[0001] Gegenstand der Erfindung ist eine hydraulisch angetriebene, vertikal arbeitende Presse
zum Verdichten von in Behältern befindlichen festen Abfällen, bestehend aus einem
Rahmen mit ortsfestem Tisch- und Kopfstück, einem Preßzylinder, einem in diesem geführten
Preßkolben mit daran befestigtem Stempel, einer Kolbenstange und einer heb- und senkbaren,
aus einem Rohr bestehenden Preßkammer, die im Rahmen geführt ist.
[0002] Hydraulische Pressen werden zunehmend für die Volumenreduzierung fester Abfälle,
die in Blechbehältern oder Blechfässern eingelagert sind, verwendet. Dabei handelt
es sich häufig um Sonderabfälle, die in der chemischen Industrie, in Forschungsinstituten
und in Krankenhäusern anfallen. Insbesondere fester radioaktiv kontaminierter Sondermüll,
der vor allem in kerntechnischen Anlagen anfällt, muß vor dem weiteren Konditionieren,
zusätzlichen Verpacken und Deponieren kompaktiert werden. Das erfolgt oft durch Zusammenpressen
von mit den Abfällen gefüllten verschlossenen 100 1-Blechfässern zu tablettenähnlichen
"Kompakts", die ihrerseits in größeren Deponiefässern z.B. in 200 1-Blechfässern untergebracht
werden. Dieses Kompaktieren wird meist mit hydraulischen Hochdruckpressen ausgeführt.
[0003] In der D
E-OS 26 59 691 wird eine hydraulisch ange-
triebene, vertikal arbeitende Presse zum Verdichten von in Behältern befindlichen radioaktiven
Abfällen beschrieben, die aus einem ortsfesten Tisch- und Kopfstück, einem Preßzylinder
mit Preßkolben und daran befestigtem Stempel gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs
1 besteht. Diese Presse besitzt aber aufgrund ihrer konstruktiven Gestaltung ein sehr
hohes Eigengewicht und einen sehr großen Raumhöhen- und Flächenbedarf. Dadurch wird
ein mobiler Einsatz dieser Presse weitgehend verhindert, und die Unterbringung derartiger
Pressen gestaltet sich wegen der benötigten Räumlichkeiten, die aus Sicherheits-und
Kontaminationsgründen ohnehin teuer sind, besonders aufwendig. Nachteilig sind weiterhin
Aufstellung, Wartung und Dekontamination derart großer Pressen, sowie die erforderlichen
zusätzlichen Schutzvorkehrungen, wie z. B. gegen Kontamination des Bedienungspersonals.
[0004] Der vorliegenden Erfindung lag daher die Aufgabe zugrunde, eine hydraulisch angetriebene,
vertikal arbeitende Presse zum Verdichten von in Behältern befindlichen festen Abfällen
zu schaffen, bestehend aus einem Rahmen mit ortsfestem Tisch- und Kopfstück, einem
Preßzylinder, einem in diesem geführten Presskolben mit daran befestigtem Stempel,
einer Kolbenstange und einer heb- und senkbaren, aus einem Rohr bestehenden Preßkammer,
die im Rahmen geführt ist, die ein geringes Eigengewicht aufweist, einen geringen
Raumhöhen- und Flächenbedarf besitzt, wartungsarm ausgebildet ist und ein sicheres
Arbeiten ohne Gefährdung des Bedienungspersonals sicherstellt.
[0005] Diese Aufgabe wurde erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß der Preßzylinder den Rahmen
bildet, an dessen Kopfstück ortsfest die Kolbenstange befestigt ist, daß die Preßkammer
im Preßzylinder und der Preßstempel in der Preßkammer geführt ist, und daß der Presszylinder
in der unteren Hälfte mindestens eine Beschickungs- und Entleerungsöffnung aufweist.
Vorzugsweise ist der Preßzylinder mit Verstärkungsrippen versehen.
[0006] Anhand der schematischen Abbildungen I bis VII wird die erfindungsgemäße Hochdruckpresse
in einer beispielhaften Ausführungsform näher erläutert. Es bedeuten dabei
[0007]

Der als Bodenplatte gestaltete Tisch (2) der hydraulischen Presse ist mit dem Kopfstück
(3) mittels des
Preßzylinders (1) kraftschlüssig verbunden. Der Presszylinder (1) kann ein oder zwei
Beschickungsöffnungen (27) für den Preßraum (25) aufweisen, in der sich ein mit Abfall
gefülltes Blechfaß (26) befindet, welches zu einem tablettenförmigen "Kompakt" gepreßt
werden soll. Die Beschickungsöffnungen (27) können mit einer Öffnungsquerversteifung
(22) versehen und seitlich durch Führungsverstärkungen (17) begrenzt sein. Der Preßzylinder
(1) kann aus Gußeisen, Gußstahl oder einem anderen geeigneten Material bestehen. Die
Wanddicke des Preßzylinders (1) ist dem Preßdruck entsprechend ausgelegt. Das Kopfstück
(3) ist mit einer Kolbenstange (10) durch eine Gewindemutter (11) fest verbunden.
Über Hydraulikaggregatanschlüsse (28) führen Hydraulikleitungen (29) durch das Kopfstück
(3) in eine Hydraulikkammer (30). Beim Preßvorgang drückt die Hydraulikflüssigkeit
auf den Kolbendeckel (8), an dem der Preßkolben (6) mit dem Preßkolbenboden (7) befestigt
ist. Dabei wird der Preßkolben (6) über den Kolbendeckel (8) entlang der Kolbenstange
(10) innen geführt und außerdem über den mit Dichtungselementen (12) und Führungselementen
(23) ausgestatteten Kolbendeckel (8) an der Innenseite des Preßzylinders (1) geführt
und gestützt. Weiterhin wird der Preßkolben (6) am Führungsring (34) einer am Preßkolbenboden
(7) befestigten Druckplatte (15) in einer Preßkammer (4) geführt, die den Preßraum
(25) bildet. Die Preßkammer (4) wird axial mittels der Hydraulik-Hilfszylinder (13)
bewegt. Ihrerseits wird die Preßkammer (4) oben über einen Stützring (5) und unten
über Lager (14) der am Preßzylinder (1) befindlichen Führungsverstärkungen (17) jeweils
im Preßzylinder (1) geführt bzw. gestützt (Abb. VII). Durch die jeweils doppelte Führung
des Preßkolbens (6) und der Preßkammer (4), die auch die seitlich auftretenden Preßkräfte
beim Kompaktieren des Preßgutes aufnehmen muß, und der jeweils lang gewählten Führungsabstände
"C" und "D" ist ein Verkanten des Preßkolbens (6) ausgeschlossen. Durch seine Stützfunktion
verhindert der Stützring (5) ein Einschnüren des Preßzylinders (1) im unteren Bereich
der Beschickungsöffnungen (27).
[0008] Als günstig hat es sich erwiesen, wenn sowohl der
Führungsabstand "C" zwischen dem Kolbendeckel (8) und dem Führungsring (34) einer am
Kolbenboden (7) des Preßkolbens (6) angeordneten Druckplatte (15) als auch der Führungsabstand
"D" zwischen Stützring (5) und den Lagern (14) größer ist als der äußere Durchmesser
des Preßzylinders (1).
[0009] Für manche Fälle ist es von Vorteil, wenn die Hydraulikkammer (30) mit dem Ringraum
(31), der vom Presskolben (6) und der Kolbenstange (10) begrenzt wird, verbunden ist.
Der Ringraum (31) wirkt somit als zusätzlicher Preßzylinder, so daß die hydraulisch
wirksame Gesamtkolbenfläche nunmehr aus dem Kolbendeckel (8) plus Kolbenboden (7)
besteht. Dadurch ergibt sich ein niedriger Betriebsdruck bei maximaler Preßkraft.
Es ist auch möglich, auf die Kolbenstange (10) zu verzichten (Abb. III b), insbesondere
bei kleineren Pressen.
[0010] Die an der Unterseite des Kolbenbodens (7) in Richtung des Preßgutes befestigte Druckplatte
(15) ist zweckmäßigerweise gewölbt. Ein entsprechend geformtes Auflager (20) ist auf
dem Tisch (2) angebracht. Die dadurch bewirkte partiell größere Verdichtung des Kompakts
in seiner Achsennähe verringert sein Auseinandergehen nach dem Kompaktiervorgang.
Die untere Innenwand der Preßkammer (4) ist mit einem auswechselbaren, gehärteten
Verschleißeinsatz (21) ausgekleidet.
[0011] Der
Verschleißeinsatz (21) ist zweckmäßig leicht konisch ausgebildet, um das Abziehen der
Preßkammer (4) vom Kompakt (33) zu erleichtern. Die Höhe des
Verschleißeinsatzes (21) ist so bemessen, daß er den Seitendruck während des Preß-
bzw. Kompaktierungsvorganges abfangen kann.
[0012] Die Druckplatte (15) und das Auflager (20) können zweckmäßigerweise ebenfalls aus
auswechselbarem, verschleißarmen Material hergestellt sein. Es ist jedoch aber auch
möglich, das Auflager (20) so in den Tisch (2) einzufügen, daß die ebene Oberkante
des Auflagers (20) mit der Oberkante des Tisches (2) übereinstimmt.
[0013] An der Presse sind Perforationsvorrichtungen (18) zu Erzeugung von Entlüftungslöchern
in den noch nicht kompaktierten Fässern (26) angeordnet. Die Fässer (26) können über
Rollen oder Gleitbleche (16) in die
Press- position gebracht werden.
[0014] In manchen Fällen ist es günstig, wenn der Preßzylinder (1) mit Verstärkungsrippen
(9) versehen ist. Diese können z. B. angeschweißt oder angegossen sein. Auch hat es
sich - vor allem aus Montage- und Wartungsgründen - als vorteilhaft herausgestellt,
wenn der Preßzylinder (1) mit dem Tisch (2) und dem Kopfstück (3) durch Schrauben
(19) verbunden ist.
[0015] Die Beschickungsöffnungen (27) können gegebenenfalls mit einer Absaugung ausgestattet
sein, die nach dem Heben der Preßkammer (4) im Anschluß an die vollzogene Kompaktierung
eventuell vorhandene Kontamination entfernt.
[0016] Ergänzend zur vorstehenden Beschreibung soll nachstehend der Preßvorgang mittels
der erfindungsgemäßen Presse erläutert werden. Nachdem das mit Abfall gefüllte Faß
(26) in die Preßposition gebracht und danach die Preßkammer (4) abgesenkt wurde, wird
der Preß- bzw. Kompaktierungsvorgang durch Öffnen des Hydraulikanschlusses (32) und
Fluten der Hydraulikkammer (30) mit Hydrauliköl über die Anschlüsse (28) und die Kanäle
(29) eingeleitet. Zur Optimierung der Taktzeit wird die Flutung mit einem hohen Volumenstrom
bei niedrigem Druck begonnen. Mit steigendem
Preßwiderstand erhöht sich der Hydraulikdruck automatisch bis zum Erreichen des maximalen
Betriebsdruckes. Das Öl entweicht aus dem Raum über den Anschluß (32), der Preßkolben
(6) taucht in die Presskammer (25) ein und kompaktiert das Faß (26) zu einem tablettenartigen
Kompakt (33).
[0017] Nach dem Preßvorgang wird vor dem Hochfahren des Preßkolbens (6) der Hydraulikanschluß
(28) verschlossen. Mit den Hilfszylindern (13) wird die Preßkammer (4) hochgefahren
und der Kompakt (33) freigegeben und ausgebracht.
[0018] Nach dem Anstoßen des Stützringes (5) an den Kolbendeckel (8-) und dem Entriegeln
der Hydraulikanschlüsse (28, 32) können die Preßkammern (4) und der Preßkolben (6)
mittels der Hilfszylinder (13) wieder in die Ausgangs- bzw. Beladeposition gefahren
werden. Das kann entweder durch Abpumpen der Hydraulikkammer (30) gemäß Abbildung
III b oder durch Fluten des Raumes (31) gemäß Abbildung III a erfolgen.
[0019] Durch die erfindungsgemäße Presse werden Gewicht, Raumhöhen- und Flächenbedarf stark
reduziert, da der Preßzylinder (1) gegenüber Zwei- und Viersäulenständerkonstruktionen
vergleichbarer anderer hydraulischer Pressen auch eine günstigere Auslegung von Tisch
(2) und Kopfstück (3) erlaubt und also auch einen mobilen Einsatz bequem ermöglicht.
Diese Vorteile werden an einer erfindungsgemäßen Hochdruckpresse mit einer Preßkraft
von 16.000 KN gegenüber einer Viersäulenständerpresse vergleichbarer Presskraft verdeutlicht:
Gewicht von nur ca. 17 t gegenüber ca. 35 t, Verringerung der Bauhöhe um ca. 30 %,
Verringerung der Grundfläche um den Divisor 1,5.
[0020] Der Preßzylinder (1) stellt zudem gemeinsam mit der in Preßposition befindlichen
Preßkammer (4) nach außen ein wirksames abgeschlossenes Containment gegenüber dem
zu verpressenden Gut dar und bietet somit zusätzlich einen hervorragenden Kontaminationsschutz
für das Bedienungspersonal. Die erfindungsgemäße Presse ist fernbedienbar und kann
wartungsarm in Heißen Zellen und ähnlichen Räumen günstig eingesetzt werden.
[0021] Die erfindüngsgemäße Presse ist durch Anpassung des Preßkolbens (6) und der Preßkammer
(4) unter ersr=en- dung eines Adapters für das Kompaktieren von unterschiedlich dimensioniertem
Preßgut einsetzbar.
1. Hydraulisch angetriebene, vertikal arbeitende Presse zum Verdichten von in Behältern
befindlichen festen Abfällen, bestehend aus einem Rahmen mit ortsfestem Tisch- und
Kopfstück, einem Preßzylinder, einem in diesem geführten Presskolben mit daran befestigtem
Stempel, einer Kolbenstange und einer heb- und senkbaren, aus einem Rohr bestehenden
Preßkammer, die im Rahmen geführt ist,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Preßzylinder (1) den Rahmen bildet, an dessen Kopfstück (3) ortsfest die Kolbenstange
(10) befestigt ist, daß die Preßkammer (4) im Preßzylinder (1) und der Preßstempel
(6, 7, 15) in der Preßkammer (4) geführt ist, und daß der Preßzylinder (l) in der
unteren Hälfte mindestens eine Beschickungs- und Entleerungsöffnung (27) aufweist.
2. Hydraulisch angetriebene Presse nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Preßzylinder (1) mit Verstärkungsrippen (9) versehen ist.