[0001] Die Erfindung geht aus von einem Verfahren zur Herstellung eines Werkstücks nach
der Gattung des Oberbegriffs des Anspruchs 1.
[0002] Aus der Literatur sind Verfahren bekannt, nach denen ein feinkörniges Endprodukt,
ausgehend von einem Rohling aus einer warmfesten Legierung (z.B. Nickelsuperlegierung)
in mehreren Arbeitsgängen hergestellt werden kann. Insbesondere trifft dies auf ein
Verfahren zu, bei welchem in einem ersten Schritt das Ausgangsmaterial dicht unterhalb
seiner Rekristallisationstemperatur nach herkömmlicher Art verformt wird, so dass
sich das gewünschte feinkörnige Gefüge in einem Zwischenprodukt einstellt. In einem
zweiten Schritt wird dann dieses Zwischenprodukt durch quasi-isothermes Schmieden
unter Verwendung von beheizten Gesenken in das Endprodukt übergeführt (GB-PS 1 253
861
[0003] Es sind auch Verfahren bekannt geworden, welche empfehlen, in einem einzigen Verfahrensschritt
aus einer warmfesten austenitischen Legierung ein feinkörniges Werkstück herzustellen.
Dabei sollen ganz bestimmte Temperatur- (950 bis 1200°C) und Verformungsbedingungen
eingehalten werden. Diese hängen in der Regel von der Legierung und der Werkstückgrösse
ab (vgl. EP-A-0 087 183).
[0004] Bei der Durchführung dieser Verfahren zeigt es sich ausserdem, dass es ausserordentlich
schwierig ist, durch Verformen unterhalb der Rekristallisationstemperatur ein für
das Endprodukt optimales Gefüge mit besten mechanischen Eigenschaften zu erhalten.
Ausserdem sind diese Verfahren ausserordentlich langsam, was sich ungünstig auf die
Wirtschaftlichkeit auswirkt. Es besteht daher das Bedürfnis, die bekannten Verfahren
zu verbessern.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Umformverfahren anzugeben, welches
die Herstellung eines Werkstücks aus einer Nickelbasis-Superlegierung, ausgehend von
einem lösungsgeglühten grobkörnigen Rohling ermöglicht, wobei das Endprodukt gleichzeitig
die definitive Schmiedeform, ein feinkörniges Gefüge und bestmögliche mechanische
Eigenschaften aufweist.
[0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäss durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst.
[0007] Die Erfindung wird anhand des nachfolgenden, durch Figuren erläuterten Ausführungsbeispiels
beschrieben.
[0008] Dabei zeigt:
Fig. 1 ein Diagramm des Temperaturverlaufs des Verfahrens in Funktion der Zeit,
Fig. 2 ein Diagramm der Korngrösse und des Grobkornanteils in Funktion der Umformtemperatur.
[0009] In Fig. 1 ist der Temperaturverlauf des Verfahrens in Funktion der Zeit (willkürlicher,
unterbrochener Massstab) in den verschiedenen Verfahrensschritten dargestellt. a ist
die für ein gegebenes Material vorliegende Lösungsglühtemperatur für die y'-Phase,
die für die untersuchte Superlegierung (Handelsname «Waspaloy») zwischen 1020 und
1040°C (im Mittel bei 1030°C) liegt. Der Verlauf b entsprechend Phase I bezieht sich
auf einen ersten, im wesentlichen der Kornverfeinerung dienenden und in einem isothermen
Schmieden (Stauchen) bestehenden Warmverformungsschritt. Der Verlauf c entsprechend
Phase II stellt den wesentlich langsamer durchgeführten und sowohl zur Endform (Fertigteil)
wie zur Steigerung der mechanischen Festigkeit führenden zweiten Verformungsschritt
dar.
[0010] Im unteren Teil der Figur ist die weitere für diese Klasse von Superlegierungen übliche,
aus Lösungsglühen, Abschrecken und mehrfachem Aushärten bestehende, an den Umformprozess
anschliessende Wärmebehandlung in einem anderen Zeitmassstab dargestellt.
[0011] Fig. 2 zeigt grundsätzlich die Zusammenhänge zwischen Gefügeausbildung und Umformtemperatur.
d stellt die mittlere Korngrösse, x den Anteil an groben Einzelkörnern in Funktion
der Umformtemperatur für konstante Verformung und Verformungsgeschwindigkeit dar.
Ausführungsbeispiel:
Siehe Fig. 1!
[0012] Zur Herstellung eines doppelkegelförmigen rotationssymmetrischen Hohlkörpers mit
Zwischenflansch wurde ein Rohling aus einer lösungsgeglühten Nickelbasis-Superlegierung
verwendet. Die Legierung mit dem Handelsnamen «Waspaloy» hatte die nachfolgende Zusammensetzung:

[0013] Der Rohling hatte zylindrische Form und besass folgende Abmessungen:

[0014] Er wurde in einem ersten Verfahrensschritt (Phase I) in einer Schmiedepresse in axialer
Richtung durch isothermes Schmieden bei einer Temperatur von 1 100°C, welche oberhalb
der Lösungsglühtemperatur für die y' -Phase des Werkstoffes lag, derart gestaucht,
dass er danach die folgenden Abmessungen aufwies:

[0015] Dies entsprach einem Verformungsgrad εvon 0,7. Die mittlere Verformungsgeschwindigkeit
betrug ε = 12,5 - 10
-3s
-1. Dabei war wie folgt definiert:
Ao = Querschnittsfläche des Werkstücks vor der Umformung, je pro Schritt,
Af = Querschnittsfläche des Werkstücks nach der Umformung,
In = natürlicher Logarithmus,
t = Zeit in Sekunden.
[0016] Nach dem gemäss Phase I ca. 1 min dauernden Stauchvorgang wurde das Werkstück an
Luft auf Raumtemperatur abgekühlt.
[0017] In einem zweiten Verfahrensschritt (Phase 11) wurde das vorgeformte Werkstück in
einem Schmiedegesenk bei einer niedrigeren Temperatur, welche knapp unterhalb der
Lösungsglühtemperatur für die y' -Phase lag, bis zur Fertigform isotherm geschmiedet.
Im vorliegenden Fall betrug diese Schmiedetemperatur 1010°C. Während der Phase II
wurde die Verformungsgeschwindigkeit stufenweise entsprechend dem bereits erreichten
Verformungsgrad erniedrigt. Der der ersten ca. 8 min dauernden Stufe entsprechende
Verformungsgrad s betrug 1,3. Die mittlere Verformungsgeschwindigkeit war ε = 1,5
- 10
-3s
-1, was einer durchschnittlichen Stempelgeschwindigkeit von ca. 0,1 mm/s entsprach.
Die maximal.erreichte Presskraft war 1800 kN. Die ca. 5 min dauernde zweite Stufe
entsprach einem Verformungsgrad s von 0,5 bei einer Verformungsgeschwindigkeit von
ε = 0,9 . 10
-3s
-1. Die dritte, ca. 7 min dauernde Stufe erreichte noch ein ε von 0,2 bei einem ε =
0,
1 . 10
-3s
-1. Die maximal erreichte Presskraft betrug hierbei 2000 kN. Alle ε und ε auf A
o des zweiten Verfahrensschritts bezogen!
[0018] Nach dem Fertigschmieden gemäss Phase II wurde das Werkstück der üblichen konventionellen
Wärmebehandlung unterzogen: Lösungsglühen bei 1020°C während 4 h, Abschrecken in Öl,
Glühen bei 850°C während 4 h, Abkühlen in Luft, Aushärten bei 750°C während 16 h,
Abkühlen in Luft.
[0019] Das fertig geschmiedete und wärmebehandelte Werkstück wies bei Raumtemperatur eine
Streckgrenze von 938 MPa auf, während die Dehnung 22% betrug.
[0020] Das Verfahren ist nicht auf das Ausführungsbeispiel beschränkt. Es kann z.B. auf
die Luftabkühlung nach der Phase I unter gewissen Umständen verzichtet werden. Das
Schmieden würde also in einer Hitze erfolgen, wie dies durch die gestrichelte Kurve
zwischen den Ästen b und c in Fig. 1 angedeutet ist. Das Verfahren kann dann auch
so gestaltet werden, dass der erste Schritt im wesentlichen in einem Stauchen des
Schmiederohlings im Gesenk mit nachfolgender Abkühlung im Gesenk auf die Schmiedetemperatur
des zweiten Schrittes besteht. Eine weitere mögliche Variante beruht darauf, dass
der erste Schritt in einem Vorstauchen des Schmiederohlings mit anschliessendem Formschmieden
im Gesenk bei einer Temperatur oberhalb der Lösungsglühtemperaturfür die y' -Phase
des Werkstoffs besteht. Ferner kann das Abkühlen des Werkstücks beim Übergang vom
ersten zum zweiten Schritt (zwischen Phase I und Phase 11) unter gleichzeitigem Aufbringen
einer Last erfolgen.
[0021] Ausser «Waspaloy» eignet sich noch eine ganze Anzahl anderer Superlegierungen für
das Verfahren, worunter Handelsnamen wie Astrology, Alloy 901, IN 718, IN 100, René
95 usw. figurieren. Im allgemeinen können die Legierungsgrenzen ungefähr wie folgt
angegeben werden:

[0022] Während des ersten Verfahrensschrittes (Phase I) soll der Verformungsgrad s mindestens
den Wert 0,7 erreichen, bei Verformungsgeschwindigkeiten ε, die vorteilhafterweise
zwischen 5 . 10
-3s
-1 und 15 · 10
-3s
-1 (im Durchschnitt um 10 · 10
-3s
-1) liegen. Beim zweiten Verfahrensschritt (Phase II) muss der Verformungsgrad ein Mass
erreichen, das ausreicht, um die gewünschten guten mechanischen Eigenschaften zu erzielen.
Dieses Mass hängt von der Form und Grösse des Werkstücks ab. Die entsprechenden Verformungsgeschwindigkeiten
ε bewegen sich dabei etwa zwischen 2 · 10
-3s
-1 und 0,1 · 10
-3s
-1. Sie nehmen mit fortschreitendem Verformungsgrad ε ab, in dem Masse wie sich das
Werkstück der Endform nähert.
[0023] Wesentlich ist, dass der erste Schritt oberhalb und der zweite Schritt knapp unterhalb
der Lösungsglühtemperatur für die y' -Phase des Werkstoffs durchgeführt wird, so dass
für die Endform eine mittlere Korngrösse von 4 bis 40 µm, eine Warmstreckgrenze bei
540°C von mindestens 780 MPa und eine Standzeit unter einer Belastung von 510 MPa
bei 670°C von mindestens 100 h (Zeitstandfestigkeit) erzielt wird.
1. Verfahren zur Herstellung eines feinkörnigen Werkstücks mit verbesserten mechanischen
Eigenschaften aus einer Nickelbasis-Superlegierung, dadurch gekennzeichnet, dass in
einem ersten Schritt ein Schmiederohling durch isothermes Schmieden oberhalb der Lösungsglühtemperatur
für die y'-Phase in eine Zwischenform übergeführt wird, wobei ein Verformungsgrad
s von mindestens 0,7 und eine Verformungsgeschwindigkeit ε von 5 · 10
-3s
-1 bis 15 · 10
-3s
-1 eingehalten wird, und dass die Zwischenform in einem zweiten Schritt durch isothermes
Schmieden dicht unterhalb der Lösungsglühtemperatur für die y' -Phase unter Anwendung
einer Verformungsgeschwindigkeit ε von 2 · 10
-3s
-1 bis 0,1 . 10
-3s
-1 in die Endform übergeführt wird, wobei wie folgt definiert ist:
Ao = Querschnittsfläche des Werkstücks vor der Umformung, je pro Schritt,
Af = Querschnittsfläche des Werkstücks nach der Umformung,
In = natürlicher Logarithmus,
t = Zeit in Sekunden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Werkstück bis zur Endform
auf eine mittlere Korngrösse von 4 bis 40 µm, eine Warmstreckgrenze bei 540°C von
mindestens 780 MPa und eine Standzeit unter einer Belastung von 510 MPa bei 670°C
von mindestens 100 h geschmiedet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Nickelbasis-Superlegierung
die nachfolgenden Grenzwerte der Zusammensetzung aufweist:
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der erste Schritt im wesentlichen
in einem Stauchen des Schmiedrohlings im Gesenk mit nachfolgender Abkühlung im Gesenk
auf die Schmiedetemperatur des zweiten Schrittes besteht.
5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der erste Schritt in einem
Vorstauchen des Schmiederohlings mit anschliessendem Formschmieden im Gesenk bei einer
Temperatur oberhalb der Lösungsglühtemperatur des Werkstoffs besteht.
6. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Abkühlen des Werkstücks
beim Übergang vom ersten zum zweiten Schritt unter gleichzeitigem Aufbringen einer
Last erfolgt.
1. Process for producing a fine-grain workpiece having improved mechanical properties
from a nickel-based super-alloy, characterized in that, in the first step, a forging
blank is converted into an intermediate form by isothermal forging above the solution-annealing
temperature for the y' -phase, a degree of deformation ε of at least 0.7 and a deformation
rate ε of 5 x 10
-3s
-1 to 15 x 10
-3s
-1 being maintained, and that the intermediate form is converted in the second step
into the final form by isothermal forging just below the solution-annealing temperature
for the y' -phase, a deformation rate ε of 2 x 10
-3s
-1 to 0.1 x 10
-3s
-1 being applied, ε being defined as follows:
Ao = cross-sectional area of the workpiece before deformation, for each step,
Af = cross-sectional area of the workpiece after deformation,
In = natural logarithm,
t = time in seconds.
2. Process according to claim 1, characterized in that the workpiece up to the final
form is forged to a mean grain size of 4 to 40 µm, a hot yield point at 540°C of at
least 780 MPa and a life of at least 100 hours under a load of 510 MPa at 670°C.
3. Process according to claim 1, characterized in that the nickel-based super-alloy
has the following composition limits:
4. Process according to claim 1, characterized in that the first step essentially
consists in upsetting the forging blank in the die with subsequent cooling in the
die to the forging temperature of the second step.
5. Process according to claim 1, characterized in that the first step consists in
pre-upsetting the forging blank with subsequent precision-forging in the die at a
temperature above the solution-annealing temperature of the material.
6. Process according to claim 1, characterized in that cooling of the workpiece at
the transition from the first to the second step is effected with simultaneous application
of a load.
1. Procédé pour la fabrication d'une pièce à grain fin présentant des propriétés mécaniques
améliorées, en un superalliage à base de nickel, caractérisé en ce que dans une première
étape, une ébauche de forge est transformée en produit intermédiaire par forgeage
isotherme au-dessus de la température du recuit de mise en solution de la phase y',
pour laquelle on respecte un taux de déformation ε d'au moins 0,7 et une vitesse de
déformation ε de 5 · 10-
-3s
-1 à 15 . 10
-3s
-1, et en ce que dans une seconde étape le produit intermédiaire est amené à sa forme
finale par forgeage isotherme juste en dessous de la température du recuit de mise
en solution de la phase y' , avec une vitesse de déformation ε de 2 - 10
-3s
-1 à 0,1 - 10
-3s
-1, dans lequel est défini comme suit:

où
Ao = aire de la section de la pièce avant la déformation, pour chaque étape,
Af = aire de la section de la pièce après la déformation,
In = logarithme natural,
t = temps en secondes.
2. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé en ce que la pièce est forgée à
sa forme finale présentant une taille moyenne de grain 4 à 40 µm, une limite d'élasticité
à chaud à 540°C d'au moins 780 MPa et une durée de vie d'au moins 100 h sous une charge
de 510 MPa à 670°C.
3. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé en ce que le superalliage à base
de nickel présente les limites suivantes de composition pondérale:
4. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé en ce que la première étape consiste
essentiellement en un matriçage de l'ébauche de forge suivi d'un refroidissement dans
la matrice jusqu'à la température de forgeage de la seconde étape.
5. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé en ce que la première étape consiste
en un pré- estampage de l'ébauche de forge suivi du forgeage à forme dans la matrice
à une température située au-dessus de la température du recuit de mise en solution
du matériau.
6. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé en ce que le refroidissement de
la pièce lors du passage de la première à la seconde étape est réalisé avec application
simultanée d'une charge.