[0001] Die Erfindung betrifft ein wasser- und luftdichtes feuchtigkeitsleitendes Textilmaterial.
[0002] Textile Materialien finden in großem Umfang und in den unterschiedlichsten Bereichen
Verwendung, beispielsweise als Schutzbekleidung für zivile und/oder militärische Zwecke
oder für Zeltplanen und ähnliches. Ein wesentliches Merkmal der hierfür verwendeten
Textilmaterialien ist ihre Dichtigkeit, je nach Einsatzzweck sowohl gegenüber Staub
als auch gegenüber Feuchtigkeit. Allerdings muß z. B. bei der Verwendung textiler
Materialien als Schutzbekleidung auch dafür gesorgt werden, daß die vom Körper produzierte
Feuchtigkeit abgeführt wird. Der wirksamste Weg, überschüssige Körperwärme abzugeben,
ist beim Menschen die Verdunstung von Wasser, die normalerweise bereits in der Haut
geschieht, die dabei trocken bleibt. Dieser Mechanismus funktioniert aber nur, wenn
der produzierte Wasserdampf abtransportiert werden kann. Hieraus folgt, daß die Fähigkeit
einer Kleidung, Wasserdampf durchzulassen, für das Wohlbefinden des Trägers maßgebend
ist. Normalerweise wird diese Eigenschaft der Kleidung durch eine mehr oder weniger
hohe Luftdurchlässigkeit erreicht, wodurch der im Grunde irreführende Begriff der
Atmungsaktivität entstand, weil es keine Hautatmung gibt, sondern lediglich die Feuchtigkeit
nach außen abgegeben werden muß.
[0003] Insbesondere im Bereich der Schutzbekleidung, wie Wetterschutz, Arbeitsschutz oder
für militärische Zwecke, aber auch im Freizeitsektor, z. B. bei Anoraks, Zeiten, Schlafsäcken
usw. wird zwar einerseits eine ausreichende Wasserdampfdurchlässigkeit verlangt, andererseits
müssen diese Materialien aber auch eine mehr oder weniger ausgeprägte Dichtigkeit
gegenüber Wasser oder Luft aufweisen.
[0004] Aus der DE-A 2 948 892 ist ein feuchtigkeitsdurchlässiges, wasserdichtes beschichtetes
textiles Flächengebilde bekannt, bei dem nach dem sogenannten Naßkoagulationsverfahren
auf wenigstens einer Seite des Grundmaterials eine mikroporöse Polyurethanschicht
gebildet wird, wobei eine Beschichtungslösung verwendet wird, die in einem polaren
organischen Lösungsmittel 8 bis 25 Gew.-% eines Polyurethan-Elastomeren, 0,1 bis 10
Gew.-% eines wasserabweisenden Mittels, 0,2 bis 3 Gew.-% Polyisocyanat und 1 bis 8
Gew.- % eines nichtionogenen oberflächenaktiven Mittels in einem polaren organischen
Lösungsmittel enthält. Dieses Flächengebilde soll neben gutem Faltenwurf und gutem
Griff eine ausgezeichnete Feuchtigkeitsdurchlässigkeit bei mäßiger Luftdurchlässigkeit
und dauerhafter Wasserdichtigkeit aufweisen.
[0005] Beim Koagulieren der Dimethylformamid-Lösung mit den herkömmlichen Koagulationsverfahren
bildet sich jedoch eine inhomogene Porenstruktur mit den wenigsten Poren in der Nähe
der Oberfläche aus, weshalb man von einer Hautbildung spricht. Diese Hautbildung beeinträchtigt
die Wasserdampfdurchlässigkeit in erheblichem Maße, weshalb das bekannte Material,
abgesehen von seiner Luftdurchlässigkeit, für viele Zwecke, insbesondere für ABC-Schutzanzüge,
nicht in Betracht kommt.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Textilmaterial zur Verfügung zu stellen,
daß nicht nur wasser- und luftdicht ist, sowie gleichzeitig eine beträchtliche Menge
Feuchtigkeit speichern, transportieren und in Form von Wasserdampf abgeben kann, sondern
für bestimmte Zwecke auch eine spezifische Schutzwirkung entfaltet, z. B. gegenüber
chemischen Kampfstoffen, Bakterien oder Strahlen.
[0007] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe durch ein Textilmaterial gemäß dem Oberbegriff des
Hauptanspruchs gelöst, bei dem Aktivkohle, Aluminiumhydroxid, Antimonoxid, Deccabromdiphenyläther
und/oder Bleisulfat in die Beschichtung eingelagert oder auf diese aufgebracht sind.
Beim Bestreben, die oben erwähnte Hautbildung zu vermeiden, wurde überraschenderweise
gefunden, daß durch das teilweise Vorkoagulieren der Streichmasse in Berührung mit
den genannten Substanzen mit spezifischer Schutzwirkung die Hauptkoagulation sehr
gleichmäßig verläuft und zu einem Material mit sehr hoher Wasserdampfdurchlässigkeit
führt, obwohl man befürchten mußte, daß beim Einarbeiten der erfindungsgemäßen Schutzstoffe
in das Polyurethangel oder bei der Behandlung im Fällbad ein Verstopfen der Poren
der Teilchen, insbesondere der Aktivkohleteilchen, eintritt. Bei Verwendung von Aktivkohle
wird nach einem Vorschlag der Erfindung so verfahren, daß sofort nach dem Auftragen
der Streichmasse diese mit der feinkörnigen Aktivkohle bestreut und anschließend gewässert
und getrocknet wird.
[0008] Je nach der Dicke der Beschichtung, die in der Regel 50 bis 200 gm, insbesondere
etwa 100 µm beträgt, erreicht eine Wasserdampfdurchlässigkeit von etwa 5000 bis 20000
g/cm
2 . 24 h.
[0009] Die durch die Mikroporenstruktur der Beschichtung bereits vorhandene Speicherwirkung
kann durch Einlagerung von sogenannten Quellkörpern auf Zellulosebasis noch verbessert
werden.
[0010] Der textile Träger kann die Struktur eines Gewebes oder Gewirkes aber auch eines
Vlieses bzw. eines sogenannten non-woven Materials haben. Er kann beispielsweise aus
Naturfasern, wie Baumwolle, Wolle oder Seide aber auch aus synthetischen Fasern auf
Basis von Polyestern, Polyamiden, Polyacrylnitril, Aramiden oder sogar mineralischen
Fasern, wir Glasfasern oder Kohlenstoff-Fasern hergestellt sein. Es ist nicht entscheidend,
ob der textile Träger selbst hydrophob oder hydrophil ist, sondern es kommt vorwiegend
darauf an, daß er wasserdampfdurchlässig ist. Dazu kann bei einem sehr dichten, nur
noch wenig luftdurchlässigen textilen Flächengebilde auch die eigene Hydrophilität
der Fasern beitragen, während ein hydrophober textiler Träger genügend offen sein
sollte, um auf diese Weise ausreichend wasserdampfdurchlässig zu sein.
[0011] Als textiles Material kann auch ein flammhemmend ausgerüstetes Gewebe oder Gewirke
bzw. ein mit flammhemmend ausgerüsteten Garnen hergestelltes Flächengebilde verwendet
werden. Das koagulierte Polyurethan ist auf dem textilen Trägermaterial vorzugsweise
in dünner Schicht aufgetragen, wobei die Wasserdichtigkeit durch ein mit- einpolymerisiertes
oder mit-vermischtes und mit-koaguliertes Hydrophobierungsmittel, z. B. Silikone,
erhöht werden kann. Die Wasserdichtigkeit kann auch durch eine nachträgliche Hydrophobierung
zusätzlich gesteigert werden.
[0012] Ein mit dem koagulierten Polyurethan beschichtetes Textilmaterial eignet sich hervorragend
zum Einsatz als Regenschutz, Staubschutz, ABC-Schutz usw. und findet beispielsweise
Verwendung als Schutzbekleidung. Das erfindungsgemäße Textilmaterial kann als Schutzbekleidung
auch für besonders beanspruchte Bekleidungsstücke, wie Seenot-Rettungsanzüge für Piloten
oder Personen, die schwere Arbeiten verrichten müssen, verwendet werden. Hier ist
die hohe Wasserdampfdurchlässigkeit bei ausreichender Wasserdichtigkeit von besonderem
Wert, denn sie gestattet es dem Träger, seine normale Tätigkeit ohne nennenswerte
zusätzliche Belastung, beispielsweise durch einen Feuchtigkeitsstau, zu verrichten.
[0013] Da sich die Beschichtung aus koaguliertem Polyurethan sehr gut als Träger für unterschiedlichste
Substanzen mit spezifischer Schutzwirkung eignet, kann das erfindungsgemäße Textilmaterial
auch für weitere Sondereinsätze Verwendung finden. Beispielsweise kann durch Einarbeiten
einer Aktivkohle in das Polyurethan ein hervorragender C-Schutz erreicht werden. Substanzen
wie Al(OH)
3, die in die Polyurethan-Beschichtung eingearbeitet sind, schützen vor dem sog. Hitzeblitz
der Atombombenexplosion. Um den Flammschutz der erfindungsgemäßen Materialien zu erhöhen,
kann das Polyurethan beispielsweise mit Antimonoxid und Dekabromdiphenyläther vermischt
werden. Bei der Verwendung als Strahlenschutzmaterial eignet sich als Zusatzmittel
beispielsweise Bleisulfat.
[0014] Andere Substanzen mit spezifischer Schutzwirkung können je nach Einsatzzweck des
Textilmaterials ebenso in die Polyurethanbeschichtung eingearbeitet oder oberflächlich
aufgebracht werden.
[0015] Während in Figur 1 der Zeichnung ein Textilmaterial 1 dargestellt ist, das lediglich
aus einem textilen Träger 2 und einer darauf aufgebrachten dünnen Beschichtung 3 aus
koaguliertem Polyurethan, das mit Silikonen modifiziert ist, dargestellt ist, unterscheidet
sich das erfindungsgemäße Textilmaterial gemäß Figur 2 dadurch, daß in der Polyurethanbeschichtung
3 feinkörnige Aktivkohle 4 eingelagert ist. Figur 3 zeigt eine weitere Ausführungsform
eines erfindungsgemäßen Textilmaterials, bei dem feinkörniges Aluminiumhydroxid 5
auf die Polyurethanbeschichtung 3 aufgebracht worden ist.
[0016] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von Beispielen weiter erläutert.
Beispiel 1
[0017] Ein flammhemmend ausgerüstetes Baumwollgewebe 2 mit einem Flächengewicht von 150
g/m
2 wurde mit einer Streichmasse 3, bestehend aus 15 Gewichtsteilen Desmoderm KCW (BAYER),
85 Gewichtsteilen Dimethylformamid (DMF), 5 Gewichtsteilen feinkörnigen Aluminiumhydroxid
sowie 1,5 Gewichtsteilen einer Flammschutzmittelkombination (FR-P 45 der White-Chemical
Comp.) beschichtet, gewässert um das DMF heraus zulösen und das Polyurethan zu koagulieren
und anschließend getrocknet, so daß sich eine Trockenauflage des mikroporösen Polyurethans
von ca. 70 g/m
2 ergab. Anschließend wurde das so hergestellte Material mit einer Perchloräthylen-Lösung
einer Fluorcarbon-Verbindung durch und durch imprägniert, getrocknet und vernetzt.
Die Wasserdampfdurchlässigkeit des Textilmaterials betrug ca. 8.000 g/m
2.24 h, während eine Wasserdichtigkeit erreicht wurde, die einer Wassersäule von mehr
als 1 500 mm entspricht.
[0018] Das hieraus hergestellte erfindungsgemäße Textilmaterial war wasserdicht, hatte sehr
gute bekleidungsphysiologische Eigenschaften und bot, in Kombination mit anderen Bekleidungsstücken,
einen zusätzlichen wertvollen Schutz gegen Hitzeblitz.
Beispiel 2
[0019] Ein Baumwollgewebe 2 mit einem Flächengewicht von 150 g/m
2 wurde zuerst in an sich bekannter Weise flammhemmend und wasserabweisend ausgerüstet
und anschließend, wie in Beispiel 1, beschichtet. Sofort nach dem Auftragen der Streichmasse
wurde diese zusätzlich mit einem Aktivkohle-Granulat 5 bestreut und nach einer Minute
gewässert und getrocknet. Die Aktivkohle wurde in einer Menge von 115 g/m
2 auf die Beschichtung aufgebracht und haftete dort sehr gut. Neben den Eigenschaften
des Materials gemäß Beispiel 1 wies das so hergestellte Textilmaterial zusätzlich
einen ausgeprägten C-Schutz auf.
1. Feuchtigkeitsleitendes, luft- und wasserdichtes Textilmaterial mit einer mikroporösen
Beschichtung aus koaguliertem Polyurethan mit einer Wasserdampfdurchlässigkeit von
mehr als 5000 g/m2.24 h, dadurch gekennzeichnet, daß Aktivkohle, Aluminiumhydroxid, Antimonoxid, Deccabromdiphenyläther
und/oder Bleisulfat in die Beschichtung eingelagert oder auf diese aufgebracht sind.
2. Textilmaterial nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch eine Wasserdampfdurchlässigkeit
bis 20000 g/m2.24 h.
3. Textilmaterial nach der Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß in die Beschichtung
Hydrophobierungsmittel, insbesondere Silikone, eingearbeitet sind oder daß die Schicht
nachträglich hydrophobiert wurde.
4. Verfahren zur Herstellung eines Textilmaterials nach einem der Ansprüche 1 bis
3, dadurch gekennzeichnet, daß sofort nach dem Auftragen der Streichmasse diese mit
der feinkörnigen Aktivkohle bestreut und anschließend gewässert und getrocknet wird.
5. Verwendung eines Textilmaterials nach einem der Ansprüche 1 bis 3 für Schutzbekleidung.
6. Verwendung eines Textilmaterials nach einem der Ansprüche 1 bis 3 für Planen.
1. Matériau textile conducteur d'humidité, étanche à l'air et à l'eau, comportant
une enduction microporeuse de polyuréthanne coagulé d'une perméabilité à la vapeur
d'eau de plus de 5 000 g/m2.24 h, caractérisé en ce que du charbon actif, de l'hydroxyde d'aluminium, de l'oxyde
d'antimoine, du décabromodiphényléther et/ou du sulfate de plomb sont inclus dans
l'enduction ou appliqués sur celle-ci.
2. Matériau textile selon la revendication 1, caractérisé par une perméabilité à la
vapeur d'eau allant jusqu'à 2 000 g/m2 . 24 h.
3. Matériau textile selon la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que des substances
hydrofugeantes, notamment des silicones, sont incluses dans l'enduction ou en ce que
la couche est rendue hydrofuge ultérieurement.
4. Procédé de fabrication d'un matériau textile selon l'une des revendications 1 à
3, caractérisé en ce qu'aussitôt après l'application de la pâte à enduire, on répand
sur celle-ci du charbon actif à grains fins, puis on la mouille et on la sèche.
5. Utilisation d'un matériau textile selon l'une des revendications 1 à 3 pour des
vêtements de protection.
6. Utilisation d'un matériau textile selon l'une des revendications 1 à 3 pour des
bâches.
1. Moisture-conducting, air- and watertight textile material with a microporous coating
of coagulated polyurethane with a water vapour permeability of more than 5,000 g/m2.24 h, characterized in that activated carbon, aluminium hydroxide, antimony trioxide,
decabromodiphenyl ether and/or lead sulphate are incorporated into the coating or
applied to the latter.
2. Textile material according to claim 1, characterized by a water vapour permeability
of up to 20,000 g/m2.24 h.
. 3. Textile material according to claim 1 or 2, characterized in that waterproofing
agents, particularly silicone, are worked into the coating or that the layer was subsequently
waterproofed.
4. Process for producing a textile material according to one of claims 1 to 3, characterized
in that immediately after applying the coating slip the latter is covered with the
fine-grain activated carbon and then washed and dried.
5. Use of a textile material according to one of claims 1 to 3 for protective clothing.
6. Use of a textile material according to one of claims 1 to 3 for tarpaulins.