[0001] Radikalische Polymerisationen ethylenisch ungesättigter Monomeren werden im allgemeinen
unter Rührung durchgeführt, meist in Rührbehältern, z. B. Rührautoklaven. Diese Behälter
besitzen dafür neben Kühl- und Heizeinrichtungen sowie Zu- und Ableitungen, auf die
hier nicht weiter eingegangen werden muß, da sie dem Fachmann geläufig sind, Rührvorrichtungen,
die meist aus einem über eine Rührachse angetriebenen Rührer und vielfach zusätzlichen
Statoren bestehen. Die Statoren, meist Bleche oder Verdrängerkörper verschiedenster
Formen dienen dabei als Stromstörer. Damit soll eine bessere Durchmischung erreicht
werden.
[0002] Die Rührer selbst sitzen meist an senkrechten Rührachsen (Rührerschäften), die entweder
von oben oder unten im allgemeinen zentrisch in den Behälter hineinragen. Auf solche
Weise von oben angetriebene Rührer besitzen'im allgemeinen den Vorteil geringerer
Dichtungsprobleme an der Durchführung des Rührerschaftes durch die Behälterwandung,
sofern eine solche Durchführung überhaupt notwendig ist, jedoch treten aufgrund der
größeren Länge des Schaftes vielfach Schwingungs-(Resonanz-) Probleme auf, und der
Schaft muß überdies größere Verwindungssteifigkeit besitzen. Diese Nachteile besitzt
der Unterantrieb vergleichsweise in weitaus geringerem Ausmaß, da bei ihm der Rührerschaft
kürzer gehalten werden kann, jedoch treten bei dieser Ausführungsform dafür größere
Abdichtungsprobleme auf.
[0003] Für den Erfolg der im folgenden beschriebenen Erfindung sind - beide Ausführungsformen
geeignet, so daß der Fachmann die ihm für die Lösung seines speziellen Problems geeigneter
erscheinende Ausführungsform auswählen kann.
[0004] Rührer werden in den verschiedensten ein- und mehrstufigen Bauformen eingesetzt,
z. B. Kreiselrührer, Konusrührer, Rührwalzen, Schneidrührer, Balkenrührer, Fingerrührer,
Rahmenrührer, Blattrührer, Turbinenrührer, Propellerrührer, Scheibenrührer, Ankerrührer
und Impellerrührer.
[0005] Verglichen mit normalem Rührverfahren, z. B. dem Herstellen und Homogenisieren von
Lösungen, treten bei radikalischen Polymerisationen zusätzliche Schwierigkeiten auf.
[0006] Eines der größten Probleme bei der Herstellung von Polymerdispersionen, -suspensionen
und -emulsionen ist die Gewährleistung der gleichmäßigen Rührung im gesamten Reaktionsgemisch,
so daß sich keine Ruhezonen mit Monomernestern bilden können. In solchen Ruhezonen
bilden sich ansonsten Polymer beläge an den Wandungen und Einbauten, bzw. zumindest
bildet sich dort nicht spezifikationsgerechtes Polymer, das das restliche Produkt
verunreinigt und ggf. mühsam, sofern überhaupt möglich, abgetrennt und verworfen werden
muß. Die gleichmäßige Rührung über den gesamten Polymerisationsverlauf zu gewährleisten,
stellt aufgrund der sich ständig ändernden Zusammensetzung das Reaktionsgemisches
und des damit sich ändernden Viskositätsverhaltens den Fachmann vor große Probleme.
Bekanntermaßen können das vielfach auftretende und sich zeitlich ändernde "nicht-newton'sche"
Fließverhalten der flüssigen Phase solcher Polymerisationsgemische nicht so durch
an sich übliche Rührversuche mit Wasser oder mit wäßrigen Lösungen nachgestellt werden,
daß sich daraus für die eigentliche Verwendung der Rührsysteme bei der Polymerisation
verläßliche Daten sammeln lassen.
[0007] So lassen sich beispielsweise kaum verläßliche Daten über die Spitzen der Leistungsaufnahme
der Rührer gewinnen, mit der Folge, daß aus Sicherheitsgründen die Polymerisationen
mit größerer Verdünnung gefahren werden müssen.
[0008] Eine dringliche Aufgabe bestand daher darin, die bisherigen Vorrichtungen zur radikalischen
Polymerisation ethylenisch ungesättigter Monomeren in wäßrigem Medium so zu verbessern,
daß die Polymerisationsreaktionen mit höheren Monomerkonzentrationen durchgeführt
werden können, ohne daß für die Rührung die oben angesprochenen Sicherheitsrisiken
auftreten, und ohne daß sich die üblichen Qualitätsschwankungen der Monomeren sofort
negativ auf die Produktqualität auswirken.
[0009] Diese Aufgabe wurde gelöst durch eine solche Vorrichtung, bestehend aus einem üblichen
Reaktionsbehälter, meist geschlossenem Behälter, z. B. einem Autoklaven, mit üblichen
Zu- und Ableitungen, die im allgemeinen über Ventile mit dem Behälter verbunden sind,
und einem speziellen zentrisch eingebauten Impellerrührer 1, dessen senkrechter Rührerschaft
2 mit der Längsachse des üblicherweise zylindrischen Behälters zusammenfällt und der
einen Durchmesser d vom 0,2- bis 0,9-fachen, vorzugsweise 0,4- bis 0,7-fachen, des
Behälterinnendurchmessers D besitzt. Der Behälter kann außerdem mit üblichen Kühl-
und/oder Heizvorrichtungen, z. B. Kühl- bzw. Heizmantel, der von einem Wärmetransportmedium
durchflossen wird, und/ oder vorzugsweise Rückflußkühler und weiteren üblichen Ein-
. bauten versehen sein, z. B. Verdrängerkörpern, Stromstörern, Vorrichtungen zum Besprühen
der Wandungen und Einbauten etc.
[0010] Der spezielle Impellerrührer 1 besitzt an der Rührerachse 3 einen Bodenabstand vom
0,05- bis 0,15-fachen des Rührerdurchmessers d, die Impellerflügel 11 besitzen einen
Anstellwinkeln von 0 bis 30° (nach oben) gegenüber der Horizontalen, so daß der Bodenabstand
an den Flügelspitzen 4 im selben Bereich liegt wie an der Rührerachse 3, im wesentlichen
zur Rührerachse 3 parallele Anströmflächen 5 und im wesentlichen dreieckigen bis halbkreisähnlichen
(halbrunden) Querschnitt 12. Die Flügelhöhe h beträgt das 0,1- bis 1-fache, vorzugsweise
das 0,1- bis 0,5-fache, insbesondere das 0,15- bis 0,3-fache des Rührerdurchmessers
d, die Blattdicke t der Rührflügel .11 beträgt das 0,5- bis 5-fache, vorzugsweise
das 0,6- bis 1-fache der Flügelhöhe h. Die Impellerflügel 11 sind meist entgegen der
Drehrichtung 10 gebogen, das Verhältnis des Rührerdurchmessers d zum Radius r der
Flügel beträgt 0 bis 4, vorzugsweise 1 bis 3.
[0011] Vielfach ist es bevorzugt, die Vorderkanten 6 der Rührflügel 11 abzurunden. Als besonders
zweckmäßig hat sich ein Verhältnis des zugehörigen Krümmungsradius k zur Blatthöhe
h von k/h = 0,01 bis 0,3 erwiesen.
[0012] Bei der bevorzugten Verwendung der erfindungsgemäßen Vorrichtung zur Herstellung
von Vinylchlorid-Polymerisaten im wäßrigen Medium nach dem Suspensionspolymerisationsverfahren
haben sich überraschenderweise folgende Vorteile ergeben:
1. Der Rührer 1 kann mit niedrigerer Drehzahl betrieben werden, seine Leistungsaufnahme
während der Polymerisation ist gleichmäßiger und geringer als bei herkömmlichen Vorrichtungen.
2. Die Dispergierleistung ist größer, so daß gegebenenfalls das Monomer/Wasser-Verhältnis
gesteigert werden kann.
3. Der Einfluß von Schwankungen der Qualität der Monomeren auf das Produkt ist deutlich
vermindert. Schwankungen der Produktqualität können verkleinert werden.
4. Die Stippenbildung ist deutlich herabgesetzt.
5. Aufgrund fehlender oder zumindest geringerer Bildung von Wandbelag können die Reaktionszeiten
herabgesetzt werden.
[0013] Der erfindungsgemäß eingesetzte modifizierte Impellerrührer 1 kann im Rahmen der
erfindungsgemäßen Vorrichtung bevorzugt im Reaktionsautoklaven mit im wesentlichen
zylindrischer Form mit Klöpper-, Korb- oder Flachböden eingesetzt werden. Das Verhältnis
der lichten Höhe zum innendurchmesser beträgt vorzugsweise H/D = 1 - 3.
[0014] Der Impeller 1 ist in den Behälter so eingebaut, daß sein Rührerschaft 2 mit der
Längsachse oder Teilen der Längsachse des zylindrischen Behälterteils zusammenfällt.
Der Rührer 1 kann von oben oder von unten angetrieben werden.
[0015] In den beiliegenden Figuren 1 - 3 wird eine bevorzugte Ausführungsform des Rührers
1 schematisch dargestellt.
[0016]
Fig. 1 stellt eine Aufsicht auf den Rührer 1 dar (längs des Rührerschaftes 2),
Fig. 2 stellt einen Querschnitt durch einen Rührerflügel 11 (entlang der.Markierung
A - A von Fig. 1) dar, und
Fig. 3 stellt eine Seitenansicht des Rührers 1 dar. Zur Erleichterung der Befestigung
der Impellerflügel 11 am Schaft 2 kann die Form der Flügel 11 von der oben beschriebenen
Ausführungsform am inneren Ende 7 abweichen, wie z. B. auch in den Figuren 1 und 3
dargestellt ist. Vorzugsweise wird dieser Bereich allerdings möglichst klein gehalten.
Z. B. kann der Querschnitt der Flügel an der Befestigungsstelle 8 kreisförmig oder
elliptisch,sein.
[0017] Auch ist es möglich, die Kanten der äußeren Flügelenden 9 abzurunden, z. B. hat sich
auch dort bewährt, eine Rundung mit dem Radius k vorzusehen.
[0018] Die erfindungsgemäße Vorrichtung kann selbstverständlich in all den Materialien ausgeführt
sein, aus denen die bisherigen Vorrichtungen gefertigt werden konnten, z. B. aus rostfreien
Stählen, auch können die bisher verwendeten Beschichtungen im Rahmen der Erfindung
verwendet werden, z. B. Glas- und Emailüberzüge.
[0019] Die folgenden Beispiele und Vergleichsversuche dienen lediglich der weiteren Erläuterung
der Erfindung, sie besitzen keinen beschränkenden Charakter.
Ausführurpsform 1 - normaler Impellerrührer
[0020]

Ausführungsform 2 - erfindungsgemäßer Impellerrührer
[0021]

Beispiel 1 :
[0022]

Beispiel 2:
[0023]

Beispiel 3:
[0024]

Beispiel 4:
[0025]

1. Vorrichtung zur Durchführung einer radikalischen Polymerisation ethylenisch ungesättigter
Monomeren in wäßrigem Medium, bestehend aus einem üblichen Reaktionsbehälter mit üblichen
Zu- und Ableitungen, einem zentrisch eingebauten Impellerrührer mit senkrechtem Rührerschaft
und einem Durchmesser d von 0,2 bis 0,9 des Behälterinnendurchmessers D, gegebenenfalls
mit Kühl- und/oder Heizvorrichtungen und gegebenenfalls weiteren üblichen Einbauten,
dadurch gekennzeichnet , daß der Imptllerrührer an der Rührerachse einen Bodenabstand
vom 0,05- bis 0,15-fachen des Rührerdurchmessers d besitzt, daß die Impellerflügel
einen Anstellwinkel α von 0 bis 30° gegenüber der Horizontalen besitzen, so daß der
Bodenabstand an den Flügelspitzen im selben Bereich wie an der Rührerachse liegt,daß
die Flügel im wesentlichen zur Rührerachse parallele Anströmflächen und im wesentlichen
dreieckigen bis halbkreisähnlichen Querschnitt besitzen, daß die Flügelhöhe h das
0,1- bis 1-fache des Rührerdurchmessers d, daß das Verhältnis des Rührerdurchmessers
d zum Radius r der gegebenenfalls entgegen der Drehrichtung gebogenen Flügel 0 bis
4 und das der Blattdicke t zur Blatthöhe h 0,5 bis 5 betragen.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet , daß die Vorderkanten der
Impellerflügel abgerundet sind und der Krümmungsradius k das 0,01- bis 0,3-fache der
Blatthöhe h beträgt.
4. Verwendung der Vorrichtung gemäß einem der vorangehenden Ansprüche zur Herstellung
von Vinylchlorid-Polymerisaten in wäßrigem Medium nach dem Suspensionspolymerisationsverfahren.