[0001] Die Erfindung betrifft eine Kalanderwalze mit einem sich unter Betriebsbedingungen
elastisch verformenden Walzenmantel aus Stahl.
[0002] Kalanderwalzen der vorstehend angesprochenen Art kommen zur Anwendung in der Textil-,
Papier- und Kunststoffveredelunq. Sie können unter Betnebsbedingungen eine Temperatur
von ca. 240° C aufweisen und bei Liniendrücken bis zu 300 kp/cm eine Arbeitsbreite
von 10 m oder darüberhinaus haben. Eine starke Deformierung und insbesondere eine
meßbare Durchbiegung des mittleren Teiles sind unter solchen Bedingungen nicht zu
vermeiden und bestimmen letzlich den Walzendurchmesser, wenn der Liniendruck über
die Arbeitsbreite einen durch einen Minimal- und einen durch einen Maximalwert begrenzt
pn Bereich nicht verlassen darf.
[0003] Durch eine Vergrößerung des Walzendurchmessers läßt sich eine größere Steifigkeit
erzielen und demzufolge eine verminderte Durchbiegung. Einer entsprechenden Vorgehensweise
sind jedoch sehr enge Grenzen gesetzt, insbesondere bei der praktischen Realisierung
sehr hoher Liniendrücke in Verbindung mit großen Arbeitsbreiten. Die einfache Vergrößerung
des Walzendurchmessers ist insofern weniger befriedigend.
[0004] Die dargelegten Gründe haben bereits vor geraumer Zeit dazu geführt, Kalanderwalzen
der angegebenen Art nicht mehr zylindrisch auszuführen, sondern unter Berücksichtigung
der unter Betriebsbedingungen zu erwartenden Durchbiegung faßähnlich im mittleren
Teil verdickt, so daß bei Einleitung einer bestimmten Kraft in die Walzenzapfen ein
gleichmäßiger Liniendruck über die gesamte Länge der Walze resultiert. Der Vorschlag
hat den Nachteil, daß die Kraft nicht ohne eine Beeinträchtigung der Gleichmäßigkeit
des Liniendruckes variiert werden kann, so daß für eine Vielzahl unterschiedlicher
Drücke eine Vielzahl unterschiedlich bombierter Walzen in Reserve gehalten werden
muß..Die Herstellung jeder einzelnen Walze ist außerordentlich teuer, weil die
' Bombierung mit großer Präzision vorgenommen werden muß. Eine Beschädigung der Oberfläche
macht eine vollständige Neubearbeitung erforderlich, was die Wirtschaftlichkeit der
Verwendung weiter beeinträchtigt.
[0005] as ist auch bekannt, dem ungünstigen Einfluß der Durchbiegung von Kalanderwalzen
durch eine über die Walzenzapfen aufgebrachte, entgegengesetzt wirksame Vorspannung
zu begegnen oder die Walzen ge- genemander zu verschränken.
[0006] In neuerer Zeit ist man dazu übergegangen, die unter Betriebsbedingungen aus dem
Liniendruck resultierende Durchbiegung einer Kalanderwalze durch eine über die Länge
der Kalanderwalze unterschiedlich große Abstützung auszugleichen. Das kann von außen
geschehen, beispielsweise unter Verwendung einer gegebenenfalls bombierten Stützwalze,
jedoch bei Verwendung einer hohl ausgeführten Kalanderwalze auch von innen, wenn in
dieser ein Joch angeordnet ist, welches der Abstützung des Walzenmantels dient. Die
Abstützung kann hydraulisch oder mechanisch erfolgen.
[0007] Die Oberfläche von Kalanderwalzen unterliegt häufig während des Betriebes einer großen
thermischen, chemischen und mechanischen Beanspruchung. Die thermische Belastung ergibt
sich vor allem aus dem Temperaturwechsel bei der unmittelbaren Berührung von eine
abweichende Temperatur aufweisenden Werkstücken. Chemische Belastungen resultieren
aus der Beaufschlagung durch aus dem Werkstück bzw. aus der Atmosphäre stammenden,
aggressiven Substanzen. Mechanische Belastungen ergeben sich aus der Walkbeanspruchung,
aus der Einwirkung von harten Fremdkörpern, der Gegenwalze oder abrasiv wirkender
Substanzen.
[0008] Zur Verbesserung der mechanischen Widerstandsfähigkeit einer Kalanderwalze ist es
bekannt, die Oberfläche zu härten oder zu verchromen. Das erstgenannte Verfahren ist
bei großen Kalanderwalzen außerordentlich kompliziert und teuer. Dennoch können Wärmespannungen
zurückbleiben und schwierig zu beseitigende Deformierungen verursachen.
[0009] Beim Verchromen ebenso wie be im Hartverchromen besteht die Schwierigkeit, daß eine
gute Haftung der aufgebrachten Schicht nur dann gewährleistet werden kann, wenn die
Schichtdicke einen Wert von etwa 80 .u nicht überschereitet. Das ist in jedem Falle
zu gering, um eine ausreichende Eigenstabilität zu gewährleisten.
[0010] Praxisübliche Bedingungen, insbesondere der Kontakt zu harten Fremdkörpern, führen
häufig zum Auftreten lokaler Durchbrechungen, die am Ort der Verwendung nicht behebbar
sind. Dickere Chromschichten weisen demgegenüber eine verbesserte Eigenstabilität
auf. Sie neigen unter den praxisüblichen Bedingungen jedoch zum Abplatzen, und damit
zur Bildung von Fehlstellen, die am Ort der Verwendung ebenfalls nicht korrigierbar
sind.
[0011] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Kalanderwalze für den angesprochenen
Verwendungszweck zu entwickeln, die sich durch eine wesentlich verbesserte Standzeit
und kostengünstige Herstellbarkeit auszeichnet.
[0012] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß bei einer Kalanderwalze der eingangs genannten
Art dadurch gelöst, daß der Walzenmantel eine galvanisch aufgebrachte Beschichtung
aufweist, deren Dicke wenigstens 1 mn beträgt und die aus Nickel besteht. überraschenderweise
zeichnet sich eine derartige Beschichtung nicht nur durch eine außerordentlich gute
Haftung auf dem Walzenmantel aus Stahl aus, sondern zusätzlich durch eine große Zähigkeit
und Härte. Ablösungserscheinungen unter dem Einfluß der betriebsbedingt auftretenden
Walkbeanspruchungen wurden nicht beobachtet, und eine diesbezüglich große Sicherheit
wird erzielt, wenn die Nickelschicht unmittelbar auf dem Walzenmantel aus Stahl aufgalvanisiert
ist. In bezug auf die abrasive Wirkung der bearbeitenden Stoffe ergibt sich ein wesentlich
verminderter Verschleiß.
[0013] Die Beschichtung soll bei einer Mindestdicke von 1 nm eine Stärke von 20 nm nicht
überschreiten. Der bevorzugte Bereich liegt zwischen 2,0 und 3 nm.
[0014] Die Anwendung der Galvanotechnik für das Aufbringen der Beschichtung ermöglicht die
Erzeugung einer Ausführung, die regelmäßig oder unregelmäßig verteilte Durchbrechungen
aufweist sowie Durchbrechungen, die ineinander übergehen können. Beispielsweise in
bezug auf die Verfestigung eines thermoplastische Fasern enthaltenden Vl.ies- stoffes
durch Erweichung dieser Fasern in einen Abstand voneinander aufweisenden Flächenbereichen
ist eine solche Ausführung von großem Vorteil. Zusätzlich ergibt sich eine weitere
Verbesserung der elastischen Deformierbarkeit des relativ dünnwandigen Walzenmantels.
[0015] In der in der Anlage beigefügten Zeichnung ist eine beispielhafte Ausführung der
vorgeschlagenen Kalanderwalze dargestellt. Sie wird nachfolgend näher erläutert:
Die Kalanderwalze besteht aus einem Zylinder 1 aus Stahl, der eine Wandstärke von
30 mm aufweist. Er weist auf der Außenseite eine galvanisch aufgebrachte Geschichtung
2 aus Nickel auf, deren Dicke 2,5 mmm beträgt und eine Länge von 2,8 m. Die Oberfläche
ist geschliffen und poliert.
1. Kalanderwalze mit einem sich unter Betriebsbedingungen elastisch verformenden Malzenmantel
aus Stahl, dadurch gekennzeichnet, daß der walzenmantel (1) eine galvanisch aufgebrachte
Beschichtung (2) aufweist, deren Dicke wenigstens 1 mm beträgt und die aus Nickel
besteht.
2. Kalanderwalze nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Beschichtung aus
Nickel unmittelbar auf dem Walzenmantel aus Stahl aufgalvanisiert ist.
3. Kalanderwalze nach Anspruch 1 bis 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Beschichtung
eine Dicke von 2 bis 20 mm aufweist.
4. Kalanderwalze nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Beschichtung
eine Dicke von 2,0 bis 3 mm aufweist.
5. Kalanderwalze nach Anspruch 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Beschichtung
regelmäßig oder unregelmäßig verteilte Durchbrechungen aufweist.
6. Kalanderwalze nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Durchbrechungen
ineinander übergehen.