[0001] Die Erfindung betrifft ein kontinuierliches Verfahren zur Herstellung gekräuselter,
hochschrumpffähiger Fäden und Fasern aus Acrylnitrilcopolymerisaten mit mindestens
40 Gew.-% Acrylnitrileinheiten, Unter kontinuierlichem Verfahren wird erfindungsgemäß
verstanden, daß die Fäden in einem Arbeitsgang ohne Unterbrechung nach der Methode
des Trockenspinnens ersponnen, verstreckt, gekräuselt und gegebenenfalls zu Stapelfasern
geschnitten werden.
[0002] Die Herstellung von Acrylfasern erfolgt üblicherweise nach Naßspinn-, Trockenspinn-
und Schmelzspinn-Technologien. Während bei der Herstellung von Acrylfasern nach der
Naßspinn- und Schmelzspinn-Technik bereits kontinuierlich arbeitende Verfahren bekannt
geworden sind, beispielsweise der Naßspinnprozeß nach Textiltechnik 26 (1976), Seiten
479-483 oder das Schmelzextrusionsverfahren nach DE-A-2 627 457, die keinerlei Beschränkung
hinsichtlich der Bandgewichte unterworfen sind, ist bisher nur ein kontinuierlich
arbeitendes Verfahren zur Erzeugung von Acryliasern nach dem Trockenspinnprozeß bekannt
geworden, das nur für Multifilamentgarne mit niedrigen Bandgewichten, sogenannter
Acrylseide anwendbar ist und bei dem bestimmte Bedingungen erfüllt sein müssen, insbesondere
eine hohe Viskosität der Spinnlösung (US-A-2 811 409). Dieses Verfahren ist zur Herstellung
von Acrylkabeln mit hohen Bandgewichten nicht geeignet. Es ist ferner nicht zur Erzeugung
von Hochschrumpffäden und -fasern geeignet.
[0003] Unter « hochschrumpffähigen » Fäden und Fasern werden Fäden und Fasern mit einem
Kochschrumpf von über 35 % verstanden. Solche Fasern werden bei niedrigen Verstreckgraden
und niedrigen Verstrecktemperaturen hergestellt (DE-A-1 435 611 und 2 504 079).
[0004] Die beiden heute großtechnisch verwendeten Verfahren, daß Naß- und das Trockenspinnverfahren,
sind im Laufe ihrer Entwicklung unterschiedliche Wege gegangen. Beim Naßspinnverfahren,
bei dem die Spinnlösung in ein Fällbad gesponnen wird, wo sie zu Fäden koaguliert,
die ohne Unterbrechung des Verfahrens gewaschen, verstreckt, getrocknet und präpariert
werden, werden Düsen mit hoher Lochzahl von ca. 10 000 verwendet. Die Spinngeschwindigkeit
ist mit 5 bis 20 m/min relativ niedrig. Beim Trockenspinnverfahren kann wegen der
Gefahr der Verklebung der Fäden im mehrere Meter langen Spinnschacht nur mit Düsen
niedrigerer Lochzahlen, normalerweise 200 bis 1000 Loch, gesponnen werden, jedoch
sind wesentlich höhere Abzugsgeschwindigkeiten, üblicherweise zwischen 200 und 1 000
m/min möglich, so daß im Prinzip ähnlich hohe Produktionsleistungen wie beim Naßspinnverfahren
erzieltwerden. Wegen der hohen Spinngeschwindigkeiten ist es jedoch beim Trockenspinnverfahren
bisher nicht möglich gewesen, das Gesamtverfahren bei hohen Bandgewichten kontinuierlich
durchzuführen, da es in der kurzen Zeit nicht gelang, den Lösungsmittelgehalt unter
bestimmte geforderte Werte zu senken. Das Trockenspinnverfahren wird daher vor der
Verstreckung unterbrochen, das Spinngut wird in Kannen gesammelt, aus denen es dann
derweiteren Nachbehandlung zugeführt wird (Bela von Falkai, Synthesefasern, Verlag
Chemie, Weinheim/Deerfield Beach, Florida/Basel (1981), 3. 204-206; R. Wiedermann,
Acrylfaser Spinn- und Nachbehandlungsverfahren in Chemiefasern/Textilindustrie, Juni
1981, S. 481-484, insbesondere S. 482 linke Spalte oben).
[0005] Da die Ablage des Spinngutes in Kannen bezüglich der Gleichmäßigkeit des Spinngutes,
als auch aus ökonomischen und ökologischen Gründen nachteilig ist, war es Aufgabe
der vorliegenden Erfindung, ein kontinuierliches Verfahren zur Herstellung von hochschrumpffähigen
Acrylfasern nach der Trockenspinnmethode zur Verfügung zu stellen, bei dem sämtliche
Verfahrensstufen von der Fadenbildung bis zur versandfertigen Faser in einem Arbeitsprozeß
ohne irgendeine Unterbrechung oder Zwischenlagerung ablaufen, und das sich auf Spinnkabel
mit hohen Bandgewichten anwenden läßt. Vorzugsweise sollte die Herstellung der Spinnlösung
in den kontinuierlichen Prozeß einbindbar sein.
[0006] Überraschenderweise wurde gefunden, daß diese Aufgabe gelöst werden kann, wenn man
eine Spinnlösung bestimmter Viskosität verwendet, im Spinnschacht den Anteil des Lösungsmittels
im Spinngut durch die Art der Lösungsmittelentfernung unter bestimmte Werte drückt,
die Fäden vor dem Verstrecken mit einer Präparation versieht, die ein Gleitmittel
und ein Antistatikum enthält, vorzugsweise eine wäßrige Präparation ist, wobei jedoch
die Wasseraufnahme (Feuchte) der Fäden unter bestimmten Werten bleibt, und die Fäden
vor und während dem Verstrecken mit keiner weiteren Lösungsmittelextraktionsflüssigkeit
in Kontakt bringt.
[0007] Gegenstand der Erfindung ist daher ein Verfahren zur Herstellung von hochschrumpffähigen
Fäden und Fasern aus Acrylnitrilcopolymerisaten mit mindestens 40 Gew.-% Acrylnitrileinheiten
durch Verspinnen einer Spinnlösung des Copolymerisates in einen Spinnschacht. Verdampfen
mindestens eines Teils des Spinnlösungsmittels im Spinnschacht. Präparieren, Verstrecken
bei Verstrecktemperaturen von 65 bis 100 °C und Verstreckverhältnissen bis maximal
1 : 3,5, Kräuseln und gegebenenfalls Schneiden in kontinuierlicher Arbeitsweise, wobei
a) eine Spinnlösung versponnen wird, deren Viskosität bei 100 °C 10 bis 60 Kugelfallsekunden
(4,37-26,22 Pa . s) beträgt,
b) die Verdampfung des Lösungsmittels im Spinnschacht so gesteuert wird, daß der Lösungsmittelgehalt
der Fäden beim Verlassen des Spinnschachtes maximal 10 Gew.-%, bezogen auf Faserfeststoffgehalt,
beträgt, der Spinnverzug des Verfahrens größer als 2 ist,
c) die Fäden vor dem Verstrecken mit einer Präparation versehen werden, die ein Gleitmittel
und ein Antistatikum enthält und den Fäden einen Feuchtegehalt von maximal 10 Gew.-%,
bezogen auf Faserfeststoffgehalt, verleiht
d) die Fäden vor und während dem Verstrecken mit keiner weiteren Extraktionsflüssigkeit
für das Spinnlösungsmittel in Kontakt treten. und im Verfahren kein Waschprozeß erfolgt
und ein Trocknungsprozeß entfällt, und
e) man die Verstreckung mit Kabin von mindestens 100 000 dtex ausführt. Der Spinnverzug
des Verfahrens größer als 2, insbesondere bis 12. In einer besonders bevorzugten Ausführungsform
weist die Spinnlösung bei 100°C eine Viskosität von 15 bis 50 Kugelfallsekunden (6,56-21,85
Pa . s) auf, der Lösungsmittelgehalt der Fäden beim Verlassen des Spinnschachtes beträgt
max. 5 Gew.-%, bezogen auf Faserfeststoffgehalt, und das Verstreckverhältnis beträgt
1 : 2 bis 1 : 3,5. Vorzugsweise treten die Fäden während des ganzen Verfahrens nicht
mit einer weiteren Extraktionsflüssigkeit für das Spinnlösungsmittel in Kontakt.
[0008] Der Spinnverzug V ist definiert als Verhältnis von AbzugsgeschwindigkeitAzurAusspritzgeschwindigkeit
S:

[0009] Die Ausspritzgeschwindigkeit S ergibt sich zu :

mit
F= Fördermenge (cm3/min)
Z = Anzahl der Düsenlöcher pro Düse
d= Düsenlochdurchmesser (cm)
[0010] Die Fördermenge (Pumpenvolumen mal Umdrehungen pro Minute) laßt sich nach folgender
Gleichung rechnen :

mit
Gst = Gesamtspinntiter (dtex = g/10 000 m)
P = Pumpenvolumen (cm3)
U = Umdrehungen pro Minute (min-')
K = Konzentrationen der Spinnlösung (g/cm3)
A = Abzugsgeschwindigkeit (m/min)
[0011] Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren ist es möglich, hochschrumpffähige Spinnkabel
mit einem Bandgewicht von 100 000 dtex und mehr mit so niedrigem Gehalt an Restlösungsmittel
zu erzeugen, daß nach der Heißverstreckung und dem anschließenden Kräuselprozeß, der
bei maximal 100 °C durchgeführt wird, der Restlösungsmittelgehalt in der fertigen
Faser bzw. im Endloskabel deutlich unter 5 Gew.-% liegt, ohne daß das Spinngut mit
einem Extraktionsmittel für das Spinnlösungsmittel in Berührung gekommen ist, sieht
man von den Wasseranteilen der Spinnpräparation ab. Die erfindungsgemäß erhaltenen
Fäden weisen Faserfestigkeiten von 1,5 cN/dtex und mehr auf.
[0012] Als Acrylnitrilcopolymerisate sind alle zu sogenannten Acrylfasern, bzw. Modacrylfasern
verspinnbaren Acrylnitrilcopolymerisate geeignet, vorzugsweise Acrylnitrilcopolymerisate
mit mindestens 85 Gew.-% Acrylnitrileinheiten. Besonders bevorzugt sind Terpolymere
aus 89 bis 95 Gew.-% Acrylnitril, 4 bis 10 Gew.-% eines nicht ionogenen Comonomeren,
beispielsweise Acrylsäuremethylester, Methacrylsäuremethylester oder Vinylacetat und
0,5 bis 3 Gew.-% eines ionogenen Comonomeren, beispielsweise Methallylsulfonat oder
Styrolsulfonat. Die Polymerisate sind bekannt.
[0013] Wesentlich für das erfindungsgemäße Verfahren ist, daß das Spinngut, d. h. das Spinnkabel,
das den Spinnschacht verläßt, einen Rest lösungsmittelgehalt von unter 10 Gew.-% insbesondere
zwischen 2 und 5 Gew.-%, bezogen auf Faserstoff-Trockengewicht aufweist, denn Spinngut
mit höheren Restlösungsmittelgehalten, beispielsweise an Dimethylformamid, verklebt
beim anschließenden Verstrecken über Galetten bei Bandtemperaturen um etwa 100 °C
oder es findet eine unerwünschte Kaltverdehnung des Materials statt d.h. eine ungleichmäßige
und unvollkommene Verstreckung unter nicht exakt definierten Bedingungen. Ferner ist
es erforderlich, das Spinngut vor der Verstreckung in noch heißem Zustand, vorzugsweise
am Ende des Spinnschachtes, entweder innerhalb oder unmittelbar hinter dem Spinnschacht,
mit einer Präparation zu benetzen, die ein Gleitmittel und ein Antistatikum enthält,
und direkt ohne Abkühlung zu verstrecken. Das Gleitmittel erlaubt eine einwandfreie
Verstreckung selbst dicker Kabel von 100 000 dtex und mehr. Die Präparation kann auch
Wasser als Bestandteil enthalten, jedoch ist darauf zu achten, daß das Kabel nicht
über 10 Gew.-% Feuchte aufnimmt. Enthält das Kabel größere Anteile an Wasser, so kühlt
es stark ungleichmäßig ab und beim anschließenden Verstrecken zeigt das Kabel Abrisse
oder Wickelbildungen an den Galetten.
[0014] Als geeignete Gleitmittel kommen Glykole, deren Derivate, Siliconöle, ethoxylierte
Fettsäuren, -alkohole, -ester, -amide, -alkylethersulfate, sowie deren Mischungen
infrage. Die Präparation kann als Antistatikum ein entsprechendes handelsübliches
Präparat enthalten, beispielsweise ein übliche kationaktive, anionenaktive oder nichtionogene
Verbindung, wie einen langkettigen ethoxilierten, sulfierten und neutralisierten Alkohol.
Zweckmäßiger Weise hat die Präparation eine Temperatur von 50-90°C, um eine Abkühlung
der heißen Fadenschar zu verhindern. Die von einer Spinnmaschine mit beispielweise
20 Spinnschächten ersponnenen Schachbändchen vom Gesamttiter 100 000 dtex und mehr
werden auf diese Weise präpariert, gebündelt und über einem Abzugsorgan einem induktiv
heizbarem Walzenpaar zugeführt. Durch ein-, oder mehrfaches Umschlingen des Walzenpaares,
gegebenenfalls mittels einer Bleilaufrolle, wird ein Klemmpunkt hergestellt. Als zweiter
Klemmpunkt dient ein kühlbares Abzugsquintett oder -septett, welches im Abstand von
ca. 3 m zum induktiv beheizten Walzenpaar angeordnet ist und durch eine entsprechend
höher eingestellte Geschwindigkeit die Verstreckung des Kabels bewirkt. Die Kühlung
der Walzen am zweiten Streckorgan ist notwendig, um beim anschließenden Kräuselprozeß
das gewünschte Schrumpfniveau zu erreichen. Die bei der Verstreckung entweichenden
Spinnlösungsmittelreste werden abgesaugt und über ein Kühlsystem zurückgewonnen. Als
bevorzugte Streckorgane haben sich Septettwalzen, die eingangs beheizbar und am Ende
kühlbar sind, bewährt. Zur gleichmäßigen Durchführung des Streckvorganges, namentlich
bei hohen Band gewichten, läßt sich zwischen den Septettwalzen vorteilhafterweise
ein mit überhitztem Dampf oder Heißluft erwärmtes Rohr integrieren.
[0015] Im, allgemeinen reichen Spinnabzugsgeschwindigkeiten von 50-100 m/min vollkommen
aus, um den Restlösungsmittelgehalt im Spinngut deutlich unter 10 Gew.-% zu halten,
so daß bei Streckgraden bis zu 350 % maximale Endgeschwindigkeiten von 350 m/min erzielt
werden, die technisch beherrschbar sind.
[0016] Die Kräuselung wird vorzugsweise in einer Stauchkammer durchgeführt. Das gekräuselte
Kabel wird anschließend zu Stapelfasern geschnitten und in Ballen gepreßt. Das Verfahren
ist insbesondere für die Herstellung spinngefärbter Fäden und Fasern durch Zusatz
von löslichen Farbstoffen, insbesondere kationischen Farbstoffen oder Pigmenten zur
Spinnlösung geeignet, weil beim Farbwechsel durch die spezielleAufarbeitung wesentlich
weniger Ausschußmaterial anfällt.
[0017] Auch die Lösungsbereitung läßt sich ohne Mühe in das kontinuierliche Verfahren integrieren,
wobei konventionelle Lösungsbereitungen oder insbesondere das folgende Verfahren Verwendung
finden :
[0018] Zunachst wird bei Raumtemperatur aus dem Spinnlösungsmittel, dem Polymeren und gegebenenfalls
einem Nichtlösungsmittel für das Polymer, das mit dem Spinnlösungsmittel mischbar
ist, beispielsweise Wasser in einer Menge von 2 bis 20 g pro 100 g Polymer, eine Suspension
hergestellt. Diese Suspension wird auf eine Temperatur augeheizt, die mindestens 30
und höchstens 60 °C über den Temperaturen liegt, bei der die Suspension optisch homogen
wird, also eine Lösung entsteht, 1 bis 15 Minuten bei dieser Temperatur gehalten und
danach unmittelbar der Verspinnung zugeführt.
[0019] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung wird eine Lösungspolymerisation im verwendeten
Spinnlösungsmittel, z.B. Dimethylformamid vorgeschaltet, so daß nach entsprechenderAufkonzentration
und Monomerentfernung über Dünnschichtverdampfer erstmals ein kontinuierlich arbeitendes
Verfahren zur Herstellung von hochschrumpffähigen Acrylfasern nach einem Trockenspinnprozeß
mit höchstmöglichem Automatisierungsgrad erreicht wird.
[0020] Ein großer Vorteil Verfahrens besteht darin, daß kein Waschprozeß mehr erforderlich
ist, was dazu führt, daß auch der bisher notwendige Trockenprozeß wegfällt.
[0021] Die erfindungsgemäß erhaltenen Fasern besitzen eine Dichte von über 1,165 g/cm
3 und sind vakuolenstabil. Da das Hochschrumpfkabel ferner im trockenen Zustand gekräuselt
werden kann, wird auch eine außerordentlich hohe Haftung und eine sonst für Acrylhochschrumpffasern
nicht bekannte sehr hohe Kardiergeschwindigkeit, in der Regen über 100 m/min, in der
Sekundärspinnerei erzielt. Ein weiterer Vorteil der Trockenhitzeverstreckung ist auch
die sehr gute Stapelverteilung mit extrem niedrigen Kurz- und Langfaseranteilen. All
diese Vorteile werden bei herkömmlichen Verfahren zur Herstellung von Hochschrumpffasern
infolge zwischengeschalteter Waschprozesses zur Spinnlösungsmittelentfernung nicht
erzielt.
[0022] Die Viskosität in Kugelfallsekunden, gemessen bei 100 °C, wurde nach der Methode
von K. Jost, Reologica Acta, Band 1 (1958), Seite 303, bestimmt. Es gibt dabei die
Umrechnungsformel : 1 Kugelfalisekunde entspricht 4.37 Poise (0.437 Pa . s).
[0023] Sämtliche Temperaturen, die im Zuge des kontinuierlichen Herstellprozesses von Acrylfasern
ab der Spinnmaschine erfaßt wurden, sind mit dem Strahlungsthermometer KT 15 (Hersteller:
Fa. Heiman GmbH, Wiesbaden, BRD) berührungslos gemessen worden.
Beispiel 1
[0024] 700 kg Dimethylformamid (DMF) werden in einem Kessel bei Raumtemperatur unter Rühren
mit 300 kg eines Acrylnitrilcopolymerisates aus 93,6 % Acrylnitril. 5,7 % Acrylsäuremethylester
und 0,7 % Natriummethallylsulfonat vom K-Wert 81 vermischt. Die Suspension wird über
eine Zahnradpumpe in einen mit einem Rührwerk versehenen Spinnkessel gepumpt. Dann
wird die Suspension in einem doppelwandigen Rohr mit Dampf von 4,0 bar erhitzt. Die
Verweilzeit im Rohr beträgt 5 Minuten. Die Spinnlösung, welche am Rohrausgang eine
Temperatur von 138°C aufweist und eine Viskosität von 19 Kugelfallsekunden (8,3 Pa
s), gemessen bei 100 °C, besitzt, wird nach Verlassen der Aufheizvorrichtung auf 90
°C abgekühlt, filtriert und direkt einer Spinnanlage mit 20 Spinnschächten zugeführt.
[0025] Die Spinnlösung wird aus 1264-Lochdüsen, Düsenlochdurchmesser 0,2 mm, mit einer Abzugsgeschwindigkeit
von 50 m/min trocken versponnen. Die Verweilzeit der Spinnfäden in den Spinnschächten
beträgt 5 Sekunden. Die Schachttemperatur liegt bei 200 °C und die Lufttemperatur
beträgt 360 °C. Die durchgesetzte Luftmenge beträgt 40 m
3/h für jeden Schacht.
[0026] Das Spinngut vom Gesamttiter 343 000 dtex, welches noch einen Restlösungsmittelgehalt
von 2,8 Gew.- %, bezogen auf den Feststoffgehalt, besitzt, wird unmittelbar nach Verlassen
der Spinnschächte und vor Eintritt in das dahinter geschaltete Rohr mit einer 80-90
°C warmen, wäßrigen, ölhaltigen, antistatischen Präparation derart benetzt, daß der
Ölgehalt der Fäden 0,16 Gew.-%, der Gehalt an Antistatikum 0,04 Gew.-%, und die Feuchte
1,1 Gew.-%, bezogen auf den Faserfeststoffgehalt, ausmacht. Die Dosierung der Präparation
geschieht über Zahnradpumpen.
[0027] Das hinter den Spinnschächten geschaltete Rohr wird im Gegenstrom zur Fadenlaufrichtung
mit heißer Luft von 300 °C zur DMF-Entfernung beschickt. Dann wird das warme Kabel
über ein induktiv auf 145 °C beheiztes Walzenseptett geschickt. Das Kabel nimmt dabei
eine Bandtemperatur von 85 °C, gemessen mit dem Strahlungsthermometer KT 15, an. Das
Kabel wird anschließend um 250 % verstreckt, wobei als zweiter Klemmpunkt ein Streckseptett
mit Kühlbaren Walzen dient. Die Bandtemperatur nach dem Streckvorgang beträgt 39 °C.
Unmittelbar hierauf wird das Kabel in einer Stauchkammer gekräuselt und in einem U-Rohr-förmigen
Stiefel zwecks Beibehaltung des Schrumpfniveaus mit kalter Luft von Raumtemperatur
beaufschlagt. Dann wird das hochschrumpffähige Acrylkabel zu Stapelfasern von 80 mm
Länge geschnitten und einer Packpress zugeführt.
[0028] Die auf diese Art und Weise in einem kontinuierlichen Prozeß hergestellten hochschrumpffähigen
Acrylfasern haben einen Einzelfaserendtitervon 5,0 dtex. Der Faserkochschrumpf, ermittelt
in kochendem Wasser, beträgt 44,4 %. Die Dichte vor dem Kochen liegt bei 1,174 g/cm
3 und nach dem Kochen bei 1,171 g/cm
3. Die Faserfestigkeit beträgt 1,8 cN/dtex und die Faserdehnung 70 %. Die Fasern sind
vakuolenstabil und besitzen eine völlig glatte strukturlose Faseroberfläche. Die Fasern
ließen sich auf einer Hochleistungskarde mit 120 m/min - vorarbeiten. Der Kurz- bzw.
Langfaseranteil im Stapeldiagramm liegt unter 2 %.
[0029] In der beiliegenden Tabelle I istfür Spinngutvom gleichen Gesamttiter343 000 dtexfürverschiedene
Bandtemperaturen und Streckgrade das Schrumpfverhalten wiedergegeben. Die Herstellung
der Hochschrumpffasern entsprach ansonsten den Angaben von Beispiel 1.
[0030] Wie man der Tabelle entnehmen kann, wird nur bei Streckgraden bis zu 350 % und Bandtemperaturen
bis 100 °C ein Faserkochschrumpf über 35 % erzielt. Bei sehr niedrigen Bandtemperaturen,
z.B. bei 60 °C wird das Spinngut nur kalt verdehnt. Es kommt häufig zu Aufläufern
und Abrissen im Streckbereich. In allen Fällen wird wiederum eine Dichte von Größer
als 1,165 g/cm
3 vor und nach dem Kochen gefunden.

Beispiel 2
[0031] Eine Suspension gemäß Beispiel 1 wird im Spinnkessel mit 1,18 Gew.-%, bezogen auf
Feststoff, des roten Farbstoffes der Formel :

und 0,11 Gew.-%, bezogen auf Feststoff, des gelben Farbstoffes der Formel :

zur Erzielung eines karminroten Farbtones versetzt und dann, wie im Beispiel 1 beschrieben,
erhitzt, in eine Spinnlösung überführt und zu karminroten Hochschrumpffasern versponnen
und nachbehandelt. Die Hochschrumpffasern haben einen Einzelfaserendtiter von 5,1
dtex. Der Faserkochschrumpt betrug 44,8 %. Die Dichte der karminroten Hochschrumpffasern
vor dem Kochen liegt bei 1,172 g/cm
3 und nach dem Kochen bei 1,166 g/cm
3. Die Faserfestigkeit beträgt 1,7 cN/dtex und die Faserdehnung 66 %. Die Fasern ließen
sich auf einer Hochleistungskarde mit 110 m/min verarbeiten.
Beispiel 3
[0032] Eine Suspension gemäß Beispiel 1 wurde mit 0,04 Gew.-% Ruß bezogen auf Feststoff,
0,02 Gew.-% Pigmentrot und 0,09 Gew.-% Pigmentgelb zur Erzielung eines beigen Farbtones
versetzt und, wie in Beispiel 1 beschrieben , erhitzt, in einer Spinnlösung überführt
und nachbehandelt. Verstreckt wurde jedoch 1 : 3,5 fach bei einer Bandtemperaturvon
100 °C. Die beigefarbenen Hochschrumpffasern vom Einzelendtiter 3,8 dtex besitzen
eine Kochschrumpf von 35,3 %. Die Faserfestigkeit liegt bei 2,3 cN/dtex und die Dehnung
bei 50 % . Die Dichte beträgt 1,172 g/cm
3 vor dem Kochen und 1,165 g/cm
3 nach dem Kochen. Die Fasern ließen sich auf der Hochleistungskarde mit 100 m/min
verarbeiten.
1. Verfahren zur Herstellung von hochschrumpffähigen Fäden und Fasern aus Acrylnitrilcopolymerisate
mit mindestens 40 Gew.-% Acrylnitrileinheiten durch Verspinnen einer Spinnlösung des
Copolymerisate in einen Spinnschacht, Verdampfen mindestens eines Teils des Spinnlösungsmittels
im Spinnschacht, Präparieren, Verstrecken bei Verstrecktemperaturen von 65 bis 100
°C und Verstreckverhältnissen bis maximal 1:3,5, Kräuseln und gegebenenfalls Schneiden
in kontinuierlicher Arbeitsweise, wobei
a) eine Spinnlösung versponnen wird, deren Viskosität bei 100°C 10-60 Kugelfallsekunden
(4,37-26,22 Pa.s) beträgt,
b) die Verdampfung des Lösungsmittels im Spinnschacht so gesteuert wird, daß der Lösungsmittelgehalt
der Fäden beim Verlassen des Spinnschachtes maximal 10 Gew.-%, bezogen auf Faserfeststoffgehalt,
beträgt, der Spinnverzug des Verfahrens größer als 2 ist,
c) die Fäden dem Verstrecken mit einer Präparation versehen werden, die ein Gleitmittel
und ein Antistatikum enthält und den Fäden einen Feuchtegehalt von maximal 10 Gew.-%,
bezogen auf Faserfeststoffgehalt verleiht,
d) die Fäden vor und während dem Verstrecken mit keinerweiteren Extra ktionsfiüssigkeit
für das Spinnlösungsmittel in Kontakt treten und im Verfahren Kein Waschprozeß erfolgt
und ein Trocknungsprozeß entfällt, und
e) man die Verstreckung mit Kabeln von mindestens 100 000 dtex ausführt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei die Spinnlösung eine Viskosität von 15-50 Kugelfallsekunden
(6,56-21,85 Pa.s) bei 100°C aufweist, der Lösungsmittelgehalt der Fäden beim Verlassen
des Spinnschachtes maximal 5 Gew.-%, bezogen auf Faserfeststoffgehalt, und das Verstreckverhältnis
1:2 bis 1:3,5 beträgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1, wobei die Spinnlösungsherstellung in den kontinuierlichen
Prozeß eingebunden wird.
4. Verfahren nach Anspruch 5, wobei die Spinnlösung durch Lösungspolymerisation im
verwendeten Spinnlösungsmittel hergestellt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 1, wobei man der Spinnlösung lösliche Farbstoffe oder Pigmente
zusetzt und Spinngefärbte Fäden und Fasern erzeugt.
6. Verfahren nach Anspruch 1, wobei man auf das Spinngut vor der Verstreckung, in
noch heißem Zustand, innerhalb oder unmittelbar hinter dem Spinnschacht, eine Präparation
von 50-90°C aufbringt.
1. A process for the production of highly shrinkable filaments and fibres of acrylonitrile
copolymers containing at least 40% by weight acrylonitrile units by spinning a spinning
solution of the copolymer in a spinning tube, evaporating at least part of the spinning
solvent in the spinning tube, finishing, stretching at stretching temperatures of
65 to 100°C and in stretching ratios of at most 1:3.5, crimping and optionally cutting
in a continuous sequence,
a) a spinning solution having a viscosity at 100°C of 10 to 60 falling ball seconds
(4.37 - 26.22 Pa.s) being spun,
b) evaporation of the solvent in the spinning tube being controlled in such a way
that the solvent content of the filaments on leaving the spinning tube is at most
10% by weight, based on fibre solids, and the spinning draft of the process being
greater than 2,
c) the filaments being provided before stretching with a finish which contains a lubricant
and an antistatic agent and which imparts a moisture content of at most 10% by weight,
based on fibre solids, to the filaments,
d) the filaments coming into contact with no other extraction liquid for the spinning
solvent before or during stretching and the process involving no washing or drying
and
e) stretching being carried out with tows of at least 100,000 dtex.
2. A process as claimed in claim 1, in which the spinning solution has a viscosity
of 15 to 50 falling ball seconds (6.56 - 21.85 Pa.s) at 100°C, the solvent content
of the filaments on leaving the spinning tube is at most 5% by weight, based on fibre
solids, and the stretching ratio is 1:2 to 1:3.5.
3. A process as claimed in claim 1, in which the preparation of the spinning solution
is incorporated in the continuous process.
4. A process as claimed in claim 5, in which the spinning solution is prepared by
solution polymerization in the spinning solvent used.
5. A process as claimed in claim 1, in which soluble dyes or pigments are added to
the spinning solution and spundyed filaments or fibres are produced.
6. A process as claimed in claim 1, in which a finish at 50 to 90°C is applied to
the spun material while it is still hot either inside or immediately behind the spinning
tube.
1. Procédé de production de fils et fibres à haut pouvoir de contraction, à partir
de copolymères d'acrylonitrile contenant au moins 40 % en poids de motifs acrylonitrile,
par filage d'une solution à filer du copolymère dans une cuve de filature, évaporation
d'au moins une partie du solvant de la solution à filer dans la cuve de filature,
préparation, étirage à des températures de 65 à 100°C et dans des rapports d'étirage
atteignant au maximum 1:3,5, frisage et, le cas échéant, coupage selon un mode de
travail continu, dans lequel
a) on file une solution dont la viscosité à 100°C, mesurée par la chute d'une bille,
s'élève à 10-60 secondes (4,37-26,22 Pa.s),
b) l'évaporation du solvant dans la cuve de filature est dirigée de façon telle que
la teneur en solvant des fils à la sortie du puits de filature s'élève au maximum
à 10 % en poids par rapport à la teneur en fibres sur base solide, l'étirage au filage
du procédé est supérieur à 2,
c) les fils avant l'étirage sont pourvus d'une préparation qui contient un lubrifiant
et un agent antistatique et qui confère aux fils une teneur en humidité de 10 % en
poids au maximum, par rapport à la teneur en fibres sur base solide,
d) les fils, avant et pendant l'étirage, ne passent au contact d'aucun autre liquide
d'extraction du solvant de filature et aucun processus de lavage n'est mis en oeuvre
dans le procédé et une opération de séchage est omise, et
e) on exécute l'étirage avec des câbles d'au moins 100 000 dtex.
2. Procédé suivant la revendication 1, dans lequel la solution à filer a une viscosité
à 100°C, mesurée d'après la chute de bille, de 15 à 50 secondes (6,56-21,85 Pa.s),
la teneur en solvant des fils à leur sortie de la cuve de filage est au maximum égale
à 5 % en poids, par rapport à la teneur en fibres sur base solide et le rapport d'étirage
a une valeur de 1:2 à 1:3,5.
3. Procédé suivant la revendication 1, dans lequel la préparation de la solution à
filer est intégrée à l'opération continue.
4. Procédé suivant la revendication 5, dans lequel la solution à filer est produite
par polymérisation en solution dans le solvant utilisé.
5. Procédé suivant la revendication 1, dans lequel on ajoute à la solution à filer
des colorants ou des pigments solubles et on produit des fils et des fibres colorés
au filage.
6. Procédé suivant la revendication 1, dans lequel on applique sur la matière à filer
avant l'étirage, à l'état encore chaud, à l'intérieur ou juste en arrière de la cuve
de filature, une préparation à 50-90°C.