[0001] Die Erfindung betrifft ein aus einem Druckluftnetz mit Kompressor und Druckluftspeicher
gespeistes elektropneumatisches Antriebssystem für Krustenbrechvorrichtungen von Aluminiumschmelzflusselektrolysezellen,
welches aus mindestens einem Arbeitszylinder mit Kolben und Kolbenstange, einem nach
der Netzabzweigung eingebauten Schieber, Ventilen, Druckluftleitungen und einem Mikroprozessor
besteht. Weiter bezieht sich die Erfindung auf ein Verfahren zum Betrieb des elektropneumatischen
Antriebssystems.
[0002] Für die Gewinnung von Aluminium durch Schmelzflusselektrolyse von Aluminiumoxid wird
dieses in einer Fluoridschmelze gelöst, die zum grössten Teil aus Kryolith besteht.
Das kathodisch abgeschiedene Aluminium sammelt sich unter der Fluoridschmelze auf
dem Kohleboden der Zelle, wobei die Oberfläche des flüssigen Aluminiums die Kathode
bildet. In die Schmelze tauchen von oben Anoden ein, die bei konventionellen Verfahren
aus amorphem Kohlenstoff bestehen. An den Kohleanoden entsteht durch die elektrolytische
Zersetzung des Aluminiumoxids Sauerstoff, der sich mit dem Kohlenstoff der Anoden
zu C0
2 und CO verbindet. Die Elektrolyse findet in einem Temperaturbereich von etwa 940
- 970°C statt.
[0003] Im Laufe der Elektrolyse wird also das Aluminiumoxid bzw. die Tonerde im Elektrolyten
verbraucht. Bei einer unteren Konzentration von etwa 1 - 2 Gew.-% Tonerde im Elektrolyten
kommt es zum Anodeneffekt, der sich in einer Erhöhung der Spannung von beispielsweise
4 - 5 V auf 30 V und darüber auswirkt. Moderne Elektrolysezellen werden deshalb im
Betrieb in Intervallen von wenigen Minuten bedient, auch wenn kein Anodeneffekt auftritt.
Dabei ist wesentlich, dass stets ein entsprechender Krustendurchbruch offen ist, damit
die Tonerde portionenweise in den Elektrolyten eingespeist werden kann. Bei modernen
Elektrolysezellen sind daher stets Tonerdechargierungs- und Krustenbrechvorrichtung
örtlich und funktionell miteinander kombiniert. Eine elektronische Prozesssteuerung
löst im normalen Betrieb z. B. alle 2 - 5 Min. das Absenken und Hochheben des Brechmeissels
der Krustenbrechvorrichtung aus, unmittelbar darauf oder vorher erfolgt die Tonerdechargierung.
Bei einem Anodeneffekt wird die Frequenz stark erhöht.
[0004] Das Absenken des Brechmeissels bewirkt, dass allfällig in der Oeffnung erstarrtes
Elektrolytmaterial nach unten gedrückt und im Schmelzfluss wieder aufgelöst wird.
[0005] Praktisch durchwegs wird der Brechmeissel der Krustenbrechvorrichtung pneumatisch
angetrieben. Durch einen mechanisch oder pneumatisch betätigbaren Endschalter wird
die Senkbewegung des Meissels beendet und dessen Rückkehr in die Ruhelage ausgelöst.
Die Anzeige der Endstellung des Brechmeissels kann jedoch auch über eine Potentialmessung
erfolgen, indem beim Eintauchen des Meissels in den Elektrolyten ein Stromkreis kurzgeschlossen
wird.
[0006] In grossen Elektrolysehallen mit Hundert oder mehr Elektrolysezellen, die mit je
mindestens einer Krusteneinschlagvorrichtung ausgerüstet sind, werden riesige Druckluftmengen
verbraucht, was einen entscheidenden Kostenfaktor darstellt. Zwangsläufig ist dazu
viel Energie notwendig.
[0007] Der Erfinder hat sich die Aufgabe gestellt, ein pneumatisches Antriebssystem für
Krustenbrechvorrichtungen von Aluminiumschmelzflusselektrolysezellen und ein Verfahren
zu dessen Betrieb zu schaffen, das mit wesentlich weniger Druckluft bzw. Energie die
gleiche Leistung erbringt. Das pneumatische Antriebssystem soll von einem Druckluftnetz
mit Druckluftspeicher gespeist werden und aus mindestens einem Arbeitszylinder mit
Kolben und Kolbenstange, einem nach der Netzabzweigung eingebauten Schieber, Ventilen,
Druckluftleitungen und einem Mikroprozessor zur Steuerung der Ventile bestehen.
[0008] In bezug auf die Vorrichtung wird die Aufgabe gelöst durch
- ein nach dem Schieber eingebautes 5/2-Wegeventil mit einem durch den Mikroprozessor
über einen Anschluss steuerbaren Betätigungsorgan,
- ein über Druckluftleitungen parallel zum 5/2-Wegeventil eingebautes Druckreduzierventil,
- ein nach dem 5/2-Wegeventil bzw. dem Druckreduzierventil eingebautes 3/2-Wegeventil
mit einem durch den Mikroprozessor über einen Anschluss steuerbaren Betätigungsorgan,
- einen Arbeitszylinder, der über entlüftbare Druckluftleitungen auf der Seite von
dessen Zylinderkopf - der negativen Seite - mit dem 3/2-Wegeventil und auf der anderen,
von der Kolbenstange durchgriffenen Seite - der positiven Seite - mit dem 5/2-Wegeventil
verbunden ist,
- einen im Arbeitszylinder axial bewegbaren Kolben mit einer einen verhältnismässig
grossen Aussendurchmesser aufweisenden Kolbenstange, die mit dem Brechmeissel für
die Kruste verbunden ist, und
- eine das Ende der Stossbewegung des elektropneumatischen Antriebssystems anzeigende
Vorrichtung, die über einen Anschluss mit dem Mikroprozessor verbunden ist,
wobei der Arbeitszylinder im normalen Arbeitszyklus während der Stossbewegung mit
dem 5/2-Wegeventil, dem 3/2-Wegeventil und den entsprechenden Druckleitungen einen
über das Druckreduzierventil und dessen Druckluftleitung gespeisten Kreislauf bildet.
[0009] Dank des gebildeten Kreislaufs kann die bei der Stossbewegung aus dem Arbeitszylinder
austretende Druckluft wieder verwendet werden. Sie wird auf der negativen Seite in
den Arbeitszylinder eingespeist. Die Kolbenbewegung erfolgt, weil auf der positiven
Seite die dem reduzierten Druck ausgesetzte Kolbenfläche um den Querschnitt der Kolbenstange
kleiner ist als auf der negativen Seite.
[0010] Bei einer als Bedienungseinheit von Schmelzflusselektrolysezelle zur Herstellung
von Aluminium ausgebildeten Kombination von Tonerdechargier- und Krusteneinschlagvorrichtung
kann die bei der Rückbewegung des Kolbens ausgeblasene Luft noch nutzbringend verwendet
werden, wenn sie in den Bereich der Dosiervorrichtung, in den konischen Teil des Tagessilos,eingeblasen
wird. Dadurch wird die im untersten Teil des Silos dem grössten statischen Druck ausgesetzte
Tonerde fliessfähiger gemacht, ohne dass dafür besondere Energie aufgewendet werden
muss.
[0011] Bei der Dimensionierung des Querschnitts der Kolbenstange bzw. von deren Aussendurchmesser
müssen zwei Faktoren berücksichtigt werden:
- Je kleiner die Kolbenstange ausgebildet ist, desto geringer ist die auf den Kolben
einwirkende Kraftdifferenz zwischen der negativen und der positiven Seite, d.h. desto
geringer die Leistung des Kolbens.
- Der im allgemeinen vertikal oder nahezu vertikal angeordnete Arbeitszylinder von
Krustenbrechvorrichtungen in Schmelzflusselektrolysezellen muss auch einen in der
Krustenöffnung verklemmten Brechmeissel noch mit reduziertem Druck hochheben können.
Deshalb darf der Aussendurchmesser der Kolbenstange nicht zu gross sein, auch wenn
dies vom Wirkungsgrad her gesehen wünschenswert wäre.
[0012] Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, Kolbenstangen mit einem Aussendurchmesser,
der 25 - 85 %, vorzugsweise 40 - 70 %, des Innendurchmessers des Arbeitszylinders
beträgt, auszubilden.
[0013] Weil Kolbenstangen, entsprechend den obenstehenden Ausführungen, im allgemeinen einen
verhältnismässig grossen Aussendurchmesser haben müssen, sind sie zweckmässig rohrförmig
ausgebildet.
[0014] Die in Ruhestellung gebrachte Krustenbrechvorrichtung für Elektrolysezellen muss
den Brechmeissel aus dem Bereich der Kohlenstoffanoden entfernt haben, damit beim
Anodenwechsel oder anderen Arbeitsgängen an der Elektrolysezelle keine Beschädigungen
entstehen. Dazu hat sich ein Hubbereich des Arbeitszylinders von 400 - 600 mm als
vorteilhaft erwiesen.
[0015] Der aus wirtschaftlichen Gründen (Druckluftverbrauch, Materialverschleiss) im Normalbetrieb
mit reduziertem Druck betriebene Druckluftkreislauf wird von einem Druckreduzierventil
gespeist, das den Netzdruck um 35 - 75 %, vorzugsweise 45 - 55 % reduziert. Der Netzdruck
liegt im allgemeinen bei 6 - 8 bar.
[0016] In der Praxis sind dieses Druckreduzierventil und die übrigen Ventile auf einer gemeinsamen
Grundplatte, zweckmässig auf dem Zylinderkopf des Arbeitszylinders, angeordnet. Dieser
liegt ausserhalb des heissen Bereichs der Zelle und ist von aussen leicht zugänglich.
[0017] In Ruhelage wird der Kolben des Arbeitszylinders auf der positiven Seite bevorzugt
mit reduziertem Netzdruck beaufschlagt, während 'die negative Seite des Arbeitszylinders
entlüftet ist. Der Kolben wird z. B. an einen Anschlag des Zylinderkopfs gedrückt.
Für eine längerfristige Fixierung in der Ruhelage, insbesondere bei der Demontage
der Krustenbrechvorrichtung, kann der Kolben mit einer Verriegelung arretiert werden.
[0018] Im praktischen Betrieb der Elektrolysezelle muss festgestellt werden können, ob der
Brechmeissel die Kruste vollständig durchstossen hat oder nicht. Dazu wird z. B. im
Innenraum des Arbeitszylinders ein mechanisch bzw. pneumatisch betätigbarer Endschalter
angeordnet. Mittels eines elektrischen Stromkreises kann auch der Moment des Eintauchens
des Meissels in den elektrisch leitfähigen, schmelzflüssigen Elektrolyten als Endposition
angezeigt werden.
[0019] In bezug auf das Verfahren zum Betrieb der Vorrichtung wird die Aufgabe erfindungsgemäss
dadurch gelöst, dass der Mikroprozessor in einem ersten einstellbaren Zeitintervall
alternativ
- das in Ruhelage befindliche 3/2-Wegeventil, welches den zwischen dem Zylinderkopf
und dem Kolben liegenden Innenraum des Arbeitszylinders über eine Druckluftleitung
entlüftet, durch einen Ansteuerungsimpuls umsteuert, wodurch der geschlossene Kreislauf
gebildet wird, sowie ggf. den Kolben entriegelt, und
- nach dem Erreichen der Endstellung den Ansteuerungsimpuls für das 3/2-Wegeveritil
aufhebt, sowie ggf. den Kolben verriegelt.
[0020] Erreicht der Brechmeissel der Krustenbrechvorrichtung während eines zweiten einstellbaren
Zeitintervalls die Endstellung nicht, so steuert der Mikroprozessor das 5/2-Wegeventil
mit einem Ansteuerungsimpuls um. Dadurch wird das Druckreduzierventil ausgeschaltet
und der von der Kolbenstange durchgriffene Innenraum des Arbeitszylinders, das positive
Ende, wird über eine Druckluftleitung und das 5/2-Wegeventil entlüftet.
[0021] Das Nichterreichen der Endstellung durch den Meissel heisst, dass die Kruste nicht
durchstossen wird -und deshalb die eingespeiste Tonerde nicht in den Schmelzfluss
gelangt. Durch das Umschalten des 5/2-Wegeventils wird die auf den Meissel durch das
pneumatische Antriebssystem ausgeübte Kraft um ein Mehrfaches erhöht:
- Der auf der negativen Seite des Arbeitszylinders auf den Kolben ausgeübte Druck
wird vergrössert, damit auch die Kraft.
- Durch die Entlüftung der positiven Seite des Arbeitszylinders fällt der Gegendruck
weg, wodurch die auf den Kolben ausgeübte Kraft nochmals erhöht wird.
[0022] Erreicht der Meissel trotz der Umschaltung die Endstellung nicht, so wird durch den
Mikroprozessor kurzfristig hintereinander die Wiederholung der Schlagbewegung ausgelöst,
bis die Kruste durchbrochen ist.
[0023] Zur höchstmöglichen Energieeinsparung kann die Steuerung durch den Mikroprozessor
so eingestellt werden, dass nur im untersten Bereich der Stossbewegung, beispielsweise
in den untersten 100 mm des Hubs, durch Umschaltung des 5/2-Wegeventils die volle
Kraft ausgeübt wird. Bei kurzfristiger Wiederholung der Bewegung mit voller Schlagkraft
wird der Meissel in diesem Fall nur in diesem untersten Hubbereich bewegt und entsprechend
weniger Druckluft verbraucht.
[0024] Bei allen Schaltungsvarianten erfolgt die Rückbewegung zur negativen Seite des Zylinders
stets mit reduziertem Druck. Für das elektropneumatische Antriebssystem beträgt der
dem Speisenetz entnommene Druck üblicherweise 6 - 8 bar, der reduzierte Druck 3 -
4 bar. Das erste einstellbare Zeitintervall für den Normalbetrieb der Vorrichtung
liegt im praktischen Elektrolysebetrieb zweckmässig im Bereich von 1 - 5 Min. Das
zweite einstellbare Zeitintervall für die Auslösung des erhöhten Drucks beträgt das
0 - 3fache des ersten Zeitintervalls. Wenn der Brechmeissel die Endstellung (vollständig
durchstossene Kruste) nicht erreicht, wird vorzugsweise sofort oder nach wenigen Sekunden
auf volle Kraft umgeschaltet. Nach einer andern Variante kann vorerst in kürzeren
Zeitabständen als das erste einstellbare Zeitintervall die Senkbewegung des Brechmeissels
mit reduziertem Druck wiederholt und erst dann auf volle Kraft umgeschaltet werden.
[0025] Es liegt auch im Rahmen der Erfindung, einen geschlossenen Kreislauf, gebildet aus
dem Arbeitszylinder, dem 5/2-Wegeventil, dem 3/2-Wegeventil und den entsprechenden
Druckluftleitungen, einzusetzen, der nicht vom Druckreduzierventil, sondern direkt
vom Abzweiger des Speisenetzes gespeist wird. Dadurch kann die Stosskraft des Antriebssystems
entsprechend erhöht werden. Die maximal mögliche Kraft kann man aber erst erreichen,
wenn nicht nur das Druckreduzierventil ausgeschaltet, sondern zusätzlich die positive
Seite des Arbeitszylinders entlüftet wird. Selbstverständlich ist in diesen Fällen
auch der Druckluftverbrauch entsprechend grösser.
[0026] Die Erfindung wird anhand der Zeichnung näher erläutert. Es zeigen schematisch
- Fig. 1 eine Uebersichtsskizze der elektropneumatischen Steuerung für Arbeitszylinder
für Krustenbrechvorrichtungen von Schmelzflusselektrolysezellen zur Herstellung von
Aluminium
- Fig. 2 einen Schnitt durch den negativen Teil des Arbeitszylinders.
[0027] Aus einem in Industriebetrieben üblichen Druckluftspeisenetz 10 führt eine Rohrabzweigung
12 zu einem Schieber 14, der zweckmässig manuell betätigbar ist. Das Druckluftspeisenetz
10 wird von einem Kompressor betrieben und ist durch einen Druckluftspeicher stabilisiert.
[0028] Vom Schieber 14 führt eine Druckluftleitung 18 zum 5/2-Wegeventil 20. Die aus dem
5/2-Wegeventil austretende Druckluftleitung 22 führt zum 3/2-Wegeventil 24.
[0029] Von der Druckluftleitung 18 zweigt eine Druckluftleitung 26 ab und führt zum Druckreduzierventil
28. Der reduzierte Druck wird über die Druckluftleitung 30 in die Druckluftleitung
22 eingespeist. Die Druckluftleitungen 26 und 30 und das Druckreduzierventil 28 bilden
also einen By-Pass zum 5/2-Wegeventil.
[0030] Vom 3/2-Wegeventil 24 führt eine Druckluftleitung 32 zur negativen Seite des Arbeitszylinders
34, mit anderen Worten zum zwischen dem Zylinderkopf 36 und dem Kolben 38 gebildeten
Hohlraum 40. Der Arbeitszylinder 34 hat einen inneren Durchmesser Dl, die darin mit
einem Hub H axial bewegliche Kolbenstange 42 hat einen Aussendurchmesser D
2.
[0031] Der von der Innenseite des Arbeitszylinders 34, der Kolbenstange 42, den Kolben 38
und den Zylinderfuss 44 begrenzte Innenraum 46 wird als positive Seite des Arbeitszylinders
bezeichnet. Dieser Innenraum 46 ist über eine Druckluftleitung 48 mit dem 5/2-Wegeventil
20 verbunden.
[0032] In Ruhelage des pneumatischen Antriebssystems ist der Innenraum 40 über die Druckluftleitung
32 und das 3/2-Wegeventil 24 über einen Stutzen 50 entlüftet, während der Innenraum
46 unter reduziertem Druck gehalten wird.
[0033] Zu Beginn der Arbeitsphase steuert der Mikroprozessor 16 das 3/2-Wegeventil 24 über
den Anschluss A und ein Betätigungsorgan 68 um, der auf der negativen Seite des Arbeitszylinders
34 liegende Innenraum 40 wird unter reduzierten Druck gesetzt. Muss die Stosskraft
des Arbeitszylinders 34 kurzzeitig erhöht werden, so
- steuert der Mikroprozessor 16 das 5/2-Wegeventil 20 über den Anschluss B und ein
Betätigungsorgan 66 um, das Druckreduzierventil 28 wird geschlossen, und/oder
- der Innenraum 46 wird über die Druckluftleitung 48, das 5/2-Wegeventil 20 und den
Stutzen 52 entlüftet, wodurch kein Druckluftkreislauf mehr gebildet wird.
[0034] Fig. 2 zeigt den oberen Bereich des Arbeitszylinders 34, in welchem der Kolben 38
axial verschiebbar ist. Der Zylinderkopf 36 ist auf ein Rohr mit dem Innendurchmesser
D
1 dichtend aufgesetzt. Im Zylinderkopf 36 ist die Entlüftung 32 ausgespart. Der mit
einem Dichtungsring 54 versehene zylinderförmige Kolbenaufsatz 56 passt in eine entsprechend
ausgeformte Ausnehmung 58 im Zylinderkopf 36. Von dieser Aussparung 58 führt ein Entlüftungskanal
60 nach aussen, wobei dessen Austrittsöffnung mit einem Regelventil 62 eingestellt
werden kann.
[0035] Der Kolben 38 ist mit drei Dichtungsringen 64 versehen. Wegen Material- und Gewichtseinsparung
ist die Kolbenstange 42 mit dem Aussendurchmesser D
2 rohrförmig ausgebildet.
[0036] Die nachfolgenden numerischen Ausführungsbeispiele zeigen den unterschiedlichen Druckluftverbrauch
eines üblichen und eines erfindungsgemässen Arbeitszylinders für den pneumatischen
Antrieb von Krustenbrechern in Elektrolysezellen. Bei der Betrachtung dieser Beispiele
muss berücksichtigt werden, dass die Einsparung in kurzen Intervallen wiederholt wird,
und dass in einer Elektrolysehalle zur Herstellung von Aluminium mehrere Hundert Arbeitszylinder
in Betrieb sind.
Beispiel 1
[0037] Der Arbeitszylinder hat einen Durchmesser D
1 von 200 mm, die Kolbenstange einen Durchmesser D
2 von 50 mm, der Hub H beträgt 500 mm und der Netzdruck p 7 bar. Dieser Arbeitszylinder
wird nach bisher üblichen Verfahren betrieben, d.h. ohne geschlossenen Kreislauf.
Alle aus dem Arbeitszylinder austretende Luft wird abgeblasen.
Luftverbrauch für eine Abwärtsbewegung
[0038]

Luftverbrauch für eine Aufwärtsbewegung
[0039]

[0040] Für eine Ab- und eine Aufwärtsbewegung werden also verbraucht: 425,8 dm
3.
Beispiel 2
[0041] Ein Arbeitszylinder mit einem Innendurchmesser D
1 von 200 mm hat einen Kolben mit rohrförmig ausgebildeter Kolbenstange mit einem Aussendurchmesser
D
2 von 100 mm. Der Hub H beträgt 500 mm, der reduzierte Arbeitsdruck p
red 3,5 bar. Dieser Arbeitszylinder ist in ein erfindungsgemässes elektropneumatisches
Antriebssystem eingebaut. Die Stossbewegung des Zylinders erfolgt im Normalfall mittels
eines geschlossenen Kreislaufs.
Luftverbrauch bei einer Abwärtsbewegung
[0042] - Befüllen der negativen Seite unter Wiederverwendung der Abluft aus dem plusseitigen
Innenraum:

Luftverbrauch für eine Aufwärtsbewegung
[0043]

Total für eine Ab- und eine Aufwärtsbewegung: 109,9 dm3
[0044] Der Druckluft- bzw. Energieverbrauch sinkt damit im Vergleich zur bisherigen Praxis
auf 26 %. Diese Einsparung tritt bei einer normalen Zellenbedienung ein. Durch kurzzeitig
erhöhte Kraft sinkt die Einsparung.
[0045] Die vorgängig berechneten Druckluftverbräuche beziehen sich auf heute grössenordnungsmässig
üblicherweise verwendete Zylinderabmessungen und Druckbereiche im Druckluftnetz.
[0046] In einer Hütte zur Herstellung von Aluminium mit 200 Elektrolysezellen, die je mit
6 Krustenbrechvorrichtungen ausgerüstet sind, beträgt die Drucklufteinsparung pro
Tag bei 3-minütigen Bedienungsintervallen und mit einem reduziertem Druck von 3,5
bar:

1. Aus einem Druckluftnetz mit Kompressor und Druckluftspeicher gespeistes elektropneumatisches
Antriebssystem für Krustenbrechvorrichtungen von Aluminiumschmelzflusselektrolysezellen,
welches aus mindestens einem Arbeitszylinder mit Kolben und Kolbenstange, einem nach
der Netzabzweigung eingebauten Schieber, Ventilen, Druckluftleitungen und einem Mikroprozessor
besteht, gekennzeichnet durch
- ein nach dem Schieber (14) eingebautes 5/2-Wegeventil (20) mit einem durch den Mikroprozessor
(16) über einen Anschluss (B) steuerbaren Betätigungsorgan (66),
- ein über Druckluftleitungen (26,30) parallel zum 5/2 Wegeventil (20) eingebautes
Druckreduzierventil (28),
- ein nach dem 5/2-Wegeventil (20) bzw. dem Druckreduzierventil (28) eingebautes 3/2-Wegeventil
(24) mit einem durch den Mikroprozessor (16) über einen Anschluss (A) steuerbaren
Betätigungsorgan (68),
- einen Arbeitszylinder (34), der über entlüftbare Druckluftleitungen (32, 48), auf
der Seite von dessen Zylinderkopf (36) - der negativen Seite - mit dem 3/2-Wegeventil
(24) und auf der anderen, von der Kolbenstange (42) durchgriffenen Seite - der positiven
Seite - mit dem 5/2-Wegeventil (20) verbunden ist,
- einen im Arbeitszylinder (34) axial bewegbaren Kolben (38) mit einer einen verhältnismässig
grossen Aussendurchmesser (D2) aufweisenden Kolbenstange (42), die mit dem Brechmeissel für die Kruste verbunden
ist, und
- eine das Ende der Stossbewegung des elektropneumatischen Antriebssystems anzeigende
Vorrichtung, die über einen Anschluss (C) mit dem Mikroprozessor (16) verbunden ist,
wobei der Arbeitszylinder (34) im normalen Arbeitszyklus während der Stossbewegung
mit dem 5/2-Wegeventil (20), dem 3/2-Wegeventil (24) und den entsprechenden Druckluftleitungen
(48,22,32) einen über Druckreduzierventil (28) und dessen Druckluftleitung (30) gespeisten
Kreislauf bildet.
2. Elektropneumatisches Antriebssystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass
die Entlüftungsstutzen (50,52) des 5/2-Wegeventils (20) und/oder des 3/2-Wegeventils
(24) verlängert sind und im Bereich der Dosiervorrichtung in den konischen Bereich
von Tonerdesilos auf der Schmelzflusselektrolysezelle zur Herstellung von Aluminium
münden.
3. Elektropneumatisches Antriebssystem nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
dass der Aussendurchmesser (D2) der Kolbenstange (42) 25 - 85 %, vorzugsweise 40 - 70 %, des Innendurchmessers (D1) des Arbeitszylinders (34), und der Hub (H) 400 - 600 mm beträgt.
4. Elektropneumatisches Antriebssystem nach mindestens einem der Ansprüche 1 - 3,
dadurch gekennzeichnet, dass die Kolbenstange (42) rohrförmig ausgebildet ist.
5. Elektropneumatisches Antriebssystem nach mindestens einem der Ansprüche 1 - 4,
dadurch gekennzeichnet, dass das Druckreduzierventil (28) für eine Reduktion des pneumatischen
Druckes von 35 - 75 %, vorzugsweise 45 - 55 %, ausgestaltet ist.
6. Elektropneumatisches Antriebssystem nach mindestens einem der Ansprüche 1 - 5,
dadurch gekennzeichnet, dass die Ventile wenigstens teilweise auf einer gemeinsamen
Grundplatte, vorzugweise auf dem Kopf (36) des Arbeitszylinders (34) angeordnet sind.
7. Elektropneumatisches Antriebssystem nach mindestens einem der Ansprüche 1 - 6,
dadurch gekennzeichnet, dass der Kolben (38) in Ruhelage durch eine im Arbeitszylinder
(34) angeordnete Verriegelung arretiert ist.
8. Elektropneumatisches Antriebssystem nach mindestens einem der Ansprüche 1 - 7,
dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung zur Anzeige der beendigten Stossbewegung
im Innenraum (46) des Arbeitszylinders (34) ein mechanisch bzw. pneumatisch betätigbarer
Endschalter oder ein im Moment des Eintauchens des Brechmeissels in den Schmelzfluss
geschlossener elektrischer Stromkreis mit üblichen Messgeräten ist.
9. Verfahren zum Betrieb der Vorrichtung nach mindestens einem der Ansprüche 1 - 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Mikroprozessor in einem ersten einstellbaren Zeitintervall alternativ
- das in Ruhelage befindliche 3/2-Wegeventil (24) welches den zwischen dem Zylinderkopf
(36) und dem Kolben (38) liegenden Innenraum (40) des Arbeitszylinders (34) über eine
Druckluftleitung (32) entlüftet, durch einen Ansteuerungsimpuls umsteuert, wodurch
der geschlossene Kreislauf gebildet wird, sowie ggf. den Kolben (38) entriegelt, und
- nach dem Erreichen der Endstellung den Ansteuerungsimpuls für das 3/2-Wegeventil
(24) aufhebt sowie ggf. den Kolben verriegelt.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass beim Nichterreichen der
Endstellung während eines zweiten einstellbaren Zeitintervalls der Mikroprozessor
das 5/2-Wegeventil (20) mit einem Ansteuerungsimpuls umsteuert, wodurch das Druckreduzierventil
(28) ausgeschaltet und der von der Kolbenstange (42) durchgriffene Innenraum (46)
des Arbeitszylinders (34) über eine Druckluftleitung (48) und das 5/2-Wegeventil (20)
entlüftet wird.
11. Verfahren nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, dass der Druck des
Speisenetzes 6 - 8 bar, der reduzierte Druck 3 - 4 bar, das erste einstellbare Zeitintervall
bei 0,5 - 5 Min. und/oder das zweite einstellbare Zeitintervall das 0 - 3fache des
ersten einstellbaren Zeitintervalls beträgt.
12. Verfahren nach Anspruch 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, dass beim Nichterreichen
der Endstellung die Umschaltung des 5/2-Wegeventils (20) kurzfristig wiederholt wird,
bis der Durchbruch erfolgt.
13. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 10 - 12, dadurch gekennzeichnet,
dass sich der Kolben (38) durch Umschalten des 5/2-Wegeventils (20) nur im untersten
Hubbereich, vorzugsweise den untersten 100 mm, bewegt.
14. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 9 - 13, dadurch gekennzeichnet,
dass die Stossbewegung des Antriebssystems mit einem geschlossenen Kreislauf, gebildet
aus dem Arbeitszylinder (34), einem 5/2-Wegeventil (20), einem 3/2-Wegeventil (24)
und den entsprechenden Druckluftleitungen (48,22,32), ausgeführt wird.