[0001] Gegenstand der Erfindung ist die Entfernung von SO
2 aus SO
2-haltigen Gasen und die Vorrichtung zu deren Durchführung, welche in den Patentansprüchen
beschrieben sind.
[0002] Das zunehmende Bewußtsein für die ökologische Gefahren, die von einer steigenden
SO
2-Emission ausgehen, hat zu einem erhöhten Interesse an Verfahren zur SO
2-Absorption geführt. Von den bisher bekannten Verfahren arbeiten eini-. ge mit der
direkten elektrochemischen Oxidation von SO
2 (KREYSA, DBP 2901577)
1, mit der Absorption von SO
2 in einem kupfersulfathaltigen Elektrolyten mit suspensiertem Cu0 (VOLCOVINSCHI, Rumänisches
Patent 67220)
2 oder mit einer Oxidation des SO
2 durch Sauerstoff bei erhöhter Temperatur und CuO als Zwischenprodukt (VIZCARRA,
3 Environmental Technology Letters 2,215,1981; Japanisches Patent 57-32720). Die beiden
letzten Verfahren (3,4) zeichnen sich dadurch aus, daß das Kupfer aus dem gebildeten
CuSO
4 durch Reduktion mit geeigneten Hilfsstoffen (CO,CH
4) zurückgewonnen wird, so daß insgesamt nur eine Aufkonzentration des SO
2 stattfindet. (Zitiert wurden nur Verfahren, die unter bestimmten Gesichtspunkten
mit dem hier beschriebenen Verfahren vergleichbar sind).
[0003] Aufgabe der Erfindung ist es, SO
2 aus SO
2-haltigen Gasen zu entfernen, wobei der spezifische Energieverbrauch niedriger ist
als bei herkömmlichen Verfahren und keine zu depo
- nierenden Abfallprodukte entstehen. Das erfindungsgemäße Verfahren ermöglicht dies
durch eine geeignete Kombination von chemischen und elektrochemischen Teilreaktionen,
deren Durchführung ohne Beschränkung auf apparative Details in Beispiel 1 und 2 beschrieben
wird.
[0004] Die Abreicherung des SO
2 nach dem erfindungsgemäßen Verfahren erfolgt in zwei Stufen:
1. Oxidation des SO2 durch Sauerstoff (Luft) in Gegenwart von Kupfer

2. Direkte elektrochemische Oxidation
[0005] Die Oxidation des SO
2 in der ersten Stufe erfolgt verfahrenstechnisch in einem Absorberraum (A, Fig. 1),
der mit Kupfer oder kupferhaltigem Trägermaterial jeweils in Form einer Schüttung
gefüllt ist, wobei das Kupfer zumindest an der Oberfläche als Kupferoxid vorliegt.
Über diese Füllung rieselt eine wäßrige Lösung des nach obiger Gleichung gebildeten
Kupfersulfats. Die Konzeption dieser Stufe in der beschriebenen Form gewährleistet
einen intensiven Kontakt der drei Phasen, ohne daß die Gefahr der Bildung von Strömungskanälen
besteht.
[0006] Die direkte elektrochemische Oxidation des SO
2 (Teilstufe 2) wird in einem Anodenraum (B, Fig. 1) durchgeführt, der gemäß /1/ mit
einer Anode großer Oberfläche (Füllkörper, Streckmetallstapel etc.) versehen ist.
In dem zitierten Patent /1/ findet als kathodische Gegenreaktion zur anodischen SO
2-Oxidation die Bildung von Wasserstoff statt.' Aus den elektrochemischen Einzelpotentialen
der beteiligten Teilreaktionen ergibt sich dabei eine thermodynamische Mindestzellspannung
von +0,2 V.
[0007] Beim erfindungsgemäßen Verfahren hingegen erfolgt im Kathodenraum (C, Fig. 1) die
Abscheidung des in Teilstufe 1 gelösten Kupfers auf einer dreidimensionalen Elektrode
(Kupferschüttung). Die bei rein thermodynamischer Betrachtung sogar Energie liefernde
Kombination der Elektrodenreaktionen (SO
2→SO
2-4, Cu
2+→Cu°, U
rev = = -0.14V) führt selbst unter Berücksichtigung der realen Konzentrationsverhältnisse
und der kinetischen Hemmungen (Überspannungen) zu einer deutlichen Verringerung des
spezifischen Energieverbrauchs (E
= U.I). Dieser wird darüberhinaus durch die Verringerung des durch direkte anodische
Oxidation (Teilstufe 2) zu entfernenden SO
2-Anteils (parallele chemische Umsetzung. des SO
2 mit Luft/Kupfer) weiter erniedrigt.
[0008] Unter der Maßgabe, daß pro Zeiteinheit im Kathodenraum die gleiche Menge Kupfer abgeschieden
werden muß, die im Absorberraum aufgelöst wird, ergibt sich, bei Berücksichtigung
eventueller Nebenreaktionen in den drei Prozeßstufen, die folgende Auslegungsgleichung
für das einzustellende Verhältnis zwischen anodischer (

) und chemischer (

) SO
2 Oxidation:

β = Stromausbeute der kathodischen Kupferabscheidung
= Stromausbeute der anodischen SO2 Oxidation
[0009] Das Verhältnis

kann über die Variation der Betriebsparameter des Anoden- und Absorberraumes beeinflußt
werden. Der SO
2 Umsatz im Absorberraum läßt sich außer von den, die Kinetik der Reaktion bestimmenden,
Größen (Temperatur, Kupfersulfatkonzentration, Druck, pH-Wert) durch verfahrenstechnische
Eingriffe verändern (Veränderung der Verweilzeit durch entsprechende Führung der Gasströme
in den beiden Teilstufen). Der Umsatzgrad der anodischen Stufe kann darüberhinaus
vor allem durch die Wahl der Zellspannung beeinflußt werden.
[0010] Bei entsprechender Auslegung der gesamten Anlage ermöglicht das erfindungsgemäße
Verfahren mehrere Betriebsweisen:
- Bei identischem Aufbau von Kathodenkammer (C) und Absorberraum (A) ist es möglich,
bei abnehmender Kupferoxidkonzentration und dementsprechend nachlassender Absorptionskapazität
in Kammer (A) durch Umschalten der Gas- bzw. Flüssigkeitsströme die bisherige Kathodenkammer
(C) mit regeneriertem Füllmaterial zur Absorptionskammer zu machen und in der bisherigen
Absorptionskammer die Kupferrückgewinnung auf dem Füllmaterial einzuleiten (Fig. 2).
Die für die SOZ Absorption notwendige Bildung der Oxidschicht auf den regenerierten Füllkörpern kann
durch Kontakt mit erwärmter Luft oder Wasserdampf in sehr kurzer Zeit durchgeführt
werden.
- Statt dieser zyklusweisen Regeneration und Auflösung der beiden Kupferschüttungen
kann im Absorptionsraum aus kupferhaltigen Substanzen, die mit Luftsauerstoff Kupferoxid
bilden, Kupfer gelöst und in der Gewinnungsstufe in konzentrierter Form abgeschieden
werden, wobei aus dem Absorberraum kupferarmes Material ausgebracht und frisches nachgefüllt
werden muß (Fig. 3).
- Alle drei Kammertypen können mit einem einzigen Elektrolyten betrieben werden. Dies
hat den Vorteil einer sehr einfachen Anlagensteuerung über den Kupfergehalt dieses
Elektrolyten, der langfristig konstant sein muß.
- Die Aufteilung des Gesamtkreislaufes in einen Katholyt-und einen Anoden-/Absorberkreislauf
ermöglicht es, aus der am Ende eines Gewinnungszyklus anfallenden vergleichsweise
kupferarmen Lösung einen Teilstrom auszuschleusen und nach einer entsprechenden Konditionierung
(z.B. Feinreinigung durch Festbettelektrolyse DOS 2622497) sehr reine Schwefelsäure
zu erhalten.
Beispiel 1:
[0011] In einer Dreikammerzelle nach Fig. 1 wurden Kathodenraum und Absorberraum mit je
500g annähernd kugelförmigen Partikeln aus reinem Kupfer gefüllt.
[0012] Der mittlere Partikeldurchmesser betrug 0,θ9mm. Das Schüttungsvolumen in den Kammern
mit rechteckigem Querschnitt (
50.15.400 mm) lag bei 92,5 cm
3, mit einem Lückengrad von 0,395 ergibt sich daraus eine spezifische Oberfläche von
41 cm
2/cm
3 Reaktorvolumen.
[0013] Der Anodenraum der Dreikammerzelle wurde mit Streckmetallelektroden von etwa 1 m
2 Gesamtoberfläche gefüllt (5 Bleche 50.400 mm). Als Elektrolyt für den Anodenraum
und den Absorptionsraum wurde verdünnte Schwefelsäure vorgelegt, als Katholyt verdünnte
Schwefelsäure mit 0,1 M/l CuSO4 (Simulation eines vorhergehenden Absorptionszyklus
in der Kathodenkammer).
[0014] Die drei Zellkomponenten waren jeweils durch Diaphragmen voneinander getrennt.
[0015] Das S0
2/Luft-Gemisch wurde mit 138 1/h und einem SO
2 Volumenanteil von 0,65% in den Anodenraum eingeleitet. Mit einer Stromausbeute von
99% bei einer Stromstärke von 1 A konnte am Gasauslaß des Anodenraumes eine S0
2-Konzentration von 0,32 Vol% erreicht werden. Dieses Gasgemisch wurde nun in den Absorptionsraum
geleitet. Die vor der Füllung mit verd. H
2SO
4 gewaschenen Kupferpartikel hatten sich sehr schnell mit einer Oxidschicht überzogen.
Über die Partikelschüttung rieselte der Elektrolyt des Anodenraumes mit einem Durchfluß
von 0,5 - 1 1/h.
[0016] Mit einer Partikelschüttung der beschriebenen Dimension konnte am Auslaß der Absorptionskammer
ein SO
2 Volumenanteil von 0,07% erzielt werden (Ausbeute: 86%, bezogen auf gelöstes Kupfer).
Der kathodische Teilschritt, die Kupferabscheidung auf der zweiten Partikelpackung
verlief mit einer Stromausbeute von 99%, die Zellspannung lag unter 500 mV. Da die
Kupferauflösung im Absorptionsraum etwas geringer war als die Kupferabscheidung im
Kathodenraum konnte die Kupferbilanz bei den gewählten Parametern langfristig nicht
ausgeglichen werden. Durch Absenken des Zellstromes auf etwa 900 mA wurde dieser Effekt
erwartungsge- m
'äß behoben.
Beispiel 2:
[0017] Mit einer Partikelpackung von 1 kg (Verdoppelung der Schüttung aus Beispiel 1) konnte
bei ansonsten gleichen Betriebsbedingungen (1 A) eine SO
2 Endkonzentration von 0,002 Vol% erreicht werden. Die Kupferbilanz verlagerte sich
nur unwesentlich und konnte nach der beschriebenen Methode stabilisiert werden.
[0018] Für die erzielten Resultate war es gleichgültig, ob die eingesetzten Lösungen vor
Versuchsbeginn mit SO
2 gesättigt wurden oder nicht. Ebenso konnten für die anodische Oxidation des SO
2 in Teilstufe 2 keine signifikanten Unterschiede zwischen Gleichstrom- und Gegenstrombetrieb
(Gas - Elektrolyt) beobachtet werden. Die Strömungsgeschwindigkeit des Katholyten
wurde in regelmäßigen Abständen kurz über den Lockerungspunkt der Schüttung hinaus
erhöht, um durch diese Umschichtung der Partikel eine gleichmäßigere Abscheidungsdicke
auf der gesamten Schüttung zu erzielen.
1. Verfahren und Vorrichtung zum Entfernen-von SO2 aus SO2- haltigen Gasen unter Bildung von H2SO4, dadurch gekennzeichnet, daß in einer SO2-Abreicherungseinheit, die mindestens drei verfahrenstechnische Komponenten aufweist,
die Gesamtmenge des zu entfernenden S02 in zwei verschiedenen Verfahrensschritten entfernt wird, von denen der eine in einer
Oxidation mit Luftsauerstoff in Gegenwart von Kupfer zu Kupfersulfat besteht (Absorberraum
A) und der andere in einer anodischen Oxidation des SO2 (Anodenraum B), wobei die Kathodenreaktion (Kathodenraum C) des elektrochemischen
Teilverfahrens in der Rückgewinnung des in dem ersten Verfahrensschritt gebildeten
gelösten Kup--fers besteht.
2. Verfahren nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, daß der Absorptionsraum der Zelle
bei nachlassender Absorberkapazität zur Regeneration zyklusweise als Kathodenraum
eingesetzt wird, während der Kathodenraum als Absorber arbeitet (Fig. 2).
3. Verfahren nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, daß der Absorptionsraum der Zelle
bei nachlassender Absorberkapazität durch Zufügen kupferreicheren und Austragen kupfer-
ärmeren Materials regeneriert wird, wobei als frisches Teilmaterial regenerierte Partikel
aus dem Gewinnungsraum oder anlagenexternes Material eingesetzt werden kann (Fig.
3.1, 3.2).
4. Vorrichtung nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, daß die chemische Absorption
des SO2 in Gegenwart von Luft und Wasser in einem Absorberraum beliebiger geometrischer Form
durchgeführt wird, der mit einer kupferhaltigen Schüttung oder Einbauten versehen
ist
5. Vorrichtung nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, daß die anodische Oxidation
des SO2 in einem Anodenraum beliebiger Geometrie durchgeführt wird, der mit einer dreidimensionalen
Elektrode oder einem Stapel plattenförmiger Elektroden versehen ist.
6. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die kathodische Abscheidung
des Kupfers in einem Kathodenraum beliebiger Geometrie durchgeführt wird, der mit
einer dreidimensionalen Elektrode oder einem Stapel plattenförmiger Elektroden versehen
ist.
7. Vorrichtung nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, daß Absorberraum und Kathodenraum
eine räumliche Einheit bilden können, wenn der kathodische Prozeß über die maximale
Eindringtiefe des Stromes auf einen Teilbereich der Schüttung bzw. Einbauten begrenzt
wird.
8. Vorrichtung nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, daß die zu reinigenden Gasströme
die Reinigungsstufen in Serie oder parallel durchströmen und die Waschflüssigkeiten
in Gleich-, Gegen- oder Querstrom zu den Gasströmen erfolgen.