[0001] Gegenstand der vorliegenden Anmeldung sind Anzündsätze mit verminderter Schadstoffemission.
Besonders die Emission von Blei und seinen Verbindungen ist in diesen Sätzen vollkommen
ausgeschlossen, da sie keine Bleiverbindungen enthalten. Zusätzlich lassen sich diese
Sätze bei variabler Verdämmung einsetzen.
[0002] Die bekannten Anzündsätze enthalten als Initialexplosivstoffe Bleisalze, die sich
von Di- und Trinitroresorcin, Trinitrophenolen oder der Stickstoffwasserstoffsäure
ableiten. Darüber hinaus sind auch Anzündsätze bekannt, die Doppelsalze des Bleis,
z.B. Bleinitrathypophosphit, enthalten.
[0003] Beim Abbrand dieser Aozundsätze treten in den zur Verminderung der Lärmemission in
vermehrtem Umfang neu installierten geschlossenen Schießständen erhöhte Konzentrationen
an Blei und seinen Verbindungen in der Umgebungsluft auf, die oft die zulässigen Konzentrationen
überschreiten können. Die zulässige Konzentration liegt für Blei zur Zeit bei 0,1
mg/m
3. Diese Konzentration kann in ungünstigen Fällen bereits nach einer geringen Schußzahl
erreicht werden.
[0004] Analoges gilt für den Bariumgehalt von Anzündsätzen. Barium verbindungen werden in
den Anzündmitteln oft als Oxidations stoffe in Form von Bariumnitrat oder Bariumperoxid
ein
ge-setzt, die nach dem Abbrand ebenfalls die Luft verunreinigen und eine Gesundheitsgefährdung
des Schießpersonals in den genannten Schießständen mit sich bringen.
[0005] Es bestand deshalb die Aufgabe, Anzündsätze zu entwickeln, die nach ihrem Abbrand
keine gesundheitsgefährdenden Emissionen in Form von Blei- und Bariumverbindungen
entwickeln. Weiterhin sollen die neuen Anzündsätze bei variabler Verdämmung einsetzbar
sein.
[0006] In Erfüllung dieser Aufgabe wurden nun Anzündsätze aus Initialexplosivstoffen im
Gemisch mit Oxidationsmitteln gefunden, die dadurch gekennzeichnet sind, daß sie als
Initialexplosivstoffe Diazodinitrophenol und/oder Strontium salze des Mono- und/oder
Dinitrodihydroxidiazobenzols und als Oxidationsmittel Zinkperoxid enthalten.
[0007] Überraschenderweise lassen sich die erfindungsgemäßen Anzündsätze, selbst wenn sie
Diazodinitrophenol als Initialex plosivstoff enthalten, mit keiner, oder nur einer
schwachen Verdämmung einsetzen. Solche Diazodinitrophenol-Zinkperoxid Anzündsätze
eignen sich besonders gut für die stark eigenverdämmten AmboB-Zündhütchen-Systeme,
obwohl das Diazodinitrophenol nur eine geringe Schüttdichte besitzt, die dem Einsatz
dieser Verbindung in Anzündsätzen bisher entgegenstand. In Anzündsystemen mit geringerer
Eirenverdämmung oder in denen die Verdichtung des Diazodinitrophenols (Diazol) nicht
für eine
[0008] vollständige Anzündung ausreicht, wird das Diazol teilweise oder vollständig durch
die Strontiumsalze des Mono- oder Dinitrodihydroxidiazobenzols, das im folgenden auch
als Strontiumdiazinat bezeichnet wird, ersetzt. Durch Variation des Diazinatgehalts
ist es also möglich, Anzündsätze herzustellen, die bei jeder gewünschten Verdichtung
oder Verdämmung eine vollständige Anzündung ermöglichen.
[0009] Der Anteil des Gemischs Diazol/Diazinat in den erfindungsgemäßen Anzündsätzen kann
zwischen 10 und 70 Gew.-% schwanken, je nachdem, für welchen Zweck der Satz eingesetzt
wird. Dabei können die beiden Bestandteile im beliebigen Verhältnis zueinander stehen;
gegebenenfalls kann auch einer dieser beiden Initialexplosivstoffe in dem Satz vollständig
fehlen.
[0010] Die erfindungsgemäß eingesetzten Diazinate werden in der DE-OS 28 06 599 beschrieben.
Dort werden auch Verfahren zu ihrer Herstellung angegeben. Die Verbindungen selbst
sollten nur zusammen mit geeigneten Passivatoren gehandhabt werden. Dies gilt besonders
für das Kaliumsalz, das ohne Mitverwendung eines geeigneten Passivators nicht eingestell
werden darf. Als Passivator für das Strontiumsalz empfiehlt sich Strontiumsulfat oder
Strontiumoxalat.
[0011] Als Oxidationsmittel wird in den erfindungsgemäßen Anzündsätzen Zinkperoxid eingesetzt.
Dieses hat vorzugsweise einen Aktiv-Sauerstoffanteil von mehr als 12,3 %. Die Herstellung
von solchem Zinkperoxid wird in der DE-PS 29 52 069 beschrieben.
[0012] Die Menge an Zink
peroxid in den erfindungsgemäßen Anzündsätzen kann zwischen 10 und 70 Gew.-% schwanken.
Das Zinkperoxid kann sowohl in feinkörnigem Zustand als auch grobkörning eingesetzt
werden. Feinkörniges Zinkperoxid mit einer mittleren Korngröße von ca. 10 µm wird
vorzugsweise dann eingesetzt, wenn die Anzündsätze als verpreßte Ladungen verwendet
werden, während grobkörniges Zinkperoxid mit einer mittleren Korngröße von etwa 30
µm für weniger stark verdichtete Ladungen, z.B. in Randfeuersätzen, besonders geeignet
ist.
[0013] Die erfindungsgemäßen Anzündsätze können als zusätzlichen Sensibilator Tetrazen bis
zu einer solchen Menge enthalten daß der Gehalt an Tetrazen in der Gesamtmischung
maximal 30 Gew.-% beträgt.
[0014] Die erfindungsgemäßen Anzündsätze können weiterhin zusätzlich noch Reduktionsmittel
oder weitere Komponenten, die einen Beitrag zur Umsetzung liefern, sowie Friktionsmittel
und sonstige Inertstoffe enthalten.
[0015] Als Reduktionsmittel eignen sich die an sich bekannten Reduktionsmittel in Anzündsätzen,
die eine Verbesserung des Anzündvermögens und teilweise auch eine Erhöhung der mechanischen
Empfindlichkeit bewirken. Geeignete Stoffe sind z.B. Hetallpulver von Titan, Zirkon,
Magnesium, Cermagnesium, Cersilicium oder Aluminium-Magnesium-Legierungen. Einige
Reduktionsmittel können gleichzeitig auch die Funktion eines Friktionsmittels erfüllen,
wie z.B. Antimonsulfide oder Kalziumsilicide. Der Anteil der Reduktionsmittel im Anzündsatz
kann 0 bis 10 Gew.-% betragen.
[0016] Friktionsmittel, die nicht an der Umsetzung während des Abbrands teilnehmen, können
in Mengen bis zu 35 Gew.-% in den erfindungsgemäßen Anzündsatzen vorhanden sein. Solche
Friktionsmittel sind ebenfalls an sich bekannt. Als Beispiel seien Glaspulver genannt.
[0017] Als weitere Komponenten, die einen Beitrag zur Umsetzung liefern, sind hauptsächlich
Sekundärexplosivstoffe geeignet, wie z.B. Nitrocellulose oder Pentaerythrittetranitrat.
Als weiteres Beispiel sei Oktogen genannt, sowie Aminoverbindungen von nitrierten
Aromaten, z.B. des Trinitrobenzols, wie Mono-, Di- oder Triaminotrinitrobenzol oder
Diaminohexanitrodiphenyl, weiterhin die Acylierungsprodukte dieser Verbindungen, wie
z.B. Hexanitrooxanilid oder Hexanitrodiphenylharnstoff. Ferner zählen beispielhaft
zu diesen Sekundärexplosivstoffen Hexanitrostilben, Hexanitrodiphenyloxid, Hexanitrodiphenylsulfid,
Hexanitrodiphenylsulfon und Hexanitrodiphenylamin sowie Tetranitrocarbazol, Tetranitroacridon
oder Polyvinylnitrat. Der Anteil dieser Stoffe am Anzündsatz kann 0 bis 30 Gew.-%
ausmachen.
[0018] Als Inertstoffe eignen sich die in Anzündsystemen an sich bekannten Stoffe, die oft
auch zur Abstimmung der Eigenschaften dieser Sätze auf den jeweiligen Verwendungszweck
mit eingesetzt werden. Als Beispiel sei Zinndioxid genannt. Weiterhin zählen zu den
Inertstoffen Bindemittel, Kleb-und Farbstoffe sowie die bereits oben genannten Passivatoren.
Der Anteil der Inertstoffe in den erfindungsgemäßen Anzündsätzen kann zwischen 0 und
20 Gew.-% schwarcen
[0019] Die Herstellung der erfindungsgemäßen Anzündsätze erfolgt nach an sich bekannten
Verfahren durch Sieben der trockenen oder Kneten der wasserfeuchten Mischung. Die
Dosierung der wasserfeuchten Masse kann dabei durch Einstreichen in Lochplatten oder
durch Strangpressen erfolgen.
[0020] Die Erfindung wird durch die nachfolgenden Beispiele näher beschrieben.
Beispiel 1
[0021] Dieses Beispiel beschreibt einen Anzündsatz, der z.B. im Amboß-Anzündhütchen 4,45
mm mit guter Eigenverdämmung vorteilhaft verladen werden kann.
[0022] Eine Mischung aus 5 Gew.-Teilen Tetrazen, 20 Gew.-Teilen Diazol, 50 Gew.-Teilen feinkörnigem
Zinkperoxid, 5 Gew.-Teilen Titanpulver und 20 Gew.-Teilen zweibasigem Kugelpulver
mit 22 Gew.-Teilen Wasser wird homogenisiert und durch Einstreichen in Lochplatten
dosiert. Nach dem Verladen in Anzündhütchen wird getrocknet, nachverdichtet und das
Anzündhütchen komplettiert. Empfindlichkeit und Beschußergebnisse sind mit denen eines
bekannten Anzündsatzes vergleichbar.
Beispiel 2
[0023] Dieses Beispiel beschreibt einen Anzündsatz, der z.B. in Treibkartuschen 6,8/11 mit
geringer Eigenverdämmung vorteilhaft verladen werden kann.
[0024] Eine Mischung aus 8 Gew.-Teilen Tetrazen, 28 Gew.-Teilen Strontiumdiazinat plus 7
Gew.-Teilen Strontiumsulfat, 40 Gew.-Teilen grobkörnigem Zinkperoxid, 16 Gew.-Teilen
Glaspulver und 1 Gew.-Teil eines Bindemittels auf Basis Polyvinylacetat wird mit 22
Gew.-Teilen Wasser homogenisiert, durch Einstreichen in Lochplatten dosiert und feucht
in Treibkartuschen eingeschleudert. Nach dem Trocknen wird das Treibladungspulver
verladen und die Munition fertiglaboriert.
[0025] Empfindlichkeit und Eintreibleistungen entsprechen denen herkömmlicher Munition.
1. Blei- und bariumfreie Anzündsätze aus Initialexplosivstoffen im Gemisch mit Oxidationsmitteln,
dadurch gekennzeichnet , daß sie als Initialexplosivstoffe Diazodinitrophenol und/oder
Strontiumsalze des Mono- und/oder Dinitrodihydroxidiazobenzols und als Oxidationsmittel
Zinkperoxid enthalten.
2. Blei- und bariumfreie Anzündsätze gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
der Anteil der Initialexplosivstoffe zwischen 5 und 70 Gew.-% und der Anteil des Zinkperoxids
zwischen 10 und 70 Gew.-% beträgt.
3. Blei- und bariumfreie Anzündsätze gemäß Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
daß sie zusätzlich noch Tetrazen in Mengen bis zu 30 Gew.-% enthalten.
4. Blei- und bariumfreie Anzündsätze gemäß einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
daß das Zinkperoxid einen Aktiv-Sauerstoffgehalt über 12,3 % besitzt.