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EP 0 098 453 A1 |
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EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG |
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Veröffentlichungstag: |
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18.01.1984 Patentblatt 1984/03 |
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Anmeldetag: 21.06.1983 |
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Benannte Vertragsstaaten: |
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AT BE CH DE FR GB IT LI LU NL SE |
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Priorität: |
02.07.1982 DE 3224810
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Anmelder: SIEMENS AKTIENGESELLSCHAFT |
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80333 München (DE) |
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Erfinder: |
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- Kehrer, Hans-Peter, Dr. rer. nat
D-8025 Unterhaching (DE)
- Villain, Jürgen, Dr. Ing.
D-8025 Unterhaching (DE)
- Reiff, Werner
D-8011 Baldham (DE)
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Entgegenhaltungen: :
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Verfahren zur Erzeugung harter, verschleissfester Randschichten auf einem metallischen
Werkstoff |
(57) Die Erfindung betrifft ein Kurzzeitdiffusionsverfahren zur Erzeugung harter, verschleißfester
Oberflächen auf einem metallischen Werkstoff, wobei der Grundwerkstoff keine Wärmebeeinflussung
erfährt und deshalb in seinen mechanischen und physikalischen Eigenschaften nicht
verändert wird. Bei diesem Verfahren wird auf die zu härtende Oberfläche ein pulver-,
pastenförmiger oder flüssiger Stoff aufgebracht, der durch einen Energiestoß zersetzt
wird, wobei das freiwerdende Element in die Randschicht eindiffundiert.
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[0001] Zur Verbesserung des Verschleißverhaltens, z. B. von Werkzeugen, Bauteilen und Funktionsteilen,
werden in zunehmendem Maße Verschleißschutzschichten eingesetzt. Hierfür stehen eine
Vielzahl von Schichten zur Verfügung, die industriell aufgebracht werden können und
je nach Herstellungsbedingungen unterschiedliche Eigenschaften aufweisen.
[0002] Harte verschleißfeste Randschichten können mit herkömmlichen thermischen und thermochemischen
Verfahren (z. B. Borieren, Aufkohlen, Nitrieren) erzeugt werden. Unter thermischen
Verfahren versteht man das Erhitzen von Stahl auf Temperaturen im Austenit-Gebiet
und ein anschließendes rasches Abschrecken. Unter thermochemischen Verfahren werden
Verfahren verstanden, bei denen an der Oberfläche des zu härtenden Teiles Verbindungen
aus Bor, Stickstoff oder Kohlenstoff zersetzt werden, wobei dann die genannten Elemente
in die Oberfläche eindiffundieren.
[0003] Der Nachteil bei den thermischen Verfahren ist, daß ein härtbarer Werkstoff benötigt
wird bzw. daß bei den thermochemischen Verfahren hohe Temperaturen und lange Prozeßzeiten
zu einer negativen Beeinflussung des Grundwerkstoffes führen können, so daß für das
Gesamtsystem keine zufriedenstellenden Gebrauchseigenschaften erhalten werden. Ein
partielles Härten ist mit diesen bekannten Verfahren nicht möglich.
[0004] Wed 1 Plr/3.5.1982 Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zu konzipieren,
das die Erzeugung einer harten, verschleißfesten Oberfläche in kurzer Zeit ermöglicht.
Dabei soll der Grundwerkstoff keine Wärmebeeinflussung erfahren und deshalb in seinen
mechanischen und physikalischen Eigenschaften nicht verändert werden.
[0005] Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, daß auf die zu härtende Oberfläche eine Verbindung
aufgebracht und durch einen Energiestoß zersetzt wird, wobei ein Element frei wird,
das in die zu härtende Oberfläche eindiffundiert. Der wesentliche Vorteil der Erfindung
besteht darin, daß Werkststücke in eng begrenzten ßereichen randschichtgehärtet werden
können. Das Eindiffundieren geschieht bei dem erfindungsgemäßen Verfahren in kurzer
Zeit, da eine beschleunigte Oberflächendiffusion abläuft. Die Abkühlung erfolgt durch
Wärmeableitung in das Werkstück. Auf diese Weise entsteht eine Randschicht, die von
den bekannten Diffusionsschichten in ihrer Struktur und Ausbildung (Form der Verbindung)
abweicht.
[0006] Als diffundierende Elemente finden z. 3. Bor oder Stickstoff Verwendung. Es ist zwar
bereits bekannt, Bor, Kohlenstoff und Stickstoff im Zusammenhang mit bekannten thermochemischen
Verfahren in die Oberfläche von Werkstücken eindiffundieren zu lassen. Bei diesen
bekannten Verfahren handelt es sich aber um einen längeren Prozeß, da die Grenzflächenreaktion
aufgrund der Energiezufuhr langsamer abläuft. Außerdem bilden sich bei den bekannten
Verfahren Gleichgewichtszustände aus. Das neue Verfahren beruht aber darauf, daß ein
Ungleichgewichtszustand an der Oberfläche erzeugt wird.
[0007] Als Energiequelle eignen sich Laser- und Elektronenstrahlen oder eine Kurzzeiterwärmung
über elektrischen Strom. Mit Hilfe dieser Energiequellen ist überhaupt erst ein partielles
Härten in kurzen Zeiten mit thermochemischen Verfahren möglich.
[0008] Die Figur zeigt den Härteverlauf in der Randschicht einer laserborierten Probe aus
Dynamoblech.
[0009] In dem Diagramm ist auf der Abszisse der Randabstand in um und auf der Ordinate der
Härteverlauf in Vickers-Härte bei einer Prüflast von 25 p (HV 0,025) aufgetragen.
Aus der'durch fünf Meßpunkte verlaufenden Kurve ist deutlich zu erkennen, daß die
Härtung im vorliegenden Fall nach einem Randabstand von ca. 20 um rasch abnimmt. Diese
Stärke ist in der Praxis aber für die Verbesserung des Verschleißverhaltens, z. B.
von Funktionsteilen und Werkzeugen, durchaus ausreichend. An der Oberfläche entstehen
Gefüge und Phasen hoher Härte. Nach dem Diagramm liegt in der Randschicht bei dem
Ausführungsbeispiel eine Härte von ca. 2.000 HV 0,025 vor. Röntgenographisch wurde
hier das Eisenborid Fe
2 B nachgewiesen.
1. Verfahren zur Erzeugung narter, verschleißfester Randschichten auf einem metallischen
Werkstoff, z. B. Eisenwerkstoff, nach einer Kurzzeit-thermochemischen Behandlung,
dadurch gekennzeichnet , daß auf die zu härtende Oberfläche eine Verbindung aufgebracht
und durch einen Energiestoß zersetzt wird, wobei ein Element frei wird, das in die
zu härtende Oberfläche eindiffundiert.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet , daß als diffundierende Elemente
z. B. Bor oder Stickstoff Verwendung finden.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet , daß als Energiequelle für einen
Energiestoß z. B. Laser- und Elektronenstrahlen dienen oder eine Kurzzeiterwärmung
über elektrischen Strom erzielt wird.