[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum gleichzeitigen Befüllen von mehreren mit
Acetylen gefüllten Flaschen mit Lösungsmittel für das Acetylen, bei dem allen mit
Acetylen gefüllten Flaschen gleichzeitig ein Hilfsgas, das im Lösungsmittel für das
Acetylen im wesentlichen unlöslich ist, und allen mit Acetylen und dem Hilfsgas gefüllten
Flaschen gleichzeitig das Lösungsmittel zugeführt wird.
[0002] Ein derartiges Verfahren ist durch die DE-OS 27 47 106 bekannt. Nach diesem Verfahren
werden die zu Bündeln zusammengefaßten Flaschen zunächst mit Acetylen gefüllt. Dieser
Vorgang nimmt mehrere Stunden in Anspruch. Das Nachfüllen der erforderlichen Lösungsmittelmenge,
die bei der dem Acetylenfüllprozeß vorangegangenen Acetylenentnahme in Dampfform aus
den Flaschen entwichen ist, erfolgt nach einer längeren Pause, z.B. am Tag nach der
Acetylenbefüllung.
[0003] Es ist nun festgestellt worden, daß mit dem bekannten Verfahren die Fehlmengen an
Lösungsmittel in jeder Flasche nicht vollständig ergänzt werden können, so daß der
tatsächliche Lösungsmittelinhalt jeder Flasche nach dem Nachfüllen des Lösungsmittels
stets mehr oder weniger vom Lösungsmittelinhalt der übrigen Flaschen abweicht. Außerdem
ist zur Durchführung des bekannten Verfahrens eine relativ große Menge an Hilfsgas
erforderlich.
[0004] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs beschriebenen
Art anzugeben, mit dem die aufgrund unterschiedlicher Fehlmengen verschiedenen Lösungsmittelinhalte
der einzelnen Flaschen besser aneinander angeglichen werden können und das einen im
Vergleich zum bekannten Verfahren geringeren Hilfsgasverbrauch hat.
[0005] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß die mit Acetylen gefüllten
Flaschen vor dem Einleiten des Hilfsgases auf eine über Umgebungstemperatur liegende
Temperatur gebracht werden.
[0006] Im Unterschied zum konventionellen Verfahren, bei dem das Hilfsgas bei Umgebungstemperatur
in die Flaschen gefüllt worden ist, wird das Hilfsgas beim erfindungsgemäßen Verfahren
in Flaschen gefüllt, die eine gegenüber der Umgebungstemperatur höhere Temperatur
besitzen. Es ist festgestellt worden, daß durch die erfindungsgemäße Maßnahme in_jede
Flasche die jeweils fehlende Menge an Lösungsmittel vollständig eingeleitet wird und
somit die Lösungsmittelinhalte der einzelnen Flaschen erheblich besser aneinander
angeglichen werden.
[0007] Dieser Effekt dürfte auf den Einfluß der Temperatur auf das freie Volumen innerhalb
der Flaschen zurückzuführen sein. Das freie Volumen einer Flasche ist das Volumen,
das nicht durch die aus Acetylen und dem Lösungsmittel bestehende Lösung eingenommen
wird. Da sich die Lösung mit zunehmender Temperatur ausdehnt, nimmt die Lösung beim
erfindungsgemäßen Verfahren ein größeres Volumen ein als beim herkömmlichen Verfahren.
Demzufolge ist das freie Volumen einer Flasche mit höherer Temperatur kleiner als
das einer Flasche mit z.B. Umgebungstemperatur. Mit zunehmender Temperatur zweier
gleichgroßer Flaschen mit unterschiedlichen Lösungsmehgen ist die relative Ausdehnung
beider Lösungsmengen zwar gleich, das Verhältnis der freien Volumina in den beiden
Flaschen ändert sich jedoch. Enthält eine Flasche bei Umgebungstemperatur eine größere
Lösungsmenge als eine andere Flasche, so steigt das Verhältnis des freien Volumens
der Flasche mit der geringeren Lösungsmenge zu dem der Flasche mit der größeren Lösungsmenge
mit zunehmender Temperatur an: Dem Verhältnis der freien Volumina entsprechend teilen
sich die dem Flaschenbündel zugeführten Hilfsgasmengen und nachfolgend in erster Näherung
die Ergänzungsmengen an Lösungsmittel auf. Daher wird bei der erfindungsgemäßen, gegenüber
Umgebungstemperatur erhöhten Flaschentemperatur einer Flasche, die im Vergleich zu
einer anderen Flasche eine kleinere Lösungsmenge enthält, relativ mehr Lösungsmittel
zugeführt als dies bei Umgebungstemperatur der Fall ist.
[0008] Beispiel:
Es sollen zwei gleichgroße Flaschen A und B miteinander verglichen werden. Bei Umgebungstemperatur
nehme die aus Acetylen und einem Lösungsmittel wie Aceton bestehende Lösung in Flasche
A 80% und in Flasche B 90% des Flaschenvolumens ein. Findet das Einfüllen des Hilfsgases
nicht bei Umgebungstemperatur, sondern bei einer höheren Temperatur statt, so nehmen
die Lösungen ein beispielsweise um 10% größeres Volumen ein: In Flasche A sind demgemäß
88% in Flasche B 99% des Volumens mit Lösung gefüllt. Das Verhältnis der freien Volumina
bei Umgebungstemperatur beträgt 2 : 1, bei der höheren Temperatur 12 : 1. In diesem
Verhältnis wird anschließend das Hilfsgas auf die Flaschen aufgeteilt. Das Lösungsmittel
wird in erster Näherung ähnlich aufgeteilt, jedoch unterliegt die Aufteilung bekanntermaßen
einer zusätzlichen Verstärkung, die durch Konzentrationsverschiebungen bedingt sind.
Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren, durch Temperaturerhöhung die freien Volumina
der Flaschen unterschiedlich zu reduzieren, können nicht nur Lösungsmittelfehlmengen
der Flaschen vollständig ergänzt, d.h. die Lösungsmittelinhalte der Flaschen einander
angeglichen werden. Vielmehr ist ein "Uberausgleich" möglich. Das bedeutet, einer
Flasche kann durch das erfindungsgemäße Verfahren mehr Lösungsmittel zugeleitet werden,
als für den reinen Angleich erforderlich wäre. Der "Uberausgleich" ist besonders vorteilhaft,
weil durch diesen eine Lösungsmittelreserve für den nachfolgenden Entleerungsprozeß
gebildet wird. Vor dem dem Entleerungsprozeß folgenden Füllvorgang unterscheiden sich
die Lösungsmittelfehlmengen weitaus weniger, als ohne "überausgleich". Aus diesem
Grund können die Acetylenfüllmengen entsprechend erhöht werden, wodurch ein Acetylenbündel
besser ausgenutzt wird.
[0009] Beispiel:
Die gleich großen Acetylenflaschen C und D werden miteinander verglichen. Der Flasche
C fehlen 900g Lösungsmittel, der Flasche D 400g. Das Verhältnis der freien Volumina
beträgt bei Umgebungstemperatur von 15 °C 1,6:1. Nach dem bekannten Verfahren wurden
der Flasche C 730g Lösungsmittel, der Flasche D 400g zugeführt. Nach dem neuen Verfahren
werden die Flaschen z.B. auf 50 °C erwärmt. Das Verhältnis der freien Volumina hat
sich zu 2,1:1 verschoben. Dadurch erhält nun die Flasche C 950g Lösungsmittel, während
der Flasche D auch wieder 400g zugeführt werden. Der Uberausgleich von 50g Lösungsmittel
für die Flasche C ist insofern vorteilhaft, weil diese bei der Entleerung mehr Lösungsmittel
abgibt. Beim Acetylen-Füllprozeß ist mit geringeren Abweichungen bei den Lösungsmittelmengen
von Flasche zu Flasche zu rechnen, der Lösungsmittelinhalt liegt - insgesamt betrachtet
- höher. Das Flaschenbündel kann daher höher mit Acetylen beladen werden.
[0010] Mit besonderem Vorteil wird durch das erfindungsgemäße Verfahren der Verbrauch an
Hilfsgas im Vergleich zum herkömmlichen Verfahren gesenkt. Der Bedarf an Hilfsgas
ist geringer, da das Hilfsgas nur das freie Volumen in den Flaschen füllt und das
freie Volumen bei der erfindungsgemäßen Temperatur kleiner ist als beim konventionellen
Verfahren. Vorteilhafterweise werden dadurch auch Verunreinigungen des Acetylens durch
das Hilfsgas reduziert.
[0011] In einer besonders vorteilhaften Variante des Erfindungsgedankens wird das Hilfsgas
unmittelbar nach Beendigung des Acetylenfüllvorganges den durch die beim Lösen des
Acetylens im Lösungsmittel freiwerdende Lösungswärme auf eine über Umgebungstemperatur
liegende Temperatur erwärmten Flaschen zugeführt.
[0012] Beim bisherigen Verfahren wurde nach dem Acetylenfüllvorgang und vor dem Einfüllen
des Hilfsgases eine Pause eingelegt, in der alle Flaschen eines Bündels dieselbe Temperatur,
nämlich Umgebungstemperatur annehmen konnten. Im Unterschied dazu wird in dieser erfindungsgemäßen
Variante Hilfsgas unmittelbar nach dem Acetylenfüllvorgang in die Flaschen geleitet.
Zu diesem Zeitpunkt liegt die Temperatur der Flaschen über der Umgebungstemperatur.
Es hat sich als sehr vorteilhaft erwiesen, zum Ergänzen des Lösungsmittels die beim
Acetylenfüllvorgang freiwerdende Lösungswärme, d.h. die durch die Lösungswärme verursachte
höhere mittlere Temperatur der Flaschen zu nutzen, da diese Wärme stets beim Einfüllen
von Acetylen in mit Lösungsmittel gefüllte Flaschen anfällt und somit kostenlos zur
Verfügung steht.
[0013] Wegen der beträchlichen Lösungswärme, die beim Lösen des Acetylens im Lösungsmittel
frei wird, sowie der geringen Wärmeleitfähigkeit der üblicherweise im Flascheninnern
vorhandenen porösen Masse wird die Flaschentemperatur erhöht, was dazu führt, daß
auch der Druck im Flascheninnern höher liegt als bei Umgebungstemperatur. Auch aus
Gründen der Sicherheit ist daher das erfindungsgemäße Verfahren zweckmäßig. Er ermöglicht
nämlich ein rasches Befüllen der Acetylenflaschen. Das ist vorteilhaft, da nach dem
Einfüllen des Acetylens in die Flaschen dessen Konzentration im Kopfbereich der Acetylenflasche
besonders hoch ist und durch rasches Einfüllen des Hilfsgases bzw. des Lösungsmittels
die Acetylen-Lösungsmittel-Konzentration im kritischen Eingangsbereich schnell gesenkt
werden kann.
[0014] Das erfindungsgemäße Verfahren besitzt wegen des geringen Hilfsgasverbrauchs und
der Möglichkeit, den Füllvorgang von Acetylenflaschen rasch durchführen zu können,
einen erheblichen wirtschaftlichen Vorteil.
[0015] In einer weiteren Ausgestaltung des Erfindungsgedankens wird die Temperatur der Acetylenflaschen
aus Sicherheitsgründen stets unter einer bestimmten Temperatur, beispielsweise unter
60 °C, gehalten.
[0016] Mit Vorteil wird in einer weiteren Variante der Erfindung die Flaschentemperatur
durch Regeln der den Flaschen pro Zeiteinheit zugeführten Acetylenmenge geregelt.
1. Verfahren zum gleichzeitigen Befüllen von mehreren mit Acetylen gefüllten Flaschen
mit Lösungsmittel für das Acetylen, bei dem allen mit Acetylen gefüllten Flaschen
gleichzeitig ein Hilfsgas, das im Lösungsmittel für das Acetylen im wesentlichen unlöslich
ist, und allen mit Acetylen und dem Hilfsgas gefüllten Flaschen gleichzeitig das Lösungsmittel
zugeführt wird, dadurch gekennzeichnet, daß die mit Acetylen gefüllten Flaschen vor
dem Einleiten des Hilfsgases auf eine über Umgebungstemperatur liegende Temperatur
gebracht werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Hilfsgas unmittelbar
nach Beendigung des Acetylenfüllvorganges den durch die beim Lösen des Acetylens im
Lösungsmittel freiwerdende Lösungswärme auf eine über Umgebungstemperatur liegende
Temperatur erwärmten Flaschen zugeführt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Temperatur der
Flaschen stets unter 60°C liegt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Flaschentemperatur
durch Regeln der den Flaschen pro Zeiteinheit zugeführten Acetylenmenge geregelt wird.