[0001] Zur Erzeugung von Buntreserven mit Reaktivfarbstoffen unter Ehtwicklungsfarbstoffen,
die eventuell auch in Mischung mit Phthalocyanin-Vorkondensaten (Ingrain-Typen) auf
Cellulosefasern erzeugt und fixiert werden, war man lange Zeit auf das Verfahren gemäß
der DE-PS 20 46 410 angewiesen. Als
Reser- vierungsmittel für diese bekannte Arbeitsweise wurden in erster Linie gegebenenfalls
sulfogruppenhaltige Phenol-Formaldehyd-Kondensationsprodukte in Betracht gezogen.
[0002] Ein anderes Verfahren zur Musterung auf der gleichen Grundlage ist in der DE-OS 31
11 966 beschrieben. Es besteht darin, daß man die mit einer Kupplungskomponente grundierte
Warenbahn mit einer alkalischen Paste bedruckt, welche neben Reaktivfarbstoff noch
ein die Bildung von Azofarbstoffen verhinderndes Reservierungsmittel auf Aminbasis,
insbesondere spezielle Pyrazolon-Derivate, aufweist, und auf diesen Vordruck sodann
Diazoniumsalze enthaltende Zubereitungen mustergemäß aufbringt, worauf die Fixierung
der Reaktivfarbstoffe auf konventionelle Weise herbeigeführt wird.
[0003] Beide zuvor erläuterten Möglichkeiten zur Dessinierung nach der Reservetechnik zeigen
indessen beachtliche Einschränkungen, die ihre Anwendbarkeit in der Praxis problematisch
erscheinen lassen:
a) Da die Reservewirkung der Phenol-Formaldehyd-Kondensationsprodukte gemäß der DE-PS
20 46 410 von mechanischer Art ist, sind zur Erzeugung einwandfreier Reserven größere
Mengen dieses Reservierungsmittels bis zu 400 g/kg Reservedruckpaste erforderlich.
Solche hohen Mengen an Reservierungsmittel bereiten jedoch beim Druck infolge Verkrustung
und Verstopfung der Schablonen erhebliche Schwierigkeiten. Auch ist bei großflächigen
Druckmotiven die Reservierung durch Risse in der Reservefläche mangelhaft.
b) Das Verfahren gemäß der DE-OS 31 11 966 hat wiederum den Nachteil, daß die Reaktionsprodukte
des Reservierungsmittels mit den Diazoniumsalzen, welche sich zwangsläufig einstellen,
nur durch einen aufwendigen Waschvorgang aus dem Gewebe entfernt werden können. Ferner
verschlechtert das in der reaktivfarbstoffhaltigen Druckpaste anwesende Alkali die
Haltbarkeit der hochreaktiven Reaktivfarbstoffe sehr.
[0004] In Fortführung der Anstrengungen zur Behebung der eingangs dargelegten Probleme,
Buntreserven mit Reaktivfarbstoffen unter Entwicklungsfarbstoffen auf ausschließlich
oder vorwiegend aus Cellulosefasern bestehendem Textilgut zu erzielen, wurde nun überraschenderweise
gefunden, daß sich die vorstehend unter a) und b) ausgewiesenen Nachteile vermeiden
lassen, wenn man im Zuge der bekannten Maßnahmen zum Erzeugen derartiger Musterungen
nach der Reservetechnik Reservedruckfarben einsetzt, welche acide sind sowie als Reservierungsmittel
Verbindungen der schwefligen Säure enthalten.
[0005] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist somit die Herstellung von Reserveeffekten
auf andersfarbigem Untergrund von textilen Flächengebilden, insbesondere Geweben oder
Gewirken, enthaltend oder bestehend aus cellulosischen Fasermaterialien mit Reaktivfarbstoffen
unter Azo-Entwicklungsfarbstoffen, wobei das mit einer phenolischen oder enolischen
Kupplungskomponente oder einem Alkalisalz davon bedruckte oder gepflatschte Textilgut
mit einer wäßrigen Paste, welche einen oder mehrere Reaktivfarbstoffe und ein die
Bildung eines unlöslichen Azofarbstoffes verhinderndes Reservierungsmittel enthält,
in dem gewünschten Muster bedruckt und diesen Vordruck anschließend naß-in-naß mit
einer oder mehreren wäßrigen, sauer gestellten, ein oder mehrere stabilisierte Diazoniumsalze
enthaltende Druckpasten unter Überlappung überdruckt oder mit wäßrigen, .sauer gestellten
Diazoniumsalz-Lösungen flächendeckend überpflascht oder überklotzt wird, worauf man
die aufgebrachten Reaktivfarbstoffe nach dem Trocknen der so behandelten Ware ohne
langzeitige thermische Einwirkung im alkalischen Milieu fixiert und das in dieser
Weise gemusterte Textilgut durch Auswaschen von löslichen Bestandteilen sowie Rückständen
von nicht fixierten Farbstoffen befreit, dadurch gekennzeichnet, daß die Vordruckpaste
als Reservierungsmittel im wäßrigen Medium Sulfit- bzw. Hydrogensulfit-Ionen abgebende
Substanzen aufweist und auf saure Bedingungen eingestellt ist, daß in den diazoniumsalzhaltigen
Zubereitungen ein Säureüberschuß vorhanden ist, damit die Acidität an den Uberfallstellen
auch beim Trocknungsvorgang erhalten bleibt, und daß man zur Fixierung der Reaktivfarbstoffe
das Druckerzeugnis mit alkalisch gestellter, konzentrierter Elektrolyt- oder mit Wasserglas-Lösung
bei Raumtemperatur klotzt oder überpflascht und sodann während einer Zeitspanne von
minde-' stens 10 Minuten bei Raumtemperatur verweilen läßt.
[0006] Das Grundkonzept für die Realisierung des beanspruchten Verfahrens beruht darauf,
daß man von der Resistenz der Reaktivfarbstoffe gegenüber Sulfit- bzw. Hydrogensulfit-Ionen
bei sauren pH-Werten nutzbringend praktischen Gebrauch macht, währenddessen solche
Ionen liefernde Schwefelverbindungen unter den gleichen Bedingungen mit den Diazoniumsalzen
reagieren und so das Entstehen von Azofarbstoffen verhindern. Für die Sulfitreserven
ist die Bildung eines Diazosulfonats charakteristisch, welches unter den erfindungsgemäßen
Fixierbedingungen nicht kupplungsfähig ist.
[0007] Nun ist aber der Einsatz von Sulfit- bzw. Hydrogensulfit als Reservierungsmittel
unter Azofärbungen nicht mehr neu. Im Gegensatz zur vorliegenden Erfindung verwenden
die aus der Literatur bekannten Verfahren, wie sie beispielsweise in "Die neuesten
Fortschritte in der Anwendung der Farbstoffe" erster Band, 3, Auflage 1951, auf Seite
609 von Louis Diserens beschrieben werden, hierzu alkalisch gestellte Alkalisulfite
als Reservierungsmittel.
[0008] In derartigen alkalischen, alkalisulfithaltigen Reservedruckpasten würden sich die
zur Illumination der reservierten Stellen benötigten Reaktivfarbstoffe allerdings
innerhalb kürzester Zeit mit den Sulfit-Ionen umsetzen und dadurch inaktiviert werden,
d.h. sie stehen fortan infolge Blockierung der Reaktivgruppe für eine weitere Reaktion
mit der Cellulose nicht mehr zur Verfügung, auch nicht in Anwesenheit von Alkalien.
Am schnellsten reagieren in dieser Hinsicht die Sulfit-Ionen im alkalischen Medium
mit den hochreaktiven Farbstoffen vom Sulfatoethylsulfon-Typ. Reaktivfarbstoffe mit
anderem Chemismus werden durch diese Schwefelverbindungen in ihrer Reaktionsfähigkeit
kaum oder doch nur sehr langsam beeinträchtigt. Auf diesem Prinzip der unterschiedlichen
Empfindlichkeit verschiedener Reaktivfarbstoff-Systeme angesichts von Sulfitverbindungen
baut dann auch das Buntreserveverfahren mit Reaktivfarbstoffen unter Reaktivfarbstoffen
gemäß der DE-PS 23 26 522 auf. Eingedenk dieses Verhaltens von Reaktivfarbstoffen
gegenüber schwefliger Säure, deren Anhydride und Salze war es überraschend, daß man
nach vorliegender Erfindung unter sauren Bedingungen die gleichen Sulfatoethylsulfon-Farbstoffe
zur Illumination der reservierten Stellen verwendenkann.
[0009] Unter dem soeben erläuterten Gesichtspunkt weisen die erfindungsgemäßen Sulfit- bzw.
hydrogensulfit-Ionen enthaltenden Reservedruckpasten pH-Werte auf, die zwischen 2,5
und unterhalb von 7, vorzugsweise zwischen 4 und 6,5 liegen. Innerhalb dieses pH-Bereiches
reagieren die Reak-tivfarbstoffe bei Raumtemperatur kaum mit Sulfit- bzw. Hydrogensulfit-Ionen.
[0010] Mit Hilfe des neuen Verfahrens gelingt es, ansprechende Bunteffekte mit Reaktivfarbstoffen
unter übergedruckten oder übergefärbten stabilisierten Diazoniumsalzen auf einem mit
einer phenolischen oder enolischen Kupplungskomponente präparierten Baumwollgewebe
oder -gewirk zu erzielen. Weißeffekte können gleichzeitig erhalten werden, wenn man
im Zuge desselben Dessinierungsvorganges beispielsweise in einer der Reservepasten
den zur Buntillumination erforderlichen Reaktivfarbstoff wegfallen läßt.
[0011] Als cellulosehaltige Fasermaterialien kommen verfahrensgemäß insbesondere solche
in Frage, die geringe Anteile an Synthesefasern, zumeist Polyesterfasern, im Gemisch
mit Baumwolle enthalten. Ganz besonders bevorzugt sind Gewebe aus reiner Baumwolle
für die erfindungsgemäße Musterungsmethode geeignet.
[0012] Unter phenolischen Kupplungskomponenten sind nach der vorliegenden Erfindung vor
allem Naphthole und Hydroxycarbazole zu verstehen. Von den als brauchbar erkannten
enolischen Kupplungskomponenten seien als Beispiele N-Acetoacetyl-, N-Benzoylacetyl-
und N,N'-Terephthaloyl-bis- acetyl-Aminobenzolderivate erwähnt.
[0013] Bei den für das beanspruchte Verfahren einsetzbaren Sulfit- bzw. Hydrogensulfit-Ionen
abgebenden Reservierungsmitteln, welche die Bildung von unlöslichen Azofarbstoffen
unterbinden, handelt es sich um Alkalihydrogensulfite, insbesondere Natriumhydrogensulfit
(Natriumbisulfit), oder deren Anhydride wie z.B. Natriumdisulfit (Natriumpyrosulfit),
oder um solche Verbindungen, die sich durch Einwirkung von Säuren oder Alkalien in
Hydrogensulfit überführen lassen, wie Alkalihydrogensulfite in Kombination mit einem
Aldehyd, zweckmäßigerweise in Gestalt eines vorgefertigten Aldehyd-Alkaiihvdrogensulfit-Addukts.
[0014] Die verfahrensgemäß benötigten Gewichtsmengen an Sulfit- bzw. Hydrogensulfit-Ionen
abgebenden Substanzen sind abhängig von der Farbtiefe der zu reservierenden Entwicklungsfarbstoffe
und liegen zwischen 5 und 50 g pro 1000 g Reservedruckpaste. Da die hier als geeignet
befundenen Chemikalien zumeist in Form ihrer Alkaiisalze in den Handel gebracht werden,
müssen bei der Berechnung der Gewichtsmenge zusätzlich noch die Gewichtsanteile der
Kationen und des Kristallwassers berücksichtigt werden.
[0015] In Rechnung gestellt werden muB fernerhin noch das Verhalten von Alkalihydrogensulfiten,
bei Zusatz von Säure unter Schwefeldioxidentwicklung zu zerfallen sowie in diesem
Zusammenhang die Neigung des Schwefeldioxids, bei niedrigeren pH-Werten und etwas
höheren Temperaturen als Gas aus den wäßrigen Alkalihydrogensulfitlösungen zu entweichen.
Es ist deshalb empfehlenswert, den pH-Wert dieser Lösungen mit alkalisch wirkenden
Substanzen, wie beispielsweise Natriumacetat oder Natriumsulfit, bis auf pH 5,5 bis
6,5 anzuheben. Reservedruckpasten, die solche Lösungen mit korrigiertem pH-Wert enthalten,
sind bei Zimmertemperatur haltbar und geben kaum Schwefeldioxid frei.
[0016] Als Reaktivfarbstoffe werden für das beanspruchte Verfahren solche in Betracht gezogen,
die eine oder mehrere reaktive Gruppen oder abspaltbare Substituenten aufweisen, welche
beim Aufbringen der Farbstoffe auf Cellulosefasermaterialien in Gegenwart säurebindender
Mittel mit den Hydroxylgruppen der Cellulose unter Ausbildung kovalenter Bindungen
zu reagieren vermögen. Derartige faserreaktive Gruppierungen sind aus der Literatur
in großer Zahl bekannt.
[0017] Diese Reaktivfarbstoffe werden bei pH-Werten unterhalb 6,5 unter Zusatz von Sulfit-
bzw. Hydrogensulfit-Iouen abgebenden Substanzen und Verdickungsmittel zu Reservedruckpasten
verrührt.
[0018] Zur Verbesserung des Reserveeffektes können diesen Reservedruckpasten noch cyclische
Carbonamide, wie beispielsweise ε-Caprolactam, in Mengen bis zu 150 g, vorzugsweise
70 g/kg Druckpaste, zugesetzt werden. Darüber hinaus können in den Druckpasten fernerhin
hydrotropische Hilfsmittel anwesend sein.
[0019] Als Verdickungsmittel der reaktivfarbstoffhaltigen Reservedruckpasten kann man wegen
des aciden Mediums erfindungsgemäß kein Alginat einsetzen, sondern nur Guar- oder
Kernmehlderivate.
[0020] Für die Verwendung bei dem neuen Verfahren werden als stabilisierte Diazoniumsalze
in den Überdruckpasten bzw. Überklotzflotten insbesondere die sogenannten Echtfärbesalze
aufgeführt. Diese stabilisierten Diazoniumsalze kommen entweder als wäßrige Pasten
unmittelbar zum Einsatz oder werden vor der Kupplungsreaktion in wäßrige Diazoniumsalz-Lösungen
übergeführt, in denen die Diazokomponente schon in reaktionsbereiter Form zugegen
ist.
[0021] Die Überdruckpasten enthalten neben den handelsüblichen Diazoniumsalzen noch Säuren
oder saure Salze, zweckmäßig im Überschuß. Die Säuremenge in den diazoniumsalzhaltigen
Zubereitungen darf erfindungsgemäß nicht zu knapp bemessen sein, damit die Acidität
an den Uberfallstellen auch beim Trocknen erhalten bleibt. Hauptsächlich bei leichtflüchtigen
Säuren, wie Ameisen- oder Essigsäure, ist die Gefahr am größten, daß sie in der Mansarde
zu schnell verflüchtigen, als in der Lage zu sein, die Überfallstellen während einer
bestimmten Zeitspanne sauer halten zu können. Die Bewahrung eines ausreichend aciden
Mediums an den Überfallstellen für eine gewisse Zeit lang im Verlauf der Trocknungsphase
in der Mansarde ist jedoch ein wesentliches Merkmal der vorliegenden Erfindung, weil
dabei aus dem Reservierungsmittel an den Uberfallstellen Schwefeldioxid freigemacht
sowie ausgetrieben werden soll.
[0022] Selbstverständlich kann dieses Ziel auch mit fixen organischen oder anorganischen
Säuren von anderem Verhaltenstyp erreicht werden, wenn man durch Auswahl und Einsatzmenge
derselben dafür Sorge trägt, daß als eine Folge der Trocknungsbehandlung keine Faserschädigung
auftritt.
[0023] Als Verdickungsmittel für die diazoniumsalzhaltigen Druckpasten werden vorzugsweise
Kernmehlether verwendet.
[0024] Zur erfindungsgemäßen Erzeugung von bunten Reserveeffekten werden auf zunächst in
bekannter Weise mit der phenolischen oder enolischen Kupplungskomponente in Naphtholat-
oder Enolat-Form ganzflächig präpariertes oder durch Aufdruck einer entsprechenden
Paste mustergemäß bedrucktes Cellulosegewebe, das man im Anschluß an diese Imprägnierung
getrocknet hat, nach im Textildruck üblicher Technik sowie in den gewünschten Mustern
wäßrige Druckpasten aufgebracht, die das Reservierungsmittel und einen Reaktivfarbstoff
oder das Reservierungsmittel und eine Mischung aus mehreren Reaktivfarbstoffen enthalten.
Daraufhin werden die Diazoniumsalz-Zubereitungen für den Fond unter Überlappung auf
diesen Vordruck mit der Reservedruckpaste mustergemäß übergedruckt oder flächendeckend
darüber gepflatscht bzw. geklotzt. Zwischen diesen beiden letzten Arbeitsvorgängen
wird nach dem beanspruchten Verfahren keine Trocknungsoperation der Textilbahn vorgenommen.
Erst nach dem Auftrag aller Parbstoffzubereitungen wird die so behandelte Ware zweckmäßig
in einer Mansarde bei Temperaturen bis zu 160°C getrocknet. Während dieses Trocknungsprozesses
findet an den überfallstellen die Vertreibung des Schwefeldioxids aus der Reservedruckfarbe
statt.
[0025] Sodann wird zur Fixierung der Reaktivfarbstoffe nach der sogenannten Zweiphasen-Technik
die Druckware mit einer elektrolythaltigen alkalischen Flotte gemäß DE-PS 1 469 722
und DE-PS 1 619 492, die Natronlauge, Soda, Pottasche und Kochsalz bzw. Glaubersalz
enthält, oder mit Mischungen aus Wasserglas und Natronlauge aufweisenden Flotten geklotzt
und anschließend .einem Luftgang von 10 bis 60 Minuten ausgesetzt.
[0026] Die Fixierung der als Buntfarbstoff verwendeten Reaktivfarbstoffe muß verfahrensgemäß
ohne langzeitige thermische Einwirkung im alkalischen Medium vorgenommen werden, damit
reine Buntvollreserven unter allen möglichen Kombinationen aus handelsüblichen enolischen
oder phenolischen Kupplungskomponenten und stabilisierten Diazoniumsalzen resultieren.
[0027] Bei einer alkalischen Fixierung der Reaktivfarbstoffe unter thermischem Einfluß würden
dagegen Buntvollreserven nur unter den Kombinationen aus handelsüblichen stabilisierten
Diazoniumsalzen mit hoher Kupplungsenergie und den oben bereits genannten Kupplungskomponenten
gebildet werden. Unter den Kombinationen aus handelsüblichen stabilisierten Diazoniumsalzen
mit geringer Kupplungsenergie und den oben bereits genannten Kupplungskomponenten
erhält man bei einer alkalischen Fixierung der Reaktivfarbstoffe bei Temperaturen
oberhalb 40°C bloß noch Halbbuntreserven. Die zuletzt genannten Kombinationen sind
unter diesen Fixierbedingungen bei erhöhter Temperatur nicht mehr voll reservierbar.
[0028] Da eine temperaturabhängige Reservewirkung schwer zu kontrollieren ist, schreibt
das Verfahren gemäß vorliegender Erfindung bei Reserven unter den Blaukombinationen
der Entwicklungsfarbstoffe lediglich eine Fixierung der Farb-stoffe bei Raumtemperatur
vor.
[0029] Als Reaktivfarbstoffe, die verfahrensgemäß zur Colorierung der Buntreserven geeignet
sind, kommen deshalb nur solche in Frage, die bei Raumtemperatur zwischen 10° und
40°C, vorzugsweise zwischen 15° und 30°C unter der Einwirkung von Alkalien mit der
Cellulose reagieren können. Hierzu .gehören beispielsweise die Sulfatoethylsulfon-Farbstoffe
und die daraus infolge Säureabgabe entstehenden Vinylsulfon-Derivate.
[0030] Jedoch auch andere Reaktivfarbstoffe, die bei 15° bis 30°C unter Abspaltung eines
Substituenten nach dem Substitutionsmechanismus mit der Cellulose reagieren können,
sind für eine Illumination der Reserven gemäß vorliegender Erfindung brauchbar.
[0031] Zum Abschluß werden die nach dem beanspruchten Verfahren hergestellten Musterungen
zwecks Entfernung von überschüssiger, nicht ausgekuppelter Kupplungskomponente einem
Waschprozeß unterworfen, wie üblich gespült sowie fertiggestellt.
[0032] Das erfindungsgemäße Druckverfahren eignet sich insbesondere für den Rouleauxdruck,
Rotationsfilmdruck und Flachfilmdruck.
Beispiel 1
[0033] Ein mit einer nach der Kaltlösevorschrift hergestellten alkalischen Lösung von 10
- 20 g Azoic Coupling Component 2 (C.I.-Nr. 37 505) grundiertes sowie getrocknetes
Baumwollgewebe wird mit einer Druckpaste folgender Zusammensetzung auf der Rotationsfilmdruckmaschine
in kleinflächigen Mustern, z.B. Punkte oder Blattkonturen, bedruckt:

[0034] Über die vorgedruckte Reservefarbe wird mit einer zweiten Schablone eine größere
Fläche naß-in-naß übergedruckt. Die hierzu verwendete Überdruckpaste enthält die unten
angegebenen Komponenten:

[0035] Der inzwischen in der Mansarde getrocknete Druck wird nunmehr auf dem Foulard mit
einer Flotte aus den nachstehenden Bestandteilen:

bei Raumtemperatur imprägniert und durch Verweilen bei Raumtemperatur während 15 Minuten
fixiert.
[0036] Anschließend wird die so behandelte Ware in kaltem Wasser gespült und in einem wäßrigen
Bade, das im Liter 1 - 3 g Soda oder 1 - 2 g Natronlauge von 38° Be enthält, zur Entfernung
der überschüssigen Kupplungskomponente aus Fondgrundierung bei 60°C nachbehandelt.
Danach wird das Verfahrenserzeugnis mit Wasser kalt gespült und getrocknet.
[0037] Man erhält brillante blaue Reserveeffekte unter einem roten, flächigen Überdruck.
Beispiel 2
[0038] Auf ein wie in Beispiel 1 grundiertes Baumwollgewebe werden nach dem Trocknen im
Rotationsfilmdruck 1 weißes und 3 farbige Muster gedruckt. Für diesen Zweck werden
die nachfolgend beschriebenen Druckfarben zubereitet:

Schablone 1:

Schablone 2:

Schablone 3:

Schablone 4:

[0039] Auf diese vier vorgedruckten Reservefarben wird sodann naß-in-naß mit Hilfe einer
fünften Schablone noch eine Druckpaste folgender Zusammensetzung im Überfall gedruckt:
Schablone 5:

[0040] Nach dem Trocknen in der Mansarde wird die so behandelte Ware auf einem Foulard mit
einer alkalischen Flotte geklotzt, welche die unten bezeichneten Chemikalien aufweist:

[0041] Hiernach werden die Reaktivfarbstoffe durch 15-minütiges Verhängen der Ware bei Raumtemperatur
fixiert.
[0042] Zum Abschluß wird die in dieser Weise erzeugte Dessinierung wie im Beispiel 1 beschrieben
mit Wasser gespült, nachgewaschen und getrocknet.
[0043] Man erhält weiße, gelbe, rote und grüne Reserveeffekte unter einer Übergedruckten
schwarzgefärbten flächigen Musterung.
1. Verfahren zur Herstellung von Reserveeffekten auf andersfarbigem Untergrund von
textilen Flächengebilden enthaltend oder bestehend aus cellulosischen Fasermaterialien
mit Reaktivfarbstoffen unter Azo-Entwicklungsfarbstoffen, wobei das mit einer phenolischen
oder enolischen Kupplungskomponente oder einem Alkalisalz davon bedruckte oder gepflatschte
Textilgut mit einer wäßrigen Paste, welche einen oder mehrere Reaktivfarbstoffe und
ein die Bildung eines unlöslichen Azofarbstoffes verhinderndes Reservierungsmittel
enthält, in dem gewünschten Muster bedruckt und dieser Vordruck anschließend naß-in-naß
mit einer oder mehreren wäßrigen, sauer gestellten, ein oder mehrere stabilisierte
Diazoniumsalze enthaltende Druckpasten unter Überlappung überdruckt oder mit wäßrigen,sauer
gestellten Diazoniumsalz-Lösungen flächendeckend überpflatscht oder überklotzt wird,
worauf man die aufgebrachten Reaktivfarbstoffe nach dem Trocknen der so behandelten
Ware ohne langzeitige thermische Einwirkung im alkalischen Milieu fixiert und das
in dieser Weise gemusterte Textilgut durch Auswaschen von löslichen Bestandteilen
sowie Rückständen von nicht fixierten Farbstoffen befreit, dadurch gekennzeichnet,
daß die Vordruckpaste als Reservierungsmittel im wäßrigen Medium Sulfit- bzw. Hydrogensulfit-Ionen
abgebende Substanzen aufweist und auf saure Bedingungen eingestellt ist, daß in den
diazoniumsalzhaltigen Zubereitungen ein Säureüberschuß vorhanden ist, damit die Acidität
an den Uberfallstellen auch beim Trocknungsvorgang erhalten bleibt, und daß man zur
Fixierung der Reaktivfarbstoffe das Druckerzeugnis mit alkalisch gestellter, konzentrierter
Elektrolyt- oder mit Wasserglas-Lösung bei Raumtemperatur klotzt oder überpflatscht
und sodann während einer Zeitspanne von mindestens 10 Minuten bei Raumtemperatur verweilen
läßt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei der phenolischen
Kupplungskomponente um ein Naphthol- oder ein Hydroxycarbazol-Derivat handelt.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei der enolischen
Kupplungskomponente um ein N-Acetoacetyl-, N-Benzoylacetyl- oder N,N'-Terephthaloyl-
bis-acetyl-Aminobenzolderivat handelt.
4. Verfahren nach Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei dem
Sulfit- bzw. Hydrogensulfit-Ionen abgebenden Reservierungsmittel um ein Alkalihydrogensulfit
oder dessen Anhydrid oder um solche Verbindungen handelt, die sich durch Einwirkung
von Säuren oder Alkalien in ein Hydrogensulfit überführen lassen.
5. Verfahren nach Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Acidität und
die Säuremenge in den diazoniumsalzhaltigen Zubereitungen ausreichend sind, um Schwefeldioxyd
aus den Uberfallstellen freizusetzen.
6, Verfahren nach Ansprüchen 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Vertreibung
des Schwefeldioxyds aus den Überfallstellen während der Trocknung stattfindet.