(57) Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen einer Stickstoff und Wasserstoff
enthaltenden Gasatmosphäre für das Glühen metallischer Werkstücke in einem Ofen. Um
eine derartige Gasatmosphäre einfach und wirtschaftlich herstellen zu können, wird
vorgeschlagen, in den Ofeninnenraum ein aus einem Inertgas und Ammoniak bestehendes
Gasgemisch einzuleiten und den Ofeninnenraum vor dem Einleiten des Gasgemisches auf
eine zur katalytischen Spaltung des Ammoniaks ausreichende Temperatur zu erhitzen.
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen einer Stickstoff und Wasserstoff
enthaltenden Gasatmosphäre für das Glühen metallischer Werkstücke in einem Ofen.
[0002] Zum Glühen von Werkstücken, beispielsweise zum Blankglühen, Rekristalisationsglühen,
Spannungsfreiglühen u.ä. wird neben E
XO-Gas als Schutzgas üblicherweise ein aus einem Inertgas wie Stickstoff und einem
reduzierenden Gas wie Wasserstoff bestehendes Gasgemisch eingesetzt. Stickstoff-Wasserstoff-Gasmischungen
werden herkömmlicherweise nach einem der beiden folgenden Verfahren hergestellt:
Die eine Möglichkeit ist die Herstellung eines Stickstoff-Wasserstoff-Gemisches durch
Spalten von Ammoniak in einem Spaltgasgenerator. Das Ammoniak-Spaltgas wird erzeugt,
indem Ammoniak in diesem Generator über einen auf ca. 900 °C erwärmten Nickelkatalysator
geleitet wird. Dabei entsteht ein Gasgemisch, das aus 75 Vol.-% Wasserstoff und 25
Vol.-% Stickstoff besteht. In vielen Anwendungsfällen ist ein derartig hoher Anteil
an Wasserstoff nicht notwendig. Aus diesem Grund wird das im Spaltgasgenerator erzeugte
Gasgemisch häufig durch Zumischen von Stickstoff verdünnt. Die Anschaffung und Instandhaltung
von Spaltgasgeneratoren ist aber sehr kostenaufwendig.
[0003] Der Einsatz eines Generators erübrigt sich bei dem zweiten Verfahren, das bisher
zur Herstellung von Stickstoff-Wasserstoff-Gasgemischen verwendet wurde: Dabei werden
Stickstoff und Wasserstoff in Vorratsbehältern gespeichert, in gasförmigem Zustand
im erforderlichen Mengenverhältnis gemischt und das Gemisch in den Ofeninnenraum geleitet.
Stickstoff kann in diesem Fall je nach Verbrauch in gasförmigem oder flüssigem Zustand
gespeichert werden. Bei diesem Verfahren kann das Mengenverhältnis des Stickstoff-Wasserstoff-Gemisches
zwar beliebig variiert werden (üblicherweise wird ein Wasserstoffanteil zwischen 2
Vol.-% und 30 Vol.-% gewählt), jedoch ist Wasserstoff als Liefergas relativ teuer.
[0004] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren anzugeben, mit dem
ein Stickstoff und Wasserstoff enthaltendes Gasgemisch für das Glühen von Werkstücken
in einem Ofen auf einfache und wirtschaftliche Weise hergestellt werden kann.
[0005] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß in den Ofeninnenraum ein aus
einem Inertgas und Ammoniak bestehendes Gasgemisch eingeleitet wird und der Ofeninnenraum
vor dem Einleiten des Gasgemisches auf eine zur katalytischen Spaltung des Ammoniaks
ausreichende Temperatur erhitzt wird.
[0006] Erfindungsgemäß ist weder ein Spaltgasgenerator noch die Lieferung bzw. Speicherung
von Wasserstoff erforderlich. Das erfindungsgemäße Verfahren beruht auf der Erkenntnis,
daß Ammoniak im Innenraum eines Glühofens katalytisch in Stickstoff und Wasserstoff
gespalten und auf diese Weise zusammen mit zusätzlich zugeführtem Stickstoff ein für
die Glühbehandlung von Werkstücken geeignetes Gasgemisch innerhalb des Ofens gebildet
werden kann. Die beim Glühen eingesetzten Öfen enthalten Bauteile, die bei einer geeigneten
Temperatur eine katalytische Spaltung von Ammoniak bewirken. Derartige, üblicherweise
aus Chrom-Nickel-Stählen gefertigte Bauteile sind beispielsweise die Ofenmuffeloder
das Förderband. Somit ist im Ofeninnenraum eine für die Spaltung des Ammoniaks ausreichend
große Katalysatorfläche vorhanden. Beim erfindungsgemäßen Verfahren fungiert demnach
der Ofen selbst als Gasgenerator.
[0007] Durch das erfindungsgemäße Verfahren kann im Wärmebehandlungsofen ein Stickstoff-Wasserstoff-Gemisch
bereitgestellt werden, das kostengünstiger ist, als ein in einem Spaltgasgenerator
oder durch Mischen der in Komponentenform gespeicherten Gase hergestelltes Gasgemisch.
[0008] Der Anteil des Ammoniaks im Ammoniak-Stickstoff-Gemisch kann anhand des bekannten
Mengenverhältnisses im Spaltgas leicht eingestellt werden und richtet sich nach dem
gewünschten Wasserstoffgehalt in der Glühofenatmosphäre.
[0009] Bestehen die die katalytische Spaltung bewirkenden Teile des Ofens aus Chrom-Nickelstählen,
so wird der Ofeninnenraum für das erfindungsgemäße Verfahren auf eine oberhalb von
500 °C liegende Temperatur erhitzt.
[0010] Wegen seiner Verfügbarkeit sowie des relativ niedrigen Preises wird als Inertgas
zweckmäßigerweise Stickstoff verwendet, der zudem einfach zu speichern ist.
[0011] In einer vorteilhaften Variante der Erfindung, die ein kohlungsneutrales Glühen von
Werkstücken ermöglicht, wird zusätzlich zum Stickstoff-Ammoniak-Gemisch ein aus Kohlenwasserstoffen
bestehendes Gas, beispielsweise Erdgas oder Propan, in den Ofen geleitet.
[0012] Besonders vorteilhaft läßt sich das erfindungsgemäße Verfahren auf das Glühen von
Chrom-Nickelstählen anwenden, da das Glühgut in diesem Fall selbst als Katalysator
für die Spaltung des Ammoniaks wirkt. Es läßt sich aber auch beim Glühen von anderen
Stählen und bei NE-Metallen wie z.B. beim Glühen von Neusilberteilen einsetzen.
[0013] Eine weitere günstige Anwendung dieses erfindungsgemäßen Verfahrens ist in Anspruch
6 angegeben.
[0014] Das erfindungsgemäße Verfahren kann aber auch zum Glühen anderer Materialien verwendet
werden, die bei einer Temperatur über 500 °C reduzierend geglüht werden müssen.
Verfahren zum Herstellen einer Stickstoff und Wasserstoff enthaltenden Gasatmosphäre
für das Glühen metallischer Werkstücke in einem Ofen, dadurch gekennzeichnet, daß
in den Ofeninnenraum ein aus einem Inertgas und Ammoniak bestehendes Gasgemisch eingeleitet
wird und der Ofeninnenraum vor dem Einleiten des Gasgemisches auf eine zur katalytischen
Spaltung des Ammoniaks ausreichende Temperatur erhitzt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Ofeninnenraum auf eine
oberhalb ca. 500 °C liegende Temperatur erhitzt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das inerte Gas Stickstoff
ist.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß dem Ofeninnenraum
zusätzlich ein aus Kohlenwasserstoffen bestehendes Gas zugeführt wird.
5. Anwendung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis,4 auf das Glühen von Stahlteilen
und NE-Metallteilen.
6. Anwendung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 4 auf das isotherm Glühen
von Gesenkschmiedeteilen oder von Teilen aus Grauguß (GG), Sphäroguß (GGG) , Stahlguß
(GGS) oder Temperquß (GGT) .