[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum gefahrlosen Ausbringen von
Tropfen über ein Spritzsystem, wie Spritzdüse, Sprühdüse oder Rotationszerstäuber
aus einem über mindestens einen Hochspannungsgenerator aufgeladenen Flüssigkeitsvolumen.
[0002] Das Aufbringen von Pflanzenbehandlungsmitteln erfolgt in der Regel durch Erzeugen
eines Tropfenspektrums im Bereich von 150 bis 600
/um und anschließendes Ablagern dieser Tropfen unter Ausnutzung sowohl der dem Tropfen
in der Zerteileinrichtung mitgegebenen kinetischen Energie als auch der Schwerkraft.
Die Ablagerung der Tropfen erfolgt auf der Oberseite und bevorzugt auf den der Spritz-
und Sprüheinrichtung am nächsten liegenden Blattflächen.
[0003] Der aus Gründen der Wirtschaftlichkeit geforderten Verminderung der Flüssigkeitsmenge
je Flächeneinheit sind Grenzen gesetzt; einerseits dadurch, daß zur Erhaltung der
Wirksamkeit beispielsweise eines Pflanzenschutzmittels eine Mindestzahl von Tropfen
pro cm
2 Pflanzenoberfläche aufgebracht werden muß und andererseits dadurch, daß eine Verkleinerung
des Tropfendurchmessers die Verluste durch Abtrift erhöht.
[0004] Ähnlich der elektrostatischen Pulverlackierung wird daher seit langem versucht, die
Anlagerung von Tröpfchen durch Anwendung elektrischer Kräfte zu verbessern. Diese
Technik verspricht gegenüber der heute üblichen Praxis die folgenden Vorteile:
- durch elektrische Kraftwirkungen wird die Gleichmäßigkeit der Verteilung von Tropfen
beispielsweise in einem Pflanzenbewuchs entscheidend verbessert; die Anlagerung erfolgt
nicht nur auf den Oberseiten der der Spritz- und Sprüheinrichtung benachbarten Blattoberfläche,
sondern auch auf der Oberseite tiefer gelegener Blattberflächen und sogar in geringerem
Maß auf der Unterseite von Blättern.
- da die elektrischen Kraftwirkungen die Anlagerung besonders der kleinen Tropfen
verbessern und damit die Verluste durch Abtrift vermindern, wird es möglich, Tropfenspektren
im Bereich von 30 bis 100 /um gezielt aufzubringen; dies bedeutet eine erhebliche Verminderung der aufzuwendenden
Flüssigkeitsmenge je Flächeneinheit und gleichzeitig wegen der gezielten Aufbringung
eine Verminderung der Umweltbelastung. Wirkstoffeinsparungen sind bei den einzelnen
Indikationen im Pflanzenschutz denkbar, vgl. hierzu E. Moser, K. Schmidt u.a. "Besserer
Pflanzenschutz mit elektrostatischer Aufladung", DLG-Mitteilungen 8/1982.
[0005] Im Gegensatz zur elektrostatischen Pulverbeschichtung in Lackieranlagen muß der Spritz-
und Sprühvorgang in der Landwirtschaft unter wechselnden und nicht immer optimalen
Spritz- und Sprühbedingungen erfolgen. Ursachen sind der mit dem Wassergehalt der
Pflanzen und des Bodens veränderliche Erdableitwiderstand der zu beschichtenden Blätter,
die mit der Geometrie der Pflanzen sich ändernde Beeinflussung des elektrischen Feldes
in der Umgebung der Spritz- und Sprüheinrichtung und die durch unterschiedliche Wirkstoffe
bedingte Änderung der Leitfähigkeit der zu verspritzenden und versprühenden Flüssigkeit.
Einer der Hauptgründe für die Schwierigkeiten beim Einsatz der elektrostatischen Spritzung
und Versprühung wäßriger und damit elektrisch leitfähiger Flüssigkeiten liegt darin,
daß die im Spritzsystem und im Behälter gespeicherte elektrische Energie bei entsprechend
hoher Spannung und elektrischer Kapazität so groß sein kann, daß das Berühren von
unter Spannung stehenden Teilen für den Menschen gefährlich ist.
[0006] Zur Überwindung dieser Schwierigkeiten sind bisher die folgenden Wege beschritten
worden:
- Die zu verspritzende bzw. zu versprühende Flüssigkeit ist im Behälter nicht geladen;
die Tröpfchen werden am Ort der Erzeugung durch eine geeignete Anordnung von Elektroden
durch Anlagern von Ionen geladen. Vorteil des Verfahrens ist seine Anwendbarkeit auch
für leitfähige Flüssigkeiten unabhängig von der Größe des Vorratsbehälters; Nachteil
ist die verfahrensbedingte niedrige Aufladespannung und die Art der Aufladung, die
zusammen nur eine geringe Verbesserung der Tropfenanlagerung gegenüber dem Spritzen
ohne Einsatz elektrischer Kräfte bewirken.
- die Auffüllung des mit dem Spritzsystem verbundenen Behälters erfolgt aus einem
Vorratsbehälter über ein Zwischenbehältersystem. Dabei liegt der Zwischenbehälter
spannungsseitig während seiner Befüllung wie der Vorratsbehälter auf Erdpotential
und wird vor der Entleerung in den mit dem Spritzsystem verbundenen Behälter auf dessen
Potential gebracht. Vorteil des Verfahrens ist seine Anwendbarkeit auch für leitfähige
Flüssigkeiten unabhängig von der Größe des Behälters; Nachteil ist der erhebliche
finanzielle und räumliche Aufwand für das Zwischenbehältersystem.
- die zu verspritzende und versprühende leitfähige Flüssigkeit liegt an Hochspannung;
zur Vermeidung sicherheitstechnischer Probleme wird die elektrische Kapazität des
Gesamtsystems und damit das Fassungsvermögen des Behälters klein gehalten. Vorteil
des zuletzt genannten Geräts ist der einfache, sicherheitstechnisch unbedenkliche
Aufbau; Nachteil ist die Beschränkung in der Behältergröße, die den Einsatz in der
Erwerbslandwirtschaft auf Bodengeräten verbietet.
[0007] Es war daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, bei Beibehaltung der als besonders
geeignet erkannten Kontaktaufladung eine Vorrichtung zum gefahrlosen Verspritzen oder
Versprühen elektrostatisch aufgeladener Tröpfchen zu konstruieren, wobei die im Behälter
verfügbare Flüssigkeitsmenge ausreichend groß ist, um einen wirtschaftlichen Einsatz
auf Bodengeräten in der Landwirtschaft oder anderen Spritzeinrichtungen großer Kapazität
zu ermöglichen.
[0008] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß
a) das gesamte unter Hochspannung stehende Flüssigkeitsvölumen von einem Behälter
aus elektrisch hoch isolierendem Material und einer oder mehreren Zuleitungen aus
elektrisch hoch isolierendem Material umgrenzt ist,
b) der aus elektrisch hoch isolierendem Material bestehende Behälter und die Zuleitungen
außen von einer leitfähigen oder nichtaufladbaren, geerdeten Umhüllung umgeben sind,
welche elektrische Kraftwirkungen auf Personen oder andere benachbarte Anlagenteile
verhindert.
[0009] Bevorzugt wird das Flüssigkeitsvolumen durch einen oder mehrere im Behälter integrierte
Hochspannungsgeneratoren aufgeladen.
[0010] Verschlüsse, Schlauchanschlüsse und Verbindungselemente sind vorteilhaft so beschaffen,
daß sie beim öffnen oder Lösen automatisch zur Abschaltung der Spannungsversorgung
führen.
[0011] Erfindungsgemäß ist das Spritzsystem in einem elektrisch leitfähigen oder nichtaufladbaren,
isoliert montierten Schirm integriert.
[0012] Erforderlichenfalls kann zusätzlich Flüssigkeit aus einem vorzugsweise drucklos zu
betreibenden Zusatzbehälter in Spritzpausen in den Behälter geleitet werden.
[0013] Mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung gelingt es, mittels der als besonders geeignet
erkannten Kontaktaufladung Flüssigkeitstropfen elektrisch aufzuladen und über ein
Spritz- oder Sprühsystem gefahrlos aus einem Behälter zu verspritzen- oder versprühen,
ohne daß Beschränkungen in der Größe des Behälters bestehen, ohne daß räumliche oder
finanzielle Aufwendungen für Zwischenbehälter erforderlich sind, oder daß die Funktionsfähigkeit
an bestimmte eng begrenzte Leitfähigkeitsbereiche der zu verspritzenden Flüssigkeit
gebunden ist.
[0014] Die erfindungsgemäße Vorrichtung wird bevorzugt benutzt zur Ausbringung von Pflanzenbehandlungsmitteln.
Der Einsatz der erfindungsgemäßen Vorrichtung auf Bodengeräten in der Landwirtschaft
bietet als zusätzliche Vorteile:
a) keine vorrichtungsbedingte Beschränkung der Anwendung in der Spritzbreite oder
in der Spritzhöhe,
b) keine vorrichtungsbedingte Beschränkung bei besonders dichtem Pflanzenbewuchs,
da der Teilchentransport durch Kombination aus Massenkraft und elektrischer Kraft
bewirkt wird,
c) gegenüber der Ausbringung mit Handgeräten keine Abscheidung von Tropfen auf der
mit der Ausbringung befaßten Person.
[0015] Die erfindungsgemäße Vorrichtung kann weiterhin zum Beschichten von Papier- und Folienbahnen
und zum Lackieren metallischer, oder leitfähiger Gegenstände mit leitfähigen Beschichtungen
verwendet werden.
[0016] Die Erfindung wird nachstehend anhand der Zeichnungen näher erläutert:
[0017] Es zeigen
Figur 1 den Querschnitt durch den Behäler mit allen wesentlichen Bauteilen
Figur 2 den Querschnitt durch Zuleitung und Düse als Spritzsystem mit allen wesentlichen
Bauteilen
Figur 3 den Querschnitt durch Zuleitung und Rotationszerstäuber als Spritzsystem mit
allen wesentlichen Bauteilen
Figur 4 eine schematische Übersicht der Gesamtanlage
[0018] In den Zeichnungen sind die leitfähigen oder nichtaufladbaren Teile der Vorrichtungsteile
von links unten nach rechts oben und die nichtleitfähigen Teile von links oben nach
rechts unten schraffiert.
[0019] Die Flüssigkeit 2 wird über einen Verschluß 5 in den aus elektrisch hochisolierendem
Material gefertigten Behälter 1 gefüllt. Dieser Behälter 1 ist auf seiner Außenseite
von einer leitfähigen oder halbleitfähigen, mit der Masse eines Bodengeräts oder mit
Erdpotential verbundenen Umhüllung 3 umgeben. Mit einem solchen Aufbau ist es möglich,
die zu verspritzende Flüssigkeit 2 unabhängig von ihrer elektrischen Leitfähigkeit
elektrostatisch optimal aufzuladen, ohne daß unerwünschte Kraftwirkungen von den Außenwänden
des Behälters 1 aus wirksam werden können.
[0020] Besonders vorteilhaft ist es, die Aufladung der Flüssigkeit mittels eines oder mehrerer
im Behälter 1 integrierter Hochspannungsgeneratoren 4 vorzunehmen, die ihre Versorgungsspannung
beispielsweise aus der Batterie des Bodengeräts oder einer anderen Spannungsquelle
erhalten. Die Wandstärke des Behälters 1 und die Hochspannungsgeneratoren 4 sind so
ausgelegt, daß an der Flüssigkeit 2 Hochspannung vorzugsweise zwischen 20 und 100
kV regelbar erzeugt werden kann, wobei der Maximalstrom einen einstellbaren Grenzwert
nicht übersteigt. Dies hat den Vorteil, daß die Aufladung der Tröpfchen und die Anpassung
an die optimalen Spritzbedingungen ohne jede Hochspannungsverkabelung erreicht werden
kann.
[0021] Einfach und sicher ist die Maßnahme, den Verschluß 5, die Schlauchanschlüsse 6 zu
den Spritzeinrichtungen wie z.B. Düse 11 und Rotationszerstäuber 12, und die Verbindungselemente
7 an den Spritzeinrichtungen 11, 12 so zu gestalten, daß öffnen des Füllstutzens 5
bzw. Lockern der Schlauchanschlüsse 6 und der Verbindungselemente 7 zum automatischen
Abschalten der Hochspannung führen. Diese Abschaltung der Hochspannung wird dadurch
erreicht, daß beim Lockern der Schlauchanschlüsse 6 oder der Verbindungselemente 7
die Dichtwirkung einer Dichtung 10 aufgehoben wird und durchfließende Flüssigkeit
einen Kurzschluß zur Umhüllung 3 verursacht.
[0022] In Verbindung mit den integrierten Hochspannungsgeneratoren 4 und der leitfähigen
oder halbleitfähigen, geerdeten Umhüllung 3 wird so sichergestellt, daß auch unsachgemäßes
Hantieren an dem unter Spannung stehenden System gefahrlos ist.
[0023] Das Prinzip der leitfähigen oder halbleitfähigen, geerdeten Umhüllung 3 wird auch
an den Zuleitungen 8 zwischen Behälter 1 und dem Spritz- oder Sprühsystem angewandt.
[0024] Berührungsschutz an den Spritz- oder Sprüheinrichtungen wird durch einen leitfähigen
oder halbleitfähigen, isoliert montierten Schirm 9 erreicht. Der besondere Vorteil
dieses Schirms 9 besteht darin, daß er - durch Influenz vom Spritz- oder Sprühsystem
aufgeladen - die elektrischen Kraftwirkungen zum Transport der geladenen Tröpfchen
zum Zielobjekt verstärkt. Die elektrische Kapazität dieses Berührungsschutzes ist
erfindungsgemäß so gering, daß ein Berühren auch im aufgeladenen Zustand völlig ungefährlich
ist.
[0025] Besonders einfach und vorteilhaft kann die Menge der zu verspritzenden Flüssigkeit
im System vergrößert werden, wenn aus einem Zusatzbehälter 13 Flüssigkeit dem Behälter
1 zugeführt wird. Dies kann ohne zusätzliche Schutzmaßnahme dadurch erreicht werden,
daß, von dem Regelgerät 14 automatisch gesteuert, in den Spritzpausen, beispielsweise
beim Wechseln der Bearbeitungsreihen oder beim Vorrücken des Werkstücks, elektrisch
nicht aufgeladene Flüssigkeit aus dem geerdeten Zusatzbehälter in das Spritz-oder
Sprühsystem gefördert wird, wobei sich während dieses kurzzeitigen Auffüllens die
Hochspannung automatisch abschaltet.
1. Vorrichtung zum gefahrlosen Ausbringen von Tropfen über ein Spritzsystem, wie Spritzdüse,
Sprühdüse oder Rotationszerstäuber, aus einem über mindestens einen Hochspannungsgenerator
aufgeladenen Flüssigkeitsvolumen, dadurch gekennzeichnet, daß
a) das gesamte unter Hochspannung stehende Flüssigkeitsvolumen von einem Behälter
(1) aus elektrisch hoch isolierendem Material und einer oder mehreren Zuleitungen
(8) aus elektrisch hoch isolierendem Material umgrenzt ist, und
b) der aus elektrisch hoch isolierendem Material bestehende Behälter (1) und die Zuleitungen
(8) außen von einer leitfähigen oder nichtaufladbaren, geerdeten Umhüllung (3) umgeben
sind, welche elektrische Kraftwirkungen auf Personen oder andere benachbarte Anlagenteile
verhindert.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch einen oder mehrere im Behälter
(1) integrierte Hochspannungsgeneratoren (4).
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 bis 2, dadurch gekennzeichnet, daß einer oder mehrere
Verschlüsse (5), einer oder mehrere Schlauchanschlüsse (6) und ein oder mehrere Verbindungselemente
(7) so beschaffen sind, daß sie beim öffnen oder Lösen automatisch zur Abschaltung
der Spannungsversorgung führen.
4. Vorrichtung nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Spritzsystem
(11, 12) in einen elektrisch leitfähigen oder nichtaufladbaren, isoliert montierten
Schirm (9) integriert ist.
5. Vorrichtung nach Anspruch 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß zusätzliche Flüssigkeit
aus einem vorzugsweise drucklos zu betreibenden Zusatzbehälter (13), von einem Regelgerät
(14) automatisch gesteuert, in Spritzpausen in den Behälter (1) geleitet werden kann.
6. Verwendung der Vorrichtung gemäß den Ansprüchen 1 bis 5 zum Ausbringen von Pflanzenbehandlungsmitteln
in wäßriger oder nichtwäßriger Spritzbrühe.
7. Verwendung der Vorrichtung gemäß den Ansprüchen 1 bis 5 zum Beschichten von Papier-
oder Folienbahnen.
8. Verwendung der Vorrichtung gemäß den Ansprüchen 1 bis 5 zum Lackieren von Gegenständen
mit Wasserlacken oder anderen leitfähigen Flüssigkeiten.