[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein orthopädisches Gerät, insbesondere zur Behandlung
von Wirbelschäden von Personen mit auf die Wirbelsäule stoßartig einwirkendem Element.
[0002] Um Wirbelschäden wie zum Beispiel gegeneinander verschobene oder verrenkte Wirbelkörper
zu behandeln, erfolgt heutzutage vorwiegend eine individuelle Behandlung zum Beispiel
durch einen Chiropraktiker. Wesentliche Behandlungsübungen sind dabei, daß der Patient
angehoben, also die Wirbelsäule gestreckt wird, um dann auf die Wirbelsäule eine stoßartige
Bewegung einwirken zu lassen. Zu diesem Zweck verschränkt der Patient seine Arme am
Hinterkopf und wird rückenseitig von einer behandelnden Person an seinen Unterarmen
erfaßt und angehoben. Sodann erfolgt der kurze Stoß in die Rückengegend. Diese manuelle
Behandlung eines Patienten birgt jedoch gewissene Nachteile. So wird die behandelnde
Person, also zum Beispiel der Chiropraktiker stark beansprucht, wobei gegebenenfalls
insbesondere die Wirbelsäule überstrapaziert wird. Der Patient selbst läuft Gefahr,
daß die bei der Therapie aufgebrachten Kräfte bzw. der Stoß zu stark gewählt sind.
Da der Patient jedoch keine Möglichkeit hat, dieser Behandlung auszuweichen, treten
immer wieder unerwünschte Schmerzen und gegebenenfalls unbeabsichtigte Schäden auf.
[0003] Zwar gibt es orthopädische Geräte, bei denen Elemente stoßartig auf die Wirbelsäule
eines Patienten einwirken. Dabei erfolgt jedoch die Behandlung stets im Liegen, so
daß ein Verschieben von zu behandelnden Wirbeln nur unter erheblicher Krafteinwirkung
auf die angrenzenden gesunden Wirbeln erfolgen kann. Daraus resultiert jedoch eine
Verletzungsgefahr. Ferner besteht kaum die Möglichkeit, die Krafteinwirkung gesteuert,
d.h. nicht von Hand zu applizieren. (siehe zum Beispiel US-A-21 80 775, US-A-14 55
320, DE-C-234 809, CH-C-46 81 83, DE-B-22 26 073)
[0004] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein orthopädisches Gerät zur Behandlung
von Wirbelschäden von Personen zur Verfügung zu stellen, mit Hilfe dem eine individuelle
Behandlung an den Patienten rαöglich ist, eine kontrollierte und reproduzierbare Krafteinwirkung
erfolgen kann, wobei gezielt eine oder mehrere Wirbel unabhängig von den angrenzenden
Wirbeln behandelt werden können.
[0005] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß das Gerät ein vertikal oder
nahezu vertikal verschiebbares, eine Person aufnehmendes und deren Wirbelsäule streckendes
Basisgestell sowie ein die gewünschte stoßartige Einwirkung auf einen oder mehrere
Wirbel hervorrufendes (erstes) Element umfaßt, das in Abhängigkeit von der Streckung
der Wirbelsäule aktivierbar ist. Dabei ist das erste Element horizontal- und höhenverstellbar
und vorzugsweise als eine durch Federkraft kontrolliert vorspannbare senkrecht oder
nahezu senkrecht zur Streckrichtung der Person stoßartig auf die Wirbelsäule einwirkende
knaufartige ausgebildete Rückenstoßeinrichtung, die vorzugsweise eine Lehne durchsetzt
oder von dieser umgeben ist, die ihrerseits zumindest Abschnitte der Rückenpartie
des Patienten abstützt.
[0006] Durch die erfindungsgemäße Vorrichtung wird erstmalig die Möglichkeit gegeben, die
Behandlung eines Chiropraktikers nachzuvollziehen, wobei jedoch der entscheidende
Vorteil gegeben ist, daß eine reproduzierbare Behandlung möglich ist. Das bedeutet,
daß individuell auf die zu behandelnde Personen stoßartige Kräfte auf die zu behandelnden
Wirbelpartien einwirken können, so daß die Gefahr ausgeschlossen ist, daß anstelle
einer heilenden Wirkung Beschädigungen auftreten. Durch die erfindungsgemäße Vorrichtung
ist sichergestellt, daß auch wirklich nur die zu behandelnde Wirbelpartie durch das
stoßartig vorschnellende Element kraftbeaufschlagt wird, ohne daß die angrenzenden
Wirbeln unter Mitleidenschaft gezogen werden. Dies liegt ursächlich darin begründet,
daß die stoßartige Bewegung bereits einsetzt, bevor die Streckung abgeschlossen ist.
Während des Streckvorganges an sich werden nämlich die einzelnen Wirbel, die zum Teil
gegeneinander verkantet sein können, quasi voneinander entfernt und in eine Reihe
ausgerichtet, ohne daß gleichzeitig eine Muskelverspannung auftritt. Diese tritt nämlich
erst dann auf, wenn die Streckung abgeschlossen, der Patient also quasi "aufgehängt"
ist. Bevor jedoch diese Muskelverspannung eintritt, die einzelnen Wirbel noch weitgehend
gegeneinander frei beweglich sind, erfolgt die Stoßeinwirkung, so daß zum Beispiel
verkantete oder verdrehte Wirbel zu den anderen in der erforderlichen Weise ausgerichtet
werden können.
[0007] Die Funktionsweise der Behandlung ist dabei die folgende. Das von einer Grundplatte
ausgehende Basisgestell ist höhenverstellbar und weist in seinem oberen Abschnitt
Unterarm- und Achselstützen auf. Nachdem das Basisgestell auf die zu behandelnde Person
aus- oder heruntergefahren ist, man kann sich das Gestell als eine Teleskopabschnitte
aufweisende Säule vorstellen, werden die Unterarmstützen und die Achselstützen auf
den Patienten abgestellt. Anschließend wird die Rückenstoßeinrichtung, die gleichfalls
höhenverstellbar und horizontalverstellbar ausgebildet ist, auf den Bereich der Rückenpartie
ausgerichtet, der zu behandeln ist. Schließlich erfolgt ein Spannen der Rückenstoßeinrichtung
in einem Umfang, der die gewünschte Stoßapplikation auf die zu behandelnden Wirbel
sicherstellt. Schließlich erfolgt ein Spannen der Höhenstoßeinrichtung. Dies bedeutet,
daß gegebenenfalls durch Federvorspannung nach Ausrichtung der Säule auf die Person
an sich und Einstellen der Unterarmstützen und Achselstützen das das Strecken bewirkende
Anheben der Säule erfolgt, um nach einer einstellbaren und vorgebbaren Streckungslänge
die Rückenstoßeinrichtung auszulösen, so daß die impulsartige Krafteinwirkung auf
die zu behandelnde Wirbelsäulenpartie vor einer Muskelverspannung erfolgt.
[0008] Sodann kann die Säule herabgefahren werden, damit ein anderer Patient behandelt werden
kann oder aber der Streckvorgang und der impulsartige Stoß auf die Rückenpartie erfolgt
von neuem.
[0009] In einer alternativen Ausführungsform tritt das erste Element mit einem weiteren
zweiten Element in Wechselwirkung, das zum Anliegen an der Wirbelsäule ausgebildet,
zumindest um eine Drehachse schwenkbar und anhebbar ist. Dabei ist das der Wirbelsäule
angepaßte zweite Element von einem Rahmen aufgenommen, der in seinem oberen Bereich
in zumindest einen Schwenkarm übergeht, der gelenkig über die horizontal angeordnete
Drehachse mit dem zumindest höhenverstellbaren Basisgestell in Form von zum Beispiel
einer Säule verbunden ist. Dabei ist der Schwenkarm selbst vorzugsweise mit einem
Hebel verbunden, kann jedoch auch in diesen übergehen, um sodann durch Zusammenwirken
mit einem Kraftzylinder verschwenkt zu werden.
[0010] Durch die alternative Lösung wird gleichfalls die manuelle Behandlung eines Chiropraktikers
simuliert. Durch die Konstruktion der Vorrichtung bestimmt, muß sich der Patient gleichfalls
mit seinem Rücken an dem der Wirbelsäule angepaßten zweiten Element anlegen. Auch
ist es erforderlich, daß seine Arme in Armhalterungen einliegen. Sodann erfolgt ein
gemeinsames Anheben des Gestells, wodurch gleichzeitig das Strecken der Wirbelsäule
erfolgt. In dieser Behandlungsposition berührt sodann der Patient vornehmlich nur
noch mit seinen Zehenspitzen den Boden, der eine Basisplatte des höhenverstellbaren
Basisgestells sein kann. Anschließend erfolgt die Behandlung in dem Umfang, daß das
einen stoßartigen Schlag hervorrufende Element mit dem der Wirbelsäule angepaßten
Element in Wechselwirkung tritt. Dabei kann dieses Element vorzugsweise ein Schwungelement
wie zum Beispiel ein Pendel sein, durch dessen Auslenkung die Krafteinwirkung auf
die Wirbelsäule vorgegeben ist. Ein individuelles Abstellen auf den Patienten ist
ebenfalls gegeben, indem entsprechend die Auslenkung des Schwungelementes eine gewünschte
einstellbare Größe bzw. einen Winkel aufweist. Die genaue Dosierung der Stoßintensität
kann dabei mittels einer Meßeinrichtung dosiert und daher reproduzierbar eingestellt
werden.
[0011] Die stoßartige Einwirkung auf die Wirbelsäule kann auch nach dem alternativen Lösungsvorschlag
sowohl noch während des Streckvorganges, aber auch erst nach dem Streckvorgang erfolgen.
Dies hängt von der notwendigen Behandlungsart ab.
[0012] Ein Vorteil, daß der Patient quasi an Achsstützen bzw. Unterarmstützen "aufgehängt"
ist, ist darin zu sehen, daß der Patient gegebenenfalls selbst aus den Stützen rausrutschen
kann, sofern die stoßartigen Krafteinwirkungen zu groß sind und damit zu Schmerzen
führen.
[0013] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung wird der impulsartige Stoß von dem ersten
zum Beispiel als Schwungelement oder als knaufartige Rückstoßeinrichtung ausgebildeten
ersten Element nicht unmittelbar auf die Wirbelsäule bzw. dem der Wirbelsäule angepaßten
Rückenelement übertragen, sondern es kann ein Absorbtionselement zwischengeschaltet
werden, wodurch eine Verzögerung bzw. Dämpfung der Stoßeinwirkung erfolgt. Dadurch
wird der Vorteil erzielt, daß die Therapie verstärkt wird.
[0014] Die erfindungsgemäßen orthopädischen Geräte gemäß der zuvor beschriebenen Lösungsvorschläge
bestehen erkennbar aus einem statischen Teil und einem dynamischen Teil. Der statische
Teil umfaßt das Basisgestell, d.h. die Säule bzw. den Rahmen, mit dem die Armhalterungen
bzw. Achselstützen und Unterarmstützen sowie die höhenverstellbare Rückenstoßeinrichtung,
die sämtlichst vor der Behandlung auf die körperlichen Gegebenheiten eines Patienten
eingestellt werden. Hinzu kommt selbstverständlich die Standfläche für den Patienten,
wodurch die Ausgangslage zwangsläufig definiert wird.
[0015] Der dynamische Teil weist Kraftelemente, wie zum Beispiel Hydrozylinder oder Federelemente
auf, die bewirken, daß, nachdem der Patient die Grundposition eingenommen hat, dieser
angehoben und dabei gestreckt wird, wobei vorzugsweise vor Beendigung der Streckung
ein reproduzierbarer einstellbarer impulsartiger Stoß auf die Wirbelsäule appliziert
werden kann.
[0016] Eine weitere wichtige Übung zur Heilung von Wirbelschäden besteht darin, daß die
Wirbelsäule entlang einer gewölbten Ebene abrollt. In der Praxis wird dies dadurch
erzielt, daß sich zwei Patienten mit dem Rücken aneinanderstellen und gegeneinander
auf dem Rücken abrollen. Diese Übung birgt jedoch Gefahren, da ein individuelles Einstellen
kaum möglich ist, insbesondere dann nicht, wenn die Personen unterschiedlich schwer
oder groß sind.
[0017] Mit dem erfindungsgemäßen orthopädischen, die schwenkbare Rückenlehne aufweisenden
Gerät kann jedoch die gleiche Übung simuliert werden. Zu diesem Zweck wird das im
oberen Randbereich und vorzugsweise über den Schwenkarm angelenkte gebogene zweite
Element verwendet. Der Anlenkpunkt dient dabei als stationäre Drehachse des gebogenen
Elementes. Geschwenkt wird das gebogene Element nach einer Ausführungsform dadurch,
daß zum Beispiel ein Hydrozylinder an einen Hebel angreift, der mit dem oberen Endbereich
des gebogenen Elementes bzw. dem Schwenkarm verbunden werden kann. Befindet sich nun
ein Patient mit seiner Rückenpartie anliegend an dem gebogenen Element, so wird durch
Zusammenwirken von Hydrozylinder, Hebel, gebogenem Element und gegebenenfalls Schwenkarm
die Rollbewegung nachvollzogen. Dazu werden vorzugsweise im Mittelbereich zwischen
oberem und unterem Ende des gebogenen Elementes Halteeinrichtungen für Ellbogen vorgesehen.
[0018] Schließlich besteht die Möglichkeit, die Abrollbewegung dadurch zu simulieren, daß
das obere und untere freie Ende des ersten Elementes festgelegt sind, also die obere
und untere Achse zueinander nicht drehbar sind, jedoch die Gesamteinrichtung um eine
parallel zu der oberen Schwenkachse verlaufende Achse schwenkbar ist.
[0019] Ferner besteht die Möglichkeit, das Basisgestell vorzugsweise in Form einer Säule
von einem ortsfesten Gestell wie zum Beispiel Bock aufzunehmen, um dadurch eine Verschwenkung
um 90° zu erzielen. Sodann kann die Säule bzw. das Gestell Basis für eine Bettauflage
bilden, so daß ein weiterer medizinischer Zweck erfüllt wird, kann also zum Beispiel
als Ruhelage für medizinische Massagen oder ähnliches dienen.
[0020] Zu dem zweiten Element bzw. der Rückenlehne, die zumindest Abschnitten der Wirbelsäule
abstützen und der Form angepaßt ist, ist zu bemerken, daß diese vorzugsweise ein gewölbtes
Brett sein können. Selbstverständlich besteht auch die Möglichkeit, diese als Rahmen
mit austauschbaren Einsätzen auszubilden. Andere Lösungsmöglichkeiten sind gleichfalls
gegeben. Wesentlich ist nur, daß eine Anpassung der Wirbelsäule möglich ist.
[0021] Weitere Einzelheiten, Vorteile und Merkmale der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung bevorzugter Ausführungsbeispiele.
[0022] Es zeigen:
Fig. 1 eine erste Ausführungsform eines erfindungsgemäßen orthopädischen Geräts in
Seitenansicht,
Fig. 2 das orthopädische Gerät nach Fig. 1, jedoch von einem Gestell aufgenommen,
Fig. 3 das von dem Gestell nach Fig. 2 aufgenommene orthopädische Gerät, jedoch um
90° verschwenkt,
Fig. 4 eine zweite besonders hervorzuhebende Ausführungsform eines orthopädischen
Geräts in Seitenansicht,
Fig. 5 das orthopädische Gerät in Draufsicht und
Fig. 6 Weg-Schritt-Diagramm für das Gerät nach Fig. 4.
[0023] Der Fig. 1 ist eine erste. Ausführungsform erfindungsgemäßen orthopädischen Geräts
10 zu entnehmen, welches eine Säule 12 die auch durch einen Rahmen oder ein Gestell
ersetzt werden kann, besteht. Die Säule 12 besteht dabei aus zwei Abschnitten 14 und
16, die ineinander verschoben werden können. Das heißt, daß über im Abschnitt 14 angeordnete
Zylinder 18 in Form von vorzugsweise Hydrozylindern der Abschnitt 16 relativ zum Abschnitt
14 verlängert bzw. verkürzt werden kann. An dem Abschnitt 16 ist ein Element 20 angeordnet,
welches der Form einer Wirbelsäule angepaßt ist. Das Element 20 ist vorzugsweise von
einem Rahmen 22 aufgenommen, der aus vertikal verlaufenden, starre Achsen bildende
Abschnitten 24 sowie starren horizontalen Armen aufgebaut ist. Ferner liegt der Rahmen
22 in seinem unteren, an starren von den dem Abschnitt 16 ausgehenden Armen 26 abhebbar
an und geht im oberen Bereich in Schwenkarme 28 über. Gewünschtenfalls könnte auch
über eine Achse 30 eine gelenkige Verbindung zwischen dem Rahmen 22 und den Armen
26 erfolgen. Die vertikalen Abschnitte 22 gehen vorzugsweise starr in die Schwenkarme
28 über, bilden also ein Teil des Rahmens 22, können aber auch über Achsen 32 mit
den Schwenkarmen 28 gelenkig befestigt sein. Die Schwenkarme 28, die über eine Achse
34 mit dem oberen Abschnitt 16 der Säule 12 verbunden sind, gehen in Hebel 36 über,
die ihrerseits mit einer Kolbenstange 38 eines vorzugsweise Hydrozylinders 40 verbunden
werden kann. Dabei erfolgt die Bewegung des Kolbens 38 parallel oder nahezu parallel
zu der Längsachse der Säule 12. Oberhalb des ersten Elementes 20 sind ferner Armstützen
42 angeordnet. Zusätzlich sind im Seitenbereich des ersten Elementes 20 weitere Armstützen
44 vorgesehen.
[0024] Das der Wirbelsäule angepaßte Element 20 gelangt ferner mit einem verschwenkbaren
Element 46 in Wechselwirkung, dessen Drehachse vorzugsweise mit der Achse 34 zusammenfällt.
Das Schwenkelement kann ein Pendel sein, dessen vorzugsweise zylinderförmiger Körper
48 gegebenenfalls über ein elastisches, kontrolliert Kraft absorbierendes Element
50 mit dem Mittenbereich des ersten Elementes 20 zusammenwirkt. Die Auslenkung des
Schwenkelementes 46, also im Ausführungsbeispiel des Zylinders 48, erfolgt dadurch,
daß ein an der Pendelstange 52 vorgesehener Handgriff 54 erfaßt wird. Sodann wird
das Pendel derart ausgeschwenkt, daß es von einem an einer verstellbaren Messeinrichtung
wie zum Beispiel Skala 56 angeordneten Arretierelement wie Klinke 58 gehalten wird.
Nach Entfernen der Klinke 58 schwingt dann das Pendel 46 in Richtung des der Form
einer Wirbelsäule angepaßten Elementes 20 aus und kann somit einen dosierten impulsartigen
Stoß auf dieses übertragen.
[0025] Die Säule 12 ist vorzugsweise auf einer Grundplatte 60 angeordnet, die im vorderen
Bereich eine Fußplatte 62 umfaßt, auf die die Füße eines Patienten gestellt werden
sollen.
[0026] Die Steuerung der Hydrozylinder 18 und 40 kann über eine Steuereinheit 64 erfolgen,
die auf der Grundplatte 60 angeordnet ist, um somit eine einfache Handhabung im Bereich
des erfindungsgemäßen orthopädischen Gerätes 10 zu erzielen.
[0027] Soll nun bei einem Patienten -nacheinander oder überschneidend- die gewünschte Streckung
der Rückensäule mit dem gewünschten dosierten Stoß in die Rückengegend erfolgen, so
werden die Füße des Patienten auf die Platte 62 gestellt. Sodann werden die Arme in
die Armgriffe 42 eingelegt. Entsprechend der Größe des Patienten erfolgt eine individuelle
Einstellung. Sodann wird durch Betätigen der Hydrozylinder 18 der Abschnitt 16 gegenüber
dem Abschnitt 14 verschoben, der obere Abschnitt also aus dem unteren Abschnitt herausbewegt.
Die Verschiebung erfolgt in einem solchen Umfang, bis der Patient noch mit seinen
Zehenspitzen die Fußplatte 62 berührt. In diesem Zustand ist die Wirbelsäule im gewünschten
Umfang gestreckt. Sodann oder kurz vor der Endstreckung wird das Pendel 46 mit dem
Pendelkörper 48 aus seiner Ruhelage von dem Element 20 wegbewegt, um mit der Klinke
58 in Wechselwirkung zu treten, die in Abhängigkeit von der Stoßbeaufschlagung auf
der Skala 56 festgesteckt ist. Sobald die Klinke 58 nicht mehr mit dem Zylinder 48
zusammenwirkt, bewegt sich das Pendel in Richtung auf das erste Element 20 und überträgt
einen impulsartigen Stoß gegebenenfalls über das stoßabsorbierende Element 50 auf
die Rückenpartie, wodurch die gewünschte orthopädische Behandlung erzielt wird. (Beim
Zusammenwirken des Elementes 20 mit dem Pendel wird jenes mit dem Rahmen 22 von den
horizontal verlaufenden Armen 26 abgehoben.)
[0028] Soll das erfindungsgemäße orthopädische Gerät zum Simulieren einer Wirbelsäulenabrollbewegung
herangezogen werden, so muß der Patient seine Arme in die Armstützen 44 einlegen.
Sodann kann der Hydrozylinder 40 betätigt werden, so daß die Kolbenstange 38 in etwa
eine Bewegung ausübt, die parallel zur Längsachse der Säule 12 erfolgt. Durch diese
Bewegung erfolgt ein Verschwenken des Hebels 36 um die Achse 34. Da der Hebel 36 mit
dem Schwenkarm 28 starr verbunden werden kann bzw. in diesen übergeht, erfolgt gleichzeitig
eine Drehbewegung des Elementes 20 um die Achse 34. Demzufolge kann die gewünschte
Abrollbewegung der Wirbelsäule entlang des dieser angepaßten Elementes 20 erfolgen.
(Selbstverständlich muß der Hydrozylinder 40 bei der Verschiebung des Kolbens 38 an
seinem unteren Festpunkt um eine Achse verschwenkbar angeordnet sein)
[0029] Eine weitere Möglichkeit, die gewünschte Abrollbewegung zu erzielen, kann dadurch
erreicht werden, daß der zweite Abschnitt 16 gegenüber dem ersten Abschnitt 14 um
eine nicht dargestellte parallel zur Achse 34 verlaufende Achse verschwenkbar ist.
[0030] Nunmehr muß nur der zweite Abschnitt 16 um die erwähnte Achse gegenüber dem ersten
Abschnitt 14 verkippt werden. Es ist dann nicht mehr erforderlich, daß der Hydrozylinder
40 betätigt wird. Dieser kann vielmehr wegfallen.
[0031] Wie den Fig. 2 und 3 zu entnehmen ist, kann das erfindungsgemäße orthopädische Gerät
10 über eine Achse 66 von einem Lagerbock 68 aufgenommen werden. Das bedeutet, daß
das orthopädische Gerät 10 um die Achse 66 verschwenkbar ist. Dabei kann ein Verschwenken
um 90° erfolgen, wie es die Fig. 3 verdeutlicht. Daraus ergibt sich der Vorteil, daß
das erfindungsgemäße orthopädische Gerät mit seiner Säule 12 sowie dem der Wirbelsäule
angepaßten Element 20 Basis für zum Beispiel ein Behandlungsbett bilden kann. Aber
auch andere orthopädische Übungen können in dieser Position möglicherweise durchgeführt
werden.
[0032] In den Fig. 4 und 5 ist eine besonders hervorzuhebende Ausführungsform eines erfindungsgemäß
ausgebildeten orthopädischen Gerätes 70 insbesondere zur Behandlung von Wirbelschäden
dargestellt. Das Gerät 70 besteht dabei aus einem Basisgestell 72, das auf teleskopartig
verschiebbaren Säulen 74, 76 und 78 bestehen kann. Ferner umfaßt das Gerät 70 eine
Grundplatte 80, die als Standfläche für einen zu behandelnden Patienten dient. Von
der Säule 72 gehen Achselstützen 82 und Unterarmstützen 84, eine der Wirbelsäule angepaßte
Rückenlehne 86 sowie ein eine stoßartige Krafteinwirkung auf zu behandelnde Wirbelsäulenpartien
hervorrufendes Element 88 in Form von einer Rückenstoßeinrichtung aus. Ferner ist
eine sogenannte Höhenstoßvorrichtung 90 angedeutet, deren Funktion mit der der Rückenstoßeinrichtung
88 nachstehend beschrieben werden soll. Schließlich befindet sich an dem Säulenabschnitt
78 ein im Ausführungsbeispiel als Hebel ausgebildetes Einstellelement 92 für die Rückenstoßeinrichtung,
sowie ein Klemmeelemtn 93 zum höhenmäßigen Einstellen der Rückenstoßeinrichtung .
[0033] Die Funktionsweise des erfindungsgemäßen orthopädischen Gerätes 70 ist nun die folgende.
Nachdem sich ein Patient auf die Grundplatte 80 gestellt hat, wird die Säule 72 bzw.
deren Abschnitte 74, 76 und 78 derart gegeneinander verschoben, daß die Unterarmstützen
84 und Achselstützen 82 auf die Körpergröße eingestellt sind. Sodann werden in die
Achselstützen und in die Unterarmstützen die Achseln bzw. die Unterarme des Patienten
eingelegt. Um hier eine individuelle Anpassung vornehmen zu können, sind die entsprechenden
Stützen um die Längsachse der Säule verschwenkbar und außerdem höhenverstellbar entlang
der Säulenlängsachse ausgebildet. Nachdem demzufolge die Säulenlänge als auch die
Stützen dem Patienten angepaßt sind, wird die Höhenstoßeinrichtung 90 derart aktiviert,
daß ein Anheben des Patienten bei noch die Grundplatte 80 berührenden Füßen erfolgt.
Während dieses Anhebens erfolgt ein Strecken der Wirbelsäule in einem Umfang, das
die zum Beispiel gegeneinander verschobenen bzw. verkanteten Wirbel entspannt und
somit in eine Linie ausgerichtet werden. Nachdem die Wirbel weitgehend ausgerichtet
sind, ohne daß jedoch der Streckvorgang notwendigerweise beendet sein muß, wird durch
ein nicht dargestelltes Auslöseelement die Rückstoßeinrichtung 88 derart aktiviert,
daß senkrecht zur Streckrichtung ein impulsartiger Stoß auf die zu behandelnden Wirbel
bzw. Wirbelpartien erfolgen kann. Die Stärke der Krafteinwirkung kann dadurch mittels
des Spannelementes 92 eingestellt werden. D.h., daß das zum Beispiel mittels einer
Feder vorzuspannende Element 88 in dem Umfang vorgespannt wird, daß die erforderliche
stoßartige Kraft auf die Wirbelpartie einwirken kann. Die Rückenstoßeinrichtung 88
ist dabei selbst höhenverstellbar und horizontalverstellbar, um gezielt verschiedene
Partien des Rückens behandeln zu können.
[0034] Auch wenn das Auslösen der Rückenstoßeinrichtung 88 in Abhängigkeit des Streckvorganges
des Patienten nicht näher dargestellt ist, so kann ein Auslösen über zum Beispiel
Arretierelemente aber auch durch einen Nährungsschalter oder ähnliches erfolgen.
[0035] In Fig. 6 ist zur Verdeutlichung der erfindungsgemäßen Lehre ein Weg-Schritt-Diagramm
dargestellt, durch den der Funktionsablauf verdeutlicht werden soll, der bei der Behandlung
von Patienten mit Hilfe des erfindungsgemäßen Gerätes 70 vorzunehmen ist. Dabei werden
die für sich zu betrachtenden Verfahrensschritte mit den römischen Ziffern I bis VII
und deren jeweiliger Ablauf für sich mit Buchstaben von A bis V versehen.
[0036] Im Verfahrensabschnitt I ist die Säule 78 abgesenkt (A), um anschließend zur Anpassung
an den zu behandelnden Patienten angehoben zu werden (B). Die Achselstützen sind geöffnet
(E), damit der Patient seine Achseln hineinlegen kann. Anschließend werden die Achselstützen
geschlossen (F). Gleiches gilt bezüglich der Unterarmstützen, die jedoch im Verfahrensabschnitt
III bzw. IV noch abgesenkt (K) oder angehoben (L) werden können, um so eine genaue
Anpassung an den Patienten sicherzustellen. Im Verfahrensabschnitt V wird die Rückenstoßeinrichtung
88 mittels des Klemmelements 93 höhenmäßig auf die zu behandelnde Rückenpartie eingestellt
(N, 0), um gezielt eine impulsartige Stoßeinwirkung von der Rückenstoßeinrichtung
88 auf die Wirbelpartie erfolgen lassen zu können.
[0037] Die Verfahrensabschnitte VI und VII stellen die wesentlichen Behandlungsschritte,
die mit dem erfindungsgemäßen orthopädischen Gerät 10 durchgeührt werden, dar. Die
nicht vorgespannte Höhenstoßeinrichtung 9G (Q) wird gespannt (R), um bei Punkt 96,
der im Diagramm auf der die anderen Verfahrensschritte schneidenden Linie 94 liegt,
auszulösen. Dadurch wird ein Strecken der Wirbelsäule bis zum Punkt 98 bzw. kurz davor
hervorgerufen. Im oder vor Punkt 98 wird sodann die Rückstoßeinrichtung 88 aktiviert,
um die Vorspannung durch Krafteinwirkung auf die Wirbelsäule aufzuzehren. Im Punkt
102 ist die Behandlung abgeschlossen, so daß die Rückenstoßeinrichtung die Unterarmstützen,
Achselstützen und die Säulenhöhe in ihre Grundpositionen (D, G, J, M, P) zurückbewegt
werden können. In diesem Fall ist selbstverständlich auch die Höhenstoßvorrichtung
90 und die Rückenstoßeinrichtung 88 entspannt (S, V).
[0038] Alternativ dazu kann selbstverständlich nur der Verfahrensschritt V, VI oder VII
durchgeführt werden, nämlich dann, wenn ein weiterer stoßartiger Impuls auf die gleiche
oder eine andere Wirbelsäulenpartie desselben Patienten einwirken soll.
[0039] Es sei noch einmal darauf hingewiesen, daß es erstmals nach den Lösungsvorschlägen
der erfindungsgemäßen Vorrichtung möglich ist, gezielt und reproduzierbar eine Wirbelsäulenbehandlung
vornehmen zu können, mit der die bekannte Behandlung eines Chiropraktikers simuliert
wird.
[0040] Dabei wird vorzugsweise der stoßartige Impuls vor der endgültigen Streckung der Wirbelsäule
ausgelöst, um nicht in die Verspannungsphase der Muskeln zu gelangen. Selbstverständlich
können jedoch im Bedarfsfall auch erst nach der Streckung die gleichen Verfahrensschritt
ausgelöst werden.
1. Orthopädisches Gerät insbesondere zur Behandlung von Wirbelschäden von Personen,
mit auf auf die Wirbelsäule stoßartig einwirkendem Element,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Gerät (10, 70) ein vertikal oder nahezu vertikal verschiebbares, eine Person
aufnehmendes und deren Wirbelsäule streckendes Basisgestell (14, 16; 72) sowie ein
die gewünschte stoßartige Einwirkung auf eine Wirbelsäulenpartie hervorrufendes erstes
Element (48, 88) umfaßt, das in Abhängigkeit von der Streckung der Wirbelsäule aktivierbar
ist.
2. Orthopädisches Gerät nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß das erste Element (88) höhenverstellbar ist und vorzugsweise als eine durch Federkraft
kontrolliert vorspannbare, senkrecht oder nahezu senkrecht zur Streckrichtung der
Person stoßartig auf die Wirbelsäulenpartie einwirkende, knaufartig ausgebildete Rückstoßeinrichtung
ist, die vorzugsweise eine Rückenlehne (86) vorzugsweise in Form eines geteilten Rückenpolsters
durchsetzt oder von dieser umgeben ist, die ihrerseits zumindest Abschnitte der Rückenpartie
des Patienten abstützt (Fig. 4).
3. Orthopädisches Gerät nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß das erste Element (46) mit einem weiteren (zweiten) Element (20) in Wechselwirkung
tritt, das zum Anliegen an der Wirbelsäule ausgebildet, zumindest um eine Drehachse
(34) schwenkbar und anhebbar ist.
4. Orthopädisches Gerät nach Anspruch 2 oder Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß das erste Element (48, 88) zur Erzeugung eines impulsartigen Stoßes ein in seiner
Auslenkrichtung einstellbares Schwungelement wie zum Beispiel ein Pendel ist.
5. Orthopädisches Gerät nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß das einer Wirbelsäule angepaßte zweite Element (20) von einem Rahmen (22) aufgenommen
ist, der in seinem oberen Bereich in zumindest einen Schwenkarm (28) übergeht, der
gelenkig über die horizontal angeordnete Drehachse (34) mit dem zumindest höhenverstellbaren
Basisgestell (12) in Form von zum Beispiel einer Säule verbindbar ist.
6. Orthopädisches Gerät nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Schwenkarm (28) mit einem Hebel (36) verbindbar ist oder in diesen übergeht,
der mittels vorzugsweise eines Kraftzylinders (40) verschwenkbar ist.
7. Orthopädisches Gerät nach Anspruch 2 oder Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß zwischen dem ursächlich die stoßartige Einwirkung auf die Wirbelsäulenpartie hervorrufenden
ersten Element (48, 88) und gegebenenfalls dem einer Wirbelsäule angepaßten zweiten
Element
(20) oder der Wirbelsäule selbst ein Absorbtionselement (50) zur weiteren Regulierung
des auf die Wirbelsäulenpartie einwirkenden impulsartigen Stoßes angeordnet ist.
8. Orthopädisches Gerät nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Basisgestell (12) um eine horizontale Achse (66) schwenkbar ist (Fig. 3).