Temperaturniveau in der Reaktionssäule (7) behandelbar
sind.
2. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass die Behälter (1, 2, 3, 4) einzelne, säulenförmig übereinander angeordnete, an
ihren Rändern mit Dichtungen (22) versehene Module (1', 2', 3', 4') sind und mit einer
eine Pumpe (20) beinhaltende Bodenwanne (5) verbunden sind und so als Reaktionssäule
(7) in einer käfigartigen Schnellspannvorrichtung (6) gehalten sind.
3. Vorrichtung nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens
ein von oben und unten mit einem mit Bohrungen (9, 11) versehenen Deckel (12) und
Boden (10) und Dichtungen (22) begrenzter Behälter (1, 2, 3, 4) bzw. begrenztes Modul
(1', 2', 3', 4') mit einem radial angeordneten Zu- und Abflußrohr (18, 19) und einem
achsparallel oder zentral ausgerichteten, den Deckel (12) und Boden (10) und die darin
vorgesehenen Bohrungen (9, 11) verbindenden Durchströmungsrohr (13) derart ausgebildet
ist, dass die Innenseite seiner Aussenwand (8) die Kathodenwanne (1") eines Elektrolysemoduls
bzw. einer Elektrolysezelle (1') bildet.
4. Vorrichtung nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass an dem Deckel
(12) befestigte Anodenstäbe (14, 15) in das Elektrolysemodul (1') bzw. die Kathodenwanne
(1") ragen.
5. Vorrichtung nach den Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass an den Enden
der Behälter bzw. Module (1', 2', 3', 4') an sich bekannte Filterelemente (16) (z.B.
Siebe, Membranen, Diaphragmen u.a.) vorgesehen sind.
6. Vorrichtung nach den Ansprüchen 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Baulänge
(1, 11, 12' 13) der Behälter bzw. Module (1', 2', 3', 4') ein ganzzahliges Vielfaches oder Teil
ihrer Standardhöhe ist.