[0001] Die Erfindung betrifft eine Spulmaschine für automatischen Spulenwechsel gemäß dem
Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
[0002] Bei einer Spulmaschine dieser Gattung, die durch die DE-AS 27 33 120 bekanntgeworden
ist, sind zum Ausheben und Verlegen des Fadens beim Spulenwechsel oberhalb und unterhalb
der Position des mit der neuen Hülse bestückten Spanndorns Fanghaken vorgesehen, die
um annähernd senkrechte Achsen schwenkbar sind. Die Praxis hat gezeigt, daß dabei
insbesondere infolge des Durchschwingens der Fanghaken die Fadenführung nicht genügend
exakt ist. Daher ist nicht immer gewährleistet, daß auf der neuen Hülse das abgeschnittene
Fadenende vom Anknotwickel überspult wird. Es hängt daher gelegentlich frei heraus
und kann sich beim Spulenausstoß verfangen. Es kommt auch vor, daß der Faden beim
Umlegen auf die neue Hülse seitlich von der vollen Hülse abgleitet.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Spulmaschine gemäß dem Oberbegriff
des Patentanspruchs 1 so zu verbessern, daß beim Spulenwechsel eine absolut exakte
Fadenführung gewährleistet ist. Dadurch sollen die angegebenen unerwünschten Effekte
vermieden werden.
[0004] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die in Kennzeichen des Patentanspruchs 1
angegebenen Merkmale gelöst.
[0005] Die Ansprüche 2 und 3 beinhalten vorteilhafte konstruktive Ausgestaltungen der Erfindung.
[0006] Die Zeichnung dient zur Erläuterung der Erfindung anhand eines vereinfacht dargestellten
Ausführungsbeispiels.
Fig. 1 zeigt eine Seitenansicht einer Spulmaschine gemäß der Erfindung.
Fig. 2 zeigt eine Ansicht des Schlittens aus einer um 900 gedrehten Richtung, wobei die nicht erfindungswesentlichen Bauteile zur Verbesserung
der Übersichtlichkeit weggelassen wurden.
[0007] Die Spulmaschine besteht, wie bekannt, aus einem Gehäuse 1-, einen an dem Gehäuse
1 um seine Achse 2 drehbar gelagerten Spulenrevolver 3 und einem Schlitten 4, der
zwecks Anpassung an den jeweiligen Spulendurchmesser rechtwinklig zur Achse 2 hin
und her beweglich ist, wie durch den Dcppelpfeil 5 angedeutet.
[0008] Der Spulenrevolver 3 ist mit zwei einander diametral gegenüberliegenden Spanndornen
6,7 bestückt, die zur Aufnahme von Spulenhülsen dienen. An dem der Lagerung benachbarten
Ende der Spanndorne 6, 7 sind zwei einander diametral gegenüberliegende, hakenartig
geformte Messer 8, 9 angebracht, die über den Rand der aufgesteckten Hülse 10 greifen.
Dabei bildet die Messerhalterung den Anschlag für die Hülse 10. Der Einfachheit halber
wurde für die Zeichnung ein Ausführungsbeispiel ausgewählt, bei dem auf jedem Spanndorn
nur eine einzige Hülse bzw. Spule sitzt. Selbstverständlich ist es auch möglich, pro
Spanndorn mehrere Hülsen nebeneinander unte: zubringen. Entsprechend der vorgesehenen
Zahl der Hülsen sind dann längs des Spanndorns mehrere Messer angebracht, die beim
Spulenwechsel, wie in der bereits genannten DE-AS 27 33 120 beschrieben, in das Innere
des Spanndorns 6, 7 versenkbar sind.
[0009] Auf dem Schlitten 4 ist über einer Andrückrolle 11 eine Changiereinrichtung 12 mit
einem Changierfadenführer 13 angeordnet. Der Changierbereich ist durch die in Fig.
2 erkennbaren strichpunktierten Linien 14, 15 begrenzt. Wie bekannt, endet der Changierbereich
insbesondere an der dem Gehäuse 1 zugekehrten Seite in einem gewissen Abstand vom
Rand der aufgesteckten Hülse 10. Der nicht von der Changierung überstrichene Endbereich
der Hülse, d.h. der Bereich zwischen der Ebene der Messer 8, 9 und dem benachbarten
Ende des Changierbereiches ist der sogenannte Anknotwickelbereich 16.
[0010] über dem Schlitten 4 ist in der Mitte des Changierbereiches ein feststehender Fadenführer,
z.b. eine öse, angebracht, der in der Zeichnung nicht dargestellt ist, da er relativ
hoch liegt. Der Faden wird also bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel von oben
zugeführt. Selbstverständlich ist die Erfindung ebensogut auch bei Spulautomaten anwendbar,
bei denen der Faden z.B. seitlich zuläuft. Zur Vereinfachung der Ausdrucksweise wird
in dieser Beschreibung und in den Patentansprüchen stets die Richtung, aus der der
Faden einläuft, al "oben" bezeichnet. In dem entsprechenden Sinne sind auch die Worte
"unten", "über" usw. zu verstehen.
[0011] An jeder Seite des Schlittens 4 ist eine annähernd senkrecht stehende Leiste 17 angebracht.
In diesen beiden seitlichen Leisten sind zwei runde Führungsstangen 18, 19 gelagert,
die eine oberhalb der Ebene der Achse des ihr zugekehrten Spanndorns 6, die andere
unterhalb dieser Ebene. Mit den beiden Führungsstangen 18, 19 sind Bleche 20, 21 durch
seitliche Halteplatten 22, 23 fest verbunden. Die Bleche 20, 21 greifen in der in
Fig. 1 mit durchgezogenen Linien dargestellten, annähernd horizontalen Eingriffsstellung
zangenartig, jedoch mit Abstand, um den mit einer leeren Hülse 10 bestückten Spanndorn
6.
[0012] Die Halteplatten 22, 23 sind miteinander durch eine angelenkte Koppelstange 24 verbunden,
und zwar so, daß das Gelenk 25 an der oberen Halteplatte 22 auf der einen Seite der
durch die beiden Stangenachsen definierten Ebene liegt, das Gelenk 26 an der unteren
Halteplatte 23 jedoch auf der anderen Seite dieser Ebene. Außerdem greift an der Halteplatte
22 der Kolben eines Zylinders 27 an, der an der Grundplatte des Schlittens 4 angelenkt
ist. Durch Betätigung des Zylinders 27 lassen sich die beiden Bleche 20, 21 gleichzeitig
in die mit strichpunktierten Linien angedeuteten, nahezu senkrechten Stellungen 20a,
21a, zurückschwenken.
[0013] Die Vorderkante 28 des oberen Bleches 20, das sich im wesentlichen über die ganze
Länge des Spanndorns 6 erstreckt, verläuft parallel zu der Achse des Spanndorns 6.
In der Eingriffsstellung liegt sie etwa in der Mitte über der Verbindun
gs-linie zwischen dem Changierfadenführer 13 und der Achse des Spanndorns 6. Sie ist
etwa in der Mitte des Anknotwickelbereichs 16 mit einem hakenartig vorspringenden
Anschlag 29 versehen.
[0014] Die Vorderkante 30 des unteren Bleches 21 verläuft ebenfalls parallel zur Achse des
Spanndorns 6. Sie. liegt .etwa in der dem Schlitten 4 abgewandten senkrechten Tangentialebene
des Spanndorns 6. Sie ist ebenfalls mit einem hakenartig vorspringenden Anschlag 31
versehen, der jedoch im Changierbereich liegt, und zwar nicht weit von der Mitte.
[0015] Zwischen den beiden Stangen 18, 19 ist ein Zylinder 32 mit einer Kolbenstange 33
angeordnet, die eine Traverse 34 trägt. Auf den beiden zu den Stangen 18, 19 reichenden
Enden der Traverse 34 sind je zwei Ringe 35, 36, 37, 38 befestigt, der eine 35, 37
auf der einen Seite der Traverse, der andere 36, 38 auf der anderen Seite. Die Ringe
sitzen auf den Stangen 18, 19 und sind relativ zu diesen in Längsrichtung beweglich,
jedoch unverdrehbar.
[0016] An dem Ring 36, der auf der oberen Stange 18 in Fig. 2 rechts von der Traverse 34
sitzt, ist ein Finger 39 befestigt. In ähnlicher Weise ist auf dem Ring 37, der auf
der unteren Stange 19 in Fig. 2 links von der Traverse, d.h. also schräg versetzt
zu dem Finger 39, sitzt, ein Finger 40 befestigt. Die Finger 39, 40 sind rechtwinklig
zu den Stangen 18, 19 angeordnet, erstrecken sich in der Eingriffsstellung annähernd
waagerecht vom Schlitten 4 in Richtung auf den Revolver 3 und reichen mit ihren freien
Enden bis über die Kanten 28, 30 hinaus. Beim Zurückschwenken der Bleche 20, 21 in
die Ruhelage 20a, 21a behalten die Finger 39, 40 wegen ihrer relativ zu den Stangen
18, 19 unverdrehbaren Anordnung ihre relative Lage zu den Blechen 20, 21 bei, d.h.
die freien Enden der Finger 39, 40, insbesondere das des oberen Eingers, befinden
sich in kurzem Abstand vor den Kanten 28, 30.
[0017] Im normalen Wickelbetrieb sind die Bleche 20, 21 und die Fin--ger 39., 40 in der
zurückgeklappten Stellung, in der sie keine Funktion haben. Wie in Fig. 2 mit strichpunktierten
Linien angedeutet, sind dabei die Finger 39, 40 über die Mitte des Changierbereiches
hinaus zurückgefahren. Wenn die im Betrieb in Fig. 1 links befindliche Spule voll
ist, schwenkt der Revolver 3 in Richtung des Pfeiles 41 um 180°, so daß die volle
Spule nach rechts gelangt. Sie ist in dieser Stellung durch die Kreislinie 42 angedeutet.
Der Schlitten 4 bewegt sich in Richtung auf die noch leere Spulenhülse 10 des anderen
Spanndorns, der jetzt in die Betriebsstellung eingeschwenkt ist. Der um die leere
Hülse 10 herumgeführte Faden 43 wird zunächst noch weiter bei weiterlaufender Changierung
auf die volle Spule gewickelt. Dann klappen die Bleche 20, 21 und die mit ihnen verbundenen
Finger 39, 40 in die Eingriffsstellung. Das obere Blech 20 berührt mit seiner als
Führungsschiene ausgebildeten Vorderkante 28 den Faden 43 und hebt ihn aus dem Changierfadenführer
13. Infolgedessen bewegt sich der Faden - gleichgültig an welcher Stelle er aus dem
Changierfadenführer ausgehoben worden ist - zur Mitte des Changierbereiches hin. Die
Vorderkante 30 des unteren Bleches 21 berührt ebenfalls den Faden. Durch Beaufschlagung
des Zylinders 32 bewegen sich die Finger 39, 40 aus ihrer Ruhestellung synchron in
Richtung auf das Ende der Hülse 10, an dem die Messer 8, 9 angeordnet sind. Dadurch
wird der Faden 43 an den Führungsschienen 28, 30 entlanggeführt. Der obere Finger
39 fährt bis zu dem Anschlag 29. Der Faden ist bei dieser Stellung mit geringem Spielraum
in einer engen öffnung exakt geführt. Infolge der versetzten Anordnung der Finger
39, 40 fährt der untere Finger 40 etwas weiter, und zwar bis
; über die Messer 8, 9 und das Ende der Hülse 10 hinaus. Das um die Hülse 10 herumgeführte
Fadenstück läuft daher schräg zum Rand der Hülse. Dabei liegt es im oberen Bereich
auf der Hülse auf und geht im unteren Bereich über den Hülsenrand hinaus, wobei es
die Ebene durchdringt, in der die Messer 8, 9 umlaufen. Dabei wird durch den Anschlag
31 des unteren Bleches 21 der Faden 43 in sicherem Abstand von der Kante der vollen
Spule 42 gehalten, so daß er keinesfalls von der Kante abrutschen kann.
[0018] Sobald der Faden, wie soeben beschrieben, schräg über den Rand der Hülse 10 läuft,
wird er von einem der umlaufenden Messer 8, 9 erfaßt und durchgeschnitten.
[0019] Die Finger 39, 40 verbleiben zunächst noch in der vorgeschoben Stellung. Dabei bildet
der nachkommende Faden auf der Hülse 10 eine kleine Wicklung, die sich auf das abgeschnittene
Fadenende legt. Nach einer vorgegebenen Zeit, d.h. nachdem die für Anknotwicklung
erforderliche Anzahl von Windungen gebildet worden ist, klappen die Bleche 2Q, 21
zurück. Dann fahren die Finger 39, 40 in die Ruhestellung.zurück. Der Faden bewegt
sich nun zunächst frei in Richtung auf die Mitte des Changierbereiches und wird dabei
von dem Changierfadenführer 13 erfaßt. Dann beginnt der Aufbau einer neuen Spule.
1. Spulmaschine für automatischen Spulenwechsel,
mit einem Spulenrevolver mit mindestens zwei abwechselnd im Einsatz befindlichen Spanndornen
zur Aufnahme von Spulenhülsen,
mit einem Changierfadenführer
und mit Organen zum Ausheben des Fadens aus dem Changierfadenführer und zu seinem
Verlegen aus dem Changierbereich in einen Anknotwickelbereich,
gekennzeichnet durch folgende beim Spulenwechsel in ihre Einsatzstellung einrückbare
Organe:
a) eine obere achsenparallele Fadenführungsschiene (28) mit einem Anschlag (29) im
Anknotwickelbereich (16)
b) eine untere achsenparallele Fadenführungsschiene (30) mit einem Anschlag (31) im
Changierbereich
c) einen längs der oberen Fadenführungsschiene (28) bis in die Nähe des Anschlages
(29) verschieblichen Finger (39)
d) einen längs der unteren Fadenführungsschiene (30) bis über das Ende der Hülse (10)
hinaus verschieblichen Finger (40).
2. Spulmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Fadenführungsschienen
die Vorderkanten (28, 30) von zurückklappbaren Blechen (20, 21) sind.
3. Spulmaschine nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Bleche (20, 21) mit
Führungsstangen (18, 19) verbunden sind, auf denen in Achsrichtung verschiebliche
Ringe (36, 37) sitzen, an denen die Finger (39, 40) befestigt sind, und daß die Finger
(39, 40) durch Drehen der Führungsstangen (18, 19) gemeinsam mit den Blechen (20,
21) klappbar sind.