[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Korrosionsschutz von Metallen, insbesondere
von Eisen und Stahl, durch Aufbringen einer Phosphatschicht und Imprägnieren der Phosphatschicht
mit organischem Kunstharz.
[0002] Es ist bekannt, auf Metalloberflächen Schutzüberzüge aufzubringen, um die Korrosionsbeständigkeit
zu verbessern. Hierzu werden üblicherweise die Metalloberflächen mit Lösungen in Berührung
gebracht, die einen Phosphatüberzug ausbilden.
[0003] Die Erzeugung der Phosphatüberzüge geschieht im allgemeinen nach dem Verfahrensschema
Reinigung,
Wasserspülung,
Bildung des Phosphatüberzuges,
Wasserspülung.
[0004] Zur weiteren Verbesserung des so erhaltenen Phosphatüberzuges ist es üblich, eine
Behandlung mit einer Nachbehandlungslösung anzuschließen. Neben der Nachspülung mit
Lösungen auf Chromatbasis ist es zur Nachbehandlung von Phosphatüberzügen bekannt,
eine nicht zusammenhängende Dichtungsschicht eines hydrophobmachenden Mittels, z.B.
unter Verwendung organischer Stoffe, etwa auf Basis Polyisocyanat modifizierter Harzkondensationsprodukte
(
DE-AS 11 47 820) zu erzeugen bzw. mit trochnenden Ölen oder niedrigviskosen Lacken
abzudichten (
H.
Fortmann "Nachbehandlungsverfahren phosphatierter Eisenteile", Metallwaren-Industrie
und Galvanotechnik MSV Nr. 6 (1943), Seite 229). Diese Mittel konnten sich jedoch
gegenüber den chromhaltigen Nachbehandlungslösungen aus Gründen niederer Qualität
nicht durchsetzen. Zudem führten zahlreiche dieser Mittel nicht zu brauchbaren Ergebnissen.
[0005] Weiterhin ist es bekannt, chemisch aufgebrachte Umwandlungsüberzüge, insbesondere
Phosphatüberzüge, auf Metallen mittels Lösungen nachzubehandeln, die eine Poly-4-vinyl-
phenolverbindung der Formel

enthält. Hierbei sind
n eine Zahl zwischen 5 und 100,
x unabhängig voneinander Wasserstoff und/oder CRR1OH-Gruppen mit R und R1= Wasserstoff, aliphatischem und/oder aromatischem Rest mit 1 bis 12 Kohlenstoffatomen
(DE-OS 31 46 265).
[0006] Der pH-Wert der zum Einsatz kommenden Lösung liegt üblicherweise im alkalischen Bereich,
was bei der Behandlung von mit Umwandlungsüberzügen versehenen Metalloberflächen gegebenenfalls
mit dem Nachteil einer teilweisen Schichtablösung verbunden sein kann.
[0007] Schließlich ist es auch bekannt, Phosphatschichten zunächst mit Cr-(VI)haltigen Lösungen
nachzuspülen, ein Vorgang der üblicherweise zum Phosphatierprozeß gerechnet wird,
und dann mit anorganischen Verbindungen, Ölen, Wachsen oder Lacken nachzubehandeln
(W. Rausch, "Die Thosphatierung von Metallen" Eugen G. Leuze Verlag, Saalgau Württ.
1974, Seite 120). Obgleich diese Behandlungen einen Korrosionsschutz verleihen, der
bis an den Schutzwert von verzinkten, chromatierten Oberflächen heranreicht, sind
sie bei höheren Beanspruchungen nicht mehr zufriedenstel
- lend. Nachteilig ist auch, daß diese Art Imprägnierung häufig flüssige, weiche bis
halbharte Filme von nur geringer Abriebbeständigkeit liefert.
[0008] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren bereitzustellen, das die Nachteile der
bekannten Verfahren nicht aufweist und Oberflächen mit ausgezeichnetem Korrosionsschutz
sowie hoher Abriebbeständigkeit liefert.
[0009] Die Aufgabe wird gelöst, indem das Verfahren der eingangs genannten Art entsprechend
der Erfindung derart ausgestaltet wird, daß man auf der Metalloberfläche zunächst
eine Phosphatschicht mit einem Flächengewicht von mindestens 8 g/m
2 erzeugt und mittels einer wäßrigen Lösung oder Dispersion eines kationischen Kunstharzes
stromlos mindestens 8 g/m
2 Kunstharz aufbringt und einbrennt.
[0010] Überraschenderweise führt gerade die Kunstharzbeschichtung derartig dicker Phosphatschichten
zu Erzeugnissen mit sehr hohen Korrosionsschutzwerten, was im Gegensatz zu der herrschenden
Meinung steht, daß mit Kunstharz zu behandelnde Phosphatschichten dünn sein sollen
(vgl. z.B. W. Rausch "Die Phosphatierung von Metallen" Eugen G. Leuze Verlag, Saalgau
Württ. 1974, Seite 142).
[0011] Eine vorteilhafte Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens sieht vor, maximal
40 g/m
2 Kunstharz aufzubringen. Höhere Auftragsgewichte liefern praktisch keinen zusätzlichen
Korrosionsschutz mehr.
[0012] Zur Erzeugung der Phosphatschichten werden an sich bekannte Phosphatierverfahren
mit Zink, Zink + Eisen, Mangan, Mangan + Zink, Mangan + Eisen, Mangan + Zink + Eisen,
Zink + Calcium und Zink + Calcium + Eisen als schichtbildende Kationen verwendet.
[0013] Zur Modifizierung der Schichtbildung können im Phosphatierbad noch weitere Kationen,
z.B. Ni, Cu, Mg, Alkali, Ammonium, zugegen sein. Bei den nicht beschleunigten Langzeitphosphatierverfahren
ist Phosphat das einzige Anion in der sauren, wäßrigen Phosphatierlösung. Zur Beschleunigung
der Schichtbildung und zur Einstellung der erforderlichen
Azidität sind in den Bädern häufig noch weitere Anionen, z.B. Nitrat, Nitrit, Chlorid,
Sulfat, Chlorat, Fluorid, komplexes Fluorid, Zitrat, anwesend.
[0014] Für das erfindungsgemäße Verfahren eignen sich insbesondere die Phosphatierbäder,
in denen mindestens ein erheblicher Anteil des während der Schichtbildung abgebeizten
Eisens als zweiwertiges Eisen in Lösung bleibt.
[0015] Die Konzentration der Phosphatierbäder wird vorzugsweise zwischen 20 und 120 Punkten
gewählt. Die Anwendungstemperatur liegt meist im Bereich von 40 bis 98 °C. Zur Schichtbildung
wird das Tauchverfahren vorgezogen, weil es in einfacherer Weise als das Spritzverfahren
die Einhaltung der in der Erfindung geforderten SChichtgewichtsgrenze erlaubt. Die
Phosphatierzeiten betragen üblicherweise 4 bis 30 min.
[0016] Die im erfindungsgemäßen Verfahren zur Imprägnierung benutzten kationischen Kunstharze
können mit organischen Säuren oder Phosphorsäure teilweise oder voll neutralisiert
in dem wäßrigen Medium als Emulsion, Dispersion und/ oder kolloidale Lösung vorliegen.
Der Festkörpergehalt beträgt vorzugsweise 5 bis 25 Gew.%.
[0017] Die kationischen Kunstharze werden aus der Gruppe der Polykondensations- und Polymerisationsharze
ausgewählt und erhalten ihre kationische Funktion z.B. durch basische Stickstoff-enthaltende
Gruppen, die nach Zugabe von Säure im wäßrigen Medium Kationen bilden. Kationische
Acrylatharze sind beispielsweise durch Einpolymerisation von N, N-Dimethylaminoäthylmethacrylat
erhältlich. Ferner lassen sich kationische Harze durch Umsetzung von Mannich-Basen
des Bisphenols A mit Epoxidharzen herstellen. Besonders gut sind modifizierte Epoxidharze
für das erfindungsgemäße Verfahren geeignet, die durch Addition eines Amins säurelöslich
gemacht wurden und bei denen durch Addition eines halbseitig verkappten Diisocyanats
während des Einbrennens eine Vernetzung ermöglicht ist.
[0018] Weiterhin ist es vorteilhaft, das kationische Kunstharz aus einer wäßrigen Lösung
oder Dispersion aufzubringen, die zusätzlich aus der Lack- und Farbformulierung bekann
- ten Zusätze und Modifizierungsmittel, wie Farb-, Füll
- und
Korrosionsschutzpigmente, lösliche Korrosionsinhibitoren, organische Lösungsmittel
und/oder Additive für einen verbesserten Filmverlauf sowie zur Unterstützung des Vernetzungsvorganges
beim Einbrennen, enthalten.
[0019] Für das erfindungsgemäße Verfahren sind u.a. auch die
Lackformulierungen geeignet, die für die kathodische Elektrotauchlackierung von Metallen
Verwendung finden. Im Rahmen der Erfindung werden sie mit Erfolg als kationisches
Kunstharz enthaltendes wäßriges Medium ohne Anwendung elektrischen Stromes eingesetzt.
[0020] Die Aufbringung des organischen Imprägnierfilms erfolgt durch Benetzung der phosphatierten
Oberfläche mit der das kationische Kunstharz enthaltenden wäßrigen Lösung oder Dispersion.
Die Benetzung kann durch Aufspritzen, Übergießen, Eintauchen und gegebenenfalls anschließendes
Abschleudern von überschüssiger Flüssigkeit durchgeführt werden.
[0021] Um zu vermeiden, daß nach einmaliger Benetzung Fehlstellen im organischen Film zurückbleiben
bzw. wenn hohe Auflagegewichte beabsichtigt sind, sieht eine weitere vorteilhafte
Ausgestaltung der Erfindung vor, das kationische Kunstharz durch mindestens zweimaliges
Benetzen mit kurzzeitigem Zwischentrocknen und abschließendem Einbrennen aufzubringen.
[0022] Die Zwischentrocknung sollte soweit geführt werden, bis der Film eine ausreichende
mechanische Festigkeit erreicht
hat.
[0023] Das den Auftrag des kationischen Kunstharzes abschließende Einbrennen erfolgt üblichrweise
bei Objekttemperaturen zwischen 160 und 200 °C und Haltezeiten von 5 bis 30 min.
[0024] Eine vorteilhafte Weiterbildung der Erfindung besteht darin, zur weiteren Verbesserung
des Korrosionsschutzes die Phosphatschicht vor dem Aufbringen des kationischen Kunstharzes
mit an sich bekannten Cr(VI)-haltigen wäßrigen
Passiviermitteln nachzubehandeln. Sie können auf Basis von Chromsäure, Chromchromat,
Alkalidichromat und dergleichen formuliert sein.
[0025] Eine Nachbehandlung im Anschluß an das Einbrennen des kationischen Kunstharzes mit
einem Korrosionsschutzöl stellt eine weitere vorteilhafte Ausführungsform der Erfindung
dar. Hierdurch wird der Korrosionsschutz häufig weiter heraufgesetzt und der Oberfläche,
insbesondere nach Behandlung als Schüttgut, ein ansprechendes gleichmäßig glänzendes
Aussehen vermittelt. Eine anschließende Lackierung ist nicht vorgesehen.
[0026] Das erfindungsgemäße Verfahren eignet sich insbesondere zum hochwertigen Korrosionsschutz
von Massenteilen aus dem funktionellen Bereich. Typische Werkstücke sind Schrauben,
Muttern, Unterlegscheiben, Federn, Befestigungselemente, Bremsteile und dergleichen.
Der Schutzwert der nach dem erfindungsgemäßen Verfahren erzeugten Schichten liegt
meist deutlich über dem von chromatierten, elektrolytisch erzeugten Zink- und Cadmiumschichten.
[0027] Ein für das erfindungsgemäße Verfahren typischer Verfahrensgang umfaßt beispielsweise
folgende Arbeitsstufen:
1. Entfettung: Stark alkalischer, wäßriger Tauchreiniger; wäßriger Spritzreiniger,
organische Lösungsmittel;
2. Spülung mit Wasser;
3. Entrostung und Entzunderung: Wäßrige Salzsäure, Schwefelsäure oder Phosphorsäure,
gegebenenfalls auch Strahlen oder Schleifen;
4. Spülung mit Wasser;
5. Vorspülung: Warmwasser, gegebenenfalls unter Zusatz von Aktivierungsmittel;
6. Phosphatierung;
7. Spülung mit Wasser;
8. Passivierende Nachspülung: Chrom(VI)-Chrom(III)-haltiges, wäßriges Nachspülmittel;
9. Trocknung (falls gewünscht);
10. Imprägnierung mit kationischem Kunstharz: Pigmentierte Lösung/Emulsion eines kationischen,
modifizierten Kunstharzes; Festkörpergehalt: 25 %; 25 °C; 1 min Tauchen, danach Antrocknen
an der Luft; noch einmal l min Tauchen;
11. Aushärtung des Imprägnierungsfilms: 20 min Einbrennen bei 185 °C Objekttemperatur.
[0028] Die unter 1. genannte Entfettung bzw. die
Entrostung und Entzunderung gemäß 3. können entfallen, wenn die zu behandelnden Teile
fettfrei bzw. rost- oder zunderfrei sind.
[0029] Nach vorstehendem Arbeitsgang behandelte Stahlteile zeigen erst nach 800 bis 1000
Std. Salzsprühtest SS DIN 50021 beginnende Rostbildung. Wenn anstelle der kationischen
Imprägnierung
Rostschutzöle bzw. Rostschutzwachse auf die genannten Phosphatschichten aufgebracht
werden, ist erste Rostbildung je nach verwendetem Rostschutzmittel nach 80 bis 500
Std. zu beobachten.
1. Verfahren zum Korrosionsschutz von Metallen, insbesondere von Eisen und Stahl,
durch Aufbringen einer Phosphatschicht und Imprägnieren der Phosphatschicht mit organischem
Kunstharz, dadurch gekennzeichnet, daß man auf der Metalloberfläche zunächst eine
Phosphatschicht mit einem Flächengewicht von mindestens 8 g/m2 erzeugt und mittels einer wäßrigen Lösung oder Dispersion eines kationischen Kunstharzes
stromlos mindestens 8 g/m2 Kunstharz aufbringt und einbrennt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man maximal 40 g/m2 Kunstharz aufbringt und einbrennt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß man das kationische
Kunstharz aus einer wäßrigen Lösung oder Dispersion aufbringt, die zusätzlich aus
der Lack- und Farbformulierung bekannte Zusätze und Modifizierungsmittel, wie Farb-, Füll- und/oder
Korrosionsschutzpigmente, lösliche Korrosionsinhibitoren, organische Lösungsmittel
und/oder Additive für einen verbesserten Filmverlauf sowie zur Unterstützung des Vernetzungsvorganges beim Einbrennen enthält.
4. Verfahren nach Anspruch 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß man das kationische
Kunstharz durch mindestens zweimaliges Benetzen mit kurzzeitigem Zwischentrocknen
und abschließendem Einbrennen aufbringt.
5. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
daß man die Phosphatschicht vor dem Aufbringen des kationischen Kunstharzes mit einem
Cr-(VI)haltigen wäßrigen Passiviermittel behandelt.
6. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet,
daß man im Anschluß an das Einbrennen des kationischen Kunstharzes eine Nachbehandlung
mit Korrosionsschutzöl durchführt.