[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Fluglageregelung eines Flugkörpers und/oder
Aktivierung einer vom Flugkörper transportierten Nutzlast sowie eine Vorrichtung zur
Durchführung dieses Verfahrens.
[0002] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Vorrichtung der
eingangs genannten Art anzugeben, die sich durch besondere Einfachheit und Robustheit
auszeichnen, so daß eine preiswerte Herstellung und hohe Betriebssicherheit ermöglicht
werden können.
[0003] Die Aufgabe wird durch die im Patentanspruch 1 angegebene Erfindung gelöst.
[0004] Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung gehen aus den Unteransprüchen
hervor.
[0005] Unter Flugkörper im Sinne der vorliegenden Erfindung sollen alle im Bereich der Atmosphäre
flugfähigen Körper verstanden werden, die zum Transport einer Nutzlast geeignet sind.
[0006] Insbesondere zählen dazu mit einem eigenen Antrieb ausgestattete Flugkörper, aber
auch Geschosse, die,von Rohrwaffen abgefeuert, sich ohne eigenen Antrieb auf einer
ballistischen Bahn fortbewegen und Nutzlastträger, die beispielsweise von Flugzeugen
oder Raketen über einem Zielgebiet ausgestoßen werden.
[0007] Bei mit Hilfe eines eigenen Antriebs sich autonom fortbewegenden Flugkörpern soll
die Erfindung während des Anflugs auf ein Zielgebiet die Einhaltung einer stabilen
Flugbahn ermöglichen, wobei insbesondere an die Einhaltung einer vorbestimmbaren Höhe
über Grund gedacht ist, um einerseits Hindernissen ausweichen zu können und andererseits
Aufklärungsmitteln zu entgehen. Nach Erreichen des Zielgebiets soll die Erfindung
die Aktivierung der vom Flugkörper transportierten Nutzlast zum optimalen Zeitpunkt
ermöglichen.
[0008] Bei aus Rohrwaffen verschossenen Geschossen, die sich auf einer im wesentlichen ballistischen
Bahn fortbewegen, soll die Erfindung die Aktivierung der Nutzlast im günstigsten Zeitpunkt
bei Erreichen des Zielgebiets ermöglichen.
[0009] Ebenfalls bei von Flugzeugen oder Raketen ausgestoßenen Nutzlastträgern soll die
Erfindung die Nutzlast zum optimalen Zeitpunkt bzw. im optimalen Abstand über einem
Zielgebiet in Funktion setzen.
[0010] Die Erfindung wird nachfolgend unter Bezug auf die Zeichnung näher erläutert.
[0011] Dabei zeigt:
Fig. 1: die schematische Darstellung eines Flugkörpers, der sich in einem vorstimmten
Abstand über der Erdoberfläche fortbewegt;
Fig. 1: die Seitenansicht eines weiteren Flugkörpers;
Fig. 3: eine Rückseitenansicht des in Fig. 2 dargestellten Flugkörpers;
Fig. 4: einen an einem Fallschirm niedergehenden Nutzlastträger;
Fig. 5: ein Blockschaltbild der Sende- und Empfangs- einrichtung.
[0012] In Fig. l ist schematisch ein Flugkörper 10 abgebildet, der über eigene Antriebsmittel,
beispielsweise ein Raketentriebwerk 17 verfügt, und der sich in einem vorbestimmten
Abstand über der Erdoberfläche 14 in Richtung auf ein Zielgebiet fortbewegt. Um die
Lage des Flugkörper 10 zu beeinflussen, wird vom Flugkörper 10, vorzugsweise in gebündelter
Form, Energie abgestrahlt, wobei gemäß der Erfindung zweckmäßig Schallwellen, insbesondere
Ultraschallwellen vorgesehen sind. Diese abgestrahlten Schallwellen sind in Fig. 1
schematisch dargestellt und mit Bezugsziffer 12 bezeichnet. Zumindest ein Teil der
abgestrahlten Energie wird von der Umgebung des Flugkörpers 10 reflektiert.
[0013] Unter Umgebung soll dabei insbesondere die Erdoberfläche mit dort befindlichen Zielen
oder auch ein im Flug befindliches Ziel verstanden werden. Zumindest ein Teil der
von der Erdoberfläche 14 reflektierten Energie 13 wird vorzugsweise räumlich selektiv
vom Flugkörper 10 empfangen. In Abhängigkeit von der empfangenen Energie werden dann
Mittel 16 in Funktion gesetzt, die über Steuerflächen 18 die Lage des Flugkörpers
10 auf seiner Flugbahn beeinflussen oder die die vom Flugkörper 10 transportierte
Nutzlast 15 aktivieren. Die Lagebeeinflussung des Flugkörpers 10 betrifft insbesondere
bei niedriger Flughöhe seinen Abstand zur Erdoberfläche 14 und den darauf angeordneten
Hindernissen. Eine niedrige Flughöhe des Flugkörpers 10 ist erwünscht, um Erfassungsmitteln,
wie beispielsweise einer gegnerischen Radarüberwachung zu entgehen. Die Einhaltung
eines vorbestimmbaren Abstandes über Grund kann erfindungsgemäß auf einfache Weise
erreicht werden. Zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens verfügt der Flugkörper
10 über mindestens eine Sendeeinrichtung 11 zur Abstrahlung von Schallenergie in vorzugsweise
gebündelter Form und mindestens eine Empfangseinrichtung 11' zum vorzugsweise räumlich
selektiven Empfang, der von der Sendeeinrichtung 11 abgestrahlten und an der Umgebung
des Flugkörpers reflektierten Strahlung 13. Sendeeinrichtung 11 und Empfangseinrichtung
11' können baulich vereinigt sein und im einfachsten Fall so ausgebildet sein, daß
lediglich ein Element vorgesehen ist, welches in Doppelausnutzung einerseits Schallengie
abstrahlt, also als Sender wirkt, und andererseits Schallenergie aufnimmt, also als
Empfänger wirkt.
[0014] Zweckmäßig wird die Einrichtung dabei zwischen beiden Betriebsarten zeitmultiplexartig
umgeschaltet. Sendeeinrichtungen und Empfangseinrichtungen für Schallwellen, insbesondere
Ultraschallwellen sind an sich bekannt. Sie bestehen beispielsweise aus mit Kontakten
versehenen keramischen Massen, die im Sendefalle mit einer Wechselspannung beaufschlagt
werden und demzufolge zu machanischen Schwingungen im Schall- bzw. Ultraschallbereich
angeregt werden. Im Empfangsfall wird das Element durch auftretende Schallwellen in
mechanische Schwingungen versetzt und liefert an den Elektroden eine dort abgreifbare
Wechselspannung. Die gewünschte gebündelte Abstrahlung bzw. räumlich selektive Empfangscharakteristik
der Sendeeinrichtung und Empfangseinrichtung kann in an sich bekannter Weise durch
die Gestalt des Sende- und Empfangselements oder durch zusätzliche, mit dem Sende-
bzw. Empfangselement verbundene Reflektoren erzielt werden.
[0015] Zur Bestimmung der Höhe des Flugkörpers 10 über Grund ist lediglich mindestens eine
Sende- und Empfangseinrichtung 11, bzw. 11' erforderlich.
[0016] Es ist ohne weiteres möglich, bei Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens, mehrere
Sende- und Empfangseinrichtungen vorzusehen, wie anhand der Fig. 2 und 3 erläutert
wird. Der dort dargestellte Flugkörper 10 verfügt über eine Tragfläche 19, an deren
Ende je eine Empfangseinrichtung 11, 11' angeordnet ist. Durch Messung des Abstandes
des jeweiligen Tragflächenendes in bezug auf die Erdoberfläche 14, kann die Rollbewegung
um die Längsachse 20 des Flugkörpers 10 kontrolliert und beeinflußt werden.
[0017] Eine weitere an der Unterseite des Rumpfs des Flugkörpers 10 angeordnete Sende- und
Empfangseinrichtung 11, 11
r ermöglicht Kontrolle und Beeinflussung der Nickbewegung um die Querachse 21 des Flugkörpers
10. Die vorerwähnte Achsenstabilisierung eröffnet die Möglichkeit einen zusätzlich
noch erforderlichen Suchkopf zur Erfassung eines Zielgebietes stark vereinfacht auszubilden,
da dieser nur noch die Seitenablage des Flugkörpers in bezug auf das Ziel vermessen
und korrigieren muß.
[0018] Anhand von Fig. 4 wird ein weiterer Anwendungsfall der Erfindung erläutert. Hier
ist schematisch ein scheibenförmig ausgebildeter Nutzlastträger 40 dargestellt, der
von einem Luftfahrzeug, einem Flugzeug oder einer Rakete oder einem unbemannten Nutzlastträger
über einem Zielgebiet ausgestoßen wird und dort,von einem Fallschirm 41 gebremst,
niedergeht. Im vorliegenden Fall umfaßt der scheibenförmig ausgebildete Nutzlastträger
40 Wirkeinheiten in Form projektilbildender Ladungen 42, deren Wirkungsrichtung im
wesentlichen parallel zur Erdoberfläche 14 verläuft. Im Bodenteil des Nutzlastträgers
40 ist eine Sende- und Empfangseinrichtung 11, 11' angeordnet, die Ultraschallimpulse
aussendet und die an der Erdoberfläche 14 reflektierte Ultraschallimpulse empfängt.
Nach Erreichen eines bestimmten optimalen Abstandes von der Erdoberfläche 14 wird
über die Empfangseinrichtung 11' ein Wirkteilzünder 43 in Betrieb gesetzt, der das
Abfeuern der projektilbildenden Ladungen 42 einleitet. Der optimale Zündabstand von
der Erdoberfläche wird zweckmäßig vorbestimmt und ist abhängig von der Höhe des erwarteten
Ziels. Derartige Nutzlastträger eignen sich beispielsweise zur Bekämpfung von Panzeransammlungen.
[0019] Die erfindungsgemäß eingesetzten Sende- und Empfangsmittel für Ultraschall lassen
sich besonders klein und robust aufbauen, so daß sie auch sehr hohen Beschleunigungswerten
standhalten können, die beim Absetzen von Nutzlasten oder beim Abschuß von Geschossen
aus Rohrwaffen auftreten. Zudem sind diese Sende- und Empfangsmittel preisgünstig
herstellbar, was einer rationellen Serienfertigung zugute kommt.
[0020] Unter Bezug auf Fig. 5 wird anhand des dort dargestellten Blockschaltbildes der Funktionsablauf
bei einer erfindungsgemäßen Vorrichtung erläutert. Eine zentrale Steuereinheit 50
koordiniert alle Zeitabläufe innerhalb der Sende-Empfangseinrichtung 11, 11'. Ein
Ultraschallsender 110 wird von Impulsen eines Impulsgenerators 51 beaufschlagt und
zur Abgabe von Ultraschallwellen angeregt. Zweckmäßig werden die vom Impulsgeber abgegebenen
Impulse durch einen Modulator 52 moduliert, um beispielsweise die Auswertung der nach
Reflektion vom Ultraschallempfänger 111 empfangenen Schallwellen zu erleichtern. Ultraschallsender
111 und Ultraschallempfänger.111' können - wie bereits erwähnt - entweder baulich
voneinander getrennt, baulich vereinigt, oder aber aus dem gleichen Element bestehen
, wobei dann zum wechselweisen Betrieb als Sender bzw. Empfänger eine zeitmultiplexartige
Ansteuerung notwendig ist. Die vom Ultraschallempfänger 111 abgegebenen elektrischen
Signale werden zunächst in einem Demodulator 53 demoduliert und sodann einer weiteren
Verarbeitung zugeführt. Diese umfaßt vorzugsweise die Ermittlung der Entfernung des
Flugkörpers in bezug auf eine Referenzfläche, die bei bekannter Ausbreitungsgeschwindigkeit
der abgestrahlten und reflektierten Ultraschallwellen beispielsweise durch eine Laufzeitmessung
54 durchführbar ist.
[0021] Für bestimmte Anwendungsfälle, beispielsweise die Höhenmessung des Flugkörpers 10
über Grund 14, oder die Abstandsbestimmung bei einer Zündeinrichtung gem. Fig. 4,
wird über eine erste Zählereinrichtung 55 der optimale Abstandswert vorgegeben. Eine
zweite Zählereinrichtung 56 ermittelt den aus der Laufzeitmessung der abgestrahlten
und reflektierten Schallsignale erfaßtbaren Abstandswert. In einer Vergleichsschaltung
57 wird festgestellt, ob die beiden Zählerwerte übereinstimmen oder voneinander abweichen.
Bei Verwendung als Abstandsmesser in einer Zündeinrichtung werden dann ggf. über eine
Leistungsstufe 58 die Mittel 16 zur Aktivierung der Nutzlast 10 gemäß Ausführungsbeispiel
in Fig. 1 oder des Wirkteils gem. Ausführungsbeispiel in Fig. 4 in Funktion gesetzt.
Im Falle der Fluglageregelung werden dagegen bei Abweichen der Zählerstände über die
Leistungstufe 58 über die Mittel 16, die Steuerflächen 18 und/oder nicht dargestellte
Steuerdüsen von ggf. auch vorhandenen Korrekturtriebwerken solange in Funktion gesetzt,
bis die Zählerstände wieder übereinstimmen und die vorgegebene Flugbahn eingehalten
ist.
Bezugszeichenliste
[0022]
10 Flugkörper
11, 11' Empfangs- und Sendeeinrichtung
12 abgestrahlte Schallwellen
13 reflektierte Schallwellen
14 Erdoberfläche
15 Nutzlast
16 Mittel zur Lenkung bzw. Aktivierung der Nutzlast
17 Raketentriebwerk
18 Steuerfläche
19 Tragfläche
20 Längsachse
40 Nutzlastträger
41 Fallschirm
42 projektilbildende Ladung
43 Zünder
50 Steuereinheit
51 Impulsgeber
52 Modulator
53 Demodulator
54 Einrichtung zur Laufzeitmessung
55 erste Zählereinrichtung
56 zweite Zählereinrichtung
57 Vergleichsschaltung
58 Leistungsstufe
1. Verfahren zur Fluglageregelung eines Flugkörpers und/ oder Aktivierung einer vom
Flugkörper transportierten Nutzlast, gekennzeichnet durch folgende Merkmale:
a) vom Flugkörper (10) wird vorzugsweise in gebündelter Form Energie abgestrahlt;
b) zumindest ein Teil der abgestrahlten Energie wird von der Umgebung des Flugkörpers
reflektiert;
c) ein Teil der reflektierten Energie wird vorzugsweise räumlich selektiv vom Flugkörper
empfangen;
d) in Abhängigkeit von der empfangenen Energie werden Mittel (16) betätigt, die die
Lage des Flugkörpers (10) und/oder die Funktion einer vom Flugkörper transportierten
Nutzlast (15) beeinflussen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die abgestrahlte und reflektierte
Energie in Form von Schallwellen, insbesondere Ultraschallwellen vorliegt.
3. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Schallwellen
impulsweise abgestrahlt und moduliert werden.
4. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 3, gekennzeichnet
d u r ch mindestens eine Sendeeinrichtung (11) zur Abstrahlung von Schallenergie in
vorzugsweise gebündelter Form, durch mindestens eine Empfangseinrichtung (11') zum
vorzugsweise räumlich selektiven Empfang der von der Sendeeinrichtung (11) abgestrahlten
und von der Umgebung des Flugkörpers (10) reflektierten Strahlung und durch Mittel
(16) zur Beeinflussung der Lenkung und/oder Aktivierung der Nutzlast (15) in Abhängigkeit
von der empfangenen Strahlung.
5. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Sendeeinrichtung (11)
und Empfangseinrichtung (11') baulich vereinigt sind.
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 4 und 5, dadurch gekennzeichnet, daß sowohl
ein als Ultraschallsender als auch als Ultraschallempfänger verwendbares Element vorgesehen
ist, welches vorzugsweise zeitmultiplexartig sowohl mit der Sendeeinrichtung (11)
als auch mit der Empfangseinrichtung (11') verbindbar ist.
7. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 4 bis 6, da - durch gekennzeichnet, daß eine
Mehrzahl von Sendeeinrichtungen (11) und Empfangs- einrichtung(11') vorgesehen ist,
zur Mehrachsenstabilisierung eines Flugkörpers (10).
8. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 4 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß eine
zentrale Steuereinheit (50) vorgesehen ist, die alle Zeitabläufe innerhalb der Sendeeinrichtung
(11) und Empfangseinrichtung (II') koordiniert, daß weiter ein Impulsgeber (51) vorgesehen
ist, der ggf. über einen Modulator (52) den Ultraschallsender (110) ansteuert, daß
weiter ein Demolator (53) vorgesehen ist, dem die vom Ultraschallempfänger (111) empfangenen
reflektierten Ultraschallsignale zugeführt werden, daß weiter eine Einrichtung zur
Laufzeitmessung (54) des abgestrahlten und reflektierten Ultraschallsignals .vorgesehen
ist und daß weiter eine erste und eine zweite Zählereinrichtung (55, 56) vorgesehen
sind, wobei die erste Zählereinrichtung (55) auf einen vorgebbaren Wert einstellbar
ist und die zweite Zählereinrichtung (56) den über die Laufzeitmessung ermittelten
Wert anzeigt und daß eine Vergleichsschaltung (57) vorgesehen ist, der die Inhalte
beider Zählereinrichtungen (55, 56) zugeführt werden und die in Abhängigkeit von dem
ermittelten Vergleich ggf. über eine Leistungsstufe (58) Mittel (16) zur Beeinflussung
der Lenkung des Flugkörpers (10) und/oder zur Aktivierung der Nutzlast (15) des Flugkörpers
(10) in Funktion setzt.
9. Verwendung des Verfahrens und der Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 8
zur Auslösung des Zünders (43) bei einem projektilbildende Ladungen (42) tragenden
Nutzlastkörper (40).