[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen Druckwellenlader mit einem Abgasabblaseventil
nach dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1. Bei Motoren mit Druckwellenlader für Personenautos
sollen in einem weiten Drehzahlbereich die Spitzendrücke in den Zylindern in der Nähe
der zulässigen maximalen Verbrennungsdrücke liegen. Um dies zu erreichen, wird ein
Druckwellenlader für solche Motoren so ausgelegt, dass er unter Last bei der maximalen
Motordrehzahl einen Ladedruck erzeugt, der ohne Abblasen von Abgas höher ist als der
Ladedruck, der zur Erzeugung des zulässigen Spitzendrucks erforderlich ist. Durch
Abblasen von Abgas, gesteuert z.B. vom Ladedruck, kann dann über einen weiten Betriebsbereich
ein hoher zulässiger Ladedruck und damit günstiger Drehmomentverlauf und Kraftstoffverbrauch
erreicht werden. Ein solcher Motor ist elastisch und ein damit ausgerüstetes Fahrzeug
kann schaltfaul gefahren werden.
[0002] Ein Abblasen von Abgas braucht bei Nutzfahrzeugmotoren nicht angewandt zu werden,
da diese höhere Ladedrücke zulassen und in einem engeren Drehzahlbereich arbeiten
als Personenwagenmotoren. Bei Nutzfahrzeugmotoren genügt es daher, den Druckwellenlader
so auszulegen, dass er im gewünschten Betriebsbereich den maximalen Ladedruck liefert,
bei dem der Spitzenwert des Verbrennungsdruckes noch zulässig ist.
[0003] Eine Regeleinrichtung zur Regelung des Ladedruckes durch gezieltes Abblasen des Motorabgases
vor dem Druckwellenlader ist aus der CH-fatentartmeldung Nr. 2355/83-7 bekannt. Das
bei der dort beschriebenen Einrichtung benützte Ventilorgan, mit dem der in Fachkreisen
als Wastegate bezeichnete Abblasekanal mehr oder weniger freigegeben oder verschlossen
wird, ist ein federbelastetes Tellerventil. Bei einer weiteren, in der CH-Patentschrift
398 185 beschriebenen Einrichtung zur Regelung des Ladedruckes durch Abblasen von
Abgas, wobei zur Betätigung des Ventilorgans der Abgasdruck benützt wird, ist das
Ventilorgan ebenfalls federbelastet und im Bereich der Dichtelemente pilzförmig gestaltet.
[0004] Die Federn solcher Teller- und Pilzventile sind durch die am Ventil vorbeistreichenden
Abgase stark wärmebelastet und verändern dadurch im Laufe der Zeit ihre Federkonstante,
so dass sich das Ventil früher öffnet. Der Abblasedruck im Lader und damit auch die
Verbrennungsdrücke verringern sich. Es kommt also zu einem Leistungsverlust im eingangs
erwähnten Betriebsbereich des Motors.
[0005] Um diese Nachteile der zwei vorerwähnten Abblaseeinrichtungen zu vermeiden, ist man
dazu übergegangen, anstelle der erwähnten federbelasteten Teller- und Pilzventile
ein Klappenventil zu verwenden, das im Abblasebereich keine Feder benötigt und vom
Abgasdruck oder, wie in der erwähnten CH-Patentanmeldung Nr. 2355/83-7 beschrieben,
von einem anderen geeigneten Prozessdruck betätigt wird. Die Verstellkraft greift
dabei an einem mit der Klappenwelle drehsteif verbundenen Hebel an. Ein solches Klappenventil
ist wesentlich billiger zu produzieren als die beiden oben erwähnten, bekannten Ventilbauarten.
Dazu kommt, dass bei einem solchen Klappenventil infolge Fortfalls der Feder keine
Aenderung der 0effnungscharakteristik auftritt. Im Gegensatz zu den genannten Teller-
und Pilzventilen, bei denen die Abströmung der überschüssigen Abgase symmetrisch zur
Ventillängsachse und im wesentlichen parallel zum Strom der Niederdruckabgase, d.h.,
der Auspuffgase im Abgasaustrittsstutzen verläuft, strömen aber die abblasenden Abgase
bei einem Klappenventil mit einer Geschwindigkeitskomponente quer zur Strömungsrichtung
der Auspuffgase in den Abgasaustrittsstutzen ein, woraus sich die im folgenden beschriebenen
Nachteile ergeben.
[0006] Für eine einwandfreie, effektive Funktion des Druckwellenladers müssen die entspannten
Abgase, nachdem sie ihre Verdichtungsarbeit geleistet haben, mitsamt dem Gemisch aus
Luft und Abgas, das sich in der Mischzone, d.h., im Bereich der Trennfläche von Luft
und Abgas, gebildet hat, vollständig in den Abgasaustrittsstutzen ausgespült werden.
Diese Spülung wird durch die Ansaugluft, die auf der den Auspufföffnungen gegenüberliegenden
Seite in die Rotorzellen eintritt, unterstützt und dadurch gleichzeitig der Rotor
gekühlt. Um befriedigende Verdichtungswirkungsgrade zu erzielen, ist aber eine noch
weitergehende Kühlung des Rotors erforderlich. Dazu muss der Druckwellenlader mehr
Luft ansaugen als er verdichtete Ladeluft an den Motor abgibt. Diese zusätzlich angesaugte
Luft heisst Spülluft und das Verhältnis von Spülluftstrom zu Ladeluftstrom der "Spülgrad"
des Druckwellenladers. Dieser Spülgrad sinkt mit steigender Motordrehzahl und abnehmender
Motorbelastung.
[0007] Das Abblasen durch Wastegate beeinträchtigt bei einem Druckwellenlader in erster
Linie, wie bei einem Turbolader, den Gesamtwirkungsgrad und damit den spezifischen
Kraftstoffverbrauch, nicht aber den Spülgrad. Denn die Spülenergie verringert sich
angenähert proportional zur Verdichtungsenergie.
[0008] Bei kleinen Abblaseströmen stellt die Querkomponente der Strömung in den Auspuffkanal
hinein keine schwerwiegende Beeinträchtigung des Auspuffstromes und damit des Spülgrades
dar. Bei grösseren Abblaseströmen aber wird durch die grössere Querkomponente der
Eintrittsgeschwindigkeit die Spülung nennenswert verschlechtert und damit auch der
Verdichtungswirkungsgrad beeinträchtigt.
[0009] Die Aufgabe der vorliegenden, im Patentanspruch 1 definierten Erfindung besteht darin,
diese Nachteile des an sich bezüglich billiger Herstellung und einfachen Aufbaus den
bekannten Ventilbauarten überlegenen Klappenventils zu vermeiden.
[0010] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäss mit den kennzeichnenden Merkmalen des Patentanspruch
1 gelöst.
[0011] Die Erfindung wird im folgenden anhand von in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispielen
näher beschrieben.
[0012] Es stellen dar: Die
Fig. 1 und 2 einen Aufriss bzw. Seitenriss eines Druckwellenladers mit einem Abgasabblaseventil,
Fig. 3 einen Längsschnitt durch das Gasgehäuse eines Druckwellenladers nach den Fig.
1 und 2, mit einer ersten Ausführungsform eines Abgasabblaseventils,
Fig. 4 den zu Fig. 3 gehörigen Seitenriss, und
Fig. 5 einen Seitenriss eines Druckwellenladers mit einer zweiten Ausführungsform
eines Abgasabblaseventils.
[0013] In Fig. 1 bezeichnet 1 ein Rotorgehäuse, 2 ein Luftgehäuse und 3 ein Gasgehäuse eines
Druckwellenladers. Am Gasgehäuse 3 befindet sich an der Oberseite ein Abgaseintrittsstutzen
4, durch den das aus dem Motor kommende Abgas, symbolisiert durch den senkrechten
schwarzen Pfeil, unter Druck eintritt. Nachdem es im Rotor die Verdichtungsarbeit
geleistet hat, tritt es durch den Abgasaustrittsstutzen 5 parallel zur Rotorachse
in eine nicht dargestellte Auspuffanlage aus, was durch den waagrechten schwarzen
Pfeil angedeutet ist. Das Luftgehäuse 2 weist, wie aus Fig. 2 hervorgeht, einen waagrechten
Lufteinlassstutzen 6 auf, durch den Luft von Atmosphärendruck angesaugt wird, sowie
einen senkrechten Ladeluftauslassstutzen 7, siehe Fig. 1, durch den die in den Rotorzellen
verdichtete Ladeluft austritt und von dort durch eine nicht dargestellte Ladeluftleitung
einlasseitig dem Motor zugeführt wird. Ein-und Auslass der Luft sind durch die weissen
Pfeile in den beiden Figuren dargestellt. Der Einlass kann nur in Fig. 2 dargestellt
werden, da der Lufteinlassstutzen in Fig. 1 nicht sichtbar ist. Das im Gasgehäuse
3 befindliche Abgasabblaseventil 8 ist in stark vereinfachter Darstellung aus Fig.
2 zu ersehen.
[0014] Die Fig. 3 und 4 zeigen das Gasgehäuse 3 mit dem Abgasabblaseventil 8 in einem Längsschnitt
bzw. in einem Seitenriss. Das Abblaseventil 8 weist als Schliessorgan eine Klappe
9 auf. Diese ist mit einem Nietzapfen 10 versehen, der mit axialem und radialem Spiel
in einer Bohrung eines plattenförmigen Klappenhebels 11 sitzt und darin mittels einer
Scheibe 12 und eines Nietkopfes 13 gehalten ist. Der Klappenhebel 11 ist mit dem unteren
Ende einer Klappenwelle 14 starr verbunden, z.B. durch Schweissung. Diese Klappenwelle
ist in einer Lagerbüchse 15 geführt und erstreckt sich schräg nach oben durch das
Gasgehäuse 3 nach aussen, wo sie mit einem Hebel 16 drehsteif verbunden ist. Dieser
trägt an seinem freien Ende einen Bolzen 17 zum Anschluss eines nicht dargestellten
Gestänges, das die Klappe 9 mit einer eingangs erwähnten Regeleinrichtung verbindet.
[0015] Um nun die in der Einleitung erwähnte Querkomponente der Abblaseströmung, die durch
den Abblasekanal 18 in die an den Abgasaustrittsstutzen 5 anschliessende Auspuffanlage
eintritt, zu vermeiden oder mindestens entscheidend zu verkleinern, ist in einem Abstand
um die Klappe 9 herum ein Striktionsschirm 19 vorgesehen. Durch ihn werden die Stromfäden,
die bei Verwendung einer billigen Klappe anstelle eines teureren, aber axialsymmetrisch
umströmten Teller- oder Pilzventils die ungestörte Abströmung im Auspuffkanal und
damit die eingangs erwähnte Spülung der Rotorzellen beeinträchtigen, gleich nach dem
Durchtritt durch den von der Klappe freigegebenen Ringspalt in eine zur Achse des
Abgasaustrittsstutzens 5 parallele Richtung gezwungen, wie dies durch die strichpunktierten
Stromlinien in Fig. 3 angedeutet ist. Die strichpunktierte Darstellung der Stromlinien
wurde gewählt, weil die Klappe 9 im geschlossenen Zustand dargestellt ist. Es sind
also die Stromlinien, wie sie bei offener Klappe auftreten würden.
[0016] Dieser Striktionsschirm 19 umgibt nicht den ganzen Umfang der Klappe 9, sondern ein
Teil desselben als zur Klappe 9 koaxialer Halbkreisring nur deren halben Umfang. Die
beiden Enden dieses Halbkreisringes laufen dort anschliessend in je eine Spitze aus,
deren innere Begrenzungen, radial einwärts gesehen, parallel zu den Längskanten des
Klappenhebels 11 verlaufen. Der auf diese Weise für den Klappenhebel 11 ausgesparte
Bereich des Striktionsschirms verschlechtert seine Richtwirkung nicht, da sich dort
die engste Stelle des Klappenspaltes befindet und die Strömung auch durch den benachbarten
Wandteil des Abgasaustrittsstutzens 5 in die achsparallele Richtung gezwungen wird.
[0017] Bei der Ausführung nach Fig. 5 liegt die Achse des Striktionsschirms 20 um die Strecke
x exzentrisch zur Achse der zugehörigen Klappe 21. Man erhält dadurch einen grösseren
Abströmungsquerschnitt nach dem Klappenspalt.
[0018] Es bleibt noch nachzutragen, dass bei der Ausführung des Gasgehäuses nach den Fig.
3 bis 5 der Abgaseintrittsstutzen 4 nicht, wie bei dem Druckwellenlader gemäss den
Fig. 1 und 2, auf der Oberseite, sondern auf der Unterseite angeordnet ist.
[0019] Es ist auch möglich, den Striktionsschirm als vollen Kreisring auszuführen, der also
den ganzen Umfang der Klappe mit Abstand koaxial oder exzentrisch umschliesst. Der
Klappenhebel muss dann entsprechend gekröpft ausgeführt sein.
1. Druckwellenlader mit einem Abgasabblaseventil, welcher Druckwellenlader ein Rotorgehäuse
(1) mit einem Zellenrotor aufweist, in dem das Abgas eines Verbrennungsmotors die
vom Vebrennungsmotor benötigte Verbrennungsluft verdichtet, ferner mit einem Luftgehäuse
(2), durch das atmosphärische Luft angesaugt und nach Verdichtung im Zellenrotor als
Ladeluft dem Verbrennungsmotor zugeführt wird, sowie mit einem Gasgehäuse (3) mit
einem Abgasraum, über welchen das vom Verbrennungsmotor kommende Abgas in den Zellenrotor
geleitet und nach seiner Entspannung im Zellenrotor über einen Abgasaustrittsstutzen
(5) in einen Auspuffsammler abgeleitet wird, wobei das Abgasabblaseventil in einer
den genannten Abgasraum vom Abgasaustrittsstutzen (5) trennenden Wand des Gasgehäuses
(3) angeordnet und als Klappenventil ausgebildet ist, dessen Klappe (9) über einen
Klappenhebel (11), eine Klappenwelle (14) und einen Hebel (16) mit einer von einem
Prozessdruck des Druckwellenladers beaufschlagten Regeleinrichtung in Wirkverbindung
steht, dadurch gekennzeichnet, dass im Abgasaustrittsstutzen (5) ein Striktionsschirm
(19; 20) vorgesehen ist, der zumindest einen Teil des Umfanges der Klappe (9; 21)
in einem Abstand von deren Umfang umgibt und dessen Wandung sich im wesentlichen parallel
zur Achse des Abgasaustrittsstutzens (5) in diesen hinein erstreckt.
2. Druckwellenlader nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Klappe (9) als
Kreisscheibe mit einem Nietzapfen (10) ausgeführt ist, der zur Verbindung mit dem
Klappenhebel (11) dient, und dass die Wandung des Striktionsschirms (9) koaxial zur
Klappe (9) ist.
3. Druckwellenlader nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Klappe (21)
als Kreisscheibe mit einem Nietzapfen ausgeführt ist, der zur Verbindung mit dem Klappenhebel
dient, und dass die Wandung des Striktionsschirms (20) um eine Strecke (x) exzentrisch
zur Achse der Klappe (21) liegt, derart, dass die Mitte der Wandung des Striktionsschirms
(20) vom Umfang der Klappe
(21) weiter entfernt ist als die beiden Enden der Wandung des Striktionsschirms (20).