[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Direktreduktion von gesintertem eisenoxidhaltigem
Material zu Eisenschwamm in einem Drehrohrofen, wobei eine Sintermischung aus feinkörnigem
eisenoxidhaltigem Material und festem Brennstoff auf einer Sintermaschine unter Hindurchleiten
von sauer
btoffhaltigen Gasen gesintert wird und das Sintergut nach einer Zerkleinerung mit festem
kohleiistoffhaltigem Reduktionsmittel in den Drehrohrofen chargiert wird.
[0002] Die Erzeugung von Eisenschwamm im Drehrohrofen erfolgt im allgemeinen unter Einsatz
von Stücke-rzen oder Pellets, da der Einsatz von feinkörnigen Erzen zu Schwierigkeiten
führt oder besondere Maßnahmen erfordert. Außerdem muß feinkörniger Eisenschwamm im
allgemeinen vor der Weiterverarbeitung auf Roheisen oder Stahl agglomeriert werden.
Für eine Pelletierung muß das Material in Pelletierfeinheit, d.h. sehr feinkörnig,
vorliegen.
[0003] Es wurde auch schon vorgeschlagen, Sinter anstelle von Pellets in den Drehrohrofen
einzusetzen (DE-AS 17 58 951). In die Sintermischung muß zumindest teilweise der erforderliche
feste Brennstoff durch Zumischung von feinkörnigem Eisenschwamm eingebracht werden.
Die Reduktion im Drehrohrofen erfolgt vorzugsweise unter Einsatz von Braunkohle oder
anderen festen Brennstoffen mit Gehalten an verflüchtigungsfähigen Bestandteilen als
Reduktionsmittel. Bei der Reduktion fällt ein beträchtlicher Anteil von Unterkorn
an.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, bei der Direktreduktion von Sinter im Drehrohrofen
den Anfall an Unterkorn möglichst gering zu halten und eine gute Metallisierung mit
möglichst geringem Aufwand zu erzielen.
[0005] Die Lösung dieser Aufgabe erfolgt erfindungsgemäß dadurch, daß der Sinter mit einem
Verhältnis von CaO zu SiO
2 von 0,8 bis 1,4 in den Drehrohrofen chargiert wird und ein festes kohlenstoffhaltiges
Reduktionsmittel in den Drehrohrofen chargiert wird, das bis zu einer Temperatur von
600 - 700
0C möglichst wenig elementaren Wasserstoff freisetzt. Das feinkörnige oxidische Material
besteht hauptsächlich aus feinkörnigen Eisenerzen und in der Direktreduktionsanlage
anfallendem oxidischem Material. Auch metallisiertes oder vorreduziertes feinkörniges
Material, das in der Direktreduktionsanlage anfällt, kann eingesetzt werden. Das oxidische
Material wird mit den zur Einstellung des Verhältnisses von CaO zu SiO
2 erforderlichen zuschlagstoffen, wie Kalkstein und Kieselsäure, dem für die Sinterung
erforderlichen festen Brennstoff, üblicherweise feinkörniger Koks, dem Rückgut von
der Sintermaschine und unter Einstellung der erforderlichen Feuchtigkeit gemischt.
Die so hergestellte Sintermischung wird auf die Sintermaschine aufgegeben. Die Bedingungen
für die Herstellung der Sintermischung, unter Berücksichtigung des erfindungsgemäßen
Verhältnisses von CaO zu Si0
2, und die Bedingung für die Sinterung auf der Sintermaschine entsprechen den bekannten
Bedin- gungen für die Herstellung von Sinter für den Einsatz in den Hochofen. Bei der
Einstellung des Verhältnisses von
CaO zu SiO bleiben andere basische oder saure
Gangartbestandteile unberücksichtigt. Falls der Sintermischung metallisiertes oder
vorreduziertes Feingut zugesetzt wird, wird dessen Oxidationswärme bei der Bemessung
der Kokszugabe berücksichtigt. Die Zugabe von metallisiertem oder vorreduziertem Feingut
ist jedoch nicht erforderlich. Das in den Drehrohrofen chargierte feste kohlenstoffhaltige
Reduktionsmittel soll bis zu einer Temperatur von 600 - 700 °C möglichst überhaupt
keinen elementaren Wasserstoff freisetzen, auf jeden Fall muß der Wert unter 1 Gew.-%,
bezogen auf das eingesetzte Reduktionsmittel, liegen. Die freigesetzte Menge an elementarem
Wasserstoff steigt im allgemeinen mit dem Gehalt der Kohlen an flüchtigen Bestandteilen.
Es müssen also Kohlen eingesetzt werden, die wenig Wasserstoff freisetzen, wie Anthrazit,
oder geschwelte Kohlen, wie Koks.'Kohlen, die einen höheren Gehalt an elementarem
Wasserstoff freisetzen, können jedoch an einer Stelle des Drehrohrofens aufgegeben
werden, wo die Beschickung*, bereits eine höhere Temperatur Hat und durch die nachträgliche
Zugabe des Reduktionsmittels auch nicht unter diese Temperatur abgekühlt wird. Eine
solche nachträgliche Zugabe eines Teiles des festen Reduktionsmittels kann z.B. durch
Einblasen von Kohle in das Austragsende des Drehrohrofens und Verteilung über die
Reduktionszone erfolgen, wenn der Drehrohrofen im Gegenstrom zwischen Beschickung
und Gastatmosphäre betrieben wird.
[0006] Eine vorzugsweise Ausgestaltung besteht darin, daß der Sinter mit einem Verhältnis
von CaO zu Si0
2 von 1,1 - 1,3 in den Drehrohrofen chargiert wird. Dadurch werden besonders gute Ergebnisse
erzielt.
[0007] Eine vorzugsweise Ausgestaltung besteht darin, daß der Sinter mit einem Schlackengehalt
von mindestens 10 Gew.-% in den Drehrohrofen chargiert wird. Der Schlackengehalt wird
so gewählt, daß zwar die Menge möglichst nahe an 10 % liegt, aber auch wieder ausreichend
für gute Ergebnisse ist. Der optimale Wert wird für jedes Material empirisch ermittelt.
[0008] Eine vorzugsweise Ausgestaltung besteht darin, daB der Sinter in einer Stückgröße
von 5 - 50 mm in den Drehrohrofen chargiert wird. Mit dieser Stückgröße werden gute
Metallisierungsgrade erzielt.
[0009] Eine vorzugsweise Ausgestaltung besteht darin, daß der Sinter in einer Stückgröße
von 5 - 30 mm in den Drehrohrofen chargiert wird. Diese Stückgröße ergibt nochmals
verbesserte Metallisierungsgrade.
[0010] Eine vorzugsweise Ausgestaltung besteht darin, daß das Abgas des Drehrohrofens zur
indirekten Aufheizung von Luft verwendet wird, und die heiße Luft nach der Zündung
der Sintermischung auf der Sintermaschine durch die Sintermischung geleitet wird.
Die Durchleitung der heißen Luft als Sinterluft kann nur über einen Teil der Sinterstrecke
der Sintermaschine oder über die gesamte Länge der Sinterstrecke erfolgen. Im ersten
Fall tritt hauptsächlich eine Brennstoffersparnis ein, während im zweiten Fall die
Temperatur des abgeworfenen Sinters erhöht wird, so daß der Sinter mit hoher Temperatur
in den Drehrohrofen chargiert werden kann und der Drehrohrofen von der entsprechenden
Aufheizarbeit entlastet wird.
[0011] Die Erfindung wird anhand von Beispielen näher erläutert.
[0012] Für die Sinterversuche wurden Rohmaterialien mit folgender Analyse eingesetzt:

[0013] Die Sinterversuche wurden auf einer quadratischen Sinterpfanne von 0,16 m
2 Fläche durchgeführt. Die Sintermischung wurde jeweils nach vorherigem Mischen der
Einzelkomponenten, Anfeuchten und Einfüllen in die Sinterpfanne mit Heißluft von 1200
°C gezündet. Danach wurde mit Unterdruck die Brennfront durch die Sintermischung gezogen
und der Sinterkuchen anschließend auf der Sinterpfanne gekühlt. Zur Nachahmung der
Beanspruchung in einer Industrieanlage wurde der Sinter daraufhin 5 mal aus 2 m Höhe
gestürzt. Die Fraktion - 6 mm wurde als Rückgut (50 %), die Fraktion 15 - 25 mm als
Rostbelag (3 cm) eingesetzt.
[0014] Zur Definition der Sinterqualität wurden folgende Prüfmethoden verwandt:
1) Die Bestimmung der mechanischen Festigkeit erfolgte nach der ISO-Vorschrift Nr.
3271 in einer Trommel, wobei der Wert + 6,3 mm ermittelt wurde.
2. Die Niedrigtemperaturzerfallsstabilität, NTZ, wurde nach einem Vorschlag der "BISRA" in einem elektrisch beheizten Drehrohr unter
schwach reduzierender Atmosphäre bei 600 °C durch die Produktmenge + 6,3 mm ermittelt.
3. Die Reduzierbarkeit wurde in Anlehnung an die Prüfvorschrift VDEH Nr. 1770-64 ermittelt.
Die Kennzahl ist der dR/dt40-Wert.
[0015] Dabei ergaben sich folgende Werte:

[0016] Mechanische Festigkeit und Niedrigtemperaturzerfallsstabilität verhalten sich qualitativ
gegenläufig und erreichen in ihrer Kombination im Basizitätsbereich von 1,2 ein Optimum.
[0017] Die
Reduzierbarkeit fällt zunächst bei Zunahme der Basizität und steigt dann ab 0,42 stark
an.
[0018] Die Abnahme der Schlackenmenge, hier ausgedrückt als CaO + Si0
2-Gehalt, beeinflußt sowohl den Niedrigtemperaturzerfall sowie die mechanische Festigkeit
negativ.
[0019] Folgende Werte wurden für einen Sinter der Basizität von 1,2 ermittelt:

[0020] Ab ca. 10 % CaO + Si0
2 wurden akzeptable Festigkeitswerte erreicht.
[0021] Die Versuche wurden in einem Kurztrommelofen mit einem Sintereinsatz von 70 kg durchgeführt.
In diesem Ofen wurden die Reduktionsmittel in der Menge für ein Cfix/Fe-Verhältnis
von 0,6 zugegeben. Die Reduktionszeit betrug nach Aufheizen auf die durch die Reaktivität
der Kohle vorgeschriebene Reaktionstemperatur 3 Stunden. Der Sintereinsatz hatte die
Körnung 5 - 30 mm.
[0022] Es wurden jeweils eine Braunkohle und eine subbituminöse Kohle bzw. deren Kokse eingesetzt.

[0023] Die subbituminöse Kohle erfordert wegen niedrigerer Reaktivität höhere Reaktionstemperaturen
als die Braunkohle.
[0024] Bei der Feststoffdirektreduktion von Sinter im Drehrohr sind die schon genannten
Sintereigenschaften besonders von Bedeutung. Mechanische Festigkeit und Niedrigtemperaturzerfallsstabilität
bestimmen Zerfall und Feinanteilentwicklung im Drehrohr, die Reduzierbarkeit beeinflußt
besonders die Ofenleistung.
[0025] Besonders Feinanteile - 3 mm stören den Prozeß.
[0026] Die
Direktreduktionsversuche ergaben folgende Werte für den magnetischen Ofenaustrag:

[0027] Bei Basizität von 1,2 werden die geringsten
Feinanteilmengen ermittelt. Davon abweichend verhält sich nur die subbutiminöse Kohle,
die nur durch das Freisetzen höherer H
2-Mengen im Tieftemperaturbereich den bei Temperaturen unter 700 C besonders für Zerfall
bei Niedrigtemperaturreduktion anfälligen Sinter zerstört. Dieser Effekt tritt besonders
bei hohen Basizitäten auf, da hier der Hämatitanteil im Sinter ebenfalls hoch ist
und durch die Umwandlung zu Magnetit vermehrt Gefügespannungen erzeugt. Je geringer
der Anteil an freigesetztem H
2 aus den Reduktionsmitteln unter 700
0C ist, desto geringer ist der Feinanteil im Ofenaustrag. Entgaste Kohlen führten im
Vergleich untereinander zu gleichen
Zerfallsergeb- nissen.
[0028] Die Vorteile der Erfindung bestehen darin, daß eine Direktreduktion von eisenoxidhaltigem
Sinter zu Schwammeisen im Drehrohrofen mit guten Metallisierungsgraden und geringem
Zerfall möglich ist.
l. Verfahren zur Direktreduktion von gesintertem, eisenoxidhaltigem Material zu Eisenschwamm in einem
Drehrohrofen, wobei eine Sintermischung aus feinkörnigem, eisenoxidhaltigem Material
und festem Brennstoff auf einer Sintermaschine unter Hindurchleiten von sauerstoffhaltigen
Gasen gesintert wird und das Sintergut nach einer zerkleinerung mit festem, kohlenstoffhaltigem
Reduktionsmitel in den Drehrohrofen chargiert wird, dadurch gekennzeichnet, daß der
Sinter mit einem Verhältnis von CaO zu Si02 von 0,8 bis 1,4 in den Drehrohrofen chargiert wird und ein festes, kohlenstoffhaltiges
Reduktionsmittel in den Drehrohrofen chargiert wird, das bis zu einer Temperatur von
600 - 700 °C möglichst wenig elementaren Wasserstoff freisetzt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Sinter mit einem Verhältnis
von CaO zu SiO2 von 1,1 - 1,3 in den Drehrohrofen chargiert wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Sinter mit einem
Schlackengehalt von mindestens 10 Gew.-% in den Drehrohrofen chargiert wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Sinter
in einer Stückgröße von 5 - 50 mm in den Drehrohrofen chargiert wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Sinter in einer Stückgröße
von 5 - 30 mm in den Drehrohrofen chargiert wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Abgas
des Drehrohrofens zur indirekten Aufheizung von Luft verwendet wird, und die heiße
Luft nach der Zündung der Sintermischung auf der Sintermaschine durch die Sintermischung
geleitet wird.