[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Kühlen von OBM-Düsen in Kohlevergasungsanlagen,
bei denen ein kohlenstoffhaltiger Brennstoff und/oder Sauerstoff ummantelt von einem
kühlenden Schutzmedium in ein flüssiges Eisenbad eingeleitet werden.
[0002] Üblicherweise erfolgt die Kühlung von OBM-Düsen, die in OBM-Konvertern zur Stahlerzeugung
oder in Kohlevergasungsanlagen angeordnet sind, durch ein Mantelgas, das durch die
äußere Ringdüse geblasen wird, siehe z. B. DE-PSen 17 83 149 und 20 04 159. OBM-Düsen
bestehen bekanntlich aus mindestens zwei konzentrischen Metallrohren, durch die inneren
Rohre wird kohlenstoffhaltiger Brennstoff und/oder Sauerstoff in das flüssige Eisenbad
der Kohlevergasungsanlage eingeleitet. Bei dem aus der DE-OS 27 33 709 bekannten Verfahren
zur Kühlung von OBM-Düsen der eingangs genannten Art werden die OBM-Düsen durch Kohlegas
gekühlt, das durch die äußeren Ringkanäle strömt. Dies hat jedoch den Nachteil, daß
ein Teil des erzeugten Gases für die Düsenkühlung benutzt werden muß und damit für
die Abgabe an externe Verbraucher nicht mehr zur Verfügung steht. Da man üblicherweise
6 % des erzeugten Kohlegases für den
Düscnschutz einsetzen muß, ergibt sich ein die Wirtschaftlichkeit der Kohlevergasung
beeinträchtigender Verlust.
[0003] Zur
Düsenkühlung ist weiterhin aus der US-PS 2 855 293 bekannt, reinen Sauerstoff unter
so hohem Druck über Kupferdüsen einzublasen, daß sich an der Düsenmündung aufgrund
des Joule-Thompson-Effektes beim Entspannen des Sauerstoffs eine Kühlung ergibt. Dieses
Verfahren erfordert jedoch hohe Drucke über typischerweise 80 bar und damit besondere
Anlagen für die Sauerstoffkompression. Weiterhin ergeben sich Schwierigkeiten bei
der Kohlevergasung aufgrund des hohen Blasdruckes.
[0004] Die Kühlung von OBM-Düsen muß bekanntlich so erfolgen, daß weder die Düse selbst
vorzeitig abbrennt, noch sich Ansätze an der Düse bilden können, die zu einem Verschluß
führen können. Letztere Gefahr ist bei der aus der FR-PS 14 50 718 bekannten Düse
gegeben. Es wird daher angestrebt, daß die OBM-Düsen so gekühlt sind, daß sie weder
zu schnell noch zu langsam abbrennen, so daß nicht die Düsenöffnungen stets etwa auf
demselben Niveau wie der Boden bzw. die Seitenwand des Reaktionsgefäßes (Konverter)
befinden.
[0005] Aufgabe der Erfindung ist es daher, ausgehend von den bekannten Verfahren der eingangs
genannten Art zur Düsenkühlung ein Verfahren anzugeben, bei dem ohne Einsatz wertvoller
Brennstoffe eine ausreichende Düsenkühlung erreicht wird.
[0006] Diese Aufgabe wird ausgehend von den bekannten Verfahren dadurch gelöst, daß als
Schutzmedium ein Klärschlamm verwendet wird.
[0007] Klärschlämme enthalten bekanntlich Kohlenwasserstoffe und weitere chemische Verbindungen.
Diese worden bei Eintritt in das bei einer Temperatur von etwa 1500 °C befindliche
Eisenbad gecrackt. Der Crackvorgang benötigt Wärme, die der Umgebung, und damit insbesondere
den Düsenrohren, entzogen wird. Dadurch werden diese gekühlt. Insgesamt wird somit
ein Abfallstoff, nämlich Klärschlamm, sinnvoll und wirtschaftlich eingesetzt, um OBM-Düsen
zu kühlen und wertvolle, für die Düsenkühlung bislang verwendete Gase einzusparen.
Zugleich ermöglicht die Erfindung aber auch die Beseitigung bzw. Aufarbeitung von
Klärschlamm. Die Aufbereitung von Klärschlamm nach den bislang bekannten Verfahren
führt aufgrund der Schwermetallgehalte des Klärschlamms zu besonderen Problemen. Diese
können jedoch vorteilhaft durch die Erfindung umgangen werden, da sich die Schwermetalle
im Eisenbad lösen und somit isoliert werden können.
[0008] Die im Klärschlamm vorhandenen brennbaren Substanzen werden bei dem erfindungsgemäßen
Verfahren vorteilhaft genutzt, sie liefern entweder einen Beitrag zum Wärmehaushalt
der Kohlevergasungsanlage oder erscheinen in Form von CO oder H
2 im erzeugten Kohlegas. Erfindungsgemäß ist es deshalb vorteilhaft, den zur Düsenkühlung
verwendeten Klärschlamm lediglich zu reinigen, nicht aber - wie sonst bei Kläranlagen
üblich - zu pasteurisieren und anschließend ausfaulen zu lassen. Die beiden letzteren
Schritte erfordern Energie zum Aufheizen des Klärschlammes und entziehen dem Klärschlamm
zudem einen Teil der mitgeführten, brennbaren Substanzen. Beim Faulvorgang wird bekanntlich
Biogas erzeugt, das insbesondere Methan enthält.Somit lassen sich aufgrund der Erfindung
auch die Kosten für Kläranlagen reduzieren, weil Klärstufen eingespart werden können.
[0009] Besonders vorteilhaft erscheint eine Nutzung von Klärschlämmen aus Kohlewaschanlagen,
weil diese einen hohen ) Gehalt an staubförmiger Kohle mitführen. Der Heizwerte dieser
Kohle wird bei dem erfindungsgemäßen Verfahren genutzt.
[0010] Nun wird bereits seit längerem in Berlin eine Kläranlage betrieben, bei der der ebenfalls
nur gereinigte, nicht aber pasteurisierte und nicht ausgefaulte Klärschlamm in Wirbelschichtöfen
verbrannt wird. Dieses Verfahren beseitigt jedoch nicht das Problem der im Klärschlamm
enthaltenen Schwermetalle, insbesondere des Cadmiums. Die Schwermetalle finden sich
in den Verbrennungsrückständen wieder und führen zu Umweltproblemen, wenn sie wie
bislang durchgeführt auf Ackerboden gestreut werden.
[0011] Vorteilhafterweise wird der Klärschlamm den OBM-Düsen flüssig zugeführt, er enthält
noch so viel Wasser, um pumpfähig zu sein. In dieser Konsistenz läßt sich der Klärschlamm
einfach unter Druck setzen und den OBM-Düsen zuleiten. Um auch Klärschlamm mit geringeren
Wassergehalten verwenden zu können und dementsprechend die Zufuhr an Wasser zur Kohlevergasungsanlage
steuern zu können, wird vorgeschlagen, dem Klärschlamm ein Gas zuzumischen, um ihn
zu fluidisieren.
[0012] Alternativ wird erfindungsgemäß vorgeschlagen, den Klärschlamm zu trocknen, insbesondere
völlig zu trocknen und feinkörnig in der Eisenbad einzublasen. Hierbei wird wieder
ein Mantelgas notwendig, das aufgrund der beschriebenen Crackvorgänge jedoch minderwertiger
und damit kostengünstiger ist als das bislang zur Kühlung der OBM-Düsen verwendete
Mantelgas.
[0013] Die Zusammensetzung des Klärschlamms hängt stark von seiner Herkunft ab. In den Abwässern
von Wohnbezirken finden sich vielerlei organische Substanzen, Fäkalien und Papierreste.
Industrieabwässer führen für die speziellen Industriebetriebe typische Abfallstoffe
mit sich, beispielsweise Holzmehl oder -staub bei holzverarbeitender Industrie u.
dgl. Diese Abwässer müssen zunächst von Sand und Grobstoffen befreit werden, hierzu
dienen in bekannter Weise ein Sandfang, in dem Sand u. dgl. sedimentiert sowie mindestens
ein Rechenwerk, das die Grobstoffe aussiebt. Der so gereinigte Klärschlamm hat typischerweise
einen Wasseranteil von 97 % und kann unmittelbar für die erfindungsgemäße Verwendung
zur Düsenkühlung eingesetzt werden. Vorteilhaft ist jedoch, zumindest einen Teil des
Wassers zu entziehen. Hierzu genügt eine mechanische Vortrocknung. Bei Wassergehalten
um 75 % ist der Klärschlamm erfahrungsgemäß noch pumpfähig und kann unmittelbar den
OBM-Düsen zugeführt werden.
[0014] Sehr vorteilhaft ist die erfindungsgemäß mögliche Steuerung der Gesamtwärmebilanz
der Kohlevergasungsanlage durch weitere Zugabe von Klärschlamm. Dieser wird beispielsweise
durch Innenrohre der OBM-Düse, insbesondere zusammen mit dem Sauerstoff, in der für
die jeweilige Steuerung der Eisenbadtemperatur notwendigen Menge eingeleitet. Auf
diese Weise wird zusätzlicher Klärschlamm verarbeitet und beseitigt.
[0015] Ein Hauptvorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens liegt im Umweltschutz. Die im Klärschlamm
enthaltenen umweltschädlichen Stoffe sammeln sich entweder im Bad, in der Schlacke
oder in den im Gas mitgeführten Staubpartikeln an. Die Wahrscheinlichkeit, daß sie
im Kohlegas mitgeführt werden, ist gering, zumal der Anteil von z. B. Quecksilber
im Klärschlamm außergewöhnlich tief liegt. Die so im Bad, in der Schlacke oder in
den Staubpartikelchen gebundenen und damit isolierten Schadstoffe können aus dem Bad,
der Schlakke oder den Eisenpartikeln herausgelöst oder von diesen abgetrennt werden.
Sie stehen dann für eine Weiterverarbeitung zur Verfügung oder können wesentlich umweltfreundlicher
als nach den bisher bekannten Verfahren möglich auf einer Deponie gelagert werden.
[0016] Im Sinne dieser Anmeldung wird unter OBM-Düse jede für die Unterbad-Düsentechnik
geeignete Düse verstanden.
[0017] Das erfindungsgemäße Verfahren zum Düsenkühlen kann allgemein Verwendung finden in
Verfahren, bei denen mittels Düsen von unten in ein schmelzflüssiges Bad ein Stoff
eingeleitet werden soll und die Notwendigkeit besteht, die hierfür verwendete Unterbad-Düse
zu kühlen. Insofern ist das erfindungsgemäße Verfahren auch für Düsen in Konvertern,
die der Stahlerzeugung dienen, geeignet.
1. Verfahren zum Kühlen von OBM-Düsen in Kohlevergasungsanlagen, bei denen ein kohlenstoffhaltiger
Brennstoff und/oder Sauerstoff ummantelt von einem kühlenden Schutzmedium in ein flüssiges
Eisenbad eingeleitet werden,
dadurch gekennzeichnet, daß als Schutzmedium ein Klärschlamm verwendet wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß der Klärschlamm zumindest so viel Wasser enthält, daß
er noch pumpfähig ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß dem Klärschlamm ein Gas zur Fluidisierung zugemischt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Klärschlamm getrocknet und anschließend in das Eisenbad eingeleitet wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet ,
daß der Klärschlamm völlig getrocknet und feinkörnig in das Eisenbad eingeblasen wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß zusätzlich zu dem für die Düsenkühlung erforerlichen Klärschlammstrom weiterer
Klärschlamm zur Steuerung der Gesamtwärmebilanz der Kohlevergasungsanlage in der Eisenbad
eingeleitet wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß gereinigter, jedoch nicht pasteurisierter und nicht ausgefaulter Klärschlamm verwendet
wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
d adurch gekennzeichnet ,
daß Klärschlamm von Kohlewäschen verwendet wird.