(19)
(11) EP 0 082 970 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
06.07.1983  Patentblatt  1983/27

(21) Anmeldenummer: 82111057.4

(22) Anmeldetag:  30.11.1982
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)3F42C 19/08
(84) Benannte Vertragsstaaten:
BE DE FR GB IT NL SE

(30) Priorität: 28.12.1981 DE 3151673

(71) Anmelder: HÜLS TROISDORF AKTIENGESELLSCHAFT
D-53839 Troisdorf (DE)

(72) Erfinder:
  • Brede, Uwe
    D-8510 Fürth (DE)
  • Hübsch, Günter
    D-8501 Kalchreuth (DE)
  • Stahlmann, Rudolf
    D-8510 Fürth (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Flammleitrohr für Treibladungsanzünder


    (57) Vorliegende Erfindung behandelt ein Flammleitrohr, das vorwiegend in Treibladungsanzündern für großkalibrige Munition eingesetzt wird. Es enthält seitlich Öffnungen, aus denen die Zündgase, die von an sich bekannten Zündsystemen ausgesendet werden, austreten, um entweder eine Anzündverstärkerladung oder eine Treibladung direkt zu zünden. Erfindungsgemäß gehen von diesen Öffnungen axial solche Sicken aus, die in das Innere das Flammleitrohres hineinragen und deren Tiefe in Richtung zum Ende des Flammleitrohres hin abnehmen. Die Sicken sind vorzugsweise radial angeordnet. In dem Flammleitrohr können mehrere solcher radial angeordneter Sicken vorhanden sein. Das Ende des Flammleitrohres kann weiterhin als Kegel ausgebildet sein, dessen Spitze zum Anzündsystem hinweist.




    Beschreibung


    [0001] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Flammleitrohr in Treibladungsanzünder, die vorwiegend zum Zünden großer Pulvermengen, wie sie beispielsweise bei großkalibriger Munition vorkommen, eingesetzt wird. Solche Treibladungsanzünder enthalten ein an sich bekanntes Anzündsystem aus einem mechanischen oder elektrischen Anzündhütchen und eine Übertragungsladung, die sich an einem Ende eines Flämmleitrohres befinden, um das herum vorzugsweise eine Anzündverstärkerladung z.B. in Form einer ringförmigen Tablettensäule angeordnet ist. Die Anzündverstärkerladung befindet sich innerhalb eines Zündführungsgehäuses, das seitlich mit Öffnungen zum Austreten der Zündgase der Anzündverstärkerladung versehen ist.

    [0002] Bei diesen bekannten Treibladungsanzündern strömen nach Zündung der Übertragungsladung, die sich gegebenenfalls Sin einer Druckkammer befindet, deren Verbrennungsgase in das Flammleitrohr ein, das seitlich mit radialen Öffnungen zum Austreten der Zündflamme versehen ist. Durch die durch diese Öffnungen ausströmenden Gase kann entweder eine Anzündverstärkerladung oder eine Treibladung direkt gezündet werden.

    [0003] Diese bekannte Anordnung hat den Nachteil, daß die Treibladung oder die Verstärkerladung in dem Bereich, der näher an der Übertragungsladung liegt, früher gezündet wird als in den weiter entfernt liegenden Bereichen, so daß keine gleichmäßige Verteilung der Flammenfront der gezündeten Ladung über ihre axiale Erstreckung resultiert. Eine solch örtlich und zeitlich unterschiedliche Verteilung der Zündflammenfront ist jedoch unerwünscht. Weiterhin treten bei dieser bekannten Anordnung innerhalb des Flammleitrohres erhebliche Reflexionen der von der Übertragungsladung ausgehenden axialen Druckwelle auf, die zu stehenden Druckwellen führen können. Aufgrund solcher stehenden Druckwellen wird das zeitlich und örtlich ungleichmäßige Zünden z.B. einer Anzündverstärkerladung noch weiter verstärkt.

    [0004] Es bestand deshalb die Aufgabe, diese bekannten Treibladungs anzünder dermaßen auszubilden, daß eine zeitlich möglichst gleiche Zündung einer Anzündverstärkerladung in ihrer gesamten Länge erfolgt und diese nach ihrer Zündung eine gleichmäßige Flammenfront erzeugt.

    [0005] In Erfüllung dieser Aufgabe wurde nun ein Flarsmleitrohr für vorzugsweise oben genannte Anordnung gefunden, das dadurch gekennzeichnet ist, daß von den Öffnungen in dem Flammleitrohr ausgehend axial solche Sicken angeordnet sind, die in das Innere des Flammleitrohres hineinragen und derer Tiefe in Richtung zum Ende des Flammleitrohres hin abnimmt.

    [0006] Das erfindungsgemäße Flammleitrohr eignet sich besonders für solche Treibladungsanzünder, mit denen großkalibrige Munition gezündet werden soll. Solche Treibladungsanzünder weisen eine, mit radialen Austrittsöffnungen versehenes Zündführungsgehäuse auf, in dem eine Anzündverstärkerladung radial um das koaxial im Innern befindliche Flammleitrohr angeordnet ist.

    [0007] Die jeweils an den Öffnungen des Flammleitrohres beginnenden Sicken ragen als längliche Vertiefungen in das Flammleitrohr hinein. Sie werden in Richtung zum Ende des Flammleitrohres hin flacher, wobei als Ende des Flammleitrohres die vom Anzündsystem abgewandte Seite verstanden werden soll. Die axiale Länge dieser Vertiefungen hängt u.a. von dem Durchmesser des Flammleitrohres, der Größe der seitlichen Öffnungen in dem Flammleitrohr und der Strömungsgeschwindigkeit der Flammengase der Verstärkerladung ab. Im allgemeinen ist die Länge der Sicken etwa halb so groß bis doppelt so groß wie der Durchmesser des Flammleitrohres. An ihren Enden, d.h. an der vom Anzündsystem abgewandten Seite, geht die Sicke in die Wandung des Flammleitrohres über.

    [0008] Die Sicken können die Form eines Kegelschnitts haben; sie können jedoch auch laschenförmig ausgebildet sein und an ihrem Anfang, d.h. an ihrer tiefsten Stelle im Bereich der seitlichen Öffnungen, von der Wandung des Flammleitrohres abgetrennt sein, so daß sie dort als Zungen in das Flammleitrohr hineinragen. Der Winkel, den die Sicken oder Laschen mit dem Mantel des Flammleitrohres bilden, ist bei denjenigen Sicken, die dem Anzündsystem am nächsten gelegen sind, am kleinsten, so daß dort die Sicken oder Laschen nur wenig in das Innere des Flammleitrohres hineinragen. Zum Ende des Flammleitrohres hin wird dieser Winkel in einer bevorzugten Ausführungsform zunehmend größer, so daß am Ende des Flammleitrohres die Sicken bei konstanter Länge am weitesten in das Innere des Flammleitrohres hineinragen.

    [0009] Die seitlichen Öffnungen an den Flammleitrohren mit den sich daran anschließenden Sicken sind vorzugsweise radial angeordnet. Sie liegen dann in einer Querschnittsebene des Flammleitrohres. In einer solchen Ebene sind dann zwei oder mehrere Öffnungen gleichmäßig über den Umfang des Flammleitrohres ringförmig angeordnet. Erfindungsgemäß genügt es, wenn ein einziger solcher Ring von Öffnungen mit den sich daran anschließenden Sicken vorhanden ist. Es ist jedoch zweckmäßig, zwei oder mehrere solcher Öffnungsringe in dem Flammleitrohr anzuordnen; dabei sollten bei jedem Öffnungsring die dazugehörigen Sicken gleich tief in das Rohr hineinragen. Die Sicken an dem letzten Öffnungsring vor dem Ende des Flammleitrohres können dann auch soweit in das Innere des Flammleitrohres hineinragen, da2 sie dessen Querschnitt voll ausfüllen.

    [0010] Sie bilden dann im Fall, daß an dieser Stelle drei oder mehrere radiale seitliche Öffnungen am Flammleitrohr einen Öffnungsring bilden, einen unregelmäßigen Kegelstumpf im Inneren des Flammleitrohres, dessen spitze Seite zum Anzündsystem hinweist.

    [0011] Die Tiefe, mit der die Sicken in das Flammleitrohr hineinragen, richtet sich hauptsächlich nach der Strömungsgeschwindigkeit und der Zusammensetzung der Anzündgase. Sie hängt auch davon ab, ob über die Länge des Flammleitrohres hinweg nur ein oder zwei oder mehrere öffnungsringe angeordnet sind.

    [0012] Es ist weiterhin empfehlenswert, das Ende des Flammleitrohres kegelförmig so auszubilden, daß die Spitze dieses Kegels zum Anzündsystem hinweist. Der Kegelwinkel richtet sich auch dabei wieder hauptsächlich nach der Strömungsgeschwindigkeit und der Schallgeschwindigkeit der heißen Anzündgase. Dieser Kegel hat die Aufgabe, durch Interferenz die Reflexionen der ankommenden Druckfront der Anzündgase zu eliminieren.

    [0013] Die Erfindung wird in der beigefügten Zeichnung beispielhaft erläutert. Figur 1 stellt einen Längsschnitt durch einen Treibladunasanzünder mit einem erfindungsgemäßen Flammleitrohr dar. In einem Zündführungsgehäuse 4 befindet sich eine Anzündverstärkerladung 5, die mit einem Flammleitrohr 1 verbunden ist. Zwischen Flammleitrohr 1 und der Wan- dung des Zündführungsgehäuses 4 ist die Verstärkerladung 6 angeordnet. Die Wandung des Zündführungsgehäuses 4 enthält im Bereich der Verstärkerladung 6 Öffnungen, die hier nicht gezeigt sind.

    [0014] In dem Flammleitrohr 1 sind Öffnungen 2 vorhanden, die sich radial auf einer Querschnittsfläche des Flammleitrohres 1 befinden. In Figur 1 ist jeweils ein Paar solcher Öffnungen 2 in einer Querschnittsfläche eingezeichnet; es können jedoch auch mehrere solcher Öffnungen in einer Querschnittsfläche vorhanden sein.

    [0015] Die Sicken oder Vertiefungen, die sich an die Öffnungen 2 anschließen und in das Flammleitrohr 1 hineinragen, sind aus Figuren 2 und 3 erkenntlich, die einen Schnitt durch die Ebene A-B zeigen. Diese Figuren zeigen zwei mögliche Ausführungsformen für die geometrische Form der Sicken; wichtig ist nur, daß sie in das Innere des Flammleitrohres hineinragen und als Vertiefungen ausgebildet sind, die zum Ende des Flammleitrohres 1 hin zunehmend flacher werden. Das Ende des Flammleitrohres 1 ist in der hier gezeigten bevorzugten Durchführungsform als Kegel 3 ausgebildet.


    Ansprüche

    1. Flammleitrohr für Treibladungsanzünder für Munition, das mit seitlichen Öffnungen zum Austritt von Zündgasen versehen ist, dadurch gekennzeichnet , daß ausgehend von den Öffnungen in dem Flammleitrohr axial solche Sicken angeordnet sind, die in das Innere des Flammleitrohres hineinragen und deren Tiefe in Richtung zum Ende des Flammleitrohres hin abnimmt.
     
    2. Treibladungsanzünder gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Öffnungen mit den sich daran anschließenden Sicken radial angeordnet sind.
     
    3. Treibladungsanzünder gemäß Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß mehrere Öffnungen in einer Querschnittsebene des Flammleitrohres gleichmäßig über dessen Umfang verteilt als Öffnungsringe angeordnet sind.
     
    4. Treibladungsanzünder gemäß Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß über die Länge des Flammleitrohres hinweg zwei oder mehrere radiale Öffnungsringe angeordnet sind.
     
    5. Treibladungsanzünder gemäß einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Sicken zum Ende des Flammleitrohres hin zunehmend eine größere Tiefe besitzen.
     
    6. Treibladungsanzünder gemäß einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß an dem vom Anzündsystem abgewandten Ende des Flammleitrohres ein Kegel in der Weise angeordnet ist, daß seine Spitze zum Anzündsystem weist.
     




    Zeichnung