[0001] Die Erfindung betrifft eine Wirkkörpereinheit nach dem Oberbegriff des Patentanspruchs
1.
[0002] Wirkkörpereinheiten, die mittels eines Lastengeschosses über ein Zielgebiet transportiert
und ausgestoßen werden und an einem Fallschirm hängend gebremst niedergehen, sind
aus DE-OS 28 35 817.0 bekannt. Diese Wirkkörpereinheiten dienen vornehmlich zur Bekämpfung
von Kampfpanzern. Sie verfügen dazu über einen Sensor zur Zielauffassung und eine
projektilbildende Ladung (P-Ladung, S-Ladung), die nach Erfassen des Ziels ausgelöst
wird.
[0003] Es ist bekannt, zur Vergrößerung der Auffassungswahrscheinlichkeit, das Zielgebiet
durch den Sensor spiralförmig abtasten zu lassen. Es ist weiter bekannt, die projektilbildende
Ladung derart zu konstruieren, daß ein langgestrecktes Projektil mit einem großen
Verhältnis von Länge zu Durchmesser entsteht, da damit im Vergleich zu ebenfalls bekannten
kugelsymmetrischen Projektilen eine größere Durchschlagsleistung erreichbar ist. Die
durch projektilbildende Ladungen erzeugten Projektile mit großem Verhältnis von Länge
zu Durchmesser erfüllen jedoch, insbesondere bei größeren Bekämpfungsentfernungen,
nicht die in sie gesetzten Erwartungen, da sie vergleichsweise instabil fliegen und
in besonders ungünstigen Fällen auch um eine Querachse rotieren. Trotz ihres an sich
höheren Durchschlagspotentials sind diese Projektile daher vielfach den stabiler fliegenden,
im wesentlichen kugelsymmetrisch geformten Projektilen unterlegen.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die Kampfkraft der eingangs erwähnten Wirkkörpereinheit
durch Drallstabilisierung des durch eine projektilbildende Ladung erzeugten Projektils
zu erhöhen.
[0005] Diese Aufgabe wird durch die in Anspruch 1 angegebene Erfindung gelöst.
[0006] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung gehen aus den Unteransprüchen hervon.
[0007] Die Erfindung wird nachfolgend unter Bezug auf die Zeichnung näher erläutert. Dabei
zeigt:
Fig. 1: eine schematische Darstellung einer aus einem Lastengeschoß ausgestoßenen
Wirkkörpereinheit mit einem Nutzlastteil und einem Fallschirm in einer ersten Flugphase;
Fig. 2: die Wirkkörpereinheit in einer zweiten Flugphase nach Beendigung des Suchvorgangs
im Moment des Abfeuerns eines Projektils auf ein erfaßtes Ziel;
Fig. 3: eine vergrößerte Teildarstellung der Wirkkörpereinheit nach Fig. 1.
[0008] Fig. 1 zeigt in einer schematischen Darstellung eine aus einem Lastengeschoß ausgestoßene
Wirkkörpereinheit 10, die über einem Zielgebiet niedergeht. Die Wirkkörpereinheit
10 umfaßt ein Nutzlastteil 11, das an einem Fallschirm 12 hängt und dadurch gebremst
niedergeht. Der Nutzlastteil 11 wiederum trägt einen Sensor 13 und eine projektilbildende
Ladung 14, die ebenfalls nur schematisch angedeutet sind. Die projektilbildende Ladung
14 erzeugt auf ein Auslösesignal des Sensors 13 hin ein Projektil mit einem großen
Verhältnis von Länge zu Durchmesser, das - ähnlich wie die bekannten aus Panzerkanonen
abgeschossenen Geschosse - aufgrund der ihm innewohnenden kinetischen Energie eine
große Durchschlagsleistung aufweist. Praktische Erprobungen haben gezeigt, daß diese
theoretisch ermittelbaren Durchschlagsleistungen jedoch nur auf vergleichsweise kurze
Entfernungen erzielt werden können. Dies beruht auf der mangelnden Stabilisierung
des Projektils, das auf längeren Flugstrecken zu Pendelungen oder sogar Drehungen
um eine Querachse neigt. Derartige Projektile treffen daher häufig nur mit einem sehr
flachen Auftreffwinkel auf das zu bekämpfende Ziel auf und erreichen daher nicht die
erwartete Wirkung, da sie entweder abprallen oder die Panzerung nur leicht beschädigen.
Eine erhebliche Leistungssteigerung mit dem Ergebnis eines Panzerdurchschlags auch
auf größere Entfernungen läßt sich vorteilhaft durch eine Drallstabilisierung des
Projektils erreichen.
[0009] Diese Drallstabilisierung wird erzielt, in dem man beim Niedergehen der Wirkkörpereinheit
zumindest den die projektilbildende Ladung 14 enthaltenden Nutzlastteil 11 der Wirkkörpereinheit
10 gemäß dem Pfeil 15 nach Fig. 1 um eine senkrecht liegende Achse 16 in Rotation
versetzt. Diese Rotationsbewegung wird zweckmäßig durch auf dem Außenumfang des Nutzlastteils
11 angeordnete Antriebsdüsen 1 bewirkt, die von in der Figur nicht dargestellten pyrotechnischen
Ladungen gespeist werden. Diese solchermaßen in Rotation versetzte Wirkkörpereinheit
11 wäre jedoch allenfalls in der Lage, ein zufällig unmittelbar unter ihr befindliches
Ziel zu bekämpfen.
[0010] Um die Auffassungswahrscheinlichkeit des Sensors 13 zu vergrößern und damit letztlich
das Bekämpfungsgebiet zu erweitern, muß beim weiteren Niedergehen der Wirkkörpereinheit
der Nutzlastteil 11 und damit der in ihm angeordnete Sensor 13 eine günstige Suchposition
einnehmen, in der das potentielle Zielgebiet systematisch abgesucht wird. Diese Suche
ist besonders erfolgreich, wenn der Sensor 13 das Zielgebiet lückenlos, etwa in Form
einer schraubenförmigen Bewegung abtastet. Diese Bewegung kann nun vorteilhaft auf
einfache Weise dadurch erreicht werden, daß zu Beginn des Suchvorgangs der zunächst
in der Drehachse 16 der in Rotation versetzten Wirkkörpereinheit 11 liegende Befestigungspunkt
des Fallschirms 12 - wie in Fig. 2 angedeutet - zu einem Eckpunkt des Nutzlastteils
11 verlegt wird, der in einer Körperdiagonalen 17 des Nutzlastteils 11 liegt. Aufgrund
der Kreiselgesetze rotiert der Nutzlastteil 11 daraufhin, wie durch den Pfeil 15'
angedeutet, um eine mit der Körperdiagonalen 17 zusammenfallende Achse. Der im Nutzlastteil
11 angeordnete Sensor 13 erfaßt dadurch beim weiteren Niedergehen der Wirkkörpereinheit
10 das unter ihm liegende Zielgebiet mit einem spiralförmig ablaufenden Suchvorgang.
Beim Erfassen eines Ziels, z. B. eines Kampfpanzers 23, erzeugt der Sensor 13 ein
Auslösesignal für die projektilbildende Ladung 14, die sodann ein drallstabilisiertes
Projektil 22 auf das erkannte Ziel abfeuert. Anhand von Fig. 3 wird ein Ausführungsbeispiel
der Mittel dargestellt, die zur Verlagerung des Befestigungspunktes des Nutzlastteils
11 am Fallschirm 12 dienen. Diese Mittel umfassen ein scharnierartiges Verbindungsteil
19, dessen erster Schenkel, der während der ersten Flugphase der Wirkkörpereinheit
10 (Fig. 1) ganzflächig auf der Oberseite des Nutzlastteils 11 aufliegt, an einer
Drehachse 20 im Bereich eines Eckpunktes des Nutzlastteils 11 angelenkt ist. Der zweite
Schenkel 19" des Verbindungsteils 19, der während der ersten Flugphase in der Drehachse
16 liegt, stellt die Verbindung des Nutzlastteils 11 mit dem Fallschirm 12 her. Beim
Übergang in die Suchphase,der durch Verlagerung des Fallschirmbefestigungspunktes
aus der Drehachse 16 in die Diagonale 17 des Nutzlastteils 11 eingeleitet wird, wird
das zunächst ganzflächig mit dem Nutzlastteil 11 verbundene Teil 19' des Verbindungsteils
19 derart von der Oberfläche des Nutzlastteils 11 abgehoben, daß es nur noch an de.r
Schwenkachse 20 mit diesem verbunden ist. Ihre Trennung kann vorteilhaft durch eine
lediglich schematisch angedeutete pyrotechnische Ladung 18 hervorgerufen werden, die
durch einen Zeitzünder, durch das Signal eines ggf. in dem Nutzlastteil angeordneten
Höhenmessers oder durch ein Funksignal gezündet wird. Daraufhin strecken sich die
vermittels der Drehachse 21 verbundenen Schenkel 19', 19" des Verbindungsteils 19
und nehmen eine in der Achse 17 liegende Position ein.
[0011] In einem weiteren, nicht in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiel der Erfindung
ist ein starres, d. h. nicht scharnierartig ausgebildetes Verbindungsglied zwischen
dem Nutzlastteil 11 und dem Fallschirm 12 vorgesehen. Beim Herabsinken des Nutzlastteils
ist das Verbindungsglied zunächst in der Achse 16 angeordnet, wobei es in einer auf
dem Nutzlastteil 11 angeordneten, radial nach auswärts gerichteten Schiene fixiert
ist. Das Verbindungsglied kann dabei zweckmäßig unter dem Zug einer gespannten Feder
stehen, die es radial nach außen zu ziehen trachtet. Sobald die spiralförmige Suchbewegung
einzuleiten ist, durch zusätzliche Rotation des Nutzlastteils 11 um die Achse 17,
wird vorzugsweise durch eine pyrotechnische Ladung die Arretierung des Verbindungsglieds
aufgehoben, so daß es infolge der jetzt wirksam werdenden Federkraft von der Schiene
geführt in Radialrichtung nach außen gleitet, womit der Aufhängepunkt des Fallschirms
12 nunmehr in der Körperdiagonalen des Nutzlastteils 11 liegt.
1. Wirkkörpereinheit mit einem von einem Fallschirm gebremsten Nutzlastteil, die zur
Zielerkennung einen Sensor und zur Zielbekämpfung eine projektilbildende Ladung aufweist,
dadurch gekennzeichnet, daß der während des Niedergehens der Wirkkörpereinheit (10)
auf ein Zielgebiet über ein Verbindungsteil (19, 19', 19") mit dem Fallschirm (12)
verbundene Nutzlastteil (11) in Umdrehungen um seine Längsachse (16) versetzbar ist,
und daß bei rotierendem Nutzlastteil (11) der Befestigungspunkt des Fallschirms (12)
an diesem Nutzlastteil (11) auf einen Eckpunkt (24) des Nutzlastteils (11) verlagerbar
ist.
2. Wirkkörpereinheit nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das den Nutzlastteil
(11) mit dem Fallschirm (12) verbindende Verbindungsteil (19) aus an einer Schwenkachse
(21) scharnierartig miteinander verbundenen Schenkeln (19', 19") besteht, wobei das
der Schwenkachse (21) abgewandte Endstück des Schenkels (19') vermittels einer Schwenkachse
(20) an einem Eckpunkt (24) des Nutzlastteile (11) angelenkt ist.
3. Wirkkörpereinheit nach einem der Ansprüch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß
Mittel vorgesehen sind, die zumindest auf einem Teil der Flugphase der Wirkkörpereinheit
(10) den ersten Schenkel (19') des Verbindungsteils (19) ganzflächig auf der Oberfläche
des Nutzlastteils (11) festlegen, derart, daß die beiden Schenkel (19', 19") des Verbindungsteils
(19) einen Winkel (oC) von vorzugsweise 90° einschließen, und daß weiterhin Mittel
vorhanden sind, die zu einem vorgebbaren Zeitpunkt den ersten Schenkel (19') des Verbindungsteils
(19) bis auf seinen Anlenkungspunkt (24) von dem Nutzlastteil (11) lösen und dadurch
die beiden Schenkel (19', 19") in eine gestreckte Lage bringen.
4. Wirkkörpereinheit nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß
die Mittel zur Trennung des Schenkels (19') von der Oberfläche des Nutzlastteils (11)
aus einer im oberen Bereich des Nutzlastteils (11) angeordneten pyrotechnischen Ladung
(18) bestehen, die vermittels eines Zeitzünders, durch das Signal eines im Nutzlastteil
(11) angeordneten Höhenmessers oder durch ein Funksignal zündbar ist.