[0001] Die Erfindung betrifft eine Schaltungsanordnung der im Oberbegriff des Anspruchs
1 näher bezeichneten Art.
[0002] Beim kontinuierlichen Warmwalzen von Profil-und Stabstahl dürfen im Walzgut zwischen
den einzelnen, durch das Walzgut gekoppelten Gerüsten nur geringe, definierte Längsspannungen
auftreten, wenn die Maßhaltigkeit des Endproduktes gewährleistet sein soll. Längsspannungsfrei
kann gewalzt werden, wenn jeder Antrieb nur das zur Materialverformung benötigte Drehmoment
aufbringt. Dies ist der Fall, wenn die Umfangsgeschwindigkeit der Walzen und damit
die Drehzahlen der Gerüstantriebe richtig an die Geschwindigkeit des Walzgutes angepaßt
sind.
[0003] In der DE-A-2 541 071 sind ein Verfahren und eine Einrichtung der vorgenannten Art
beschrieben, mit deren Hilfe es möglich sein soll, die für eine definierte Zugspannung
im Walzgut erforderlichen Drehzahlrelationen kurzfristig und in einfacher Weise einzustellen.
Dazu wird die Zugspannung vor und hinter jedem Gerüst, dem eine Zugspannungs-Differenz-Regeleinrichtung
zugeordnet ist, aus dem Antriebsmoment, dem Beschleunigungsmoment und dem Verformungsmoment
im Walzspalt ermittelt. Eines der Gerüste übernimmt dabei die Funktion eines Leitgerüstes,
das im wesentlichen die Walzgeschwindigkeit in der Straße bestimmt. Die Anwendung
dieses Verfahrens schließt jedoch nicht aus, daß vor und hinter dem Leitgerüst vom
Sollwert abweichende Zugspannungen auftreten, die aus der Summe der Momentenfehler
der übrigen Gerüste resultieren. Diese Abweichungen werden umso deutlicher, je größer
die Anzahl der Gerüste einer solchen Walzstraße ist.
[0004] Um dieses ungünstige Verhalten der bekannten sogenannten Minimalzugregelung auszuschalten
ist aus der EP-A-0 008 037 eine Vorrichtung zur Regelung der im Walzgut übertragenen
Zugkraft in einer m-Gerüste enthaltenden Walzstraße beschrieben, bei der ebenfalls
den Gerüstantrieben Drehzahlregler zugeordnet sind, deren Sollwerte mit Hilfe von
Zugspannungs-Differenz-Regeleinrichtungen entsprechend den Parametern einer Minimalzugregelung
korrigiert werden. Dabei soll auch das bisherige Leitgerüst mit einer solchen Regeleinrichtung
versehen werden. Dadurch ist zunächst vermieden, daß sich die Momentenfehler der übrigen
Gerüste am Leitgerüst summieren und es dort zu wechselnden Spannungen innerhalb des
Walzgutes kommt. Ohne weitere Maßnahmen könnte dies aber dazu führen, daß die nunmehr
an allen Gerüsten wirksame zugspannungsabhängige Drehzahlkorrektur ihrerseits zu einem
Summierungseffekt führt, der eine stetige Drehzahlveränderung der Straße und damit
der Walzgeschwindigkeit zur Folge hätte. Um dies zu vermeiden, ist der jedem Gerüst
zugeordneten Regeleinrichtung ein gemeinsamer Korrekturregler überlagert, dem als
Eingangsgröße das Ausgangssignal einer der Regeleinrichtungen für die Korrektur des
DrehzahlSollwertes zugeführt ist. Der Korrekturregler bildet aus dieser Eingangsgröße
ein Ausgangssignal, welches als übergeordnete Stellgröße die Sollwerte der auf den
Querschnitt des Walzgutes bezogenen (spezifischen) Zugspannungen der einzelnen Walzgerüste
derart korrigiert, daß eventuelle Drehzahländerungen des Bezugsgerüstes ausgeglichen
werden. Durch die Einwirkung der Korrekturgröße des Korrekturreglers auf die Werte
der spezifischen Zugspannungen der einzelnen Gerüste ist gleichzeitig eine dem Walzgutquerschnitt
proportionale statistische Verteilung der Korrekturwerte in dem Sinne erreicht, daß
die Gerüste mit den größeren Walzgutquerschnitten eine entsprechend größere Gewichtung
erhalten. Anders ausgedrückt : Der Korrektureinfluß verringert sich mit geringer werdendem
Walzgutquerschnitt, so daß Dickenfehler durch Regeleinwirkung in den empfindlichen
letzten Gerüsten vermieden werden.
[0005] Eine weitere Verbesserung des Regelverhaltens bei gleichzeitiger Einsparung eines
separaten Regelkreises läßt sich durch die im Patentanspruch 1 angegebene Erfindung
erzielen. Dadurch ist einmal erreicht, daß nicht erst eine Drehzahländerung im Bezugsgerüst
auftreten muß, um eine Zugspannungskorrektur durchzuführen, sondern daß die Zugspannungsänderung
im letzten Gerüst selbst und unmittelbar den Korrekturwert für die übrigen Gerüste
in der beschriebenen Weise bildet. Die Walzgeschwindigkeit der Straße bleibt dabei
wegen der in der Durchlaufphase unkorrigierten Drehzahlregelung des letzten Gerüstes
als Leitgerüst absolut konstant.
[0006] Durch die Ausbildung der Schaltungsanordnung nach Patentanspruch 2 ergibt sich ein
insgesamt ruhigerer Regelverlauf und damit ein weitgehend ausgeglichenes Verhalten
der Walzstraße.
[0007] Anhand von Ausführungsbeispielen wird die Erfindung im folgenden näher erläutert.
Es zeigen :
Figur 1 das Prinzipschaltbild des Drehzahlregelkreises eines Gerüstantriebes mit Sollwertkorrektur,
Figur 2 das Prinzipschaltbild einer Regelschaltung zur Erzeugung eines Drehzahl-Korrekturwertes
aufgrund verschiedener mechanischer und elektrischer Parameter sowie einstellbarer
bzw. korrigierbarer Sollwerte,
Figur 3 das Prinzipschaltbild des Drehzahlreglers des Leitgerüstes bei dem in der
Durchlaufphase keine Korrektur des Drehzahlsollwertes erfolgt,
Figur 4 die Regelschaltung des Leitgerüstes zur Erzeugung der Stellgröße für die Korrektur
der spezifischen Zugspannungen der übrigen Gerüste,
Figur 5 das Prinzipschaltbild für eine vielgerüstige Walzenstraße mit den erfindungsgemäßen
Regelkreisen und
Figur 6 bis 8 die Arbeitsweise der Walzstraße beim Einführen des Walzgutes.
[0008] In Fig. 1 sind die Arbeitswalzen 5 eines nicht dargestellten Walzgerüstes einschließlich
des zugehörigen Gleichstromantriebsmotors 6 und einer Drehzahl-Regelanordnung 7 mit
dem Drehzahlregler 8 und dem Stellglied 9 schematisch dargestellt. Ein mit dem Antriebsmotor
6 gekuppelter Tachogenerator 10 liefert ein der Drehzahl proportionales Ausgangssignal,
das mit einem Sollwert n
* verglichen wird. Zur Erzielung der richtigen Drehzahlrelationen zwischen den Antrieben
mehrerer Gerüste einer Walzstraße wird dem Vergleichspunkt 11 ein Drehzahl-Zusatzsollwert
Δn
* zugeführt. Ferner sind ein Stromwandler 12, der eine dem Ankerstrom i
a proportionale Spannung liefert, und ein Fühler 13 vorgesehen, dessen Ausgangsspannung
dem Fluß Φ in der Feldwicklung 14 des Antriebsmotors proportional ist. Mit F
E ist die im Walzgut 15 in Walzrichtung wirkende Zugkraft auf der Eintrittsseite des
Gerüstes und mit F
A die Zugkraft auf der Austrittsseite bezeichnet.
[0009] Um den Korrekturwert Δn
* für den DrehzahlSollwert n
* zu ermitteln, ist eine in Fig. 2 dargestellte Regelschaltung vorhanden. Diese besteht
aus einem Istwertrechner 16 einem Sollwertrechner 17, einem Vergleichsglied 18 und
einem Korrekturregler 19 (Minimalzugregler).
[0010] Das Antriebsmoment Ma = Φ · i
a setzt sich aus dem Beschleunigungsmoment Mb und dem Walzmoment Mw, das seinerseits
die Summe aus den Verformungsmomenten Mh und Mv der Horizontal- bzw. Vertikalwalzen
ist, und dem durch die Zugspannung verursachten Moment Mz zusammen.
[0011] Dabei ist :

[0012] Das Beschleunigungsmoment Mb läßt sich aus der Drehzahl n ableiten und die Verformungsmomente
Mh und Mv ergeben sich aus den mittels Walzkraftaufnehmern gemessenen Walzkräften
Fh und Fv durch Multiplikation mit einem dem Hebelarm der Walzkräfte entsprechenden
Faktor Kh bzw. Kv. Der Faktor Kh läßt sich für Universalgerüste aufgrund der Walzspaltgeometrie
bestimmen und wird von der Bedienungsperson vorgegeben. Für Duo-Gerüste wird der Hebelarmfaktor
Kh in einer Abgleichschaltung berechnet. Der Faktor Kv ist von verschiedenen, theoretisch
nicht erfaßbaren Einflußgrößen abhängig und wird daher ebenfalls mit Hilfe der Abgleichsschaltung
ermittelt und anschließend gespeichert. Der Istwertrechner 16 erhält dementsprechend
die Meßwerte i
a, Φ, n und Fh sowie gegebenenfalls die Größen Fv und Kh. Die dem Antriebsmoment Ma
proportionale Ausgangsspannung eines Multiplizierers 20 ist entsprechend der für Mz
aufgestellten Momentenbilanz einem Summierglied 21 additiv zugeführt, während die
dem Beschleunigungsmoment Mb entsprechende Spannung, die mittels eines Differenziergliedes
22 gebildet ist, und die den Verformungsmomenten proportionalen Spannungen, die aus
den Walzkraftsignalen Fh und Fv mittels eines Multiplizierers 23 bzw. eines Multiplizierers
24 gebildet sind, subtraktiv an dem Summierglied anstehen.
[0013] Zur Ermittlung des Faktors Kh bzw. Kv wird die Differenzspannung am Ausgang des Summiergliedes
21, die dem Moment Mz proportional ist, einem Vergleichspunkt 25 zugeführt. Falls
es sich um ein Duo-Gerüst handelt, nehmen die Schalter 26 und 27 die gestrichelt dargestellte
Stellung ein.
[0014] Nach dem Anstich im ersten Gerüst der Straße verändert ein dem Vergleichspunkt 25
nachgeschalteter Integrator 28 den Hebelarmfaktor solange, bis das Produkt Fh · Kh
und das Produkt Φ · i
a abzüglich des Beschleunigungsmomentes Mb betragsmäßig gleich groß sind. Der so berechnete
Hebelarmfaktor Kh wird für den Rest des Stiches noch vor dem Anstich im zweiten Gerüst
gespeichert.
[0015] Für ein Universalgerüst nehmen die Schalter 26 und 27 zur Ermittlung des Hebelarmfaktors
Kv die gezeichnete Stellung ein.
[0016] Bei der Berechnung von Kv werden gleichzeitig Ungenauigkeiten des von Hand eingegebenen
Faktors Kh weitgehend kompensiert.
[0017] Bei allen folgenden Gerüsten der Walzstraße läuft der selbsttätige Abgleich des Hebelarmfaktors
Kh bei Duo- bzw. Kh und Kv bei Universalgerüsten mit anschließender Speicherung in
gleicher Weise ab, jedoch unter zusätzlicher Berücksichtigung des auf der Eintrittsseite
herrschenden Zuges F
E. Das zugehörige, dem Vergleichspunkt 25 in Fig. 2 zugeführte eintrittsseitige zugbedingte
Moment M
E entspricht im ausgeregelten Zustand dem austrittsseitigen Anteil des Zugkraft-Sollwertes,
der der vorangehenden Regeleinrichtung und damit dem vorausgehenden Gerüst vorgegeben
wird, multipliziert mit dem Walzenradius desjenigen Gerüsten, für das gerade der Hebelarmfaktor
berechnet wird. Die Berechnung läuft in jedem Fall so schnell ab, daß sie vor dem
Einlaufen des Walzgutes in das nächste Gerüst beendet ist.
[0018] Die Differenz aus dem Ausgangssignal Mz des Summiergliedes 21 und einem Momentensollwert
Mz
* wird dem Minimalzugregler 19 zugeführt. Der Momentensollwert wird mittels des Sollwertrechners
17 aus dem von der Bedienungsperson vorgegebenen spezifischen Zug σ*, den Walzgutquerschnitten
A, dem Walzendurchmesser dw und einer Korrekturgröße ermittelt. Der vom Minimalzugregler
19 gelieferte Drehzahlkorrektur-Sollwert Δn
* wird während der Anstichphase jedes Gerüstes der Drehzahlregeleinrichtung des folgenden
oder aller folgenden Antriebe - im dargestellten Beispiel als Δn
*2' der Drehzahlregelung am Gerüst 2 - und nach dem Anstich im folgendem Gerüst über
einem Umkehrverstärker 29 der Drehzahlregeleinrichtung des eigenen Antriebes - im
Beispiel als Δn
*1' der Drehzahlregeleinrichtung am Gerüst 1 - zugeführt. Zur Umschaltung ist ein Schalter
30 vorgesehen, der jeweils kurzzeitig die gezeichnete Zwischenstellung einnehmen muß,
damit das Ausgangssignal des Minimalzugreglers auf Null zurückgestellt wird. Das Betätigungssignal
für den Schalter 30 wird zweckmäßigerweise mit Hilfe einer bekannten und daher nicht
dargestellten Walzgutwegnachbildung ermittelt.
[0019] Die in den Figuren 1 und 2 dargestellte und beschriebene Regelschaltung ist jedem
einzelnen Gerüstantrieb mit Ausnahme des letzten zugeordnet. Die beim letzten Gerüst
zugeordnete Regelschaltung unterscheidet sich von der vorbeschriebenen im wesentlichen
dadurch, daß der Minimalzugregler 19 keine Drehzahlkorrekturgröße erzeugt, sondern
einen Korrektursollwert
QK* für die spezifischen Zugsollwerte aller Gerüste welcher aus der Soll-Istwertabweichung
der Zugspannung Mz des letzten Gerüstes gebildet wird.
[0020] Diese dem Leitgerüst zugeordnete Regelschaltung ist in den Figuren 3 und 4 dargestellt.
Dabei sind identische Funktionsglieder mit den gleichen Bezugszeichen versehen.
[0021] Das in Fig. 3 gezeigte Regelglied 7 unterscheidet sich dadurch von demjenigen nach
Fig. 1, daß seinem Vergleichspunkt 31 während der Durchlaufphase kein Korrekturwert
zugeführt ist. Der gestrichelt dargestellte Korrektursollwert Δn
* während der Anstichphase bleibt davon unberührt. Die Drehzahlregelung arbeitet demzufolge
während der Durchlaufphase autonom und hält den Antrieb stets auf dem während der
Anstichphase ermittelten Drehzahlwert.
[0022] Der in Fig. 4 dargestellte Istwertrechner 16 ist ebenso wie der Sollwertrechner 17
mit demjenigen nach Fig. 2 identisch. Der Korrekturregler 32 unterscheidet sich dadurch
vom Minimalzugregler 19 der Fig. 2, daß er keinen Drehzahl-Korrektursollwert, sondern
unmittelbar einen aus der am Vergleichspunkt 18 entstehenden Zugspannungsabweichung
AMz gebildeten Korrektursollwert
QK* als Stellgröße erzeugt.
[0023] In Fig. 5 ist eine viergerüstige Walzenstraße schematisch dargestellt. Die Gerüste
einschließlich des Antriebes sind durch die Walzen 1 bis 4 angedeutet. Jedem Gerüst
ist eine Regelschaltung in Form eines Istwert-Rechners 16, eines Sollwert-Rechners
17, eines Minimalzugreglers 19 und eines Drehzahlregelgliedes 7 zugeordnet, die in
dieser Figur entsprechend der Zuordnung zu dem jeweiligen Gerüst mit 1.7 bis 4.7,
mit 1.16 bis 4.16, mit 1.17 bis 4.17 sowie mit 1.19 bis 3.19 bezeichnet sind. Der
Korrekturregler 32 des letzten Gerüstes erzeugt die Stellgröße σ
κ*, die aber nicht zur Drehzahlkorrektur des Antriebes des letzten Gerüstes dient.
Die Drehzahl des letzten Gerüstes wird vielmehr vom Drehzahl-Regelglied 4.7 auf einen
konstanten, während der Anstichphase mit Hilfe von An
*4' ermittelten Drehzahlwert n geregelt, sobald die Anstichphase beendet ist. Der vom
Korrekturglied 32 erzeugte Stellwert σ
κ* ist eine aus der Abweichung des Zugmomentes Mz4 vom Sollwert Mz
*4 gebildete Größe, welche den vorgegebenen Sollwerten der spezifischen Ausgangszüge
σ
A1* bis σ
A3* an den entsprechenden Vergleichspunkten 1.33 bis 3.33 und dem Sollwertrechner 4.17
des letzten Gerüstes unmittelbar zugeführt ist. Durch diese Stellgröße σ
κ* erfahren die spezifischen Zugspannungs-Sollwerte eine der Abweichung des Zugmomentes
Mz4 des letzten Gerüstes von seinem Sollwert Mz
*4 einseitig entgegenwirkende Korrektur. Da es sich dabei um die Beeinflussung der
spezifischen Ausgangs-Zugspannungen handelt, werden die einzelnen Walzgerüstantriebe
an der Fehlerkompensation absolut proportional zum jeweiligen Walzgutquerschnitt beteiligt.
Dies hat die gewünschte Folge, daß der Erfahrung Rechnung getragen wird, daß die Wahrscheinlichkeit
der Fehlerentstehung dort am größten ist, wo auch die größten Verformungsmomente aufgebracht
werden müssen. Außerdem wird die Fehlerkompensation so gewichtet, daß die Wirkung
dort am größten ist, wo am wenigsten nachteilige Folgen zu befürchten sind, nämlich
zu den großen Walzquerschnitten hin.
[0024] Ferner bietet die Schaltungsanordnung nach der vorliegenden Erfindung den Vorteil,
daß, wie aus einem Vergleich der Figuren 1 und 3 bzw. 2 und 4 hervorgeht, bei allen
Gerüsten einschließlich dem Leitgerüst weitgehend baugleiche Regelungselemente verwendet
werden können.
[0025] Wie bereits ausgeführt, darf die Stellgröße σ
κ* nur jeweils einseitig wirken, d. h. nur die Austrittsmomente beeinflussen. Würde
sie auch auf die Eintrittsmomente Einfluß nehmen, würden sich beide Einflüsse in Bezug
auf die Fehlerkompensation in ihrer Wirkung aufheben.
[0026] Weitere Einzelheiten der Arbeitsweise der Walzstraße ergeben sich aus den Figuren
6, 7 und 8. Während der Anstichphase im Gerüst 1, d. h. während der Zeit vom Anstich
des Walzgutanfanges im Gerüst 1 bis zum Anstich im Gerüst 2 (Fig. 6), ist das vom
Zug abhängige Moment des Gerüstes 1 M
Z1 = 0, weil M
E1 = M
A1 = 0 ist. Während der Anstichphase wird der Hebelarmfaktor K der Walzkraft für Gerüst
1 bestimmt, wie es in Verbindung mit Fig. 2 bzw. Fig. 4 erläutert ist.
[0027] Die Ermittlung des Hebelarmfaktors ist beendet, sobald das Zugmoment vom Gerüst 1
M
Z1 des Istwertrechners 1.16 gleich dem zugehörigen Sollwert (bei Gerüst 1 vor dem Anstich
des Gerüstes 2 gleich Null) geworden ist. Für den Rest des Stiches wird der Hebelarmfaktor
gespeichert. Die Ermittlung des Hebelarmfaktors muß vor dem Anstich des Gerüstes 2
abgeschlossen sein.
[0028] Mit dem Anstich im Gerüst 2 (Fig. 7) wird der Minimalzugregler 1.19 wirksam, an dessen
Istwerteingang das zugabhängige Moment M
Z1 des Istwertrechners 1.16 ansteht und dessen Sollwert-Eingang einen zunächst konstanten
Sollwert M
Z*1 erhält. Die Ausgangsspannung des Minimalzugreglers 1.19 wird über ein Proportionalglied
1.33 mit Speicherverhalten dem Drehzahlregler des Antriebes des zweiten Gerüstes als
Drehzahl-Zusatzsollwert An
*2' zugeführt. Wenn der Regelabgleich des Minimalzugreglers 1.19 erreicht ist, gilt
die Beziehung M
Z1 = M
E1 - M
A1 = M
Z*1.
[0029] Folglich ist bei Gerüst 1 M
Z*1 M
A1, weil das eingangsseitige Moment M
E1 vor dem Gerüst 1 stets Null ist.
[0030] Während der Anstichphase im Gerüst 2 wird in der gleichen Weise, wie in Verbindung
mit Figur 6 beschrieben, der zugehörige Hebelarmfaktor ermittel und gespeichert. Anschließend
stellt sich am Ausgang des Istwert-Rechners 2.16 der Momenten-Istwert M
Z2 = ME2 ein, da M
A2 noch = 0 ist.
[0031] Rechtzeitig vor dem Anstich des Walzgutes 15 in Gerüst 3 wird das Proportionalglied
1.33 auf « Speichern geschaltet, das Ausgangssignal des Minimalzugreglers 1.19 kurzfristig
auf Null gesetzt und der Ausgang des Proportionalgliedes 2.33 (Fig. 8) anschließend
über den Umkehrverstärker 29 (Fig. 2) als An
*1 auf den Drehzahlregler 1.7 am Gerüst 1 geschaltet (Eigenverstellung für Gerüst 1).
Der Drehzahl-Zusatzsollwert Δn
*2' wird dem Drehzahlregler 2.7 am Gerüst 2 weiterhin aus dem Speicher 1.33 vorgegeben.
Dieser Drehzahl-Zusatzsollwert bleibt additiv überlagert, wenn gemäß Fig. 8 kurz vor
dem Anstich des Walzgutes in Gerüst 4 der Korrekturregler 2.19 auf Eigenverstellung
umgeschaltet wird und den Drehzahl-Zusatzsollwert Δn*3' vorgibt. Der Drehzahl-Zusatzsollwert
An
*3' des Korrekturreglers 2.19 (Fig. 5), der bis zum Anstich in Gerüst 4 auf den Drehzahlregler
3.7 von Gerüst 3 wirkte, wird dabei ebenfalls dem Gerüst 3 weiter als gespeicherter
Wert An
*3 vorgegeben, während der Ausgang von 2.19 nach vorherigem Nullsetzen mit umgekehrtem
Vorzeichen als Δn
*2 auf den Drehzahlregler von Gerüst 2 geschaltet wird. Dieser Ablauf bietet die Gewähr
für einen stoßfreien Übergang auf Eigenverstellung.
[0032] Wie bereits in der Erläuterung der Umschaltung des Minimalzugreglers 2.19 auf Eigenverstellung
beschrieben wurde, wiederholen sich an allen weiteren Gerüsten die in Verbindung mit
dem Gerüst 2 beschriebenen Vorgänge. Der Ablauf am Gerüst 4 bzw. am letzten Gerüst
m unterscheidet sich von diesen Vorgängen dadurch, daß dieses Gerüst nicht auf Eigenverstellung
umgeschaltet, sondern nach erfolgter Einstellung durch das Proportionalglied 3.33
(Fig. 5) und abgeschlossener Hebelarmberechnung durch 4.16 mit konstanter Drehzahl
betrieben wird. Darüberhinaus wird die vom Korrekturregler (32) berechnete Stellgröße
σ
κ* als Korrekturwert für die austrittsseitig wirksamen spezifischen Zugspannungen σ
A1* ... σ
A(
m-1)* der übrigen Gerüste benutzt.
[0033] Zur beschleunigten Einstellung der endgültigen Drehzahlrelationen werden zweckmäßigerweise
während der Anstichphase die Drehzahl-Zusatzsollwerte nicht nur dem Drehzahlregler
des jeweils folgenden Gerüstes (gestrichelt dargestellt), sondern den Drehzahlreglern
aller nachgeordneten Gerüste zugeführt. Auf diese Weise können Drehzahlfehler eines
Gerüstes durch Voreinstellung aller am Walzprozeß noch direkt beteiligten Gerüste
berücksichtigt werden, was zu einer wesentlichen Verkürzung des Regelprozesses beim
späteren Anstich in diesen Gerüsten führt.