[0001] Die Erfindung betrifft einen Plasmaschmelzofen mit einem Deckel und einem Schmelzenbehälter,
durch dessen Seitenwand gegen die Ofenachse geneigt angeordnete Plasmabrenner geführt
sind, wobei an den Deckel eine mit Zugregler ausgestattete Hauptabgasleitung angeschlossen
ist und weiters eine gesonderte Ableitung für Abgase aus anderen Ofenöffnungen vorgesehen
ist.
[0002] Bei einem Plasmaschmelzofen wird zwischen dem (den) als Kathode geschalteten Plasmabrenner(n)
und einer Bodenelektrode bzw. einer Schmelze als Anode eine elektrische Entladung
aufrecht erhalten. Der Gleichstrom erzeugt einen sogenannten Plasmastrahl und fließt
in einem elektrisch leitenden Kanal aus ionisiertem, durch die Plasmabrenner eingebrachtem
Gas. Als Gas wird vorzugsweise für die Zündung Stickstoff und für den Schmelzvorgang
ein Edelgas, wie Argon, bzw. Mischungen dieser Gase verwendet. Im Innenraum des Plasmaofens
wird somit gleichzeitig eine Schutzgasatmosphäre gebildet, welche während des Schmelzvorganges
mit möglichst geringen Beimengungen erhalten werden soll. Dies ist insbesondere bei
der Erschmelzung von Stahlqualitäten mit niedrigen Stickstoffgehalten erforderlich.
[0003] Beim Einschmelzen von verunreinigtem Schrott - z.B. von ölhaltigem Schrott - kommt
es immer wieder zu starker Rauchgasentwicklung, wobei die Rauchgase üblicherweise
über einen Rauchgasstutzen im Deckel abgeleitet bzw.abgesaugt werden. Beim Absaugen
wird auch das Schutzgas mit abgezogen und infolge des entstandenen Unterdruckes tritt
durch Ofenöffnungen, wie z.B. Ofentüre und Gießauslauf, Umgebungsluft und damit Stickstoff,
Sauerstoff und Wasserdampf in das Ofeninnere ein. Die Folge sind Verunreinigungen
der Schmelze, welche nach dem Abguß als Einschlüsse, wie Oxide und Nitride, oder als
gelöste Substanzen im Gußstück vorliegen und somit eine Verminderung von dessen Qualität
bewirken.
[0004] Aus der AT-PS 295 179 ist ein Ventilationssystem für Lichtbogenöfen bekannt, mittels
welchem Gase und Rauch beseitigt und gewünschte atmosphärische Bedingungen im Ofen
geschaffen werden sollen.
[0005] Ein solcher Lichtbogenofen weist zwei voneinander getrennte Ableitungen für die Abgase
auf, wobei jede Ableitung mit einem Zugregler ausgestattet ist. Weiters ist nach der
AT-PS 295 179 ein Wahlschalter vorgesehen, der über Ventile die Zugregler wechselweise
während der Perioden des Schmelzens -einerseits und des Frischens und Verschlackens
andererseits öffnet und schließt. Die Elektroden sind durch das Ofengewölbe geführt,
die Aufrechterhaltung einer Schutzgasatmosphäre im Ofeninneren ist nicht vorgesehen.
Mit einem Ventilationssystem gemäß der AT-PS 295 179 ist insbesondere das Absaugen
des vom Gießauslauf sowie von der Ofentüre aufsteigenden Rauches nur sehr unvollkommen
möglich.
[0006] Die Erfindung stellt sich die Aufgabe, einen Plasmaschmelzofen - insbesondere einen
Plasmaprimärschmelzofen - zu schaffen, bei dem entstehende Abgase bzw. Reaktionsgase
sowie Stäube und Rauch wirksam abgeführt werden, ohne die Ofenhalle bzw. die Umwelt
zu belasten,und bei dem die Schutzgasatmosphäre im Ofeninneren während allen notwendigen
Arbeitsvorgängen - beispielsweise auch während eines eventuellen Nachchargierens oder
Abziehens von Schlacke - mit Sicherheit aufrecht erhalten wird.
[0007] Die gestellte Aufgabe wird bei einem Plasmaschmelzofen der eingangs definierten Art
dadurch gelöst, daß die gesonderte Ableitung als nach unten offener Kanal ausgebildet
ist, welcher im Bereich des oberen Randes des Schmelzenbehälters peripher an der Außenseite
des Behälters angebracht ist.
[0008] Mittels dieses Kanals ist die Absaugung von Rauch, Staub und Abgasen in jeder Phase
des Ofenbetriebes unabhängig von der Stellung des Zugreglers in der von der Öffnung
im Ofendeckel wegführenden Abgasleitung möglich.
[0009] Zweckmäßig weist der Kanal über Ofentüre und Gießauslauf haubenförmige Erweiterungen
auf, um den Abgasaustritt aus diesen vergleichsweise großen Ofenöffnungen auch beim
Anfall größerer Mengen sicher beherrschen zu können.
[0010] Vorzugsweise ist der Kanal-über eine Verbindungsleitung in Absaugrichtung hinter
dem Zugregler mit der vom Dekkel wegführenden Abgasleitung verbunden. Auf diese Weise
wird nur ein Saugzugventilator benötigt, die gesamten Abgase werden in einer Leitung
vereinigt und können gereinigt und entstaubt werden, bevor sie ins Freie gelangen
bzw. einer Gastrennung zur Wiedergewinnung von Schutzgas unterworfen werden.
[0011] Nach einer vorteilhaften Ausführungsform ist innerhalb des Ableitungskanals eine
Leitung für die Zufuhr von Schutzgas mit nach unten gerichteten Bohrungen über Ofentüre
und Gießauslauf vorgesehen.
[0012] Durch diese Bohrungen kann im Bedarfsfall Schutzgas geblasen werden, so daß gleichsam
ein Gasschleier oder -vorhang vor den beiden großen Ofenöffnungen aufgebaut wird.
Ein solcher Gasschleier verhindert einen Falschluftzutritt in den Ofeninnenraum, wenn
im Ofen kurzzeitig ein Unterdruck entsteht, und ermöglicht sogar die eventuelle Öffnung
der Ofentüre während des Einschmelzens, ohne daß die Schmelze - beispielsweise durch
Oxidation oder Stickstoffaufnahme - verunreinigt wird. Selbstverständlich sind zum
gleichen Zweck wie oben in der Leitung weitere Bohrungen - beispielsweise auch über
den Durchführungsöffnungen für die Plasmabrenner - möglich. Je nach Zusammensetzung
der Schmelze kommen als Schutzgase für den Gasschleier vorzugsweise Edelgase, insbesondere
Argon, Stickstoff oder Kohlendioxid, in Frage.
[0013] Die Erfindung wird anhand der Zeichnung näher erläutert. Fig. 1 zeigt eine Seitenansicht,
Fig. 2 eine Draufsicht auf eine Ausführungsform des erfindungsgemäßen Plasmaschmelzofens.
In Fig. 3 und in Fig. 4 sind Details im Bereich der Ofentür und im Bereich des Gießauslaufes
vergrößert und im Schnitt dargestellt, Fig. 5 zeigt einen Ausschnitt aus dem Ableitungskanal
mit der Anschlußstelle für die Zufuhrleitung von Schutzgas,teilweise im Schnitt.
[0014] Mit 1 ist der im wesentlichen zylindrische Schmelzenbehälter des Plasmaschmelzofens
bezeichnet, auf welchem ein wassergekühlter Deckel 2 ruht. Der Deckel ist mit einem
Deckeltragwerk 3 verbunden. Von einer Absaugöffnung im Deckel führt eine Abgasleitung
4 über einen Rohrkrümmer weg. Als Zugregler ist in der Abgasleitung eine Drosselklappe
5 eingebaut. Die Abgasleitung 4 ist an eine nicht dargestellte Absaugeinrichtung (Saugzugventilator)
angeschlossen. Unterhalb des Deckels 2 ist an der Außenseite des Schmelzenbehälters
1 ein nach unten offener Kanal 6 entlang des gesamten Umfanges des Behälters 1 angebracht.
[0015] über der Ofentüre 7 und über dem Gießauslauf 8 weist der Ableitungskanal 6 haubenförmige
Erweiterungen 9, 10 auf (
Fig. 3 und 4); der Kanal 6 ist über eine Verbindungsleitung 11 mit der Abgasleitung
4 verbunden, wobei die Verbindungsleitung 11 erst nach der Drosselklappe 5 in die
Abgasleitung 4 einmündet. Innerhalb des Kanals 6 ist eine Ringleitung 12 mit nach
unten gerichteten Bohrungen 13 über der Ofentür 7 und dem Gießauslauf 8 vorgesehen,
welche über das Anschlußstück 14 mit Schutzgas beaufschlagt werden kann (Fig. 5).
[0016] Drei mit 15 bezeichnete Plasmabrenner sind gegen die Ofenachse geneigt durch die
Seitenwand des Schmelzenbehälters 1 geführt. Die Plasmabrenner sind auf den Stützen
16 verfahrbar gelagert.
[0017] Seitlich neben dem Schmelzengefäß 1 sind ein Deckelhubwerk 17 und ein Deckelschwenkwerk
18 angeordnet. Der Bodenteil 19 des Ofens ruht mit Wiegebalken 20 auf am Fundament
21 abgestützten Laufbahnen 22. Die Bodenelektrode 23 durchsetzt den Bodenteil 19,-der
Stromanschluß ist nicht eingezeichnet.
[0018] Während des Einschmelzvorganges wird die vom Deckel 2 des Plasmaschmelzofens wegführende
Abgasleitung 4 mittels der Drosselklappe 5 verschlossen. Dadurch bleibt das in bekannter
Weise durch die Plasmabrenner in den Ofeninnenraum gelangende Schutzgas im Ofen; die
ursprünglich im Ofeninnenraum enthaltene Luft und die beim Einschmelzen entstehenden
Rauchgase entweichen durch die erwähnten Ofenöffnungen und werden über den Kanal 6,
Verbindungsleitung 11 und über die Abgasleitung 4 mittels eines Saugzugventilators
abgesaugt. Erleichtert wird die Abführung der Gase durch die im Bereich der Ofentür
und des Gießauslaufes vorgesehenen haubenförmigen Erweiterungen bzw. Fortsätze 9 und
10.
[0019] Bei Verwendung von stark verunreinigtem Material ist es natürlich auch möglich, am
Beginn der Einschmelzphase das zu schmelzende Material mittels einer Zusatzheizung,
einer sogenannten "Stützfeuerung" sowie unter O
2-Einblasen vorzuschmelzen, wobei große Mengen an Staub und Rauch anfallen, die durch
öffnen der Drosselklappe 5 rasch abgesaugt werden können. Daran schließt sich der
eigentliche, voranstehend beschriebene Einschmelzvorgang mit geschlossener Drosselklappe
5 an.
[0020] Wird Eisen- bzw. Stahlschrott erschmolzen, wird die Schmelze üblicherweise gefrischt.
[0021] Die während der Frischperiode anfallenden großen Mengen an Reaktionsgasen werden
gleichfalls größtenteils durch die Abgasleitung 4 über den Ofendeckel 2 abgezogen.
[0022] Wenn beim Einschmelzen keine starke Rauchgasentwicklung eintritt, muß der Saugzugventilator
überhaupt nicht eingeschaltet werden. In diesem Fall besteht die Gefahr, daß aufgrund
undefinierter Strömungsverhältnisse Druckschwankungen auftreten und daß sich temporär
ein leichter Unterdruck im Ofeninnenraum einstellt, welcher zur Folge hätte, daß Falschluft
durch die Ofentür bzw. den Gießauslauf in den Ofen dringen könnte. Falschluftzufuhr
ist auch infolge ständig stattfindender Gegendiffusionsvorgänge möglich.
[0023] Es wird daher die Gasringleitung 12 über ihr Anschlußstück 14 mit Schutzgas beaufschlagt.
Das Schutzgas strömt durch die Bohrungen 13 aus und bildet - wie bereits weiter oben
beschrieben - einen Schutzgasschleier im Bereich der Ofentür 7 bzw. des Gießauslaufes
8.
1. Plasmaschmelzofen mit einem Deckel (2) und einem Schmelzenbehälter (1), durch dessen
Seitenwand gegen die Ofenachse geneigt angeordnete Plasmabrenner (15) geführt sind,
wobei an den Deckel (2) eine mit Zugregler (5) ausgestattete Hauptabgasleitung (4)
angeschlossen ist und weiters eine gesonderte Ableitung für Abgase aus anderen Ofenöffnungen
vorgesehen ist, dadurch gekennzeichnet, daß die gesonderte Ableitung als nach unten
offener Kanal (6) ausgebildet ist, welcher im Bereich des oberen Randes des Schmelzenbehälters
(1) peripher an der Außenseite des Behälters (1) angebracht ist.
2. Plasmaschmelzofen nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Kanal (6) über
Ofentüre (7) und Gießauslauf (8) haubenförmige Erweiterungen (9,10) aufweist.
3. Plasmaschmelzofen nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß der
Kanal (6) über eine Verbindungsleitung (11) in Absaugrichtung hinter dem Zugregler
(5) mit der vom Deckel (2) wegführenden Abgasleitung (4) verbunden ist.
4. Plasmaschmelzofen nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß innerhalb
des Ableitungskanals (6) eine Leitung (12) für die Zufuhr von Schutzgas mit nach unten
gerichteten Bohrungen (13) über Ofentüre (7) und Gießauslauf (8) vorgesehen ist.