[0001] Die Erfindung betrifft die Verwendung von 1,5-Dimethyl-8-hydroximino-bicyclo [3.2.1]
octan (2), wobei die geschlängelte Linie geometrische Isomere bedeutet, als Riechstoff
oder Bestandteil von Parfümkompositionen für kosmetische und technische Parfümierungen

[0002] Ebenfalls betroffen ist die Verwendung der Verbindung 2 als Aromastoff bzw. Bestandteil
von Aroma-Kompositionen.

[0003] Die Darstellung der Verbindung 2 erfolgt in an sich bekannter Weise durch Umsetzen
des 1,5-Dimethyl-bicyclo [3.2.1] octan-8-on (1) mit Hydroxylamin in Gegenwart einer
starken Base, vorzugsweise Natrium- bzw. Kaliumacetat oder Natrium- bzw. Kaliumhydroxid.
Die Darstellung des Ketons 1 und des Oxims 2 sind in der DE-OS 2 945 812 beschrieben
worden. Über olfaktorische oder gustatorische Eigenschaften des Oxims 2 war nichts
bekannt.
[0004] In der Parfümerie und der Aromentechnik wird seit längerer Zeit das kostspielige
« bourgeons de cassis und in etwas grösserem Ausmass Bukkoblätter-ÖI verwendet, das
ätherische Öl von Barosma betulina (Bartl. & Wendl.). Dieses Öl wird in unterschiedlichen
Qualitäten und Mengen, jedoch stets zu einem relativ hohen Preis, angeboten. Der interessante
Geruchskomplex des Bukkoblätter-Öls mit frischen süssen und grün-krautigen Noten und
ganz typischem « schwarze Johannisbeere » ― Charakter veranlasste verschiedene Arbeitskreise
zur Analyse des Öls (E. Sundt, B. Wilhalm, R. Chappaz und G. Ohloff, Helv. Chim. Acta
54, 1801 (1971) ; D. Lamparsky und P. Schudel, Parfums, Cosmet. Savons Fr. 2, 465
(1972)). Hierbei wurde vor allem das Menthol-thiol als Träger der « schwarze Johannisbeere
» ― Note erkannt. Das Menthon-thiol ist Gegenstand von Schutzrechten (D. Lamparsky
und P. Schudel, DT-OS 2 043 341 ; E. Sundt und G. Ohloff, CH-PS 543 584).
[0005] Auf dem Gebiet der Parfümerie ist bisher nur eine begrenzte Anzahl von Oximen aliphatischer
Aldehyde oder Ketone mit 7-10 Kohlenstoffatomen bekannt (R. T. Dahill, US-PS 3,637,533,
Jan. 25,1972 ; dgl. DE-PS 1692 002). Diese Aldehyde und Ketone (z. B. 2-Methyl-2-hepten-6-on,
Citronellal) sind gebräuchliche Riechstoffe mit fruchtigen oder Citrus-Noten. Der
Geruch der zugehörigen Oxime weicht davon ab und wurde mit « grün-blätterartig •,
« grün-erdig •, « blumig » charakterisiert. Von den Oximen mono- oder polycyclischer
Ketone sind bisher keine besonderen Riechstoff-Eigenschaften bekannt. Es ist daher
überraschend und neuartig, dass die dargestellte Verbindung 2 einen intensiven frischen,
fruchtiggrünen Duft mit einer ausgeprägten « schwarze Johannisbeere »-Note aufweist.
Dies war besonders überraschend, da das Keton 1 und dessen Ketale lediglich krautige,
erdige Noten besitzen. Die Verbindung 2 kann aufgrund ihrer speziellen Duftcharakteristik
sehr gut als Riechstoff oder Bestandteil von Parfüm-Ölen eingesetzt werden.
[0006] Die Verbindung 2 kann auch als Aromatisierungsmittel oder Bestandteil von Aromen-Mischungen
verwendet werden.
[0007] Die sensorische Beurteilung ergab :

[0008] Die Herstellung der Verbindung (2) erfolgt, indem man 1,5-Dimethyl-bicyclo [3.2.1]
octan-8-on (1) in an sich bekannter Weise mit Hydroxylamin in Gegenwart starker Basen,
vorzugsweise Natrium- bzw. Kaliumhydroxid oder Natrium- bzw. Kaliumacetat, umsetzt.
Die Umsetzung erfolgt vorzugsweise in der Wärme, wobei man bis zum Siedepunkt des
Reaktionsmediums arbeiten kann. Vorzugsweise wird jedoch bei einer Temperatur zwischen
50 °C und 75 °C gearbeitet. Aufarbeitung und Isolierung der Substanz erfolgen nach
den in der präparativen organischen Chemie üblichen Methoden. Das so erhaltene Oxim
2 weicht im Schmelzpunkt und IR-Daten von dem in der DE-OS 2 945 812 beschriebenen
Material ab.
[0009] Das folgende Beispiel erläutert die Erfindung :
Beispiel 1
Darstellung von 1,5-Dimethyl-8-hydroximino-bicyclo [3.2.1] octan (2)
[0010] Bei 60 °C wurden 91,2 g (0,6 mol) 1,5-Dimethyl-bicyclo [3.2.1] octan-8-on (1) zu
einer Lösung von 78,7 g (0,6 mol) Hydroxylaminhydrogensulfat und 54,2 g (0,66 mol)
Natriumacetat in 135 g Wasser getropft. Nach 1 Std. Rühren bei 60 °C liess man auf
Raumtemperatur abkühlen und extrahierte mit Ether. Die vereinigten organischen Phasen
wurden mit ges. Kochsalz-Lsg. neutralgewaschen, getrocknet und eingeengt. Man erhielt
95 g (95 %) 2 als kristalline Masse. Durch Umkristallisieren von 9 g Rohprodukt aus
15 ml Ethanol wurden 8 g 2 vom Schmp. 129-130 °C erhalten.
IR : 3 400, 3 250, 1 685, 930 cm-1 (Oxim). - NMR (CC14) :
8 = 1,05, s (-CH3, transoid zu -C = N-OH), 1,43, s (-CH3, cisoid zu ―C = N-OH), 9,03 ppm (-C = N-OH).
MS : m/z (%) = 167 (M+, 2 %), 150 (85), 133 (15), 123 (17), 108 (23), 93 (100).
C10H17ON (M : 167.24).
Beispiel 2
[0011]

[0012] Das angeführte Parfümöl besitzt einen orientalischen Duftkomplex mit blumig, holzigen
Aspekten. Durch Zugabe von 20 Teilen der Verbindung 2 werden blumigfruchtige Akkorde
unterstützt und die Komposition in der gewünschten Weise durch eine Bukko-Note ergänzt,
wie es teilweise nur durch « bourgeons de cassis erreicht wird.
[0013] Die Verbindung 2 kann im allgemeinen wie folgt angewandt werden :
a) als Riechstoff (in reiner Form)
b) als Bestandteil von Parfümölen oder Flavour-Mischungen, wobei übliche Konzentrationen
0,001-30 %, vorzugsweise 0,1-20 % sind.