[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Streckwerk für eine Spinnmaschine
mit einer Vor- und einer Hauptverzugszone, mit einem eine obere und eine untere Walze
umfassenden Einlaufwalzenpaar, mit einem eine obere und eine untere Walze umfassenden
Auslaufwalzenpaar und mit einem durch ein Riemchenwalzenpaar angetriebenen Ober- und
einem Unterriemchen, wobei sich die Vorverzugszone zwischen dem Einlaufwalzenpaar
und der durch die an das Ober- und Unterriemchen angepressten Riemchenwalzen gebildeten
Klemmlinie, und die Hauptverzugszone sich zwischen dieser Klemmline und dem Auslaufwalzenpaar
erstreckt, und wobei sich das Unterriemchen unter der Verzugszone und der unteren
Einlaufwalze erstreckt.
[0002] Die Erfindung befasst sich insbesondere mit der Reinigung solcher Streckwerke. Durch
die deutsche Offenlegungsschrift Nr. 2217314 ist bereits eine Putzvorrichtung bekannt,
bei welcher durch eigens zum Putzen vorgesehenen Putzriemchen durch Reibung und Bewegung
derselben auf den schneller umlaufenden Walzen und den Oberriemchen ein Reibun
gs- und Abstoppeffekt erfolgt.
[0003] Durch die deutsche Patentschrift Nr. 908590 ist ausserdem ein Riemchen-Streckwerk
bekannt, bei welchem sich das Unterriemchen-bis unterhalb des Einlaufzylinderpaares
erstreckt. Eine Berührung des Unterriemchens mit dem unteren dieser Zylinder ist nicht
vorhanden.
[0004] Gemäss der Erfindung soll eine Reinigung des Unterriemchens und des unteren Einlaufzylinders
erhalten werden. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass im Betrieb des Streckwerks sich
das Unterriemchen mit dieser unteren Einlaufwalze in streifender Berührung befindet.
[0005] Erfindungsgemäss erhält man eine Reinigung des unteren Einlaufzylinders und des Unterriemchens
durch Abstreifen derer Oberflächen, wobei keine speziell dem Putzen dienende Mittel
vorgesehen werden müssen. Das Streckwerk ist somit von grosser Einfachheit. Durch
die kontinuierliche Reinigung der Walze wird die Gefahr der Wickelbildung erheblich
herabgesetzt. Ein Haften von Fasern wird bereits-im Anfangsstadium verhindert. Weil
das Ober- und Unterriemchen zur Führung der Fasern während des Verzugsprozesses in
der Hauptverzugszone dienen, und weil im Betrieb die Riemchen über Umlenkstellen geführt
werden, ist es schon an sich notwendig, die Riemchen aus einem gegen Reibung widerstandsfähigen
Material herzustellen. Insofern als im allgemeinen nur eine leichte Berührung des
Unterriemchens mit der unteren Einlaufwalze vorhanden ist, wird daher die Lebensdauer
des Riemchens durch die Reinigungsanordnung praktisch kaum verändert.
[0006] Zusätzlich ergibt sich bei dem erfindungsgemässen Streckwerk als ein überraschendes
Resultat eine wesentliche Vereinfachung des Einfädelns, weil der durch das Einlaufwalzenpaar
durchbewegte Luntenanfang beim Einfädeln nicht mehr von Hand zur Einlaufstelle des
durch die Riemchen gebildeten Klemmbereichs geführt werden muss. Die Lunte kommt bei
der erfindungsgemässen Ausführung von selbst auf das Unterriemchen zu liegen, wird
somit von diesem mitgenommen und gelangt in den Bereich der gegenseitigen Anlage der
bewegten Riemchen, um weiter transportiert zu werden. Da die bei der Reinigung anfallenden
Fasern auf das untere Riemchen zu liegen kommen, ergibt sich als weiterer Vorteil
der Erfindung ein Wiedereinfügen der abgestreiften Fasern in die in der Hauptverzugszone
zu verziehende Lunte, d.h. es ergibt sich ein Recycling der bei der Reinigung anfallenden
Fasern.
[0007] Die Erfindung sei nun anhand von Ausführungsbeispielen und der Figur der Zeichnung
näher erläutert. Die letztere zeigt ein durch eine obere und eine untere Einlaufwalze
11 bzw. 12 gebildetes Einlaufwalzenpaar, durch welches die durch den Kondenser 28
einlaufende Lunte 13 bzw. das einlaufende Vorgarn auf der Eintrittsseite des Streckwerks
erfasst und gemäss der Figur von rechts nach links transportiert wird. Anschliessend
sind eine ein Walzenpaar bildende, obere und untere Riemchenwalze 14 bzw. 15 vorgesehen.
Dieses Walzenpaar dient zum Antreiben des Oberriemchens 16 und des Unterriemchens
17. Das Riemchen 16 wird um eine Umlenkstelle 18 geführt. Entsprechend sind zur Führung
des Riemchens 17 eine Brücke 19 und eine Umlenkschiene 20 vorgesehen. Den beiden Riemchen
16, 17 nachfolgend ist ein durch eine obere und eine untere Auslaufwalze 23 bzw. 24
gebildetes Auslaufwalzenpaar vorhanden.
[0008] Eine Riemchenführung 21 ist an einem Lagersattel 22 befestigt. Der letztere dient
in erster Linie zum Tragen der Riemchenunterwalze 15. Er ist in der zur Rotationsachse
der Walze 15 senkrechten Richtung einstellbar. Diese Einstellung dient dazu, die Entfernung
der durch die zusammenlaufenden Riemchen 16, 17 gebildete Eintrittsstelle für die
Luntenfasern von den Auslaufwalzen 23, 24, d.h. die Länge der Hauptverzugszone, der
verschiedenen Arten solcher Fasern anzupassen. Der Lagersattel 22 sowie der weitere
Lagersattel 25 für die Einlaufwalze 12 sind von einem Träger 26 getragen.
[0009] Der durch die gegeneinander gepressten Walzen 14 und 15 gebildete Ort maximalen Drucks
befindet sich zwischen den Riemchen 16, 17 längs einer zu den Rotationsachsen der
Walzen 14, 15 parallelen Linie, der sogenannten Klemmlinie 27. Der Bereich zwischen
dem Einlaufwalzenpaar 11, 12 und der Klemmlinie 27 ist die Vorverzugszone. Der Bereich
zwischen der Klemmlinie 27 und dem Auslaufwalzenpaar 23, 24 ist die Hauptverzugszone.
[0010] Im Betrieb des Streckwerks drehen sich die Walzen 11, 12, 14, 15 und 23, 24 im durch
die Pfeile angegebenen Drehsinn. Die Umfangsgeschwindigkeit der Einlaufwalzen 11,
12 und der Riemchenwalzen 14, 15 ist relativ klein, wobei diejenige der Einlaufwalzen
11, 12 noch etwas kleiner ist als diejenige der Riemchenwalzen 14, 15 und damit auch
der Geschwindigkeit der Riemchen 16, 17. Dadurch erhält man in der Vorverzugszone
ein leichtes Verziehen der Lunte 12. Die Umfangsgeschwindigkeit der Walzen 23, 24
ist jedoch viel grösser als diejenige der Walzen 14, 15, so dass im Hauptverzugsbereich
der eigentliche Verzug der Lunte stattfindet.
[0011] Gemäss der Erfindung sind die Walzen 11, 12 und 14, 15 und die Umlenkschiene 20 in
der Weise angeordnet, dass im Betrieb des Streckwerks das Unterriemchen 17 sich mit
der unteren Einlaufwalze 12 in Berührung befindet, d.h. an der Walze 12 streift. Es
ist ersichtlich, dass sich an der Berührungsstelle die Oberfläche der Walze 12 und
das Riemchen 17 in entgegengesetzten Richtungen bewegen. An der Walze 12 haftende
Fasern werden dabei vom Riemchen 17 abgestreift und bleiben auf dem letzteren liegen,
d.h. sie werden von diesem mitgenommen. Dabei gelangen sie wieder in die Faserlunte
12, mit der sie bei deren Weiterverarbeitung vermischt werden.
[0012] In der Figur ist noch eine zweite Ausführungsform der Erfindung gezeigt. Gemäss dieser
wird durch entsprechende, gegenseitige Anordnung der Brücke 19 und der Auslaufwalze
24 zusätzlich eine Berührung des Unterriemchens 17 mit der unteren Auslaufwalze 24
erhalten. Auch in diesem Fall bewegt sich an der Berührungsstelle die Oberfläche der
Walze 24 entgegengesetzt zur Bewegung des Riemchens 17. Auf diese Weise wird auch
eine Reinigung der unteren Auslaufwalze 24 erzielt.
[0013] Durch den Zug der Walzen 14, 15 am Riemchen 17 und als Folge der Reibung desselben
an der Umlenkschiene 20, befindet sich das Riemchen 17 zwischen den Walzen 14, 15
und der Schiene 20 in angespanntem Zustand und ist aus diesem Grunde im Betrieb des
Streckwerks gegen die Walze 12 hin vorgespannt. Im Gegensatz dazu befindet sich der
zwischen den Teilen 19 und 20 befindliche Trum des Riemchens 17 in losem Zustand.
Das Anliegen desselben an die Walze 24 ist eine Folge der natürlichen Steifigkeit
des Riemchens 17.
[0014] Falls ein stärkeres Anliegen an die Walze 24 erwünscht ist, kann ein solches durch
eine weitere Ausführungsform auf einfache Art erreicht werden. Bei dieser ist der
sich nach unten erstreckende Teil der Brücke 19 mit einem entsprechenden Fortsatz
29 versehen, wie dies strichliert angedeutet ist. Durch die Wahl der Ausgestaltung
des Fortsatzes 29 kann die gewünschte Stärke des Anliegens an die Walze 24 beliebig
gewählt werden.
[0015] Es ist ersichtlich, dass beim Einfädeln der Lunte 13 diese nach dem Durchtritt zwischen
den Walzen 11, 12 im Falle eines unerwünschten Herunterhängens auf dem Unterriemchen
17 aufliegen muss und somit von diesem mitgenommen wird und dadurch anschliessend
zwischen die Riemchen 16, 17 gelangt. Aus diesem Grund ergibt sich der eingangs als
überraschendes Resultat erwähnte Vorteil eines im wesentlichen automatischen Einfädelns.
[0016] In einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist eine Riemchenführung
21 zum seitlichen Führen des Riemchens 17 vorhanden. Die Verwendung eines losen Riemchens
17 bewirkt eine kleinere Reibung und damit eine Erhöhung der Lebensdauer desselben.
Durch die Riemchenführung 21 wird das Abwandern des losen Riemchens verhindert und
somit ein einwandfreies Arbeiten des Streckwerkes gewährleistet.
[0017] Eine sehr präzise Führung für das Riemchen 17 wird erhalten, wenn sich die Führung
so nahe wie möglich an der Einlaufstelle zum Klemmbereich der Riemchen 16, 17 befindet.
Damit besteht eine weitere, vorteilhafte Ausführungsform der Erfindung beim Vorliegen
eines losen Unterriemchen 17 darin, dass die Riemchenführung 21 am Lagersattel 22
befestigt ist. In diesem Fall wird beim durch Verschieben des Lagersattels 22 erfolgenden,
horizontalen Einstellen der Walzen 14, 15 an verschiedene Faserarten, insbesondere
Faserlängen, die Führung 21 mitbewegt. Ein einmal eingestellter, optimaler Abstand
der Walze 14, 15 von der Riemchenführung 21 bleibt somit beim Anpassen an verschiedene
Faserarten stets erhalten.
1. Streckwerk für eine Spinnmaschine mit einer Vor- und einer Hauptverzugszone, mit
einem eine obere und eine untere Walze umfassenden Einlaufwalzenpaar, mit einem eine
obere und eine untere Walze umfassenden Auslaufwalzenpaar und mit einem durch ein
Riemchenwalzenpaar angetriebenen Ober- und einem Unterriemchen, wobei sich die Vorverzugszone
zwischen dem Einlaufwalzenpaar und der durch die an das Ober- und Unterriemchen angepressten
Riemchenwalzen gebildeten Klemmlinie, und die Hauptverzugszone sich zwischen dieser
Klemmlinie und dem Auslaufwalzenpaar erstreckt, und wobei sich das Unterriemchen unter
der Vorverzugszone und der unteren Einlaufwalze erstreckt, dadurch gekennzeichnet,
dass im Betrieb des Streckwerks sich das Unterriemchen (17) mit dieser unteren Einlaufwalze
(12) in streifender Berührung befindet.
2. Streckwerk nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass im Betrieb desselben sich
das Unterriemchen (17) auch mit der unteren Auslaufwalze (24) in streifender Berührung
befindet.
3. Streckwerk nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Unterriemchen (17)
lose angeordnet ist und als Folge seiner Steifigkeit sich mit der unteren Auslaufwalze
(24) in Berührung befindet.
4. Streckwerk nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass an der Auslaufstelle des
durch die Riemchen (16, 17) gebildeten Klemmbereichs eine das Unterriemchen (17) führende
Brücke (19) vorgesehen ist und die letztere einen Fortsatz (29) zur Führung des Unterriemchens
(17) aufweist, welcher eine Berührung des letzteren mit der unteren Auslaufwalze (24)
bedingt.
5. Streckwerk nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Unterriemchen (17)
lose angeordnet ist und vor der Einlaufstelle zum durch die Riemchen (16, 17) gebildeten
Klemmbereich eine seitliche Riemchenführung (21) vorgesehen ist.
6. Streckwerk nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Riemchenführung an
einem, die untere Riemchenwalze (15) tragenden Lagersattel (22) befestigt ist.