(19)
(11) EP 0 131 169 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
16.01.1985  Patentblatt  1985/03

(21) Anmeldenummer: 84106797.8

(22) Anmeldetag:  14.06.1984
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)4: F41D 10/04
(84) Benannte Vertragsstaaten:
CH DE FR LI

(30) Priorität: 12.07.1983 DE 3325093

(71) Anmelder: Rheinmetall GmbH
40880 Ratingen (DE)

(72) Erfinder:
  • Schenk, Norbert
    D-4000 Düsseldorf (DE)

(74) Vertreter: Podszus, Burghart, Dipl.-Phys. 
Rheinmetall GmbH Ulmenstrasse 125 Postfach 6609
D-4000 Düsseldorf
D-4000 Düsseldorf (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Gurtzuführer


    (57) Die Erfindung betrifft einen Gurtzuführer 100 für patronierte Munition mit einerZuführwelle 40 und einem von der Zuführwelle 40 angetriebenen Schaltglied in Form eines Sternrads 9.
    Um Beschädigungen im Kupplungsteil der Zuführwelle 40 zu verhindern, die durch unkontrolliertes Fortbewegen des Gurts 5, 6, 7 in Schubrichtung 12 entstehen können, ist ein mit einem Hebelarm 10' in die Laufebene des Gurts 5,6,7 eingeschwenkter, drehbar gelagerter Hebel 1 vorgesehen, dessen Steurfläche b eine unkontrollierte Fortbewegung des Gurts 5, 6, 7 bremst.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft einen Gurtzuführer nach dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.

    [0002] Ein derartiger Gurtzuführer und sein Antrieb ist z. B. aus der DE-OS 30 15 130 bekannt. Derartige Gurtzuführer werden entsprechend dem Schußrhytmus zwangsweise taktgesteuert betrieben, indem ein mit der Zufuhrwelle des Gurtzuführers verbundenes Schaltglied, insbesondere in Form eines Sternrades, in die Gurtglieder eingreift, um die von diesen gehalterten Patronen nacheinander in Entnahmeposition zu bringen. Die Zuführwelle ihrerseits ist vermittels einer trennbaren Kupplung an eine Antriebsquelle anschaltbar.

    [0003] Bei diesem bekannten Gurtzuführer kann es vorkommen, daß der zunächst während eines Vorschubtakts in Vorschub- bzw. Transportrichtung fortbewegte Gurt das den Transport bewirkende Schaltglied und damit auch die mit diesem verbundene Zuführwelle in Transportrichtung weiterbewegt, wenn die zwangsgesteuerte Vorlaufsperre ausgeschaltet und eine zuvor in Entnahmeposition fortbewegte Patrone durch den Verschluß aus dem Gurtzuführer ausgeschoben worden sind. Dadurch ergibt sich aber eine verringerte Überdeckung der Zahnflanken im Kupplungsbereich der Zuführwelle, so daß die Gefahr besteht, daß beim nächsten Vorschubtakt, der durch ein Schließen der Kupplung mit Eingriff der einander gegenüberstehenden Zahnflanken eingeleitet wird, infolge der größeren Flächenpressung die Kupplungsteile beschädigt werden.

    [0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen neuartigen Gurtzuführer anzugeben, bei dem die Gefahr derartiger Beschädigungen beseitigt ist, wodurch sich eine größere Betriebssicherheit und Zuverlässigkeit, insbesondere auch eine längere Lebensdauer der Waffe erreichen läßt.

    [0005] Diese Aufgabe wird durch die in Patentanspruch 1 angegebene Erfindung gelöst.

    [0006] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung gehen aus den Unteransprüchen hervor.

    [0007] Die Erfindung wird nachfolgend unter Bezug auf die Zeichnung näher erläutert. Dabei zeigt:

    Fig. l: einen Querschnitt durch die für die Erläuterung der Erfindung wesentlichen Teile des Gurtzuführers;

    Fig. 2: in schematischer Darstellung das Zusammenspiel von Zahnflanken im Kupplungsbereich ohne die Erfindung;

    Fi.g 3: in schematischer Darstellung das Zusammenspiel von Zahnflanken im Kupplungsbereich unter Anwendung der Erfindung.



    [0008] Fig. 1 zeigt eine Schnittdarstellung, durch die für die Erläuterung der Erfindung wesentlichen Teile eines Gurtzuführers 100. Der Gurtzuführer besteht aus einem Zuführgehäuse 3, in dem eine Zuführwelle 40 drehbar gelagert ist. Die Zuführwelle 40 ist über eine in Fig. 1 nicht dargestellte Kupplung, zumindest zeitweilig mit einer ebenfalls nicht dargestellten Antriebsquelle verbindbar. Bei einer fremdangetriebenen Waffe ist diese Antriebsquelle in der Regel ein Elektromotor. Bei einer Waffe mit Eigenantrieb wird in bekannter Weise die Antriebsenergie entweder aus der Rücklaufenergie, aus dem Gasdruck oder aus der Verschlußbewegung entnommen.

    [0009] Mit der Zuführwelle 40 fest verbunden ist ein Schaltglied in Form eines Sternrades 9, das mit seinen Zacken in die Patronen 5, 6, 7 des Gurtes eingreift und diese taktweise in Vorschubrichtung fortbewegt, so daß die jeweils führende Patrone in Entnahmeposition gelangt. Aus dieser Entnahmeposition wird die Patrone durch den nicht dargestellten Verschluß dem Waffenrohr zugeführt. Die Drehrichtung des als Schaltglied wirkenden Sternrads 9 ist durch den mit Bezugsziffer 12' gekennzeichneten Pfeil angegeben; die daraus resultierende Lauf- oder Vorschubrichtung des Gurts 5, 6, 7 ist durch den Pfeil 12 angedeutet. Der Gurtzuführer 100 transportiert den Gurt 5, 6, 7 in Richtung des Pfeils 12. Dabei kann der so angeregte Gurt 5, 6, 7 nach Ausschaltung der zwangsgesteuerten Vorlaufsperre, deren Teile in der Zeichnung nicht dargestellt sind, und nach dem Ausschieben der in Ausschiebposition befindlichen führenden Patrone infolge seiner Massenträgheit das Sternrad 9 und damit die mit diesem Sternrad 9 drehfest verbundene Zuführwelle 40 weiter in Transportrichtung 12 verdrehen. Dies hat in nachteiliger Weise zur Folge, daß im Kupplungsbereich der Zuführwelle 40,.der in Figl 1 nicht sichtbar ist weil er sich hinter der Zeichenebene befindet, die Zahnflanken der Transportkupplung 21 und des Transportritzels 20 außer Eingriff geraten. Diese Situation ist anhand der schematischen Darstellung nach Fig. 2 und Fig.3 erläutert. Im Idealzustand haben die Zahnflächen der Transportkupplung 21 und des Transportritzels 20 die in Fig. 3 mit X bezeichnete großflächige Überdeckung. Bei Krafteinleitung entsteht eine vergleichsweise geringe Flächenpressung, die eine Beschädigung der Zahnflanken ausschließt und somit zu einer großen Betriebssicherheit und langen Lebensdauer der Waffen beiträgt.

    [0010] Bei der durch den Gurt 5, 6, 7 veranlaßten unerwünschten Verdrehung des Sternrads 9 trennen sich die Zahnflanken der Transportkupplung 21 und des Transportritzels 20 - wie in Fig. 2 dargestellt - wenn die Zähne der Transportkupplung 21 in Richtung des Pfeils 22 ausweichen. Dadurch nimmt aber die Überdeckung zwischen den einander zugeordneten Zahnflächen ab und erreicht nur noch den wesentlich kleineren Wert Y. Bei einem neu einsetzenden Vorschubtakt prallen die zusammenwirkenden Zahnflächen nur noch im Überdeckungsbereich Y aufeinander. Dadurch wird eine wesentlich größere Flächenpressung hervorgerufen, die zu Beschädigungen, beispielsweise zum Verformen der Zahnflächen bzw. Brechen der Zähne Anlaß gibt. Augenfällig wird dadurch aber die Betriebssicherheit und Lebensdauer der Waffe stark verringert.

    [0011] In Fig. 1 sind nun diejenigen Mittel dargestellt, die erfindungsgemäß die vorstehend beschriebenen nachteiligen Folgen verhindern. Es handelt sich dabei um Mittel, die - zumindest zeitweilig - die unerwünschte Fortbewegung des Gurts 5, 6, 7 bremsen oder aufhalten und auf diese Weise das Trennen von Zahnflanken im Kupplungsbereich des Gurtzuführers 100 verhindern. Die Mittel bestehen im einzelnen aus einem Hebel 1 mit zwei Hebelarmen 10', 10", der um eine im Waffengehäuse 3 angeordnete Drehachse 4 derart schwenkbar gelagert ist, daß der Hebelarm 10' des Hebels 1 in die Laufebene des Gurts 5, 6, 7 hineinragt.

    [0012] Der zweite Hebelarm 10" des Hebels 1 verfügt über eine Anschlagfläche c, die in Ruhelage des Hebels 1 auf einer Gegenfläche c' im Zuführergehäuse aufliegt und damit die Ruhelage bzw. Endstellung des Hebels 1 fixiert. Zwischen dem Hebelarm 10' des Hebels 1 und dem Zuführergehäuse 3 ist zusätzlich noch eine Feder 2 angeordnet, deren Endstücke in jeweils im Hebelarm 10' bzw. im Zuführergehäuse 3 vorgesehenen Bohrungen gelagert sind. Durch diese Feder 2 wird der Hebel 1 derartig vorgespannt, daß er stets bestrebt ist, seine Ruhelage einzunehmen, bei der die Anschlagfläche c auf der Gegenfläche c' aufliegt.

    [0013] In Ruhelage des Hebels 1 ist sein erster Hebelarm 10' in die Laufebene des Gurts 5, 6, 7 eingeschwenkt, so daß die Steuerflächen a, b des Hebelarms 10' zwischen den Patronen 5. 6 des Gurts liegen. Bei einer Vorschubbewegung des Gurts 5, 6, 7 in Richtung des Pfeils 12' legt sich die Steuerfläche b des Hebelarms 10' tangential an die Außenmantelfläche der Patrone 5 und hemmt bzw. bremst auf diese Weise die Fortbewegung des Gurts in Schubrichtung 12, da der Hebel 1 entgegen der Kraftwirkung der Feder 2 in die eine Richtung des mit Bezugsziffer 11 gekennzeichneten Doppelpfeils zurückgedrückt werden muß. Mit Bezugsziffer 8 ist eine Patrone dargestellt, die während eines Transportschritts gerade den Hebelarm 10' des-Hebels 1 passiert und dabei diesen Hebel 1 in seine von der Ruhelage abweichende zweite Extremposition abhebt. Durch den zuvor beschriebenen Bremsvorgang wird erreicht, daß im antriebslosen Zustand der Gurt 5, 6, 7 sich nicht in unerwünschter Weise weiter in Schubrichtung 12 fortbewegen kann, mit der Folge, daß auch die Zuführwelle 40 nicht zu einer Drehbewegung veranlaßt wird und letztlich die Zahnflanken im Kupplungsbereich in der in Fig. 3 dargestellten optimalen Position verharren können.

    [0014] Nachdem die Patrone 8 über den Hebelarm 10' den Hebel 1 in seine extreme Arbeitsstellung ausgelenkt hat, gleitet sie an der zweiten Steuerfläche a entlang. Dabei kehrt der Hebel 1 in seine Ruhelage zurück, während er vermittels dieser Steuerfläche a der Patrone noch einen zusätzlichen Impuls in Vorschubrichtung 12 verleiht.

    [0015] In besonders vorteilhafter Weise erleichtert der Hebel 1 auch noch das Beladen des Gurtzuführers mit einem gefüllten Gurt, da er bei Einführung des Gurtführungsstücks dieses gegen die Seitenwand 10 des Waffengehäuses 3 andrückt und damit das Einführen des Gurtführungsstücks in die Entgurtungsschienen 50 ermöglicht, die im Gurtzuführer 100 angeordnet sind. Auf gleiche Weise wird schließlich auch eine sichere Einführung des Gurtendes selbst ermöglicht, wodurch Hemmungen im Funktionsablauf der Waffe vermieden werden.


    Ansprüche

    1. Gurtzuführer für patronierte Munition mit einer Zufuhrwelle und einem von der Zuführwelle angetriebenen, zwecks deren Weitertransports die von dem Gurt gehaltenen Patronen erfassenden Schaltglied, insbesondere in Form eines Sternrades, und einer zwischen Zuführwelle und Antriebsquelle angeordneten Kupplung, dadurch gekennzeichnet, daß Mittel zur zeitweiligen Abbremsung des Gurts (5, 6, 7) vorgesehen sind.
     
    2. Gurtzuführer nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Mittel zur Abbremsung des Gurts (5, 6, 7) aus einem Hebel (1) mit Hebelarmen (10', 10") bestehen, der um eine im Zuführergehäuse (3) angeordnete Drehachse (4) in die Laufebene des Gurts (5, 6, 7) hineinragend schwenkbar gelagert ist.
     
    3. Gurtzuführer nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß der in die Laufebene des Gurts (5, 6, 7) hineinragende erste Hebelarm (10') des Hebels (1) zwei Steuerflächen (a, b) aufweist, die - zeitlich gestaffelt - wechselweise als Tangentialflächen an den Außenmantel zweier benachbarter Patronen (5, 6,) des Gurts (5, 6, 7) zur Anlage gebracht werden können.
     
    4. Gurtzuführer nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Steuerflächen (a, b) als ebene Flächen ausgebildet sind.
     
    5. Gurtzuführer nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß der zweite Hebelarm (10") des Hebels (1) eine Anschlagfläche (c) aufweist, die in Ruhelage des Hebels (1) auf einer Gegenfläche (c') im Zuführergehäuse (3) aufliegt.
     
    6. Gurtzuführer nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß eine Feder (2) zwischen dem Hebelarm (10') des Hebels (l) und dem Zuführergehäuse (3) angeordnet ist, deren Endstücke jeweils in Ausdrehungen (2', 2'') des Hebelarms (10') bzw. des Zuführergehäuses (3) gelagert sind.
     
    7. Gurtzuführer nach einem der Ansprüche 1 bis 6, gekennzeichnet durch die Verwendung des Hebels (1, 10', 10") als Einführungshilfe für das Anfangsstück bzw. Endstück des Gurts (5, 6, 7) in die Entgurtungsschienen (50).
     




    Zeichnung