[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Kontaktstück für ein elektrisches Schaltgerät,
insbesondere für ein Schütz, gemäss Oberbegriff des Anspruches 1 sowie ein elektrisches
Schaltgerät mit wenigstens einem derartigen Kontaktstück.
[0002] Es sind Kontaktstücke für elektrische Schaltgeräte bekannt, bei denen der Stromführungsteil
C-förmig ausgebildet ist, wobei die Kontaktauflage auf der Oberseite des obern Schenkels
angeordnet ist (CH-PSen 506 871 und 559420). An die Kontaktauflage schliesst ein Lichtbogenlaufstück
aus ferromagnetischem Material an. Infolge der C-förmigen Ausbildung des Stromführungsteils
wird ein bei Kontakttrennung entstehender Lichtbogen durch magnetische Eigenblasung
von der Kontaktauflage weg über das Lichtbogenlaufstück zur Löschkammer getrieben.
[0003] Bei einem ähnlich aufgebauten Kontaktstück ist mit dem ebenfalls C-förmigen Stromführungsteil
ein Blechschuh mechanisch und elektrisch verbunden (DE-PS 1 207 027). Der Blechschuh
umgreift die Kontaktauflage gabelförmig und weist einen in Längsrichtung des obern
Schenkels des Stromführungsteils verlaufenden Spalt auf. Dieser Blechschuh dient dazu,
den Lichtbogen in der Mitte des Kontaktstückes zu halten und somit ein seitliches
Auswandern des Lichtbogens zu verhindern. Das Ablaufen des Lichtbogens von der Kontaktauflage
in Richtung auf die Löschkammer wird auch bei dieser Lösung hauptsächlich durch die
C-förmige Ausbildung des Stromführungsteils bewirkt.
[0004] Alle vorstehend beschriebenen Kontaktstücke benötigen wegen der C-Form ihrer Stromführungsteile
entsprechend viel Platz, was sich nachteilig auf die Bauhöhe des Schaltgerätes auswirkt.
[0005] Aus der GB-PS 1-544 176 ist nun ein Kontaktstück der eingangs genannten Art bekannt,
bei dem der Stromführungsteil als gerade Schiene ausgebildet ist, die an der einen
Seite mit einer Kontaktauflage und einem an diese anschliessenden Lichtbogenführungsstück
versehen ist. Die Verbindungsstelle zwischen dem Lichtbogenführungsstück und der Stromführungsschiene
liegt in Stranflussrichtung in letzterer gesehen hinter der Kontaktauflage. Diese
Lösung ist zwar wegen der Ausbildung des Stromführungsteiles als gerade Schiene von
platzsparender Bauweise, hat jedoch den Nachteil, dass der Lichtbogen wegen der fehlenden
oder zumindest unzureichenden magnetischen Eigenblasung nur sehr schwer zum Uebertreten
von der Kontaktauflage auf das Lichtbogenführungsstück und zum Abwandern entlang des
letztern gebracht werden kann. Das bedeutet, dass der Lichtbogen verhältnismässig
lange auf der Kontaktauflage verharrt, was zu einem entsprechend starken, unerwünschten
Abbrennen derselben führt.
[0006] Der vorliegenden Erfindung liegt nun die Aufgabe zu Grunde, ein Kontaktstück der
eingangs genannten Art zu schaffen, das bei kompakter, raumsparender Bauweise ein
rasches Uebertreten des Lichtbogens von der Kontaktauflage auf den Lichtbogenführungsteil
und ein einwandfreies Fortbewegen des Lichtbogens entlang dieses Lichtbogenführungsteils
ermöglicht.
[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäss durch die Merkmale des kennzeichnenden Teils
des Anspruches 1 gelöst.
[0008] Durch das seitliche Umgreifen der Kontaktauflage durch den Lichtbogenführungsteil
wird eine rasche Uebernahme des Lichtbogens durch den Lichtbogenführungsteil sichergestellt.
Der Lichtbogen verweilt somit nur sehr kurze Zeit auf der Kontaktauflage. Da der an
die Kontaktauflage anschliessende Abschnitt des Lichtbogenführungsteils gegen den
Stromführungsteil elektrisch isoliert ist und sich in Gegenrichtung zur Flussrichtung
des Stromes im Stromführungsteil von der Kontaktauflage weg erstreckt, tritt ähnlich
wie bei den beschriebenen, bekannten Kontaktstücken mit C-förmigem Stromführungsteil
eine magnetische Eigenblasung auf, durch die der Lichtbogen über den Lichtbogenführungsteil
von der Kontaktauflage weg bewegt wird. Im Gegensatz zu diesen bekannten Lösungen
kann jedoch der Stromführungsteil aus einem geraden, schienenartigen Leiterstück bestehen,
auf dem - durch eine Zwischenlage aus elektrisch isolierendem Werkstoff von diesem
getrennt - der Lichtbogenführungsteil aufliegt. Die auf diese Weise erhaltene kompakte
Konstruktion erfordert nur einen minimalen Platzbedarf.
[0009] Bevorzugte Ausführungsformen des erfindungsgemässen Kontaktstückes bilden Gegenstand
der abhängigen Ansprüche 2 - 6.
[0010] Ein mit wenigstens einem erfindungsgemässen Kontaktstück versehenes elektrisches
Schaltgerät zeichnet sich durch die Merkmale des kennzeichnenden Teils des Anspruches
7 aus. Bei einem derartigen Gerät kann das Auswechseln des Kontaktstückes durch Lösen
von der Stromzuführungsschiene auf verhältnismässig einfache Weise erfolgen, ohne
dass hiefür die Verbindung der Stromzuführungsschiene mit dem an diese angeschlossenen
Leiter gelöst zu werden braucht.
[0011] Im folgenden werden anhand der Zeichnung Ausführungsbeispiele des Erfindungsgegenstandes
näher erläutert. Es zeigen rein schematisch:
Fig. 1 und 2 ein Kontaktstück in Draufsicht bzw. im Längsschnitt entlang der Linie
II - II in Fig. 1,
Fig. 3 in einer der Fig. 1 entsprechenden Darstellung eine Variante des Kontaktstückes
gemäss den Fig. 1 und 2, und
Fig. 4 im Längsschnitt einen Teil einer Hälfte eines elektrischen Schaltgerätes mit
Kontaktstücken gemäss den Fig. 1 und 2 bzw. 3.
[0012] Das in den Fig. 1 und 2 gezeigte Kontaktstück 1 weist ein gerades, in der Art einer
Stromschiene ausgebildetes Stromführungsstück 2 auf, das aus einem elektrisch leitenden
Material, z.B. Kupfer, besteht. An seinem einen Ende ist das Stromführungsstück 2
mit einer einseitig offenen Ausnehmung 3 versehen. Im Bereich des andern Endes ist
im Stromführungsstück 2 eine Erhöhung 4 ausgeformt, welche beispielsweise durch Prägen
hergestellt werden kann. Auf dieser Erhöhung 4 sitzt eine plättchenförmige Kontaktauflage
5, z.B. aus AgCdO, welche mit dem Stromführungsstück 2 durch Löten verbunden ist.
[0013] Mit dem Stromführungsstück 2 ist ein Lichtbogenführungsstück 6 verbunden, das sich
auf derselben Seite wie die Kontaktauflage 5 befindet. Das Lichtbogenführungsstück
6 besteht aus ferromagnetischem Material, vorzugsweise aus einem magnetisch weichen
Werkstoff. Der eine Schenkel 6a des L-förmigen Lichtbogenführungsstückes 6 erstreckt
sich in Gegenrichtung zur Flussrichtung A (Fig. 2) des Stromes im Stromführungsstück
2 von der Kontaktauflage 5 weg und liegt auf dem Stromführungsstück 2 auf. Zwischen
diesem Schenkel 6a und dem Stromführungsstück 2 ist eine Zwischenlage 7 aus einem
elektrisch isolierenden Werkstoff angeordnet. Diese Zwischenlage 7 kann beispielsweise
ein Glimmerplättchen sein. Der andere Schenkel 6b steht vom Schenkel 6a unter einem
Winkel von etwa 90
0 ab.
[0014] An der Verbindungsstelle 8 sind Stromführungsstück 2 und Lichtbogenführungsstück
6 mittels zweier Nieten 9 miteinander verbunden. Diese Verbindungsstelle 8 liegt,in
der bereits erwähnten Stromflussrichtung A gesehen,vor der Kontaktauflage 5. Der Schenkel
6a ist an seinem Ende mit zwei parallel zueinander verlaufenden Zungen 10 und 11 versehen,
zwischen denen sich eine Ausnehmung 12 befindet. Mit diesen beiden Zungen 10 und 11
umgreift der Schenkel6a die Kontaktauflage 5 seitlich.
[0015] Das in Fig. 3 gezeigte Kontaktstück 1 unterscheidet sich von demjenigen gemäss den
Fig. 1 und 2 nur durch die andersartigeForm der Kontaktauflage 5.
[0016] In Fig. 4 ist im Schnitt ein Teil einer der beiden spiegelbildlich zueinander angeordneten
Hälften eines Schützes 13 gezeigt, der mit zwei Kontaktstücken 1 gemäss den Fig. 1
und 2 bzw. 3 ausgerüstet ist. Wegen der spiegelbildlichen Anordnung der beiden Gehäusehälften
hat die nachfolgende Beschreibung der Fig. 4 sinngemäss auch Gültigkeit für die nicht
dargestellte Hälfte des Schützes 13.
[0017] Die Kontaktanordnung des Schützes 13 ist in einem Gehäuse 14 aus einem elektrisch
isolierenden Material untergebracht. Durch die eine Wand 14a des Gehäuses 14 erstreckt
sich eine Stromzuführungsschiene 15, die beispielsweise aus Kupfer besteht, hindurch,
welche mittels einer Schraube 16 am Gehäuse 14 befestigt ist. An ihrem ausserhalb
des Gehäuses 14 liegenden Ende ist die Stromzuführungsschiene 15 mit einem Anschluss
17 für einen elektrischen Leiter versehen. Auf dieser Stromzuführungsschiene 15 liegt
der Stromführungsteil 2 des Kontaktstückes 1 auf, welches mittels einer durch die
Ausnehmung 3 im Stromführungsteil 2 hindurchgreifenden Schraube 18 lösbar mit der
Stromzuführungsschiene 15 verbunden ist. Neben den beiden festen Kontaktstücken 1
weist die Kontaktanordnung weiter eine bewegliche Kontaktbrücke 19 auf, an welcher
zwei Kontaktplättchen 20 angebracht sind, die über einen Verbindungsteil 21 aus einem
elektrisch leitenden Material, beispielsweise Kupfer, miteinander verbunden sind.
Jedes Kontaktplättchen 20, das beispielsweise aus AgCdO besteht, wirkt mit der Kontaktauflage
5 des zugeordneten festen Kontaktstückes 1 zusammen. Der Verbindungsteil 21 ist an
einem Träger 22 befestigt. Der genaue Aufbau der Kontaktbrücke 19 ist in der gleichzeitig
eingereichten europäischen Patentanmeldung (Vertreterakte A 4024 EP) näher beschrieben.
[0018] Die Kontaktanordnung ist auf an sich.bekannte Weise von einer Lichtbogenlöschkammer
23 umgeben, welche eine Anzahl von in einem gegenseitigen Abstand und parallel zueinander
angeordneten Löschblechen 24 versehen ist. Weiter sind im Gehäuse Entlüftungsöffnungen
25 vorgesehen. Wie aus Fig. 4 hervorgeht, erstreckt sich der Schenkel 6b des Lichtbogenführungsstückes
6 etwa parallel zu diesen Löschblechen 24 und ist zwischen diesen und der Gehäusewand
14a angeordnet. Dieser Schenkel 6b schliesst somit die Löschkammer 23 ab.
[0019] Die beschriebene Ausbildung des Schützes 13 erlaubt ein einfaches Austauschen des
Kontaktstückes 1. Dieses kann bei geöffnetem Gehäuse 14 durch Lösen der Schraube 18
entfernt und durch ein neues Kontaktstück ersetzt werden. Dabei ist es nicht nötig,
die Verbindung zwischen der Stromzuführungsschiene 15 und dem an diese angeschlossenen
Leiter zu lösen.
[0020] Beim Abheben der Kontaktbrücke 19 von den festen Kontaktstücken 1 entsteht zwischen
den Kontaktauflagen 5 und 20 ein Lichtbogen. Da die Kontaktauflage 5 vom Lichtbogenführungsstück
6 seitlich zangenartig umgriffen wird, tritt jedoch dieser Lichtbogen rasch auf den
Schenkel 6a des Lichtbogenführungsstücke über. Die Verweilzeit des Lichtbogens auf
der Kontaktauflage 5 ist demzufolge sehr kurz, was sich vorteilhaft auf die Lebensdauer
der Kontaktauflage 5 auswirkt. Nach dem Uebertritt auf den Schenkel 6a wird der Lichtbogen
infolge magnetischer Eigenblasung entlang des Lichtbogenführungsstückes 6 von der
Kontaktauflage 5 weg zu den Löschblechen 24 getrieben. Durch die elektrische Trennung
des Schenkels 6a vom Stromführungstück 2 mittels der Isolationszwischenlage 7 wird
bewirkt, dass bei sich von der Kontaktauflage 5 her gesehen hinter der Verbindungsstelle
8 befindlichem Lichtbogenfusspunkt die Stromflussrichtung im Schenkel 6a der Flussrichtung
A des Stromes im Stromführungsstück 2 entgegengesetzt ist, wodurch eine rasche Wanderung
des Lichtbogens zu den Löschblechen 24 sichergestellt wird.
[0021] Der Schenkel 6a des Lichtbogenführungsstückes 6 und das Stromführungsstück 2 können
auch auf andere als die gezeigte Weise voneinander elektrisch isoliert werden. So
ist es beispielsweise möglich, anstelle der Zwischenlage 7 auf dem Schenkel 6a bzw.
auf dem Stromführungsstück 2 eine elektrisch isolierende Beschichtung, z.B. eine Oxydschicht,
anzubringen.
1. Kontaktstück für ein elektrisches Schaltgerät, insbesondere für ein Schütz, mit
einem länglichen, plattenförmigen Stromführungsteil, der auf seiner einen Seite eine
Kontaktauflage sowie einen an letztere anschliessenden Lichtbogenführungsteil aufweist,
der mit dem Stromführungsteil verbunden ist, dadurch gekennzeichnet, dass der Lichtbogenführungsteil
(6) einen die Kontaktauflage (5) seitlich zangenartig umgreifenden Abschnitt (6a)
aufweist, der sich von der Kontaktauflage (5) in Gegenrichtung zur Stromflussrichtung
(A) im Stromführungsteil (2) erstreckt und an letzterem unter Zwischenschaltung einer
elektrischen Isolationsschicht (7 ) anliegt.
2. Kontaktstück nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Verbindungsstelle
(8) zwischen Lichtbogenführungsteil (6) und Stromführungsteil (2) in Stromflussrichtung
(A) in letzterem gesehen vor der Kontaktauflage (5) und vorzugsweise benachbart zu
dieser angeordnet ist.
3. Kontaktstück nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die elektrische
Isolationsschicht durch äne zwischen dem Stromführungsteil (2) und dem an diesem anliegenden
Abschnitt (6a) des Lichtbogenführungsteils (6) angeordnete Zwischenlage (7 ) aus einem
elektrischen Isoliermaterial, z.B. Glimmer, gebildet ist.
4. Kontaktstück nach einem der Ansprüche 1 - 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Lichtbogenführungsteil
(6) einen, am der Kontaktauflage (5) gegenüberliegenden Ende des ersten Abschnittes
(6a) an diesen anschliessenden und mit letzterem vorzugsweise einstückig ausgebildeten,
zweiten Abschnitt (6b) aufweist, der mit dem ersten Abschnitt (6a) einen Winkel von
vorzugsweise etwa 90° bildet.
5. Kontaktstück nach einem der Ansprüche l - 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Lichtbogenführungsteil
(6) aus einem magnetisch weichen Werkstoff besteht.
6. Kontaktstück nach einem der Ansprüche 1 - 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Stromführungsteil
Mittel (3) zum Befestigen an einer Stromführungsschiene ( 15) , z.B. eine Durchtrittsöffnung
(3) für einen Schraubenbolzen (18), aufweist.
7. Elektrisches Schaltgerät, insbesondere Schütz, mit wenigstens einem Kontaktstück
nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Kontaktstück (1) an einer mit dem
Gerätegehäuse (14) verbundenen und mit einem Anschluss (17) für einen Leiter versehene
Stromzuführungsschiene (15) lösbar, vorzugsweise mittels einer Schraubenverbindung
(18), befestigt ist.
8. Schaltgerät nach Anspruch 7 mit einer Lichtbogenlöschkammer, in der Löschelemente
angeordnet sind und mit wenigstens einem Kontaktstück nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet,
dass der zweite Abschnitt (6b) des Lichtbogenführungsteils (6) im wesentlichen parallel
zu den Löschelementen (24) und zwischen letzteren und einer Wand (14a) des Gerätegehäuses
(14) verläuft.