[0001] Die Erfindung betrifft einen elektrohydraulischen Stellantrieb für Turbinenventile
gemäss Oberbegriff des Patentanspruchs.
[0002] Im Turbinenbau erfolgt die Versorgung der Stellantriebe der einzelnen Turbinenventile
mit hydraulischer Energie stets über ein zentrales hydraulisches Versorgungssystem,
welches einen zentralen Hydraulikflüssigkeitsbehälter und meistens mehrere gegen hydraulische
Druckspeicher arbeitende Flüssigkeitspumpen umfasst. Für die Verbindung eines Stellantriebes
mit dem zentralen hydraulischen Versorgungssystem sind demnach jeweils mindestens
zwei Rohrleitungen erforderlich, wobei die eine Rohrleitung die Versorgung des Stellantriebes
mit unter Druck stehenden Hydraulikflüssigkeit übernimmt, während die andere Rohrleitung
die bei einer Entlastung der hydraulischen Bauteile ablaufende Hydraulikflüssigkeit
in den zentralen Hydraulikflüssigkeitsbehälter zurückführt. Um schmutzunempfindlichere
Stellantriebe zu erhalten, arbeitet man vorteilhaft mit relativ tiefen Betriebsdrücken.;
dies hat allerdings zur Folge, dass grosse Oeltanks vorgesehen werden müssen.
[0003] Will man von einem zentralen hydraulischen Versorgungssystem alle Stellantriebe einer
Turbine bedienen, so weist die Anlage zwangsläufig viele lange Oelleitungen auf. Um
die Uebertragungssicherheit der hydraulischen Energie zu gewährleisten, erfordern
diese Rohrleitungen einen erheblichen Aufwand für Planung, Konstruktion, Qualitätssicherung
und Wartung. Ausser Druckschwingungen und Druckspitzen in langen Leitungen ist insbesondere
auch die Beanspruchung durch Wärmedehnungen zu berücksichtigen. Schliesslich muss
auch noch aus Sicherheitsgründen die von einem Bruch der Leitungen im Warmbereich
ausgehende Brandgefahr berücksichtigt werden. Wohl liesse sich im Interesse des Brandschutzes
die Brandgefahr durch den Einsatz doppelwandiger Rohre reduzieren, allein bringt dies
hinsichtlich Verlegung und Zugänglichkeit erhebliche Probleme mit sich. Hinsichtlich
Brandschutzes kann der Einsatz von schwer brennbaren Hydraulikflüssigkeiten erwogen
werden. Derartige Hydraulikflüssigkeiten sind jedoch kostspielig, erfordern auf Grund
ihrer geringen Alterungsstabilität eine Regenerieranlage, die Instruktionen der Lieferanten
müssen genauestens beachtet werden und sind gegenüber Wärmeeinwirkungen sehr zersetzungsgefährdet.
[0004] Die in den EP 0 040 732 Al und EP 0 040 737 Al bekanntgegebenen Lösungen vermeiden
die oben beschriebenen Nachteile, indem durch die Integration des hydraulischen Versorgungssystem
in den Stellantrieb die bisher erforderlichen Hydraulikzuleitungen und der mit diesen
Leitungen verbundene Aufwand entfallen können.
[0005] Diese Anordnung weist jedoch Nachteile auf:
a) Für jeden Stellantrieb muss ein eigenes hydraulisches Versorgungssystem zugeordnet
werden. Bei der Vielzahl von Schnellschluss- und Stellventilen einer Turbine ist dementsprechend
eine gleich grosse Zahl hydraulischer Versorgungssysteme vorzusehen; entsprechend
gross ist auch der finanzielle Aufwand.
b) Da das jeweilige hydraulische Versorgungssystem eine autonome Einheit bildet, muss
bei Ausfall der Flüssigkeitspumpe eine zweite zuschaltbare Flüssigkeitspumpe vorgesehen
werden, welche von einem zweiten Elektromotor angetrieben ist. Durch diese Massnahme
wird zwar die Betriebssicherheit des Stellantriebes erhöht, allerdings muss dabei
eine entsprechende Vergrösserung des Bauvolumens und der Kosten des hydraulischen
Versorgungssystems in Kauf genommen werden.
c) Aus denselben Ueberlegungen wie unter b) muss der hydraulische Druckspeicher in
mindestens zwei Teilspeicher unterteilt werden, wobei das Speichervolumen der Teilspeicher
derart bemessen ist, dass auch bei Ausfall eines Teilspeichers eine für die Betätigung
des hydraulischen Stellzylinders ausreichend Hydraulikflüssigkeitsmenge verfügbar
ist. Die daraus resultierende Konsequenz ist auch hier eine Vergrösserung des Bauvolumens
und der Kosten des hydraulischen Versorgungssystems.
d) Aus obigen Ueberlegungen ist es deshalb fraglich, ob die angestrebte Minimierung
des Bauvolumens des hydraulischen Versorgungssystems - soweit dieses mit dem Stellantrieb
zu einem am Ventilgehäuse angeordneten kompakten Antriebsblock integriert werden kann
- im vorgestellten Rahmen überhaupt machbar ist.
e) Darüber hinaus verpflanzen sich die von den Ventilen bei Betrieb ausgehenden Vibrationen,
insbesondere bei kurzfristig einander folgenden Lastwechseln, auf die relativ empfindlichen
Elemente der Hydraulikversorgung fort. Die Lebensdauer dieser Elemente nimmt ab; Störungen
des Betriebes sind die Folge.
[0006] Aufgabe der Erfindung ist es, die vorgenannten Nachteile zu beheben und einen elektrohydraulischen
Stellantrieb für Turbinenventile zu schaffen, der einerseits den hohen Anforderungen
hinsichtlich Stellkraft und Stellgeschwindigkeit genügt und andererseits die mit der
Uebertragung hydraulischer Energie zusammenhängenden Probleme vermeidet.
[0007] Der zur Lösung der genannten Aufgabe erfindungsgemäss vorgeschlagene elektrohydraulische
Stellantrieb für Turbinenventile ist dadurch gekennzeichnet, dass pro Turbineneinlassventil
je mindestens ein Stellventil und mindestens ein Schnellschlussventil zugeordnet sind,
deren Antriebe gleicher Ausführung und zu einem am Ventilgehäuse angeordneten kompakten
Antriebseinheit integriert sind, wobei diese Antriebe paarweise mit einer unmittelbar
daneben angeordneten Hydraulikversorgung angeschlossen und von einer mit der Hydraulikversorgung
integrierten vblumetrisch geregelten Oelförderungseinheit gesteuert sind.
[0008] Die Vorteile der Erfindung sind im wesentlichen darin zu sehen, dass durch die vorgeschlagene
Lösung der Anbau je eines Stell- und Schnellschlussventils an jedem Turbineneinlassventil,
vom benötigten und von dem zur Verfügung stehenden Platz her betrachtet, problemlos
bewerkstelligt werden kann. Dadurch, dass die beiden Antriebe gleicher Ausführung
sind, ist der Grad der Austauschbarkeit grösstmöglich erreicht.
[0009] Ein weiterer Vorteil der Erfindung ist darin zu sehen, dass eine Hydraulikversorgung
je ein Stell- und Schnellschlussventil bedient. Dadurch, dass die Hydraulikversorgung
platzmässig nicht mehr konditioniert ist, kann sie robuster, einfacher und billiger
gebaut werden.
[0010] Ein Vorteil der Erfindung ist des weiteren darin zu sehen, dass die Hydraulikversorgung
eine volumetrisch geregelte Gelförderungseinheit beinhaltet, welche die Menge für
die Beaufschlagung des Stellventils liefert. Zu dieser Oelförderungseinheit gehört
auch eine Hilfspumpe, welche die Hydraulikmenge zur Beaufschlagung des Schnellschlussventils
sowie für das elektrohydraulische Ventil und für den Verstellzylinder der Verstelleinheit
der Pumpe liefert. Der Energieverbrauch der Einheit wird minimal, denn die Verstellpumpe
liefert nur jene Menge und den Druck, die vom Stellventil benötigt werden.
[0011] Anhand der Zeichnung sind Aufbau und Wirkungsweise eines Ausführungsbeispiels der
Erfindung schematisch dargestellt und näher erläutert.
[0012] Es zeigt:
Fig. 1 Elektrohydraulischer Stellantrieb für Turbinenventile für Stell- und Schnellschlussventil.
[0013] Wie aus Fig. 1 ersichtlich ist, besteht der elektrohydraulische Stellantrieb für
Turbinenventile im wesentlichen aus einer Hydraulikversorgung 1, einer Oelförderungseinheit
2 und aus zwei gleichen Antrieben 3, 4, welche für die Steuerung des Schnellschlussventils
29 und Stellventils 30 verantwortlich sind. Mit dem Start des Motors 17 fördern die
der Oelförderungseinheit 2 integrierten Hilfspumpe 15 und Verstellpumpe 16 Oel aus
dem Hydrauliktank 6 über die Leitungen 32 resp. 33. Die Hilfspumpe 15 versorgt das
elektrohydraulische Ventil 10 mit Oel, wobei intermediär ein Filter 8 eingebaut ist.
Zugleich wird der Antrieb 4 über die Drossel 9 und Leitung 34 auch mit Oel versorgt,
worauf das Schnellschlussventil 29 öffnet. Hierzu fliesst das Oel durch die Drossel
22a in den Kolbenraum des Verstellzylinders 21a. Die Feder 35a wird zusammengedrückt;
das in der Federkammer noch vorhandene Oe1 kann über den Ablauf 24 zum Tank 6 abfliessen.
Die Sicherung der Hilfspumpe 15 gegen Ueberdruck wird vom Druckbegrenzungsventil 7
und dessen Ablauf 24 übernommen.
[0014] Während das Schnellschlussventil 29 ganz öffnet, muss das Stellventil 30 auf die
durch die Dampfleitung 26 zur Turbine strömende Dampfmenge regulierend einwirken können.
Die Verstellpumpe 16 versorgt ihrerseits über die Leitung 37 den Antrieb 3 mit Oel.
Die Dynamik des Oeffnens des Stellventils 30 unterscheidet sich nicht von derjenigen
des Schnellschlussventils 29, d.h. der Kolbenraum des Verstellzylinders 21 wird über
die Drossel 22 beaufschlagt, worauf die Feder 35 zusammengedrückt wird und das darin
verbliebene Restöl über den Ablauf 24 zum Tank 6 rückfliessen kann.
[0015] Der Grad der Oeffnung des Stellventils 30 wird von einem elektrischen Sollwert 27
dem elektrohydraulischen Ventil 10 signalisiert. Die auf den Verstellzylinder 18 eingegebene
Verstellgrösse bewirkt eine Förderungsmengenänderung der Verstellpumpe 16, worauf
der Kolbenraum des Stellzylinders 21 zusätzlich mit Oel beaufschlagt wird und das
Stellventil 30 infolgedessen entsprechend eine neue Oeffnungsposition einnimmt. Der
gewollte Oeffnungsgrad des Stellventils 30 wird eingehalten, indem im Vergleichsglied
36 das aus dem Rückführgeber 5 stammende Rückführsignal 28 mit dem Sollwert 27 ständig
verglichen wird. Eine hieraus resultierende Abweichung zwischen Soll- und Istwert
wird dem elektrohydraulischen Ventil 10 signalisiert. Bei zu grosser Oeffnung des
Stellventils 30 schliessE der Stellzylinder 18 mittels Federkraft. Die Verstellpumpe
16 fördert nun entsprechend weniger; das aus dem Stellzylinder 18 überschüssige Oel
fliesst zum elektrohydraulischen Ventil 10 und von hier über den Ablauf 24 zum Tank
zurück.
[0016] Die Sicherung der Verstellpumpe 16 gegen Ueberdruck wird vom Druckbegrenzungsventil
11 und dessen Ablauf 24 übernommen.
[0017] Wenn das Stellventil 30 ganz offen ist, stellt sich der durch das Druckbegrenzungsventil
11 definierte maximale Druck ein, wobei der eingestellte Druck des Druckbegrenzungsventils
11 mindestens die Summe aus Druckkraft und Federkraft des Verstellzylinders 21 ist.
Die Stellventilspindel ist somit dauernd belastet. Um diese dauernde starke Belastung
zu verhüten, wird über nicht eingezeichnete Endschalter am Stellventil 30, bei dessen
voll offener Lage, das Wegeventil 13 geschaltet und der Druck soweit abgesenkt, bis
er mit dem im Druckbegrenzungsventil 14 definierten Wert übereinstimmt.
[0018] Das überschüssige Oel wird über den Ablauf 24 in den Tank 6 zurückgeführt. Vor dem
Wegeventil 13 in Abströmungsrichtung ist noch ein Filter 12 eingebaut.
[0019] Bei schnellen Lastabsenkungen der Turbine schaltet der Abflussverstärker 19 ein und
macht auf. Ueber die Bypassleitung 31 fliesst das im Kolbenraum unter Druck stehende
Oel in den Federraum des Verstellzylinders 21 und von hier über den Ablauf 24 in den
Tank 6 zurück. Dadurch vermeidet man, dass Pumpe und Leitungen bei diesen Laständerungen
grosse Mengen Oel schlucken müssen. Damit die Pumpen 15, 16 während des Betriebes
bei konstanter Last eine zu ihrer Kühlung vorteilhafte minimale Oelmenge fördern können,
sind die Drosseln 23, 23a vorgesehen, welche ebendiese Rezirkulation gewährleisten.
[0020] Bei Schnellschluss machen die Zweiwegeventile 20, 20a, gesteuert durch die elektrischen
Signale 38, 38a, auf. Ebenfalls machen die Abflussverstärker 19, 19a auf. Das Oel
kann somit aus den Kolbenräumen über die Bypassleitungen 31, 31a schlagartig in den
Federräumen der Verstellzylinder 21, 21a entweichen und von hier durch die bereits
geöffneten Zweiwegeventile 20, 20a abfliessen 24. Eine auf Schliessung gerichtete-Information
wird gleichzeitig über den elektrischen Sollwert 27 herangetragen. Die Förderung der
Pumpen 15, 16 geht auf Null zurück.