[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung mindestens teilweise unterirdischer
Großgaragen, die aus einem im wesentlichen zylindrischen Außenmantel, einem Innenrohrsystem
und dazwischen liegender nehrstöckiger Wendelfläche bestehen, bei dem ein erster Außenmantelring
mit innenseitig anschließenden Wendelflächenabschnitten nach dem Senkkastenprinzip
abgesenkt, während des Absenkens oder anschließend ein zweiter Aussenmantelring mit
seinen Wendelflächenabschnitten auf den ersten Außenmantelring gesetzt wird und beide
Außenmantelringe weiter abgesenkt werden.
[0002] Aus der DE-Zeitschrift "Der Bauingenieur" 1961, Heft 1, ist ein derartiges Verfahren
bekannt. Der unterste Außenmantelring ist innenseitig mit einem mehrgängigen Wendelflächenring
versteift, dessen - Radialerstreckung knapp 20% des Außenmantelringes beträgt. Diese
Konstruktion stellt den unteren Teil des Absenkkastens dar. Nach dem Absenken wird
der nächste Außenmantelring oben aufgebaut und ebenfalls mit einem entsprechenden
mehrgängigen Wendelflächenring versehen. Der sich auf diese Weise allmählich verlängernde
Senkkasten wird weiter abgesenkt, bis die gewünschte Bautiefe erreicht ist. Dann erfolgt
der Innenausbau in herkömmlicher Weise, indem auf dem Boden der Innenmantel hochgezogen
und die Wendelfläche aufgebaut und mit den Wendelflächenringen des Außenmantels verbunden
wird.
[0003] Aufgabe der Erfindung ist es, das bekannte Verfahren zu vereinfachen und zu verbessern.
[0004] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß eine Hängekonstruktion aus
einem Ring eines Innenrohrsystems und einer außenseitig biegesteif verbundenen, sich
über mindestens 360° erstreckenden Wendelfläche bzw. Wendelflächengerüst hergestellt
wird, die bis an den Außenmantelring heranreicht und im Außenmantelring hängend zusammen
mit diesen abgesenkt wird, daß der Außenmantelring und die Hängekonstruktion im wesentlichen
gleichzeitig nach oben verlängert und gemeinsam weiter abgesenkt werden, bis die volle
Bautiefe erreicht ist und daß anschließend das Innenrohrsystem bodenseitig derart
abgestützt ist, daß er die gesamte Wendelfläche wenigstens teilweise trägt.
[0005] Der Vorteil der Erfindung besteht darin, daß die Garagengeschosse oberirdisch im
wesentlichen fer- tiggestellt und in ihrer Gesamtheit abgesenkt werden, wodurch eine
kontinuierliche Bauweise ermöglicht wird. Die Garage könnte sogar während des Herstellungsverfahrens
benutzt werden und es ist möglich,.z.B. in einem ersten Bauabschnitt die Garage mit
fünf Stockwerken zu versehen und voll in Betrieb zu nehmen und zu irgendeinem späteren
Zeitpunkt weiter in die Tiefe wachsen zu lassen, wenn der Bedarf an Stellplätzen größer
geworden ist. Die gesamte Hängekonstruktion liegt während der Herstellung frei auf
Innenschultern des Aus - senmantels auf, womit optimale statische Verhältnisse geschaffen
werden, die unnötige Sicherheitszuschläge bei der Dimensionierung vermeiden helfen.
Die Hängekonstruktion erhöht das Gewicht des Aussenmantels und erleichtert damit das
Absenken. Im Gegensatz zum Stand der Technik ist der Außenmantel nicht versteift,
sondern kann sich in dem durch die Wendelflächen vorgegebenen Radialbereich elastisch
verformen.
[0006] Das erfindungsgemäße Verfahren verbilligt die Herstellung von unterirdischen Garagen
maßgeblich und ist insbesondere für Garagen von etwa 30m Durchmesser gut geeignet,
wobei die Bautiefe beliebig groß sein kann.
[0007] Mit der Maßnahme gemäß Anspruch 2 wird erreicht, daß die unterste Geschoßhöhe von
Einbauten freigehalten und von einem Baufahrzeug befahren werden kann. Die Maßnahme
nach Anspruch 3 ermöglicht die Abstützung eines Turmdrehkranes auf dem Innenrohrsystem
mit konstantem Arbeitsabstand für den Aufbau des Außenmantels von der Zentralachse.
Die Kranbewegungen können vorprogrammiert werden, wodurch der Arbeitsablauf beschleunigt
wird. Die Maßnahme gemäß Anspruch 4 führt zu einer wünschenswerten Versteifung der
Hängekonstruktion und vermeidet einen nachträglichen Einbau von Verbindungstreppen.
[0008] Weitere Maßnahmen und Merkmale der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden,Beschreibung,
-den weiteren Unteransprüchen und der Zeichnung, die eine Ausführungsbeispiel darstellt.
[0009] Es zeigt
Fig. 1 einen Vertikalschnitt durch die fertige Garage,
Fig. 2 einen Horizontalschnitt durch die Garage gemäß Fig. 1 längs einer Wendelfläche,
Fig. 3 einen Vertikalschnitt durch die im Aufbau befindliche Garage,
Fig. 4 eine Draufsicht auf einen Teil des Außenmantels 12,
Fig. 5 einen Vertikalschnitt durch die Garage im Bereich einer Wendelfläche in größerem
Maßstab,
Fig. 6 einen Schnitt durch die Wendelfläche längs der Linie 6-6 der Fig. 5,
Fig. 7 eine Innenansicht des unteren Endes des Aussenmantels,
Fig. 8 eine Schnittansicht durch den Außenmantel längs der Linie 8-8 der Fig. 7 und
Fig. 9 eine perspektivische Ansicht der Lage der in Fig. 8 gezeigten Bewehrungsbügel
für die Außenmantelelemente.
[0010] Eine Garage 10 besteht aus einem Außenmantel 12, einem, aus drei konzentrischen Rohren
16, 18, 19 bestehenden Innenrohrsystem 14 und einer zwischen Außenmantel 12 und Innenrohrsystem
14 angeordneten Wendelflächen 20. Alle Teile sind konzentrisch zu einer Zentralachse
20 angeordnet. Die beiden Rohre 16, 18 sind durch eine wendeltreppenartige Verbindungsanordnung
17 miteinander verbunden. Das Außenrohr 19 und das mittlere Rohr 16 haben für jedes
Stockwerk höhenmäßig versetzte Durchgangsöffnungen 24. Das innere Rohr 18 hat entsprechende
Türöffnungen 26. Im Inneren des Innenrohres 18 befinden sich vier Personenaufzüge
28. Jedem Paar Durchgangsöffnungen 24 ist ein aus Vertikalwänden 21 und Horizontalwänden
23 bestehender Durchgangskasten im Ringraum zwischen Außenrohr 19 und mittlerem Rohr
16 zugeordnet, wodurch die beiden Rohre 16, 19 steif miteinander verbunden sind, und
vier Ringraumkammern 25 gebildet werden, die über die ganze Tiefe der Garage 10 reichen
und der Be- und/oder Entlüftung dienen.
[0011] Die endlose Wendelfläche 20 wird alternativ als Ortbetonplatte oder aus Fertigelementen
30 erstellt, die je eine Deckfläche 50 und zwei Radialränder 52 mit Außenrippen 54
aufweisen, die im eingebauten Zustand aneinanderstoßen, sodaß ein sich nach oben erweiternder
Trog gebildet wird, der mit Beton ausgegossen wird.
[0012] Das Herstellungsverfahren wird anhand Fig. 3 erläutert. Zuerst wird auf dem Baugrund
38 ein erster Außenmantelring 40 z.B. aus vorgefertigten rhombusartigen Wandelementen
45 gebildet, der innenseitig im oberen Bereich mit einer schraubenförmigen angeordneten
Ringschulter 44 versehen ist, Im mittleren Bereich wird auf ein später zu entfernendes
Potest ein Ring 48 des Innenrohrsystems 14 hergestellt, der 3 konzentrischen Rohre
16, 18, 19, die Vertikalwände 21 und' die treppenförmige Verbindung 17 umfaßt. Im
unteren Bereich des Innehmantelringes 48 wird nun außenseitig die Wendelfläche 20
aufgebaut und mit dem Innenmantelring 48 biegesteif verbunden. Vorher oder gleichzeitig
wird auf den ersten Außenmantelring 40 ein zweiter gleichausgebildeter Außenmantelring
42 aufgesetzt, der dann etwa das Niveau des ersten Innenmantelringes 48 hat. Der erste
Innenmantelring 48 bildet zusammen mit der biegesteif verbundenen ersten Wendelfläche
20 eine Hängekonstruktion, die in die Außenmantelringe 40, 42 eingehängt ist und sich
auf der wendelförmigen Ringschulter 44 abstützt. Die Ringschulter 44 kann auf derselben
Umfangslinie verlaufen und ihrerseits Zwischenstützen tragen, von denen die mit geringster
Höhe in Fig. 5 dargestellt ist. Die Zwischenstützen sind in Umfangsabständen angeordnet
und haben eine von Stütze zu Stütze zunehmende Höhe. Wesentlich ist, daß die aus Innenrohr
48 und Wendelfläche 20 bestehende Hängekonstruktion am Aussenmantelring 40, 42 frei
aufliegt, wobei sie nahezu bis an den Innenumfang des Außenmantelringes 40 heranragt.
Letzterer kann sich daher in begrenztem Maß während der anschließenden Absenkbewegung
elastisch verformen.
[0013] Auf dem Innenrohrsystem 14 ist ein Traggestell 58 abgestützt, an dem eine an einer
Schiene 60 verfahrbare Laufkatze 62 eines Vertikalförderers 64 sowie ein Turmdrehkran
66 angeordnet sind.
[0014] Durch die Gewichtsbelastung der Außenmantelringe 40, 42 durch die Hängekonstruktion
48, 20, das Traggestell 58 mit den weiteren Aufbauten sinkt der Außenmantelring 40
in dem Baugrund 38 ein. Gleichzeitig wird unterhalb der ersten Wendelfläche 20 der
Baugrund ausgehoben und über den Vertikalförderer innerhalb des Innenrohres 18 des
Innenrohrsystems 14 nach oben befördert. Der aus den beiden Außenmantelringen 40,
42 bestehende Außenmantel 12, hat reibungserhöhende Profilierungen 76, die Absenkbewegung
bremsen und im Endzustand dem Auftrieb entgegen wirken. Nachdem das Bauwerk um eine
Geschoßhöhe abgesenkt ist, wird das Traggestell 58 von einer vorrübergehend montierten
Hubvorrichtung 74 soweit angehoben, daß ein weiterer Innenmantelring auf den ersten
Innenmantelring 48 gesetzt werden kann. Die Hubvorrichtung 74 wird dann entfernt und
eine weitere Wendelfläche 20 an die erste angeschlossen und ein dritter Außenmantelring
aufgebaut, auf den sich dann die zweite Wendelfläche 20 auflegt. Auf diese Weise wird
ein Geschoß nach dem anderen absatzweise oder kontinuierlich aufgebaut und das ganze
Bauwerk gleichzeitig abgesenkt, sodaß die Bauarbeiten immer auf etwa demselben Niveau
stattfinden.
[0015] Ist die gewünschte Bautiefe erreicht, wird der Boden bis auf das Niveau einer inneren
Umfangsnut 85 aufgefüllt und die Garage 10 wird unten durch eine Beton-Bodenplatte
36 abgeschlossen, die formschlüssig in die Umfangsnut 85 des Aussenmantels 12 eingreift.
Das noch hängende Innenrohrsystem 14 wird nun durch Unterbau von Bodenrohren entsprechend
den Rohren 16,18,19 bodenseitig abgestützt, sodaß die bisherige Hängekonstruktion
selbsttragend wird.
[0016] Es versteht sich, daß der Außenmantel 12 und die Rohre 16,18,19 des Innenrohrsystems
14 mittels einer Gleitschalung aufgebaut werden können, die dank der Absenkbauweise
fest positioniert werden kann. Im Ausführungsbeispiel wird der Aussenmantel 12 aus
quadratischen, rhombusartig aufgestellten Wandelementen 45 zusammengesetzt, die ein
einfaches Bewehren und anschließendes Vergießen mit Beton zulassen.Zu diesem Zweck
haben die vier Stirnseiten jedes Wandelementes 45 Nuten 80, in denen Bewehrungsbügel
78 angeordnet werden, die im aus den Nuten 80 herausragenden Bereich um 45° abgekröpft
sind, sodaß die Bügelenden vertikal stehen. Die Bewehrungsbügel 78 greifen wechselseitig
in die Nuten benachbarter Wandelemente 45 ein. Gleichwohl können die Wandelemente
45 vertikal aufgesetzt werden. Die aus zwei miteinander zusammenwirkenden Nuten 80
gebildeten Kanäle werden dann mit Beton 82 ausgegossen.
[0017] Jedes Wandelement hat eine Zentralbohrung 86, durch die unter hohem Druck Beton nach
außen gepreßt wird, der in Hohlräume und gering verdichtete Zonen des Erdreiches eindringt
und zweierlei bewirkt, nämlich eine Reibungserhöhung und eine Erhöhung des Ruhedruckes
des Erdreiches. Dadurch wird ein hoher Auftriebswiderstand erreicht, nachdem die Garage
auf die gewünschte Bautiefe abgesenkt ist.
1. Verfahren zur Herstellung mindestens teilweise unterirdischer Großgaragen (10),
die aus einem im wesentlichen zylindrischen Aussenmantel (12), einem Innenrohrsystem
(14) und dazwischen liegender mehrstöckiger Wendelfläche (20) bestehen, bei dem ein
erster Außenmantelring (40) mit innenseitig anschließenden Wendelflächenabschnitten
(30) nach dem Senkkastenprinzip abgesenkt, während de-s Absenkens oder anschließend
ein zweiter Außenmantelring (42) mit seinen Wendelflächenabschnitten (30) auf den
ersten Außenmantelring (40) gesetzt wird und beide Außenmantelringe (40, 42) weiter
abgesenkt werden, dadurch gekennzeichnet, daß eine Hängekonstruktion (20,48) aus einem
Ring (48) eines Innenrohrsystems (14) und einer außenseitiq bieqesteif verbundenen,
sich über mindestens 360° erstreckenden Wendelfläche (20) bzw. Wendelflächengerüst
hergestellt wird, die bis an den Außenmantelring (40; 42) heranreicht und im Außenmantelring
(40, 42) hängend zusammen mit diesem abgesenkt wird, daß der Außenmantelring (40,42)
und die Hängekonstruktion (20,48) nach oben verlängert und gemeinsam weiter abgesenkt
werden, bis die volle Bautiefe erreicht ist und daß anschließend das Innenrohrsystem
(14) bodenseitig derart abgestützt wird, daß es die gesamte Wendelfläche (20) wenigstens
teilweise trägt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die erste Hängekonstruktion
(20, 48) am Außenmantel (12) so eingehängt wird, daß die Unterkante des Außenmantels
(12) tiefer liegt als diejenige des Innenrohrsystems (14).
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß auf dem Innenrohrsystem
(14) -ein Traggestell (58) abgestützt ist, das in Abständen von einer vorübergehend
installierten Hubvorrichtung (74) angehoben und in der angehobenen Stellung gehalten
wird, bis das Innenrohrsystem (14) nach oben verlängert ist, wonach das Traggestell
(58) auf dem erhöhten Niveau des Innenrohrsystems (14) abgesetzt und die Hubvorrichtung
(74) entfernt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Innenrohrsystem
(14) aus mindestens zwei gleichzeitig wachsenden im Radialabstand angeordneten konzentrischen
Rohren (16, 18, 19),sowie einer dazwischen angeordneten wendeltreppenartigen Verbindungsanordnung
(17) aufgebaut wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß nach dem
Absenken der Garage auf die gewünschte Bautiefe durch eine Vielzahl von Öffnungen
(86) im Außenmantel (12) Beton nach außen in das Erdreich gepreßt wird.
6. Nach dem Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 5 hergestellte Garage, dadurch
gekennzeichnet, daß der Außenmantel (12) an seinem äußeren Umfang reibungserhöhende
Profilierungen (76) aufweist.
7. Nach dem Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 5 hergestellte Garage, dadurch
gekennzeichnet, daß der Außenmantel (12) aus vorgefertigten rhombusförmigen, auf der
Spitze stehenden, miteinander vergossenen Stahlbeton-Wandelementen (45) zusammengesetzt
ist, die an ihren vier Stirnrändern jeweils Längsnuten (80) aufweisen.
8. Nach dem Verfahren gemäß Anspruch 4 hergestellte Garage, dadurch gekennzeichnet,
daß das Innenrohrsystem (14) aus drei konzentrischen Rohren (16, 18, 19) besteht,
daß die wendeltreppenartige Verbindungsanordnung (17) zwischen dem mittleren Rohr
(16) und dem Innenrohr (18) vorgesehen ist und daß das Außenrohr (19) des Innenrohrsystems
(14) mit dessen mittlerem Rohr (16) durch Wände (21,23) miteinander derart verbunden
sind, daß ein oder mehrere über im wesentlichen die ganze Tiefe der Garage (10) reichende
Strömungskanäle (25) gebildet sind.
9. Garage nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß das Außenrohr (19) und das
mittlere Rohr (16) des Innenrohrsystems (14) dieselbe Anzahl etwa gleich großer öffnungen
(24) aufweist, und daß sich zwischen beiden öffnungen jedes öffnungspaares im Ringraum
zwischen Außenrohr (19) und mittlerem Rohr (16) ein aus Vertikalwänden (21) und Horizontalwänden
(23) bestehender Durchgangskasten erstreckt.