[0001] Die Erfindung betrifft ein Bindemittelgemisch zur Verfestigung des Formsandes für
Gießereizwecke, bestehend aus einem Alkalimetallsilikat, vorzugsweise Natriumsilikat,
einem mehrwertigen Alkohol, und weiteren Additiven sowie ein Verfahren zur Herstellung
von Gießereiformen.
[0002] Bei der Verwendung der zur Zeit üblichen Bindemittelgemische ergeben sich teilweise
folgende Schwierigkeiten:
Einige Komponenten der herkömmlichen Gemische haben nicht nur einen starken, unangenehmen
Geruch, sondern sind auch giftig und daher gesundheitsschädlich. Sie belasten die
Umwelt und ihre Abfallprodukte müssen mit einem hohen finanziellen Aufwand beseitigt
werden.
[0003] Ein anderes Problem besteht darin, daß sich die mit einigen Bindemittelgemischen
hergestellten Gießformen nach der Abkühlphase nur unter großen Schwierigkeiten von
dem ausgehärteten Modell entfernen lassen. Bei komplizierteren Formgebungen ist es
häufig notwendig, die Gießform in sorgfältiger Handarbeit zu entfernen. Dabei besteht
die Gefahr der Beschädigung der Oberfläche des Modells. Dazu kommt; daß dieser zusätzliche
Aufwand große finanzielle Zusatzkosten verursacht, die sich unweigerlich in einer
Verteuerung der Gießformen niederschlagen.
[0004] Es hat sich außerdem gezeigt, daß
' die mit den seitherigen Bindemittelgemischen gegossene Formen teilweise hygroskopische
Eigenschaften zeigen und. daher ihre Formbeständigkeit nur von kurzer Dauer ist. Dieses
Phänomen erschwert eine gewisse Vorratshaltung und damit eine rationelle Arbeitsweise.
[0005] Die Erfindung löst diese Probleme dadurch, daß als Additive modifizierte Kohlehydrate,
nichthygroskopische Stärke, Metalloxid und ein Füllstoff vorgesehen sind. Dabei hat
es sich als vorteilhaft erwiesen, daß im Natriumsilikat ein Verhältnis von Na
20 : Si0
2 = 1 :2 bis' 1 : 3 besteht. Diese Komponenten des Bindemittelgemisches sind geruchlos
und völlig ungefährlich, ja sogar eßbar. Der Umgang und das Arbeiten mit den Sandgemischen,
die diese Komponenten enthalten, erfordern keinerlei Schutzmaßnahmen; die Beseitigung
der Abfallprodukte ist völlig problemlos.
[0006] Der eigentliche Binder verbrennt beim Gießprozeß bei ungefähr 200°C. Dabei brechen
die durch ihn hervorgerufenen Bindungen zwischen den Sandkörnern zusammen, mit der
Folge, daß die Sandform zerfällt und aus komplizierten Raumformen herausbröselt. Dadurch
erübrigt sich ein vorher notwendiger, zusätzlicher Arbeitsvorgang, bei dem die Gießform
mit viel Mühe von dem gegossenen Modell entfernt werden mußte. Auf der anderen Seite
sind die aus Sand und dem erfindungsgemäßen Bindemittelgemisch hergestellten Gießformen
gegen Feuchtigkeitseinflüsse absolut beständig.
[0007] Das Natriumsilikat und das modifizierte Kohlehydrat sind Hauptkomponenten und bedingen
folgende charakteristische Eigenschaften dieses Bindersystems: Es zeichnet sich durch
eine geringe Viskosität und eine durch diese Komponenten bedingte Feuchtigkeitsbeständigkeit
aus. Außerdem weist dieses System vollständige chemische Reaktionen.mit den Gelierreagenzien
und erhöhte Reaktionsraten gegenüber den nichtmodifizierten Natriumsilikat-Bindersystemen
auf. Ein weiterer Unterschied gegenüber den nichtmodifizierten Natriumsilikat-Bindersystemen
liegt in dem tieferen Gefrierpunkt und einer erhöhten Elastizität der Bindungen zwischen
den Sandkörnern nach dem Geliervorgang. Weiterhin zeichnet sich dieses System durch
einen reduzierten Katalysatorverbrauch aus.
[0008] Es liegt im Rahmen der Erfindung, daß das modifizierte Kohlehydrat ein nichthygroskopisches
Stärkehydrolysat mit einer Reduktionskraft 6 - 15 % ist, das auch als Pulver mit -100
mesh bis -200 mesh zugesetzt werden kann.
[0009] Es ist weiterhin vorgesehen, daß die nichthygroskopische Stärke und das Metalloxid
(vorzugsweise Eisenoxid) in Pulverform und in einer Menge von 0,25 bis Gew. % der
Sandmenge zugesetzt werden. Dadurch wird eine gewisse Fließfähigkeit und das Durchhärten
erreicht. Der Zusatz der nichthygroskopischen Stärke und des Metalloxids zum Sand
erfolgt vor der Zugabe des Natriumsilikats und des modifizierten Kohlehydrats.
[0010] Es liegt weiterhin im Rahmen der Erfindung, daß als Füllstoff ein Schmiermittel,
beispielsweise in Pulverform in einer Menge von 1 bis 2 Gew. % der Sandmenge oder
aber als öl in einer Menge von 0,10 - 0,25 Gew. % der Sandmenge zugesetzt wird. Durch
die Zugabe dieses Schmiermittels wird die Fließfähigkeit der Sandmischung verbessert.
Die nichthygroskopische Stärke, das Metalloxid sowie das Schmiermittel bewirken in
dem erfindungsgemäßen Bindersystem eine Erhöhung der Zugfestigkeit . des Binders von
nahezu 25 %. Diese charakteristische Eigenschaft kann noch durch den Einsatz von CO
2 oder eines chemischen Katalysators verbessert werden. Die erfindungsgemäße Mischung
zeigt, bedingt durch eine schnelle Trocknung, innerhalb kurzer Zeit eine hohe Festigkeit.
Es ist auch bemerkenswert, daß die abgebundenen Sandformen zur Erreichung einer Dehydrierung
nicht im Ofen getrocknet oder gebrannt werden müssen. Dieser Vorteil schlägt sich
in einer großen Ersparnis an Energie und Arbeitsaufwand und damit an Herstellungskosten
nieder.
[0011] Es hat sich als besonders vorteilhaft erwiesen, daß als Katalysatoren Esterverbindungen,
aus einem mehrwertigen Alkohol und organischen Säuren, eingesetzt werden. Folgende
Säuren haben sich als besonders geeignet erwiesen: Essigsäure, Carbonsäure, Zitronensäure,
Glutarsäure und Bernsteinsäure. Diese verschiedenen Ester werden in unterschiedlichen
Mengen und Kombinationen gemischt. Art und Menge des Katalysators beeinflussen die
Produktionszeit'der Gießformen, die sich von 2 Minuten bis mehrere Stunden erstrecken
kann.
[0012] Bei dem Verfahren zur Herstellung von Gießereiformen kann als Formsand jeder in der
Gießereitechnik übliche Sand, wie z.B. Zirkon, Chromit, Olivin, und Silikat verwendet
werden. Der Anteil des Formsandes beläuft sich ungefähr auf 96,5 %, der der Natriumsilikatlösung
auf 3 %, der der Stärke und des Metalloxids auf 0,5 % und der des Schmiermittels bis
zu 0,25 %. Wird ein Katalysator verwendet, so wird dieser in einer Menge von ungefähr
0,3 % zugesetzt. Das Verhältnis der Vorbereitungszeit zur Härtungszeit beträgt 1 :
2. Die mit dem erfindungsgemäßen Bindemittelgemisch und dem erfindungsgemäßen Verfahren
hergestellten Gießformen haben eine lange Haltbarkeit, die sich ungefähr auf 30 Tage
beläuft, wobei für die Aufbewahrung der fertigen Gießereiformen keine besonderen Anforderungen
gestellt sind. Der Binder verbrennt beim Gießprozeß bei ungefähr 200°C, wobei das
Sandgefüge lose wird und abbröselt.
1. Bindemittelgemisch zur Verfestigung des Formsandes für Gießereizwecke, bestehend
aus einem Alkalimetallsilikat, vorzugsweise Natriumsilikat, einem mehrwertigen Alkohol
und weiteren Additiven, dadurch gekennzeichnet, daß als Additive modifizierte Kohlehydrate,
nichthygroskopische Stärke, Metalloxid und ein Füllstoff vorgesehen sind.
-2. Bindemittel nach Anspruch.1, dadurch gekennzeichnet, daß das Verhältnis Na20 : Si02 = 1 : 2 bis 1 : 3 ist.
3. Bindemittel nach einem der Ansprüche 1 bis 2, dadurch gekennzeichnet, daß das modifizierte
Kohlehydrat ein nichthygroskopisches Stärkehydrolysat mit einer Reduktionskraft von
6 - 15 % ist.
4. Bindemittel nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das modifizierte
Kohlehydrat als Pulver mit -100 mesh bis -200 mesh zugesetzt wird.
5. Bindemittel nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die nichthygroskopische
Stärke und das Metalloxid in Pulverform zugesetzt werden.
6. Bindemittel nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Menge
der nichthygroskopischen Stärke und des Metalloxids 0,25 bis 1 Gew. % der Sandmenge
beträgt.
7. Bindemittel nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß der Füllstoff
ein Schmiermittel ist.
8. Bindemittel nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß das Schmiermittel in Pulverform
in einer Menge von 1 bis 2 Gew. % der Sandmenge zugesetzt wird.
9. Bindemittel nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß das Schmiermittel als
öl in einer Menge von 0,10 - 0,25 Gew. % der Sandmenge zugesetzt wird.
10. Bindemittel nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch ge-- kennzeichnet, daß als
Katalysator Esterverbindungen oder Kohlensäure eingesetzt wird.
11. Bindemittel nach Anspruch. 10, dadurch gekennzeichnet, daß der Ester aus einem
mehrwertigen Alkohol und einer organischen Säure hergestellt ist.
12. Bindemittel nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß als organische Säure
Essigsäure verwendet wird.
13. Bindemittel nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß als organische Säure
Carbonsäure verwendet wird.
14. Bindemittel nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß als organische Säure
Zitronensäure verwendet wird.
15. Bindemittel nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß als organische Säure
Glutarsäure verwendet wird.
16. Bindemittel nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß als organische Säure
Bernsteinsäure verwendet wird.
17. Verfahren zur Herstellung von Gießereiformen aus Formsand und einem Bindemittelgemisch,
hergestellt nach einem der Ansprüche 1 bis 16, dadurch gekennzeichnet, daß die Zugabe
der nichthygroskopischen Stärke und des Metalloxids vor der Zugabe des Natriumsilikats
und des modifizierten Kohlehydrats zum Formsand erfolgt.
18. Verfahren zur Herstellung von Gießereiformen nach einem der Ansprüche 1 bis 17,
dadurch gekennzeichnet, daß die Menge des Formsandes beispielsweise 96,5 %, die der
Natriumsilikatlösung 3 %, die der Stärke und des Metalloxids 0,5 % und die des Schmiermittels
bis zu 0,25 % beträgt.
19. Verfahren zur Herstellung von Gießereiformen nach Anspruch 18, dadurch gekennzeichnet,
daß ein Katalysator in einer Menge von ungefähr 0,3 % zugesetzt wird.