[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Verfestigung von radioaktiven Abfällen
in einer Glasmatrix, bei dem eine mit dem aktiven Material angereicherte Glasschmelze
unter Abkühlung zum Erstarren gebracht wird.
[0002] Glas gilt als chemisch und thermisch weitgehend resistentes Material und die Verfahren
zur Verglasung hochradioaktiver Abfälle aus Wiederaufbereitungsanlagen(für Kernbrennstoff)
weisen weltweit einen hohen Entwicklungsstand auf. Die Spaltproduktlösungen werden
aufkonzentriert, mit Glas-

oder Glasfritte vermengt, getrocknet, calciniert und chargenweise oder in kontinuierlichem
Betrieb in Öfen zu Glas verschmolzen und in Endlagerbehälter abgefüllt. Diese werden
zur Vermeidung von Rissen und Spannungen im Glas langsam abgekühlt und schließlich
zur Endlagerstelle gebracht.
[0003] Bei der Wahl der Glaszusammensetzung ist man gezwungen, einen gewissen Kompromiß
einzugehen, da hochresistent.e Gläser, die bis zu 80 % Si0
2 enthalten, Temperaturen von 1300 bis 1600 C zum Erschmelzen erfordern. Bei diesen
hohen Temperaturen würden erhebliche Anteile des radioaktiven Materials verflüchtigt
werden. Die tatsächlich einqesetzten Gläser enthalten daher einen geringeren Si0
2 Anteil neben Oxiden von Li, Na, K, Mg, Ca, Ba, B, Ti und dergleichen aus der Glastechnik
bekannten Zusätzen. Solche Gläser erweisen sich nun als nicht absolut auslaugungsbeständig,
insbesondere wenn man sie den derzeit für Auslaugungsprüfungen vorgesehenen Bedingungen
unterwirft. So zeigt spalt―produkthaltiges Borsilikatglas nach einer 500-stündigen
Einwirkung von Carnallitlauge bei 200°C und 100 at bereits dicke gelartige Krusten
aus korrodiertem Glas.
[0004] Als auslaugungsbeständigere Einschlußnassen wurden daher bereits aluminiumoxidhaltige
Gläser oder keramische Massen untersucht, wie sie in dem zusammenfassenden Bericht
von G. Sachse und H. Rosenberger in " Kerrenegie" 10 (1967) Seiten 205-210 angegeben
werden. Dabei werden als besonders auslaugungsbeständige Glassysteme u.a. Glasurschmelzen
auf der Basis von Al
2O
3, CaO, Na
20, B
2O
3 und Si0
2 genannt. Solche aluminiumhaltigen Borsilikatgläser benötigen zum Erschmelzen Temperaturen
um oder über 1500°C, die für die Spaltproduktverfestigung unerwünscht hoch sind.
[0005] Ferner besteht bei Gläsern eine erhebliche Tendenz zu spontanen Kristallisationen,
die physikalische und chemische Veränderungen hervorrufen, die sich erheblich auf
die mechanische Zerstörbarkeit, Auslaugungsresistenz und Wärmeleitfähigkeit sowie
andere Eigenschaften auswirken können. Man Hat daher bereits versucht, solche Gläser
durch gesteuerte Kristallisationen in Glaskeramiken mit noch verbesserten Eigenschaften
umzuwandeln ( A. De u.a. in "Atomwirtschaft" 1975, Seiten 359 - 360).Für eine solche
Glaskeramikbildung muß die bereits bei hoher Temperatur erschmolzene Glasmasse einer
bis zu 24stündigen kontrollierten Wärmebehandlumg bei hohen TEmperaturen in der Nähe
des Schmel z-punktes ausgesetzt werden. Im größeren Maßstabe haben sich solche Techniken
als nur schwierig durchführbar und wenig befriedigend erwiesen.
[0006] Aus diesem Grunde wurde in Schweden das sogenannte Asea-Verfahren zur Spaltproduktverfestigung
entwickelt, nach dem calcinierte Spaltprodukte mit Aluminiumoxid vermengt und unter
einem Preßdruck von mehreren 1000 atm bei etwa 800-900°C zu einem Monolithen verfestigt
werden, der in Carnallitlauge beständig sein soll. Eine solche Monolithbildung unter
außerordentlich hohen Drucken scheint kaum als Standardverfahren für die Verfestigung
von radioaktiven Abfällen geeignet zu sein.
[0007] Das heißt, zur Erzielung einer möglichst guten Auslaugbeständigkeit von glas- oder
keramikartigen spaltprodukthaltigen Massen werden entweder sehr aufwendige oder nicht
völlig erprobte Techniken benötigt oder relativ hohe Schmelztemperaturen angewandt,
so daß Aktivitätsverluste zu befürchten sind. Aufgabe der Erfindung ist daher die
Schaffung eines neuen Verfahrens zur Verfestigung radioaktiver Abfälle, das sich weitgehend
bereits erprobter Techniken bedient und ohne übermäßigen Aufwand durchführbar ist,
starke Verdampfungsverluste vermeidet und zu einer Verfestigungsform mit verbesserten
Eigenschaften führt.
[0008] Das zu diesem Zweck entwickelte erfindungsgemäße Verfahren der eingangs genannten
Art ist dadurch gekennzeichnet, daß die maximal 1200°C heiße Glasschmelze mit dem
aktiven Abfall innerhalb des Endlagerbehälters vor ihrer Abkühlung zumindest längs
ihrer Oberfläche mit festem viskositätssteigernden Oxid bis zu einer wenigsten teilweisen
Auflösung desselben in Kontakt gebracht wird.
[0009] Zu geeigneten Oxiden gehören Aluminiumoxid und Zirkoniumoxid, wobei ungesintertes
Aluminiumoxid bevorzugt wird.
[0010] Es hat sich gezeigt, daß insbesondere Aluminiumoxid von spaltprodukthaltiger Glasschmelze
in gewisser Menge resorbiert werden kann, die dabei zähflüssiger wird und bei Abkühlung
unter Bildung eines resistenten Materials erstarrt. Verwendet man zweckmäßigerweise
ungesintertes Aluminiumoxid, so ergeben sich brauchbare Lösungsgeschwindigkeiten des
Oxids in der Glasschmelze.
[0011] Geht man dagegen zur Erzeugung ähnlicher aluminium-oxidhaltiger Massen von einer
Mischung der Bestandteile aus, die dann erhitzt und zum Schmelzen gebracht wird, so
werden erheblich höhere Temperaturen benötigt, die zu beträchtlichen Verdampfungsverlusten
und zu starker Ofenkorrosion führen würden. Ferner ist das Schäumen solcher Schmelzen
nur schwer zu beherrschen und führt zu blasendurchsetzten festen Massen, deren Auslaugungsbeständigkeit
vermindert sein dürfte.
[0012] Beim erfindungsgemäßen Verfahren läßt man vorzugsweise die mit bis zu 30% Spaltprodukten
angereicherte Schmelze in den Endlagerbehälter einlaufen, der zur Erzeugung einer
einheitlichen, insbesondere Al
2O
3- gesättigten Masse mit kugeligan, faserförmigem oder schwammartigem ungesinterten
Aluminiumoxid gefüllt ist. Die (durch entsprechende Auswahl von Temperatur oder Zusammensetzung)
ausreichend dünnflüssige Schmelze füllt rasch die angebotenen Hohlräume, bevor der
Auflösungsprozeß unter Viskositätsanstieg einsetzt. Je nach Temperatur und Lösevermögen
des jeweiligen Glases und gewünschter Qualitätsverbesserung wird das Aluminiumoxid
mehr oder minder angelöst oder auch ganz aufgelöst.
[0013] Ausgehend davon, daß die Glasblöcke während des Lagerns intakt bleiben, kann statt
des homogenen Schutzes auch nur ein Außenschutz vorgesehen werden, in dom der Endlagerbehälter
mit einer Aluminiumoxidwand ( z.B. kompakt oder in Form einer Fasermatte aus Aluminiumoxid)
oder einer Beschichtung durch Auftragen oder Flammspritzen versehen wird, durch deren
Auflösung der Glasblock eine korrosionsbeständige Außenhaut erhält.
[0014] Die Glasschmelze kann z.B. (ohne Spaltprodukte gerechnet) etwa 50 - 70% Si0
2 und etwa 10 bis 30% B
20
3 sowie 6 - 12% Na
20 und 1 -6% Li
20 und gegebenenfalls Zusätze wie CaO, CuO, TiO
2, ZnO und/oder Ba0 enthalten ( wobei die angegebenen Prozente Gewichtsprozente bedeuten
). Über Beispiele für spezielle Zusammensetzungen wurde anlässlich des GDCh-Seminars
"Über Chemie und Verfahrenstechnik bei der Verfestigung flüssiger hochradioaktiver
Abfälle" in Jülich vom 1. bis 5. Juni 1981 berichtet.
[0015] Besonders zweckmäßig ist eine Zusammensetzung der Glasschmelze aus 40 - 60% Si0
2, 15 - 25% B
2O
3, 10 - 18% CaO, 6 - 15% Na
20 und 0 - 5% Li
20.
[0016] Das erfindungsgemäße Verfahren hat den Vorteil, daß die bislang angewandte Glasschmelztechnologie
unverändert beibehalten werden kann und Produkte gebildet werden, die neben einer
hohen Auslaugresistenz eine bessere Wärmeleitfähigkeit besitzen, wobei auberdem eine
Entmischung der Glaskcmponenten oder Seigerung durch die höhere Viskosität und Anwesenheit
von Aluminiumoxidpartikeln stark eingeschränkt ist.
[0017] Gemäß einer Abwandlung der vorstehend beschriebenen Verfahrensweise kann man auch
Oxidpartikeln, Glasfritte und Waste gemeinsam in den heißen Endlagerbehälter dosiert
einbringen oder gemeinsam in diesem erhitzen.
[0018] Zweckmäßig ist eine vollständige Auflösung des Oxids in der Schmelze, insbesondere
in einer zur Al
2O3 - Sättigung des Glases führenden Menge, sofern die dafür erforderlichen Temperaturen
und Zeiten angemessen sind.
[0019] Für die Herstellung homogener Massen eignen sich besonders relativ lockere poröse
Kugeln mit mindestens 2 mm Durchmesser, die von entsprechend dünnflüssiger heißer
Schmelze getränkt werden, die so rasch die Gesamtmasse der Kugelschüttung durchdringen
muß, daß keine vorzeitige Viskositätssteigerung auftritt. Die Zähigkeit der Schmelze
und die Hohlraumgröße sowie die Kontakttemperatur müssen daher im Hinblick auf die
Erzielung eines möglichst einheitlichen Körpers bei möglichst niedriger Temperatur
( zur Vermeidung von Verdampfungsverlusten ) aufeinander abgestimmt werden. Zweckmäßigerweise
können schmelzfördernde Mittel wie insbesondere bis zu 5% Lithiumoxid in der Glasmasse
enthalten sein.
[0020] Man kann in die Glasschmelze auch dünne Al
20
3 - Stäbe und/oder - Rohre in entsprechender Verteilung einbringen.
[0021] Nachfolgend wird die Erfindung an Hand von Beispielen erläutert:
Beispiel 1
[0022] Eine 20 mm hohe Schüttung von Aluminiumoxidkügelchen von etwa 2 mm ø (19 ml) wurde
bei 1100 - 1200°C mit 25 ml einer 20% Waste ( gerechnet als Oxid ) enthaltenden Glasschmelze
aus 47% SiO
2, 25% B203, 6,3% Na
20, 1,3% Li
2O und 19% CaO der gleichen Temperatur überschüttet, die sich rasch und gleichmäßig
in der Kugelschüttung verteilte. Nach 24-stündigem Aufenthalt dieser Masse bei 1100
- 1200°C wurde die Masse langsam abgekühlt.
[0023] Als Ergebnis wurde ein kompakter Block aus verfärbtem Glas mit teilweise darin gelösten
Kügelchen erhalten.
[0024] Dieser Block wurde 500 Stunden lang der Einwirkung von Carnallitlauge bei 200°C und
100 at ausgesetzt. Der aus der Carnallitlauge entnommene Block zeigte danach lediglich
eine matte Oberfläche, aber keinerlei Krustenbildung.
Beispiel 2
[0025] Mit einer 20% Waste enthaltenden Glasschmelze der Zusammensetzung: 50% SiO
2, 22,5% B
2O
3, 10% Na
20, 2,5% Li
20 und 15% Ca0 wurde in gleicher Weise wie in Beispiel 1 ein aluminiumoxidhaltiger
kanpakter Block erhalten, der ein analoges Verhalten in Carnallitlauge zeigte.
1. Verfahren zur Verfestigung von radioaktiven Abfällen in einer Glasmatrix, bei dem
eine mit dam aktiven Material angereicherte Glasschmelze unter Abkühlung zum Erstarren
gebracht wird, dadurch gekennzeichnet, daß die maximal 1200°C heiße dünnflüssige Glasschmelze
mit dem aktiven Abfall innerhalb des Endlagerbehälters vor ihrer Abkühlung zumindest
längs ihrer Oberfläche mit festem viskositätssteigemden Oxid bis zu einer wenigsten
teilweisen Auflösung desselben in Kontakt gebracht wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Oxid Aluminiumoxid oder
Zirkoniumoxid, insbesondere ungesintertesAluminiumoxid verwendet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Oxid längs der
Behälterwand vorgesehen wird.
4. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Schmelze in kugeliges,
faserförmiges oder schwammartiges ungesintertes Aluminiumoxid eingebracht wird.
5. Verfahren nach den Ansprüchen 3 und 4, dadurch gekennzeichnet, daß das kugelige,
faserförmige oder schwammartige Aluminiumoxid wenigstens in einer der Sättigung entsprechenden
den Konzentration verwendet wird.
6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die
Größe der Hohlräume zwischen den Aluminiumoxidteilchen, deren Dichte, die Zähigkeit
der heißen, dünnflüssigen Schmelze und die Kontakttemperatur im Hinblick auf die Erzielung
eines einheitlichen Körpers bei möglichst niedriger Temperatur aufeinander abgestimnt
werden.
7. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß zur
Glasmasse ein schmelzfördernder Zusatz, insbesondere Lithiumoxid, hinzugefügt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 1 oder 4 - 7, dadurch gekennzeichnet, daß ein homogener
Glasblock gebildet wird.