[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Kardieren textiler Fäden mit einer von
einem Antrieb in Drehung versetzbaren, mit einer Aufrauhoberfläche versehenen Kardierscheibe
und mit Einrichtungen zum Führen und Ziehen wenigstens eines Fadens über die Aufrauhoberfläche
der Kardierscheibe im wesentlichen quer zu ihrer Umlaufrichtung.
[0002] Unter textilen Fäden sind auch Garne zu verstehen, die nach dem Aufrauhen bzw. Kardieren
vor allem für die Herstellung von Strick- und Wirkwaren bestimmt sind.
[0003] Zum Aufrauhen von Fäden ist es bereits bekannt, einen Faden über zumindest eine sich
quer zu seiner Laufrichtung bewegende Schleiffläche und anschließend daran über eine
weitere, sich bezüglich des Fadens in entgegengesetztem Sinn quer zum Faden bewegenden
Schleiffläche laufen zu lassen. Als Kardierflächen werden dabei abgeschrägte Umfangsflächen
einer Schleifscheibe oder abgeschrägte Ringflächen einer Hohlscheibe verwendet, wobei
die Fadenführer so angeordnet sind, daß der aufzurauhende Faden über die Kardierfläche
in einer Richtung geführt und dann so umgelenkt wird, daß er diametral gegenüberliegend
über die Kardierfläche entgegengesetzzur Zuführungsrichtung abgeführt wird (AT-C-148
3
03).
[0004] Die bekannte Vorrichtung hat den Nachteil, daß die Anordnung der Führungen aufwendig
ist und relativ viel Raum benötigt wird. Außerdem lassen sich mit der bekannten Vorrichtung
nur stärkere Garne aufrauhen, beispielsweise von 62,5 bis 5ooo tex (Nm 16 bis o,2).
Schließlich besteht bei der bekannten Vorrichtung keine Möglichkeit, den beim Kardieren
entwickelten Faserstaub gezielt abzuführen.
[0005] Die der Erfindung zugrunde liegende Aufgabe besteht darin, die Vorrichtung der eingangs
genannten Art in Kompaktbauweise so auszubilden, daß sie ohne großen Aufwand in einer
Fadenbahn ohne Beeinträchtigung der Umgebung durch Faserflug angeordnet werden kann.
[0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß die Aufrauhoberfläche von
der im wesentlichen ebenen Stirnfläche der Kardierscheibe gebildet wird, daß die Kardierscheibe
in einem Gehäuse gelagert ist, daß das Gehäuse mit der Kardierscheibe von einem Deckel
aus transparentem Material abgedeckt ist, daß die Einrichtung zum Führen eines Fadens
aus wenigstens im Gehäuse ausgebildeten Nuten zur Führung des Fadens längs eines Durchmessers
oder einer Sehne der Stirnfläche der Kardierscheibe besteht und daß wenigstens im
Gehäuse wenigstens eine öffnung zum Absaugen von Faserstaub ausgebildet ist.
[0007] Die erfindungsgemäße Vorrichtung hat den Vorteil, daß die Masse der beweglichen Teile
klein gehalten werden kann, was hohe Drehzahlen der Kardierscheibe ermöglicht und
bei hohen Fadengeschwindigkeiten ein effektives Aufrauhen der Fadenoberflächen gewährleistet,
wobei auch die Kardierung von relativ dünnen Garnen und Fäden mit Nm 36 bis 4o und
höher möglich ist und die in dieser Weise aufgerauhten Fäden sich für das Wirken und
Stricken zu Trikotagenwaren eignen. Die Vorrichtung läßt sich mit minimalen Abmessungen
im Baukastenmodulprinzip herstellen und problemlos bei vorhandenen Garnaufwickelmaschine
anordnen, wobei durch die Absaugung des anfallenden Faserflugs die Umgebung sauber
gehalten wird. Der Vorgang der Kardierung und die einwandfreie Fadenführung längs
eines Durchmessers oder einer Sehne der Stirnseite der Kardieroberfläche läßt sich
durch Beobachten durch den transparenten Deckel hindurch feststellen, wobei die Wirkung
von Justierungen der Fadenbahn beobachtet werden kann.
[0008] Wenn die Nuten für die Fadenführung auch im Deckel angeordnet sind, kann die im Gehäuse
gelagerte Kardierscheibe mit ihrer aufrauhenden Stirnfläche etwas über die Gehäuseoberseite
vorstehen.
[0009] Eine Verbesserung der Absaugung von Faserflug kann dadurch erreicht werden, daß auch
im Deckel wenigstens eine öffnung zum Absaugen des Faserstaubs angeordnet ist.
[0010] Die Positionierung der Fadenbahn läßt sich durch eine Einrichtung zum Einstellen
der Lage des Fadens bezüglich der Kardierscheibe besonders einfach vornehmen, wobei
diese Einrichtung in Fadenlaufrichtung vor den Nuten, hinter den Nuten oder vor und
hinter den Nuten angeordnet sein kann.
[0011] Zur Steuerung des Fadenlaufs ist zweckmäßigerweise in Fadenlaufrichtung vor den Nuten
eine Fadenbremse vorgesehen.
[0012] Anhand der Zeichnung, die schematisch eine perspektivische Ansicht einer Vorrichtung
zeigt, wird die Erfindung näher erläutert.
[0013] Die in der Zeichnung gezeigte Vorrichtung besteht aus einer Kardierscheibe 1, welche
in einem Gehäuse 2 angeordnet ist, auf dem ein Deckel 7 aus einem transparenten Material
sitzt. Die Kardierscheibe 1 wird von einem Antrieb 6 angetrieben, der aus einem Riementrieb,
Zahnantrieb oder Reibantrieb bestehen kann. Die Stirnseite der Kardierscheibe 1 ist
als Aufrauhoberfläche ausgebildet und dafür mit einer Riffelung oder einem entsprechenden
Belag versehen. In dem im wesentlichen quaderförmigen Gehäuse ist die Kardierscheibe
1 innerhalb einer zylindrischen Aussparung frei drehbar, wobei auf den gegenüberliegenden
Gehäuseseiten Nuten 9 so ausgespart sind, daß ein Faden oder Garn 8 längs eines Durchmessers
oder eine Sehne über die Aufrauhoberfläche der Kardierscheibe 1 geführt wird, die,
wie durch einen Pfeil veranschaulicht, im Uhrzeigersinn rotiert, während der aufzurauhende
Faden 8, dessen Laufrichtung ebenfalls durch Pfeile veranschaulicht ist, auf der Kardierscheibe
1 in Richtung der schwarzen Pfeile verdreht wird, wodurch das Aufrauhen seiner gesamten
Oberfläche gewährleistet ist, so daß das kardierte Garn einen angenehmen Griff hat.
[0014] Bei dem gezeigten Ausführungsbeispiel sind zwei Nutenpaare vorgesehen, um zwei Fäden
8 über die Kardierscheibe 1 zu führen. Zum Entfernen des dabei anfallenden Faserstaubs
ist sowohl im Gehäuse 2 als auch im Deckel 7 jeweils eine öffnung 5 ausgespart.
[0015] In Fadenlaufrichtung vor und nach dem Gehäuse ist eine Einrichtung 3 vorgesehen,
die am Gehäuse 2 festgelegt sein kann und mit der sich die Fadenbahn und somit auch
das genaue Laufen des Fadens 8 über die Aufrauhoberfläche der Kardierscheibe 1 durch
den Deckel 7 aus transparentem Material hindurch beobachtbar einstellen läßt. Weiterhin
ist in Fadenlaufrichtung vor dem Gehäuse 2 für jeden Faden 8 eine Fadenbremse 4 vorgesehen,
wodurch zusammenwirkend mit einer nicht gezeigten Fadenaufwickeleinrichtung eine gewünschte
Fadenspannung beim Lauf des Fadens über die Kardierscheibe 1 eingestellt werden kann.
[0016] Die erfindungsgemäße Vorrichtung arbeitet folgendermaßen:
Mit Hilfe der Einrichtungen 3 wird die Lage der laufenden Fäden 8 so eingestellt,
daß sie geführt von den Nuten 9 mit einem gegebenen Andruck über die Aufrauhoberfläche
der Kardierscheibe 1 laufen, wobei die Laufgeschwindigkeit der Fäden 8 von den Aufwickeleinrichtungen
vorgegeben wird, während die Fadenspannung über die Fadenbremsen 4 eingestellt wird.
Das Einstellen des Fadenlaufs und die Beobachtung des Kardierens kann durch den transparenten
Deckel 7 der Vorrichtung hindurch erfolgen. Die sich in Pfeilrichtung mit Hilfe des
Antriebs 6 drehende Kardierscheibe 1 verdreht die über ihre Stirnfläche laufenden
Fäden 8 in Richtung der dick ausgezogenen Pfeile. Der während des Betriebs entwickelte
Faserstaub wird über die öffnungen 5 abgesaugt. Dabei können die Fäden 8 mit Nm 18
bei einer Geschwindigkeit von 6o m/min längs einer Sehne über die mit 4oo Upm rotierende
Kardierscheibe 1 geführt werden.
[0017] Die erfindungsgemäße Vorrichtung zum Kardieren textiler Fäden und Garne besteht aus
einer mit Nuten versehenen oder mit einer geeigneten Aufrauhoberfläche bedeckten Kardierscheibe
1, mit welcher sie auf einem Durchmesser des in Berührung zugeführten Fadens oder
Garns 8 ähnlichen gleichen Sehne wirkt, mit einem festen Gehäuse 2 gelagert ist und
mit einem transparenten Deckel 7 bedeckt ist, der mit Aspirationsöffnungen 5 und Nuten
9 zum Durchlaufen der Fäden oder des Garns 8 versehen ist, wobei die Kardierscheibe
1 durch ein Friktions-, Riemen- oder Zahngetriebe oder individuell durch einen Motor
6 angetrieben wird und zum Gehäuse 2 oder in seiner Nähe die Bremseinrichtungen 4
sowie Einrichtung 3 zur Regulierung der gegenseitigen Anordnung der Fäden oder des
Garns 8 gegenüber der Kardierscheibe 1 befestigt sind.
1. Vorrichtung zum Kardieren textiler Fäden (8) mit einer von einem Antrieb (6) in
Drehung versetzbaren, mit einer Aufrauhoberfläche versehenen Kardierscheibe (1) und
mit Einrichtungen zum Führen und Ziehen wenigstens eines Fadens (8) über die Aufrauhoberfläche
der Kardierscheibe (1) im wesentlichen quer zu ihrer Umlaufrichtung, dadurch gekennzeichnet
, daß die Aufrauhoberfläche von der im wesentlichen ebenen Stirnfläche der Kardierscheibe
(1) gebildet wird, daß die Kardierscheibe (1) in einem Gehäuse (2) gelagert ist, daß
das Gehäuse (2) mit der Kardierscheibe (1) von einem Deckel (7) aus transparentem
Material abgedeckt ist, daß die Einrichtung zum Führen eines Fadens (8) aus wenigstens
im Gehäuse (2) ausgebildeten Nuten (9) zur Führung des Fadens (8) längs eines Durchmessers
oder einer Sehne der Stirnfläche der Kardierscheibe (1) besteht und daß wenigstens
im Gehäuse (2) wenigstens eine öffnung (5) zum Absaugen von Faserstaub ausgebildet
ist.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet , daß die Nuten (9) für die
Fadenführung auch im Deckel (7) angeordnet sind.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet , daß auch im Deckel
(7) wenigstens eine Öffnung (5) zum Absaugen von Faserstaub angeordnet ist.
4. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch eine
Einrichtung (3) zum Einstellen der Lage des Fadens (8) bezüglich der Kardierscheibe
(1), die in Fadenlaufrichtung vor und/oder hinter den Nuten (9) angeordnet ist.
5. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch eine
den Nuten (9) in Fadenlaufrichtung vorgeordnete Fadenbremse (4).