[0001] Im Stand der Technik sind Verfahren zur Herstellung von Grünlingen aus Metall- oder
Keramikpulver durch kaltisostatisches Pressen bekannt. Das entsprechende Pulver wird
in eine elastische Form (z. B. aus Gummi) eingefüllt und durch hydrostatischen Druck
(500 bis 6000 bar) verdichtet. Durch Einlegen von Kernen ist es möglich, auch eine
Innenkontur herzustellen. Mit den bekannten Verfahren lassen sich komplizierte Außenkonturen
z. B. Turbinenräder nicht herstellen. Dies ist darauf zurückzuführen, daß beim Abbau
des Druckes die Form auffedert und noch am Formkörper anliegt. Hierdurch werden radial
nach außen gerichtete, bzw. axiale Kräfte auf den Grünling übertragen, die zur Zerstörung
empfindlicher, z. B. dünnwandiger Bereiche des Grünlings führen können.
[0002] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Herstellung von Formteilen,
insbesondere solchen mit komplizierter Außenkontur, durch kaltisostatisches Pressen,
bei dem eine undurchdringliche, dünnwandige und elastische Hülle an der Innenwand
einer teilbaren äußeren Stützform aus offenporigem Material zur Anlage gebracht indem
die äußere Stützform einem Unterdruck ausgesetzt wirc wird, worauf die elastische
Hülle mit pulverförmigem Formmaterial gefüllt und verschlossen wird und anschließend
einem kaltisostatischen Preßdruck ausgesetzt wird.
[0003] Ein solches Verfahren ist aus der DE-OS 14 83 684 bekannt. Der Vorteil dieses Verfahrens
gegenüber dem eingangs genannten Stand der Technik besteht darin, daß hohe Formtreue
erzielbar ist, ohne daß der Aufwand für die Einformung selbst unvertretbar hoch ist.
Die mit dem pulverförmigen Formmaterial gefüllte dünnwandige elastische Hülle hat
aber keine Eigensteifigkeit, so daß die Stützform beim kaltisostatischen Preßvorgang
benötigt wird, um die gewünschte Außenkontur des Formteils zu gewährleisten. Hierdurch
ergeben sich jedoch in erheblichem Ausmaß Einschränkungen bezüglich der herstellbaren
Außenkonturen. So sind z. B. solche Formteile mit dem vorgenannten Verfahren nicht
herstellbar, die stark gekrümmte Konturen mit Hinterschneidungen aufweisen, da hierdurch
beim Schwund im Verlauf des isostatischen Pressens eine Kollision mit der äußeren
Stützform auftreten würde. Aber selbst dann, wenn durch den Schwund des Formteils
nicht unmittelbar eine Kollision mit der äußeren Stützform zu besorgen wäre, bestünde
doch die Gefahr, daß aufgrund des Nicht-Mitschwindens der äußeren Stützform Kräfte
auf das zu pressende Formteil ausgeübt werden, die zur Rißbildung führen.
[0004] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es deshalb, ein Verfahren zur Herstellung
von Formteilen durch kaltisostatisches Pressen der eingangs genannten Art zu schaffen,
bei dem mit geringem Aufwand komplizierte Formteile präzise gepreßt werden können,
ohne daß Einschränkungen bezüglich der herzustellenden Kontur gemacht werden müßten
oder eine Nachbehandlung erforderlich wäre. Erfindungsgemäß wird die gestellte Aufgabe
dadurch gelöst, daß bei einem Verfahren nach dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1
nach dem Einfüllen des Pulvers der Unterdruck an der äußeren Stützform gelöst und
Unterdruck in der Hülle erzeugt wird und daß vor dem kaltisostatischen Pressen die
äußere Stützform entfernt wird.
[0005] Der Hauptvorteil des erfindungsgemäßen Verfahren liegt darin, daß beim kaltisostatischen
Pressen selbst der Grünling nur von einer dünnwandigen elastischen Hülle umgeben ist
und somit hinsichtlich der erzeugbaren Kontur keinerlei Einschränkungen gemacht werden
müssen. Trotz der nur dünnwandigen und elastischen Hülle weist der Grünling aber höchste
Formstabilität auf, die dadurch erzielt wird, daß vor dem Herausnehmen aus der äußeren
Stützform Unterdruck in der Hülle erzeugt wird.. Der Unterdruck führt dazu, daß die
einzelnen Pulverteilchen gegeneinander nicht mehr verschieblich sind und somit die
von der äußeren Stützform abgenommene Kontur mit größter Genauigkeit beibehalten wird.
Dadurch läßt sich höchste Formtreue des fertig
gepreßten Formteils erreichen. Eine vorteilhafte Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Verfahrens ist dadurch gekennzeichnet, daß die äußere Stützform in einem geschlossenen
Behälter mit Anschlußleitungen zur Erzeugung von Unter- bzw. Überdruck und für das
Einfüllen des pulverförmigen Materials aufgenommen ist. Durch diese Ausgestaltung
eignet sich das erfindungsgemäße Verfahren für die Serienherstellung.
[0006] Vorteilhaft ist es, wenn die elastische Hülle eine Wandstärke von 0,1 bis 1 mm aufweist
und, wie an sich bekannt, aus Gummimaterial gebildet wird. Für die Durchführung des
erfindungsgemäßen Verfahren ist eine besonders geringe Wandstärke von Bedeutung, da
hierdurchigewährleistet wird, daß die Membranspannunq in der Hülle klein genug bleibt,
um gegen den aus Atmosphärendruck und Pulverschüttung sich erqebenden Druck beim Einfüllen
des pulverförmigen Materials nicht zu überwiegen. Schließlich ist es vorteilhaft,
wenn als äußere Stützform Glasfritte, Sintermetall oder poröse Keramik vorgesehen
wird.
[0007] Es hat sich gezeigt, daß das erfindungsgemäße Verfahren besonders vorteilhaft für
die Herstellung eines Verdichter- oder Turbinenrades angewendet werden kann.
[0008] Ein Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen Verfahrens wird nachfolgend unter Bezugnahme
auf die beigefügte Zeichnung erläutert: In der Zeichnung ist eine Vorrichtung 1 zur
Herstellung eines Grünlings eines Radialturbinenrades für das nachfolgende kaltisostatische
Pressen im Schnitt dargestellt.
[0009] Die Vorrichtung 1 umfaßt einen äußeren geschlossenen Behälter 2 mit einem Deckel
3. Im Boden des Behälters befinden sich Anschlußleitungen 4 für das Anlegen eines
Vakuums oder eines Drucks im Innern des Behälters. Der Deckel 3 weist zentral eine
Einfüllöffnung auf, durch welche eine elastische Hülle 8, die gemäß Zeichnung eine
dünnwandige Gummihaut ist, in das Innere des Behälters reicht. Die Gummihaut ist im
Behälterinneren geschlossen und befindet sich in einem inneren Hohlraum, der durch
eine teilbare äußere Stützform 5, 6 und 7 gebildet ist. Die Stützformteile 5, 6, 7
sind ihrerseits im geschlossenen Behälter 2, 3 formschlüssig aufgenommen. Der Einfüllstutzen
9 der elastischen Form 8 ist mit einer Anschlußleitung über eine luftdichte Verbindung
12 verbunden. Der Einfüllstutzen 9 kann durch einen
Gummistöpsel 10 mit innerer Vakuumleitung 11 verschlossen werden.
[0010] Die Stützform 5, 6, 7 besteht aus einem offenporigen Material, insbesondere aus einer
Glasfritte, aus Sintermetall oder aus poröser Keramik. Die Form ist teilbar, damit
später der Grünling entfernt werden kann. Die Teile der Stützform werden formschlüssig
im Behälter 2, 3 an
ge-ordnet. Die Anschlußleitungen sind verlegt. In der Stützform befindet sich die Gummiform.
[0011] Wird nun das Innere der Vorrichtung 1 über die Vakuumleitungen 4 evakuiert, wird
die elastische dünnwandige Hülle 8 durch den Luftdruck aufgebläht, so daß sie sich
an der Innenkontur der offenporigen Stützform anlegt. Anschließend wird das zu verdichtende
Pulver 13 durch den Einfüllstutzen 9 der elastischen Form 8 eingefüllt und danach
der Einfüllstutzen 9 mit dem Gummistöpsel 10 verschlossen, der seinerseits eine Evakuierungsleitung
11 aufweist. Daraufhin werden die Vakuumleitungen 4 geöffnet, so daß Luft in die poröse
Stützform 5, 6, 7 strömt. Die Luft aus der aufgeblähten elastischen Form 8 wird durch
die Evakuierungs- öffnung des Gummistöpsels 10 abgepumpt. Nun lastet Atmosphärendruck
auf der Außenhaut der elastischen Form 8 und damit auch auf dem eingefüllten Pulver
13. Die Reibung im Pulver 13 ist so groß, daß sich das zu pressende Teil nicht mehr
von selbst verformt. Anschließend wird die Vakuumleitung 11 im Stöpsel 10 verschlossen,
das Werkzeug zerlegt und das von der Gummiform umhüllte Teil kaltisostatisch gepreßt.
[0012] Durch die Erfindung kann mithin auf einfache Weise ein kompliziertes Formteil wie
beispielsweise ein Turbinenrad mit präziser Außenkontur gefertigt werden. Der Erfindung
liegt die Erkenntnis zugrunde, daß aufgrund der extrem dünnwandigen elastischen Form
8 beim Abbau des kaltisostatischen Preßdrucks die Form beim Auffedern nur kleine radial
nach außen gerichtete bzw. axiale Kräfte auf das zu fertigende Teil überträgt. Gleichwohl
ist die elastische Form 8 aufgrund der äußeren Stützteile 5, 6, 7 mechanisch stabil
genug, so daß es nicht beim Einfüllen des Pulvers 13 zu Formveränderungen kommt.
1. Verfahren zur Herstellung von Formteilen, insbesondere solchen mit komplizierter
Außenkontur durch kaltisostatisches Pressen, bei dem eine undurchdringliche, dünnwandige
und elastische Hülle an der Innenwand einer teilbaren äußeren Stützform aus offenporigem
Material zur Anlage gebracht wird, indem die äußere Stützform einem Unterdruck ausgesetzt
wird, worauf die elastische Hülle mit pulverförmigem Formmaterial gefüllt und verschlossen
wird und anschließend einem kaltisostatischen Preßdruck ausgesetzt wird, dadurch gekennzeichnet,
daß nach dem Einfüllen des Pulvers (13) der Unterdruck an der äußeren Stützform (5,
6, 7) gelöst und Unterdruck in der Hülle (8) erzeugt wird und vor dem kaltisostatischen
Pressen die äußere Stützform (5, 6, 7) entfernt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die äußere Stützform (5,
6, 7) in einem geschlossenen"Behälter (2, 3) mit Anschlußleitungen (4, 9) zur Erzeugung
von Unter- bzw. überdruck und für das Einfüllen des pulverförmigen Materials (13)
aufgenommen ist.
3. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß die elastische
Hülle (8) eine Wandstärke von 0,1 bis 1 mm aufweist.
4. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die elastische
Hülle (8), wie an sich bekannt, aus Gummimaterial gebildet wird.
5. Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß als äußere Stützform
(5, 6, 7) Glasfritte, Sintermetall oder poröse Keramik vorgesehen wird.
6. Anwendung des Verfahrens nach den Ansprüchen 1 bis 5 zur Herstellung eines Verdichter-
oder Turbinenrades.